Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.2. Geistliche Institute
1.2.1. A - D
1.2.1.27. Düsseldorf
1.2.1.27.3. Jesuiten
Düsseldorf, Jesuiten, Akten AA 0207
120.57.00 Düsseldorf, Jesuiten
Permalink des Findbuchs


Signatur : AA 0207

Name : Düsseldorf, Jesuiten, Akten AA 0207

Beschreibung :

Einleitung :

Düsseldorf, Jesuiten

1619-1773

Lit.: Kunstdenkm. III 1, 1894, 25 ff.; insbes. G. Kniffler, Das Jesuitengymnasium (Beilage zum Progr. des D. Gymn. 1892); B. Duhr, Gesch. der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge 2 I, 1913, 80 ff., 2 II, 771; 3 1921, 25 ff. u. 913; 4, I 1928, 40 ff. u. II 587; Lau, Gesch. der Stadt D. 1, 1, 1921, 170 f. u. 192 f.

Vgl. auch Hs. Q 1 I u. II) Archivium Collegii Soc. Jesu: I) Ordinationies 1566 ff. Leihgabe der Landes- u. Stadtbibliothek Düsseldorf, Ms. C 44 b.

Zur Ergänzung

s. Bd. 1, 120 u. 149 (Exjesuitenadministration).

Die Akten der Geh. Kanzlei über den Bau der Andreaskirche 1620-21) sind im Seminar zu Neuburg Nr. 2186 f. (Bayer. Archivinventare 7, 1957); ebd. Nr. 2187) Ausleihe von Kostümen für die Komödie nach Neuburg 1653-57.

Im Stadtarchiv Köln, Jesuiten 642 ff.: Litterae annuae 1680-1714; 672) Prozess gegen den Kurköln. Hofkontrolleur Orth 1667; 673) Besthauptrecht im A. Blankenberg 1698-1725; 675) Obligationen 17./18. Jh.; 675) Historia missionis Elverfeldensis 1696-1700 (Mitt. 33, 168).

Über die Bibliothek, soweit in der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf s. Pfannenschmidt (Lacomblet, Archiv 7, 389 f.); ein Rest in dem Pfarrhaus von St. Andreas ist 1944 verbrannt.

