Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.4. NACHLÄSSE UND SAMMLUNGEN
4.4.1. Nachlässe und Sammlungen von einzelnen Personen
Sammlung Max von Spiessen
V 096, Sammlung Max von Spiessen
Permalink des Findbuchs


Signatur : V 096

Name : Sammlung Max von Spiessen

Beschreibung :

Einleitung :

Max von Spiessen wird am 22. Juni 1852 als Sohn des Kreisrichters Levin Ludwig Josef von Spiessen und Maria Aloysia Engelberta geb. von Rump zu Dellwig in Dülmen geboren. Er geht in den preußischen Militärdienst, wird Offizier in einem Kürassierregiment und quittiert 1880 als Rittmeister seinen Dienst, um sich ins Privatleben zurückzuziehen und seinen genealogischen Forschungen nachzugehen. 1881 heiratet er Theresia von Druffel und bezieht mit ihr Wohnung auf dem Osthof bei Dülmen. Nachdem das Paar 1890 nach Münster übergesiedelt ist, wird die kinderlos gebliebene Ehe 1907 geschieden. Den Ersten Weltkrieg verbringt von Spiessen im inneren Dienst und stirbt am 5. November 1921 in Münster.

Schon während seiner aktiven Militärzeit widmet sich Max von Spiessen seinen genealogischen und heraldischen Arbeiten in zahlreichen Archiven, darunter viele Guts- und Familienarchive, deren Benutzung ihm erst seine vielfältigen Beziehungen zum westfälischen Adel ermöglichen. Erstes und zugleich bedeutendstes Ergebnis der Studien ist das 1901 / 1903 in drei Bänden erschienene ”Wappenbuch des Westfälischen Adels“. Zu der dort im Vorwort angekündigten Herausgabe der Stammtafeln des westfälischen Adels ist es, wohl nicht zuletzt kriegsbedingt, nicht mehr gekommen. Seine dafür gesammelten Abschriften, Auszüge und Notizen vermacht von Spiessen testamentarisch dem Staatsarchiv Münster unter der Bedingung, dass seine Erben jederzeit Zutritt haben sollen. Nachdem das Staatsarchiv diese Unterlagen 1922 übernommen hat, erhält es 1929 vom Neffen Egon von Spiessen zusätzlich eine umfangreiche Siegel- und Siegelstempelsammlung aus dem Nachlass von Spiessens (Dienstregistratur 445).

Der literarische Nachlass von Spiessens wird von seinen Erben an die Schwestern Wenner in Dülmen gegeben, die Töchter des als Nachfolger Levin von Spiessens amtierenden Gerichtsrates Alexander Wenner. Diese überlassen die Unterlagen teilweise dem von August Hölscher geführten ”Heimatinstitut Mittelmünsterland“, teilweise wird das Schriftgut wie die umfassende Antiquitätensammlung auf Auktionen verkauft. Die im Staatsarchiv Münster verwahrte Sammlung Spiessen und der im Stadtarchiv Dülmen liegende literarische Nachlass Spiessens stellen also lediglich einen kleinen Rest des ursprünglich von Spiessen hinterlassenen Materials dar.

Die hier erschlossene Sammlung Spiessen umfasst neben einer Mappe mit losen Blättern 82 Notizbücher und Kladden, deren Inhalt von flüchtigen Einzelnotizen über Auszüge aus Urkunden, Akten oder Kirchenbüchern bis hin zu den recht detaillierten Stammtafeln reicht, die für die geplante Publikation Verwendung finden sollten. Im Einzelnen setzt sich die Sammlung wie folgt zusammen:

Nummern 1-19: Stammtafeln mit Wappen der Adelsfamilien in überwiegend alphabetischer Reihenfolge (die Kopien in Fot 230 (s.u.) bieten abweichend vom Original die korrigierte alphabetische Reihenfolge)

Nummern 20-49: Notizen und Skizzen zu einzelnen Familien; auf der Innenseite des Einbanddeckels ist meist eine Liste der enthaltenen Familien notiert. Angaben zu einer Familie sind z.T. über mehrere Bände verstreut (vgl. Index B in Fot 230)

Nummern 50-77 + 79-82: Diverse Abschriften und Auszüge aus Archivalien, jeweils mit Angabe des Herkunftsarchivs (davon ist Nummer 63 auch im Namensregister B von Fot 230 erfasst)

Nummer 78: 654 Seiten mit Auszügen aus Kirchenbüchern mit einem nachträglich 1967 im Archiv angefertigten Register, das allerdings nur die marginal genannten Namen erfasst und nicht ganz zuverlässig zu sein scheint. Die von Spiessen besuchten Pfarrämter sind in Register C von Fot 230 erschlossen

Nummer 83: Faszikel mit Abschriften, Korrespondenz und Originalarchivalien

Nummer 84: Altes archivisches Findmittel mit einer Liste der von Spiessen für die Auszüge in den Nummern 66 bis 77 aufgesuchten Archive

Die erhaltenen Unterlagen sind offensichtlich unvollständig, da sie teilweise eine laufende Nummerierung aufweisen, die jedoch durch offenbar fehlende Stücke unterbrochen wird.

Allen Aufzeichnungen ist gemeinsam, dass Einzelnachweise zu den von Spiessen benutzten Quellen fehlen. Nur in einem Teil der Notizbücher finden sich summarische Hinweise auf das Herkunftsarchiv der gesammelten Daten, ohne jedoch den wissenschaftlichen Anforderungen exakter Nachprüfbarkeit zu genügen. So wird die Sammlung, wie bereits Friedrich von Klocke in seinem Nachruf 1921 konstatiert, ”für ernsthafte Forschungen in manchen Fällen nur als Wegweiser dienen können, da der Verfasser als Autodidakt der alten Schule nicht überall unsere heutige kritische Methode angewendet und auch von genauen Quellenangaben zu den Einzelheiten Abstand genommen hat.“

Gleichwohl hat die Sammlung Spiessen ausweislich der einliegenden Benutzerblätter in den vergangenen Jahrzehnten ein durchaus reges Interesse gefunden. Daher hat das Staatsarchiv von den besonders beanspruchten und deshalb konservatorisch gefährdeten 19 Bänden mit Stammtafelentwürfen eine Kopie angefertigt, die im Lesesaal einsteht und durch das Namensregister A im ersten Band erschlossen ist (Fot 230). Dieser Band bietet zudem neben einem Überblick zum Inhalt der einzelnen Kladden in der Einleitung zwei weitere Indices: Zum Einen das Namensregister B zu den Nummern 20 bis 23, 25 bis 49 und 63, zum Anderen das Register C, das jene Pfarrämter auflistet, aus deren Kirchenbüchern die Auszüge in Nummer 78 stammen, welche wiederum durch den 1967 angelegten Index recherchierbar sind.

Der Bestand ist grundsätzlich frei benutzbar, jedoch sind die Nummern 1 bis 19 ausschließlich über die Kopie im Lesesaal einzusehen.

Münster, 6.12.2007

Dr. Koppetsch

Umfang : 82 Bände (10 Kartons), Findbuch V 096.

Verweise :

Friedrich von Klocke: Max von Spiessen, Genealoge und Heraldiker, in: Familiengeschichtliche Blätter. 19, 1921, Sp. 369

Ludwig Bielefeld: Der Heimatdichter Max von Spiessen, in: Dülmener Heimatblätter 2, 1926, S. 2f.

Ludwig Bielefeld: Auf des Dichters Max von Spiessen Pfaden in Dülmen, in Dülmener Heimatblätter 3, 1927, S. 4-6, 15f.

Heinz Brathe: Erinnerungen an Max von Spiessen, in: Jahrbuch des Kreises Coesfeld 1987, S. 61-64

Ralf Oldenburg: "Es ist jetzt eine schlechte Zeit für die Herausgabe solcher Sachen". Der literarische Nachlaß des Dülmener Heimatdichters Max von Spiessen im Dülmener Stadtarchiv, in: Dülmener Heimatblätter 1999, S. 19-24

Ralf Oldenburg: Das literarische Erbe von Max von Spiessen, in: Heimatpflege in Westfalen 13, 2000, S. 1-6



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