Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
4. Nichtstaatliches und nichtschriftliches Archivgut
4.6. Sammlungen
4.6.1. Sammlungen zur Zeitgeschichte
4.6.1.5. Erster Weltkrieg, Rhein- und Ruhrbesetzung
Sammlung zur Besatzung im Rheinland 1918-1934 RW 0006
470.02.01 Sammlung zur Rhein- und Ruhrbesetzung
Permalink des Findbuchs


Signatur : 470.02.01

Name : Sammlung zur Rhein- und Ruhrbesetzung

Beschreibung :
Vorwort

I Geschichte des Rheinlandes 19818 bis 1926
1. Rheinlandbesetzung und Ruhrkampf

Auf der Grundlage der Bestimmngen des Waffenstillstandes vom 11. November 1918 besetzten zum 1. Dezember 1918 und Januar 1919 belgische, britische, amerikanische und französische Truppen das gesamte linksrheinische Rheingebiet und vier rechtsrheinische Brückenköpfe und die Stadt Köln, Koblenz, Mainz und Kehl. Nordwestlich von Düsseldorf quartieren sich belgische Truppen ein, zwischen Düsseldorf und Bonn britische, zwischen Bonn und Koblenz amerikanische, südlich von Koblent französische. Rechts des Rheins wurde ein zunächst 10 km, ab Januar 1920 50 km breiter entmilitarisierter Streifen geschaffen.
Das Rheinlandabkommen vom 28. Juni 1919 schuf einen "Interalliierten Hohen Ausschuß für die Rheinlande" (Rheinlandkommission). Diese Kommission saß in Koblenz, den Vorsitz führte der französische Oberokmmissar Paul Tirard, der die oberste exekutive, legislative und judikative Gewalt ausübte. In den deutschen Zivilbehörden war die Rheinlandkommission durch Delegierte vertreten. Das Ruhrgebiet wurde in den Nachkriegsjahren 1919-1923 von Streiks und anderen politischen Unruhen erschüttert. Im großen kommunistischen Aufstand von 1920 bekämpfte die über 120 000 Mann starke Rote Arme Polizei und bürgerliche Einwohnerwehren.
Eine zweite Phase von Unruhen musste das Ruhrgebiet im Ruhrkampf erleben. Französische und belgische Truppen marschierten am 8. März 1921 in das abseits ihrer Besatzungszone gelegene Gebiet um die Städte Düsseldorf, Duisburg, Hamborn und Mühlheim ein; zwischen dem 11. und 16. Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Die französische Regierung wollte u.a. ein Pfand für die Reparationszahlungen besitzten. Auch wirtschaftliche Interessen bezüglich des Bedarfs der französischen Industrie an Kohle spielten eine Rolle. In Sterkrade, später in Duisburg fanden die belgischen Truppen, die das Gebiet zwischen Lippe und Emscher am Rhein bis Hervest, Marl und Buer besetzt hielten, ihr Hauptquartier. Das der französischen Truppen lag in Düsseldorf. In die von den Amerikanern aus Protest gegen den Völkerrechtsbruch geräumte linksrheinische Besetzungszone rückten ebenfalls französische Truppen ein. Die Engländer verhielten sich neutral. Im Juli 1923 standen 80 000 französische, 7000 belgische Soldaten auf deutschem Boden; 10 000 Franzosen und 1000 Belgier waren als zivile Eisenbahnbedienstete tätig.
Am 19. Januar 1923 erhielten die Beamten von der Reichsregierung und den Landesregierungen Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs Weisung, sich lediglich an die Anordnung der eigenen Regierungen zu halten. Maßnahmen, die im Widerspruch zum Rheinlandabkommen standen, sollten ebenfalls nicht befolgt werden. Der passive Widerstand war ausgerufen. Trotz zahlreicher Verhaftungen befolgten Beamtenschaft, Unternehmer und Arbeiter geschlossen den Widerstand. Einzelne Gruppen der Bevölkerung leisteten darüber hinaus aktive Abwehr und Sabotagehandlungen. Die Militärregierung verhängte scharfe Strafen, auch Todesurteile von denen sie eins am 26. Mai 1923 gegen Albrecht Leo Schlageter vollstreckte.
In den ersten Wochen der Ruhrgebietsbesetzung kamen die Kohlenlieferungen fast ganz zum Erliegen. Die Besatzungsmächte versuchten neben Verhaftungen und Gerichtsverfahren, die wirtschaftliche Ausbeutung mit Waffengewalt, Geiselnahme, Beschlagnahmungen und Zwangsversteigerungen zu erreichen. Eine Regie wurde im Bereich der Eisenbahn eingerichtet, die die Kohle nach Frankreich und Belgien befördern sollte. Im erbarmungslosen Kampf von Inflation, Arbeitslosigkeit und zunehmender Verarmung der Arbeiter versuchten die Besazungsmächte, die Bevölkerung mit massiver Propaganda für sich zu gewinnen. Doch nur der passive Widerstand wurde am 26. September 1923 von der neuen Reichsregierung Stresemann abgebrochen. Die Zwangsmaßnahmen der fremden Herrschaft blieben noch bis zum nächsten Jahr in Kraft. Erst die Ratifizierung des Londoner Abkommens (ausgehandelt am 16. Juli bis 16. August 1924 auf der Londoner Konferenz) durch Deutschland am 30. August 1924 ermöglichte eine nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichteteRegelung der Reparationszahlungen nach dem Dawseplan. Am 11. Oktober 1924 begann die Räumung des Einbruchsgebietes durch die französischen und belgischen Truppen, die bis August 1925 wieder abgezogen waren. Im Januar 1926 schloß sich die Räumung der nördlichen Besatzungszone mit dem Mittelpunkt Köln an. Am 30. Juni 1930 befand sich kein fremder Soldat mehr auf deutschem Boden.

Literaturhinweise:
Hans Spethmann: Der Ruhrkampf 1923-1925, Berlin 1933. Zeugnisse Rheinischer Geschischte. Eine Festschrift zum 150. Jahrestag der Errichtung der staatlichen Archive in Düsseldorf und Koblenz, Köln 1982 (=Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jahrbuch 1982/83), S. 99-105, 425 u. 426 (mit weiteren Hinweisen).
Klaus Schwabe (hrsg.): Die Ruhrkrise 1923. Paderborn 1985.


