Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.2. Geistliche Institute
1.2.1. A - D
1.2.1.1. Aachen
1.2.1.1.13. St. Marien
Aachen, St. Marien, Urkunden AA 0103
120.13.00 Aachen, St. Marien (DFG-gefördert)
Permalink des Findbuchs


Signatur : 120.13.00

Name : Aachen, St. Marien

Beschreibung :
Aachen, St. Marien. - Stift (vor 887-1802). Das Archiv zerfiel in das große, das kleine und das propsteiliche Archiv.

Retrokonversion des analogen Findbuches (Abschrift in VERA) durch DFG-Kraft Alexander Löckener, Oktober 2011 bis Februar 2012; abschließende Kontrolle und Überarbeitung durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak, April / Mai 2013.

Übersicht

Um die Ursprünge des Marien- und Krönungsstiftes zu Aachen spielt ein Reflex des Glanzes, welchen Karls des Großen gewaltige Persönlichkeit ausstrahlt. Bei seinem Palaste in dem geliebten Aachen gründete Karl, wie sein Biograph Einhard (Vita Karoli magni c. 17. c. 26) berichtet, die mit der größten Kunst erbaute Kirche der heiligen Mutter Gottes, ein Bauwerk, zu dessen Verherrlichung sich die Schätze des Morgen- und Abendlandes öffnen mußten. Vier Jahre vor Karls Kaiserkrönung soll die Basilika begonnen worden sein und am Epiphaniasfest 804 vollzog Papst Leo III. nach einer übrigens nicht gleichzeitigen Überlieferung die Weihe derselben. Säulen und Marmorsteine aus Rom und Ravenna, Gitter und Türme von gediegenem Erze, reicher Gold- und Silberschmuck, insbesondere auch die kostbaren Gefäße von edlem Metalle, prächtige Priestergewänder und eine ungewöhnliche Zahl der werthvollsten Reliquien zeichneten die neue kirchliche Schöpfung vor vielen andern aus. An diese königliche Hof- und Palastkapelle lehnten sich ein Konvent nach der Regel des heiligen Benedikt, welcher aus den bei der Kapelle fungierenden Priestern hervorgegangen zu sein scheint. Die Nachricht Späterer (in A. bei Beeck, Aquisgranum, p. 20), daß schon Karl der Große denselben durch Versetzung von 20 Konventualen aus Sinzig nach Aachen begründet habe, entbehrt der urkundlichen Beglaubigung.
Die erste Güterschenkung an die Kapelle über welche die Urkunde wenigstens in Abschrift vorliegt ist die Kaiser Lothars I. vom Jahre 855, es war die Kapelle des Heiligen Petrus bei dem Reichshof zu Sinzig an der Ahr, die der Kaiser mit zwei Mansen und allem Zubehör überwies (Nr. 3). Entweder derselbe Kaiser Lothar oder dessen Sohn König Lothar II. (verstorben 868) überwies die Nona von 44 Villen (Nr. 6) welche sich an den heutigen Ortsbezeichnungen Aachen, Gimmnich, Meersen, Waret, Lennik, Nymwegen, Walhorn, Elsloo, Baelen, Petit-Rechain, Theux, Sprünont, Herstall, Jupille, Astenat, Glain, Cherain, Watermael oder Vechmael, Neudorf, Thomme, Cröv, Amel, Waugenies, Bullingen, Manderfeld, Contzen, Düren, Wilre, Eschweiler, Vlatten, Muffendorf, Leus, Paliseul, Freux Chassepiere, Chauvency, Jamognes, Longlier, Cheneux, Meroils, Clotten, Amberloux, Bestogne und Ourth teils mit Sicherheit, teils mit mehr oder minder wahrscheinlicher Vermutung wieder erkennen lassen.
Diese Güterausstattung, nach Lage und Bedeutung der Kern des Besitzstandes der Korporationen erhielt einen ferneren Zuwachs durch Kaiser Karl den Dicken, indem dieser im Jahre 877 dem Konvent die Villa Bastogne im Ardennergau zugewandte (Nr. 5) wenige Jahre nach den Verwüstungen von welchen Pallast und Kapelle durch den Einfall der Normannen (881) betroffen worden waren. König Arnulf bestätigte unter dem 13. Juni 888 die Schenkungen beider Vorgänger (Nr. 6). Als darauf am 7. Juli 930 König Heinrich I. Bestätigungsbrief (Nr. 11) der königlichen Kapelle zu Aachen den Bezug der Nona von 47 Villen jener 44 und drei weiterer zu Heim, Burs (Bourre im belgischen Luxemburg) und Linsan (Lincent im Lüttichschen) sowie das Eigentum der Villa Bastogne sicherte, ist zum ersten Male von den Kanonikern daselbst (canonicis in eadem capella domino famulantibus) die Rede, zum Beweise, daß inzwischen dem allgemeinen Entwicklungsgange gemäß der Konvent sich in eine Genossenschaft nach der Regel Chrodegangs umgewandelt hatte. Der Gunst Kaiser Ottos I. verdankte die Korporation nicht nur die Kirche zu Düren (Nr. 12) und die Bestätigung der von dem Grafen Franco gegen den Hof Gelmen im Haspengau, gleichfalls ein Geschenk dieses Kaisers, eingetauschten Besitzungen im Lüttich-, Mühl- und Anelgaue zu Fouron Courcelles, Erkelenz, Oestrich, Berg unter Beeck, Rickelrath, Wassarlar, Limperich, Rammersdorf, Ober-, Niederdollendorf, Rheinbreitbach, Zissendorf, - sodann der Nona von jetzt zusammen 50 königlichen Villen (außer den früher genannten den Villen zu Blaniaco, Blegny, Linai, Linne, Blendofia, Blendeffe, Heldun, Lizan und Satanai, Stenay), sondern auch die Verschmelzung der Abtei Chevremont und deren sämtlicher Besitzungen mit der Palastkapelle. Hiedurch ward Otto I. der zweite Gründer des Stifts (Nr. 14, 15, 16).
Die gleich diesem der Jungfrau Maria gewidmete Abtei Chevremont (Caprae montis Revermunt), welche auf einem steilen Felsen an der Mündung der Vesdre in die Maas von Pipin dem Mittlern gestiftet worden, war laut ihren auf die Aachener Korporation übergegangenen königlichen und kaiserlichen Privilegien (Nr. 1, 2, 8, 9, 10, 13) zu Hermal sous Argenteau im Gau Harbanien, Buel in Toxandrien, Vilvorde in Brabant, Grand-Reng und Viez-Reng, Guignies, Achiniagas (Hautrhin), Altporto im Hennegau, Angleur im Lüttichergau und Fresen im Gaue Lominse, ferner zu Wandre und Hasnidi (Esmux oder Astenet), sowie zu Mortiers im Lüttichgaue und zu Herwe in der Oberbetau, begütert; ihr gehörten insbesondere auch die Kirchen und Zehnten zu Waudrez, Hermal, Grand-Reng, Vilvorde, Buel und Herwe. Alle diese Güter gelangten in den unmittelbaren Besitz der Aachener Marienkirche, als Bischof Notker von Lüttich im Jahre 980 das feste Schloß (novum castellum) nebst der Abtei Chevremont von Grund aus zerstört hatte.
Wenn auch im Laufe der Zeit die Gefälle mancher und namentlich der entfernteren Villen oder Höfe verloren gingen und daher in den Registern des Marienstifts nicht nachgeführt werden konnten, so war doch auf diese Weise ein Kreis von Besitzungen dem Stift zu Teil geworden, der von Aachen durch das heutige Holland und Belgien bis zu den französischen Grenzen reichte und nach Umfang wie Einträglichkeit der besonderen Würde er königlichen Krönungsstätte entsprach. Durch die Munifizenz mancher römischer Könige und Kaiser, durch anderweitige Schenkung oder Ankauferwarb die Korporation weiterhin, abgesehen von den bald wieder verdunkelten Reichshöfen zu Dortmund im Westfalengaue, Tiel im Gau Teisterbert und Nierstein im Nochegaue (Nr. 18, 20, 21, 22, 23), Höfe und Zehnten zu Traben an der Mosel (Nr. 24, 38, 45, 46, 47), Muffendorf im Bonnergau (Nr. 25), Kesselheim (Nr. 309, 808), Winningen (Nr. 810), Gimmnich, Herve (Nr. 26), Vaels (Nr. 27, 180, 829), Walhorn (Nr. 28, 30, 32, 35), die Vogteien zu Lontzen, Walhorn und Manderfeld (Nr. 29, 32, 35, 57, 805), Höfe und Land zu Richelle (Nr. 31, 171), Hohenbusch (Nr. 37, 86, 220), Richterich (Nr. 41, 44), Sinzig (Nr. 50, 52, 67, 809), die Pfarrkirchen zu Montzen (Nr. 84) und Herstall (Nr. 90), Häuser, Renten, Ackerland und Wiesen in und bei Aachen (Nr. 108, 114, 116, 117, 118, 120, 122, 124, 141, 142, 143, 153, 160, 173, 186, 205, 207, 208, 209, 212, 213, 220, 356, 413, 497, 500, 546, 590, 684, 685, 686, 687, 688, 690, 691, 693, 695, 756, 762, 792), Land und Gefälle zu Düren (Nr. 104), zu Seffenth (Nr. 121), Velpsdael (Nr. 111, 151, 831), Drove (Nr. 150), Hagsittard (Nr. 172), Fleron (Nr. 174, 308, 818), Höfe, Land und Zehnten zu Gülpen (Nr. 90, 188, 633, 634), Bingelraedt (Nr. 159, 170), Müllenbach (Nr. 195, 196), im Pfaffenbroich bei Vaels (Nr. 200), Rimersdael bei Gülpen (Nr. 222), Amel im Jülichschen (Nr. 254, 251, 256, 793), Uersfeld (Nr. 258, 405, 804), Bettendorf (Nr. 285, 286, 289, 295, 795), Oidweiler (Nr. 340, 800), Opherten (Nr. 801), Richterich (Nr. 291, 292, 485, 507), Embken (Nr. 311), Coisdorf (Nr. 385), Etennaken (Nr. 403, 404, 817), Nütt (Nr. 421, 422, 825), Crawinkel im Lande Valkenburg (Nr. 508, 510, 511, 539, 816), Buel (Nr. 521, 556, 815), Boulant (Nr. 639), Sittard (Nr. 666, 828), Weiden bei Aachen (Nr. 806), den sogenannten Rheinacker Zehntenteil bei Sinzig, Coisdorf und Westum (Nr. 745, 749) u. A. m. Von den dem Stift zuständigen Pfarrkirchen und Kapellen - zu Grand-Reng, Vilvorde, Düren, Erkelenz, Chenee, Herstall mit der Filiale zu Boulant, Hermal, Embour, Jupille mit Filiale zu Saiver, Monzen, Fleron, Richelle, Foret, Walhorn, Kettenis, Berensberg, Laurenzberg, Buel, Sinzig, Traben, Winningen - wurden die beiden erstgenannten den Abteien La Cambre und Hautmont erblich verliehen, die übrigen aber teils wie Herstall und Laurenzberg (Nr. 65, 73, 83, 109, 146, 148, 163, 167), Chenee (Nr. 153), Erkelenz (Nr. 297, 303, 306), Sinzig (Nr. 315, 316, 418), Traben (Nr. 553, 554, 579) und Winningen (Nr. 588, 589, 591) dem Kapitel, teils, wie Jupille (Nr. 79, 82, 189, 190) der Dechantenstelle oder wie Buel (Nr. 54) der Kantorei und wie Düren (Nr. 105) der Scholasterei des Kapitels inkorporiert. Fast überall ist es seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Propst, der auf sein ursprüngliches Recht verzichtend dem Kapitel oder die anderen Dignitarien jener Kirchen übergibt.
