Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
3. BEHÖRDEN UND EINRICHTUNGEN DES STAATES UND DER SELBSTVERWALTUNG NACH 1816
3.5. VERKEHRSVERWALTUNG
3.5.2. Wasserbau und Schiffahrt
Reichs- und Bundesschleppbetrieb Münster (Dep.)
O 104, Reichs- und Bundesschleppbetrieb Münster (Dep.)
Permalink des Findbuchs


Signatur : O 104

Name : Reichs- und Bundesschleppbetrieb Münster (Dep.)

Beschreibung :

Einleitung :

Der staatliche Schleppbetrieb auf den westdeutschen Wasserstraßen verdankt seine Entstehung dem Wasserstraßengesetz vom 01.04.1905. Im § 18 dieses Gesetzes war festgelegt worden, dass auf dem Kanal vom Rhein zur Weser, auf dem Anschlusskanal nach Hannover, auf dem Lippe-Kanal und auf den Zweigkanälen dieser Schifffahrtsstraßen ein einheitlicher staatlicher Schleppbetrieb einzurichten und Privaten auf diesen Schifffahrtsstraßen die mechanische Schlepperei untersagt sei. In Ausführung dieser Bestimmungen wurde am 30.04.1913 das Gesetz über das Schleppmonopol auf dem Rhein-Weser-Kanal und dem Lippe-Kanal erlassen. Es räumte dem preußischen Staat das alleinige Schleppbetriebsrecht auf den genannten Kanälen mit ihren Anschlüssen und Abzweigungen ein.

Von den aufgrund des Wasserstraßengesetzes von 1905 neu gebauten Kanälen wurden der Rhein-Herne-Kanal und der Lippe-Seiten-Kanal von Datteln bis Hamm Mitte 1914 fertig. Am 01.06.1914 nahm daher das Schleppamt Duisburg den staatlichen Schleppbetrieb auf dem Rhein-Herne-Kanal, dem Lippe-Seiten-Kanal von Datteln bis Hamm und auf dem Dortmund-Ems-Kanal von Dortmund und Herne bis Bergeshövede auf. Am 15.12.1914 folgte dann die Betriebsaufnahme auf dem Ems-Weser-Kanal durch das Schleppamt Hannover zunächst auf der Strecke Bergeshövede-Minden und im Herbst 1916 auch auf der Strecke Minden-Hannover.

Aufgrund des Gesetzes über den Staatsvertrag betreffend Übergang der Wasserstraßen von den Ländern auf das Reich vom 29.07.1921 und des Zusatzvertrages vom 18.02.1922 übertrug Preußen alle für die Ausübung des staatlichen Schleppbetriebes beschafften staatlichen Anlagen und Betriebsmittel dem Reich. Dadurch entstand aus dem staatlichen preußischen Schleppbetrieb der Reichsschleppbetrieb.

Am 01.12.1924 wurde als Hauptverwaltung für das gesamte Schleppmonopol und als vorgesetzte Dienststelle für die Schleppämter die Abteilung "Reichsschleppbetrieb" bei der Wasserbaudirektion Münster eingerichtet.

Während bis 1930 die Einnahmen und Ausgaben des Schleppbetriebes im Haushalt des Reichsverkehrsministeriums erschienen, wurde ab 01.04.1930 der Reichsschleppbetrieb in einen kaufmännisch eingerichteten Betrieb gemäß § 15 der Reichshaushaltsordnung umgewandelt. Im Frühjahr 1930 wurde der Schleppbetriebsbereich um den nun in Betrieb genommenen Wesel-Datteln-Kanal erweitert, dessen Bau schon im Wasserstraßengesetz von 1905 vorgesehen war.

Nachdem durch das Gesetz von 04.12.1920 die Vollendung des Mittellandkanals beschlossen war, wurde in den 20er und 30er Jahren an dieser Wasserstraße ständig weitergebaut und einzelne Teilstrecken nach und nach eröffnet. Der § 12 des Gesetzes von 1920 hatte bestimmt, dass auf den danach neu zu erbauenden Kanalstrecken ebenfalls ein einheitlicher staatlicher Schleppbetrieb wie auf dem bisherigen Teil des Mittellandkanals einzurichten sei. Auch für den in der zweiten Hälfte der 30er Jahre gebauten Zweigkanal zu den Reichswerken nach Salzgitter wurde bestimmt, dass auf ihm alle Fahrzeuge ohne eigene Triebkraft nur mit der vom Reich vorzuhaltenden Schleppkraft fortbewegt werden dürften.