2. Separatismus

Der Kreis um den früheren preußischen Staatsanwalt Dr. Hans Adam Dorten unterstützte mit seinen separatistischen Tendenzen die Ansprüche Frankreichs auf das linke Rheinufer. Am 1. Juni 1919 rief Dorten in Main und Wiesbaden die "Rheinische Republik" aus. Der "Rheinstaat" erlebte nur wenige Tage und scheiterte an der ablehnenden Haltung der Bevölkerung. Die kleine Gruppe um Dorten strebtge letztlich eine völlige Trennung vom deutschen Reich und die Errichtung einer selbstständigen Republik unter dem Schutze Frankreichs an. Die "Rheinlandbewegung" dagegen, die eine Trennung der Rheinprovinz von Preußen bei gleichzeitigem Verbleib im Reich befürwortete, stützte sich auf breite Kreise des rheinischen Zentrums. In den Wintermonaten 1918/19 hatte diese "Los-von-Berlin" Bewegung bereits Auftrieb auch durch den Protest gegen die kirchenfeindliche Kulturpolitik des sozialdemokratischen preußischen Kultusministers Adolf Hoffmann erhalten.
Auf dem Höhepunkt der Ruhrkrise trat die Gefahr eines rheinischen SOnderstaates noch einmal 1923 in den Vordergrund. Erneut waren mehrere Gruppen bestrebt, unterschiedlich motivierte Ziele politisch zu verwiklichen. Im Gegensatz zum Separatistenfürher Dorten diskutierte Konrad Adenauer die Schaffung einer westdeutschen oder rheinischen Republik auf dem Boden der Reichseinheit. Noch radikaler als Dorten propagierte der frühere Kölner Sozialdemokrat Joseph Smeets, Führer der Rheinisch-Republikanischen Volkspartei, und seine Anhänger eine unter dem Schutz Frankreichs stehende, vom deutschen Reich abgetrennte, Republik. Zur Durchsetzung seines Ziels hatte Smeets eine militante, eher bandenmäßige Organisation aufgebaut, die "Rheinwehr".
Im Juli 1923 entstand noch eine weitere Separatistengruppe unter dem ehemaligen Generalsekretär der Rheinisch-Republikanischen Volkspartei Franz Trier. Zusammen mit dem Aachener Fabrikanten Leo Deckers gründeten er und die aus der Rheinisch-Republikanischen Volkspartei ausgetretenen Mitglieder die Rheinische Freiheitspartei und schlossen sich mit der Rheinischen Unabhänigkeitspartei des aus Aschaffenburg stammenden Journalisten Joseph Friedrich Matthes zusammen. Vereinigt im Rheinischen Unabhängigkeitsbund bildeten diese Gruppen im August 1923 eine Aktionsgemeinschaft zur Bildung einer selbstständigen Rheinischen Republik.ls Forum diente eine eigens dafür aufgebaute Presse, die jedoch wegen mangelnder FInanzierung und geringer Auflagenhöhe nicht lange lebensfähig blieb.
Am 21. Oktober riefen die Separatisten in Aachen die "Rheinische Republik" aus und rissen auch in Duisburg, Krefeld, Düren, Bonn, Koblenz, Wiesbaden, Mainz und in der Pfalz in den folgenden Tagen die Macht an sich. Nur mit der Unterstützung der französischen und belgischen Besatzungsmacht konnten sie sich behaupten. Im Siebengebirge gingen die Separatisten ohne Hilfe der Besatzungsgruppen vor und scheiterten. In Koblenz emfping der Oberkommissar der Rheinlandkommission Triard die Separatistenregierung und erkannte sie als Inhaberin der tatsächlichen Gewalt an. Matthes wurde mit dem Vorsitz im Kabinett betraut.
Der neuen Regierung gelang es jedoch nicht, die Bevölkerung zu gewinnen. Nach Einstellung der französischen Geldzuwendungen versuchten die Putschisten durch Plünderungen, Diebstähle und Requisitionen sowie Neudruck von Papiergeld ihren Unterhat zu sichern. Nur kurze Zeit später brachen die alten Rivalitäten zwischen Dorten und Matthes wieder aus, das Kabinett spaltete sich in zwei Lager. Am 13. November übernahm Dorten von Bad Ems aus die vollziehende Gewalt, Matthes trat am 27. November zurück. Der Putsch hatte damit ein schnelles Ende gefunden.

Literaturhinweise:
Peter Klein: Separatisten an Rhein und Ruhr. Die Konterrevolutionäre separatistische Bewegung der deutschen Bourgeosie in der Rheinprovinz und in Westfalen, November 1918 bis Juli 1919, Berlin 1961.
Karl Dietrich Ehrmann: Adenauer in der Rheinlandpolitik nach dem Ersten Weltkrieg, Stuttgart 1966.
Henning Köhler: Autonomiebewegung oder Separatismus? Die Politik der "Kölnischen Volkszeitung" 1918/1919, Berlin 1974 (=Studien zur Europäischen Geschichte, hrsg. von Hans Herzfeld/Willi Berges/ Ernst Schulin u. Fritz Trautz, Band X).
Zeugnisse Rheinischer Geschichte. Eine Festschrift, a.a.O., S.95-99, 424 u. 425.


II. Entstehung der Bestände RW 6 und RW 7

1. Anstöße zur Dokumentation der Besatzungszeit

Schon seit 1924 hatte es erste Anstöße gegeben, in einzelnen Bereichen eien Dokumentation über die Vorgänge während der Besatzungszeit zu schaffen. Das Ziel war in der Regel eine zu druckende Darstellung, doch wurden Materialbeschaffung und -sammlung sehr schnell zum eigentlichen Problem dieses Vorhabens.
Das Erste Projekt dieser Arbeit begann 1924/25 im Bereich der Polizei mit der Sammlung von Erlebnisberichten, wurde später auf die Erfassung der Dienstakten von Polizei und Polzeiverwaltung ausgedehnt und liegt heute als "Sammlung Melcher" vor, Bestand RW 9 im NW Hauptstaatsarchiv, Findbuch 470.03. Mit dem Ende der Besatzungszeit im Januar 1926 wurden solche Ansätze intensiviert. So forderte etwa ein Rundschreiben der "Interessengemeinschaft der Rheinisch-Westfälischen Industriegemeinden" vom 22.4.1926 die einzelnen Kommunalverwaltungen auf, Übersichten, Chroniken oder Denkschriften auf der Grundlage von behördlichen Akten und persönlichen Erinnerungen zu erstellen und sich am Vorbild der Stadt Düsseldorf zu orientieren. (Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 a Band 1). Im Auftrag der "Vereinigung der Städte, Landkreise und Gemeinden des Rheinisch-Westfälischen Industriegebietes" sollte der Düsseldorfer Stadtarchivdirektor Dr. Wentzke eine umfassende Denkschrift erarbeiten (vgl. RW 9 Nr. 61). Der Historische Verein von Geldern sammelte 1926 "Besatzungschroniken", die die Bürgermeister des Kreises Geldern nach einer Aufforderung des Landrates angefertigt hatten. Private Sammlungen zu den Vorgängen im Siegkreis legten K. Friedrichs (RW 7 Nr. 15 und 16) und P. Prost (RW 7 Nr. 17 und RW 8 Nr. 44) in den Jahren 1926 bis 1930 an. Ähnliche Initiativen hat es auch anderso gegeben; so war 1930 am Kreisarchiv Heinsberg eine Dokumentation in Arbeit. Auf einer Regierungspräsidentenkonferenz beim Oberpräsident der Rheinprovinz in Koblenz Anfang 1927 wurde beschlossen, daß nun auch von staatlicher Seite Material zur Geschichte der Besatzungszeit einschließlich den Erinnerungen einzelner Persönlichkeiten gesandt werden sollte. Ein entsprechendes Rundschreiben des Regierungspräsidenten von Düsseldorf vom 1.3.1927 verweist auf Vorarbeiten - vorbereitende Sichtung und ein Schema für "Besatzungschroniken" - des Düsseldorfer Stadtdirektors Dr. Wentzke (Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 Band 1; RW 9 Nr. 110 f.).


