Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.3. Herrschaften
1.3.2. N - Z
1.3.2.6. Reifferscheid
Reifferscheid, Urkunden AA 0613
110.27.00 Herrschaft Reifferscheid, Akten (DFG - gefördert)
Permalink des Findbuchs


Signatur : 110.27.00

Name : Herrschaft Reifferscheid, Akten

Beschreibung :
Reifferscheid
Kr. Schleiden. Reichsherrschaft. "Sie gränzt gegen Morgen und Mittag an die Herrschaft Wildenburg, jülichsches Territorium, gegen Abend und Mitternacht an die Herrschaft Schleiden, Luxemburger Gebiet und besteht in folgednen (28) Ortschaften..." (Beschreibung von 1759, A. Fahne, Salm-Reifferscheid 1, 1, 25); über die sehr komplizierten Grenzverhältnisse vgl. auch Fabricius, Erl. 2, 505 ff.
Lit. A. Fahne, Gesch. der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheid, 2 Bde. 1867; Fabricius, Erl. 2, 505 ff.; Kundstdenkm. XI 2, Kr. Schleiden, 299 ff. dort die Lit. u. die Quellen.
Reste des Herrschaftsarchivs befinden sich auf Schloß Dyck, Kr. Grevenbroich (s. oben), u.a. Urk. 1425 ff. (vgl. Kochendörffer, Bericht betr. den Güteranschlag der kölnischen freien Herrschaften 1539; XXXV 20)
Steueranschlag der Herrsch. (1680; 26)
Zanderhof im Tale R. 1733; Nachträge 279)
Pfründen zu R. 1735, 1764; 282)
u.a. Rechnungssachen 1799-1802; 286)
Berichte des Rentmeisters 1769-71; 287)
Uebler Zustand des Schlosses 1771; 289)
Prozeß mit Steinfeld wegen überschlagender Ländereien der Herrsch. Wildenburg 1786-87; 291)
Verpachtung der Frauenhofsgüter 1790; 292-294)
Übersichten über die Gefälle 1797-1809; 295-199)
Akten des Gerichts (s. oben); 300-302)
Kölnische Edikte (1604) 1705-98.
Betr. die Fam. v. R. s. das Archivinv. v. ca. 1660 im Fürstl. Bentheim-Tecklenburgischen Archiv zu Rheda W 58 (Rep. H 8, 3).
Herrschaft Reifferscheid
Die Herrschaft Reifferscheid (Kr. Schleiden) wie sie im 18. Jh., aus dem die Masse der nachfolgend verzeichneten Akten stammt, bestanden hat, war ein sehr zerstückeltes Territorium. Zu ihr gehörten insgesamt sieben verschiedene Gebiete (vgl. Karte). Das Kerngebiet erstreckte sich von Hellenthal und Blumenthal über Reifferscheid selbst bis nach Rescheid und Kamberg. Westlich davon getrennt durch Wildenburger Gebiet lagen die zur Herrschaft Reifferscheid gehörigen Orte Hollerath und Unterpreth. Drei kleinere Gebiete mit den Orten Benenberg, Rüth, Roder, Krekel, Gillenberg und Diefenbach lagen östlich von Reifferscheid zwischen den Herrschaften Wildenburg und Steinfeld. Dazu kamen zwei im östlich angrenzenden Wildenburger Gebiet gelegene Exklaven: Kradenhövel sowie Unterschömbach und Linden. Im Norden grenzte die Herrschaft an die Grafschaft Schleiden und im Süden an die Herrschaft Kronenburg. Von den insgesamt 32 Orten der Herrschaft gehörten 19 ganz zur Herrschaft Reifferscheid; die übrigen lagen teilweise in den Herrschaften Wildenburg und Schleiden (vgl. Ortsverzeichnis). Die Zerstückelung der Herrschaft hat ihren Grund in der Geschichte des Edelgeschlechtes Reifferscheid. Die Burg Reifferscheid war 1130 im Besitz des Herzogs Walram III. von Limburg. Mitte des 12. Jhs. taucht als 1. Glied der Familie von Reifferscheid Hermann v. Reifferscheid auf, der möglicherweise ein Verwandter des Herzogs von Limburg war. Im Jahre 1195 regierten die Brüder Gerhard und Philipp das ganze Gebiet der späteren Herrschaften