Die schon früh eintretende Trennung der Güter des Propstes von denen des Kapitels, die auch in dem Vergleich wegen Erkelenz 1326 sich ausprägte (Nr. 273), begünstigte die Bildung einer besondern propsteilichen Mannkammer mit zahlreichen größeren oder kleineren Lehen, meist im ehemaligen Herzogtum Limburg (Nr. 783). Zu letzteren zählten Schloß und Vogtei zu Lontzen sowie die Vogtei zu Lontzen, wogegen die Erbvogteien zu Richelle, Herve, Fleron und Mortiers dem Kapitel untergeben waren. Die Appellation vom propsteilichen Lehnhof ging für die innerhalb des Reichs gelegenen Güter auf Düsseldorf, für die Lehen außerhalb des Reichs dagegen an den Hof von Brabant zu Brüssel (Nr. 742).
Über Verfassung und Privilegien des Stifts geben dessen Urkunden genaue Auskunft. Kaiser Otto I. verlieh der Korporation im Jahre 966 das Recht der freien Wahl des Abtes oder Propstes (Nr. 14).
In der Folge bei völliger Ausbildung der Stiftsverfassung, hing die Kollation der Propstei und der andern Dignitäten mit Ausnahme der Dechantenstelle vom Reiche, d. h. vom jederzeitigen Römischen Könige ab, der als solcher zugleich Kanoniker des Kapitels und Konfrater der Kanoniker, seiner Kapellanen, war. Zu seinem Stellvertreter bestellte der Könige zuerst einen, seit 1318 aber, nach Teilung der betreffenden Präbende, zwei Vikare, die sogenannten königlichen Vikare (Nr. 261, 262, 270). Durch Kaiser Karl IV. ging das Präsentationsrecht zur Propstei sowohl als zu andern Würden und zur Scholasterei, auf die Herzoge von Jülich über (Nr. 310, 478, 481, 523, 654) und ebenso sind die Letztern später im Besitze des Kollationsrechts hinsichtlich der beiden königlichen Vikarien (Nr. 488, 654). Als Würdenträger fungierten beim Stifte fortdauernd der stets dem Stande der Fürsten, Grafen und Edelmannen des Reichs entnommene Propst, der Dechant und der Kantor, als Hauptoffizianten der Scholaster und der Erzpriester der Kirche. Die Würde des Küsters war unterdrückt und deren Einkommen zuerst der Propstei seit 1512 aber dem Kapitel inkorporiert worden (Nr. 583). Der Kanonikate gab es 40, bis Papst Gregor XIII. dieselben im Jahre 1576, um die Anstellung eines Predigers und die Errichtung einer lateinischen Schule zu ermöglichen, auf 32 beschränkte. Die Zahl der Benefizianten, Vikare und Kapläne, welche ehedem 60 betragen hatten, war zu derselben Zeit bis auf 8 gesunken, wurde aber nach der Bestimmung des genannten Papstes wieder auf das Minimum von 28 festgesetzt (Nr. 583, 586, 659). Im Jahre 1778 bestand das Gremium des Stifts außer dem Propst, Dechanten, Kantor oder Chorbischof aus 32 Kanonikern (und zwar 24 Kapitularen einschließlich des Kaisers und 8 Dominzellaren) sowie den 2 königlichen Vikaren, zusammen also aus 37 Personen. Als die vornehmsten der Kapitularen galten die 7 Kardinalpriester und Kardinaldiakonen, welche durch Privilegium des Papstes Gregor V. vom Jahre 997 eingeführt und neben dem Erzbischof von Köln und dem Bischof von Lüttich allein berechtigt waren, am Hoch- und Marienaltar in der untern Kapelle der Apsis Messen zu lesen (Nr. 17, 18, 764). Die Stellvertretung des Propstes lag dem Vitzdom, die des Dechanten dem Vizedechanten oder nach Umständen dem Senior des Kapitels ob.
Wer zu einem Kanonikat beim Stift zugelassen werden wollte, mußte in rechtmäßiger Ehe geboren, edlen oder ritterlichen Geschlechtes oder in einer der vier Fakultäten akademisch graduiert sein. Noch Kaiser Friedrich III. schärfte im Hinblick auf die Würde des Krönungsstiftes unter dem 18. Juni 1442 diese Bestimmungen ein, mit dem Zusatz, daß auch die aufzunehmenden Ritterbürtigen verpflichtet seien, eventuell nach der Aufnahme das Trimmium zu absolvieren (Nr. 391, 393, 414, 416, 465, 764). Im Jahre 1449 verordnete der Kardinaldiakon Johannes von St. Angelo als päpstlicher Legat in Deutschland, daß die ersten fünf zur Erledigung gelangenden Kanonikate nur an Magister der Theologie und an Doktoren oder Lizentiaten des Kanonischen und bürgerlichen Rechts vergeben werden sollten, die als Seelsorger und Lehrer zu wirken hätten (Nr. 477). Und auch die am weitesten gehenden Anordnungen gestatteten die Aufnahme nicht Graduierter und nicht Ritterbürtiger allein unter der Bedingung, daß dieselben vor dem Beginn des ersten Jahres ihrer Residenz das Bakkulaureat erlangten (Nr. 414, 416).
Nicht minder als die Bedingungen der Aufnahme waren Residenz und Absenz der Kanoniker, sowie der Turnus, in welchem die Glieder des Stifts anstatt des ganzen Kapitels in den ordentlichen Monaten die Präsentation zu den vakanten Präbenden ausübten, durch Statuten geregelt (Nr. 138, 140, 218, 241, 253, 307, 727). Auch für das päpstliche Provisonsrecht in den apostolischen Monaten und für das Königliche Privilegium der Ersten Bitte finden sich in den nachstehend verzeichneten Urkunden manche Belege. Daß abgesehen von der Fixierung der Präsenzgefälle beim Chordienste über die Verteilung der kirchlichen Opfer zwischen Propst, Kapitel und den messelesenden Priestern öfter verhandelt wurde (Nr. 66, 99, 102, 235, 586) ist bei dem außerordentlichen Zudrange an Andächtigen, der die Stiftskirche stets auszeichnete, erklärlich genug.
Das Marienstift war dem päpstlichen Stuhle unmittelbar untergeben und daher von der Diözesengewalt des Bischofs von Lüttich in dessen Sprengel Aachen seit dem 10. Jahrhundert fiel, gänzlich befreit. Zu den Privilegien der Korporation gehörte insbesondere auch, daß sie zur Verleihung von Präbenden, Benefizien oder Renten an Dritte durch Erlasse des Papstes oder seiner Legaten nicht gezwungen werden konnten (Nr. 129) sowie daß kein Deligierter der Römischen Kurie oder ihrer Legaten Exkommunikation, Suspension oder Interdikt über das Kapitel oder dessen Glieder anders als zufolge besonderen päpstlichen Mandats verhängen durfte (Nr. 136). Die Besitzungen des Stifts in den Herzogtümern Jülich, Limburg und Brabant waren steuer- und schatzfrei (Nr. 522, 592) und hinsichtlich seiner Kornfrüchte und Weine genoß dasselbe auf Grund eines vom Papst Honorius III. bestätigten Privilegiums Kaisers Friedrich II. Zollfreiheit zu Wasser und zu Lande (Nr. 71, 187, 198, 313, 324, 332, 336, 533, 535, 580, 636, 741). Das glänzendste Privilegium aber bildete für Stift wie Stadt das Recht auf die Krönung des Römischen Königs, das auch durch die goldene Bulle Kaiser Karls IV. bestätigt worden war. Zum letzten Mal ward die Krönung Karls V. mit altherkömmlichem Pomp unter Spendung der Ergötzlichkeit und des Krönungsweins für die Konfratres vollzogen (Nr. 603). Seit die Ungunst der Umstände (zuerst unter Maximilian II.) dem Stifte das Vorrecht tatsächlich genommen, mußte dasselbe sich mit den jedesmal vom König und den Kurfürsten erteilten Reversen de non praeiudicando und der Geleitung der Krönungsinsignien durch eine Krönungsgesandtschaft nach Frankfurt am Main oder Regensburg begnügen (Nr. 645, 647, 679, 682, 730, 757, 758, 770, 771, 773).