Plunds ? Kolleg s. Karten VI, 126

Übersicht

Die Gründung des Jesuiten-Collegiums zu Düsseldorf ist von Reiffenberg in seinem unvollendet gebliebenen Werk: Historia societatis Jesu ad Rhenum inferiorem, Colon. Agripp. 1764, pag. 512 q. q. nach urkundlichen Quellen ausführlich erzählt. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, von dem Bestreben geleitet, das Unterrichtswesen in seinem Land mit den Lehren und Vorschriften der katholischen Kirche in Einklang zu bringen, hatte schon im Jahr 1617 den von seinem Rat Peter Simonius Ritz warm befürworteten Plan gefasst, ein Jesuiten-Collegium in der Hauptstadt zu stiften und demselben die geistige Aufgabe wie die Güter des seit 1545 bestehenden Gymnasiums zu übertragen. Am 30. März 1619 langten die auf den Wunsch des Pfalzgrafen vom Ordensprovinzial entsandten Väter Bernhard Buchholtz aus Köln und Gerhard Lippius aus Würzburg in Düsseldorf an, um die nötigen Vorbereitungen zur ersten Begründung und Einrichtung des Collegiums zu treffen, als dessen einstweilige Stätte bereits die Behausung der Witwe von Ossenbroich am Mühlenplatz in Aussicht genommen war. Letzteres wurde 1620 von Wolfgang Wilhelm für 7500 Reichstaler definitiv dem Collegium erworben und demselben zugleich Neubauten für Kirche und Wohnungen bewilligt. Der in diese Zeit fallende Rücktritt des letzten Rektors vom Gymnasium, Johann Aldringer, veranlasste den Kreubrüder-Konvent zu Düsseldorf, sich um die Übernahme der Schule zu bewerben. Die Entscheidung schien zweifelhaft, bis der Pfalzgraf, mit Urkunde vom 14. August 1621, indem er die förmliche Stiftung des Jesuiten-Collegiums vollzog, diesem das alte Gymnasialgebäude an der Stiftskirche mit allen Gütern, Gerechtsamen und kirchlichen Benefizien überwies (Nr. 2). Zum Kirchenbau schenkte Wolfgang Wilhelm gleichzeitig 4000 Taler und ordnete den Ankauf zweier Häuser an, auf deren Stelle die neue Kirche des Ordens errichtet werden sollte. Am 5. Juli 1622 fand die feierliche Grundsteinlegung zur letzteren statt (Reiffenberg l. l. p. 517), nachdem kurz vorher der Bau des von Peter Laer, Kanoniker zu Gerresheim, gestifteten Seminariums S. Salvatoris auf dem Mühlenplatz begonnen hatte (Nr. 1), einer Anstalt, die mit dem Collegium in engste Verbindung trat. Schon Ende 1620 zählte die Korporation, als deren erster Rektor P. Bernard Buchholz fungierte, 13 Mitglieder, und wir sehen dieselbe, wie bei Reiffenberg näher ausgeführt ist, von Anfang eifrig bemüht, durch Unterricht, Predigt und Seelsorge - auch die Begründung einer Kongregation s.s. Trinitatis gehört hierher - die Autorität der Kirche herzustellen und die Lauen oder Andersgläubigen ihr wieder zu gewinnen. Am 7. Oktober 1625 wurde darauf vom Stiftsdechanten der Grundstein zu dem neuen Gymnasium gelegt, dessen Bau vom Pfalzgrafen in Rücksicht auf die unbequeme Lage des bisherigen Schulgebäudes unmittelbar angeregt worden war (Reiffenberg, l. l. p. 598).

Die 1621 dem Kollegium einverleibten Einkünfte und Güter des alten Gymnasium bestanden in den durch Herzog Wilhelm letzterem überwiesenen Renten verschiedener Vikarien, teils demolierter Schlösser, teils solcher Kirchen, deren Patronat ihm zustand, der Vikarie ss. Erasmi et Pancratii zu Kaster, der Vikarie zu Keyenberg, der Vikarie B. M. V. des Hauses Born, der Vikarie s. Catharinae zu Blankenberg, der Vikarie B. M. V. zu Heinsberg, der Vikarie S. S. Georgii et Catharinae zu Holten, dem Altar s. Francisci et omnium sanctorum in der Stiftskirche zu Bielefeld, dem Altar ss. trium Regum in der Schlosskapelle zu Ravensberg, der Vikarie B. M. V. und der Vikarie v. Thomae in der Pfarrkirche zu Mettmann, sowie in Renten aus dem Schatz des Amtes Mettmann, der Stadt Düsseldorf und aus den Vogteigefällen zu Millen. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm fügte dazu 1623 die Einkünfte des eingegangenen Zisterzienserinnenklosters B. M. V. zu Gnadenthal (vallis benedicitionis) zu Vlotho im Ravensbergischen, die dem Collegium indes nur bis zum Abschluss des brandenburgisch-pfälzischen Erblasses von 1666 verblieben, indem die brandenburgischen Beamten von da ab die Aushändigung der betreffenden Einkünfte verweigerten und endlich 1671 das Collegium auf wiederholte Beschwerden mit einer Entschädigungssumme von 1500 Reichstalern abgefunden wurde. Die halben Einkünfte der Vikarie s. Michaelis zu Kelz bei Düren bezog das Collegium nur von 1622 bis 1642, zu welche letzterer Zeit dasselbe der anklebenden Verpflichtung zum Messelesen halber freiwillig Verzicht leistete. Die Renten im Klevischen und Ravensbergischen wurden ihm dagegen später von der brandenburgischen Regierung entzogen.

Schon die Stiftungs-Urkunde hatte der Korporation 840 Reichstaler aus der Hofkammer, sowie an Naturgefällen 4 Fuder Weins, 2 Salzsäcke, 150 Pfund Stockfisch, 1 Tonne Heringe, ferner 12 Malter Weizen, 24 Malter Roggen, 24 Malter Gerste, 6 Malter Hafer und 2 Malter Erbsen zugewiesen. Dazu kamen später aus der Düsseldorfer Oberkellnerei, aus den Schatzgefällen der Ämter Angermund und Mettmann zu bewilligte Deputate in Wein und Früchten (96).

Außerdem vermehrte sich der Besitzstand des Kollegiums nach und nach mittels Schenkung oder Kauf durch Land und Gemarkenanteile zu Bilk, einen Zehnten zu Born, verschiedene Häuser und Renten zu Düsseldorf, die Scheidemühle und das Lauswerth sowie verschiedene Ländereien bei Düsseldorf, den Hof zum Steinacker und Land in der Neustadt, den Rittersitz zur Höhe nebst dem Gütchen am Grünenwald und dem kleinen Broel in dessen Nähe, den Budenberger Hof im Amt Mettmann, Ackerland und Weingüter zu Mondorf im Amt Lülsdorf, wo die bis dahin bestandene Klause mit allen Einkünften an das Collegium überging, das Gut Alteburg im Kirchspiel Rath, das Schellenbergs-Gut im Amt Mettmann, der Sitterthof und der Laubenhof an der Hardt, mit Land und Renten zu Willich und Otzenrath im kurkölnischen Amt Linn, der Döppenberger Hof im Amt Metmmann und das Gütchen zur Mauren im Amt Angermund, Höfe zu Bockum und Bossenbeck, eine Mühle zu Eitorf, das Wittlarer Werth bei Kaiserswerth u. a., sowie durch Schenkungen und Vermächtnisse.

In Honnef erwarb das Collegium das Patronat über die Pfarrkirche mit deren Filiale Aegidienberg. Die schon 1638 verfügte Inkorporation der Kirche mit dem Collegium kam erst 1728 zum Vollzug. Von Priestern des letzteren betreut, wurde die nach dem Vorbild der berühmten Kapelle der h. Jungfrau zu Loretto erbaute und benannte Loretto-Kapelle zu Bilk 1686 von dem Kurprinzen Johann Wilhelm und dessen Gemahlin Maria Anna Josepha, Erzherzogin von Österreich, gestiftet (Nr. 90).

Die h. Kreuzkapelle zwischen Bilk und Hamm, welche Herzog Philipp Wilhelm bei der Geburt seines Nachfolgers erbauen ließ (Nr. 44, 45), und die St. Josephs-Kapelle zu Golzheim (Nr. 45), die Eremitage auf dem Grafenberg bei Düsseldorf schenkte Kurfürst Johann Wilhelm 1688 dem Collegium (Nr. 64).

Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hören wir von einem Neubau des Collegiums nebst der Schule. Herzog Philipp Wilhelm erließ am 29. März 1661 ein Patent, welches den Vätern der Gesellschaft Jesu zu Düsseldorf verstattete, zu ihrem Bau eine freiwillige Kollekte von den Ämtern, Kirchspielen, Bürgermeistern, Schöffen und Bestbeerbten der beiden Herzogtümer einzusammeln (Nr. R 1). Im Jahr 1684 wurde darauf durch fürstlichen Erlass dem Collegium, anstatt des bisher auf der Mühlenstraße innegehabten Gebäudes, welches nunmehr mit dem Garten zu Marstall eingezogen ward, das von den Erben Althoven angekaufte Haus nebst Zubehör oberhalb der Kirche am Mühlenplatz zur Schule eingeräumt und dasselbe von allen Steuern und bürgerlichen Lasten eximiert.

Die Tätigkeit der Korporation blieb dem Geist ihrer Stiftung gemäß fortdauernd wesentlich auf Lehre und Unterricht sowie auf Herstellung, Befestigung und Verbreitung katholisch-kirchlicher Gesinnung und Sammlung der zerstreuten Glaubensgenossen gerichtet. Die Erlaubnis, Philosophie und Rhetorik im Collegium zu traktieren, wurde den Vätern ausdrücklich bewilligt. Von Düsseldorf aus stiftete der Orden kirchliche Missionen zu Erlberfeld, Solingen, im Ravensteinischen, deren Entstehung teilweise schon in die frühesten Zeiten des Collegiums zurückreicht. Auch sonst waren die Glieder desselben mehrfach im Besitz einflussreicher geistlicher Funktionen bei Hofe, sowie an der Leitung und Beaufsichtigung des Landes-Schulwesens beteiligt.

Das unter der Oberaufsicht des Collegiums von einem Präses geleitete Seminarium s. Salvatoris zur Heranbildung armer Studenten am Mühlenplatz empfing seinen Unterhalt größtenteils durch eine Reihe fernerer Stiftungen und Vermächtnisse (vgl. Nr. I 29).

Nach Aufhebung des Jesuiten-Ordens durch Papst Clemens XIV. im Jahr 1773 wurden zwar die Güter des Düsseldorfer Collegiums gleich denen der übrigen Korporationen des Ordens vom Fiskus in Beschlag genommen, jedoch den Mitgliedern desselben zu Düsseldorf, Jülich, Düren und Münstereifel die Kollegiengebäude nebst Kirchen gelassen und aus den kapitalisierten Renten der Korporationsgüter jährliche Laschen- und Kostgelder für jeden Einzelnen ausgesetzt. Die Priester und Professoren in Düsseldorf zu einer Congregatio ad S. Andream vereinigt, übernahmen dagegen die Verpflichtung, den Unterricht der Jugend und den Gottesdienst in der St. Andreaskirche in der bisherigen Weise fortzuführen oder wurden sonst zu Schulstellen und auf Pfarreien landesfürstlichen Patronats berufen. Im Jahr 1777 befanden sich in der Kongregation unter der Leitung des Studienrektors P. Joseph Daul noch 33 Profane, Professoren, Kandidaten, Prediger und Hausgesinde zusammen gerechnet; 1784 zählte dieselbe nur noch 22, 1792-93 nur noch 18 Personen, zu deren Subsistenz zuerst über 3000 Reichstaler jährlich (1784 noch zusammen 3463 1/3 Reichstaler, zuletzt 1793 ca. 2270 Reichstaler) zur Verwendung kamen (Vgl. die s. g. ”Geheimen Jesuiten-Akten“ im Jül. Berg. Landes-Archiv, Akten Geistl. S. Nr. ???).

An der dem h. Andreas geweihten Kirche des Collegiums, zugleich Hofkirche, wurde 1632 noch fortgebaut (Nr. 110). In der fürstlichen Gruft derselben, von deren Restauration nach der Mitte des 18. Jahrhunderts das Archiv Kunde gibt (Nr. 110), sind der Stifter des Collegiums, Herzog Wolfgang Wilhelm († 1653), Kurfürst Johann Wilhelm († 1716), mehrere Geschwister des Letzteren sowie die erste Gemahlin Herzogs Philipps Wilhelm, Anna Constantia († 1651) beigesetzt. Schenkungen kostbarer Messgewänder von der Hand mehrerer Prinzessinen und sonstige Widmungen zeugten von der Teilnahme, welche die Mitglieder des pfälzisch-bergischen Fürstenhauses der Stiftung ihres Ahnherren dauernd bewahrten.

Ein besonderes Verzeichnis der Rektoren des Collegiums ist nicht aufgestellt worden, da sich anderweitig keine Ergänzung der im Personenregister verzeichneten Namen darbot, auf welche daher verwiesen werden darf.

Umfang : 49 Einheiten



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