Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.3. GEWERBEBETRIEBE, ADELIGE HÄUSER, FAMILIEN, HÖFE
4.3.2. Adelige Häuser, Familien, Höfe
Familie von Wendt (Dep.)
Familie von Wendt (Dep.), Gut Achtermberg
Familie von Wendt (Dep.), Gut Achtermberg / Akten
U 219u, Familie von Wendt (Dep.), Gut Achtermberg - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : U 219u

Name : Familie von Wendt (Dep.), Gut Achtermberg

Beschreibung :

Einleitung :

1. Vorbemerkung

Das Archiv des Hauses Achtermberg bildet zusammen mit den Archiven Crassenstein und Hardenberg das Wendtsche Archiv, das ursprünglich auf Haus Crassenstein gelegen hat.

Crassenstein bei Diestedde im Kreis Beckum, ehemals ein Rietbergisches Lehen der Burggrafen von Stromberg, ist 1411 durch Pfandschaft und 1419 durch Kauf an das weitverzweigte, hauptsächlich um Lemgo begüterte Geschlecht von Wendt gelangt. Dieses hat in der Folgezeit seinen Hauptwohnsitz auf Crassenstein genommen. Zur Wendtschen Erbmasse gehörten seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts auch der Güterkomplex Achtermberg (Essen-Kray) und die Höfe Hege (Essen-Katernberg) und Kockeling (Essen-Borbeck). Diese Güter hatte die Erbtochter Anna von Asbeck 1641 dem Johann Sigismund von Bernsau in die Ehe eingebracht. Da aus der Ehe keine männlichen Erbfolger hervorgingen, erbten die beiden Töchter: Isabella Margaretha erhielt Hardenberg, Anna Katharina Walburg Achtermberg mit Hege und Kockeling. Letztere heiratete etwa 1674 Jobst Dietrich von Wendt zu Holtfeld, und so gelangte Achtermberg an die Wendts. Noch im Jahre 1674 kaufte der Herr von Wendt den Rittersitz Horst a.d. Ruhr bei Steele, und 1697 erbte er von seinem Neffen die Herrschaft Hardenberg. Der gesamte Crassensteinsche Besitz ging 1877 beim Tode des letzten von Wendt der Linie Holtfeld-Crassenstein durch Erbschaft in den Besitz des im niederländischen Limburg ansässigen und mit den Wendts mehrfach verschwägerten Geschlechts von Marchant-Ansembourg über.

2. Die Familie von Asbeck und der Achtermbergsche Güterkomplex

a) Haus und Hof Achtermberg

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts erscheint Achtermberg im Besitz der Familie Heket. 1421 geht es an die Familie von Asbeck zu Goor über. Als im Jahre 1549 zwischen den Brüdern Georg (Jürgen) und Dietrich von Asbeck eine Erbteilung erfolgt, erhält Georg das Haus Goor mit mehreren anderen Besitzungen, Dietrich aber Achtermberg, Hege und Kockeling mit weiteren Gütern. Seit Anfang der neunziger Jahre des 16. Jahrhunderts geraten die Asbecks in eine ständig wachsende Verschuldung, die sie zu erheblichen Güterveräußerungen und -verpfändungen zwingt. So muss Rutger von Asbeck, Sohn Dietrichs, im Jahre 1598 u.a. auch die Korn- und Ölmühle Achtermberg verpfänden, 1605 eine Immission in seine Ländereien Achter dem Berge hinnehmen.

b) Gut Hege

Im Jahre 1501 verkauft Berndt van der Heige die Hälfte des Gutes Hege dem Gerhart van der Ruhr. Vier Jahre später gelangt das gesamte Gut, ein Lehen des Stiftes Essen, durch Kauf an Goddert von Asbeck gen. Pinsequat. Bei der schon erwähnten Erbteilung von 1549 fällt Hege an die Eheleute Dietrich von Asbeck und Anna von Hüchtebroich, 1602 verschuldet an die Münsterfabrik des Stifts Essen.

c) Gut Kockeling

Kockeling, ebenfalls ein Lehen des Stiftes Essen, ist ursprünglich im Besitz der Familie von der Leiten, die es 1423 Dietrich von Asbeck zu Goor verkauft. 1549 fällt es dem Dietrich von Asbeck zu.