Das innere Leben der Korporation spiegelt sich in den Statuten wie in den Nachrichten, welche das Stiftsarchiv über die Reliquien oder Heiligtümer der Marienkirche und die Pilgerfahrten zu den letzteren enthält (Nr. 40, 66, 241, 274, 280, 355, 361, 377, 419, 441, 718, 781, 789). Der Propst hatte während der alle sieben Jahre zwei Wochen lang stattfindenden und am Kirchweihfest beginnenden Ausstellung der großen Heiligtümer für die Kosten und Bedürfnisse des Kapitels aufzukommen so wie demselben nach Beendigung der Heiligtumsfahrt aus dem ihm gebührenden Anteile am Opfergeld 400 Gulden auszuzahlen (Nr. 441). Auf dem Liebfrauenturm hielt das Kapitel bei der Ausstellung ein Festmahl, zu dessen Kosten der Propst beizusteuern verpflichtet war (Nr. 377). Über die Aufbewahrung der Reliquien entstanden Mißhelligkeiten zwischen dem Kapitel U. L. F. und dem Rat von Aachen, da der letztere sehr erklärlicher Weise ein großes Interesse an einer möglichst sorgfältigen Erhaltung der Heiligtümer hatte. Der Streit wurde im Jahre 1425 durch ein Laudum des Herzogs Adolf von Jülich-Berg geschlichtet, wonach das Kapitel einen kupfernen Behälter für die Heiligtümer anfertigen lassen mußte der zur Zeit der Ausstellung jedesmal von einem durch beide Teile bestellten vereidigten Schmied eröffnet und wieder verschlossen wurde (Nr. 432). Später wurde es üblich, daß zwei Eisenschmiede, der eine von wegen des Kapitels und der andere von wegen der Stadt, dabei fungierten, bis man im Jahre 1680 übereinkam, daß ein von beiden Teilen vereidigter Goldschmied genüge (Nr. 718). Unter den Reliquien der Stiftskirche nehmen außer den Reliquien der heiligen Jungfrau, deren Capsa schon 1220 in Arbeit war (Nr. 66) wogegen in geschichtlicher und archäologischer Hinsicht die Reliquien Karls des Großen besondere Aufmerksamkeit (Nr. 40, 280). Kaiser Friedrich I. war es bekanntlich der im Jahre 1166, die Grabesruhe seines großen Vorfahren nach Otto III. Beispiele zum zweiten Male störend, die Kanonisation und feierliche Erhebung der Gebeine desselben veranlaßt hatte (vgl. übrigens in Betreff der Reliquien und Heiligtumsfahrten namentlich die Schriften von Christ. Quix, Historische Beschreibung der Münsterkirche und der Heiligtumsfahrt, Aachen, 1825 und von Dr. H. J. Floß, Geschichtliche Nachrichten über die Aachener Heiligtümer, Bonn, 1855. Die neuerdings wieder mehrfach verhandelte Frage über die ursprüngliche Begräbnisstelle Karls wird durch die Urkunden nicht weiter aufgeklärt).
Mit den Pilgerfahrten stand die Errichtung verschiedener Kapellen und Altäre der Stiftskirche in engem Zusammenhange, wie der Ungarischen Kapelle an der zwei ungarische Priester angestellt waren, gestiftet im Jahre 1374 durch König Ladislaus von Ungarn, des Altars des Heiligen Wenzel (Altare Bohenorum) und des Slawonischen Benefiziums, der 4 doctores ecclesiae und der heiligen Methodius und Cyrillus welches letztern im Jahre 1495 gegründet wurde (Nr. 338, 351, 429, 458, 469, 483, 488, 489, 576, 692, 786, 787). Die Kollation dieser Kaplaneien und Vikarien wurde von den Stiftern und deren Rechtsnachfolgern, beziehungsweise den Königen von Ungarn und von Böhmen, so ie den Magistraten von Laibach und Krainburg in Illyrien ausgeübt. Außer diesen werden in den Nachrichten des Stiftsarchivs folgende Kapellen, Altäre und Vikarien aufgeführt:
Der Liebfrauenaltar in der unteren Chorkapelle (Nr. 97, 181, 235, 377). Die Sakristeikapelle mit einer gleichfalls zur Sakristei benutzten Vorhalle, in welcher die Mitglieder der im Jahre 1452 gestifteten Muttergottesbruderschaft (?) ihre Begräbnisstätte hatten (Nr. 358, 569). Die Annakapelle oberhalb der Sakristeien (?) (Nr. 212, 569). Die Nicolauskapelle links vom Turm, deren Patronat der Dechant besaß (Nr. 220, 222, 476, 557, 585) mit einem Altar zu Ehren des Heiligen Maternus, einem später hinzugekommenen zweiten Andreasaltar und mehrerer Kaplaneien (Nr. 557, 615); die unter dem Patronat des Propstes stehende Michaelskapelle (Nr. 495, 550) und die Karlskapelle (Nr. 670), beide im Hochmünster, die Kapelle der heiligen Catharina im Paradies (Nr. 97, 110, 116, 441), die Kapelle des heiligen Papsts Gregor des Großen im Eingange (Nr. 277), die Kapelle des heiligen Johann Baptist unweit der Wolfsthürn (Nr. 407, 786); der Jodocusaltar, dessen Kollator der herzog von Jülich war (Nr. 487, 523, 704), der Altar der heiligen Cornelius und Cyprianus (Nr. ...), der von Herzog Heinrich von Lothringen-Brabant 1223 gestiftete Altar der heiligen Simon und Judas unter der ehemaligen Orgel vor dem sogenannten Königsstuhl (Nr. 56, 78, 82, 425, 459, 513, 527, 567, 632, 711), die Sayn'sche Kapelle oder Altarvicem s. Simeonis Justi im Hochmünster, welche der Propst Gerhard Graf von Sayn im Jahre 1455 fundierte (Nr. 491, 516, 531, 676, 717, 786, 787). Die Salvatorkapelle auf dem Salvatorberg bei Aachen wurde dem Dekanat des Stifts inkorporiert (Nr. 4, 498, 786). Der Dechant war wie gewöhnlich der Pastor des Stifts; da die Marienkirche aber zugleich Pafrrkirche war, fungierte als Pfarrer der Stadt der Erzpriester (archiplebanus) den der zeitige Herzog von Jülich aus der Mitte der Kanoniker ernannte und dem unter Anderen das Patronat der Kapelle des Hospitals zum heiligen Johann Baptist gehörte (Nr. 237, 259, 563). Der Pfarrgottesdienst wurde ursprünglich in dem Hochmünster gehalten, in Folge der zunehmenden Bevölkerung der Stadt aber später in die benachbarte Kapelle zum heiligen Foilan verlegt, wobei indeß die Taufe der Mutterkirche verblieb (Quix, Gesch. Aachens II., S. 83).
Von dem täglichen Kultus der Kirche, dessen Festen, Memorien, Messen und besondern Stiftungen Bruderschaften wie des Johannis und Muttergottesbruderschaft gewähren die Urkunden des Stifts (z. B. Nr. 62, 113, 116, 122, 431, 468, 566, 581, 585, 674) eine deutliche Vorstellung. Auch des Dreikönigenleuchters (Nr. 113, 581), der Kerze des heiligen Kaisers Karl und des St. Petersbildes im Liebfrauenchore (Nr. 566) sowie des Tragaltars, dessen Gebrauch der Kardinal Pileus ind en Jahren 1379 und 1380 dem Stifte verstattete geschieht Erwähnung. Bezüglich der Baugeschichte des Münsters vernehmen wir, daß Kaiser Friedrich II. für die Herstellung der Kirchengebäude und Kirchenfenster und für die Anschaffung neuer Kirchenbücher Sorge getragen habe, wozu eigentlich der Propst v erpflichtet gewesen (Nr. 66). Als die Belagerung Aachens durch den römischen König Wilhelm 1248 Stadt und Stiftskirche schwer beschädigt hatte, wurde mit Genehmigung des Königs und des Papstes Innocenz IV. vom Kapitel bestimmt, daß die Einkünfte aller vakanten Präbenden vier Jahre lang zum Wiederaufbau der Kirche verwendet werden sollten (Nr. 128, 135). Zu dem Bau des neuen Chors, dessen Anregung man gewöhnlich dem Ritter Wilhelm Chorus zuschreibt, überwiesen Propst Gerhard von Virnenburg und das Kapitel 1355 aus ihren beiderseitigen Einkünften je den Betrag einer vollen Kanonikalpräbende als jährliche Rente (Nr. 323). Es wird dabei von ihnen ausdrücklich hervorgehoben, daß der Chorbau des dringenden Raumbedürfnisses wegen beschlossen worden sei. In den Jahren 1390 und 1404, in welchen erneuerte Festsetzungen wegen der Beiträge des Propstes Grafen Wilhelm von Wied zu den Baukosten zwischen diesem und dem Kapitel vereinbart wurden (Nr. 377, 397), war der Bau noch im Gange; 1413 soll derselbe vollendet und eingeweiht worden sein (Noppius, Aachener Chronik, S. 21). Der Vergleich mit der Stadt von 142 (?) (Nr. 430) gedenkt daher des Heiligtumskastens im "neuen Werke". Auf viele Einzelheiten, innere Streitigkeiten wie äußere Fehde oder Bedrückungen des Stifts, von welchen letzteren päpstliche, königliche und fürstliche Schutzbriefe zeugen, auf Frevel und Sühne im Gotteshaus in der wilden Zeit des 15. Jahrhunderts (Nr. 435, 512), die erbitterten konfessionellen Kämpfe der Stadt gegen Endes des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, auf manche besondere Einrichtungen, Rechts- und Besitzverhältnisse, z. B. die Bäder (Nr. 91, 272) und Wassergerechtsame des Stifts, die Baupflicht des Kapitels als Dezimators von Pfarrkirchen (z. B. im Bezug auf Vaels (Nr. 245, 472)) in und bei der Stadt, vermögen wir hier nicht näher einzugehen, ohne die Grenzen dieser Übersicht zu überschreiten.

