Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
2. BEHÖRDEN DER ÜBERGANGSZEIT 1802-1816
2.1. PREUSSISCHE ENTSCHÄDIGUNGSLANDE
2.1.1. Erbfürstentum Münster
Erbfürstentum Münster, Kreise
G 011, Erbfürstentum Münster, Kreise
Permalink des Findbuchs


Signatur : G 011

Name : Erbfürstentum Münster, Kreise

Beschreibung :

Einleitung :

"Über Bildung der Polizei- und Finanz-Behörden für das platte Land und die Mediatstädte des Fürstentums Münster" liegt aus dem Anfang des Jahres 1803 eine Denkschrift des Freiherrn vom Stein vor (Freiherr vom Stein, Briefe und amtliche Schriften 2 I Nr. 525). Im weiteren Verlauf des ersten Halbjahres 1803 machten auch v. Druffel, Forkenbeck und Graf v. Merveldt sowie v. Rappard und Ribbentrop Vorschläge zur Kreiseinteilung des Münsterlandes, von denen der des Letztgenannten in Anlehnung an französische Vorbilder einen Ems-, Angel- und Steverkreis vorsah.

Ein auf Steins Ideen fußender Vorschlag der Organisationskommission vom September 1803 zur Bildung von fünf Kreisen - Bevergern, Wolbeck, Sassenberg, Stromberg, Werne - stieß in Berlin auf keine Gegenliebe; dort wollte man nur zwei, allenfalls drei Kreise konzedieren. Das letztere sucht ein erneuter Plan Ribbentrops mit einem Münsterischen oder Niederemskreis, einem Sassenbergischen oder Oberemskreis und einem Wernischen oder Lippkreis zu verwirklichen. Man einigte sich dann aber doch auf vier Kreise: Münster, Warendorf, Beckum und Lüdinghausen; kreisfrei blieben die Immediastädte Münster und Warendorf. Ihre Einrichtung wurde am 25. November 1803 verfügt und mit kleinen Modifikationen durch Publicandum vom 23. Dezember des Jahres bekannt gemacht.

Den 1805 wieder auflebenden Bestrebungen auf Errichtung eines eigenen Bevergernschen Kreises trägt eine Kabinettsorder vom 20. März 1806 durch Neueinteilung der münsterischen Kreise Rechnung, wobei Lüdinghausen der Auflösung verfällt. In ihrer damaligen Gestalt bleiben die Kreise noch drei Jahre bestehen; erst im Frühjahr 1809 treten die nach französischem Muster neugeschaffenen Großherzoglich Bergischen Verwaltungsbehörden an ihren Platz.

Die Organisation der landrätlichen Behörden richtete sich nach dem Vorbild der älteren preußischen Provinzen. Zu Landräten sollten möglichst bisherige Amtsdrosten gewählt werden, die vormaligen Amtsrentmeister soweit möglich als Assistenten des Landrats übernommen werden. Dafür sollten die Kreissekretäre mit der preußischen Verwaltungspraxis vertraut sein.

Die Instruktion für die Landräte und Kreissekretäre datiert vom 3. Februar 1804. Danach obliegt dem Landrat die Ausübung der allgemeinen Landespolizei in seinem Kreise, in der er bis auf Domanial- und Forstsachen alle in den Aufgabenbereich der Kriegs- und Domänenkammer fallenden Sachen zu besorgen hat. Der ihm zur Seite gestellte Kreissekretär hat das Expeditions-, Registratur- und Rechnungswesen zu besorgen. Eine eigene Instruktion für Kreisausreuter und Kreisboten erging am 1. Mai 1804.

Der Bestand wurde 1963 neu formiert. Die Überlieferung ist mäßig. In Einzelfällen reichen die Registraturen der 1816 eingerichteten Landratsämter mit Vorakten noch in die erste preußische Zeit zurück.

A. Münsterscher Kreis

Der Kreis setzte sich aus einem Teil des Amtes Wolbeck, dem Amte Rheine-Bevergern rechts der Ems und Absplissen des Amts Horstmar zusammen. Im einzelnen wurden ihm die folgenden Städte und Kirchspiele zugewiesen:

Bevergern, Dreierwlade, Handorf, Havixbeck, Hopsten, St. Mauritz, Münster-St. Lamberti und Überwasser (Landkirchenspiele), Nienberge, Ost- und Westbevern, Riesenbeck, Roxel, Saerbeck und Telgte sowie die preußischen Anteile der Kirchspiele Emsbüren, Emsdetten, Gimbte, Greven, Rheine, Salzbergen und Schepsdorf. Dazu kamen noch Ende 1803 Albachten und Hiltrup.

Bei der Neueinteilung von 1806 erfuhr der Kreis eine völlige Umgestaltung. Während er einerseits die preußischen Gemeinden des Amtes Rheine-Bevergern sowie Telgte, Ost- und Westbevern abgab, ging mit Ausnahme von vier Kirchspielen (Bockum, Heessen, Hövel, Walstedde) der ganze Kreis Lüdinghausen in ihm auf.

Sitz des Landrats war die kreisfreie Stadt Münster.