2. Die karteimäßige Erfassung der "Besatzungsakten" (Bestand RW 6)

Nach vorbereitenden Schriftwechseln und Erörterungen wurde bei einer Besprechung im preußischen Staatsministerium am 10.12.1928 die Verzeichnung der "Besatzungsakten" beschlossen. Auf der Grundlage der ausgearbeiteten Vorschläge der Archivverwaltung sollte in den Dienststellen jene Verwaltungsakten, die Aufschluss über die Besatzungszeit geben, auf Karteikarten verzeichnet werden. Die Staatsarchive sollten dafür besondere Sachbearbeiter (wissenschaftliche Hilfsarbeiter) einstellen.
Zur Bezeichnung der Behörde sollte ein bestimmter Buchstaben-Zahlen-Schlüssel benutzt werden, jedoch zeigten die Karten des Bestandes RW 6, dass dies nur zum Teil eingehalten wurde.
Folgendes Schema war vorgesehen:
Erster Buchstabe: Land (P = Preußen)
Zweiter Buchstabe: Archiv (a = Geheimes Staatsarchiv Berlin)
(b = Staatsarchiv Koblenz)
(c = Staatsarchiv Düsseldorf)
(d = Staatsarchiv Münster)
(e = Staatsarchiv Wiesbaden)
Dritter Buchstabe: Regierungsbezirk (a = RB Düsseldorf)
Zahl = Nummer der Behörde

Vom 1. Januar 1930 bis zum 31. März 1932 konnte das Staatsarchiv zwei wissenschaftliche Hilfsarbeiter (hauptsächlich) für diese Arbeit einsetzen; in der darauffolgenden Zeit wurde die Erfassung der Aktentitel mit geringem Aufwand fortgesetzt und bis 1939 zu einem gewissen Abschluss gebracht. Die aus den Karten des Bestandes RW 6 erfassten Akten, von Behörden, öffentlich-rechtlichen Stellen, Firmen und Verbänden sind in den Jahren 1918 bis 1931 entstanden. Sie stammen nicht nur aus dem Sprengel des Staatsarchivs Düsseldorf, sonden auch aus der südlichen Rheinprovinz, aus dem östlichen Ruhrgebiet sowie aus dem preußischen Innenministerium. Inwieweit sie heute noch als Archivgut vorliegen, lässt sich nicht allgemein feststellen (nach Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 a).


3. Die Quellensammlung des Staatsarchivs Düsseldorf (Bestand RW 7 Teil 1).

Als Vorbereitung der karteimäßigen Erfassung der Akten hatte das Staatsarchiv Düsseldorf von den Behörden Listen der einschlägigen Aktengruppen erhalten. Diese Listen sind - nur zum Teil - erhalten im Bestand RW 7 (Nr. 30, 31 und 116) sowie vereinzelt in den Akten der Alten Dienst-Registratur A 11 a (4 Bände) und im Bestand RW 9 (bs. Nr. 126 bis 128). Parallel zur Erfassung der Aktentitel in den Dienststellen, wobei ja die Akten selbst in der Regel nicht bzw. noch nicht an das zuständige Archiv abgegeben wurden, betrieb das Staatsarchiv Düsseldorf nun auch eine breit angelegte Aktion mit dem Ziel, Quellenmaterial als Archivgut zu erwerben. In den Monaten April bis Juni 1931 wurden die Regierungspräsidenten gebeten, die Bürgermeister zur Einreichung von Chroniken oder Berichten zu veranlassen, es wurden die Geschäftsstellen der politischen Parteien sowie einzelne Politiker angeschrieben, und in den Tageszeitungen erschien ein Aufruf des Generaldirektors der preußischen Staatsarchive, der Rektoren der Universitäten Bonn und Köln und des Direktors des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande in Bonn an die Bevölkerung, zu dieser Sammlung beizutragen (in RW 7 Nr. 38). Das Ergebnis sind die im Bestand RW 7 unter Nr. 1 bis 38, 89, 90 und 116 liegenden Schriftstücke, die überwiegend 1931, teilweise bis 1940 an das Staatsarchiv gegeben wurden. Auch die beiden Mitarbeiter, die die Aktientitelerfassung durchführten, trugen zu diesen Archivalienerwerbungen bei. Ihre Vierteljahresberichte enthalten weitere wichtige Hinweise. So ging beispielsweise Hermann van Ham 1931/32 sehr ausführlich auf die Lage der politischen Gefangenen in deutschen Gefängnissen ein, wobei er sich auf behördliche Akten stützte (Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 a Band 3 S. 3-22 und S. 174-179).
In der nationalsozialistischen Zeit konnte die Sammlungsaktion nur noch mit geringer Intensiät betrieben werden. Die Archivare stießen auf Bedenken politischer Art. So erklärte ihnen der Düsseldorfer Regierungsvizepräsident Bachmann am 26.2.1935 (dem Sinne nach), dass "der Regierung nicht erwünscht sei, wenn eine aus bestimmter überwundener politischer Einstellung heraus gesehene Darstellung der Regierungstätigkeit in der Besatzungszeit als Grundlage späterer Darstellung vorliege" (ebd. Band 4 S. 66).
Schließlich wurde 1963 im Evangelischen Landeskirchenarchiv in Düsseldorf der Rest einer Kartei gefunden, deren Herkunft unbekannt geblieben ist. Sie wurde an das Hauptstaatsarchiv abgegeben und hat die Signatur RW 7 Nr. 117.


4. Sammlung Glaubach
4.1 Zur Person von Eduard Glaubach (vgl. RW 7 u. 65, 88 u. 93)
Am 14. Dezember 1865 wurde Eduard Glaubach in Greifswald geboren. Nach dem Studium an den Universitäten Greifswald, Tübingen und Berlin stand er 21 Jahre lang in den Diensten der Regierung Aurich.
Mehrfach wurde er zu Dienstleistungen bei anderen Behörden abkommandiert, so z.B. in das Reichsministerium des Innern (Reichsversicherungsamt) in Berlin, wo er unter Bismarck die ersten Durchführungsverordnungen für die Neuerichtung der Invaliditäts- und Altersversicherung bearbeitete. Von 1908 bis 1912 richtete er u. a. bei der Regierung Schleswig die Rechnungskammer für den dortigen Regierungsbezirk ein. Während dieser Zeit informierte sich Glaubach über die Geschäftsführung der landwirtschaftlichen Sparkasse für den Regierungsbezirk Aurich und absolvierte ein staatswissenschaftliches Fortbildungsstudium an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a.M.
Im Juli 1912 versetzte man ihn an die Regierung Düsseldorf; dort richtete er die Rechnungskammer für den Regierungsbezirk ein und versah nebenamtlich die Verwaltung der Duisburg-Ruhrorter Binnenhäfen.
Im Ertsen Weltkrieg musste er als Referent beim Kriegswirtschaftsamt für die Rheinprovinz Bonn zusätzlich bestimmte Kriegsorgansisationen durchführen. 1917 leitete er in Frankreich bei Sedan ein Freikorps von 2000 rheinischen "Jungmannen" für die Einbringung der Obsternte.
Nach dem Zusammenbruch versah Glaubach seinen Dienst als Besatzungsdezernent bei der Regierung Düsseldorf und regelte als Sonderbeauftragter der preußischen Minister die finanz- und kassentechnische Organisation der Besatzungskosten im besetzten Gebiet. Er verhinderte auf dipolmatischem Weg den Abrtansport der rheinischen Zuchpferde als Beute und rettete der rheinischen Landwirtschaft das Zuchtmaterial.
1919 erfolgte seine Versetzung an die Regierung Hannover. Dort richtete er ebenfalls das Rechnungsamt für den Regierungsbezirk ein. Der inzwischen zum Sparkommissar für den Regierungsbezirk Hannover ernannte Glaubach war gleichzeitig Mitglied des Kapp-Untersuchungsausschusses und Gerichtshofes beim Oberpräsidium zu Hannover und Direktor der Hof- und Civildiener-Witwenkasse für die Provinz Hannover. Seine Tätigkeit als Regierungskommissar umfasste auch Großbanken in Hamburg, Bremen, Kiel, Schwerin und Rostock.
Im Jahre 1923 entsandte man Glaubach während des Ruhrkampfes als Reichs- und Staatskommissar für die Regierungsbezirke Köln, Koblenz, Trier und Aachen nach Köln. Es gelang ihm dort, für die Rheinlande eine große Organisation von Vertrauensmännern, Kontrolbeamten und Gewerksschaftssekretären aller Parteirichtungen zu schaffen. Mit Hilfe dieses Kommissariats stellte Eduard Glaubach die finanzielle Ordnung bei den Behörden der Rheinprovinz nach der Erschütterung durch Ruhrkampf und Infaltion wieder her und half die separatistische Bewegung zu bekämpfen (vgl. RW 7 Nr. 73, 74 und 91). Außerdem fungierte er al ständiger Vertreter des Staatsministers Dr. Bracht.
Nach seiner Abberufung 1924 kehrte Glaubach an die Regierung Hannover zurück. Dort war er hauptsächlich Staatskommissar für die Scherkriegsbeschädigten, weilte aber auch häufig in Bad Pyrmont, wo er Verwaltungsaufgaben für Stadt und Staatsbad ausführte. Der preußische Finanzminister ernannte ihn zum ehrenamtlichen Beirat des Vorstandes der Bad Pyrmont A.G. für finanzielle Angelegenheiten.
Im April 1931 erreichte Glaubach als Oberregierungsrat die Altersgrenze und wurde pensioniert. Ab jetzt begann seine ehrenamtliche Tätigkeit als Organisations- und Wirtschaftsprüfer bei mehreren Staatsbädern und beim Kommunalbad Langeoog (1931-1938). Er führte ferner Organisationsreformen bei Staats- und Gemeindebehörden durch, vor allem im Land Lippe.
Im Zweiten Weltkrieg berief ihn die Regeirung Hannover in den Staatsdienst zurück und vertraute ihm vorranig überörtliche Prüfungen der Stadtkämmerei der Hauptsatadt Hannover an. In den Jahren 1944/45 betätigte er sich ehrenamtlich beim Wiederaufbau der Verwaltung des Landkreises Hannover sowie bis 1948 im Kassen- und Finanzwesen der Verwaltung und der Stadtwerke von Pyrmont. Er starb am 11. Dezember 1952 (Nach RW 7 Nr. 65, 88 und 93).