Archiveinteilung

Was das Stiftsarchiv selbst betrifft, welches ehedem in 3 Hauptabteilungen, das große, kleine und das propsteiliche Archiv zerfiel und in einem besondern Kapellenraum oberhalb der Sakristei aufbewahrt wurde, so hat dasselbe im Laufe der Zeit manche seiner älteren Originalurkunden eingebüßt. Von den Kartularen sind nur die jüngeren meistens dem 15. Jahrhundert angehörig (Nr. 776-779) zum hiesigen Staatsarchiv gelangt, wogegen der liber privilegiorum, aus dem Ende des 12. Jahrhunderts eine Handschrift in Quarto oder Großoktav von 28 Pergamentblättern mit etwa 42 Urkunden (vgl. Quix, Cod. Aquens. diplom., p. 1 und 28; Lacomblet, Niederrheinisches Urkundenbuch I, Einleitung p. X) nebst einer Ordo coronationis aus demselben Jahrhundert und mehreren andern der ältesten Handschriften des Stifts sich im Drittbesitze zu Aachen befindet und ein anderes, von dem Verfasser der histoire de Limburg, dem Kanoniker und Pfarrer Ernst zu Afden, sowie dem Baron von Reiffenberg benutztes Kopiar, wahrscheinlich aus dem 12. bis 13. Jahrhundert, spurlos verschwunden ist (Ernst, Hist. de Limburg, ed. Lavalleye, tom VI, p. 83, s. 99 und den Anhang der Chronique de Philipp Mouskes, herausgegeben von dem Baron von Reiffenberg (in der Sammlung belgischer Chroniker), p. 548-562. Die Handschrift, welche Ernst und Reiffenberg benutzten und die von beiden unter übereinstimmender Folienbezeichnung zitiert wird, zählte mindestens 113 Blätter).
Sowohl das Nekrologium aus dem 13. Jahrhundert (Nr. 780) als ein sehr großer Teil der Urkunden des Marienstifts sind von dem verstorbenen Oberlehrer Quix zu Aachen in einer Reihe von Publikationen, namentlich in dessen Codex diplomaticus Aquensis veröffentlicht (Tom I pars 1 erschien 1839, Tit. 1 pars 2 im Jahre 1840) dieses Quixsche Urkundenbuch, dessen Texte wie die aller Schriften dieses fleißigen aber unkritischen Sammlers übrigens äußerst fehlerhaft und zuweilen fast unbrauchbar sind, reicht bis zum Jahre 1350. Lacomblet hat in dem Niederrheinischen Urkundenbuche die älteren Kaiserurkunden und verschiedene andere der wichtigsten Dokumente der Korporation in berichtigter Gestalt herausgegeben.

Anmerkung: Die vorstehend angegebenen Nummern beziehen sich auf die laufende Zählung im analogen Altfindbuch 120.13.1-2. Es handelt sich nicht um Bestellsignaturen !

Reihenfolge der Pröpste und Dechanten

Pröpste

Folcharius, Abt, 887
Brun, erster Propst, 966
Thietmar, + 1024
Tiricus, + 1051
Altmann, + 1092
Wecelo, + 1109
Ruopert, 1072
Conrad, 1076-1094
Godescalc, 1098
Albert I., 1108
Arnold I., 1112
Hugo, 1129-1134
Arnold II., 1138
Albert II., 1153-1158
Otto I., 1166-1174
Godwin, 1180
Philipp von Schwaben, 1192
Conrad, 1194
Wilhelm, 1197-1213
Engelbert von Berg, vor 1218
Otto II., 1220-1236/65 (?)
Heinrich, 1240-1244
Otto III., 1248-1265
Martin, 1265
Walram von Jülich, 1273-1286
Heinrich von Klingenberg, 1292
Wiebold von Holte, 1298
Otto von Oberstein, 1308
Gerhard I. von Nassau, 1308-1312
Heinrich von Sponheim, 1323-1344
Godfried von Heinsberg, + 1345
Gerhard II. von Virneburg, 1350-1355
Wilhelm von Wied, 1364-1410
Johann von Loen, 1412
Johann von Büren, 1420-1422
Gerhard III. Graf von Berg, 1429-1434
Gerhard IV. Graf von Sayn, 1438-1451
Friedrich von Neuenahr, 1456
Reiner von Palant, 1467-1474
Hermann Landgraf von Hessen, 1474-1508
Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern, 1508-1541
Johann von Vlatten, 1541-1562
Heinrich von Vlatten, 1563-1625
Carl von Metternich, 1626-1636
Johann von Eynatten, 1636-1653
Franz I. Egon Graf von Fürstenberg, 1653-1663
Franz II. Robert Graf von Aspremont-Lynden und Reckum, 1663-1681
Peter Dionysius de Goer de Herve, 1681-1706
Philipp Friedrich Ambrosius Graf von Schellardt zu Obbendorf, 1706-1721
Franz Joseph Graf von Manderscheid-Blankenheim, 1721-1772
Clemens Vincenz Franz Freiherr von Belderbusch, kurkölnischer Staats- und Konferenzminister, 1773-1794

Dechanten

Hezelo, 1108-1124
Winrich, 1140
Ruter, 1157
Stephan, 1173-1174
Conrad, 1191-1192
Theoderich, 1197
Winand, 1208
Johann, 1222
Sibodo, 1224-1235
Theoderich, 1238-1243
Garsilius, 1245-1268
Reimar, 1273
Walram von Jülich, 1279, 1289
Wolfram, 1281
Godfried von Ruremonde, 1285-1312
Garsilius von Mülenar, 1314
Arnold von Frankenberg, 1316-1330
Godfried, 1337
Hermann Blankart, 1337-1353
Rembodo von Vlodorp, 1360-1365
Godfried von Vlodorp, 1401-1416
Heinrich von Ymbermunte, 1419-1420
Edmond von Malberch, 1438-1461
Peter Wynemar von Erkelenz, 1461-1517
Johann von Schoenradt, 1533-1536
Robert von Wachtendonk, 1569
Franz Foss, 1586
Johann von Thomberg gen. Wormbs, 1597-1610
Heinrich Strauven, 1612-1626
Heinrich Theob. von Eynatten, 1632-1639
Walrand von Gülzen zu Wodenraedt, 1668
Johann v. d. Lynden, 1682
Adrian Carl Freiherr von Draek, 1695-1708
Johann Wilhelm Freiherr von Colyn gen. Beusdal, 1715-1723
Friedrich Wilhelm von Wylre, 1723-1739
Ludwig Johann Albert Graf von Schellardt, 1739-1744
Wilhelm Raymund Freiherr von Bierens, 1759-1787
Conrad Hermann Cardoll, 1787-1802

