Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.1. Landesarchive
1.1.1. Kurköln
1.1.1.1. Urkunden
Kurköln, Urkunden AA 0001
101.01.00 Kurköln, Urkunden (DFG-gefördert)
Permalink des Findbuchs


Signatur : 101.01.00

Name : Kurköln, Urkunden

Beschreibung :
Geschichtliche Übersicht

Ein Blick in das vorliegende Verzeichnis gewährt schon die Ansicht, daß das Archiv dieses uralten Stiftes im 12. Jahrhundert einen Unfall erlitten haben müsse, welcher die älteren Denkmale desselben spurlos zerstörte, da die wenigen darin noch aufgeführten Urkunden früherer Zeit wahrscheinlich an anderer Stätte aufbewahrt waren. Wie eine strenge Trennung des bischöflichen Tisches von jenem der Domkapitulare, bzw. eine Absonderung der Güter und Einkünfte nur erst im Laufe des Mittelaters eingetreten, so scheint auch das erzbischöfliche und das domstiftische Archiv noch lange vereinigt geblieben, oder doch in demselben Gebäude gleiches Loos geteilt zu haben, da auch dieses letztere nicht weiter als jenes zurückreicht. Im 13. Jahrhundert beruhte dasselbe in einem Turm, der damals schon alt genannt wurde (in veteri turri) und wahrscheinlich aus der Römerzeit herrührte aber abgebrochen werden mußte, da das jetzige Domgebäude errichtet ward. Auf seinen Fundamenten ruht mutmaßlich der nördliche Domturm.
Auch die noch vorhandenen Kartulare enthalten, da sie nun erst im 14. Jahrhundert angelegt worden, fast kein älteres Stück als die vorfindlichen Originalien selbst.
In neuerer Zeit ist das erzbischöfliche Archiv von dem Wechsel der Dinge ebenfalls nicht unberührt geblieben. Bei dem Annähern der französischen Armee im Jahr 1794 ward desselbe nach Arnsberg geflüchtet, wo der Erzbischof und sein Kapitel Sitz nahmen. Der Lüneviller Friedensschluß von 1801, welcher das linke Rheinufer an Frankreich überwies, und die Beschlüsse der Reichsversammlung, wodurch die ostrheinischen Gebietsteile oder sogenannten Kölnischen Enklaven an Nassau-Usingen, das Vest Recklinghausen an den Herzog von Aremberg, das Herzogtum Westfalen aber an Hessen-Darmstadt zugeteilt wurden, führten zu mehrfachen Zersplitterungen des Archivs, denn einige Urkunden (wovon jedoch das Nähere dem Verfasser unbekannt ist), wurden nach Darmstadt eingezogen; andere an Frankreich, Nassau-Usingen und Berg abgegeben, die jedoch aus den Provinzialarchiven zu Köln und Koblenz zurückgekehrt und jetzt wieder mit dem Stammarchiv vereinigt sind; andere sind an den Herrn Generalmünzwardein Loos zu Berlin ausgehändigt und wieder andere bei Auflösung des Archivs zu Arnsberg zum Königlichen Geheimen Staats- und Kabinetsarchiv übernommen worden. Jene wie diese werden jedoch in dem vorliegenden Verzeichnis aufgeführt, so daß darin nur die etwa nach Darmstadt eingezogenen Stücke nach fehlen.
Für die ältere Geschichte des Erzstifts, namtlich bis zum 13. Jahrhundert gewähren daher die noch erhaltenen Urkunden jener Periode nur Vereinzeltes; wichtiger sind die Rückfolgerungen, welche sich aus den späteren Urkunden und Weistümern ziehen lassen. Die jura ministerialium s. Petri, welche die ältesten Tafelgüter der Kölnischen Erzbischöfe (jetzt ebenso viele Ortschaften) benennen; ein Weistum über Schenkungen an die Kölnische Kirche unter Anno II.; das Weistum der Rechte des Burggrafen und Vogtes von Köln; der Haupthöfe Deutz, Hilden u. s. w.; endlich die zahlreichen Klosterstiftungen unter dem schon gedachten Erzbischof Anno und seinen nächsten Nachfolgern, worin über großartigen Güterbesitz, erweislich früher Königliches oder pfalzgräfliches Eigen, mit Vorbehalt der hoheitlichen Rechte für die Kölnische Kirche, verfügt wird, - geben annähernd ein Bild des Territorialbestandes und seiner allmähligen Ausdehnung und festeren Begründung vor dem 13. Jahrhundert. Nach dieser Zeit gewinnt das Archiv an Zahl und Zusammenhang seiner Denkmale und ist für einzelne wichtige Begebnisse, namentlich des Erwerbes der Grafschaften Hochstaden, Hart und Ahr, der innere Kämpfe um die Unabhängigkeit der Stadt Köln und der Zerwürfnisse der adligen und bürgerlichen Geschlechter, der erfolgreichen Schlacht bei Worringen vorzüglich ausgestattet. Im 14. Jahrhundert häufigen sich die Urkunden und gewinnen selbst in den unbedeutend scheinenden, an Interesse für Familien- und speziellere Ortsgeschichte; die Landesteile verwachsen zum festen Staatskörper und der innere Haushalt spricht sich in seinen verschiedenen Zweigen aus. Man ersieht die allmählig, aber immerfort wachsende Macht der in und um das Erzstift gelegenen Dynastien und freien Städte und wie nur der bei jeder neuen Königswahl hervortretende Einfluß des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln es vermochte, das sinkende politische Gewicht seiner Kirche wieder aufzurichten und die zerrütteten Finanzen herzustellen. Hieran knüpfen sich die Subsibsidienverhältnisse, welche Köln gegen England und später gegen Frankreich eingegangen, und die Einwirkung welche der Kurfürst von seinem kirchlichen Standpunkt aus und unterstützt von dem römischen Stuhl, durch Exkommunikation, Interdikt und geistliches Gericht, auszuüben Bedacht nahm, bis ein beharrlich fortgesetzter Widerspruch der benachbarten Landesherrn eine entgegenstehende Observanz erzeugte und endlich vertragsmäßig befestigte.
Der Kampf um Soest, die kriegerischen Bewegungen, welche zur Entsetzung des Pfalzgrafen Roprecht führten, und die Wahl Hermanns von Hessen, begleitet von den verheerenden Angriffen Karls des Kühnen von Burgund treten im 15. Jahrhundert vorzüglich hervor.
Für die Folgezeit nimmt die Zahl der Urkunden hier, wie in allen Archiven wieder ab, indem die breiteren Verhandlungen (Akten) ergänzend hinzutreten.

