Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
2. Verwaltungsbehörden Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln
2.16. Kataster
2.16.2. Regierung Düsseldorf
Regierung Düsseldorf Katasterkarten BR 0146
282.02.11 Kreis Kleve, Katasterkarten
Permalink des Findbuchs


Signatur : BR 0146

Name : Regierung Düsseldorf Katasterkarten BR 0146

Beschreibung :

Einleitung :

A Übersicht über die verschiedenen Katasterkartentypen und ihre Entstehung

I. Urkataster

Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war ein Katasterwerk im Herzogtum Kleve entstanden. Karten im Maßstab 1:2000 in 40 Atlanten enthalten die Eigentumsgrenzen, die Kulturarten und Gebäude (siehe Findbuch 103.09.01 Kleve Kataster).

In der französischen Zeit blieb im Rechtsrheinischen ein von Benzenberg geplantes Parzellarkataster in den Anfängen stecken. Im Linksrheinischen wurde nach dem Scheitern eines Kulturmassenkatasters im Jahre 1808 mit der Parzellarvermessung begonnen. Da es sich zeigte, dass die Flurkarten nicht aneinanderpassten, wurde die Herstellung eines Dreiecksnetzes für jede Gemeinde in Angriff genommen. Bis 1813 waren aus dem Sprengel des Hauptstaatsarchivs (heute: der Abteilung Rheinland) die Vermessungen folgender Kantone fertiggestellt: Köln, Bonn-Stadt und -Land, Lechenich, Rheinbach (z. T.), Viersen, Elsen, Neersen (keine Abschätzung), Neuss (keine Abschätzung), Geldern, Wankum (keine Abschätzung), Düren, Eschweiler (z. T.), Stadt Aachen (z. T. keine Abschätzung), Geilenkirchen (keine Abschätzung).

Unter der preußischen Verwaltung sollten die Arbeiten bald wieder aufgenommen werden. Im Oktober 1817 fanden in Godesberg Beratungen statt, wobei man sich für eine Trennung von Katastervermessung und topographischer Landesaufnahme entschied. Die von v. Rolshausen auf Grund dieser Beratungen entworfene ”Allgemeine Instruktion für die Anfertigung des Katasters in den Rheinisch-Westphälischen Provinzen“ behielt mit geringen Abweichungen die Organisation des französischen Katasterwesens bei (vgl. Oberpräsidium Köln BR 0002 Nr. 1132 und Reg. Aachen BR 0005 Nr. 3768). Erneute Beratungen in Godesberg im April 1819 führten zu einer neuen ”Instruktion für das Kataster der Rheinisch-Westphälischen Provinzen“, Köln 1820 (Reg. Düsseldorf BR 0007 Nr. 6295), die Verbesserungen sowohl bezüglich des Messverfahrens als auch der Versteinung der Grenzen vorsah, wodurch die Entwicklung eines Eigentumskatasters gewährleistet wurde. Schon bald wurde diese Instruktion mit Ausnahme der Bestimmungen über die Abschätzungsbeamten, die Dienstverhältnisse der Katasterbeamten und die Arbeitspreise durch die ”Allgemeine Instruktion über das Verfahren bei Aufnahme des Katasters von ertragsfähigen Provinzen der Preußischen Monarchie“ vom 11. Februar 1822 (Berlin) (Reg. Düsseldorf Präsidialbüro BR 0004 Nr. 1413) außer Kraft gesetzt. Die Instruktion vom 12. März 1822 (Reg. Düsseldorf BR 0007 Nr. 6296) regelte dann Einzelheiten über ”das Verfahren bei der Vermessung des Grundeigenthums behufs Anfertigung des Grundsteuerkatasters in den Rheinisch-Westphälischen Provinzen der Preußischen Monarchie“. Die Neuvermessung sollte auf ein einheitliches, das ganze Gebiet umfassendes Dreiecksnetz I., II., III. und IV. Ordnung gestellt werden. Die Triangulation I. und II. Grades lieferte die Generaldirektion, die III. Grades die ihr untergeordneten Katasterkommissionen. Das Netz IV. Ordnung erarbeitete die untergeordneten Katastergeometer.

Es entstanden nun folgende Karten:

1.Grenzhandrisse (der Gemarkungen). Der Grenzhandriss wurde während des Grenzbeganges selbst sogleich in Tinte entworfen. Die Grenzwinkelpunkte wurden mit 1 anfangend fortlaufend nummeriert, die Grenzsteine und die anliegenden Grundeigentümer figuriert und eingeschrieben und die ungefähre Größe der Winkel und Seiten daneben vermerkt.

2.Grenzkarten. Sie unterscheiden sich von den Grenzhandrissen nur darin, dass sie im Maßstab der Gemeindekarten aufgetragen sind und dass die Größe der Winkel und Grenzlinien nach dem Endresultat der Vermessung angegeben sind.

3.Übersichtshandrisse der Gemeinden. Nach dem Grenzbegang wurde der Grenzhandriss kopiert und in diese Kopie die Wege, Dörfer, Höfe usw. und (unter Mitwirkung der Kommunalbehörde) die Einteilung der Gemeinde in Fluren eingezeichnet. In diesen Übersichtshandriss wurde ein Entwurf des Dreiecksnetzes eingetragen.

4.Übersichtshandrisse der Fluren. Sie enthalten die Unterabteilungen der Fluren und das Projekt der dieselben bildenden einzelnen Poligone. Sie sind daher eine ähnliche Übersichtskarte für die Fluren wie Nr. 3 für die ganze Gemeinde.

5.Stückvermessungshandrisse für jede Unterabteilung der Flur. Es wurden alle einzelnen Grundstücke im Beisein der Eigentümer figuriert, die Namen der Eigentümer und die Kulturart des Grundstückes eingeschrieben. Dann wurde zur Detail-Messung geschritten und alle hierzu gemessenen Winkel und Linien in die Handrisse (Brouillons), sofern aber dazu nicht genug Raum war, in besondere Register eingetragen. Die Handrisse wurden auf dem Felde in Tinte ausgeführt. Waren aber die Figuration, das Netz der Linien, die Ziffern, die Namen usw. nicht deutlich genug oder in einem zu kleinen Maßstab, um noch die Nummern, den Inhalt und die Klasse eines jeden Grundstücks einzuschreiben und die bei der Vorlesung vorkommenden Berichtigungen eintragen zu können (die Handrisse sollten zugleich als Feldatlas bei den Abschätzungsarbeiten gebraucht werden), so musste der Geometer den Originalstücken eine Reinschrift und Reinzeichnung beifügen.

6.Flurkarten (Urkarten). Auf Grund der Handrisse des Geometers zeichnete ein Zeichner die Flurkarte, die den Maßstab 1:1250, 1:2500, 1:5000 haben konnte. Zunächst war das Flurnetz aufzutragen, dann erfolgte in dieses Netz die Aufzeichnung aller auf dem Handriss vorkommenden Punkte. Die Grenzen der Fluren wurden durch einen farbigen, jedoch nur blassen Streifen, die Unterabteilungen mit etwas schmaleren Streifen von gleicher Farbe (jedoch anderer Farbe als der Flurbegrenzung) angezeigt. Die Umrisse der Grundstücke wurden durch Linien in schwarzer Tusche angedeutet, die öffentlichen Wege in ausgezogenen, die Privatwege in unterbrochenen Linien gezeichnet. Gemarkungsgrenzsteine wurden mit kleinen Vierecken oder, wo mehrere Grenzen zusammentrafen, mit Dreiecken, andere Grenzsteine mit halb so großen Vierecken bezeichnet. Steinerne Brücken wurden mit zwei Linien von Karmin, hölzerne mit zwei schwarzen Linien gekennzeichnet. Gebäude wurden nach dem Maßstab in schwarzen Linien gezeichnet und mit Karmin angelegt, Wasserräder mit einem kleinen sechsstrahligen Rädchen, Windmühlen mit zwei kleinen Flügeln und zwar in Karmin, wenn sie aus Mauerwerk waren.