Reifferscheid und Wildenburg. Anfang des 13. Jhs. scheint es dann zu einer Erbteilung zwischen den Brüdern gekommen zu sein. Während Gerhard Herr von Reifferscheid blieb, wurde Philipp Begründer einer neuen Linie von Wildenburg, deren Besitz zu beiden Seiten des Reifferscheidischen Gebietes lag. Die hohe Gerichtsbarkeit dagegen blieb bei der Herrschaft Reifferscheid. Die Herren von Reifferscheid, die durch Heirat und Erbschaft weitere Gebiete erwarben (Bedbur im 13. Jh.; Dyck 1394; Alfter und Hackenbroich 1445 und Salm 1455), tauschten 1341 ihre Gerechtsame in Hillesheim gegen die Ortschaft Hollerath ein, die der Herrschaft angegliedert wurde. Die Herrschaft wechselte häufig die Lehnsabhängigkeit. Im Jahre 1341 wurde sie dem Herzog von Luxemburg zu Lehen aufgetragen. Im Jahre 1385 waren nacheinander der Erzbischof von Trier und der Erzbischof von Köln Lehnsherren. Luxemburg war 1552 wieder Lehnsherr der Herrschaft. Schließlich aber konnten die Herren von Reifferscheid die Reichsunmittelbarkeit durchsetzen im Gegensatz zu Wildenburg, das eine Jülische Unterherrschaft wurde. Nach der Eroberung des linken Rheinufers durch die Franzosen wurde Reifferscheid Kantonalhauptstadt im Arrondissement Prüm (Saar-Departement) mit den Mairien Hollerath, Reifferscheid und Wahlen. Die Burg Reifferscheid wurde von den Franzosen versteigert, kam dann in verschiedenen Hände und wurde schließlich 1891 von den Fürsten von Salm-Reifferscheid zurückerworben. Als die Franzosen das Gebiet besetzten, ordneten sie genaue Aufzeichnungen über die Bevölkerung und die Besitzungen an. Nach einer dieser Aufzeichnung (A 1229) zählte die Herrschaft 1794/95 2166 Einwohner und hatte 432 Häuser. Ferner werden aufgezählt 139 Pferde, 50 Ochsen, 106 Kühe, 286 Rinder und 2221 Schafe. Im Jahre 1814 kam die Herrschaft nach Preußen, das sie zunächst zusammen mit den Kantonen Schleiden und Kronenburg an den Großherzog von Mecklenburg-Strelitz abtrat, aber weiter verwaltete. Endgültig an Preußen kam das Gebiet 1819. Seit 1829 gehört die ehemalige Herrschaft Reifferscheid zu dem in diesem Jahr gegründeten Kreis Schleiden. Für die kirchliche Organisation der Herrschaft war die Erhebung der Kreuz-Kapell bei der Burg Reifferscheid, die zur Pfarre Steinfeld gehörte, zur Pfarrkirche im Jahre 1130 maßgebend. Die Grenze zwischen den Pfarren Reifferscheid und Steinfeld verlief etwa bei den Orten Felser, Zingscheid, Sieberath und Kradenhövel. An dieser Einteilung änderte die Abspaltung der Herrschaft Wildenburg von Reifferscheid nichts, so daß sich die Herrschafts- und Pfarrgrenzen überschnitten. Die östlich der genannten Grenze liegenden Orte der Herrschaft Reifferscheid nämlich Gillenberg, Diefenbach, Krekel, Rüth, Benenberg und Roder waren nach Steinfeld eingepfarrt. Umgekehrt gehörten die westlich der Grenze gelegenen Wildenburgischen Orte zur Pfarre Reifferscheid. Von den zur Pfarre Reifferscheid gehörenden Orte der Herrschaft hatten einige eigene Kapellen: Hollerath (St. Bernhard, 1695 selbständig), Oberreifferscheid (St. Lucia) und Rescheid (St. Barbara). Neben der Landwirtschaft und der Schafzucht wurde gerade in dem Gebiet um Schleiden bis ins 19. Jh. Eisenindustrie betrieben. Von den in diesem Gebiet gelegenen Hütten gehörte nur die Hütte in Bruch zur Herrschaft Reifferscheid.
