Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.1. Landesarchive
1.1.1. Kurköln
1.1.1.17. Landstände
Kurköln XIV AA 0019
101.17.1 Kurköln, XIV Landstände
Permalink des Findbuchs


Signatur : 101.17.1

Name : Kurköln, XIV Landstände

Beschreibung :
I. Einleitung
a) Landstände
„Die vier Kollegia der Landstände bestehen aus A. dem Domkapitel, B. den Grafen, C. der Ritterschaft, D. den Städten.
Das Domkapitel nennet sich den Status primarius oder Vorderstand .... Zu den Landtaegen
werden zween gräfliche und so viel Priesterherren nebst dem Syndikus des Kapitels deputirt.
Das zweite Kollegium der Landstaenden oder den Grafenstand machen aus 1. wegen Odenkirchen der Kurfürst. 2. Wegen des Thurms bei Arweiler, der Herzog von Ahremberg und Croy. 3. Wegen Bedbur, Alfter und Hackenbroich der Erbmarschall Graf von Salm. 4. Wegen Erp, Graf von Salm zu Bedburg. 5. Wegen Saffenburg Graf von der Mark. 6. Wegen Wevelinghoven Graf von Bentheim-Tecklenburg. 7. Wegen Helfenstein der nemliche. 8. Wegen der Erbvogtei Köln, Graf von Bentheim-Bentheim. 9. Wegen Alpen, Graf von Bentheim-Steinfurt.
Der dritte oder Ritterstand bestehet aus den Besizern jener adelichen Gütern oder Sitzen, welche zum Landtage qualificirt sind.
Zum letzern oder dem städtischen Kollegium gehören die sogenannten Municipal-Städte des Erzstiftes in folgender Ordnung: Andernach, Neuss, Bonn, Arweiler, Linz, Kempen, Rheinberg, Zülpich, Bruel, Lechenich, Unkel, Zons, Linn, Uerdingen, Rheinbach, Meckenheim und Rhense, deren jede ihre Deputirten schicket. Die beiden erstern führen das Direktorium.
Die gewöhnlichen Landtaege werden jährlich zu Bonn in dem Kloster der Kapuciner gehalten, und der Kurfürst schicket einen Kommissarius dazu. Viermal im Jahre versammelt sich außerdem ein Ausschuß der Stände zu Köln. Diese Versammlungen heissen Quartal-Konventionen. Auf der letztern werden die Landesrechnungen revidirt.“
(Hist.-geogr. Beschreibung des Erzstiftes Köln 1783, 8 ff.).
Die Archive der drei weltlichen Kurien, die 1794 zusammen mit dem des Domkapitels in das Kloster Wedinghausen gebracht worden waren, wurden von den Nachfolgestaaten 1803 so aufgeteilt, daß der Herzog von Arenberg das des Grafenkollegs, der Fürst von Nassau-Usingen das der Kölnisch Rheinischen Ritterschaft und der Fürst von Wied-Runkel das der Städte bekam (Kurköln, Rep. 29). Von diesen befindet sich im Hauptstaatsarchiv nur das der
Rheinischen Ritterschaft, das 1844 aus dem Nassauschen Archiv zu Idstein über Koblenz nach hier abgegeben wurde, dazu die Registratur des Generaleinnehmers (1833 von den Frh. Geyr von Schweppenburg übergeben) und der Deputati statuum, doch sind von den Akten der drei Gruppen nur Reste erhalten, so daß eine gesonderte Aufstellung nicht möglich war. Die Landtagsprotokolle und Akten des Domkapitels (1589-1793) sind 1949 und 1965 zusammen mit dessen Archiv im Stadtarchiv Köln hinterlegt worden (dort Akten 330a-452d).
Die kurkölnischen Landstände hatten 4 Kurien, von denen jede ein Archiv gebildet hat. Das Domkapitularische (s. Harleß, W., Über das letzte Schicksal des Cöln. Erzstiftes u. Domkapitels, mit besonderer Beziehung auf das Archiv des letzteren. in: Zt. f. preuß. Gesch. u. Landeskunde 1874, 11. Jg. und 1875 12. Jg.), das Gräfliche, das ritterschaftliche und das städtische (Kurköln, Ältere Rep. 29) Archiv flüchteten beim Einmarsch der Franzosen 1794 in die Abtei Wedinghausen bei Arnsberg. Ihre Bestände haben ein verschiedenes Schicksal erlebt.
1. Die landständischen Bestände des Domkapitels befinden sich im Stadtarchiv Köln unter Domstift, Akten (s. Anhang).
2. Das Archiv des Grafenstandes sollte 1803 dem Herzog von Arenberg als Mitglied des gräflichen Kollegiums übergeben werden (Kurköln, Ältere Rep. 29, 1803, Juni 17). Der in Deutschland befindliche Bestandteil des Arenberger Archivs (Stadtarchiv Recklinghausen) enthält nichts dieser Art, ebenso nicht der Brüsseler (Generalarchiv). Ob die auf Schloß Dyck liegenden Landtagsakten (s. Repert. Salm- Dyck, Akten, X, im Staatsarchiv Düsseldorf) das Archiv der gräflichen Kurie ausmachen, ist noch nicht geklärt.
