Stadtarchiv Bergisch Gladbach
Nachlässe von Privatpersonen
Walborg Schröder (geb. 1933), Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft, Rhein-Ruhr e.V.
N 13 Walborg Schröder
Permalink des Findbuchs


Signatur : N 13

Name : Walborg Schröder

Beschreibung :


Walborg Schröder hat jahrzehntelang als Vorsitzende der Deutsch-Sowjetischen/Russischen Gesellschaft und als Mitglied des Ortsvereins Bergisch Gladbach der DKP die Völkerverständigung zwischen Ost und West gefördert. Zudem hat sie als Vertreterin der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten die jährliche Mahnwache am ehemaligen Konzentrationslager des Stellawerkes mitorganisiert.
Sie wurde als Walborg Schewe am 11.03.1933 in Zug b. Freiberg in Sachsen geboren und lernte ihren zukünftigen Mann, den Remscheider Karl Heinz Schröder, im Sommer 1951 bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten für Frieden und Freundschaft in Ost-Berlin (DDR) kennen. Zwei Jahre später heiratete die damalige Studentin des Pädagogischen Instituts Leipzig den Westdeutschen, arbeitete aber weiterhin als Übersetzerin der russischen Sprache im wissenschaftlichen Institut in Ost-Berlin (DDR), bis 1958 ihre Tochter Andrea auf die Welt kam. Im Rahmen der Familienzusammenführung siedelte sie 1962 zu ihrem Mann in die BRD um.
Aus beruflichen Gründen – Walborg Schröder arbeitete in der Sowjetischen/Russischen Botschaft in Bonn und Karl Heinz Schröder als Mitglied des DKP-Parteivorstandes in Düsseldorf – wählten die beiden im Mai 1973 Bergisch Gladbach als ständigen Wohnort.
Obwohl Frau Schröder seit 1997 Rentnerin ist, hält ihre gesellschaftliche und politische Tätigkeit bis heute an. Sie engagierte sich schon früh – geprägt durch ein antifaschistisches Elternhaus – in verschiedensten Organisationen wie in der Freien Deutschen Jugend, in der Frauenbewegung oder der Gewerkschaft.

Im Laufe der Jahre 2008/2009 übergab Frau Walborg Schröder zu verschiedenen Terminen mehrere Aktenordner (ca. 40 Stück) mit Schriftwechseln, Redemanuskripten, Druckschriften, Plakaten und Fotos aus ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach zur Aufbewahrung. Diese enthielten Dokumente der Jahre 1975-2009, welche ihre gesellschaftliche Tätigkeit zur Völkerverständigung zwischen Nordrhein-Westfalen und dem Gebiet der Sowjetunion, ihre lokalpolitische Arbeit in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und ihr Bemühen in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Bergisch Gladbach widerspiegeln.

Der vorliegende Bestand dokumentiert vor allem ihre Tätigkeit in der Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion, Regionalverband Rhein/Ruhr (selbst gewählte Kurzform der Gesellschaft: Gesellschaft BRD-UdSSR, Rhein/Ruhr e.V.), die wie ihre bezugnehmenden Länder ihren Namen änderte und seit 1991 Gesellschaft Bundesrepublik Deutschland/Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (BRD-GUS) / Deutsch-Russische Gesellschaft (Gesellschaft BRD-GUS bzw. Deutsch-Russische Gesellschaft, Rhein/Ruhr e.V.) heißt. Kurz nach der Gründung der Gesellschaft am 31.10.1974 war Frau Schröder im Vorstand tätig, den Vorsitz hat sie seit 1991 inne. Durch ihre Person verschob sich die geografische Basis der Gesellschaft nach Bergisch Gladbach; 1989 wurde sogar eine Ortsgruppe Bergisch Gladbach gegründet. Somit prägte sie auch nachhaltig das Kultur- und Wirtschaftsleben ihrer Wahlheimat: Sie vermittelte die Verbindungen, aus denen später die Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach - Marijampole hervorging, ebenso die Verbindung zwischen der Firma Krüger und der Stadt Wologda zur Gründung einer der ersten deutschen Jointventures zwischen Westdeutschland und dem so genannten Ostblock. Zudem organisierte sie u.a. Hilfsgüterkonvois nach Moskau, Fußballturniere mit russischen Kindermannschaften, kulturelle Projekte mit städtischen Schulen und sie brachte zeitgenössische Kunst aus Osteuropa nach Bergisch Gladbach. Nachzuvollziehen ist diese Tätigkeit in den Schriftwechseln mit verschiedenen Institutionen und Persönlichkeiten (v.a. N 13/8 – 38) oder den Rundbriefen der Gesellschaft, die lückenhaft von 1975 - 2001 (N 13/7) vorliegen.
In ihrem Bestand befinden sich weiterhin Dokumente ihrer politischen Tätigkeit in der DKP von Bergisch Gladbach und Bensberg, der sie seit 1975 angehört. Seit 1990 ist sie als Vertreterin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten beteiligt an der Organisation der jährlichen Mahnwache „Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“ am ehemaligen Stella-Werk in Heidkamp/Bergisch Gladbach. Sie erhielt für ihre Bemühungen zur Völkerverständigung zahlreiche Auszeichnungen u.a. den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland im Jahre 2002.

Die Auszubildende zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste mit Fachrichtung Archiv, Sabine Weber, hat im Zuge ihrer Ausbildung den Bestand Schröder im Zeitraum vom November 2008 bis August 2009 gesichtet, bewertet, geordnet und verzeichnet. Hierbei wurden einige der Unterlagen (Fotos und Druckschriften) aus Gründen der fehlenden Aussagekraft oder Redundanz als nicht archivwürdig bewertet und an Frau Schröder zurückgegeben. Frau Schröder hat ihre Unterlagen zur Archivierung im Stadtarchiv Bergisch Gladbach vorbereitet. Sie legte die Schriftstücke nach Korrespondenzpartnern und Betreffen alphabetisch ab. Diese Ordnung wurde übernommen.
Die Fotosammlungen zur DKP Bergisch Gladbach (N 13/48) und der Gesellschaft BRD-UdSSR, Rhein/Ruhr e.V. bzw. Gesellschaft BRD-GUS/Deutsch-Russische Gesellschaft (N 13/49), die Frau Schröder dem Stadtarchiv überließ, wurden aus Gründen der Einheitlichkeit beim Bestand gelassen. Frau Schröder gab bei Bedarf Informationen zu den einzelnen Bildinhalten. Zur Reproduktion lieh Frau Schröder dem Stadtarchiv eine Fotoaufnahme aus, welches das Ehepaar Schröder mit der Nichte Lenins in Moskau zeigt. Die hiervon erstellte Fotodatei wurde unter N 13/49 Foto 44 verzeichnet. Einzelne Plakate wurden aus konservatorischen Gründen den Aktenordnern entnommen und unter P 1/1861 – 1865 verzeichnet.
Weitere Unterlagen zur Person Walborg Schröders, v.a. Zeitungsartikel, befinden sich ebenso im Stadtarchiv Bergisch Gladbach.

Sabine Weber, Dezember 2009



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