Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.2. Geistliche Institute
1.2.4. M - N
1.2.4.5. Marienforst (Kottenforst)
Marienforst, Urkunden AA 0393
121.45.00 Marienforst (Kottenforst) (DFG - gefördert)
Permalink des Findbuchs


Signatur : 121.45.00

Name : Marienforst (Kottenforst)

Beschreibung :
Bonn-Godesberg. - Gegründet vor 1228, bis 1450 Augustinerinnen, dann Birgittiner (Doppelkloster); das Kloster erhielt 1450 die Besitzungen des aufgelösten Zisterzienserinnenklosters Marienthal (Frauenthal) bei Lechenich; aufgehoben 1802.

Übersicht

Im Bezirk des großen Waldes, der Kottenforst genannt, welcher sich zwischen Godesberg und Muffendorf über Lechenich hinaus erstreckte, entstand das gleichnamige Frauenkloster Kottenforst. Dieser Name war der gewöhnliche, jedoch wurde der Widmung des Klosters wegen (s. Mariae de Foresto, s. Urkunde Nr. 1) zuweilen auch die Bezeichnung Marienforst gebraucht, welcher später der ständige Name des Klosters wurde. Der Gleichförmigkeit wegen ist auf dem Umschlag der Urkunden die erste Benennung Kottenforst beibehalten worden. Über die Stiftung des Klosters fehlt jedes Denkmal. Sie war schon im 15. Jahrhundert unbekannt. Aus der Urkunde Nr. 1 ersehen wir indes, dass es schon 1249, jedoch, wie es scheint, noch nicht lange, bestand. Von dieser Zeit bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts sind nur wenige Urkunden, die überdies nur geringfügige Renten und die Zollfreiheit des Klosters betreffen, erhalten geblieben.
Die Klosterfrauen hatten bis dahin nach keiner bestimmten Ordensregel gelebt. Zucht und Haushalt waren, wie Erzbischof Dietrich von Köln 1450 erwähnt (s. Urkunde Nr. 37), verfallen. Er fühlte sich daher zur Reformation des Klosters gedrungen, führte die Regel des Heiligen Augustin und die Klausur ein und übergab dasselbe dem Brigittenorden. Da sich die damals noch übrigen, meist dem Ritterstand angehörige Klosterfrauen diesem Zwang nicht fügen wollten, so gestattete er ihnen, sich Klöster zu wählen, die ihrer Neigung mehr entsprächen. Ein noch schlimmeres Los hatte damals das Kloster Frauenthal bei Lechenich betroffen. Der Konvent hatte sich völlig aufgelöst und zerstreut, seine Besitzungen waren dem benachbarten Kloster Walberberg überwiesen worden. Erzbischof Dietrich erkannte diesen Übertrag nicht an und vereinigte Frauenthal und Kottenforst als zwei Klöster unter gemeinsamen Haushalt und unter dem Namen Kottenforst. Das Kloster Walberberg wurde damit abgefunden, dass Marienforst ihm für die Abtretung des Frauenthaler Hofes zu Keldenich 200 Florin zahlte und ferner 150 Florin überwies, um sich die Inkorporation der Pfarrkirche zu Walberberg und Schwadorf zu erwirken (s. Urkunde Nr 47).
Ungeachtet der Klausur wurde das Kloster von Töchtern aus dem Adelstand häufig gewählt. Durch die Mitgabe der eintretenden Novizen bildete sich allmählich einiger Wohlstand. Die Pfarrkirche zu Geilrath, worüber die Abtei Altenberg das Patronat besessen, wurde dem Kloster 1547, als spätes Beispiel von Inkorporationen, einverleibt (s. Urkunde 149). Dasselbe erwarb von einem Konventual der Abtei Heisterbach Besitzungen zu Muffendorf und wir vernehmen, dass in dem Krieg unter dem Erzbischof Gebhard Truchsess das Kirchendach und Kloster jener Abtei, so wie deren Höfe zu (Königs-) Winter, Kruft und Plittersdorf eingeäschert worden (s. Urkunde Nr. 170). Von der Leitung des Godesberger Baches in und durch die Stadt Bonn unter dem Erzbischof Ferdinand von Köln erhalten wir im Jahr 1618 Kunde, indem hierdurch der Klostermühle zu Plittersdorf das Wasser entzogen und daher eine Rente auf die Kellnerei Bonn zu Entschädigung angewiesen worden (s. Urkunde Nr. 177).

Retrokonversion des analogen Findbuches (Abschrift in VERA) durch Werkvertragskraft Sabine Ines Rauch, Oktober / November 2011; abschließende Kontrolle und Überarbeitung durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak, April-Mai 2012.

