Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.5. Französische Zeit und Übergangszeit
1.5.1. Linksrheinische Gebiete
1.5.1.1. Lande zwischen Maas und Rhein
Lande zwischen Maas und Rhein AA 0632
140.01.00 Lande zwischen Maas und Rhein
Permalink des Findbuchs


Signatur : 140.01.00

Name : Lande zwischen Maas und Rhein

Beschreibung :
Einleitung
Das vorliegende Findbuch enthält eine Verzeichnung der im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindlichen Akten aus der Zeit der provisorischen französischen (Militär- )Regierung zwischen 1794- 1798 für die „Pays (conquis) entre Meuse et Rhin“- ein Gebiet, das etwa dem Nordrheinland, zweitweise einschließlich Maas- und Moselland, entsprach. Als Zentralbehörden fungierten 1794- 1796 die Administration Centrale (AC), 1796- 1797 die Direction Générale (DG), beide mit Sitz in Aachen. Es folgten mit Sitz in Bonn 1797 die Commission Intermédiaire (CJ) und 1797- 1798 die Régie Nationale (RN), die mit der von Regierungskommissar Rudler vorbereiteten Einführung der Departementalverfassung 1798 endete. Der größte Teil Nordrheinlands wurde anschließend dem Département de la Roer zu Aachen unterstellt, der Süden (mit Bonn) dem Département de Rhin et Moselle zu Koblenz.
Bei der Ordnung in den Jahren 1948- 1949 durch den damaligen Staatsarchivreferendar Dr. Helmut Dahm wurde versucht, aus den ins Staatsarchiv gelangten Aktenresten die ursprünglichen Registraturen und –ordnungen wiederherzustellen. Soweit vorhanden wurden die alten Signaturen- gemeinsam mit einer Chiffre für die Behörde- hinter den Titeln angegeben, z.B. Zentralverwaltung zu Aachen: Bureau des affaires contentieuses (Büro für Zivil- und Verwaltungsgerichtsbarkeit), ... AC, 16.
Ist auch das überkommene Aktenmaterial der obengenannten Zentralbehörden spärlich, so ist die Überlieferung der Mittel- und Unterbehörden sehr unterschiedlich: Fast vier Fünftel der Akten stammen aus Bonn, wo bestehende Behörden weiterfunktionierten, der Rest überwiegend aus Kleve. Die neuen Arrondissementbehörden in Düren, das bisher von Düsseldorf aus, und in Geldern, das bisher weitgehend von Kleve aus verwaltet worden war, haben kaum Akten hinterlassen. Kommissariatsakten bilden hier den Kern der Überlieferung.
Während der provisorischen Regierung bestanden im Nordrheinland drei Mittelbehörden: I. Arrondissement der ehemaligen kurkölnischen Lande (Arrondissement Köln) mit Sitz in Bonn (aK), II. Arrondissement der ehemaligen preußischen Lande (Arrondissement) Geldern mit Sitz in Geldern (aG) und III. Arrondissement der ehemaligen jülich- bergischen Lande einschließlich Aachen (Arrondissement Jülich (- Aachen)) mit Sitz in Düren (aJ(A)).
Diesen unterstanden als Unterbehörden der Verwaltung zur Zeit der Administration Centrale und Direction Générale die Kantone (darunter als Lokalbehörden: Municipalitäten). Das linksrheinische Herzogtum Kleve bildete zwischen Arrondissementsregierung (aG) und Kantonen (c) eine Landesmunizipalität, in deren Rahmen bestehende Behörden weiterarbeiteten. Demgegenüber war es das Verwaltungsprinzip der Commission Intermédiaire (General Hoche), die alten Kleinterritorien mit der hergebrachten Ämterverfassung wiederherzustellen, und zwar unter Aufsicht der in ihren Funktionen veränderten bzw. geminderten Arrondissements, die fortan in Länder, Ämter, Herrschaften usw. unterteilt waren wie vor 1794. Im Arrondissement Geldern wurde eine Landesdeputation Kleve- Geldern- Moers geschaffen. Die klevische Kammer wurde als Kammerdeputation wieder eingerichtet. Bei den Mittelbehörden bedeutete diese Verwaltungsreform einen scharfen Registratureinschnitt: Die vorwiegend erhaltenen Akten des Arrondissement Köln (aK) zerfallen in eine ältere Registraturfolge aus der Zeit der Administration Centrale (AC) und Direction Générale (DG) zwischen 1794 und Anfang 1797 und eine jüngere Registraturfolge aus der Zeit der Commission Intermédiaire (CJ) und Régie Nationale (RN) zwischen 1797 bis 1798. Der gleiche Einschnitt gilt für die nicht sehr umfangreichen
