Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.3. GEWERBEBETRIEBE, ADELIGE HÄUSER, FAMILIEN, HÖFE
4.3.2. Adelige Häuser, Familien, Höfe
Haus Ostinghausen
Haus Ostinghausen / Akten
U 180u, Haus Ostinghausen - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : U 180u

Name : Haus Ostinghausen

Beschreibung :

Einleitung :

Vorwort

Der insgesamt 12 Kartons umfassende Aktenbestand "Haus Ostinghausen" wurde 1936/37 für 300 RM durch Aline Freiin v. Ledebur an das Staatsarchiv Münster verkauft (STAMS, Dienstregistratur 788). Nachdem ein geringer Bruchteil der Akten zunächst im Repertorium zu den bereits 1932 an das Archiv gelangten Urkunden verzeichnet worden war (Findbuch A 456 I), erfaßte Hans Jürgen Warnecke die Aktennummern 1-472 in den 1990er Jahren auf Karteikarten. Im Anschluß an deren Übernahme in den Computer wurden die Verzeichnung der noch verbliebenen Aktennummern 473-993 und die Erstellung des vorliegenden Findbuchs im August/September 2000 im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums durch den Unterzeichneten vorgenommen. Trotz des Bemühens um weitgehende Standardisierung und Vereinheitlichung war eine vollständige Bereinigung von Inkonsequenzen und Ungenauigkeiten in dieser kurzen Zeit selbstverständlich nicht zu erreichen. Manche Urklarheit bezüglich der Identifizierung der Personen konnte jedoch bei der abschließenden Indizierung ausgeräumt werden.

Sándor Rolf Krause

Einleitung

Nachdem das bei der Ortschaft Ostinghausen (Gemeinde Bad Sassendorf) gelegene gleichnamige adlige Haus in den Jahren 1613, 1618 und 1623 zunächst von Erich von Wrede an Caspar Dietrich v. Schorlemer, von diesem an Wilhelm v. Hollinghoven und schließlich an den Landdrosten Friedrich v. Fürstenberg veräußert worden war, kaufte es am 5. Dezember 1641 der aus Holland stammende Kriegskommissar Adrian v.d. Düssen (1586-1653), der es am 2.Januar 1642 förmlich durch den örtlichen Richter Wilhelm Brabeck in Besitz nehmen ließ.

Erst nach dem Tod des v.d.Düssens, der seit 1642 auch Anteile am Salzwerk "im Meylo" bei Werl erwarb und am 12. November 1649 durch den brandenburgischen Kurfürsten Friedirch Wilhelm sogar zum Rat und Generaldirektor aller Salzwerke ernannt wurde, konnte seine Witwe Johanna Maria v. Oldenbarnvelt (1597-1663) das -augenscheinlich zunächst in desolatem Zustand befindliche- Haus beziehen.

Von den vier überlebenden Kindern des Paares verehelichte sich die Tochter Maria Margareta (geb. 1625) im Jahre 1651 heimlich mit Wenceslaus v. Passau, einem "Bedienten" ihres Vaters; die jüngere Tochter Anna Maria (geb. 1636) war seit 1651 Profeß und spätere Priorin im Kloster Paradiese bei Soest. Während der jüngere Sohn Adrian Jacob (geb. 1635) als Kornet 1672 in Holland starb, trat sein älterer Bruder Philipp Elias (geb. 1632), der sich mit Agatha Odilia v. Ledebur aus dem Hause Wicheln verehelichte, die Nachfolge seiner Eltern als Besitzer von Ostinghausen an, das etwa seit dieser Zeit auch als "Haus Düsse" bezeichnet wurde.

Beim frühen Tod des Ehepaares, das wohl in den Jahren 1679 und 1681 starb, hinterblieben fünf minderjährige Kinder, die augenscheinlich in die Obhut ihres Onkels Friedrich Bernhard v. Ledebur gelangten. Die einzige Tochter Anna Helena (geb. 1676) blieb unverheiratet auf Haus Ostinghausen wohnen; ihre vier Brüder Friedrich Adrian (geb. 1672), Dietrich Silvester (geb. 1673), Jost Bernhard (geb. 1678) und Franz Wilhelm ( geb. 1679) begaben sich hingegen sämtlich in Kriegsdienste, in denen die ältesten drei unverehelicht starben. Nur Franz Wilhelm v.d. Düssen verheiratete sich im fortgeschrittenen Alter von knapp 60 Jahren 1738 mit Maria Odilia v. Schorlemer (1705-1781) aus dem Hause Oberhellinghausen, starb jedoch bereits ein Jahr später auf einem Kriegszug bei Katymar in Ungarn.