4.2 Zur Entstehung seiner Sammlung

Über 30 Jahre lang war Eduard Glaubach in seiner dienstfien Zeit auf Anordnung der zuständigen Reichs- und Staatsminister ehrenamtlicher Mitarbeiter des Geheimen Staatsarchivs in Berlin. Er hatte den Auftrag eine Urkunden- und Quellensammlung über die Rheinlandbesetzung und den Freiheitskampf des Rheinlandes anzufertigen. Die Reichsminister und preußische Minister des Inneren ermächtigten den ehemaligen Staatskommissar ausdrücklich, seine persönlichen Erinnerungen über seine Tätigkeiten im besetzten Gebiete und in Frankreich aufzuschreiben. Nach der Versetzung in den Ruhestand wurde ihm für seine Forschungsarbeiten ein Dienstzimmer in der Regierung Hannover zur Verfügung gestellt. Der Bomben-Großangriff auf Hannover zerstörte dieses Arbeitszimmer völlig und damit die von Glaubach angefertigte histroische Registratur, Bücherei sowie das Verzeichnis der an die Staatsarchive abgelieferten Quellenbände. Auch die Unterlagen in seiner Privatwohnung fielen den Bomben zum Opfer. Dienstakten über das Reichs- und Staatskommissariat lieferte Glaubach sofort nach Ablösung seiner Behörde an das Geheime Preussische Staatsarchiv zu Berlin ab. Über ihren Verbleib nach 1945 ließ sich später nichts ermitteln.


4.3 Die Sammlung Glaubach im Staatsarchiv Düsseldorf (Bestand RW 7 Teil 2)

Die im Privatbesitz Glaubachs befindlichen Akten zur Geschichte des Arbeitsdienstes von 1915-1917 konnte der Regierungsbeamte 1919 bei seiner Flucht vor den Besatzungstruppen aus Düsseldorf-Oberkassel in das unbesetzte Gebiet retten. Diese Akten musste er 1937 wegen historischen Wertes teilweise an den Reichsarbeitsführer in Berlin abgeben. Teile dieser "Sammlung zur Geschichte des Arbeitsdienstes" gelangten an das Staatsarchiv Düsseldorf und bilden heute einen Teil der jetzigen Sammlung (RW 7 Nr. 94-96 und 99-114).
Offenbar im wesentlichen als Ergebnis einer Umfrage bei den Gemeindeverwaltungen des Rheinlandes entstand 1939 Glaubachs "Urkunden- und Quellensammlung für die Geschichte der Rheinlandbesetzung", die 1940 im Staatsarchiv akzessioniert wurde, hier offentsichtlich in der Regel als Zweitschrift, während die Erstschrift an das Geheime Staatsarchiv nach Berlin-Dahlem gegangen war (RW 7, Nr. 39 bis 71). Einige Hefte dieser Sammlung wurden auch an das Staatsarchiv Koblenz gegeben. Auf der Grundlage dieses und anderen Materials formulierte Glaubach Erinnerungsniederschriften zu der Besatzungszeit, in denen er zum Teil längere Passagen zietierte. Diese Ausarbeitungen gelangten entweder über das Geheime Staatsarchiv oder direkt 1939/40 an das Staatsarchiv Düsseldorf (RW 7 Nr. 73-77, 86, 87, 98, 115) sowie nach dem Zweiten Weltkrieg 1949-1951, direkt (RW 7 Nr. 78-85, 88) oder auf dem Umweg über das Bundesinnenministerium und das Bundesarchiv (RW 7 Nr. 72 und 91-97) an das Staatsarchiv Düsseldorf. (Nach Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienstregistratur A 11 c und B XIII; RW 7 Nr. 73, 88, 91-93).


III Verzeichnung und Benutzung

Vor der Verzeichnung im Herbst 1985 durch Staatsarchivrat Dr. Franz und Oberstaatsarchivrat Dr. Stahlschmidt befanden sich die Bestände RW 6 und RW 7 bereits in geordnetem Zudtand, alte Findhilfsmittel lagen jedoch nicht vor. Im Falle des Karteikastenbestandes RW 6 wurde lediglich eine Liste der Provenienzstellen angelegt. Bei der Sammlung RW 7 wurden die vorgefundenen Einheiten und Signaturen beibehalten, lediglich die Druckschirften der Nummern 106, 108 und 109 wurden entweder zu der Nummer 96 hinzugefügt oder - als Doppel - kassiert (= Nr. 8 10 und 11 der ursprünglichen Sammlung zur Geschichte des Arbeitsdienstes); die Nummern 106, 108 und 109 blieben unbesetzt. Neu gebildet wurden die Nummern 116 und 117.
Folgende alte Signaturen waren erkennbar:
Nr. 75-85 Staatsarchiv Düsseldorf Hs 0 38
Nr. 115 Staatsarchiv Düsseldorf Hs 0 14
Nr. 91-92 Bundesarchiv Z Sg 106/5 u. 6
Nr. 94-97 Bundesarchiv Z Sg 106/2, 3, 1 u. 4
Nr. 93 Bundesinnenministerium Az. 4211


Zu allen Erinnerungsniederschriften finden sich Inhaltsanalysen im Findbuch 470.11.1

Die Bestände RW 6 und RW 7 sind frei benutzbar. Verwandte Bestände im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf sind RW 8: Druckschriften zur Besatzungszeit, Findbuch 470.02.2, sowie RW 9: Sammlung Melcher, Findbuch 470.03. Die Bestände sind zu zietieren und zu bestellen: RW 6 Nr. ...; RW 7 Nr...

Das Findbuch schrieb Frau Kranz.