Mit der Fertigstellung des Mittellandkanals bis Magdeburg im Herbst 1938 wurde das Gebiet der vom Reichsschleppbetrieb befahrenen Wasserstraßen so erweitert, dass am 01.09.1938 ein neues Schleppamt in Magdeburg eingerichtet wurde.

Mitte 1938 war auf dem südlichen Dortmund-Ems-Kanal, auf dem bisher für den ausschließlichen Verkehr des Dortmund-Ems-Kanals noch private Schlepperei zugelassen war, das Vollmonopol eingeführt worden. Mitte 1939 übernahm der Reichsschleppbetrieb auch die Schlepperei auf der Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals und auf dem Küstenkanal. Dadurch wurde es notwendig, ab 01.07.1939 ein weiteres Schleppamt in Emden einzurichten. Ab 04.10.1939 wurde das Vollmonopol auch auf die Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals ausgedehnt. Damit umfasste das Gebiet des Reichsschleppbetriebes alle künstlichen Wasserstraßen einschließlich der Ems zwischen Rhein, Elbe und Nordsee.

Der 2. Weltkrieg, während dessen die Hauptverwaltung des Reichsschleppbetriebes zeitweise nach Hannover verlegt wurde, brachte eine enorme Steigerung des Schleppbetriebes, der mit dem Kriegsende vorerst zum Erliegen kam.

Im Zuge der Reorganisation des Reichsschleppbetriebes wurde das bereits 1945 nach Niedernwöhren verlagerte Schleppamt Hannover am 01.06.1946 nach Minden verlegt und in Schleppamt Minden umbenannt.

Das Schleppamt Magdeburg wurde am 01.07.1945 nach Braunschweig verlegt, am 01.10.1948 wurde es in das Schleppamt Minden eingegliedert.

Das am 01.10.1942 errichtete Maschinenamt des Reichsschleppbetriebes in Hannover wurde am 01.02.1946 nach Bergeshövede verlegt und erhielt die Bezeichnung Maschinenamt Bergeshövede.

Das auf Veranlassung der britischen Militärbehörden am 05.07.1945 eingerichtete Schleppamt Münster wurde am 01.07.1948 wieder aufgelöst und in das Schleppamt Duisburg eingegliedert.

Am 01.10.1949 wurde der Reichsschleppbetrieb in Bundesschleppbetrieb umbenannt und die Hauptverwaltung als selbstständige Mittelbehörde der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Münster eingerichtet.

Das Maschinenamt Bergeshövede wurde am 31.12.1966 aufgelöst.

Die Schleppämter Emden, Minden und Duisburg wurden in den Jahren 1963-1967 noch in Außenstellen der Hauptverwaltung umgewandelt, bevor der Bundesschleppbetrieb mit dem 31.12.1967 aufgelöst wurde.

Der vorliegende Bestand gelangte als Zugang 18/77 an das Staatsarchiv Münster, er enthält die Akten der Hauptverwaltung des Bundesschleppbetriebs und des Schleppamtes Duisburg. Die Akten des Schleppamtes Minden befinden sich im Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv Detmold, die des Schleppamtes Emden und des Maschinenamtes Bergeshövede sind nicht mehr vorhanden.

Bei der Verzeichnung wurde das vorhandene Registraturschema zwar weitesgehend zu Grunde gelegt, jedoch, falls es nötig erschien, einer neuen Systematik untergeordnet.

Eine besondere Aktengruppe innerhalb des Teilbestandes "Hauptverwaltung" bilden die Akten des "Wasserstraßenbevollmächtigten", der während des 2. Weltkrieges vorwiegend den Güterverkehr überwachte und koordinierte. Wegen der starken Verflechtung mit der Hauptverwaltung des Schleppbetriebes wurde jedoch darauf verzichtet, die Akten des "Wasserstraßenbevollmächtigten" provenienzmäßig gesondert zu betrachten. Aus Vereinfachungsgründen wurde ebenfalls darauf verzichtet, die Akten der Hauptverwaltung und des Schleppamtes Duisburg in zwei Bestände zu zergliedern. Sie sind daher zu zitieren: Bundesschleppbetrieb Nr. ...

Schraven

Umfang : 1792 Akten (410 Kartons), Findbücher O 104.



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