Ortsverzeichnis
1. Benenberg (teils zu Wildenburg)
2. Blumenthal (teils zu Schleiden)
3. Bruch
4. Büschen
5. Diefenbach (teils zu Wildenburg)
6. Eichen
7. Felser (teils zu Wildenburg)
8. Gillenberg (teils zu Wildenburg)
9. Hellenthal (teils zu Schleiden)
10. Hescheld
11. Hönningen
12. Hollerath
13. Kamberg (teils zu Wildenburg)
14. Kirschseiffen (teils zu Schleiden)
15. Kradenhövel
16. Krekel
17. Linden
18. Manscheid (teils zu Wildenburg)
19. Oberreifferscheid (teils zu Wildenburg)
20. Oberwolfert
21. Reifferscheid
22. Rescheid
23. Roder
24. Rüth
25. Sieberath (teils zu Wildenburg)
26. Unterpreth
27. Unterschömbach
28. Wahld
29. Wiesen (teils zu Wildenburg)
30. Wittscheid
31. Zehnstelle; 32. Zingscheid (teils zu Wildenburg)ReifferscheidKr. Schleiden. Reichsherrschaft. "Sie gränzt gegen Morgen und Mittag an die Herrschaft Wildenburg, jülichsches Territorium, gegen Abend und Mitternacht an die Herrschaft Schleiden, Luxemburger Gebiet und besteht in folgednen (28) Ortschaften..." (Beschreibung von 1759, A. Fahne, Salm-Reifferscheid 1, 1, 25); über die sehr komplizierten Grenzverhältnisse vgl. auch Fabricius, Erl. 2, 505 ff.Lit. A. Fahne, Gesch. der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheid, 2 Bde. 1867; Fabricius, Erl. 2, 505 ff.; Kundstdenkm. XI 2, Kr. Schleiden, 299 ff. dort die Lit. u. die Quellen.Reste des Herrschaftsarchivs befinden sich auf Schloß Dyck, Kr. Grevenbroich (s. oben), u.a. Urk. 1425 ff. (vgl. Kochendörffer, Bericht betr. den Güteranschlag der kölnischen freien Herrschaften 1539; XXXV 20)Steueranschlag der Herrsch. (1680; 26)Zanderhof im Tale R. 1733; Nachträge 279)Pfründen zu R. 1735, 1764; 282)u.a. Rechnungssachen 1799-1802; 286)Berichte des Rentmeisters 1769-71; 287)Uebler Zustand des Schlosses 1771; 289)Prozeß mit Steinfeld wegen überschlagender Ländereien der Herrsch. Wildenburg 1786-87; 291)Verpachtung der Frauenhofsgüter 1790; 292-294)Übersichten über die Gefälle 1797-1809; 295-199)Akten des Gerichts (s. oben); 300-302)Kölnische Edikte (1604) 1705-98.Betr. die Fam. v. R. s. das Archivinv. v. ca. 1660 im Fürstl. Bentheim-Tecklenburgischen Archiv zu Rheda W 58 (Rep. H 8, 3).Herrschaft ReifferscheidDie Herrschaft Reifferscheid (Kr. Schleiden) wie sie im 18. Jh., aus dem die Masse der nachfolgend verzeichneten Akten stammt, bestanden hat, war ein sehr zerstückeltes Territorium. Zu ihr gehörten insgesamt sieben verschiedene Gebiete (vgl. Karte). Das Kerngebiet erstreckte sich von Hellenthal und Blumenthal über Reifferscheid selbst bis nach Rescheid und Kamberg. Westlich davon getrennt durch Wildenburger Gebiet lagen die zur Herrschaft Reifferscheid gehörigen Orte Hollerath und Unterpreth. Drei kleinere Gebiete mit den Orten Benenberg, Rüth, Roder, Krekel, Gillenberg und Diefenbach lagen östlich von Reifferscheid zwischen den Herrschaften Wildenburg und Steinfeld. Dazu kamen zwei im östlich angrenzenden Wildenburger Gebiet gelegene Exklaven: Kradenhövel sowie Unterschömbach und Linden. Im Norden grenzte die Herrschaft an die Grafschaft Schleiden und im Süden an die Herrschaft Kronenburg. Von den insgesamt 32 Orten der Herrschaft gehörten 19 ganz zur Herrschaft Reifferscheid; die übrigen lagen teilweise in den Herrschaften Wildenburg und Schleiden (vgl. Ortsverzeichnis). Die Zerstückelung der Herrschaft hat ihren Grund in der Geschichte des Edelgeschlechtes Reifferscheid. Die Burg Reifferscheid war 1130 im Besitz des Herzogs Walram III. von Limburg. Mitte des 12. Jhs. taucht als 1. Glied der Familie von Reifferscheid Hermann v. Reifferscheid auf, der möglicherweise ein Verwandter des Herzogs von Limburg war. Im Jahre 1195 regierten die Brüder Gerhard und Philipp das ganze Gebiet der späteren Herrschaften Reifferscheid und Wildenburg. Anfang des 13. Jhs. scheint es dann zu einer Erbteilung zwischen den Brüdern gekommen zu sein. Während Gerhard Herr von Reifferscheid blieb, wurde