Das analoge Altfindbuch 120.13.1, S. 19-22, gibt bei vorstehender Zusammenstellung außer den Stiftsurkunden einige Kataloge im Aktenarchiv und die Listen bei Quix (Geschichte der Stadt Aachen I. S. 75 II. S. 94) sowie die in anderen Archivteilen vorkommenden Träger der einen und anderen Dignität an [Vorkommen: 1) bei Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 2) (laufende) Nummern des Archivrepertoriums, 3) an anderweiter Stelle].
Aachen, St. Marien. - Stift (vor 887-1802). Das Archiv zerfiel in das große, das kleine und das propsteiliche Archiv.Retrokonversion des analogen Findbuches (Abschrift in VERA) durch DFG-Kraft Alexander Löckener, Oktober 2011 bis Februar 2012; abschließende Kontrolle und Überarbeitung durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak, April / Mai 2013.ÜbersichtUm die Ursprünge des Marien- und Krönungsstiftes zu Aachen spielt ein Reflex des Glanzes, welchen Karls des Großen gewaltige Persönlichkeit ausstrahlt. Bei seinem Palaste in dem geliebten Aachen gründete Karl, wie sein Biograph Einhard (Vita Karoli magni c. 17. c. 26) berichtet, die mit der größten Kunst erbaute Kirche der heiligen Mutter Gottes, ein Bauwerk, zu dessen Verherrlichung sich die Schätze des Morgen- und Abendlandes öffnen mußten. Vier Jahre vor Karls Kaiserkrönung soll die Basilika begonnen worden sein und am Epiphaniasfest 804 vollzog Papst Leo III. nach einer übrigens nicht gleichzeitigen Überlieferung die Weihe derselben. Säulen und Marmorsteine aus Rom und Ravenna, Gitter und Türme von gediegenem Erze, reicher Gold- und Silberschmuck, insbesondere auch die kostbaren Gefäße von edlem Metalle, prächtige Priestergewänder und eine ungewöhnliche Zahl der werthvollsten Reliquien zeichneten die neue kirchliche Schöpfung vor vielen andern aus. An diese königliche Hof- und Palastkapelle lehnten sich ein Konvent nach der Regel des heiligen Benedikt, welcher aus den bei der Kapelle fungierenden Priestern hervorgegangen zu sein scheint. Die Nachricht Späterer (in A. bei Beeck, Aquisgranum, p. 20), daß schon Karl der Große denselben durch Versetzung von 20 Konventualen aus Sinzig nach Aachen begründet habe, entbehrt der urkundlichen Beglaubigung. Die erste Güterschenkung an die Kapelle über welche die Urkunde wenigstens in Abschrift vorliegt ist die Kaiser Lothars I. vom Jahre 855, es war die Kapelle des Heiligen Petrus bei dem Reichshof zu Sinzig an der Ahr, die der Kaiser mit zwei Mansen und allem Zubehör überwies (Nr. 3). Entweder derselbe Kaiser Lothar oder dessen Sohn König Lothar II. (verstorben 868) überwies die Nona von 44 Villen (Nr. 6) welche sich an den heutigen Ortsbezeichnungen Aachen, Gimmnich, Meersen, Waret, Lennik, Nymwegen, Walhorn, Elsloo, Baelen, Petit-Rechain, Theux, Sprünont, Herstall, Jupille, Astenat, Glain, Cherain, Watermael oder Vechmael, Neudorf, Thomme, Cröv, Amel, Waugenies, Bullingen, Manderfeld, Contzen, Düren, Wilre, Eschweiler, Vlatten, Muffendorf, Leus, Paliseul, Freux Chassepiere, Chauvency, Jamognes, Longlier, Cheneux, Meroils, Clotten, Amberloux, Bestogne und Ourth teils mit Sicherheit, teils mit mehr oder minder wahrscheinlicher Vermutung wieder erkennen lassen.Diese Güterausstattung, nach Lage und Bedeutung der Kern des Besitzstandes der Korporationen erhielt einen ferneren Zuwachs durch Kaiser Karl den Dicken, indem dieser im Jahre 877 dem Konvent die Villa Bastogne im Ardennergau zugewandte (Nr. 5) wenige Jahre nach den Verwüstungen von welchen Pallast und Kapelle durch den Einfall der Normannen (881) betroffen worden waren. König Arnulf bestätigte unter dem 13. Juni 888 die Schenkungen beider Vorgänger (Nr. 6). Als darauf am 7. Juli 930 König Heinrich I. Bestätigungsbrief (Nr. 11) der königlichen Kapelle zu Aachen den Bezug der Nona von 47 Villen jener 44 und drei weiterer zu Heim, Burs (Bourre im belgischen Luxemburg) und Linsan (Lincent im Lüttichschen) sowie das Eigentum der Villa Bastogne sicherte, ist zum ersten Male von den Kanonikern daselbst (canonicis in eadem capella domino famulantibus) die Rede, zum Beweise, daß inzwischen dem allgemeinen Entwicklungsgange gemäß der Konvent sich in eine Genossenschaft nach der Regel Chrodegangs umgewandelt hatte. Der Gunst Kaiser Ottos I. verdankte die Korporation nicht nur die Kirche zu Düren (Nr. 12) und die Bestätigung der von dem Grafen Franco gegen den Hof Gelmen im Haspengau, gleichfalls ein Geschenk dieses Kaisers, eingetauschten Besitzungen im Lüttich-, Mühl- und Anelgaue zu Fouron Courcelles, Erkelenz, Oestrich, Berg unter Beeck, Rickelrath, Wassarlar, Limperich, Rammersdorf, Ober-, Niederdollendorf, Rheinbreitbach, Zissendorf, - sodann der Nona von jetzt zusammen 50 königlichen Villen (außer den früher genannten den Villen zu Blaniaco, Blegny, Linai, Linne, Blendofia, Blendeffe, Heldun, Lizan und Satanai, Stenay), sondern auch die Verschmelzung der Abtei Chevremont und deren sämtlicher Besitzungen mit der Palastkapelle. Hiedurch ward Otto I. der zweite Gründer des Stifts (Nr. 14, 15, 16).Die gleich diesem der Jungfrau Maria gewidmete Abtei Chevremont (Caprae montis Revermunt), welche auf einem steilen Felsen an der Mündung der Vesdre in die Maas von Pipin dem Mittlern gestiftet worden, war laut ihren auf die Aachener Korporation übergegangenen königlichen und kaiserlichen Privilegien (Nr. 1, 2, 8, 9, 10, 13) zu Hermal sous Argenteau im Gau Harbanien, Buel in Toxandrien, Vilvorde in Brabant, Grand-Reng und Viez-Reng, Guignies, Achiniagas (Hautrhin), Altporto im Hennegau, Angleur im Lüttichergau und Fresen im Gaue Lominse, ferner zu Wandre und Hasnidi (Esmux oder Astenet), sowie zu Mortiers im Lüttichgaue und zu Herwe in der Oberbetau, begütert; ihr gehörten insbesondere auch die Kirchen und Zehnten zu Waudrez, Hermal, Grand-Reng, Vilvorde, Buel und Herwe. Alle diese Güter gelangten in den unmittelbaren Besitz der Aachener Marienkirche, als Bischof Notker von Lüttich im Jahre 980 das feste Schloß (novum castellum) nebst der Abtei Chevremont von Grund aus zerstört hatte.Wenn auch im Laufe der Zeit die Gefälle mancher und namentlich der entfernteren Villen oder Höfe verloren gingen und daher in den Registern des Marienstifts nicht nachgeführt werden konnten, so war doch auf diese Weise ein Kreis von Besitzungen dem Stift zu Teil geworden, der von Aachen durch das heutige Holland und Belgien bis zu den französischen Grenzen reichte und nach Umfang wie Einträglichkeit der besonderen Würde er königlichen Krönungsstätte entsprach. Durch die Munifizenz mancher römischer Könige und Kaiser, durch anderweitige Schenkung oder Ankauferwarb die Korporation weiterhin, abgesehen von den bald wieder verdunkelten Reichshöfen zu Dortmund im Westfalengaue, Tiel im Gau Teisterbert und Nierstein im Nochegaue (Nr. 18, 20, 21, 22, 23), Höfe und Zehnten zu Traben an der Mosel (Nr. 24, 38, 45, 46, 47), Muffendorf im Bonnergau (Nr. 25), Kesselheim (Nr. 309, 808), Winningen (Nr. 810), Gimmnich, Herve (Nr. 26), Vaels (Nr. 27, 180, 829), Walhorn (Nr. 28, 30, 32, 35), die Vogteien zu Lontzen, Walhorn und Manderfeld (Nr. 29, 32, 35, 57, 805), Höfe und Land zu Richelle (Nr. 31, 171), Hohenbusch (Nr. 37, 86, 220), Richterich (Nr. 41, 44), Sinzig (Nr. 50, 52, 67, 809), die Pfarrkirchen zu Montzen (Nr. 84) und Herstall (Nr. 90), Häuser, Renten, Ackerland und Wiesen in und bei Aachen (Nr. 108, 114, 116, 117, 118, 120, 122, 124, 141, 142, 143, 153, 160, 173, 186, 205, 207, 208, 209, 212, 213, 220, 356, 413, 497, 500, 546, 590, 684, 685, 686, 687, 688, 690, 691, 693, 695, 756, 762, 792), Land und Gefälle zu Düren (Nr. 104), zu Seffenth (Nr. 121), Velpsdael (Nr. 111, 151, 831), Drove (Nr. 150), Hagsittard (Nr. 172), Fleron (Nr. 174, 308, 818), Höfe, Land und Zehnten zu Gülpen (Nr. 90, 188, 633, 634), Bingelraedt (Nr. 159, 170), Müllenbach (Nr. 195, 196), im Pfaffenbroich bei Vaels (Nr. 200), Rimersdael bei Gülpen (Nr. 222), Amel im Jülichschen (Nr. 254, 251, 256, 793), Uersfeld (Nr. 258, 405, 804), Bettendorf (Nr. 285, 286, 289, 295, 795), Oidweiler (Nr. 340, 800), Opherten (Nr. 801), Richterich (Nr. 291, 292, 485, 507), Embken (Nr. 311), Coisdorf (Nr. 385), Etennaken (Nr. 403, 404, 817), Nütt (Nr. 421, 422, 825), Crawinkel im Lande Valkenburg (Nr. 508, 510, 511, 539, 816), Buel (Nr. 521, 556, 815), Boulant (Nr. 639), Sittard (Nr. 666, 828), Weiden bei Aachen (Nr. 806), den sogenannten Rheinacker Zehntenteil bei Sinzig, Coisdorf und Westum (Nr. 745, 749) u. A. m. Von den dem Stift zuständigen Pfarrkirchen und Kapellen - zu Grand-Reng, Vilvorde, Düren, Erkelenz, Chenee, Herstall mit der Filiale zu Boulant, Hermal, Embour, Jupille mit Filiale zu Saiver, Monzen, Fleron, Richelle, Foret, Walhorn, Kettenis, Berensberg, Laurenzberg, Buel, Sinzig, Traben, Winningen - wurden die beiden erstgenannten den Abteien La Cambre und Hautmont erblich verliehen, die übrigen aber teils wie Herstall und Laurenzberg (Nr. 65, 73, 83, 109, 146, 148, 163, 167), Chenee (Nr. 153), Erkelenz (Nr. 297, 303, 306), Sinzig (Nr. 315, 316, 418), Traben (Nr. 553, 554, 579) und Winningen (Nr. 588, 589, 591) dem Kapitel, teils, wie Jupille (Nr. 79, 82, 189, 190) der Dechantenstelle oder wie Buel (Nr. 54) der Kantorei und wie Düren (Nr. 105) der Scholasterei des Kapitels inkorporiert. Fast überall ist es seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Propst, der auf sein ursprüngliches Recht verzichtend dem Kapitel oder die anderen Dignitarien jener Kirchen übergibt.Die schon früh eintretende Trennung der Güter des Propstes von denen des Kapitels, die auch in dem Vergleich wegen Erkelenz 1326 sich ausprägte (Nr. 273), begünstigte die Bildung einer besondern propsteilichen Mannkammer mit zahlreichen größeren oder kleineren Lehen, meist im ehemaligen Herzogtum Limburg (Nr. 783). Zu letzteren zählten Schloß und Vogtei zu Lontzen sowie die Vogtei zu Lontzen, wogegen die Erbvogteien zu Richelle, Herve, Fleron und Mortiers dem Kapitel untergeben waren. Die Appellation vom propsteilichen Lehnhof ging für die innerhalb des Reichs gelegenen Güter auf Düsseldorf, für die Lehen außerhalb des Reichs dagegen an den Hof von Brabant zu Brüssel (Nr. 742).