VorwortI Geschichte des Rheinlandes 19818 bis 19261. Rheinlandbesetzung und RuhrkampfAuf der Grundlage der Bestimmngen des Waffenstillstandes vom 11. November 1918 besetzten zum 1. Dezember 1918 und Januar 1919 belgische, britische, amerikanische und französische Truppen das gesamte linksrheinische Rheingebiet und vier rechtsrheinische Brückenköpfe und die Stadt Köln, Koblenz, Mainz und Kehl. Nordwestlich von Düsseldorf quartieren sich belgische Truppen ein, zwischen Düsseldorf und Bonn britische, zwischen Bonn und Koblenz amerikanische, südlich von Koblent französische. Rechts des Rheins wurde ein zunächst 10 km, ab Januar 1920 50 km breiter entmilitarisierter Streifen geschaffen. Das Rheinlandabkommen vom 28. Juni 1919 schuf einen "Interalliierten Hohen Ausschuß für die Rheinlande" (Rheinlandkommission). Diese Kommission saß in Koblenz, den Vorsitz führte der französische Oberokmmissar Paul Tirard, der die oberste exekutive, legislative und judikative Gewalt ausübte. In den deutschen Zivilbehörden war die Rheinlandkommission durch Delegierte vertreten. Das Ruhrgebiet wurde in den Nachkriegsjahren 1919-1923 von Streiks und anderen politischen Unruhen erschüttert. Im großen kommunistischen Aufstand von 1920 bekämpfte die über 120 000 Mann starke Rote Arme Polizei und bürgerliche Einwohnerwehren. Eine zweite Phase von Unruhen musste das Ruhrgebiet im Ruhrkampf erleben. Französische und belgische Truppen marschierten am 8. März 1921 in das abseits ihrer Besatzungszone gelegene Gebiet um die Städte Düsseldorf, Duisburg, Hamborn und Mühlheim ein; zwischen dem 11. und 16. Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Die französische Regierung wollte u.a. ein Pfand für die Reparationszahlungen besitzten. Auch wirtschaftliche Interessen bezüglich des Bedarfs der französischen Industrie an Kohle spielten eine Rolle. In Sterkrade, später in Duisburg fanden die belgischen Truppen, die das Gebiet zwischen Lippe und Emscher am Rhein bis Hervest, Marl und Buer besetzt hielten, ihr Hauptquartier. Das der französischen Truppen lag in Düsseldorf. In die von den Amerikanern aus Protest gegen den Völkerrechtsbruch geräumte linksrheinische Besetzungszone rückten ebenfalls französische Truppen ein. Die Engländer verhielten sich neutral. Im Juli 1923 standen 80 000 französische, 7000 belgische Soldaten auf deutschem Boden; 10 000 Franzosen und 1000 Belgier waren als zivile Eisenbahnbedienstete tätig. Am 19. Januar 1923 erhielten die Beamten von der Reichsregierung und den Landesregierungen Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs Weisung, sich lediglich an die Anordnung der eigenen Regierungen zu halten. Maßnahmen, die im Widerspruch zum Rheinlandabkommen standen, sollten ebenfalls nicht befolgt werden. Der passive Widerstand war ausgerufen. Trotz zahlreicher Verhaftungen befolgten Beamtenschaft, Unternehmer und Arbeiter geschlossen den Widerstand. Einzelne Gruppen der Bevölkerung leisteten darüber hinaus aktive Abwehr und Sabotagehandlungen. Die Militärregierung verhängte scharfe Strafen, auch Todesurteile von denen sie eins am 26. Mai 1923 gegen Albrecht Leo Schlageter vollstreckte. In den ersten Wochen der Ruhrgebietsbesetzung kamen die Kohlenlieferungen fast ganz zum Erliegen. Die Besatzungsmächte versuchten neben Verhaftungen und Gerichtsverfahren, die wirtschaftliche Ausbeutung mit Waffengewalt, Geiselnahme, Beschlagnahmungen und Zwangsversteigerungen zu erreichen. Eine Regie wurde im Bereich der Eisenbahn eingerichtet, die die Kohle nach Frankreich und Belgien befördern sollte. Im erbarmungslosen Kampf von Inflation, Arbeitslosigkeit und zunehmender Verarmung der Arbeiter versuchten die Besazungsmächte, die Bevölkerung mit massiver Propaganda für sich zu gewinnen. Doch nur der passive Widerstand wurde am 26. September 1923 von der neuen Reichsregierung Stresemann abgebrochen. Die Zwangsmaßnahmen der fremden Herrschaft blieben noch bis zum nächsten Jahr in Kraft. Erst die Ratifizierung des Londoner Abkommens (ausgehandelt am 16. Juli bis 16. August 1924 auf der Londoner Konferenz) durch Deutschland am 30. August 1924 ermöglichte eine nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichteteRegelung der Reparationszahlungen nach dem Dawseplan. Am 11. Oktober 1924 begann die Räumung des Einbruchsgebietes durch die französischen und belgischen Truppen, die bis August 1925 wieder abgezogen waren. Im Januar 1926 schloß sich die Räumung der nördlichen Besatzungszone mit dem Mittelpunkt Köln an. Am 30. Juni 1930 befand sich kein fremder Soldat mehr auf deutschem Boden. Literaturhinweise: Hans Spethmann: Der Ruhrkampf 1923-1925, Berlin 1933. Zeugnisse Rheinischer Geschischte. Eine Festschrift zum 150. Jahrestag der Errichtung der staatlichen Archive in Düsseldorf und Koblenz, Köln 1982 (=Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jahrbuch 1982/83), S. 99-105, 425 u. 426 (mit weiteren Hinweisen). Klaus Schwabe (hrsg.): Die Ruhrkrise 1923. Paderborn 1985. 2. SeparatismusDer Kreis um den früheren preußischen Staatsanwalt Dr. Hans Adam Dorten unterstützte mit seinen separatistischen Tendenzen die Ansprüche Frankreichs auf das linke Rheinufer. Am 1. Juni 1919 rief Dorten in Main und Wiesbaden die "Rheinische Republik" aus. Der "Rheinstaat" erlebte nur wenige Tage und scheiterte an der ablehnenden Haltung der Bevölkerung. Die kleine Gruppe um Dorten strebtge letztlich eine völlige Trennung vom deutschen Reich und die Errichtung einer selbstständigen Republik unter dem Schutze Frankreichs an. Die "Rheinlandbewegung" dagegen, die eine Trennung der Rheinprovinz von Preußen bei gleichzeitigem Verbleib im Reich befürwortete, stützte sich auf breite Kreise des rheinischen Zentrums. In den Wintermonaten 1918/19 hatte diese "Los-von-Berlin" Bewegung bereits Auftrieb auch durch den Protest gegen die kirchenfeindliche Kulturpolitik des sozialdemokratischen preußischen Kultusministers Adolf Hoffmann erhalten. Auf dem Höhepunkt der Ruhrkrise trat die Gefahr eines rheinischen SOnderstaates noch einmal 1923 in den Vordergrund. Erneut waren mehrere Gruppen bestrebt, unterschiedlich motivierte Ziele politisch zu verwiklichen. Im Gegensatz zum Separatistenfürher Dorten diskutierte Konrad Adenauer die Schaffung einer westdeutschen oder rheinischen Republik auf dem Boden der Reichseinheit. Noch radikaler als Dorten propagierte der frühere Kölner Sozialdemokrat Joseph Smeets, Führer der Rheinisch-Republikanischen Volkspartei, und seine Anhänger eine unter dem Schutz Frankreichs stehende, vom deutschen Reich abgetrennte, Republik. Zur Durchsetzung seines Ziels hatte Smeets eine militante, eher bandenmäßige Organisation aufgebaut, die "Rheinwehr". Im Juli 1923 entstand noch eine weitere Separatistengruppe unter dem ehemaligen Generalsekretär der Rheinisch-Republikanischen Volkspartei Franz Trier. Zusammen mit dem Aachener Fabrikanten Leo Deckers gründeten er und die aus der Rheinisch-Republikanischen Volkspartei ausgetretenen Mitglieder die Rheinische Freiheitspartei und schlossen sich mit der Rheinischen Unabhänigkeitspartei des aus Aschaffenburg stammenden Journalisten Joseph Friedrich Matthes zusammen. Vereinigt im Rheinischen Unabhängigkeitsbund bildeten diese Gruppen im August 1923 eine Aktionsgemeinschaft zur Bildung einer selbstständigen Rheinischen Republik.ls Forum diente eine eigens dafür aufgebaute Presse, die jedoch wegen mangelnder FInanzierung und geringer Auflagenhöhe nicht lange lebensfähig blieb. Am 21. Oktober riefen die Separatisten in Aachen die "Rheinische Republik" aus und rissen auch in Duisburg, Krefeld, Düren, Bonn, Koblenz, Wiesbaden, Mainz und in der Pfalz in den folgenden Tagen die Macht an sich. Nur mit der Unterstützung der französischen und belgischen Besatzungsmacht konnten sie sich behaupten. Im Siebengebirge gingen die Separatisten ohne Hilfe der Besatzungsgruppen vor und scheiterten. In Koblenz emfping der Oberkommissar der Rheinlandkommission Triard die Separatistenregierung und erkannte sie als Inhaberin der tatsächlichen Gewalt an. Matthes wurde mit dem Vorsitz im Kabinett betraut. Der neuen Regierung gelang es jedoch nicht, die Bevölkerung zu gewinnen. Nach Einstellung der französischen Geldzuwendungen versuchten die Putschisten durch Plünderungen, Diebstähle und Requisitionen