Retrokonversion des analogen Findbuches (Abschrift in VERA) durch DFG-Kraft Alexander Löckener, Januar bis September 2011; Korrektur auffälliger Struktur-, Sinn- und Schreibfehler durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak, März 2013.
Geschichtliche ÜbersichtEin Blick in das vorliegende Verzeichnis gewährt schon die Ansicht, daß das Archiv dieses uralten Stiftes im 12. Jahrhundert einen Unfall erlitten haben müsse, welcher die älteren Denkmale desselben spurlos zerstörte, da die wenigen darin noch aufgeführten Urkunden früherer Zeit wahrscheinlich an anderer Stätte aufbewahrt waren. Wie eine strenge Trennung des bischöflichen Tisches von jenem der Domkapitulare, bzw. eine Absonderung der Güter und Einkünfte nur erst im Laufe des Mittelaters eingetreten, so scheint auch das erzbischöfliche und das domstiftische Archiv noch lange vereinigt geblieben, oder doch in demselben Gebäude gleiches Loos geteilt zu haben, da auch dieses letztere nicht weiter als jenes zurückreicht. Im 13. Jahrhundert beruhte dasselbe in einem Turm, der damals schon alt genannt wurde (in veteri turri) und wahrscheinlich aus der Römerzeit herrührte aber abgebrochen werden mußte, da das jetzige Domgebäude errichtet ward. Auf seinen Fundamenten ruht mutmaßlich der nördliche Domturm.Auch die noch vorhandenen Kartulare enthalten, da sie nun erst im 14. Jahrhundert angelegt worden, fast kein älteres Stück als die vorfindlichen Originalien selbst.In neuerer Zeit ist das erzbischöfliche Archiv von dem Wechsel der Dinge ebenfalls nicht unberührt geblieben. Bei dem Annähern der französischen Armee im Jahr 1794 ward desselbe nach Arnsberg geflüchtet, wo der Erzbischof und sein Kapitel Sitz nahmen. Der Lüneviller Friedensschluß von 1801, welcher das linke Rheinufer an Frankreich überwies, und die Beschlüsse der Reichsversammlung, wodurch die ostrheinischen Gebietsteile oder sogenannten Kölnischen Enklaven an Nassau-Usingen, das Vest Recklinghausen an den Herzog von Aremberg, das Herzogtum Westfalen aber an Hessen-Darmstadt zugeteilt wurden, führten zu mehrfachen Zersplitterungen des Archivs, denn einige Urkunden (wovon jedoch das Nähere dem Verfasser unbekannt ist), wurden nach Darmstadt eingezogen; andere an Frankreich, Nassau-Usingen und Berg abgegeben, die jedoch aus den Provinzialarchiven zu Köln und Koblenz zurückgekehrt und jetzt wieder mit dem Stammarchiv vereinigt sind; andere sind an den Herrn Generalmünzwardein Loos zu Berlin ausgehändigt und wieder andere bei Auflösung des Archivs zu Arnsberg zum Königlichen Geheimen Staats- und Kabinetsarchiv übernommen worden. Jene wie diese werden jedoch in dem vorliegenden Verzeichnis aufgeführt, so daß darin nur die etwa nach Darmstadt eingezogenen Stücke nach fehlen.Für die ältere Geschichte des Erzstifts, namtlich bis zum 13. Jahrhundert gewähren daher die noch erhaltenen Urkunden jener Periode nur Vereinzeltes; wichtiger sind die Rückfolgerungen, welche sich aus den späteren Urkunden