Über Verfassung und Privilegien des Stifts geben dessen Urkunden genaue Auskunft. Kaiser Otto I. verlieh der Korporation im Jahre 966 das Recht der freien Wahl des Abtes oder Propstes (Nr. 14). In der Folge bei völliger Ausbildung der Stiftsverfassung, hing die Kollation der Propstei und der andern Dignitäten mit Ausnahme der Dechantenstelle vom Reiche, d. h. vom jederzeitigen Römischen Könige ab, der als solcher zugleich Kanoniker des Kapitels und Konfrater der Kanoniker, seiner Kapellanen, war. Zu seinem Stellvertreter bestellte der Könige zuerst einen, seit 1318 aber, nach Teilung der betreffenden Präbende, zwei Vikare, die sogenannten königlichen Vikare (Nr. 261, 262, 270). Durch Kaiser Karl IV. ging das Präsentationsrecht zur Propstei sowohl als zu andern Würden und zur Scholasterei, auf die Herzoge von Jülich über (Nr. 310, 478, 481, 523, 654) und ebenso sind die Letztern später im Besitze des Kollationsrechts hinsichtlich der beiden königlichen Vikarien (Nr. 488, 654). Als Würdenträger fungierten beim Stifte fortdauernd der stets dem Stande der Fürsten, Grafen und Edelmannen des Reichs entnommene Propst, der Dechant und der Kantor, als Hauptoffizianten der Scholaster und der Erzpriester der Kirche. Die Würde des Küsters war unterdrückt und deren Einkommen zuerst der Propstei seit 1512 aber dem Kapitel inkorporiert worden (Nr. 583). Der Kanonikate gab es 40, bis Papst Gregor XIII. dieselben im Jahre 1576, um die Anstellung eines Predigers und die Errichtung einer lateinischen Schule zu ermöglichen, auf 32 beschränkte. Die Zahl der Benefizianten, Vikare und Kapläne, welche ehedem 60 betragen hatten, war zu derselben Zeit bis auf 8 gesunken, wurde aber nach der Bestimmung des genannten Papstes wieder auf das Minimum von 28 festgesetzt (Nr. 583, 586, 659). Im Jahre 1778 bestand das Gremium des Stifts außer dem Propst, Dechanten, Kantor oder Chorbischof aus 32 Kanonikern (und zwar 24 Kapitularen einschließlich des Kaisers und 8 Dominzellaren) sowie den 2 königlichen Vikaren, zusammen also aus 37 Personen. Als die vornehmsten der Kapitularen galten die 7 Kardinalpriester und Kardinaldiakonen, welche durch Privilegium des Papstes Gregor V. vom Jahre 997 eingeführt und neben dem Erzbischof von Köln und dem Bischof von Lüttich allein berechtigt waren, am Hoch- und Marienaltar in der untern Kapelle der Apsis Messen zu lesen (Nr. 17, 18, 764). Die Stellvertretung des Propstes lag dem Vitzdom, die des Dechanten dem Vizedechanten oder nach Umständen dem Senior des Kapitels ob.Wer zu einem Kanonikat beim Stift zugelassen werden wollte, mußte in rechtmäßiger Ehe geboren, edlen oder ritterlichen Geschlechtes oder in einer der vier Fakultäten akademisch graduiert sein. Noch Kaiser Friedrich III. schärfte im Hinblick auf die Würde des Krönungsstiftes unter dem 18. Juni 1442 diese Bestimmungen ein, mit dem Zusatz, daß auch die aufzunehmenden Ritterbürtigen verpflichtet seien, eventuell nach der Aufnahme das Trimmium zu absolvieren (Nr. 391, 393, 414, 416, 465, 764). Im Jahre 1449 verordnete der Kardinaldiakon Johannes von St. Angelo als päpstlicher Legat in Deutschland, daß die ersten fünf zur Erledigung gelangenden Kanonikate nur an Magister der Theologie und an Doktoren oder Lizentiaten des Kanonischen und bürgerlichen Rechts vergeben werden sollten, die als Seelsorger und Lehrer zu wirken hätten (Nr. 477). Und auch die am weitesten gehenden Anordnungen gestatteten die Aufnahme nicht Graduierter und nicht Ritterbürtiger allein unter der Bedingung, daß dieselben vor dem Beginn des ersten Jahres ihrer Residenz das Bakkulaureat erlangten (Nr. 414, 416).Nicht minder als die Bedingungen der Aufnahme waren Residenz und Absenz der Kanoniker, sowie der Turnus, in welchem die Glieder des Stifts anstatt des ganzen Kapitels in den ordentlichen Monaten die Präsentation zu den vakanten Präbenden ausübten, durch Statuten geregelt (Nr. 138, 140, 218, 241, 253, 307, 727). Auch für das päpstliche Provisonsrecht in den apostolischen Monaten und für das Königliche Privilegium der Ersten Bitte finden sich in den nachstehend verzeichneten Urkunden manche Belege. Daß abgesehen von der Fixierung der Präsenzgefälle beim Chordienste über die Verteilung der kirchlichen Opfer zwischen Propst, Kapitel und den messelesenden Priestern öfter verhandelt wurde (Nr. 66, 99, 102, 235, 586) ist bei dem außerordentlichen Zudrange an Andächtigen, der die Stiftskirche stets auszeichnete, erklärlich genug.Das Marienstift war dem päpstlichen Stuhle unmittelbar untergeben und daher von der Diözesengewalt des Bischofs von Lüttich in dessen Sprengel Aachen seit dem 10. Jahrhundert fiel, gänzlich befreit. Zu den Privilegien der Korporation gehörte insbesondere auch, daß sie zur Verleihung von Präbenden, Benefizien oder Renten an Dritte durch Erlasse des Papstes oder seiner Legaten nicht gezwungen werden konnten (Nr. 129) sowie daß kein Deligierter der Römischen Kurie oder ihrer Legaten Exkommunikation, Suspension oder Interdikt über das Kapitel oder dessen Glieder anders als zufolge besonderen päpstlichen Mandats verhängen durfte (Nr. 136). Die Besitzungen des Stifts in den Herzogtümern Jülich, Limburg und Brabant waren steuer- und schatzfrei (Nr. 522, 592) und hinsichtlich seiner Kornfrüchte und Weine genoß dasselbe auf Grund eines vom Papst Honorius III. bestätigten Privilegiums Kaisers Friedrich II. Zollfreiheit zu Wasser und zu Lande (Nr. 71, 187, 198, 313, 324, 332, 336, 533, 535, 580, 636, 741). Das glänzendste Privilegium aber bildete für Stift wie Stadt das Recht auf die Krönung des Römischen Königs, das auch durch die goldene Bulle Kaiser Karls IV. bestätigt worden war. Zum letzten Mal ward die Krönung Karls V. mit altherkömmlichem Pomp unter Spendung der Ergötzlichkeit und des Krönungsweins für die Konfratres vollzogen (Nr. 603). Seit die Ungunst der Umstände (zuerst unter Maximilian II.) dem Stifte das Vorrecht tatsächlich genommen, mußte dasselbe sich mit den jedesmal vom König und den Kurfürsten erteilten Reversen de non praeiudicando und der Geleitung der Krönungsinsignien durch eine Krönungsgesandtschaft nach Frankfurt am Main oder Regensburg begnügen (Nr. 645, 647, 679, 682, 730, 757, 758, 770, 771, 773).Das innere Leben der Korporation spiegelt sich in den Statuten wie in den Nachrichten, welche das Stiftsarchiv über die Reliquien oder Heiligtümer der Marienkirche und die Pilgerfahrten zu den letzteren enthält (Nr. 40, 66, 241, 274, 280, 355, 361, 377, 419, 441, 718, 781, 789). Der Propst hatte während der alle sieben Jahre zwei Wochen lang stattfindenden und am Kirchweihfest beginnenden Ausstellung der großen Heiligtümer für die Kosten und Bedürfnisse des Kapitels aufzukommen so wie demselben nach Beendigung der Heiligtumsfahrt aus dem ihm gebührenden Anteile am Opfergeld 400 Gulden auszuzahlen (Nr. 441). Auf dem Liebfrauenturm hielt das Kapitel bei der Ausstellung ein Festmahl, zu dessen Kosten der Propst beizusteuern verpflichtet war (Nr. 377). Über die Aufbewahrung der Reliquien entstanden Mißhelligkeiten zwischen dem Kapitel U. L. F. und dem Rat von Aachen, da der letztere sehr erklärlicher Weise ein großes Interesse an einer möglichst sorgfältigen Erhaltung der Heiligtümer hatte. Der Streit wurde im Jahre 1425 durch ein Laudum des Herzogs Adolf von Jülich-Berg geschlichtet, wonach das Kapitel einen kupfernen Behälter für die Heiligtümer anfertigen lassen mußte der zur Zeit der Ausstellung jedesmal von einem durch beide Teile bestellten vereidigten Schmied eröffnet und wieder verschlossen wurde (Nr. 432). Später wurde es üblich, daß zwei Eisenschmiede, der eine von wegen des Kapitels und der andere von wegen der Stadt, dabei fungierten, bis man im Jahre 1680 übereinkam, daß ein von beiden Teilen vereidigter Goldschmied genüge (Nr. 718). Unter den Reliquien der Stiftskirche nehmen außer den Reliquien der heiligen Jungfrau, deren Capsa schon 1220 in Arbeit war (Nr. 66) wogegen in geschichtlicher und archäologischer Hinsicht die Reliquien Karls des Großen besondere Aufmerksamkeit (Nr. 40, 280). Kaiser Friedrich I. war es bekanntlich der im Jahre 1166, die Grabesruhe seines großen Vorfahren nach Otto III. Beispiele zum zweiten Male störend, die Kanonisation und feierliche Erhebung der Gebeine desselben veranlaßt hatte (vgl. übrigens in Betreff der Reliquien und Heiligtumsfahrten namentlich die Schriften von Christ. Quix, Historische Beschreibung der Münsterkirche und der Heiligtumsfahrt, Aachen, 1825 und von Dr. H. J. Floß, Geschichtliche Nachrichten über die Aachener Heiligtümer, Bonn, 1855. Die neuerdings wieder mehrfach verhandelte Frage über die ursprüngliche Begräbnisstelle Karls wird durch die Urkunden nicht weiter aufgeklärt). Mit den Pilgerfahrten stand die Errichtung verschiedener Kapellen und Altäre der Stiftskirche in engem Zusammenhange, wie der Ungarischen Kapelle an der zwei ungarische Priester angestellt waren, gestiftet im Jahre 1374 durch König Ladislaus von Ungarn, des Altars des Heiligen Wenzel (Altare Bohenorum) und des Slawonischen Benefiziums, der 4 doctores ecclesiae und der heiligen Methodius und Cyrillus welches letztern im Jahre 1495 gegründet wurde (Nr. 338, 351, 429, 458, 469, 483, 488, 489, 576, 692, 786, 787). Die Kollation dieser Kaplaneien und Vikarien wurde von den Stiftern und deren Rechtsnachfolgern, beziehungsweise den Königen von Ungarn und von Böhmen, so ie den Magistraten von Laibach und Krainburg in Illyrien ausgeübt. Außer diesen werden in den Nachrichten des Stiftsarchivs folgende Kapellen, Altäre und Vikarien aufgeführt:Der Liebfrauenaltar in der unteren Chorkapelle (Nr. 97, 181, 235, 377). Die Sakristeikapelle mit einer gleichfalls zur Sakristei benutzten Vorhalle, in welcher die Mitglieder der im Jahre 1452 gestifteten Muttergottesbruderschaft (?) ihre Begräbnisstätte hatten (Nr. 358, 569). Die