Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.2. Geistliche Institute
1.2.4. M - N
1.2.4.7. Marienheide
Marienheide AA 0646
121.46.01 Marienheide, Dominikaner
Permalink des Findbuchs


Signatur : 121.46.01

Name : Marienheide, Dominikaner

Beschreibung :
Marienheide (Oberbergischer Kreis). - St. Achatius und Gefährten / St. Mariä Heimsuchung, gegründet 1420/21, [faktisch] aufgehoben 1836.

Geschichtlicher Abriss:

Im Jahr 1417 wird ein Klausner Heydenreich erwähnt, der die Einsiedelei „auf der Mergenheyde bewohnte. Er brachte ein Marienbild aus Köln zu seiner Klause und stellte es in einer Kapelle zur Verehrung auf. Dem darauf einsetzenden Pilgerstrom Folge tragend, ließ Graf Gerhard von der Mark seit 1420/21 Dominikanermönche nach Marienheide kommen und legte damit den Grundstein für den Konvent, dessen Einrichtung Papst Martin V. 1421 bewilligte. Anstelle der Kapelle wurden bald darauf Kloster (1423-1470) und Kirche (1425-ca. 1490) gebaut.

1454 erhielten die Einwohner der bergischen Honnschaft Scharde das Recht, sich an den Konvent zu halten. Die Kirche nahm in dieser Zeit den Heiligen Achatius als Schutzpatron an.

Die große Pest zu Anfang des 16. Jahrhunderts überlebten bis 1503 nur ein Priester und ein Novize. Nach einem Brand wurde das Kloster 1504 neu aufgebaut. Die Wallfahrtskirche erhielt ein prächtiges, aus Holz geschnitztes Chorgestühl.

In den Religionswirren brachen für das Kloster schwere Zeiten an. Zum Ende des 16. Jahrhunderts sah sich Marienheide plötzlich einer überwiegend lutherischen Umgebung ausgesetzt: Die Reformation hielt Einzug in den Nachbargemeinden Rönsahl, Gummersbach und Meinerzhagen, die Honnschaft Scharde war fast durchweg lutherisch geprägt und selbst die eigene Pfarrkirche in Müllenbach nahm den neuen Glauben an. Der Katholizismus konnte sich lediglich in Gimborn sowie zeitweise in Wiedenest behaupten. Im Jahr 1636 wurde das Kloster von kaiserlichen Truppen ausgeplündert. Zudem überzog 1634-1637 eine neue Pestwelle das Land. Der Rönsahler Pastor fand in Scharde Zuflucht und zelebrierte dort 7 Jahre lutherische Messen. Im Religionsvergleich, der nach dem 30jährigen Krieg geschlossen wurde, wird für die Pfarrei Müllenbach nur noch ein einziger Katholik erwähnt.

Der klösterliche Grundbesitz wurde ausschließlich an Katholiken, oft aus Lindlar oder Wipperfürth stammend, vergeben. So speiste sich die neue katholische Gemeinde vor allem aus den Pächtern der großen Klostergüter, ferner aus einigen Eingesessenen, die weit von der Pfarrkirche entfernt wohnten. 1677 wurde die Rosenkranzbruderschaft gegründet. 1682 erlangte das Kloster die Pfarrgewalt über die im Umkreis lebenden Katholiken sowie die lutherisch gewordenen Pfarreien.

Im Jahr 1709 eröffnete in Marienheide eine von den Dominikanern betriebene Klosterschule. Die spätgotische Hallenkirche wurde zwischen 1714 und ca. 1717 in eine Barockkirche umgewandelt. Beim Dachstuhlbrand 1717 fiel ein Großteil des Archivs den Flammen zum Opfer. Seit 1752 hatte der Konvent das Recht, die katholischen Bürger von Marienheide zu taufen und zu verheiraten. Die Einnahmen daraus musste es jedoch an den lutherischen Pastor in Müllenbach abführen.

Der Reichsdeputationsschluss von 1803 leitete den rund 20 Jahre währenden Untergang des Konvents ein. Es durften keine Novizen mehr aufgenommen werden, die Dominikaner verließen nach und nach Marienheide. Das Klostergebäude diente als Priesterwohnung, die Klosterschule wurde geschlossen. Der Schulunterricht wurde ins Küsterhaus in der Klosterstraße verlegt, fand aber aus Lehrermangel bis 1824 kaum mehr statt.

1820 wurde die bisher eigenständige Pfarrei Marienheide aufgehoben. Die Katholiken waren fortan dem Seelsorgebezirk des Pfarrers von Gimborn unterstellt. 1831 erfolgte die Wiedererhebung von Marienheide zur katholischen Pfarrei. Erste Weltgeistliche wurden die letzten beiden Dominikaner P. Joseph Hütt (Pfarrer) und P. Bernhard Zurstege (Vikar). Eine offizielle Aufhebung des Klosters gab es nie, doch war es mit dem Tod Zursteges 1836 vollständig ausgestorben.

Bestandsgeschichte:

Im Jahr 1975 bot das Kunst- und Buchantiquariat Venator, St. Apernstr. 56-62, 5000 Köln 1, einige Dokumente aus dem Klosterarchiv Marienheide zur Versteigerung an.

Haushaltsmittel für den Erwerb wurden am 19.2.1975 durch den damaligen Ltd. Staatsarchivdirektor Dr. Wilhelm Janssen beim Kultusminsterium des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt (vgl. Altregistratur Dez. 42, Akten Nr. 1, Az.: I-A/1-188/75). Letztendlich wurden 3 Aktenbände und einige lose Schriftstücke (Umfang: 1 Archivkarton) vom Hauptstaatsarchiv Düsseldorf angekauft und am 14.3.1975 unter der Nr. I 5/75 akzessioniert.