d) Weitere Besitzungen

1489 werden das Garmans-Gut (Gelsenkirchen), das Meibuschs-Gut, Johann Westens Gut (Gelsenkirchen-Rotthausen), der Daerl (Buer) und Ländereien in der Heßler Mark (Gelsenkirchen) im Besitz der Asbecks erwähnt, im Jahre 1500 das Gut zum Smalenbroich (Gelsenkirchen). 1513 empfangen Rotger und Georg (Jürgen) von Asbeck den Essener Stiftshof Brockhof (Gelsenkirchen) zu Lehen. 1533 verkaufen Goddert von Asbeck und Cord vam Darle das Werdener Lehen Arbecke im Kirchspiel Buer, 1563 wird Dietrich von Asbeck mit diesem belehnt. Bei der Erbteilung von 1549 werden zum Haus Goor folgende Besitzungen geschlagen:

Garmans-Gut, der Mühlenhüls mit der Korn- und Ölmühle Achter dem Berg, Meibusch, Stenhorst, Kleinenhüls, Stalberg (Gelsenkirchen), Wißmann, Vechting, Alter Stalberg, Eggemann, Santfort, Lockhof, Palle, Ridder, Dondelmann (Gelsenkirchen), Frischen, Brockhof (Gelsenkirchen), Gerechtigkeiten in der Heßler Mark, Althof, Heitkamp, Smalenbroich, Grüters.

Das Haus Achtermberg erhält neben Hege und Kockeling:

Heitkamp, Ulenkamp, Bücking, Ottenkamp, Stratmann, Hagenwiese, Volminghof (Gelsenkirchen, Braubauerschaft), Therbaven (Gelsenkirchen, Braubauerschaft), das Werdener Lehen Borchmanns-Gut (Gelsenkirchen), Sunderkamp im Emscherbruch (Gelsenkirchen, Braubauerschaft), Gerechtigkeiten in der Heßler Mark, den Hüls, up der Maten und Schmidts Kotten (Wattenscheid?). Im selben Jahr erwirbt Dietrich von Asbeck den Essener Stiftshof Lattenhof (Essen-Kray, zum Oberhof Nünning gehörig), 1563 das stiftische Lehen Kernemanns-Hof (Gelsenkirchen-Rotthausen). Sein Bruder Georg kann 1565 den zum Stiftshof Nünning gehörigen Morhof (Mormann-Hof) zu Gelsenkirchen-Rotthausen an sich bringen, der zwischenzeitlich verpfändet werden muss, 1583 jedoch wieder eingelöst werden kann. Dietrich von Asbeck kauft 1568 Bruchland zu Schonnebek (Essen); 1575 wird er mit den im Kirchspiel Buer gelegenen Gütern Hidding und zur Oven und mit dem Kotten up der Eken vom Bischof von Münster belehnt. Schließlich gelingt Dietrich von Asbeck und seinem Sohn Rutger 1577 der Erwerb des Gutes Mechtenberg (Essen-Kray). 1578 tauschen beide das Dickmanns-Gut (Essen-Altenessen) gegen das Eggebrechts-Gut (Essen-Gerschede). 1580 wird das Gut Overhof (Bochum-Kirchharpen), 1584 das Gut Kindsfeld (Stift und Gericht Essen), 1592 das Natmanns-Gut (Essen-Kray-Leite) im Besitz der Familie von Asbeck genannt.

Das Dickmanns-Gut wird 1595 wieder verkauft, 1611 der Morhof, 1614 der Kleine Sunderkamp. Die Brüder Adolf und Johann von Asbeck, Domherren zu Münster, versuchen seit den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts mit Erfolg den Rückerwerb der veräußerten und verpfändeten Güter.