3. Das Ritterschaftsarchiv (Über das Schicksal einer Kiste des Archivs, s. Harleß, ebd. 11 Jg., S. 448) war 1803 dem Fürsten von Nassau-Usingen zugedacht (Kurköln, Ältere Rep. 29, 17. Juni 1803). Über das herzoglich Nassauische Archiv (Idstein) fand es seinen Weg nach Koblenz (Dienstregistratur J 1, Vol. I, S. 146 ff.), von wo es 1844 nach Düsseldorf – hier war 1835 sein Verbleib noch unbekannt (Dienstreg. A 4 c IV S. 7) – abgegeben wurde (ebd. A 1 a I S. 81). Ein altes Verzeichnis über den Bestand des ritterschaftlichen Archivs ist noch vorhanden (Kurköln, Ältere Rep. 29, 1803). Hinzugenommen wurden vom Staatsarchiv im Jahre 1915 noch wenig wertvolle Bestände des Rittersitzes Lüftelberg (Dienstregistratur F 5 III S. 70 ff.).
4. Das landständische Archiv der Städte sollte 1803 dem Fürsten von Wied-Runkel zugeteilt werden. Über seinen jetzigen Lagerort ist nichts bekannt (Nachtrag: Heute im StA Koblenz, Bestand 35 Dep. Wied-Runkel). In hiesigem Archiv finden sich nur ganz vereinzelte Stücke.
Neben den 4 Kurien hatte noch die Tätigkeit des Generaleinnehmers, des landständischen Finanzbeamten, ein eigenes Archiv entwickelt. Das Amt war durch mehrere Generationen hindurch im Besitz der Familie Geyer, die das Archiv auch während der Franzosenzeit noch in Händen hielt. 1832 wurde es durch das Staatsarchiv von den Geyerschen Erben erworben (Dienstreg. A 4 b II, S. 8, ebd. J 1 Vol. I S. 85 f.).
Die Rechnungen betreffenden Akten wurden – um die Benutzung zu erleichtern – zum Generaleinnehmerarchiv genommen, wenn sie auch ursprünglich nicht dort gelegen haben sollten. Da die Überprüfung der landständischen Rechnungen bei allen 4 Ständen lag, können einzelne der Aktenstücke (die Provenienz war nur selten festzustellen) aus den anderen landständischen Archiven stammen.
Außer diesen 5 landständischen Archiven scheint noch ein allgemeines Ständearchiv bestanden zu haben. Eine Reihe der Deputationsprotokolle trägt nämlich die Adresse „ad archivum statuum“, die im hiesigen Staatsarchiv außerdem für die Ritterschaft und das Domkapitel überliefert sind. Bei der jetzigen Ordnungsarbeit wurden hierin die an alle landständischen Deputierten gerichteten Briefschaften und dergl. übernommen, außerdem alle Akten, bei denen die Provenienz aus einem der 5 Archive nicht ersichtlich war.
b) Protokolle und Rechnungen
Handelt es sich um eine größere Reihe einer Provenienz, wurde diese geschlossen aufgeführt, unter Angabe des ursprünglichen Archivs. Lag dagegen eine kleinere Zahl von Bänden des gleichen Betreffs vor, bei denen die einzelnen Stücke verschiedener Provenienz waren, wurden diese – um eine zu große Zersplitterung zu verhüten – beisammen gelassen und – wenn möglich – am Rande die Provenienz gekennzeichnet (z.B. Serie der Angaben über die Reichssteuer). Da die Kurien auf dem Landtag getrennt berieten (jährlich in Bonn), sind die Protokolle derselben bei den einzelnen Kurien verschiedenen Inhalts (natürlich sind die zu beratenden Punkte dieselben) während die der Deputationstage (vierteljährlich in Köln) übereinstimmen (mit Ausnahme der Beilagen). Bei einer landständischen Untersuchung ist außerdem der Niederschlag der kurkölnischen Regierung zu berücksichtigen (Kurköln II), die einen Landkommissar als Mittelsperson eingesetzt hatte.
Die im Bestand Kurköln XIV zusammengefaßten Akten der ehemaligen Landstände wurden zum Teil bereits 1948 durch die damalige Staatsarchivreferendarin Dr. Gisela Vollmer geordnet und verzettelt. Etwa die Hälfte des Bestandes wurde bei dieser Gelegenheit numeriert und paketiert. Der Rest wurde in den Monaten Februar/März 1964 durch den Staatsarchivreferendar Dr. Papst in gleicher Weise geordnet, numeriert und provisorisch verzeichnet. Die Retrokonversion des vorliegenden Findbuches erfolgte im Juni 2004 (Abschrift in MS Word) und Januar 2005 (Erstellung der xml-Datei mittels des CCS-Retrokonversionstools) durch Archivoberinspektor Jörg Franzkowiak.


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