Bonn-Godesberg. - Gegründet vor 1228, bis 1450 Augustinerinnen, dann Birgittiner (Doppelkloster); das Kloster erhielt 1450 die Besitzungen des aufgelösten Zisterzienserinnenklosters Marienthal (Frauenthal) bei Lechenich; aufgehoben 1802.ÜbersichtIm Bezirk des großen Waldes, der Kottenforst genannt, welcher sich zwischen Godesberg und Muffendorf über Lechenich hinaus erstreckte, entstand das gleichnamige Frauenkloster Kottenforst. Dieser Name war der gewöhnliche, jedoch wurde der Widmung des Klosters wegen (s. Mariae de Foresto, s. Urkunde Nr. 1) zuweilen auch die Bezeichnung Marienforst gebraucht, welcher später der ständige Name des Klosters wurde. Der Gleichförmigkeit wegen ist auf dem Umschlag der Urkunden die erste Benennung Kottenforst beibehalten worden. Über die Stiftung des Klosters fehlt jedes Denkmal. Sie war schon im 15. Jahrhundert unbekannt. Aus der Urkunde Nr. 1 ersehen wir indes, dass es schon 1249, jedoch, wie es scheint, noch nicht lange, bestand. Von dieser Zeit bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts sind nur wenige Urkunden, die überdies nur geringfügige Renten und die Zollfreiheit des Klosters betreffen, erhalten geblieben.Die Klosterfrauen hatten bis dahin nach keiner bestimmten Ordensregel gelebt. Zucht und Haushalt waren, wie Erzbischof Dietrich von Köln 1450 erwähnt (s. Urkunde Nr. 37), verfallen. Er fühlte sich daher zur Reformation des Klosters gedrungen, führte die Regel des Heiligen Augustin und die Klausur ein und übergab dasselbe dem Brigittenorden. Da sich die damals noch übrigen, meist dem Ritterstand angehörige Klosterfrauen diesem Zwang nicht fügen wollten, so gestattete er ihnen, sich Klöster zu wählen, die ihrer Neigung mehr entsprächen. Ein noch schlimmeres Los hatte damals das Kloster Frauenthal bei Lechenich betroffen. Der Konvent hatte sich völlig aufgelöst und zerstreut, seine Besitzungen waren dem benachbarten Kloster Walberberg überwiesen worden. Erzbischof Dietrich erkannte diesen Übertrag nicht an und vereinigte Frauenthal und Kottenforst als zwei Klöster unter gemeinsamen Haushalt und unter dem Namen Kottenforst. Das Kloster Walberberg wurde damit abgefunden, dass Marienforst ihm für die Abtretung des Frauenthaler Hofes zu Keldenich 200 Florin zahlte und ferner 150 Florin überwies, um sich die Inkorporation der Pfarrkirche zu Walberberg und Schwadorf zu erwirken (s. Urkunde Nr 47).Ungeachtet der Klausur wurde das Kloster von Töchtern aus dem Adelstand häufig gewählt. Durch die Mitgabe der eintretenden Novizen bildete sich allmählich einiger Wohlstand. Die Pfarrkirche zu Geilrath, worüber die Abtei Altenberg das Patronat besessen, wurde dem Kloster 1547, als spätes Beispiel von Inkorporationen, einverleibt (s. Urkunde 149). Dasselbe erwarb von einem Konventual der Abtei Heisterbach Besitzungen zu Muffendorf und wir vernehmen, dass in dem Krieg unter dem Erzbischof Gebhard Truchsess das Kirchendach und Kloster jener Abtei, so wie deren Höfe zu (Königs-) Winter, Kruft und Plittersdorf eingeäschert worden (s. Urkunde Nr. 170). Von der Leitung des Godesberger Baches in und durch die Stadt Bonn unter dem Erzbischof Ferdinand von Köln erhalten wir im Jahr 1618 Kunde, indem hierdurch der Klostermühle zu Plittersdorf das Wasser entzogen und daher eine Rente auf die Kellnerei Bonn zu Entschädigung angewiesen worden (s. Urkunde Nr. 177).Retrokonversion des analogen Findbuches (Abschrift in VERA) durch Werkvertragskraft Sabine Ines Rauch, Oktober / November 2011; abschließende Kontrolle und Überarbeitung durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak, April-Mai 2012.

Literatur :
Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz V 3, 1905, S. 314 f.; Backmund, Norbert: Monasticon Praemonstratense 1, 1949, S. 215; Handbuch der Erzdiözese Köln 25, 1958, S. 113; Hennes, J. H.: Kloster Marienforst bei Godesberg, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 32, 1878, S. 72-87; Maassen, German Hubert Christian: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Bonn 2: Bonn Land (= Geschichte der Pfarreien der Erzdiözese Köln 5, 2), 1899, S. 250 ff.; Wiedemann, Alfred: Geschichte Godesbergs und seiner Umgebung, Bad Godesberg 1920, S. 310 ff., und 1930², S. 292 ff.; Kliesing, Georg: Die Säkularisation in den kurkölnischen Ämtern Bonn, Brühl, Hardt, Lechenich und Zülpich in der Zeit der französischen Fremdherrschaft, Diss., Bonn 1932, S. 75; Franzen, August: Die Visitationsprotokolle der ersten Nachtridentinischen Visitation im Erzstift Köln unter Salentin von Isenburg im Jahre 1569, Münster 1960, S. 198 ff.; Nyberg, Tore: Birgittinische Klostergründungen des Mittelalters, Leiden 1965, S. 129 ff.; Onnau, H. E.: Der Marienforster Hof zu Geilrath, in: Kerpener Heimatbätter 5, 1967, S. 242 f.; Dietz, Josef: Aus dem Leben des Klosters Marienforst in den Jahren 1709-1722, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 170, 1968, S. 120 ff.

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