Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.2. Geistliche Institute
1.2.1. A - D
1.2.1.15. Bonn
1.2.1.15.1. St. Cassius
Bonn, St. Cassius, Urkunden AA 0147
120.33.00 Bonn, St. Cassius
Permalink des Findbuchs


Signatur : 120.33.00

Name : Bonn, St. Cassius

Beschreibung :
Stift, vor 690 bzw. vor 804 bis 1802

Die vorliegende Neuverzeichnung wurde im Jahr 2004 durch Staatsarchivoberrat Dr. Norbert Andernach vorgenommen. Die Endredaktion mit geringfügigen Korrekturen und Ergänzungen sowie die Abschrift in VERA erfolgte von Februar bis November 2007 durch Staatsarchivoberinspektor Jörg Franzkowiak.

Übersicht

Die Stiftung der Kirche zu den Heiligen Cassius, Florentius und Gefährten knüpft sich unmittelbar an die römische Vorzeit unserer Rheingegend. Alte Tradition und Martyrologien stimmen darin überein, dass aus der Legion der Thebäer Cassius, Florentius und andere zu Bonn, Gereon in Köln und Viktor zu Xanten, als geheime Christen, den Märtyrertod erlitten, und Helena, Kaiser Konstantins Mutter, an der Stätte der Hinrichtung die Cassiuskirche errichtete. Gewiss ist es, dass das älteste Stiftssiegel, welches nur noch in einem verletzten Exemplar auf der Urkunde von 1142 [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 13] vorhanden ist, in Stil und Ausführung an die antike Kunst zurückreicht; ferner dass die drei Kirchen, Cassius, Gereon und Xanten, den ersten Rang nach der erzbischöflichen einnahmen und in die Würde der Oberaufsicht, das Archidiakonatsamt über die gesamte Erzdiözese, sich teilten.

Die ältesten Urkunden des Stifts sind untergegangen. Nur eine aus der Mitte des 9. Jahrhunderts hat das Stiftskopeibuch noch erhalten und diese gibt der Stätte, wo die Kirche steht, die merkwürdige Benennung Basilica, während ebendieselbe in den folgenden Jahrhunderten den rätselhaften Namen Verona führt. Bonn selbst, als römisches Castrum aus Tacitus bekannt, ist im frühen Mittelalter ein offener ländlicher Ort, in mehrere Distrikten oder Villen mit Lokalnamen geteilt. So schenkte Erzbischof Friedrich I. von Köln 1110 dem Stift einen Weingarten in demjenigen Teil des Ortes, der Stochen hieß [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 1], welchen Namen die Stockerstraße im Andenken erhalten hat. Eine andere Villa, vor der Stiftskirche, hieß Bachem, wieder eine andere Mülheim, von der Bach und der Mühle daselbst so benannt [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 13, 31 und 90].

Die drei Archidiakonalkirchen gerieten über den Vorrang unter sich in Streit und in oft wiederholten Ansprüchen ward zu Gunsten der Cassiuskirche entschieden [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 8, 9, 16 und 26], deren Archidiakonat sich über den Ahr-Zülpich-Eifel- und Auel- oder Siegburger Gau erstreckte [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 9]. Die Dekanie des letzteren hatte Erzbischof Anno II. der von ihm gestifteten Abtei Siegburg geschenkt, wodurch ein langer Zwist erwuchs [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 14 und 27]. Ebenso führte die innere Verwaltung zwischen dem Propst und den Kanonichen, sowie zwischen den letzteren selbst, auf öftere Anstände, die man durch Statute zu beseitigen strebte [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 31, 32, 34, 36, 42, 45, 48, 53, 77 und 78]. Die Stiftskirche befand sich in einem durch eine altertümliche und massenhafte Mauer abgeschlossenen Bezirk, die Immunität [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 208], worin unter der Hoheit des Propstes Markt und städtischer Verkehr bestanden, die, nachdem Erzbischof Konrad im Jahr 1242 Bonn zur Stadt erhoben hatte, zur Streitigkeit mit dem Magistrat führten [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 65 und 67]. Im 14. Jahrhundert trat der Missbrauch ein, die Stiftspropstenstelle an Kardinäle oder andere Hohen der päpstlichen Kurie zu vergeben, die fern von dem Stift dessen reiche Gefälle verzehrten [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 108, 112, 117, 132, 192, 200 und 240]. Viele Statuten folgten aufeinander und zeugen in den Gebrechen, die sie abzustellen bezweckten, wie sehr es oft denjenigen an inneren Beruf des Standes fehlte, zu dessen Präbenden sie sich herandrängten.

