Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.1. Landesarchive
1.1.3. Kleve-Mark
1.1.3.7. Kleve, Kataster
Kleve, Kataster AA 0647
103.09.01 Kleve, Kataster
Permalink des Findbuchs


Signatur : AA 0647

Name : Kleve, Kataster AA 0647

Beschreibung :

Einleitung :

Vorwort

Das erste moderne Kataster des Herzogtums Kleve ist entstanden im Zusammenhang der Bemühungen des preußischen Staates, das Steueraufkommen des Landes und damit die schlechte Finanzlage des Staates zu verbessern. Eines der wesentlichen Probleme, das dazu gelöst werden musste, bestand in einer rationelleren Erfassung des besteuerungsfähigen Besitzes auf dem platten Land, das immerhin 7/10 des gesamten Steueraufkommens betrug.

Das überkommene Repartitions-Steuersystem hatte zu Beginn des 17. Jahrhunderts längst zu einer ungleichmäßigen und im einzelnen kaum noch kontrollierbaren Belastung des Einzelnen sowie zu einer weitgehenden Verdunklung des besteuerungsfähigen Besitzes geführt. Das ganze 17. Jahrhundert hindurch bemühte man sich deshalb um eine Reform der diesem System zugrundeliegenden Steuermatrikel, ohne jedoch zu einer durchgreifenden Lösung zu kommen. Im Rahmen dieser Reformbemühungen wurde 1632 auch erstmals der Vorschlag gemacht, durch eine vollständige Katastrierung des platten Landes das Steuersystem für diesen Bereich auf eine neue, exakt überprüfbare Grundlage zu stellen. Die Bemühungen in dieser Richtung scheiterten jedoch am Widerstand der Landstände, die am überkommenen Matrikelsystem festhalten wollten, das nur die einzelnen Steuerquoten festlegte, die Zuweisung der real zu zahlenden Beträge an die einzelnen Steuerpflichtigen aber den Erbentagen überließ.

Von Seiten der klevischen Kriegs- und Domänenkammer ist der Plan eines Grundbesitzkatasters trotzdem weiter verfolgt worden. Von 1701 an sind auch einzelne Vermessungen mit Zustimmung, wenn nicht sogar auf Initiative der Betroffenen durchgeführt worden, um Ungleichmäßigkeiten der Steueranteile auszugleichen. Eine generelle Vermessung konnte aber auch jetzt noch nicht durchgesetzt werden. Die Stände erreichten 1705 sogar eine Zusage Friedrichs I., dass die Vermessungen eingestellt werden sollten. Trotzdem wurden von 1708 bis 1718 weitere Einzelvermessungen durchgeführt. Der entscheidende Durchbruch gelang aber erst dem 1730 zum Präsidenten der klevischen Kammer ernannten Friedrich Wilhelm von Borck. Auf seinen Vorschlag hin befahl der König durch Kabinettordre vom 30.3.1731 der klevischen Kammer die Durchführung einer allgemeinen Vermessung des Landes. Die Landstände wurden dabei, wohl bewusst, übergangen. Die Vermessungsarbeiten begannen im August 1731. Im Herbst 1735 berichtete die Kammer, dass die Vermessungen weithin abgeschlossen seien und man mit der Abschätzung der Grundstücke beginnen wolle. Vor allem dagegen formierte sich jetzt aber die heftige Opposition der Landstände, die auch von der klevischen Regierung mitgetragen wurde. Auf Grund dessen sind die Arbeiten nicht vollendet worden, die Abschätzungen (Aestimationen) kamen über erste Proben nicht hinaus und auch die Vermessung scheint nicht fertiggestellt worden zu sein.