Die Verzeichnung der Unterlagen erfolgte von Januar bis März 2009 durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak.
Marienheide (Oberbergischer Kreis). - St. Achatius und Gefährten / St. Mariä Heimsuchung, gegründet 1420/21, [faktisch] aufgehoben 1836.Geschichtlicher Abriss:Im Jahr 1417 wird ein Klausner Heydenreich erwähnt, der die Einsiedelei „auf der Mergenheyde bewohnte. Er brachte ein Marienbild aus Köln zu seiner Klause und stellte es in einer Kapelle zur Verehrung auf. Dem darauf einsetzenden Pilgerstrom Folge tragend, ließ Graf Gerhard von der Mark seit 1420/21 Dominikanermönche nach Marienheide kommen und legte damit den Grundstein für den Konvent, dessen Einrichtung Papst Martin V. 1421 bewilligte. Anstelle der Kapelle wurden bald darauf Kloster (1423-1470) und Kirche (1425-ca. 1490) gebaut.1454 erhielten die Einwohner der bergischen Honnschaft Scharde das Recht, sich an den Konvent zu halten. Die Kirche nahm in dieser Zeit den Heiligen Achatius als Schutzpatron an. Die große Pest zu Anfang des 16. Jahrhunderts überlebten bis 1503 nur ein Priester und ein Novize. Nach einem Brand wurde das Kloster 1504 neu aufgebaut. Die Wallfahrtskirche erhielt ein prächtiges, aus Holz geschnitztes Chorgestühl.In den Religionswirren brachen für das Kloster schwere Zeiten an. Zum Ende des 16. Jahrhunderts sah sich Marienheide plötzlich einer überwiegend lutherischen Umgebung ausgesetzt: Die Reformation hielt Einzug in den Nachbargemeinden Rönsahl, Gummersbach und Meinerzhagen, die Honnschaft Scharde war fast durchweg lutherisch geprägt und selbst die eigene Pfarrkirche in Müllenbach nahm den neuen Glauben an. Der Katholizismus konnte sich lediglich in Gimborn sowie zeitweise in Wiedenest behaupten. Im Jahr 1636 wurde das Kloster von kaiserlichen Truppen ausgeplündert. Zudem überzog 1634-1637 eine neue Pestwelle das Land. Der Rönsahler Pastor fand in Scharde Zuflucht und zelebrierte dort 7 Jahre lutherische Messen. Im Religionsvergleich, der nach dem 30jährigen Krieg geschlossen wurde, wird für die Pfarrei Müllenbach nur noch ein einziger Katholik erwähnt.Der klösterliche Grundbesitz wurde ausschließlich an Katholiken, oft aus Lindlar oder Wipperfürth stammend, vergeben. So speiste sich die neue katholische Gemeinde vor allem aus den Pächtern der großen Klostergüter, ferner aus einigen Eingesessenen, die weit von der Pfarrkirche entfernt wohnten. 1677 wurde die Rosenkranzbruderschaft gegründet. 1682 erlangte das Kloster die Pfarrgewalt über die im Umkreis lebenden Katholiken sowie die lutherisch gewordenen Pfarreien.Im Jahr 1709 eröffnete in Marienheide eine von den Dominikanern betriebene Klosterschule. Die spätgotische Hallenkirche wurde zwischen 1714 und ca. 1717 in eine Barockkirche umgewandelt. Beim Dachstuhlbrand 1717 fiel ein Großteil des Archivs den Flammen zum Opfer. Seit 1752 hatte der Konvent das Recht, die katholischen Bürger von Marienheide zu taufen und zu verheiraten. Die Einnahmen daraus musste es jedoch an den lutherischen Pastor in Müllenbach abführen.Der Reichsdeputationsschluss von 1803 leitete den rund 20 Jahre währenden Untergang des Konvents ein. Es durften keine Novizen mehr aufgenommen werden, die Dominikaner verließen nach und nach Marienheide. Das Klostergebäude diente als Priesterwohnung, die Klosterschule wurde geschlossen. Der Schulunterricht wurde ins Küsterhaus in der Klosterstraße verlegt, fand aber aus Lehrermangel bis 1824 kaum mehr statt. 1820 wurde die bisher eigenständige Pfarrei Marienheide aufgehoben. Die Katholiken waren fortan dem Seelsorgebezirk des Pfarrers von Gimborn unterstellt. 1831 erfolgte die Wiedererhebung von Marienheide zur katholischen Pfarrei. Erste Weltgeistliche wurden die letzten beiden Dominikaner P. Joseph Hütt (Pfarrer) und P. Bernhard Zurstege (Vikar). Eine offizielle Aufhebung des Klosters gab es nie, doch war es mit dem Tod Zursteges 1836 vollständig ausgestorben.Bestandsgeschichte:Im Jahr 1975 bot das Kunst- und Buchantiquariat Venator, St. Apernstr. 56-62, 5000 Köln 1, einige Dokumente aus dem Klosterarchiv Marienheide zur Versteigerung an. Haushaltsmittel für den Erwerb wurden am 19.2.1975 durch den damaligen Ltd. Staatsarchivdirektor Dr. Wilhelm Janssen beim Kultusminsterium des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt (vgl. Altregistratur Dez. 42, Akten Nr. 1, Az.: I-A/1-188/75). Letztendlich wurden 3 Aktenbände und einige lose Schriftstücke (Umfang: 1 Archivkarton) vom Hauptstaatsarchiv Düsseldorf angekauft und am 14.3.1975 unter der Nr. I 5/75 akzessioniert. Die Verzeichnung der Unterlagen erfolgte von Januar bis März 2009 durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak.

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