Ein Denkmal von dem Bau der Peterskirche zu Rom enthält eine Ablassurkunde von 1517 [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 505]. Zu großartigen Schenkungen an die Kirche sind die späteren Jahrhunderte erkaltet; um so häufiger begegnen uns aber Mess- und Memorienstiftungen.

(Leicht modernisierte Abschrift des Vorworts im alten handschriftlichen Repertorium)
Stift, vor 690 bzw. vor 804 bis 1802Die vorliegende Neuverzeichnung wurde im Jahr 2004 durch Staatsarchivoberrat Dr. Norbert Andernach vorgenommen. Die Endredaktion mit geringfügigen Korrekturen und Ergänzungen sowie die Abschrift in VERA erfolgte von Februar bis November 2007 durch Staatsarchivoberinspektor Jörg Franzkowiak.ÜbersichtDie Stiftung der Kirche zu den Heiligen Cassius, Florentius und Gefährten knüpft sich unmittelbar an die römische Vorzeit unserer Rheingegend. Alte Tradition und Martyrologien stimmen darin überein, dass aus der Legion der Thebäer Cassius, Florentius und andere zu Bonn, Gereon in Köln und Viktor zu Xanten, als geheime Christen, den Märtyrertod erlitten, und Helena, Kaiser Konstantins Mutter, an der Stätte der Hinrichtung die Cassiuskirche errichtete. Gewiss ist es, dass das älteste Stiftssiegel, welches nur noch in einem verletzten Exemplar auf der Urkunde von 1142 [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 13] vorhanden ist, in Stil und Ausführung an die antike Kunst zurückreicht; ferner dass die drei Kirchen, Cassius, Gereon und Xanten, den ersten Rang nach der erzbischöflichen einnahmen und in die Würde der Oberaufsicht, das Archidiakonatsamt über die gesamte Erzdiözese, sich teilten.Die ältesten Urkunden des Stifts sind untergegangen. Nur eine aus der Mitte des 9. Jahrhunderts hat das Stiftskopeibuch noch erhalten und diese gibt der Stätte, wo die Kirche steht, die merkwürdige Benennung Basilica, während ebendieselbe in den folgenden Jahrhunderten den rätselhaften Namen Verona führt. Bonn selbst, als römisches Castrum aus Tacitus bekannt, ist im frühen Mittelalter ein offener ländlicher Ort, in mehrere Distrikten oder Villen mit Lokalnamen geteilt. So schenkte Erzbischof Friedrich I. von Köln 1110 dem Stift einen Weingarten in demjenigen Teil des Ortes, der Stochen hieß [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 1], welchen Namen die Stockerstraße im Andenken erhalten hat. Eine andere Villa, vor der Stiftskirche, hieß Bachem, wieder eine andere Mülheim, von der Bach und der Mühle daselbst so benannt [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 13, 31 und 90].Die drei Archidiakonalkirchen gerieten über den Vorrang unter sich in Streit und in oft wiederholten Ansprüchen ward zu Gunsten der Cassiuskirche entschieden [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 8, 9, 16 und 26], deren Archidiakonat sich über den Ahr-Zülpich-Eifel- und Auel- oder Siegburger Gau erstreckte [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 9]. Die Dekanie des letzteren hatte Erzbischof Anno II. der von ihm gestifteten Abtei Siegburg geschenkt, wodurch ein langer Zwist erwuchs [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 14 und 27]. Ebenso führte die innere Verwaltung zwischen dem Propst und den Kanonichen, sowie zwischen den letzteren selbst, auf öftere Anstände, die man durch Statute zu beseitigen strebte [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 31, 32, 34, 36, 42, 45, 48, 53, 77 und 78]. Die Stiftskirche befand sich in einem durch eine altertümliche und massenhafte Mauer abgeschlossenen Bezirk, die Immunität [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 208], worin unter der Hoheit des Propstes Markt und städtischer Verkehr bestanden, die, nachdem Erzbischof Konrad im Jahr 1242 Bonn zur Stadt erhoben hatte, zur Streitigkeit mit dem Magistrat führten [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 65 und 67]. Im 14. Jahrhundert trat der Missbrauch ein, die Stiftspropstenstelle an Kardinäle oder andere Hohen der päpstlichen Kurie zu vergeben, die fern von dem Stift dessen reiche Gefälle verzehrten [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 108, 112, 117, 132, 192, 200 und 240]. Viele Statuten folgten aufeinander und zeugen in den Gebrechen, die sie abzustellen bezweckten, wie sehr es oft denjenigen an inneren Beruf des Standes fehlte, zu dessen Präbenden sie sich herandrängten.Ein Denkmal von dem Bau der Peterskirche zu Rom enthält eine Ablassurkunde von 1517 [s. Bonn, St. Cassius, Urkunden Nr. 505]. Zu großartigen Schenkungen an die Kirche sind die späteren Jahrhunderte erkaltet; um so häufiger begegnen uns aber Mess- und Memorienstiftungen.(Leicht modernisierte Abschrift des Vorworts im alten handschriftlichen Repertorium)

