Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.3. Studienfonds und Missionen
Studienfonds Münster
Studienfonds Münster / Akten
B 151, Studienfonds Münster, Universität - Akademie, Münster
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 151

Name : Studienfonds Münster

Beschreibung :

Einleitung :

Am 14. August 1771 stellte Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels die Fundationsurkunde für die Universität Münster aus. Nach langwierigen Verhandlungen bestätigen Papst Clemens XIV. und Kaiser Joseph II. diese Stiftungsurkunde am 28. Mai bzw. 8. Oktober 1773.

Die Gehälter für zunächst 21 Professoren und die Sachausgaben der Universität sollten aus dem Vermögen des aufgehobenen Damenstiftes Liebfrauen/Überwasser zu Münster und dem Vermögen der säkularisierten Jesuitenniederlassungen im Fürstbistum Münster (Jesuitenkolleg Münster, Jesuitenkolleg Coesfeld und Tertiat auf Haus Geist bei Oelde) finanziert werden, für deren Verwaltung die Universitäts- und die Exjesuitenkommission - seit 1803 zur Studienkommission vereinigt - eingerichtet wurden.

Die Eröffnung der Universität fand am 16. April 1780 statt. Zu diesem Zeitpunkt lief der Lehrbetrieb in den Fakultäten für Theologie, Jura und Philosophie bereits. Mit der Berufung von vier Medizinprofessoren 1783 ff. und der Errichtung der Medizinischen Fakultät im Jahre 1795 fand der Ausbau der Universität gemäß den Plänen des Ministers und Generalvikars Franz von Fürstenberg (seit 1780 auch Vizekanzler der Universität) seinen Abschluß.

Mit der Machtübernahme der Preußen im Sommer 1802 setzten Auseinandersetzungen um den konfessionell-katholischen Charakter der Universität ein.

Nach der Eingliederung des Münsterlandes in das Großherzogtum Berg im Mai 1808 wurde die Universität Münster zur bergischen Landesuniversität. Die Fonds der aufgehobenen Akademien zu Herborn, Hadamar, Düsseldorf, Emmerich, Steinfurt und Lingen wurden zu ihrem Unterhalt mitherangezogen. Die Universität erhielt einen konfessionell simultanen Charakter und wurde mit getrennten Fakultäten für evangelische und katholische Theologie ausgestattet. Sie nahm in der Woche nach Ostern 1809 den Lehrbetrieb auf, war aber personell nicht besser ausgestattet als im Jahr 1802.

Der Status als bergische Landesuniversität ging bereits im nächsten Jahr wieder verloren. Durch Dekret Kaiser Napoleons vom 26. Dezember 1810 wurden weite Teile Norddeutschlands - und damit auch das Münsterland - mit dem Kaiserreich Frankreich vereinigt. Eine Neuorganisation der Universität wurde durch die politische Entwicklung überflüssig; denn Ende 1813 ging Münster erneut an Preußen über.

König Friedrich Wilhelm III. sagte seinen Untertanen im neuerworbenen Rheinland im April 1815 die Einrichtung einer rheinischen Universität zu. Im Mai 1818 waren die Standortfrage - Köln oder Bonn standen zur Debatte- und die Konzeption der neuen Universität geklärt. Friedrich Wilhelm III. erließ am 18. Oktober 1818 die offizielle Stiftungsurkunde für die Universität Bonn. Am selben Tag ordnete er die Schließung der Universitäten Duisburg, Paderborn und Münster an. In Münster wurde künftig durch die bisherige Theologische Fakultät ein theologisch-wissenschaftlicher und durch die bisherige Philosophische Fakultät ein darauf vorbereitender philosophischer und allgemein-wissenschaftlicher Kursus für zukünftige Geistliche der Diözese Münster angeboten.

Am 18. März 1821 wurde die Chirurgische Lehranstalt begründet, an der Chirurgen für die westlichen Provinzen Preußens ausgebildet wurden.

1832 genehmigte der König die Statuten der "Theologischen und philosophischen Lehranstalt", und die Umbenennung zur "Akademie" erfolgte.

Ab 1845 regten sich Wünsche zur Wiedereinrichtung einer Voll-Universität in Münster. Aber erst mit der Schaffung einer rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät (Beschluß des Abgeordnetenhauses vom 11. März 1902) wurde die Akademie wieder in die Reihen der Universitäten aufgenommen. Die feierliche Einweihung fand am 25. Oktober 1902 statt. Die Verleihung des heute noch gültigen Namens "Westfälische Wilhelms-Universität erfolgte durch Kabinettsordre vom 22. August 1907 durch Kaiser Wilhelm II.

Bei dem im vorliegenden Repertorium verzeichneten Teilbestand des "Studienfonds Münster" handelt es sich um Akten, die den Teilbeständen "Überwasser", "Jesuitenkolleg Münster" (früher fälschlich als "Gymnasium Münster" bezeichnet) und "Neuere Registratur" entnommen wurden und den Lehrbetrieb der Universität im weitesten Sinne betreffen. Es handelt sich um einen Mischbestand, der Akten der Provenienzen Universitäts-/Exjesuiten-/Studienkommission/Studienfonds, preußischer und großherzoglich bergischer Übergangsbehörden, des ab 1819/1825 für die Verwaltung des Studienfonds zuständigen Konsitoriums/Provinzialschulkollegiums aber auch universitärer Gremien /z. B. Kurator, Dekan) enthält. Die jeweilige Provenienz ist in der rechten Spalte des Findbuchs vermerkt. Bei Akten aus der Registratur des Studienfonds bzw. seiner Vorgänger wurde auf die Herkunftsangabe verzichtet.

Akten zur Geschichte der Universität befinden sich ferner in den Beständen "Fürstbistum Münster, Kabinettsregistratur" und "Oberpräsidium" (Band 8: Wissenschaft und Kunst) und im Universitätsarchiv, Steinfurter Straße 107, 4400 Münster).

Angelegenheit der Universitätsprofessoren s. a. Abschn. "Paulinum" im Teilbestand "Jesuitenkolleg Münster.

Münster, im Juni 1988

Ursula Schnorbus

Benutzte Literatur:

Alwin Hanschmidt, Die erste münstersche Universität 1772/80 - 1818. Vorgeschichte, Gründung und Grundzüge ihrer Struktur und Entwicklung. In: Die Universität Münster 1780 - 1980. Herausgeg. von Heinz Dollinger. Münster 1980.

Wilhelm Kohl, Die Bemühungen um den Ausbau der Theologisch-Philosophischen Akademie zu Münster im 19. Jahrhundert. In: Die Universität Münster 1780 - 1980. Herausgeg. von Heinz Dollinger. Münster 1980.

Umfang : 11268 Akten, Findbücher B 151.



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken