Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.4. Geistlichkeit, Stifte, Klöster
Stift Alter Dom, Münster
Stift Alter Dom, Münster / Urkunden
B 216u, Stift Alter Dom, Münster - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 216u

Name : Stift Alter Dom, Münster

Beschreibung :

Einleitung :

Das Kollegiatstift Alter Dom in Münster (vetus ecclesia sancti Pauli) wurde durch Bischof Burchard von Münster (1098-1118) am ersten, ludgerianischen, sogenannten "Alten" Dom begründet, nachdem das Domkapitel bereits zur Zeit Bischof Dodos (+ 993) in den hart südlich des Ludgerus-Doms errichteten Neubau umgezogen war. Das durch Burchard mit 12 Kanonikaten ausgestattete Stift trat in den Bereichen seiner personellen Organisation und des Kults in enge Verbindung zum Domkapitel, das z. B. den Propst des Alten Doms stellte (vgl. dazu das Gutachten des Domherrn Heinrich von Keppe in Scholz Nr. 250). Dem entsprach der herausgehobene Rang des Dechanten des Alten Doms als orator (os) des stiftsmünsterischen Sekundarklerus (so Kerssenbrock in seiner Wiedertäufergeschichte Bd. 1 Hrsg. v. H. Detmer (Die Geschichtsquellen des Bisthums Münster 5) Münster 1900 S. 36). Nach 1377 mußte der Ludgerus-Dom dem Kreuzgang des Neuen Doms weichen; die "Alten Dömer" übersiedelten zunächst in die ehemalige bischöfliche Kapelle, bald danach in einen gotischen Neubau nordwestlich des Neuen Doms, der das Kapitel bis zu dessen Aufhebung durch das kaiserliche Dekret vom 14. November 1811 beherbergte und nach zweckfremder Verwendung in den folgenden Jahrzehnten 1875/76 abgebrochen wurde (vgl. Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 41. Bd.: Die Stadt Münster. 6. Teil, Bearb. v. M. Geisberg. Münster 1941 S. 321-332).

Bereits wenige Monate nach der Aufhebung des Stifts, am 17. März 1812, wurde das Archiv des Alten Doms, das zu diesem Zeitpunkt im Nordturm des Doms lagerte, dem Archivar Kersten zur Aufsicht und Inventarisierung vom Beauftragten der französischen Verwaltung übergeben (Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Kaiserreich Frankreich C 1 Nr. 91). Es gelangte danach zum größten Teil in das Provinzialarchiv Münster (das nachmalige Staatsarchiv, heute Landesarchiv NRW Abt. Westfalen), wo es sich noch jetzt befindet, während der kleinere Teil in das von und zur Mühlensche Archiv auf Haus Ruhr in Bösensell kam.

Der heute im Landesarchiv NRW Abt. Westfalen befindliche Bestand Alter Dom umfaßt ca. 490 Urkunden und 37 Kartons Akten; hinzu kommen 50 Kartons Protokolle und Register, die unten im einzelnen aufgeführten Kopiare und einige weitere Manuskriptbände (L. Schmitz-Kallenberg, Monasticon Westfaliae. Münster 1909 S. 52 f.; Die Bestände des Staatsarchivs Münster. Bearb. v. H. Richtering. Münster 2 1971 S. 8). Die weitaus meisten Urkunden haben irgendwann erhebliche Nässeschäden erlitten. Schon 1853 "ging die Verderbniß oder vielmehr Zerstörung" bei vielen von ihnen nach einem Bericht des Archivassistenten von Hatzfeld "so weit, daß ein großer Theil der vorgefundenen Reste einer ferneren Aufbewahrung weder werth noch auch nur fähig waren und deshalb weggeworfen werden mußten" (LAV NRW W, Oberpräsidium Nr. 35a Bd. 2). Beträchtliche Verluste hat das Archiv des Alten Doms sicher schon durch die Wiedertäufer hinnehmen müssen (man vergleiche den Bericht Kerssenbrocks über Bücher- und Urkundenverbrennungen (Hrsg. v. H. Detmer (Die Geschichtsquellen des Bisthums Münster 6) Münster 1899 S. 544f., 558); von erheblichen Verlusten, z. B. an Büchern, spricht auch die Narratio eines Kapitelsdekrets von 1539 (LAV NRW W , Msc. I 61 fol. 98)).

Die dem vorderen Teil dieses Findbuchs zugrundeliegende Verzeichnung von Klaus Scholz umfaßt das im Archiv des Alten Doms überlieferte urkundliche Material bis zum Jahr 1534 (Beginn der Wiedertäuferherrschaft), das sich - als tiefgehender Einschnitt auch in der Archivgeschichte Münsters - als zeitliche Grenze anbot. Es handelt sich hier also um eine Fondspublikation. Der gedruckte Band enthält bei rund 700 Nummern nur etwa 240 Ausfertigungen, auch dies ein Hinweis auf die nicht unerheblichen Verluste, welche die Originalüberlieferung erlitten hat. Die in der gedruckten Publikation von 1978 enthaltenen Abschriften entstammen mit einigen Ausnahmen, die dem Aktenbestand Alter Dom und den ebenfalls im Staatsarchiv lagernden Prozessen des Stifts vor dem Reichskammergericht entnommen wurden, den folgenden Kopiaren, wurden im vorliegenden online-Findbuch weggelassen:

1. Msc. I 61 (im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: A). Pergamentkodex mit lederbezogenen Holzdeckeln, 110 Blätter mit Abschriften von 1129-1608, geschrieben von mehreren Händen von ca. 1400 bis ins 17. Jahrhundert;

2. Msc. I 62 (im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: B). Ursprünglich Pergamenteinband mit der Aufschrift: Copiarium literarum ad capitulum veteris ecclesiae divi Pauli spectantium, durch Pappeinband ersetzt. 261 Papierseiten mit Abschriften von 1318-1690, geschrieben von verschiedenen Händen des 17. Jahrhunderts;

3. Msc. VII 1028 (im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: C). Papierheft mit 24 Blättern sowie 2 Blättern als Einband. Aufschrift: Verzeichniß der lehenen zu der probsteie und capittel im Alten Thumb gehorich. Enthält Abschriften von 1331-1596, geschrieben um 1600;

4. Msc. I 63 (im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: D). Papierkodex, 236 beschriebene Seiten, Ledereinband mit der Aufschrift: Rodale redituum vicariorum veteris ecclesie sancti Pauli Monasteriensis. Dominus Herbordus Meynershagen 1539. Aufschrift der ersten Papierseite: Copie litterarum redditualium tangentes vicarios seu altaristas veteris ecclesie divi Pauli Monasteriensis. Ad bursam. Anno Domini 1539. Der Band enthält Abschriften von 1381-1567, geschrieben von der anlegenden Hand 1539 und von weiteren Händen des 16. Jahrhunderts;

5. Msc. I 64 (im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: E). Papierkodex, 196 beschriebene Blätter, Ledereinband mit der Aufschrift: Copeyenbuch ad dominos vicarios veteris ecclesiae Monasteriensis anno (Jahreszahl nicht mehr lesbar). Abschriften von 1381-1673, geschrieben von verschiedenen Händen des 17. Jahrhunderts;

6. Msc. I 68 (im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: F). Papierkodex, 196 beschriebene Blätter, Ledereinband mit der Aufschrift: Liber exemplaris continens iura eleemosynae veteris ecclesiae sancti Pauli Monasteriensis una cum iuribus ad ministrationem processionis per urbem necnon fabricae. Eleemosyna animae medicina. Anno Domini 1587. Abschriften von 1426-1683, geschrieben von verschiedenen Händen des 16. und 17. Jahrhunderts;

7. Papierkodex (im von und zur Mühlenschen Archiv auf Haus Ruhr, Fotokopie im Staatsarchiv Münster, hier zitiert: G). 140 beschriebene Blätter, Ledereinband, Aufschrift auf fol. I: Liber copiarum litterarum reddituum ad venerabilium dominorum canonicorum veteris ecclesie sancti Pauli Monasteriensis bursam spectantium scriptus anno Domini 1533 post festum sancti Jacobi apostoli. Abschriften von 1295-1575, geschrieben überwiegend von der anlegenden Hand, aber auch von anderen Händen des 16. und 17. Jahrhunderts;

8. Eine Abschrift endlich (Nr. 161) wurde dem Nekrolog des Alten Doms (im Staatsarchiv Münster, Msc. I 65) entnommen.

Besitz- und Einkünfteverzeichnisse des Stifts wurden nicht aufgenommen. Ihre Veröffentlichung bleibt einer gesonderten Publikation - etwa im Rahmen des Codex Traditionum Westfalicarum - vorbehalten.

Die Urkunden bis 1300 liegen mit einer Ausnahme (Nr. 5) in Volltexten vor, danach in Regestenform (ausgenommen Nr. 46, 61, 62, 137a). Bisherige Druckorte sind mit Ausnahme des Westfälischen Urkundenbuches, des Münsterischen Urkundenbuches von Joseph Prinz (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster N.F. 1) Münster 1960, der Beiträge zu einem Münsterischen Urkundenbuche 1,1. Münster 1823 von Joseph Niesert und der Münsterischen Urkundensammlung 3. Coesfeld 1829 von demselben nicht nachgewiesen.

Zur Gestaltung der Regesten ist zu sagen: Wörtlich der Vorlage entnommene Wendungen und Namen sind durch unterschiedliche Drucktype kenntlich gemacht. Die Datierung ist in der von der Vorlage verwandten Form nur dann wiedergegeben, wenn sie von der heute üblichen abweicht. Stücke ohne Monats- und Tagesdatierung sind jeweils am Ende des betreffenden Jahres eingereiht. Bei der Beschreibung der Urkunden sind die Entstehungsstufen durch A (= Ausfertigung), B (= separate Abschrift, etwa in Akten oder als Insert) und C (= Kopiarabschrift) gekennzeichnet. Mehrfachüberlieferung ist durch hochgestellte Ziffern (etwa C1, C2) unterschieden. Die Sprache der Urkunden ist vermerkt, wenn sie bis 1350 nicht lateinisch und danach nicht deutsch ist. Rückvermerke sind aufgenommen, sofern sie Neues gegenüber der Urkunde bringen.

Dem Findbuchteil bis zum Jahre 1534 liegt folgende Publikation zugrunde: Klaus Scholz, Die Urkunden des Kollegiatstifts Alter Dom in Münster 1129-1534 (Westfälische Urkunden, Texte und Regesten, Bd. 2), Münster 1978. Das handschriftliche Findbuch A 146 I Kollegiatstift Alter Dom, Münster - Urkunden mit der Laufzeit 1537 bis 1800 wurde mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen eines Projektes im Jahre 2009 von Dr. Joachim Rüffer unter der Betreuung von Thomas Reich mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.

Bestell- und Zitierweise: Stift Alter Dom, Münster - Urkunden Nr.

Münster, den 22. Juli 2011Dr. Thomas Reich

Umfang : 524 Urkunden, Findbuch B 216u, Bd. 1 (Urkunden bis 1534) und B 216u, Bd. 2 (Urkunden 1535-1800)



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