Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
4. Nichtstaatliches und nichtschriftliches Archivgut
4.4. Vereine, Verbände und ähnliche Organisationen
4.4.6. Soziales, Frauen, Jugend, Sport
4.4.6.11. Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft
Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft RW 0001
420.01.01 Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft
Permalink des Findbuchs


Signatur : 420.01.01

Name : Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft

Beschreibung :
Vorwort
Die Akten der Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft gelangten Anfang der 1950er Jahre in das damalige Hauptstaatsarchiv Düsseldorf. 1973 erhielt der Bestand die Bestandsbezeichnung RW 0001 und die Akzessionsnummer 70/73.
Da ein zunächst angefertigtes knappes Aktenverzeichnis nur einen Teil des Bestandes erfasste, wurde der Bestand 1989 durch Dr. Faust neu verzeichnet. Dabei wurden - soweit vorhanden - die alten Signaturen beibehalten.
Der Bestand umfaßt 663 Nummern Akten und 719 Nummern Druckschriften. (Die Druckschriften sind gesondert verzeichnet.)
Die Laufzeit reicht von 1826 bis 1943.
Mit Ausnahme einiger personenbezogener Akten ist der Bestand ohne Beschränkung benutzbar.
Geschichte der Gefängnisgesellschaft:
Die Gründung der Rheinisch - Westfälischen Gefängnisgesellschaft erfolgte am 18. Juni 1826 in Düsseldorf. Nach Vorliegen der königlichen Bestätigungsurkunde konstituierte sich die Gesellschaft auf ihrer ersten Generalversammlung am 12. Mai 1828 endgültig.
Nach und nach wurden an vielen Orten Tochtergesellschaften und Hilfsvereine gegründet.
Nach ihrem "Grundgesetz" von 1826 war "Gegenstand" der interkonfessionellen Gesellschaft "eine mit den Staatsgesetzen übereinstimmende Beförderung der sittlichen Besserung der Gefangenen, durch Beseitigung nachteiliger und Vermehrung wohltätiger Einwirkung auf dieselben, wiewohl während der Haft, als nach der Entlassung".
Die Rheinisch - Westfälische Gefängnisgesellschaft war eine der ersten ökumenischen Organisationen in Deutschland. Ihre Hauptaufgabe bestand zunächst darin, die Gefangenen in den Grundlehren des christlichen Glaubens zu unterweisen, weil das Verbrechen als Sünde gegen Gott und die Menschen verstanden wurde. Um den Straffälligen bei ihren Anstrengungen, mit Gott und den Menschen wieder ins Reine zu kommen, behilflich zu sein, engagierte und besoldete die Gesellschaft evangelische und katholische Gefängnisgeistliche. Darüber hinaus stellte die Gesellschaft auch Lehrer für die Erteilung von Elementarunterricht ein. Bemühungen um eine sinnvolle Beschäftigung der Gefangenen während ihrer Haftzeit kamen hinzu.
Als weiteres wichtiges Aufgabengebiet nahm sich die Gesellschaft der Fürsorge für die Entlassenen und ihre Familien an. Arbeitsvermittlung und die Gründung sowie der Unterhalt von Übergangsheimen, Zufluchtshäusern, Asylen u.a. dienten nicht zuletzt diesem Zweck.
Die Teilnahme an den zeitgenössischen Diskussionen um die Strafrechtspflege, den Strafvollzug, den Jugendschutz, die Bewahrung der bürgerlich - christlichen Sittlichkeit (u.a durch Bekämpfung des Alkoholismus und der Prostitution) machten ebenfalls einen wichtigen Teil der Tätigkeit der Gesellschaft aus.
1925 wurde der Deutsche Reichsverband für Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge gegründet, dem sich die Gesellschaft als Landesverband anschloß.
Ende 1937 nannte sich die Rheinisch - Westfälische Gefängnisgesellschaft in Niederrheinische Straffälligenbetreuung und Ermittlungshilfe (mit Zuständigkeit für den Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf) um. Für den Oberlandesgerichtsbezirk Köln wurde die Rheinische Straffälligenbetreuung und Ermittlungshilfe gegründet und für den Oberlandesgerichtsbezirk Hamm die Westfälische Straffälligenbetreuung und Ermittlungshilfe.

Präsidenten:
Prokurator Wingender (1826 - 1828, Vizepräsident) Graf von Spee (1828 - 1839)
Geh. Oberregierungsrat Fasbender (1839 - 1848) Landgerichtspräsident Hoffmann (1848 - 1853) Pastor Kraftt (l853 - l856)
Konsitorialrat A. Natorp (1856 -1891) Superintendent Blech (1891 - 1898)
Pfarrer Karsch (1898 - 1907)
Vorsitzende:
Senatspräsident a.D. vom Rath (1907 - 1918)
Senatspräsident Geheimer Oberjustizrat Meyer (1918 - 1920)
Justizrat Dr. von Velsen (1921)
Geheimer Regierungsrat Schmidt (1922 - 1927)
Erster Staatsanwalt Weimar (1927 - 1934)
Dr. R. Friedrich (1935 - 1937)
(Erster) Geschäftsführer:
Pastor Dr. von Koblinski (1890 - 1897)
Pastor Dr. von Rohden (1897 - 1908) Strafanstaltspfarrer Theodor Just (1908 - 1934) Strafanstaltspfarrer Günther (1935 - 1937)

Literatur:
Hundert Jahre Geschichte der Rheinisch-Westfälischen Gefängnis- Gesellschaft 1826-1926. Im Auftrage des Ausschusses verfaßt von den Geschäftsführern Pfarrer Dr. von Rohden u. Pfarrer Theodor Just. Düsseldorf 1926 (RW l -906)
30 Jahre Bergische Gefängnis-Gemeinde, Wuppertal 1979 (in der Bibliothek des HSAD)
Gerhard Deimling: Karl Heinersdorff (1836-1914). Leben und Werk eines evangelischen Gefängnispfarrers im 19. Jahrhundert in Ostpreußen und im Bergischen Land, in: Monatshefte für Evangelischen Kirchensgeschichte des Rheinlandes 35 (1986), S. 105-151 (in der Bibliothek des HSAD: Z 13)





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