Landrat wurde Max-Xaver v. Schmising-Kerssenbrock, Kreissekretär Quest; als landrätlicher Assistent blieb Amtsrentmeister Geisberg in Funktion. Ein Plan der münsterischen Kreisregistratur hat sich in den Akten der Kriegs- und Domänenkammer Münster erhalten (Fach 1 Nr. 22). Er gliedert sich in die folgenden 23 Rubriken: Topographie der Kreises; Dienst-, Verwaltungs- und Bedientensachen; Bevölkerungssachen, Finanzsachen, Regalien, Monopolien, Landeshoheitssachen, Militaria, Landes-Dienstsachen, Justizsachen; Industrie-, Fabriken- und Ökonomiesachen; Handels- und Gewerbesachen, Etablissements-Sachen, Bausachen, Kommunitätssachen, Feuerpolizeisachen, Gesundheitspolizei, Wege- und Vorflutpolizei, allgemeine Landespolizei, Parteisachen, geistliche Sachen, Armensachen, diverse Sachen.

B. Warendorfer Kreis

Der Kreis wurde aus dem Amt Sassenberg und Teilen des Amtes Wolbeck gebildet. Die Kreiseinteilung von 1803 wies im die Städte und Kirchspiele Albersloh, Alverskirchen, Angelmodde, Beelen, Einen, Everswinkel, Freckenhorst, Füchtorf, Greffen, Harsewinkel, Hoetmar, Milte, Rinkerode, Sassenberg, Sendenhorst, Alt- und Neu-Warendorf, Wolbeck sowie Albachten, Appelhülsen, Bösensell, Hiltrup, Nottuln, Schapdetten und Venne zu, von denen die sieben letztgenannten freilich schon Ende des Jahres an Münster und Lüdinghausen abgegeben wurden.

Durch die Kreiseinteilung von 1806 kamen Amelsbüren, Ost- und Westbevern sowie Telgte zum Warendorfer Kreis. Landrat wurde der Sassenberger Amtsdrost v. Ketteler zu Harkotten, Kreissekretär der bisherige Kalkulator des südlichen Städtekreises der Grafschaft Mark Quade; als landrätlicher Assistent fungierte der bisherige Amtsrentmeister Reinharz.

C. Beckumscher Kreis

Der Kreis wurde aus dem Amt Stromberg und Teilen des Amtes Wolbeck gebildet. Zu ihm zählten 1803 die Städte und Kirchspiele Ahlen, Beckum, Diestedde, Dolberg, Drensteinfurt, Enniger, Ennigerloh, Herzfeld, Liesborn, Lippborg, Oelde, Ostenfelde, Stromberg, Sünninghausen, Vellern, Vorhelm, Wadersloh und Westkirchen.

Dazu kamen bei Auflösung des Lüdinghauser Kreises im Jahre 1806 die Kirchspiele Bockum, Heessen, Hövel und Walstedde.

Landrat wurde der vormalige Amtsdrost v. Nagel zu Vornholz, dem nach längerer Vakanz Clemens Wenzel Freiherr v. Oer folgte. In der Zwischenzeit führte der Kreissekretär Keutmann die Geschäfte.

D. Lüdinghauser Kreis

Der Kreis setzte sich aus dem Amt Werne mit Lüdinghausen, Teilen des Amtes Wolbeck und Absplissen der Ämter Dülmen und Horstmar zusammen. Die Kreiseinteilung wies ihm zunächst die folgenden Städte und Kirchspiele zu: Altlünen, Amelsbüren, Ascheberg, Bockum, Bork, Heessen, Herbern, Hiddingsel, Hövel, Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen, Ottmarsbocholt, Selm, Senden, Seppenrade, Südkirchen, Walstedde, Werne sowie die Osterbauerschaft des Kirchspiels Wolbeck. Noch im Dezember 1803 kamen dazu Appelhülsen, Bösensell, Nottuln, Schapdetten und Venne.

Im Gefolge der neuen Kreiseinteilung von 1806 wurde der Kreis Lüdinghausen zum 1. Juni dieses Jahres aufgehoben. Landrat war Johann Matthias Freiherr v. Ascheberg zu Venne, der sein Amt am 18. März 1806 niederlegte. Zum Kreissekretär wurde der bisherige Zollkalkulator und Bürgermeister von Herdecke Ferdinand Kobbe bestellt.

Akten haben sich nicht erhalten.

E. Bevergernscher Kreis

Die Errichtung eines Bevergernschen Kreises war bereits 1803 zeitweilig erwogen worden. Im November 1805 hatte der münsterische Landrat Freiherr v. Schmising-Kerssenbrock erneut darauf angetragen, den preußischen Anteil dse vormaligen Amtes Rheine-Bevergern von seinem Kreise zu trennen. Seinem Antrag folgte die Kreis-Neueinteilung vom Frühjahr 1806.

Dem am 1. Juni 1806 ins Leben tretenden Kreise gehörten neben der Stadt Bevergern die Kirchspiele Dreierwalde, Hopsten, Riesenbeck und Saerbeck sowie die rechts der Ems gelegenen Teile der Kirchspiele Emsbüren, Emsdetten, Rheine, Salzbergen und Schepsdorf an.

Mit der Kreisverwaltung wurde der Geh. Kriegs- und Domänenrat Philipp Carl Mauve in Lingen betraut. Als Kreissekretär stand ihm der in Lüdinghausen frei gewordene Kobbe zur Seite.

Richtering

Das vorliegende Findbuch B 5 Erbfürstentum Münster, Kreise wurde im Jahre 2010 von Sabine-Ines Rauch mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.

Münster, den 11. Dezember 2013, Reich

Umfang : 164 Akten (20 Kartons), Findbuch G 011.



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