7.Gemeindekarten (Übersichtskarte oder auch Generalkarte der Gemeinde). Die Gemeindekarte entstand gleichzeitig mit den Flurkarten, indem jede fertige Flurkarte in das Gemeindekartennetz eingezeichnet wurde und zwar vermittels der Koordinaten, wodurch die vorherige Reduktion wenigstens der Hauptteile nicht erforderlich war. Maßstab 1:10000 oder 1:20000.

1834 war die Aufnahme des rheinisch-westfälischen Katasters beendet.

II. Fortführung des Katasters

Die Instruktionen von 1826 (Reg. Düsseldorf Präsidialbüro BR 0004 Nr. 1413), 1844 und schließlich vom 15.3.1858 (Reg. Düsseldorf BR 0007 Nr. 47383) regelten die Aufnahme der durch Güterwechsel oder sonst entstandenen Veränderungen. Fortschreibungsbeamte (Katasterkontrolleure) mit festen Dienstbezirken waren die Vorgänger der 1869/72 errichteten Katasterämter mit den Aufgaben Neuvermessung, Führung des Flurkartenwerks und des Katasterarchivs. In jedem Kreis und in jeder kreisfreien Stadt befindet sich ein Katasteramt, das seit der "Kommunalisierung" 1948 der Kreis- bzw. Stadtverwaltung angehört.

Neumessungen bei Grundstücksteilungen scheinen im Regierungsbezirk Köln erst ab 1847 stattgefunden zu haben. Es entstanden die Supplementkarten, später (seit ca. 1870) Ergänzungskarten genannt.

III. Katastralabschätzungen

”Schon das Grundsteuergesetz vom 21. Januar 1839 (Preuß. Ges. Slg. S. 30) hatte eine periodische Revision der Katastralabschätzungen vorgesehen, ebenso eine Erneuerung der Karten, Flurbücher und Mutterrollen. Nach einer Umlaufzeit von 30 Jahren sollten jeweils alle Grundstücke dadurch betroffen werden.“ Durch das Grundsteuergesetz vom 21. Mai 1861 (Preuß. Ges. Slg. S. 253) wurde die Gleichheit der Besteuerung in der gesamten Monarchie angestrebt. In den westlichen Provinzen lag eine gute Katastergrundlage vor und so brauchte hier nur eine Neueinschätzung durchgeführt zu werden. Die Feststellung des Reinertrages erfolgte nach Kulturarten und Bonitätsklassen. Die Einschätzungsergebnisse wurden in Kopien der Urkarten (die Bonitätskarten) eingetragen und Einschätzungsregister aufgestellt.

In der Praxis ist bei der Erstellung der Handrisse und Karten nicht immer einheitlich verfahren worden, manchmal geht auch die Bezeichnung der Kartenarten durcheinander.

B Bestand und Verzeichnung

Es handelt sich bei dem vorliegenden Findbuch um eine Verzeichnung der Katasterkarten aus dem Bereich des heutigen Kreises Kleve. Die Verzeichnung wurde 2004 von Christoph Heinen begonnen und - nach langer Unterbrechung - 2015 von Meinolf Woste zu Ende geführt.

Die Laufzeit des Bestandes erstreckt sich von der Napoleonischen Zeit am Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Kommunalisierung der Katasterverwaltung 1948 (seitdem ist das Katasterwesen Aufgabe der Kreise und kreisfreien Städte). Ab 1948 entstandene Karten, die in diesem Bestand enthalten waren, wurden 2016 an das Kreisarchiv Kleve abgegeben und sind in diesem Findbuch nicht mehr enthalten.

In diesem Findbuch ist das Klevische Kataster aus dem 18. Jahrhundert nicht enthalten, dies befindet sich im Findbuch 103.09.01.

Weitere Katasterkarten aus dem Bereich des heutigen Kreises Kleve befinden sich im Findbuch 282.00.02.

Umfang : 24906 Karten; 8212 unverzeichnete Karten



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