Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.1. Landesarchive
1.1.5. Moers
1.1.5.6. Gerichte
Moers, Gerichte, Urkunden AA 0078
105.00.03 Moers, Gerichte
Permalink des Findbuchs


Signatur : 105.00.03

Name : Moers, Gerichte

Beschreibung :
Organisation der Gerichte:

Das oberste Gericht für die Grafschaft Moers und die untergehörigen Herrlichkeiten war das „Haupt- und Stadtgericht zu Moers, kurz Hauptgericht genannt. Es bestand aus einem Schultheiß, der den Vorsitz führte, und 7 Schöffen. Es war Gericht 1. Instanz für die Grafschaft Moers, mit Ausnahme von Friemersheim, Krefeld und Ossenberg, und Gericht 2. Instanz für das gesamte Land. Insbesondere gehörten alle peinlichen Prozesse vor das Hauptgericht. Die Justiz wurde 1749 durch Cocceji vom Hauptgericht an die Regierung übertragen., deren Justizabteilung (IV) von da an die Fortsetzung des alten Hauptgerichts als gerichtliches Forum bildete.
Die Appellation von dem Hauptgericht ging im 17. Jahrhundert in Sachen, die über 25 Reichstaler betrugen, an 2 Kölner Rechtsgelehrte, die sog. „Appellationskommissare für die Grafschaft Moers. An ihre Stelle wurde 1709 als 3. Instanz das Orange-Tribunal in Berlin eingesetzt (s. Bornhak, preußische Staats- und Rechtsgeschichte, S. 139).

Neben dem Hauptgericht bestand ein besonderes Latengericht. Den Vorsitz führte seit 1679 der Landrentmeister als Latenrichter, seit 1749 der Renteiadministrator. Neben dem Richter standen 2 Latenschöffen und 1 Sekretär. Vor das Latengericht gehörten in der Hauptsache Verkäufe und Obligationen, welche die königlichen Latengüter betrafen.

An Untergerichten bestanden nur in vorpreußischer Zeit: das Gericht Baerl, das Landgericht Homberg und das Gericht Neukirchen. In preußischer Zeit blieben nur noch 4 Untergerichte als Gerichte 1. Instanz bestehen: die Landgerichte Friemersheim (mit Untergericht Kapellen) und Krefeld und die Gerichte der beiden Herrlichkeiten Niederbudberg und Ossenberg. In den beiden Landgerichten zu Friemersheim und Krefeld führte der Schultheiß des Hauptgerichts Moers den Vorsitz. In Krefeld standen ihm 4 Stadtschöffen, 3 Bauern- oder Landschöffen und 1 Sekretär zur Seite, in Friemersheim 4 Bauernschöffen und 1 Sekretär.
Die Coccejische Reform von 1749 brachte auch hier eine Änderung. In Krefeld, wo schon damals das Gericht gänzlich dem Magistrat überlassen war, hatte nach 1749 das Gericht nur noch Bagatellsachen und Festnahme der Delinquenten zu besorgen. Alles andere wurde der Regierung zu Moers übertragen (vgl. Acta Borussica, Behördenorganisation VIII, S. 514). In Friemersheim, das als Gericht 1. Instanz bestehen blieb, war ein besonderer Richter (vgl. Moers, Regierung, I Nr. 34).
Die Herrlichkeit Niederbudberg (etwas oberhalb Rheinberg) gehörte Moers und Kurköln gemeinsam. Im Gericht derselben präsidierten beide Schultheißen zusammen, der zu Moers und der kölnische zu Rheinberg, beide Gerichtsschreiber führten das Protokoll. Von den 4 Schöffen setzten Köln und Moers je 2 ein. Die Berufung ging abwechselnd nach Moers und Rheinberg.
Die Herrlichkeit Ossenberg (etwas unterhalb Rheinberg) war moersisches Lehen. Die Berufung vor dem dortigen Gerichte 1. Instanz ging an das Hauptgericht Moers.
In Moers bestand ein „Officium fisci oder Fiskalatamt mit einem „Advocatus fisci an der Spitze (vgl. Moers, Regierung, I Nr. 21). Ihm oblagen insbesondere die fiskalischen Prozesse und überhaupt die Vertretung der fiskalischen Interessen.

Das vorliegende Findmittel wurde im September 2005 durch den Praktikanten Christian Scholl in eine Textdatei abgeschrieben. Die Überarbeitung in VERA erfolgte im November 2005 durch Staatsarchivoberinspektor Jörg Franzkowiak.


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