sowie Neudruck von Papiergeld ihren Unterhat zu sichern. Nur kurze Zeit später brachen die alten Rivalitäten zwischen Dorten und Matthes wieder aus, das Kabinett spaltete sich in zwei Lager. Am 13. November übernahm Dorten von Bad Ems aus die vollziehende Gewalt, Matthes trat am 27. November zurück. Der Putsch hatte damit ein schnelles Ende gefunden. Literaturhinweise: Peter Klein: Separatisten an Rhein und Ruhr. Die Konterrevolutionäre separatistische Bewegung der deutschen Bourgeosie in der Rheinprovinz und in Westfalen, November 1918 bis Juli 1919, Berlin 1961. Karl Dietrich Ehrmann: Adenauer in der Rheinlandpolitik nach dem Ersten Weltkrieg, Stuttgart 1966.Henning Köhler: Autonomiebewegung oder Separatismus? Die Politik der "Kölnischen Volkszeitung" 1918/1919, Berlin 1974 (=Studien zur Europäischen Geschichte, hrsg. von Hans Herzfeld/Willi Berges/ Ernst Schulin u. Fritz Trautz, Band X). Zeugnisse Rheinischer Geschichte. Eine Festschrift, a.a.O., S.95-99, 424 u. 425.II. Entstehung der Bestände RW 6 und RW 71. Anstöße zur Dokumentation der Besatzungszeit Schon seit 1924 hatte es erste Anstöße gegeben, in einzelnen Bereichen eien Dokumentation über die Vorgänge während der Besatzungszeit zu schaffen. Das Ziel war in der Regel eine zu druckende Darstellung, doch wurden Materialbeschaffung und -sammlung sehr schnell zum eigentlichen Problem dieses Vorhabens. Das Erste Projekt dieser Arbeit begann 1924/25 im Bereich der Polizei mit der Sammlung von Erlebnisberichten, wurde später auf die Erfassung der Dienstakten von Polizei und Polzeiverwaltung ausgedehnt und liegt heute als "Sammlung Melcher" vor, Bestand RW 9 im NW Hauptstaatsarchiv, Findbuch 470.03. Mit dem Ende der Besatzungszeit im Januar 1926 wurden solche Ansätze intensiviert. So forderte etwa ein Rundschreiben der "Interessengemeinschaft der Rheinisch-Westfälischen Industriegemeinden" vom 22.4.1926 die einzelnen Kommunalverwaltungen auf, Übersichten, Chroniken oder Denkschriften auf der Grundlage von behördlichen Akten und persönlichen Erinnerungen zu erstellen und sich am Vorbild der Stadt Düsseldorf zu orientieren. (Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 a Band 1). Im Auftrag der "Vereinigung der Städte, Landkreise und Gemeinden des Rheinisch-Westfälischen Industriegebietes" sollte der Düsseldorfer Stadtarchivdirektor Dr. Wentzke eine umfassende Denkschrift erarbeiten (vgl. RW 9 Nr. 61). Der Historische Verein von Geldern sammelte 1926 "Besatzungschroniken", die die Bürgermeister des Kreises Geldern nach einer Aufforderung des Landrates angefertigt hatten. Private Sammlungen zu den Vorgängen im Siegkreis legten K. Friedrichs (RW 7 Nr. 15 und 16) und P. Prost (RW 7 Nr. 17 und RW 8 Nr. 44) in den Jahren 1926 bis 1930 an. Ähnliche Initiativen hat es auch anderso gegeben; so war 1930 am Kreisarchiv Heinsberg eine Dokumentation in Arbeit. Auf einer Regierungspräsidentenkonferenz beim Oberpräsident der Rheinprovinz in Koblenz Anfang 1927 wurde beschlossen, daß nun auch von staatlicher Seite Material zur Geschichte der Besatzungszeit einschließlich den Erinnerungen einzelner Persönlichkeiten gesandt werden sollte. Ein entsprechendes Rundschreiben des Regierungspräsidenten von Düsseldorf vom 1.3.1927 verweist auf Vorarbeiten - vorbereitende Sichtung und ein Schema für "Besatzungschroniken" - des Düsseldorfer Stadtdirektors Dr. Wentzke (Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 Band 1; RW 9 Nr. 110 f.). 2. Die karteimäßige Erfassung der "Besatzungsakten" (Bestand RW 6)Nach vorbereitenden Schriftwechseln und Erörterungen wurde bei einer Besprechung im preußischen Staatsministerium am 10.12.1928 die Verzeichnung der "Besatzungsakten" beschlossen. Auf der Grundlage der ausgearbeiteten Vorschläge der Archivverwaltung sollte in den Dienststellen jene Verwaltungsakten, die Aufschluss über die Besatzungszeit geben, auf Karteikarten verzeichnet werden. Die Staatsarchive sollten dafür besondere Sachbearbeiter (wissenschaftliche Hilfsarbeiter) einstellen. Zur Bezeichnung der Behörde sollte ein bestimmter Buchstaben-Zahlen-Schlüssel benutzt werden, jedoch zeigten die Karten des Bestandes RW 6, dass dies nur zum Teil eingehalten wurde.Folgendes Schema war vorgesehen:Erster Buchstabe: Land (P = Preußen)Zweiter Buchstabe: Archiv (a = Geheimes Staatsarchiv Berlin)(b = Staatsarchiv Koblenz)(c = Staatsarchiv Düsseldorf)(d = Staatsarchiv Münster)(e = Staatsarchiv Wiesbaden)Dritter Buchstabe: Regierungsbezirk (a = RB Düsseldorf)Zahl = Nummer der BehördeVom 1. Januar 1930 bis zum 31. März 1932 konnte das Staatsarchiv zwei wissenschaftliche Hilfsarbeiter (hauptsächlich) für diese Arbeit einsetzen; in der darauffolgenden Zeit wurde die Erfassung der Aktentitel mit geringem Aufwand fortgesetzt und bis 1939 zu einem gewissen Abschluss gebracht. Die aus den Karten des Bestandes RW 6 erfassten Akten, von Behörden, öffentlich-rechtlichen Stellen, Firmen und Verbänden sind in den Jahren 1918 bis 1931 entstanden. Sie stammen nicht nur aus dem Sprengel des Staatsarchivs Düsseldorf, sonden auch aus der südlichen Rheinprovinz, aus dem östlichen Ruhrgebiet sowie aus dem preußischen Innenministerium. Inwieweit sie heute noch als Archivgut vorliegen, lässt sich nicht allgemein feststellen (nach Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 a). 3. Die Quellensammlung des Staatsarchivs Düsseldorf (Bestand RW 7 Teil 1). Als Vorbereitung der karteimäßigen Erfassung der Akten hatte das Staatsarchiv Düsseldorf von den Behörden Listen der einschlägigen Aktengruppen erhalten. Diese Listen sind - nur zum Teil - erhalten im Bestand RW 7 (Nr. 30, 31 und 116) sowie vereinzelt in den Akten der Alten Dienst-Registratur A 11 a (4 Bände) und im Bestand RW 9 (bs. Nr. 126 bis 128). Parallel zur Erfassung der Aktentitel in den Dienststellen, wobei ja die Akten selbst in der Regel nicht bzw. noch nicht an das zuständige Archiv abgegeben wurden, betrieb das Staatsarchiv Düsseldorf nun auch eine breit angelegte Aktion mit dem Ziel, Quellenmaterial als Archivgut zu erwerben. In den Monaten April bis Juni 1931 wurden die Regierungspräsidenten gebeten, die Bürgermeister zur Einreichung von Chroniken oder Berichten zu veranlassen, es wurden die Geschäftsstellen der politischen Parteien sowie einzelne Politiker angeschrieben, und in den Tageszeitungen erschien ein Aufruf des Generaldirektors der preußischen Staatsarchive, der Rektoren der Universitäten Bonn und Köln und des Direktors des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande in Bonn an die Bevölkerung, zu dieser Sammlung beizutragen (in RW 7 Nr. 38). Das Ergebnis sind die im Bestand RW 7 unter Nr. 1 bis 38, 89, 90 und 116 liegenden Schriftstücke, die überwiegend 1931, teilweise bis 1940 an das Staatsarchiv gegeben wurden. Auch die beiden Mitarbeiter, die die Aktientitelerfassung durchführten, trugen zu diesen Archivalienerwerbungen bei. Ihre Vierteljahresberichte enthalten weitere wichtige Hinweise. So ging beispielsweise Hermann van Ham 1931/32 sehr ausführlich auf die Lage der politischen Gefangenen in deutschen Gefängnissen ein, wobei er sich auf behördliche Akten stützte (Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienst-Registratur A 11 a Band 3 S. 3-22 und S. 174-179). In der nationalsozialistischen Zeit konnte die Sammlungsaktion nur noch mit geringer Intensiät betrieben werden. Die Archivare stießen auf Bedenken politischer Art. So erklärte ihnen der Düsseldorfer Regierungsvizepräsident Bachmann am 26.2.1935 (dem Sinne nach), dass "der Regierung nicht erwünscht sei, wenn eine aus bestimmter überwundener politischer Einstellung heraus gesehene Darstellung der Regierungstätigkeit in der Besatzungszeit als Grundlage späterer Darstellung vorliege" (ebd. Band 4 S. 66).Schließlich wurde 1963 im Evangelischen Landeskirchenarchiv in Düsseldorf der Rest einer Kartei gefunden, deren Herkunft unbekannt geblieben ist. Sie wurde an das Hauptstaatsarchiv abgegeben und hat die Signatur RW 7 Nr. 117. 