Philipp Begründer einer neuen Linie von Wildenburg, deren Besitz zu beiden Seiten des Reifferscheidischen Gebietes lag. Die hohe Gerichtsbarkeit dagegen blieb bei der Herrschaft Reifferscheid. Die Herren von Reifferscheid, die durch Heirat und Erbschaft weitere Gebiete erwarben (Bedbur im 13. Jh.; Dyck 1394; Alfter und Hackenbroich 1445 und Salm 1455), tauschten 1341 ihre Gerechtsame in Hillesheim gegen die Ortschaft Hollerath ein, die der Herrschaft angegliedert wurde. Die Herrschaft wechselte häufig die Lehnsabhängigkeit. Im Jahre 1341 wurde sie dem Herzog von Luxemburg zu Lehen aufgetragen. Im Jahre 1385 waren nacheinander der Erzbischof von Trier und der Erzbischof von Köln Lehnsherren. Luxemburg war 1552 wieder Lehnsherr der Herrschaft. Schließlich aber konnten die Herren von Reifferscheid die Reichsunmittelbarkeit durchsetzen im Gegensatz zu Wildenburg, das eine Jülische Unterherrschaft wurde. Nach der Eroberung des linken Rheinufers durch die Franzosen wurde Reifferscheid Kantonalhauptstadt im Arrondissement Prüm (Saar-Departement) mit den Mairien Hollerath, Reifferscheid und Wahlen. Die Burg Reifferscheid wurde von den Franzosen versteigert, kam dann in verschiedenen Hände und wurde schließlich 1891 von den Fürsten von Salm-Reifferscheid zurückerworben. Als die Franzosen das Gebiet besetzten, ordneten sie genaue Aufzeichnungen über die Bevölkerung und die Besitzungen an. Nach einer dieser Aufzeichnung (A 1229) zählte die Herrschaft 1794/95 2166 Einwohner und hatte 432 Häuser. Ferner werden aufgezählt 139 Pferde, 50 Ochsen, 106 Kühe, 286 Rinder und 2221 Schafe. Im Jahre 1814 kam die Herrschaft nach Preußen, das sie zunächst zusammen mit den Kantonen Schleiden und Kronenburg an den Großherzog von Mecklenburg-Strelitz abtrat, aber weiter verwaltete. Endgültig an Preußen kam das Gebiet 1819. Seit 1829 gehört die ehemalige Herrschaft Reifferscheid zu dem in diesem Jahr gegründeten Kreis Schleiden. Für die kirchliche Organisation der Herrschaft war die Erhebung der Kreuz-Kapell bei der Burg Reifferscheid, die zur Pfarre Steinfeld gehörte, zur Pfarrkirche im Jahre 1130 maßgebend. Die Grenze zwischen den Pfarren Reifferscheid und Steinfeld verlief etwa bei den Orten Felser, Zingscheid, Sieberath und Kradenhövel. An dieser Einteilung änderte die Abspaltung der Herrschaft Wildenburg von Reifferscheid nichts, so daß sich die Herrschafts- und Pfarrgrenzen überschnitten. Die östlich der genannten Grenze liegenden Orte der Herrschaft Reifferscheid nämlich Gillenberg, Diefenbach, Krekel, Rüth, Benenberg und Roder waren nach Steinfeld eingepfarrt. Umgekehrt gehörten die westlich der Grenze gelegenen Wildenburgischen Orte zur Pfarre Reifferscheid. Von den zur Pfarre Reifferscheid gehörenden Orte der Herrschaft hatten einige eigene Kapellen: Hollerath (St. Bernhard, 1695 selbständig), Oberreifferscheid (St. Lucia) und Rescheid (St. Barbara). Neben der Landwirtschaft und der Schafzucht wurde gerade in dem Gebiet um Schleiden bis ins 19. Jh. Eisenindustrie betrieben. Von den in diesem Gebiet gelegenen Hütten gehörte nur die Hütte in Bruch zur Herrschaft Reifferscheid.Ortsverzeichnis1. Benenberg (teils zu Wildenburg)2. Blumenthal (teils zu Schleiden)3. Bruch4. Büschen5. Diefenbach (teils zu Wildenburg)6. Eichen7. Felser (teils zu Wildenburg)8. Gillenberg (teils zu Wildenburg)9. Hellenthal (teils zu Schleiden)10. Hescheld11. Hönningen12. Hollerath13. Kamberg (teils zu Wildenburg)14. Kirschseiffen (teils zu Schleiden)15. Kradenhövel16. Krekel17. Linden18. Manscheid (teils zu Wildenburg)19. Oberreifferscheid (teils zu Wildenburg)20. Oberwolfert21. Reifferscheid22. Rescheid23. Roder24. Rüth25. Sieberath (teils zu Wildenburg)26. Unterpreth27. Unterschömbach28. Wahld29. Wiesen (teils zu Wildenburg)30. Wittscheid31. Zehnstelle; 32. Zingscheid (teils zu Wildenburg)

Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken