Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.2. Geistliche Institute
1.2.2. E - H
1.2.2.27. Herrenstrunden
Herrenstrunden, Urkunden AA 0313
121.04.00 Herrenstrunden, Johanniterkommende
Permalink des Findbuchs


Signatur : 121.04.00

Name : Herrenstrunden, Johanniterkommende

Beschreibung :
Geschichtliche Übersicht

Der Johanniterorden bildete bekanntlich nach seinem gemeinschaftlichen militärisch religiösen Zweck, eine Genossenschaft und Gesamtheit, welche nach den verschiedenen christlichen Nationen in acht Zungen eingeteilt war, deren jede in Priorate und Balleien zerfiel, worunter die einzelnen Häuser und Güter standen, die als Kommenden, ähnlich den kirchlichen Benefizien, den Rittern verliehen wurden. Überall, wo der Orden Fuß gefasst, sind zunächst einzelne Häuser entstanden, welche von Ordensrittern bewohnt wurden; später wurden mehrere zu einer Kommende, endlich mehrere Kommenden unter sich verbunden. Die auf die verschiedenen Ordenshäuser sich beziehenden Urkunden bilden daher, nachdem die gedachte Vereinigung eingetreten, ein gemeinschaftliches Archiv. In der Verwaltung der Ordensgüter, namentlich in den Lagerbüchern und Rechnungen, hat jedoch fortdauernd eine Trennung nach den ursprünglichen Häusern bestanden, welche daher auch bei dem Ordnen und Verzeichnen der Akten beibehalten worden.
Die einzelnen Ordenshäuser, worauf sich die nachfolgenden Urkunden beziehen, sind, nach der Zeitfolge ihres Entstehens, Duisburg, Burg und Solingen, Herrenstrunden, Walsum, Velden und Düren.

Duisburg

Schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts ward die Johanniterkirche zu Duisburg, welche ihr Entstehen wohl dem Erzbischof Arnold II. von Köln verdankt, in dessen Auftrage geweiht (s. Herrenstrunden, Urkunden Nr. 1) und bald nachher erhielt sie einen Teil der Stadt als Pfarrbezirk (s. ebda., Nr. 2). Im folgenden Jahrhundert wurden ihr Häuser und Höfe geschenkt (s. ebda., Nr. 4, 9, 12) und ein Ordensmeister hat seinen Sitz bei derselben (s. ebda., Nr. 15, 25, 28). Das Ordenshaus Duisburg erhielt verschiedene päpstliche Privilegien (s. ebda., Nr. 52, 54).

Komture (soweit festzustellen):

· Engilhard, provisor - 1209
· Heinrich, domus magister, dispensator - 1228-1251
· Giselbert - 1271
· Johann Honderthossen - 1341
· Ludolf - 1357
· Lubbert von Dehem (Deem) - 1368
· Macharius von Kuckelsheim - 1376
· Johann Vogel - 1401-1407
· Gerhard Vuyst - 1418-1428
· Gerhard von Friemersheim (Vrymersheim) - 1433-1434
· Heinrich von den Loe - 1437
· Heinrich Wyttenbach (Wyttenberg) - 1449-1451
· Dietrich Amelonck - 1479-1491
· Heiffert (Heyvart) Vogelsanck - 1521-1529
· Nicolaus Stoltz von Gaubickelheim - 1526-1535
· Adrian Inchus (Innckhuiss) - 1535-1543
· Johann Victor(s) - 1549-1554
· Joachim Spar - 1551-1569
· Dietrich Brandt - 1569-1578
· Wilhelm von Loeben - 1582-1587
· Arnold von Lülsdorf - 1591-1605
· Graf von Thurn und Valsasina - 1791

Burg und Solingen

Nachdem die Grafen von Berg ihren gleichnamigen Stammsitz 1133 zur Gründung einer Abtei hergegeben, erbauten sie ein neues Bergschloss, welches den Namen Neuenberg (novus mons, novi montis castrum) oder Neuenburg (der jetzige Ort Burg bei Solingen) erhielt; während später die Abtei Berge den Namen Altenberg annahm. Auf dieser Neuenburg errichtete Graf Engelbert von Berg (+ 1193) eine Pflanzung des Johanniterordens, dem er eine Schlosskapelle mit vielen Besitzungen und Renten überwies und deren Ordensbrüder er zu Tischgenossen machte. Die Stiftungsurkunde fehlt zwar, wird aber durch eine Urkunde des Grafen Adolph von Berg ersetzt, worin derselbe, als er 1217 im Begriffe stand, dem Kreuzzuge sich anzuschließen, die Stiftung seines Vaters wiederholt und bestätigt (s. Herrenstrunden, Urkunden Nr. 5). Schon 1160 hatte ein Ministerial des Grafen von Berg, Warner von Berhausen, der Johanniterkirche zur Burg einen Zins zugewiesen (s. ebda., Nr. 2). Engelbert von Berg, Erzbischof zu Köln, schenkte derselben Güter zu Büchel (Steinbüchel) und zu Lo (Miseloe) (s. ebda., Nr. 6-7) und bald folgte fast die ganze Ritterschaft dem Grafen von Berg, diesem Ordenshause Güter und Renten zuzuwenden (s. ebda., Nr. 8, 10-11, 14, 17, 19-24), welche Schenkungen um so wichtiger sind, als sie meistens von den Bergischen Dynasten beurkundet worden. Im Jahr 1280 schenkte Graf Adolph von Berg mit seiner Gemahlin Elisabeth die Kostbarkeiten ihrer Schlosskapelle dem Orden, was der Großmeister Hermann von Brunshorn beurkundete (s. ebda., Nr. 29).

Komture (soweit festzustellen):

· Theodericus, provisor - 1241
· Petrus, provisor ... in novo castro - 1251
· Alexander, provisor ... in novo castro - 1265
· Erwin, Komtur zu Burg - 1260-1281
· Wilhelm, Komtur zu Burg - 1302
· Engelbert Rusilpaffe - 1328, 1343, 1353
· Schilling van Rode - 1353, 1354 (zu Strunden und Burg)
· Engelbert Rusilpaffe - 1358-1359
· Pilgrim von Rode (Royde) - 1359-1366/74
· Johann von Welpe - 1369
· Matthias von Tuschenbroich - 1384-1387
· Simon gen. Wirt - 1387
· Wirrich von Oysthem - 1415
· Wilhelm von Morck - 1438-1445
· Peter von Bergzabern - 1479-1483
· Peter Stoltz von Bickenheim - 1496-1500
· Nicolaus Stoltz von Gaubickelheim - 1505-1535
· Joachim Spar - 1554-1562
· Wilhelm von Loeben - 1582-1587
· Arnold von Lülsdorf - 1591-1605
· Graf von Thurn und Valsasina - 1791

Herrenstrunden

Von dem kleinen Flusse Strune hat ein Dorf daselbst und das Johanniterordenshaus Strune den Namen erhalten. Dem Letzteren ward später zur Unterscheidung, wegen der dort residierenden Ritter, die Benennung Herrenstrunen, endlich Herrenstrunden beigelegt. Dasselbe besteht schon im Jahre 1305 (s. Herrenstrunden, Urkunden Nr. 46) und hat wahrscheinlich schon 1277 (s. ebda., Nr. 26) bestanden, indem das daselbst genannte Ordenshaus Herkenrath später als unter Herrenstrunden begriffen, angegeben wird. Im Jahre 1328 ist Herrenstrunden schon eine Ordensballei (s. ebda., Nr. 61), etwas später Heinrich von Selbach Kommendeur derselben (s. ebda., Nr. 64-65).

Komture (soweit festzustellen):

· Hermann von Mainz - 1302
· Heinrich von Bottlenberg - 1318
· Otto von Spanheim - 1319
· Heinrich von Selbach - 1328-1347
· Schilling van Rode - 1354
· Heinrich von Ahrweiler (Alwilre) - 1371-1377
· Matthias von Tuschenbroich - 1379-1387
· Heinrich Zeuwelgin - 1422-1427
· Gottschalk Vese - 1487
· Heinrich Bruwer, Statthalter zu Herrenstrunden - 1493
· Peter Stoltz von Bickenheim - 1496-1500
· Nicolaus Stoltz zu Gaubickelnheim - 1512-1535
· (Thomas Richertzogen (Rychertzagen), Pfarrer zu Herkenrath - 1531)
· Joachim Spar - 1554-1562
· Wilhelm von Loeben - 1582-1587
· Arnold von Lülsdorf - 1591-1605
· Albrecht Niclas von Dienheim - 1614
· Conrad Scheiffart von Merode - 1621-1653
· Johann Balthasar von Drandorff - 1675-1679
· Bernhard Gisbert de Capell - 1677-1683
· Ignaz Wilhelm Freiherr von Gymnich - 1748
· Bernhard Moritz Dietrich Freiherr von Capell - 1760
· Franz Christoph Johann Friedrich Fidelis Ignaz Graf von Thurn und Valsasina - 1791