Annakapelle oberhalb der Sakristeien (?) (Nr. 212, 569). Die Nicolauskapelle links vom Turm, deren Patronat der Dechant besaß (Nr. 220, 222, 476, 557, 585) mit einem Altar zu Ehren des Heiligen Maternus, einem später hinzugekommenen zweiten Andreasaltar und mehrerer Kaplaneien (Nr. 557, 615); die unter dem Patronat des Propstes stehende Michaelskapelle (Nr. 495, 550) und die Karlskapelle (Nr. 670), beide im Hochmünster, die Kapelle der heiligen Catharina im Paradies (Nr. 97, 110, 116, 441), die Kapelle des heiligen Papsts Gregor des Großen im Eingange (Nr. 277), die Kapelle des heiligen Johann Baptist unweit der Wolfsthürn (Nr. 407, 786); der Jodocusaltar, dessen Kollator der herzog von Jülich war (Nr. 487, 523, 704), der Altar der heiligen Cornelius und Cyprianus (Nr. ...), der von Herzog Heinrich von Lothringen-Brabant 1223 gestiftete Altar der heiligen Simon und Judas unter der ehemaligen Orgel vor dem sogenannten Königsstuhl (Nr. 56, 78, 82, 425, 459, 513, 527, 567, 632, 711), die Sayn'sche Kapelle oder Altarvicem s. Simeonis Justi im Hochmünster, welche der Propst Gerhard Graf von Sayn im Jahre 1455 fundierte (Nr. 491, 516, 531, 676, 717, 786, 787). Die Salvatorkapelle auf dem Salvatorberg bei Aachen wurde dem Dekanat des Stifts inkorporiert (Nr. 4, 498, 786). Der Dechant war wie gewöhnlich der Pastor des Stifts; da die Marienkirche aber zugleich Pafrrkirche war, fungierte als Pfarrer der Stadt der Erzpriester (archiplebanus) den der zeitige Herzog von Jülich aus der Mitte der Kanoniker ernannte und dem unter Anderen das Patronat der Kapelle des Hospitals zum heiligen Johann Baptist gehörte (Nr. 237, 259, 563). Der Pfarrgottesdienst wurde ursprünglich in dem Hochmünster gehalten, in Folge der zunehmenden Bevölkerung der Stadt aber später in die benachbarte Kapelle zum heiligen Foilan verlegt, wobei indeß die Taufe der Mutterkirche verblieb (Quix, Gesch. Aachens II., S. 83).Von dem täglichen Kultus der Kirche, dessen Festen, Memorien, Messen und besondern Stiftungen Bruderschaften wie des Johannis und Muttergottesbruderschaft gewähren die Urkunden des Stifts (z. B. Nr. 62, 113, 116, 122, 431, 468, 566, 581, 585, 674) eine deutliche Vorstellung. Auch des Dreikönigenleuchters (Nr. 113, 581), der Kerze des heiligen Kaisers Karl und des St. Petersbildes im Liebfrauenchore (Nr. 566) sowie des Tragaltars, dessen Gebrauch der Kardinal Pileus ind en Jahren 1379 und 1380 dem Stifte verstattete geschieht Erwähnung. Bezüglich der Baugeschichte des Münsters vernehmen wir, daß Kaiser Friedrich II. für die Herstellung der Kirchengebäude und Kirchenfenster und für die Anschaffung neuer Kirchenbücher Sorge getragen habe, wozu eigentlich der Propst v erpflichtet gewesen (Nr. 66). Als die Belagerung Aachens durch den römischen König Wilhelm 1248 Stadt und Stiftskirche schwer beschädigt hatte, wurde mit Genehmigung des Königs und des Papstes Innocenz IV. vom Kapitel bestimmt, daß die Einkünfte aller vakanten Präbenden vier Jahre lang zum Wiederaufbau der Kirche verwendet werden sollten (Nr. 128, 135). Zu dem Bau des neuen Chors, dessen Anregung man gewöhnlich dem Ritter Wilhelm Chorus zuschreibt, überwiesen Propst Gerhard von Virnenburg und das Kapitel 1355 aus ihren beiderseitigen Einkünften je den Betrag einer vollen Kanonikalpräbende als jährliche Rente (Nr. 323). Es wird dabei von ihnen ausdrücklich hervorgehoben, daß der Chorbau des dringenden Raumbedürfnisses wegen beschlossen worden sei. In den Jahren 1390 und 1404, in welchen erneuerte Festsetzungen wegen der Beiträge des Propstes Grafen Wilhelm von Wied zu den Baukosten zwischen diesem und dem Kapitel vereinbart wurden (Nr. 377, 397), war der Bau noch im Gange; 1413 soll derselbe vollendet und eingeweiht worden sein (Noppius, Aachener Chronik, S. 21). Der Vergleich mit der Stadt von 142 (?) (Nr. 430) gedenkt daher des Heiligtumskastens im "neuen Werke". Auf viele Einzelheiten, innere Streitigkeiten wie äußere Fehde oder Bedrückungen des Stifts, von welchen letzteren päpstliche, königliche und fürstliche Schutzbriefe zeugen, auf Frevel und Sühne im Gotteshaus in der wilden Zeit des 15. Jahrhunderts (Nr. 435, 512), die erbitterten konfessionellen Kämpfe der Stadt gegen Endes des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, auf manche besondere Einrichtungen, Rechts- und Besitzverhältnisse, z. B. die Bäder (Nr. 91, 272) und Wassergerechtsame des Stifts, die Baupflicht des Kapitels als Dezimators von Pfarrkirchen (z. B. im Bezug auf Vaels (Nr. 245, 472)) in und bei der Stadt, vermögen wir hier nicht näher einzugehen, ohne die Grenzen dieser Übersicht zu überschreiten.ArchiveinteilungWas das Stiftsarchiv selbst betrifft, welches ehedem in 3 Hauptabteilungen, das große, kleine und das propsteiliche Archiv zerfiel und in einem besondern Kapellenraum oberhalb der Sakristei aufbewahrt wurde, so hat dasselbe im Laufe der Zeit manche seiner älteren Originalurkunden eingebüßt. Von den Kartularen sind nur die jüngeren meistens dem 15. Jahrhundert angehörig (Nr. 776-779) zum hiesigen Staatsarchiv gelangt, wogegen der liber privilegiorum, aus dem Ende des 12. Jahrhunderts eine Handschrift in Quarto oder Großoktav von 28 Pergamentblättern mit etwa 42 Urkunden (vgl. Quix, Cod. Aquens. diplom., p. 1 und 28; Lacomblet, Niederrheinisches Urkundenbuch I, Einleitung p. X) nebst einer Ordo coronationis aus demselben Jahrhundert und mehreren andern der ältesten Handschriften des Stifts sich im Drittbesitze zu Aachen befindet und ein anderes, von dem Verfasser der histoire de Limburg, dem Kanoniker und Pfarrer Ernst zu Afden, sowie dem Baron von Reiffenberg benutztes Kopiar, wahrscheinlich aus dem 12. bis 13. Jahrhundert, spurlos verschwunden ist (Ernst, Hist. de Limburg, ed. Lavalleye, tom VI, p. 83, s. 99 und den Anhang der Chronique de Philipp Mouskes, herausgegeben von dem Baron von Reiffenberg (in der Sammlung belgischer Chroniker), p. 548-562. Die Handschrift, welche Ernst und Reiffenberg benutzten und die von beiden unter übereinstimmender Folienbezeichnung zitiert wird, zählte mindestens 113 Blätter).Sowohl das Nekrologium aus dem 13. Jahrhundert (Nr. 780) als ein sehr großer Teil der Urkunden des Marienstifts sind von dem verstorbenen Oberlehrer Quix zu Aachen in einer Reihe von Publikationen, namentlich in dessen Codex diplomaticus Aquensis veröffentlicht (Tom I pars 1 erschien 1839, Tit. 1 pars 2 im Jahre 1840) dieses Quixsche Urkundenbuch, dessen Texte wie die aller Schriften dieses fleißigen aber unkritischen Sammlers übrigens äußerst fehlerhaft und zuweilen fast unbrauchbar sind, reicht bis zum Jahre 1350. Lacomblet hat in dem Niederrheinischen Urkundenbuche die älteren Kaiserurkunden und verschiedene andere der wichtigsten Dokumente der Korporation in berichtigter Gestalt herausgegeben.Anmerkung: Die vorstehend angegebenen Nummern beziehen sich auf die laufende Zählung im analogen Altfindbuch 120.13.1-2. Es handelt sich nicht um Bestellsignaturen !Reihenfolge der Pröpste und DechantenPröpsteFolcharius, Abt, 887Brun, erster Propst, 966Thietmar, + 1024Tiricus, + 1051Altmann, + 1092Wecelo, + 1109Ruopert, 1072Conrad, 1076-1094Godescalc, 1098Albert I., 1108Arnold I., 1112Hugo, 1129-1134Arnold II., 1138Albert II., 1153-1158Otto I., 1166-1174Godwin, 1180Philipp von Schwaben, 1192Conrad, 1194Wilhelm, 1197-1213Engelbert von Berg, vor 1218Otto II., 1220-1236/65 (?)Heinrich, 1240-1244Otto III., 1248-1265Martin, 1265Walram von Jülich, 1273-1286Heinrich von Klingenberg, 1292Wiebold von Holte, 1298Otto von Oberstein, 1308Gerhard I. von Nassau, 1308-1312Heinrich von Sponheim, 1323-1344Godfried von Heinsberg, + 1345Gerhard II. von Virneburg, 1350-1355Wilhelm von Wied, 1364-1410Johann von Loen, 1412Johann von Büren, 1420-1422Gerhard III. Graf von Berg, 1429-1434Gerhard IV. Graf von Sayn, 1438-1451Friedrich von Neuenahr, 1456Reiner von Palant, 1467-1474Hermann Landgraf von Hessen, 1474-1508Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern, 1508-1541Johann von Vlatten, 1541-1562Heinrich von Vlatten, 1563-1625Carl von Metternich, 1626-1636Johann von Eynatten, 1636-1653Franz I. Egon Graf von Fürstenberg, 1653-1663Franz II. Robert Graf von Aspremont-Lynden und Reckum, 1663-1681Peter Dionysius de Goer de Herve, 1681-1706Philipp Friedrich Ambrosius Graf von Schellardt zu Obbendorf, 1706-1721Franz Joseph Graf von Manderscheid-Blankenheim, 1721-1772Clemens Vincenz Franz Freiherr von Belderbusch, kurkölnischer Staats- und Konferenzminister, 1773-1794DechantenHezelo, 1108-1124Winrich, 1140Ruter, 1157Stephan, 1173-1174Conrad, 1191-1192Theoderich, 1197Winand, 1208Johann, 1222Sibodo, 1224-1235Theoderich, 1238-1243Garsilius, 1245-1268Reimar, 1273Walram von Jülich, 1279, 1289Wolfram, 1281Godfried von Ruremonde, 1285-1312Garsilius von Mülenar, 1314Arnold von Frankenberg, 1316-1330Godfried, 1337Hermann Blankart, 1337-1353Rembodo von Vlodorp, 1360-1365Godfried von Vlodorp, 1401-1416Heinrich von Ymbermunte, 1419-1420Edmond von Malberch, 1438-1461Peter Wynemar von Erkelenz, 1461-1517Johann von Schoenradt, 1533-1536Robert von Wachtendonk, 1569Franz Foss, 1586Johann von Thomberg gen. Wormbs, 1597-1610Heinrich Strauven, 1612-1626Heinrich Theob. von Eynatten, 1632-1639Walrand von Gülzen zu Wodenraedt, 1668Johann v. d. Lynden, 1682Adrian Carl Freiherr von Draek, 1695-1708Johann Wilhelm Freiherr von Colyn gen. Beusdal, 1715-1723Friedrich Wilhelm von Wylre, 1723-1739Ludwig Johann Albert Graf von Schellardt, 1739-1744Wilhelm Raymund Freiherr von Bierens, 1759-1787Conrad Hermann Cardoll, 1787-1802Das analoge Altfindbuch 120.13.1, S. 19-22, gibt bei vorstehender Zusammenstellung außer den Stiftsurkunden einige Kataloge im Aktenarchiv und die Listen bei Quix (Geschichte der Stadt Aachen I. S. 75 II. S. 94) sowie die in anderen Archivteilen vorkommenden Träger der einen und anderen Dignität an [Vorkommen: 1) bei Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 2) (laufende) Nummern des Archivrepertoriums, 3) an anderweiter Stelle].