Literatur :
Kunstdenkmäler V 3, Stadt Bonn, 1905, S. 51 ff. und Handbuch der Erzdiözese Köln 25, 1958, S. 189; Harleß, Woldemar, Die Grafen von Bonn und die Vogtei des Cassiusstifts; der Frohnhof Mülheim; Schöffen und Siegel von Bonn, in: Bonn. Beiträge zu seiner Geschichte und seinen Denkmälern, 1868, Teil IV; Lehner, Hans / Bader, Walter, Baugeschichtliche Untersuchungen am Bonner Münster, in: Bonner Jahrbücher 136/137, 1932, S. 1 ff., die Kontroverse Klauser / Bader, in: Bonner Geschichtsblätter 3, 1947, und Bonner Jahrbuch 148, 1948, S. 452, ferner die Ergänzungen von Oelmann, F., in: ebda. 149, S. 356 ff., und Neuss, W. (Hrsg.), Rheinische Kirchen im Wiederaufbau, Mönchengladbach 1951, S. 75 ff.; Levison, Wilhelm, Die Bonner Urkunden des frühen Mittelalters, Provinzialmuseum in Bonn, Darmstadt 1932, in: Bonner Jahrbücher 136/137, 1932, S. 217 ff.; Kliesing, Georg, Die Säkularisation in den kurkölnischen Ämtern Bonn, Brühl, Hardt, Lechenich und Zülpich in der Zeit der französischen Fremdherrschaft, Bonn 1932, S. 45; Overmeyer, J., Die Grafen und Vögte von Bonn, Diss. Freiburg Schw. 1933; Bonn und sein Münster, s. Bonner Geschichtsblätter 3, 1947, darin mehrere Arbeiten zur Baugeschichte des Münsters, u.a. S. 43 ff. Braubach, Max, Kanoniker des Bonner Münsterstifts als Förderer der Aufklärung, S. 87 ff. Dietz, Josef, Aus der Geschichte des St. Aegidiushospitals im 17. Jahrhundert, S. 177 ff. Schmidt-Görg, Joseph, Musikgeschichtliches aus den ältesten Kapitelsakten des Bonner Münsters, S. 193 ff. Henseler, Theodor Anton, Bilder und Episoden aus der Musikgeschichte des Bonner Cassiusstiftes; Schneider, H., Der Bonner Archidiakon am Anfang des 17. Jahrhunderts, in: Colonia Sacra 1, 1947, S. 202 ff.; Peters, F.J., Liturgische Feiern des St. Cassiusstifts in Bonn, 1952; Meyer-Barkhausen, Werner, Das große Jahrhundert Kölner Kirchenbaukunst 1150 bis 1250, Köln 1952, S. 80 ff.; Nießen, J., Geschichte der Stadt Bonn Bd. 1, Bonn 1955; Ennen, Edith (Hrsg.), Geschichte der Stadt Bonn Bd. 2, Bonn 1962, S. 47 ff., 118 f.; Höroldt, Dietrich, Das Stift St. Cassius zu Bonn (bis zum Jahr 1580), in: Bonner Geschichtsblätter 11, 1957; ebda., S. 29 ff. zur Archivgeschichte, S. 204 ff. die Personallisten (bis 1802); dazu die Ergänzungen von Melchers, Paul, in: ebda. 14, 1960, S. 91 ff.; Franzen, August (Hrsg.), Die Visitationsprotokolle der ersten Nachtridentinischen Visitation im Erzstift Köln unter Salentin von Isenburg im Jahre 1569, Münster 1960, S.170 ff.; Koch, M. P., Kirchen und Kapellen der Vergangenheit im Schatten der Bonner Münsterbasilika, in: Bonner Geschichtsblätter 14, 1960, S. 69 ff.; Dietz, Josef, Topographie der Stadt Bonn, in: ebda. 16, 1962, S. 99 ff.; Kirche und Burg in der Archäologie des Rheinlandes, Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn 31. Oktober-31. Dezember 1962, Düsseldorf 1962, S. 45 ff.; Vogts, Hans, Der Bonner Dechant Joh. Hartmann, ein Vorkämpfer der Gegenreformation unter dem Kölner Kurfürsten Ferdinand von Bayern, in: Bonner Geschichtsblätter 18, 1964, S. 45 ff.; Kisky, Hans, Ein Altaraufsatz aus der Bonner Münsterkirche in Krefeld-Verberg, in: ebda., S. 54 ff.; Achter, Irmingard, Der staufische Westchor des Bonner Münsters, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege 26, 1966, S. 241 ff.

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