Angeblich auf Wunsch ihres verstorbenen Mannes verehelichte sich die junge Witwe 1741 mit seinem Vetter Carl Friedrich v. Ledebur aus dem Hause Wicheln. Auch dieser verstarb allerdings nach gerade einjähriger Ehe am 23. März 1742, hinterließ jedoch einen Sohn Friedrich Wilhelm (1741-1777), der 1768 Friederika v. Wendt (gest. 1822) aus dem Hause Papenhausen heiratete.

Aus dieser Verbindung gingen vier Kinder hervor, von denen die einzige Tochter Maria Franziska ( 1774-1779) bereits im Alter von vier Jahren starb. Der zweite Sohn Friedrich Clemens (1770-1841) schlug die geistliche Laufbahn ein und wurde als Hildesheimer Domkapitular 1825 zum Bischof von Paderborn gewählt. Sein jüngerer Bruder Clemens August (1772-1846), der sich zunächst in Militärdienste begeben hatte, wandte sich schließlich nach Böhmen und erbte dort den bedeutenden Besitz der Antonia v. Ledebur geb. Gräfin zu Solms, die nur vier Tage nach Tod ihrer vermögenden Mutter Wilhelmine Gräfin Wieschnik am 9. März 1802 verstorben war. 1807 in den Grafenstand erhoben, wurde August v. Ledebur der Begründer der noch heute blühenden gräflichen Linie der Familie von Ledebur.

Der älteste Bruder Carl Joseph v. Ledebur (1768-1835), der Haus Ostinghausen später übernahm, avancierte hingegen in kurkölnischen Diensten bis zum Obersten (1802). Aus seinem Nachlass stammt offensichtlich die im vorliegenden Aktenbestand enthaltene umfangreiche Korrespondenz (mit zahlreichen Anlagen) zwischen dem Kölner Kurfürsten Maximilian Franz, dem Generalleutnant v. Kleist, dem Oberstleutnant bzw. Obersten v. Brixen sowie v. Ledebur selbst aus der Zeit der Koalitionskriege gegen Frankreich.

Mit seiner Ehefrau Alexandrine v. Landsberg-Velen (gest. 1829) hatte Carl Joseph v. Ledebur außer dem bald nach der Geburt verstorbenen Sohn Carl Friedrich Engelbert Maria nur einen weiteren Sohn Matthias Carl (1802-1829), der an der Universität Bonn die Rechte studierte, jedoch kurz nach seiner Mutter unverehelicht verstarb. Der verwitwete Oberst v. Ledebur heiratete daraufhin im November 1834 -knapp zwei Monate vor seinem Tod- die fast 36 Jahre jüngere Franziska Hermessen aus Westernkotten (1804-1877) und legitimierte gleichzeitig deren Sohn Carl Adolph Friedrich (geb. 1831).

Carl v. Ledebur, der 1862 Anna Maria v. Landsberg-Velen ehelichte und verschiedene Funktionen in der preußischen Justizverwaltung innehatte, übernahm in den 1870er Jahren ehrenamtlich die Funktion eines Vertrauensmannes bei der Auflösung des sogenannten "v. Elverfeldt'schen Familienfonds", einer ursprünglich zur Erziehung und Ausbildung katholischer Familienmitglieder bestimmten Stiftung des Werner August v. Elverfeldt. Aus diesem Grunde findet sich ein Teil des hierbei entstandenen Schriftwechsels (nebst Anlagen) im vorliegenden Bestand. Am 3. Mai 1889 verkaufte Carl v. Ledebur, welcher sich um die Jahrhundertwende intensiv um die Anerkennung des teilweise bereits von seinen Vorfahren gebrauchten Freiherrntitels sowie des Namenszusatzes "Wicheln" bemühte, Haus Ostinghausen an seinen Schwager Friedirch Grafen v. Landsberg-Velen und Gemen und verzog auf die "Villa Tannenhof" bei Lindau am Bodensee.

Umfang : 38 Urkunden, Findbuch U 180u.



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