Registraturen der Zivilkommissare bei den Arrondissements: die Administration Centrale (AC) entsandte zwischen 1794 bis 1796 „Agents nationaux“, die Direction Générale (DG) „Agents intermédiaires“, die Commission Intermédiaire (CJ) und Régie Nationale (RN), die die deutschen Verwaltungen mit deutschen Beamten wiederhergestellt hatte, „Commissaires francais“ oder „Procureurs“ (1797- 1798).
Kantonalakten sind in diesem Bestand nur aus Teilen der Arrondissementsregierung (aG) erhalten (1794- 1797). Aus dem Arrondissement Köln (aK) liegen nur Akten der Mittelbehörde betreffend die Kantone (1794- 1797) bzw. Ämter (1797- 1798) vor. Trotz unterschiedlicher Überlieferungsgeschichte dürfte der Umfang der erhaltenen Registraturen vorsichtige Rückschlüsse aufdie Funktion der wechselnden Verwaltung zulassen. Einigermaßen durchgreifend regiert wurde- abgesehen vielleicht von der Aachener bzw. Bonner Zentralbehörde- vermutlich nur in Bonn und Kleve.
Nur zeitweise besetzte bergische und kurkölnische Landesteile rechts des Rheins wurden gemäß ihrer früheren staatlichen Verbindung den Arrondissements Köln (aK) und Jülich (-Aachen)) (aJ) zugeteilt. Der Commissaire francais beim Arrondissement Jülich (- Aachen), Geist, hat nach der Eroberung Düsseldorfs dort zeitweilig seinen Sitz genommen. Die Einrichtung eines selbständigen Arrondissements Berg mit Sitz in Düsseldorffür das der Commissaire francais Rodolphe bestellt war, gelang nicht.
Inhaltlich spiegelt der Bestand „Landes zwischen Maas und Rhein“ die Hauptaufgabe der provisorischen Verwaltung wider, nämlich vermittels Kontributionen, Requisitionen, Organisation des Fuhrwesens, Heereslieferungen und Nutzbarmachung der beschlagnahmten Domänen, Kassen und Emigrantengüter sowie des geistlichen Besitzes die Operationen der Maas- Rhein- Armee zu unterstützen.
Das alte, vor dem analogen Findbuch, das der Retrokonversion zugrunde lag (Signatur: 140.01.00), verwendete Findbuch trug die Signatur M 84 (vgl. Nr. 2706).
Zum Punkt IV. des alten analogen Findbuchs (Signatur: 140.01.00, S. 333- 343), das ehemals fehlende Akten umfaßt, ist zu bemerken: Es handelt sich hierbei um durch Titel oder leeren Aktendeckel festliegende Betreffe, die bei der Verzeichnung 1948- 1949 nicht ermittelt werden konnten und damals zu den vermutlichen Kriegsverlusten von 1945 gezählt wurden. Nach Anmerkung von Frau Dr. Joester wurden der weitaus größte Teil der nachstehenden Akten dann 1972 und 1979 wieder ermittelt. Die Verzeichnungseinheiten, welche im analogen Findbuch unter diesem Punkt aufgeführt werden, sind bereits bei der Überarbeitung des analogen Findbuchs in andere Klassifikationspunkte des Findmittels integriert und wurden deshalb hier weggelassen.
Es ist abschließend aufnachfolgende Bestände anderer Archive hinzuweisen:
Vgl. zu den Kantonen bzw. „Kantonsverwalterberichten“: Landeshauptarchiv Koblenz, Rep. 241- 249 (Rep. J I f 1), hier insbesondere Bestände 241 ff., Nr. 171- 175 (Lettres des administrateurs des cantons d’ Andernach, Clèves, Moers, Münstereiffel et Zons, September 1796- März 1797).


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