Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.6. Sammlungen
1.6.3. Abgefallene Siegel
Abgefallene Siegel AA 0642
190.02.00 Abgefallene Siegel
Permalink des Findbuchs


Signatur : 190.02.00

Name : Abgefallene Siegel

Beschreibung :
Der vorliegende Bestand beinhaltet eine ganze Reihe im Laufe der Zeit abgefallener Siegel,

1) die aufgrund fehlerhafter Reponierungen in der Vergangenheit nicht an ihren ursprünglichen Lagerungsort gelangt sind und deren korrekte Zuordnung heute nicht mehr möglich ist.
2) die zwar den entsprechenden Urkunden zugeordnet werden können, auf deren Wiederanbringung aus konservatorischen, ästhetischen oder sonstigen Gründen jedoch verzichtet wurde.
3) die über Außenstehende (als Geschenk, per Ankauf, Tausch o.ä.) an das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf gelangt sind.

Der größte Teil des Bestandes - 10 Kartons mit grob voridentifizierten Siegeln - wurde in der Zeit von Juni bis Dezember 2004 durch Staatsarchivoberinspektor Jörg Franzkowiak abschließend verzeichnet.

Dabei wurde wie folgt verfahren: Die ehemals in 6 Unterbestände, nämlich

I Geistliche Stände (Erzbischöfe, Bischöfe, Klöster, geistliche Dignitäre)
Ia Geistliche Stände; Siegel in Holzkapseln (Erzbischöfe, Bischöfe, Stifter und Klöster)
II Weltliche Stände (Fürsten, weltlicher Hochadel; Städte, Gerichte; Landadel und Schöffen A-Z)
III Weltliche Stände; Siegel in Holzkapseln (Reichsfürsten und übriger Reichsadel; Städte, Gerichte, Universitäten; Amtmänner, Richter, Schöffen)
IV Weltliche Stände, Kaisersiegel
V Abgefallene Bleisiegel (Bullen): Päpste etc.

aufgeteilte Siegelsammlung wurde unter einem Bestand zusammengefasst. Die Siegel wurden neu durchnummeriert und sind im Findbuch nun einer Klassifizierung nach Sieglertypen unterworfen. Die Benennung der einzelnen Klassifikationspunkte wurde dabei an die vormaligen Unterbestandsbezeichnungen (s.o.) angelehnt.

Bei der Einzelverzeichnung der Siegel sind angegeben:

1) Die Bestellsignatur in der Form Abgefallene Siegel, Nr. ...
2) Die Datierung: Diese wurde zumeist geschätzt als Zeitintervall in eckige Klammern gesetzt, da der Ausstellungszeitpunkt der Urkunde, an der das Siegel ursprünglich befestigt war, größtenteils nicht bekannt ist. Das Wissen um das zeitliche Vorkommen des Siegels (aus Siegelkartei / Fachliteratur ermittelt) und / oder den Wirkungszeitraum bzw. die Amtszeiten des Siegelführers (siehe 3) war bei der Schätzung oft hilfreich
3) Der Siegelführer mit Name, Titel(n), der Institution, der er angehörte oder vorstand (ggf. auch der Dienst- / Wohnort) und Wirkungszeitraum bzw. Amtszeiten (ggf. in eckigen Klammern, wenn nichts Genaues bekannt ist, s. Datum)
4) Siegelstoff, -farbe (subjektiv !) und -form
5) Der Siegeltypus: Hier wurde die von Prof. Dr. Toni Diederich (früher Historisches Archiv des Erzbistums Köln) erarbeitete Typologie, die von Dr. Wolfhard Vahl (Staatsarchiv Marburg) weiter verfeinert wurde, zugrundegelegt
6) Die Siegelumschrift: Buchstabenergänzungen bei beschädigten Legenden stehen in eckigen, aufgelöste Abkürzungen (stets in Kleinbuchstaben) in runden Klammern
7) Die Siegelgröße: Höhe x Breite in mm - Hierbei wurde in 5 mm-Schritten gerundet
8) Eine Unterscheidung nach Typaren - große Hauptsiegel, Geschäftssiegel ad causas, (Ring-)Sekrete u.ä. - sofern der Siegelführer für unterschiedliche Zwecke verschiedene Siegelstempel nebenher benutzte (s. Rechtsqualität)
9) Eine Siegelbildbeschreibung (s. Bemerkungsfeld): Zitate aus Fachliteratur stehen stets in Anführungszeichen
10) Die Archivsignatur der Urkunde, an der das Siegel ehemals angebracht war (sofern bekannt, s. Entnahme)
11) Die Altsignaturen, die sich aus den vormaligen Unterbestandsstrukturen, deren Rekonstruierbarkeit dadurch gewährleistet wird (s.o.), ergeben
12) Die Fachliteratur, die zur weiteren Vertiefung in die Materie herangezogen werden kann. Die Auflistungen sind ergänzungswürdig, da hier nur die Werke aufgeführt werden, die bei der Siegelverzeichnung konkret benutzt wurden
13) Der Erhaltungsgrad: Hier erfolgt eine kurze Beschreibung etwaiger Schäden, zumeist auch des in Resten erhaltenen Befestigungsstoffes sowie eine (subjektive) Bewertung des Siegelzustandes nach dem 5-stufigen Benotungsschema in der sog. Siegelkartei (seit dem 6.2.1980 verwendet; i.d.R. bedeuten die Noten 1 = das Siegel gut erhalten, 2 = die Umschrift beschädigt, 3 = die Umschrift zerstört, 4 = Siegelbild und Umschrift beschädigt, 5 = das Siegel bis auf Reste zerstört). Ggf. finden sich auch Hinweise auf bereits erfolgte Restaurierungen
14) Ggf. Hinweise: auf a) diverse (historische) Siegelschutzmaßnahmen; das sind i.d.R. Einfassungen in Wachsschüsseln, Holz- oder Metallkapseln, deren Größe (Durchmesser in mm) ebenfalls in runden Klammern angegeben ist, b) gelegentlich vorkommende Verkettungen einzelner Siegel, c) vermutete Siegelführer (sofern deren Identifizierung bisher nicht einwandfrei möglich war) - zumeist mit kurzen biografischen Erläuterungen, d) den Fundort im Magazin, an dem das Siegel fälschlicherweise eingeordnet war, e) die ursprüngliche Beschriftung, Aufbewahrung u.ä.

Die Sortierung unterhalb der Klassifikationspunkte erfolgt

1. in einem einstufigen System

a) rein alphabetisch nach Orts- (s. 1.4 und 2.3) bzw. Personennamen (s. 2.4.),
b) rein chronologisch nach Amtszeiten bzw. Wirkungszeiträumen der Siegelinhaber (s. 1.1 und 2.1) oder

2. in einem zweistufigen System (s. 1.2, 1.3, und 2.2), bei dem zunächst

a) alphabetisch nach dem Namen der Institution, der der Siegelinhaber angehörte oder vorstand, geordnet wird und in einem zweiten Schritt - bei Siegelinhabern der gleichen Institution mit gleichem Amt -
b) die Amtszeiten bzw. Wirkungszeiträume für die Sortierung ausschlaggebend sind

2 Kartons mit nicht identifizierten Stücken müssen zukünftig noch integriert werden, ebenso eine ganze Reihe Lacksiegel. Dies und die Tatsache, dass vermutlich immer wieder einmal lose Siegel aufgefunden werden, die nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können, führt dazu, dass dieses Findbuch lediglich als Provisorium anzusehen ist und fortgeschrieben werden muss.

Bisher wurden 351 Verzeichnungseinheiten gebildet. Zusammen mit den 64 Rücksiegeln, die als Vorgänge ebenfalls in die Verzeichnung aufgenommen wurden, umfasst das Findbuch z.Zt. 415 Siegel.


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