Literatur :
s. Kunstdenkmäler X 1, 1916, S. 1 ff.; Gesamtinhaltsverzeichnis der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. 1165, 1957, S. 33 ff.; L. Boiteux, Dict. d' hist. et de géogr. eccl. 1, 1912, S. 1257 ff.; H. Lichius, Die Verfassung des Marienstiftes zu Aachen bis zur französischen Zeit, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 37, 1915, S. 1 ff.; O. Gatzweiler, Die liturgischen Handschriften des Aachener Münsterstiftes, in: ebda. 46, 1924, S. 1 ff.; W. Rober, Die Beziehungen zwischen der Stadt Aachen und dem Marienstift bis zur französischen Zeit, in: ebda. 47, 1925, S. 1 ff.; L. Freiin v. Coels, von der Brüggen, Die Lehenregister der propsteilichen Mannkammer (= Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde 52, 1952); G. Rotthoff, Studien zur Geschichte des Reichsguts in Niederlothringen und Friesland während der sächsisch-salischen Kaiserzeit (= Rheinisches Archiv 44, 1953); A. Brecher, Die kirchliche Reform ..., 1956, S. 324 ff.; V.H. Elbern, Zum Verständnis und Datierung der Aachener Elfenbeinsitula, in: Das 1. Jahrtausend, Textband 2, 1964, S. 1068 ff.; A. Verbeek, Zentralbauten in der Nachfolge der Aachener Pfalzkapelle, in: ebda., S. 898 ff., 900 Anm. 3-5 Lit. zur Baugeschichte; C.G. Fürst, Cardinalis, 1967, S. 119 ff. (betr. die cardinales des Marienstiftes); E. Meuthen, Die Aachener Pröpste bis zum Ende der Stauferzeit, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 78, 1966/67, S. 5 ff.; Elmar Aretz, Die Stellung des Aachener Marienstiftes im Lütticher Diözesanverband, Kölner iur. Diss., 1966; Fritz Ramjoué, Die Eigentumsverhältnisse an den drei Aachener Reichskleinodien, 1968Die Literatur zur Heiligtumsfahrt s. bei H. Schiffers, Der Reliquienschatz Karls des Großen (= Veröffentlichungen des bischöflichen Diözesanarchivs 10, 1951); für die Lit. über die Königskrönungen und den Dom sei verwiesen auf die im Anfang genannten Übersichten.ErgänzungsüberlieferungDomarchiv Aachen s. Rep. H 2 fIm Stadtarchiv AachenHs. 333) Kartular des 13. Jhs. (779-1192) (s. Wisplinghoff, Ältere rheinische Urkunden 1, S. 11 Anm. 1); Hs. 301) Zu einem Kartular zusammengefasste Einzelabschriften des 17./18. Jhs.; Hs. 42) Statuten des 15. Jhs.; Hs. 17) Abschriften und Auszüge der Statuten von Hand des Kanonikers Fell, ca. 1800; acc. 1919 (8) Totenbuch des 14. Jhs. (vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 46, S. 187); acc. 1919 (8 b-d), 1368 und 14. Jh.: Zinsregister und 1 Bruderschaftsbuch (Unserer lieben Frau) aus dem 14. Jh. aus der Sammlung Wangemann (s. Kunstdenkmäler X 1, S. 45); Hs. 940) Sammelband, Urkundenabschriften, Listen der Kanoniker usw. aus dem Besitz von K. Faymonville (s. Kunstdenkmäler X 1, S. 45); Akten der Propstei betr. Renten zu Lontzen, 1564, den Zehnthof zu Düren, 1612, Rechnungsbuch, 1720-1754; zur Ergänzung s. auch Urkunden Abt. D und Aktensammlung Pick 875) Beziehungen zum Marienstift 1682-1761; 874) Propsteiliche Mannkammer, (1542)-1735; 873) Vicarii regii, 1690-1699; 932) Ungarische Kapelle, (1347)-1772; 379) 380) Neue Registratur 81/2 I) 1054) Heiligtumsfahrt I-IV, (1425)-1757, Bd. V) Wiener Spende s. Hs. 200Im Diözesanarchiv AachenHs. 358) Urkundenkopiar, 1698; Hs. 360) Verzeichnis der Geistlichkeit, ca. 1800; Hs. 361) Onomasticon (Abschrift von 1833) (s. H. Schiffers, Die Pfarre Hünshoven, in: Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs Aachen 12, 1951, S. 190)In der Staatsbibliothek Berlin, z.Zt. in der Westdeutschen Bibliothek MarburgHs. lat. 4° 324) Liber privilegiorum, Ende 12. Jhs. (s. Wisplinghoff, Ältere rheinische Urkunden 1, S. 11, Anm. 1); Fotokopie im Stadtarchiv Aachen Bl. 65r Urkunden, 65r-69In der Öffentlichen Bibliothek BerlinAus der Sammlung Quix Ms. boruss. in folio 745) Schreibbuch der Gesellschaft Unserer Lieben Frau, 1622 ff.; 757) Kopialbuch des 16. Jhs.; 770) Ansprüche des Kapitels auf die Kirche zu Jupille, 15.-18. Jh.; 772) Prozessschriften, Kapitel gegen Stadt, 15.-17. Jh.; Mss. in 4° 238) Auszüge aus den Mannkammerprotokollen 1395-1772; s. auch 275 und 280; 239) Neuere Urkundenabschriften, 1222-1357; 242) Registrum censuarium, 1696-1734; 280 und 282) Urkundenabschriften von Quix (s. Aus Aachen Vorzeit 4, 1891, S. 109 ff.)Bonn, UniversitätsbibliothekHs. S 1559, Reste (8 Bll.) eines Sammelbandes von ca. 1200, (16.-30. Dezember), Rest eines Totenbuches (vgl. Huyskens, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 47, 1927, S. 285 ff.), Bl. 1' Lektionsverzeichnis; Bl. 3' Fälschung auf den Namen Karls des Großen und Bestätigung von 1166 Januar 8 (vgl. G. Rauschen, Die Legende Karls des Großen, in: Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde 7, 1890, S. 149 ff.); Bl. 6) Reliquienverzeichnis (vgl. Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 121, S. 7 ff.; Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs Aachen 5, S. 175 ff. und 10, S. 81 ff.); Weihenotiz von 1076 (s. Quix, Cod. dipl. Aquensis 1, S. 31, und Neues Archiv 41, S. 569); Bl. 6/2 Census fratrum Aquensium und Verzeichnis der königlichen Tafelgüter (s. Neues Archiv 41, S. 572 ff.); Bl. 7) Urkunden, 1158-1174; vgl. P. Otto u.a., Rheinische Handschriften der Universitätsbibliothek Bonn 1 (dort die Lit); Beschreibungen 1. Levison, in: Neues Archiv 41, S. 559 ff., und Gatzweiler, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 46, 1924, S. 192 ff.Brüssel, Bibliothèque RoyaleMs. 14768) Statuta, 17. Jh. (s. van den Gheyn 6, Nr. 4197); Nr. 21276 und 22135) Prébende du Chapitre royale à Aix la Chapelle, 17. Jh. und 1765 (s. ebda., Nr. 4200 f.); Weiteres s. Kunstdenkmäler X 1, S. 43 f.In der Diözesanbibliothek KölnHs. 232) Rechnungsbuch 1) Einnahmen aus Eynatten, Walhorn, Richterich; 2) Abrechnung des Kellners J. Payen, 1373Im Stadtarchiv Köln13 Urkunden (1108-1791), Haupturkundenarchiv Nr. 11 e, 72 a, 98 a, 130 a, 198 a, 286 a, 332 a, 11055, 12769, 13831, 14367, 16042, 19717Im Stadtarchiv Monschau5 Urkunden, 1185-1268 (s. Tille 3, S. 224 f.)Im Bistumsarchiv Trier2 Urkunden, 1339 und 1446In Paris, Bibliothèque Nationale1 Papsturkunde (1418); 1 Kopiar des 18. Jhs. (s. Mitteilungen der Preußischen Archivverwaltung 8, S. 20 und 37)Über die liturgischen Handschriften s. Gatzweiler, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 46, S. 1 ff.Weiteres s. Kunstdenkmäler X 1, S. 40 ff.Hs. B VIII, 2) Abschriften betr. Stift Aachen aus Archiv de la Cambre (Provenienz: La Cambre) (Arch. gén. Brüssel, Bibl. royale Brüssel)Das Wappen des Stifts von 1766 findet sich: Akten Nr. 29

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