4. Sammlung Glaubach4.1 Zur Person von Eduard Glaubach (vgl. RW 7 u. 65, 88 u. 93)Am 14. Dezember 1865 wurde Eduard Glaubach in Greifswald geboren. Nach dem Studium an den Universitäten Greifswald, Tübingen und Berlin stand er 21 Jahre lang in den Diensten der Regierung Aurich. Mehrfach wurde er zu Dienstleistungen bei anderen Behörden abkommandiert, so z.B. in das Reichsministerium des Innern (Reichsversicherungsamt) in Berlin, wo er unter Bismarck die ersten Durchführungsverordnungen für die Neuerichtung der Invaliditäts- und Altersversicherung bearbeitete. Von 1908 bis 1912 richtete er u. a. bei der Regierung Schleswig die Rechnungskammer für den dortigen Regierungsbezirk ein. Während dieser Zeit informierte sich Glaubach über die Geschäftsführung der landwirtschaftlichen Sparkasse für den Regierungsbezirk Aurich und absolvierte ein staatswissenschaftliches Fortbildungsstudium an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a.M.Im Juli 1912 versetzte man ihn an die Regierung Düsseldorf; dort richtete er die Rechnungskammer für den Regierungsbezirk ein und versah nebenamtlich die Verwaltung der Duisburg-Ruhrorter Binnenhäfen. Im Ertsen Weltkrieg musste er als Referent beim Kriegswirtschaftsamt für die Rheinprovinz Bonn zusätzlich bestimmte Kriegsorgansisationen durchführen. 1917 leitete er in Frankreich bei Sedan ein Freikorps von 2000 rheinischen "Jungmannen" für die Einbringung der Obsternte. Nach dem Zusammenbruch versah Glaubach seinen Dienst als Besatzungsdezernent bei der Regierung Düsseldorf und regelte als Sonderbeauftragter der preußischen Minister die finanz- und kassentechnische Organisation der Besatzungskosten im besetzten Gebiet. Er verhinderte auf dipolmatischem Weg den Abrtansport der rheinischen Zuchpferde als Beute und rettete der rheinischen Landwirtschaft das Zuchtmaterial. 1919 erfolgte seine Versetzung an die Regierung Hannover. Dort richtete er ebenfalls das Rechnungsamt für den Regierungsbezirk ein. Der inzwischen zum Sparkommissar für den Regierungsbezirk Hannover ernannte Glaubach war gleichzeitig Mitglied des Kapp-Untersuchungsausschusses und Gerichtshofes beim Oberpräsidium zu Hannover und Direktor der Hof- und Civildiener-Witwenkasse für die Provinz Hannover. Seine Tätigkeit als Regierungskommissar umfasste auch Großbanken in Hamburg, Bremen, Kiel, Schwerin und Rostock. Im Jahre 1923 entsandte man Glaubach während des Ruhrkampfes als Reichs- und Staatskommissar für die Regierungsbezirke Köln, Koblenz, Trier und Aachen nach Köln. Es gelang ihm dort, für die Rheinlande eine große Organisation von Vertrauensmännern, Kontrolbeamten und Gewerksschaftssekretären aller Parteirichtungen zu schaffen. Mit Hilfe dieses Kommissariats stellte Eduard Glaubach die finanzielle Ordnung bei den Behörden der Rheinprovinz nach der Erschütterung durch Ruhrkampf und Infaltion wieder her und half die separatistische Bewegung zu bekämpfen (vgl. RW 7 Nr. 73, 74 und 91). Außerdem fungierte er al ständiger Vertreter des Staatsministers Dr. Bracht.Nach seiner Abberufung 1924 kehrte Glaubach an die Regierung Hannover zurück. Dort war er hauptsächlich Staatskommissar für die Scherkriegsbeschädigten, weilte aber auch häufig in Bad Pyrmont, wo er Verwaltungsaufgaben für Stadt und Staatsbad ausführte. Der preußische Finanzminister ernannte ihn zum ehrenamtlichen Beirat des Vorstandes der Bad Pyrmont A.G. für finanzielle Angelegenheiten. Im April 1931 erreichte Glaubach als Oberregierungsrat die Altersgrenze und wurde pensioniert. Ab jetzt begann seine ehrenamtliche Tätigkeit als Organisations- und Wirtschaftsprüfer bei mehreren Staatsbädern und beim Kommunalbad Langeoog (1931-1938). Er führte ferner Organisationsreformen bei Staats- und Gemeindebehörden durch, vor allem im Land Lippe. Im Zweiten Weltkrieg berief ihn die Regeirung Hannover in den Staatsdienst zurück und vertraute ihm vorranig überörtliche Prüfungen der Stadtkämmerei der Hauptsatadt Hannover an. In den Jahren 1944/45 betätigte er sich ehrenamtlich beim Wiederaufbau der Verwaltung des Landkreises Hannover sowie bis 1948 im Kassen- und Finanzwesen der Verwaltung und der Stadtwerke von Pyrmont. Er starb am 11. Dezember 1952 (Nach RW 7 Nr. 65, 88 und 93).4.2 Zur Entstehung seiner Sammlung Über 30 Jahre lang war Eduard Glaubach in seiner dienstfien Zeit auf Anordnung der zuständigen Reichs- und Staatsminister ehrenamtlicher Mitarbeiter des Geheimen Staatsarchivs in Berlin. Er hatte den Auftrag eine Urkunden- und Quellensammlung über die Rheinlandbesetzung und den Freiheitskampf des Rheinlandes anzufertigen. Die Reichsminister und preußische Minister des Inneren ermächtigten den ehemaligen Staatskommissar ausdrücklich, seine persönlichen Erinnerungen über seine Tätigkeiten im besetzten Gebiete und in Frankreich aufzuschreiben. Nach der Versetzung in den Ruhestand wurde ihm für seine Forschungsarbeiten ein Dienstzimmer in der Regierung Hannover zur Verfügung gestellt. Der Bomben-Großangriff auf Hannover zerstörte dieses Arbeitszimmer völlig und damit die von Glaubach angefertigte histroische Registratur, Bücherei sowie das Verzeichnis der an die Staatsarchive abgelieferten Quellenbände. Auch die Unterlagen in seiner Privatwohnung fielen den Bomben zum Opfer. Dienstakten über das Reichs- und Staatskommissariat lieferte Glaubach sofort nach Ablösung seiner Behörde an das Geheime Preussische Staatsarchiv zu Berlin ab. Über ihren Verbleib nach 1945 ließ sich später nichts ermitteln.4.3 Die Sammlung Glaubach im Staatsarchiv Düsseldorf (Bestand RW 7 Teil 2) Die im Privatbesitz Glaubachs befindlichen Akten zur Geschichte des Arbeitsdienstes von 1915-1917 konnte der Regierungsbeamte 1919 bei seiner Flucht vor den Besatzungstruppen aus Düsseldorf-Oberkassel in das unbesetzte Gebiet retten. Diese Akten musste er 1937 wegen historischen Wertes teilweise an den Reichsarbeitsführer in Berlin abgeben. Teile dieser "Sammlung zur Geschichte des Arbeitsdienstes" gelangten an das Staatsarchiv Düsseldorf und bilden heute einen Teil der jetzigen Sammlung (RW 7 Nr. 94-96 und 99-114). Offenbar im wesentlichen als Ergebnis einer Umfrage bei den Gemeindeverwaltungen des Rheinlandes entstand 1939 Glaubachs "Urkunden- und Quellensammlung für die Geschichte der Rheinlandbesetzung", die 1940 im Staatsarchiv akzessioniert wurde, hier offentsichtlich in der Regel als Zweitschrift, während die Erstschrift an das Geheime Staatsarchiv nach Berlin-Dahlem gegangen war (RW 7, Nr. 39 bis 71). Einige Hefte dieser Sammlung wurden auch an das Staatsarchiv Koblenz gegeben. Auf der Grundlage dieses und anderen Materials formulierte Glaubach Erinnerungsniederschriften zu der Besatzungszeit, in denen er zum Teil längere Passagen zietierte. Diese Ausarbeitungen gelangten entweder über das Geheime Staatsarchiv oder direkt 1939/40 an das Staatsarchiv Düsseldorf (RW 7 Nr. 73-77, 86, 87, 98, 115) sowie nach dem Zweiten Weltkrieg 1949-1951, direkt (RW 7 Nr. 78-85, 88) oder auf dem Umweg über das Bundesinnenministerium und das Bundesarchiv (RW 7 Nr. 72 und 91-97) an das Staatsarchiv Düsseldorf. (Nach Staatsarchiv Düsseldorf, Alte Dienstregistratur A 11 c und B XIII; RW 7 Nr. 73, 88, 91-93). III Verzeichnung und Benutzung Vor der Verzeichnung im Herbst 1985 durch Staatsarchivrat Dr. Franz und Oberstaatsarchivrat Dr. Stahlschmidt befanden sich die Bestände RW 6 und RW 7 bereits in geordnetem Zudtand, alte Findhilfsmittel lagen jedoch nicht vor. Im Falle des Karteikastenbestandes RW 6 wurde lediglich eine Liste der Provenienzstellen angelegt. Bei der Sammlung RW 7 wurden die vorgefundenen Einheiten und Signaturen beibehalten, lediglich die Druckschirften der Nummern 106, 108 und 109 wurden entweder zu der Nummer 96 hinzugefügt oder - als Doppel - kassiert (= Nr. 8 10 und 11 der ursprünglichen Sammlung zur Geschichte des Arbeitsdienstes); die Nummern 106, 108 und 109 blieben unbesetzt. Neu gebildet wurden die Nummern 116 und 117. Folgende alte Signaturen waren erkennbar:Nr. 75-85 Staatsarchiv Düsseldorf Hs 0 38Nr. 115 Staatsarchiv Düsseldorf Hs 0 14Nr. 91-92 Bundesarchiv Z Sg 106/5 u. 6Nr. 94-97 Bundesarchiv Z Sg 106/2, 3, 1 u. 4Nr. 93 Bundesinnenministerium Az. 4211Zu allen Erinnerungsniederschriften finden sich Inhaltsanalysen im Findbuch 470.11.1 Die Bestände RW 6 und RW 7 sind frei benutzbar. Verwandte Bestände im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf sind RW 8: Druckschriften zur Besatzungszeit, Findbuch 470.02.2, sowie RW 9: Sammlung Melcher, Findbuch 470.03. Die Bestände sind zu zietieren und zu bestellen: RW 6 Nr. ...; RW 7 Nr...Das Findbuch schrieb Frau Kranz.