Nach der Instruktion für die preußischen Ingenieure vom 19.7.1731 sollten die Karten in doppelter Ausführung gezeichnet und dazu ein Register angelegt werden. Der heute noch erhaltene Bestand an Karten und Registern lässt klar erkennen, dass nach dieser Instruktion auch gearbeitet worden ist, er zeigt andererseits aber auch deutliche Lücken. Da ein zeitgenössisches Verzeichnis der fertiggestellten Bände fehlt, lässt sich nicht mehr für jeden einzelnen Fall feststellen, ob es sich um eine Überlieferungslücke oder um eine Lücke in der Ausfertigung handelt. Sicher erkennbar ist, dass die Kammer da, wo bereits entsprechendes Kartenmaterial vorlag, dieses herangezogen und auf eine neue Vermessung verzichtet hat. (1) Sicher ist auch, dass der heute im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv überlieferte Bestand Überlieferungslücken hat, da hier fehlende Karten in anderen Archiven vorhanden (2), andererseits von einzelnen Gebieten zwar die Register, aber nicht die Karten erhalten sind.(3) Jeglicher Hinweis auf eine Vermessung fehlt bisher nur für die Ämter Büderich, Lobith und Wallach und die Herrschaften Groin, Hamb, Hönnepel, Hulhuizen, Mörmter, Niedermörmter, Wehl und Zyfflich-Wyler; darüber hinaus fehlt in der Karte des Amtes Rees die Stadtfeldmark von Rees und in der Karte des Amtes Kalkar die Kirchspiele Marienbaum, Obermörmter und Vynen. Alles in allem sind aber doch noch mehr als 90% des Herzogtums Kleve (4) in dem heute noch erhaltenen Bestand an Karten und Registern erfasst. Seinem Entstehungszweck entsprechend erschließt das Kataster aber nur das platte Land. Die Städte sind als Akzisebezirke von der Vermessung ausgenommen und erscheinen deshalb in den Karten nur im Umriss; lediglich die städtische Feldmark ist im Detail vermessen.

Das Klevische Kataster hat bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zweifellos bei der Kriegs- und Domänenkammer in Kleve bzw. in Hamm gelegen. Nach der Bildung der neuen preußischen Behörden sind die Bände von der Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten der Regierung Düsseldorf übernommen worden. Von dort ist eine Ausfertigung der vorhandenen Bände 1896 an das Staatsarchiv abgegeben worden; die Duplikate hielt man zurück in der Absicht, sie später den Gemeinden anzubieten (5). Dieses Vorhaben wurde, obwohl das Staatsarchiv sich selbst dafür aussprach, nicht verwirklicht, vielmehr wurden die Duplikate 1930 an das Staatsarchiv abgegeben (6).

1986 erfolgte eine Neuverzeichnung des Gesamtbestandes der heute noch im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv vorhandenen Karten- und Registerbände durch W.-R. Schleidgen. Sie wurde alphabetisch nach den Namen der Ämter bzw. Herrschaften in der heutigen Schreibweise geordnet. Soweit vorhanden, wurden die Originaltitel mit verzeichnet, um einerseits eine Identifizierung von etwa noch auftauchenden versprengten Stücken zu erleichtern, andererseits die in diesen Titeln enthaltenen zusätzlichen Informationen bereits im Findbuch greifbar zu haben. Eine erschöpfende Erschließung der Karten und Register mit allen Parzellen, Straßen, Wegen und Namen war im Rahmen eines Findbuches selbstverständlich nicht möglich. Die gebotenen Enthält-Vermerke beschränkten sich bei den Karten darauf, herausragende Elemente (Ortschaften, feste Häuser, Landwehren u.ä.) kenntlich zu machen; bei den festen Registern darauf, den Charakter des Stückes zu umschreiben.

Mit dem damaligen Leiter, Prof. Wilhelm Janssen, wurde abgesprochen, zu dem Bestand eine Planfilm-Ersatzüberlieferung zu schaffen. Ausgangspunkt sollten die Negative sein, die in der Fotowerkstatt bereits gemacht worden waren. Von den restlichen Karten mussten neue Negative angefertigt werden. Diese Überlegungen sind nicht in die Tat umgesetzt worden. Es wäre ohnehin zu überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, die mittlerweile als Color-Dias reproduzierten Karten zu digitalisieren, auf CD-Rom zu brennen und im Laufe der Zeit zu ergänzen.

1989 erhielt das Hauptstaatsarchiv von dem Institut für Wirtschaftsgeographie der Universität Bonn noch zwei ergänzende Verzeichnisse: 1. der Zweit- und ggfs. Drittzeichnungen in anderen Archiven, von denen jeweils mindestens eine Ausführung auch im Hauptstaatsarchiv vorhanden ist, 2. der Karten und Register, die nicht im Hauptstaatsarchiv vorhanden sind (7).

1997 erstelle W.-R. Schleidgen insofern ein neues Findbuch, als er Ämter und Herrschaften nicht mehr alphabetisch, sondern sehr viel übersichtlicher nach ihrer alten Lagerfolge ordnete. Außerdem ergänzte er zum Teil die Beschreibung und erweiterte die Verzeichnung um die Maßangaben der einzelnen Kartenbände. Die Bearbeitung erfolgte im Rahmen eines Publikationsprojektes von Prof. Aymans, Geographisches Institut der Universität Bonn, der beabsichtigte, das Klevische Kataster auf die moderne Karte umzusetzen (8). Dieses Projekt ist leider bis heute (23.8.2002) nicht abschließend verwirklicht worden (9). Eine Konkordanz der alten Signaturen mit den heute gültigen und ein Index der Orts- und Personennamen beschließen das Findbuch.

Düsseldorf, August 2002 [Heike Preuß]

Zu Ginderich vgl. Karten 3846 (fol.1), 3847 (fol.2), 3852 (fol.3), 3848 (fol.4?), 3851 (fol.5), 3850 (fol.6), 3856 (fol.7), 3855 (fol.8), 3854 (fol.9) > ca. 1750.

Der Kartensatz zu Mehrhoog findet sich unter RW Karten Nr. 176 (inklusive RW Karten Nr. 3860 und 3868); vgl. VERA-Findbuch 180.01.00. Kopien befinden sich im Stiftsarchiv Xanten, Karten Nr. 09 (Mehrsches Hoog) - Anschluss im Norden: siehe Kleve, Kataster Nr. 26 (Herrschaft Sonsfeld-Haldern), im Süden: siehe Stiftsarchiv Xanten, Karten Nr. 10 (Hoch in Bislich).

(1) Vgl. laufende Nummern 2, 3, 6, 9, 18, 29, 32, 34, 35, 69, 94, 95, 163.

(2) Nach den bisher vorliegenden Informationen sollen sich in den folgenden Archiven Einzelstücke des Katasters befinden: StA Emmerich: 2. Ausf. zu Kleve, Kataster Nr.18?, Amt Emmerich. - Archiv des Kollegium Augustinianum Gaesdonk: Kopie der Karten des Amtes Asperden (Negative s. RWB 3532). -StA Gennep: Stadt und Amt Gennep. - Rijksarchief 's Gravenhage: Stadt und Amt Huissen. - Pfarrarchiv St. Lambertus Haffen: 2. Ausf. zu Kleve, Kataster Nr.34 Herrschaft Haffen. -StA Kalkar: 2. Ausf. zu Kleve, Kataster Nr.10 Herrschaft Appeldorn und zu Kleve Kataster Nr. 95, Amt Kalkar, Register zu Hanselaer und Wisselward. - Kreisarchiv Kleve: Stadt und Amt Kleve.- StA Xanten: Stadt und Amt Xanten. - Stiftsarchiv Xanten, Karten Nr. 9 (Mehrsches Hoog) und Nr. 10 (Hoch in Bislich); vgl. oben.

(3) S.u. Asperden, Gennep, Heijen, Hetter, Mook, Nergena, Sonsbeck.

(4) Zu den Ämtern und Herrschaften des Herzogtums Kleve im 18. Jh. s. Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz Bd. 2: Die Karte von 1789, bearb. von W. Fabricius, Bonn 1898, S. 231-241.

(5) Vgl. Alte Dienstregistratur A4 a Bd. VI = BR 2093 Nr. 59 S. 415ff.

(6) Vgl. alte Dienstregistratur A4 a vol. IX S. 104f., 119, 134. Es sind die in der Liste von Ketter mit K.A. gekennzeichneten Stücke!

(7) S. Dienstregistratur I - B 30 - 88/89; vgl. auch Anmerkung 2.

(8) Vgl. auch den Bericht an das damalige Kultusministerium I-B-1.5.-1877/85.

(9) Nach dem Tode von Prof. Aymans erklärte sich Meinhard Pohl, Kreisarchivar des Kreises Kleve, zur Fortführung des Projektes in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde bereit. Für einen letzten Vergleich der Entstehungsstufen und zur Prüfung der Vollständigkeit durch Monika Dammers lieh das Hauptstaatsarchiv deshalb Ende 1997/Anfang 1998 die in den einschlägigen Kommunalarchiven befindlichen Katasterkarten zu Bearbeitung aus. Anfragen im Kreisarchiv haben ergeben, dass das Projekt mehr oder weniger ruht (Stand August 2002).

Verweise :

Ketter, K., Der Versuch einer Katasterreform in Kleve unter Friedrich Wilhelm I., Bonn 1929 (Rheinisches Archiv 9).

250 Jahre Klevisches Kataster, Studien zur Geschichte der Kartographie und des Vermessungs- und Katasterwesens am Niederrhein, hg. von G. Hövelmann und H. Steinbring (Schriftenreihe des Kreises Kleve 4), Kleve 1984.

Gerhard Aymans, De regio Genn-ep aan de ketting. Gennep, Heijen, Milsbeek, Oeffelt, Ottersum, Ven-Zelderheide in kadasterkaarten (1731-1732), Gennep 1988 [Dienstbibliothek 89/111].

A. W. A. Bruins, Atlas van het ambt Liemers, Zevenaar 1999 [Dienstb-ibliothek 2000/373].

Klevisches Kataster:

hier: 2 Ausfertigungen zu Klevischen Katasterkarten, die im HStAD vorliegen, sind vorhanden in den Archiven:

Archiv dargestelltes Gebiet Bemerkungen

Stadtarchiv Kalkar - Hanselaer und Wisselwar

- Register Hanselaer und Wisselwar (2 x vorhanden)

- Appeldorn

- Register Altkalkar (2 x vorhanden)

- Niedermörmter

Bistumsarchiv Münster - Haffen Bestand Pf.

St. Lambertus

Haffen

Stadtarchiv Duisburg - Beeck

- Ruhrort (3 x vorhanden)

- Register Ruhrort (2 x vorhanden)

- Meiderich (2 x vorhanden)

- Register Meiderich

- Walsum (teilweise)

- Duisburg

- Register Duisburg

Stadtarchiv Emmerich - Emmerich (teilweise)

Stadtarchiv Kleve - Kleverhamm (teilweise)

Rijksarchief Arnhem - Zevenaar

Stadtarchiv Dinslaken - Hiesfeld

- Dinslaken

Kreisarchiv Wesel - Wallach

Heimatmuseum Kranenburg - Zyfflich-Wyler

Seminar für geschichtl.

Landeskunde der Rheinlande -Kleve (teilweise)

Stadtarchiv Kalkar - Altkalkar (2 x vorhanden)

- Register Hönnepel

- Register Niedermörmter

Klevisches Kataster

hier: Klevische Katasterkarten, die im HStAD nicht vorhanden sind

Archiv dargestelltes Gebiet Bemerkungen

Amsterdam (Privatbesitz) - Heijen Bll. 6, 8 und 9 fehlen

Rijksarchief Arnhem - Huissen

- Wehl

- Register Düffel (Huis Aerdt)

Stadtarchiv Duisburg - Duisburg Übersichtskarte 1:20.000

Kreisarchiv Kleve - Kleve

Gemeentearchief Gennep - Gennep 22 Bll. 2x

- Register Gennep

Archiv Collegium Augusti-

nianum Goch-Gaesdonck - Asperden Bll. 7 und 22 fehlen

Stadtarchiv Rees - Rees (Stadtfeld!) 2 x vorhanden

- Hetter 2 x vorhanden

- Register Hetter

- Isselburg

Stadtarchiv Xanten - Xanten

- Stadtarchiv Xanten

Stiftarchiv Xanten - Bislicher Hoog

- Meerhoog

- Vynen

- Register Vynen

- Hönnepel

- Wallach

Hünxe, Freiherr von

Nagell¿sche Forstverw. - Gahlen-Bühl teilweise

- Hünxe teilweise

Stadtarchiv Rees - Rees

- Millingen

- Loikum

- Heeren und Hercken

- Sonsfeld-Haldern

Gemeindearchiv Schermbeck - Schermbeck 13 Bll. 2 x

- Hünxe teilweise

- Drevenack 28 Bll. 2 x

- Damm 20 Bll. 2 x

- Brünen

Gemeindearchiv Üdem - Üdem

- Üdemerbruch

- Keppeln Bll. 18 und 19 fehlen

Algemeen Rijksarchief

s¿Gravenhage - Kessel

Gemeindearchiv Sonsbeck - Register Sonsbeck

Stadtarchiv Wesel - Register Wesel

- Haffen Senheim 16. J.

Schlossarchiv Diersfordt - Weseler Aue (3 Karten) möglicherweise auf dem

klevischen Kataster

basierend;

Mehrausfertigungen ?



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