Walsum

Johann, Herr von Aremberg, Sohn der Edelfrau Mechtild von Holte, hatte das Gelübde getan, das heilige Grab zu besuchen, war aber vor der Ausführung vom Tode übereilt worden; die Mutter ward dadurch veranlasst, dem Orden im Jahr 1281 das Patronat der Kirche zu Walsum mit der Dot, dem Zehnten und allen Einkünften zu schenken, unter der Bedingung, dass Ordensbrüder bei dieser Kirche ihre Residenz nehmen und sie bedienen sollten (s. Herrenstrunden, Urkunden Nr. 31); sie vermehrte ihre Stiftung mit mehreren anderen Gaben (s. ebda, Nr. 34, 36, 38). Eine Tochter des Johann, Herrn von Aremberg, wurde 1298 an Engelbert II. Grafen von der Mark vermählt, und letzterer machte deswegen Ansprüche auf das Patronat zu Walsum. Ein Vergleich schlichtete endlich im Jahr 1319 den langjährigen Streit, demgemäß der Graf bei Besetzung der Kirche durch den Orden nur das Placet sich vorbehielt und eine Teilung des Kirchspiels zwischen Walsum und Holte bedingte (s. ebda., Nr. 50). Ein neuer Wohltäter dieses Ordenshauses ward Johann, Graf von Kleve, welcher demselben im Jahr 1349 eine Hofstätte zu Dinslaken mit Markberechtigung, ferner das Patronat zu Götterswick, Eppinghoven, Baerl und Binsheim schenkte (s. ebda., Nr. 111-112).

Komture (soweit festzustellen):

· Albert Ullenbroch - 1328
· Jacob von Götterswick (Goterswich) - 1344
· Heinrich Clensvoet (Clonsfoet) - 1423-1428
· Johann von Wyschel - 1433-1451
· Dietrich von Ulfft - 1465-1484
· Gerhard Nolle(n) (von Orsoy), Statthalter und Priester zu Walsum - 1486-1492
· Wichman von Tunstorff (Dumpstorff) - 1496-1499
· Gerhard Scholt(en) - 1510-1526
· Johann von Odendaill - 1528
· Stephan Degenter (Thier, Tegde, Thegeder) - 1549-1592
· Heinrich Wynpenning - 1617
· Conrad Scheiffart von Merode - 1633
· Graf von Thurn und Valsasina - 1791

Velden und Düren

Über den Ursprung des Ordenshauses Velden bei Düren hat sich keine urkundliche Nachricht erhalten, nur ein Vergleich, den der Kommendeur zu Nideggen und Velden im Jahr 1326 geschlossen, zeigt das damalige Bestehen derselben (s. Herrenstrunden, Urkunden Nr. 56). Im Jahre 1337 wird dasselbe in besondere Administration gegeben (s. ebda., Nr. 65). Es erwirbt sodann mehrere Renten zu Düren (s. ebda., Nr. 71, 84, 178-179), ist jedoch nie belangreich gewesen.

Komture (soweit festzustellen):

· Wilhelm von Neuss, Prior zu Nideggen und Velden - 1326
· Heinrich von Aachen - 1343
· Sander van Reel - 1409
· Johann von Morke - 1418
· Wilhelm von Loeben - 1512-1581
· Arnold von Lülsdorf - 1591-1605

Auf diesen Ordenshäusern wohnten anfänglich, wie schon bei Burg und Walsum erwähnt worden, Ordensritter und es wuchs deren Zahl im 14. Jahrhundert dergestalt, dass die Einkünfte dieser Häuser nicht nur erschöpft, sondern mit Schulden belastet wurden. Im Jahr 1341 zählten die sieben Ordenshäuser Duisburg, Walsum, Wesel, Borken, Steinfort, Lagh und Hervord 144 Ordensbrüder und es wurde eine Verminderung derselben zur künftigen Tilgung der Schulden angeordnet (s. Herrenstrunden, Urkunden Nr. 77). Die einzelnen Ordenshäuser wurden im Laufe der Zeit miteinander verbunden; zuletzt bildeten die hier verzeichneten eine an einen Generalpächter überlassene Maß, welche als Kommende Herrenstrunden dem Freiherrn Franz Christoph von Thurn, verstorben zu Malta den 11. September 1796, verliehen war.

Das Archiv wurde 1827 von Bayern abgegeben.
(s. Oediger, Kurzübersicht, Bd. 1, S. 11; Bericht Lacomblets vom 4. Oktober 1827 in: J 1 I, fol. 49)

Die Abschrift in VERA nebst Ergänzung einiger Titelaufnahmen erfolgte zwischen Juli und August 2005 durch Archivoberinspektor Jörg Franzkowiak.



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