Literatur :
Literaturhinweise: Hans Spethmann: Der Ruhrkampf 1923-1925, Berlin 1933. Zeugnisse Rheinischer Geschischte. Eine Festschrift zum 150. Jahrestag der Errichtung der staatlichen Archive in Düsseldorf und Koblenz, Köln 1982 (=Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jahrbuch 1982/83), S. 99-105, 425 u. 426 (mit weiteren Hinweisen). Klaus Schwabe (hrsg.): Die Ruhrkrise 1923. Paderborn 1985. Peter Klein: Separatisten an Rhein und Ruhr. Die Konterrevolutionäre separatistische Bewegung der deutschen Bourgeosie in der Rheinprovinz und in Westfalen, November 1918 bis Juli 1919, Berlin 1961. Karl Dietrich Ehrmann: Adenauer in der Rheinlandpolitik nach dem Ersten Weltkrieg, Stuttgart 1966.Henning Köhler: Autonomiebewegung oder Separatismus? Die Politik der "Kölnischen Volkszeitung" 1918/1919, Berlin 1974 (=Studien zur Europäischen Geschichte, hrsg. von Hans Herzfeld/Willi Berges/ Ernst Schulin u. Fritz Trautz, Band X). Zeugnisse Rheinischer Geschichte. Eine Festschrift, a.a.O., S.95-99, 424 u. 425.

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