3. Die Ordnung des Archivs von Wendt

Seit 1854 hat sich der Arnsberger Oberlehrer Franz Ignaz Pieler der Ordnung und Verzeichnung des Wendtschen Archivs angenommen. Er vereinigte die drei ursprünglich getrennten Archive ohne Rücksicht auf ihre Provenienzen zu einem Fonds, dem Freiherrlich von Wendtschen Archiv zu Crassenstein, und bildete zwei Abteilungen: das Urkunden- und das Aktenarchiv. Abteilung I, das Urkundenarchiv mit den Urkunden in chronologischer Reihenfolge, stellte Pieler gegen 1860 fertig; während er zu einer Verzeichnung der Abteilung II, des Aktenarchivs, nie gekommen ist. 1926 sollte das Wendtsche Archiv im Auftrag der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive durch den damaligen Hilfsarchivar Heinrich Pottmeyer von neuem gesichtet werden. Pottmeyer schuf eine provisorische Übersicht über die Bestände des Hauses Crassenstein und sah eine Gesamtverzeichnung vor, die eine Wiederherstellung der alten Provenienzen zum Ziel haben sollte. Eine solche Neuordnung und -verzeichnung ist aber nicht erfolgt. Drei Jahre später stellte ein nicht näher bekannter Dr. Sturm ein detailliertes "Inventar des Archivs auf Schloss Crassenstein" auf, aber auch er ließ es bei dem Inventar und theoretischen, zumeist unsachgemäßen Überlegungen bewenden. Schließlich gelangte das Wendtsche Archiv als Depositum des Grafen Marchant-Ansembourg in das Staatsarchiv Münster.

4. Der Bestand des Archivs Achtermberg

Der vorliegende Urkundenbestand umfasst 266 Nummern, von denen zur Zeit 8 nicht auffindbar sind (die Zahl der fehlenden Stücke hat sich bis 2010 auf zwei, nämlich die Nummern 60 und 130, reduziert). Diese wurden mit einem entsprechenden Vermerk versehen. Ihre Regesten mussten nach dem Pielerschen Verzeichnis übernommen werden. Es ist nicht auszuschließen, dass bei der Gesamtneuverzeichnung des Wendtschen Archivs weitere Achtermberger Stücke zutage gefördert werden, so vor allem in den Akten liegende Urkundenabschriften.

Das Achtermberger Archiv hat zuerst im 16. Jahrhundert eine Ordnung erfahren. Die ältesten Signaturen beziehen sich auf ein nicht erklärbares Literierungssystem (Beispiel: lit. A = Asbeck?). Noch im 16. Jahrhundert ist eine zweite Ordnung erfolgt, die ebenfalls nach einem nicht deutbaren arabischen Ziffernsystem vorgegangen ist (Beispiel: n. 2). Eine größere Anzahl Urkunden enthält dorsal eigenhändige Vermerke oder Bemerkungen Dietrichs von Asbeck (geb. 1519/22, 1605 tot). Im 17. Jahrhundert ist der Bestand wiederum mindestens zweimal umsigniert worden, einmal im Literierungsverfahren (Beispiel: W lit. g), dem ein sachliches Prinzip zugrunde zu liegen scheint, zum anderen in einem gemischten Literierungs- und Ziffernsystem (Beispiel: D no. 37), bei dem sich der Buchstabe entweder auf den Ausstellernamen oder den Namen des Kaufs- oder Verkaufsobjekts beziehen muss. Auch das 18. Jahrhundert hat zweimal neue Signaturen eingeführt: ein gemischtes Literierungs- und Ziffernsystem, das auf den Ausstellernamen Bezug nimmt (Beispiel: Lit. H n. 2), und ein einfaches Ziffernsystem, das nach Materien vorzugehen scheint. Eine Reihe Urkunden trägt den Vermerk vom 6. August 1749, sie seien in das Hypothekenbuch des Stiftes Essen eingetragen worden. Zuletzt hat Nikolaus Kindlinger, 1793-1802 Essener Stifsarchivar, das Archiv Achtermberg durchgesehen und die auf die Münsterfabrik bezüglichen Stücke gekennzeichnet (Beispiel: fabrica num. 1).

5) Zur Bearbeitung

Die in den Urkunden vorkommenden bekannten Namen wurden weitgehend normalisiert. Die Siegel sind stets, wenn nicht anders vermerkt, von runder Form. Folgende Abkürzungen wurden gewählt:

abgef. = abgefallen

abh. = abhängend

a.d. = anno domini

anh. = anhängend

B = (Siegel-)Bild

besch. = beschädigt

gen. = genannt

got. = gotisch

l. besch. = leicht beschädigt

oberländ. = oberländisch

rhein. = rheinisch(e)

R = Rückvermerk(e)

s. = siehe

Sg. = Siegel

st. besch. = stark beschädigt

U = Urkunde; (Siegel-)Umschrift

Münster, im Dezember 1971

gez. Müller

Druck: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 87 (1972), S. 145-286.

Münster im September 1983, Müller

Umfang : 266 Urkunden, Findbuch U 219u mit Index.



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