und Weistümern ziehen lassen. Die jura ministerialium s. Petri, welche die ältesten Tafelgüter der Kölnischen Erzbischöfe (jetzt ebenso viele Ortschaften) benennen; ein Weistum über Schenkungen an die Kölnische Kirche unter Anno II.; das Weistum der Rechte des Burggrafen und Vogtes von Köln; der Haupthöfe Deutz, Hilden u. s. w.; endlich die zahlreichen Klosterstiftungen unter dem schon gedachten Erzbischof Anno und seinen nächsten Nachfolgern, worin über großartigen Güterbesitz, erweislich früher Königliches oder pfalzgräfliches Eigen, mit Vorbehalt der hoheitlichen Rechte für die Kölnische Kirche, verfügt wird, - geben annähernd ein Bild des Territorialbestandes und seiner allmähligen Ausdehnung und festeren Begründung vor dem 13. Jahrhundert. Nach dieser Zeit gewinnt das Archiv an Zahl und Zusammenhang seiner Denkmale und ist für einzelne wichtige Begebnisse, namentlich des Erwerbes der Grafschaften Hochstaden, Hart und Ahr, der innere Kämpfe um die Unabhängigkeit der Stadt Köln und der Zerwürfnisse der adligen und bürgerlichen Geschlechter, der erfolgreichen Schlacht bei Worringen vorzüglich ausgestattet. Im 14. Jahrhundert häufigen sich die Urkunden und gewinnen selbst in den unbedeutend scheinenden, an Interesse für Familien- und speziellere Ortsgeschichte; die Landesteile verwachsen zum festen Staatskörper und der innere Haushalt spricht sich in seinen verschiedenen Zweigen aus. Man ersieht die allmählig, aber immerfort wachsende Macht der in und um das Erzstift gelegenen Dynastien und freien Städte und wie nur der bei jeder neuen Königswahl hervortretende Einfluß des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln es vermochte, das sinkende politische Gewicht seiner Kirche wieder aufzurichten und die zerrütteten Finanzen herzustellen. Hieran knüpfen sich die Subsibsidienverhältnisse, welche Köln gegen England und später gegen Frankreich eingegangen, und die Einwirkung welche der Kurfürst von seinem kirchlichen Standpunkt aus und unterstützt von dem römischen Stuhl, durch Exkommunikation, Interdikt und geistliches Gericht, auszuüben Bedacht nahm, bis ein beharrlich fortgesetzter Widerspruch der benachbarten Landesherrn eine entgegenstehende Observanz erzeugte und endlich vertragsmäßig befestigte.Der Kampf um Soest, die kriegerischen Bewegungen, welche zur Entsetzung des Pfalzgrafen Roprecht führten, und die Wahl Hermanns von Hessen, begleitet von den verheerenden Angriffen Karls des Kühnen von Burgund treten im 15. Jahrhundert vorzüglich hervor.Für die Folgezeit nimmt die Zahl der Urkunden hier, wie in allen Archiven wieder ab, indem die breiteren Verhandlungen (Akten) ergänzend hinzutreten.Retrokonversion des analogen Findbuches (Abschrift in VERA) durch DFG-Kraft Alexander Löckener, Januar bis September 2011; Korrektur auffälliger Struktur-, Sinn- und Schreibfehler durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak, März 2013.

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