Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
165.56.00 Schlossarchiv Birlinghoven RW 0795
Permalink des Findbuchs


Signatur : RW 0795

Name : Schlossarchiv Birlinghoven RW 0795

Beschreibung :

Einleitung :

Einleitung

1. Akzession

Der vorliegende Bestand RW 0795 (Schlossarchiv Birlinghoven) vereint Unterlagen unterschiedlicher Herkunft, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf Schloss Birlinghoven (heute Stadt Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis) - im Krieg von der Wehrmacht, danach bis 1951 von den Alliierten beschlagnahmt (vgl. dazu im Internet-Auftritt des Fraunhofer-Instituts: <http://www.izb.fraunhofer.de/de/besucher/schloss-birlinghoven/baugeschichte.html>) - lagerten. Vom dort Deutsch unterrichtenden Großvater des nachmaligen Eigentümers wurden sie nach dessen Angaben im Keller des Schlosses vor der Verfeuerung gerettet.

Im Jahre 2014 erfolgte über das Antiquariat C. Rinnelt (Wiesbaden) die Anbietung an die Abteilung Rheinland des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen. Verwaltungsgeschichtliche Recherchen und eine Autopsie vor Ort führten zu der (im Nachhinein bestätigten) Annahme, dass es sich im Kern um Unterlagen eines preußischen Landrats handelte, der im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts Besitzer des Hauses Birlinghoven gewesen war. Die Präsenz weiteren, sogar sprengelfremden Schriftgutes ließ sich durch verwaltungs- und personengeschichtliche Kontinuitäten erklären. Die Übernahme erfolgte mit acc. 2014/140 am 03.12.2014 als Bestand RW 0795 (Schlossarchiv Birlinghoven).

2. Abgrenzung zum privaten ”Archiv Schloss Birlinghoven“ (Familienarchiv Moorlampen)

Neben dem vorliegenden Bestand RW 0795 als staatlichem Archivgut gibt es noch eine andere Überlieferung aus Schloss Birlinghoven, die sich allerdings heute in Privatbesitz befindet. Die Reihenfolge der Besitzer von Haus / Burg / Schloss Birlinghoven, welches spätestens im 14. Jahrhundert belegt ist (Renard, S. 251), ist erst von 1626 an eindeutig zu rekonstruieren (Benz, S. IV; Übersicht über die Besitzer von 1626 bis 1900 ebd., S. VI f.). Im Jahre 1900 wurde das Schloss vom Senatspräsidenten Franz Theodor Heymer an den Kölner Kaufmann Theodor Damian (von) Rautenstrauch verkauft (Renard, S. 251; Edition des Kaufvertrags bei Schliefer 2002, S. 135-139). Dabei verblieben einige Archivalien nicht im Schloss, sondern im Besitz der Familie Heymer und gelangten durch Erbgang schließlich an Hildegard Moorlampen geb. Braun (Benz, S. VII). Als privates ”Archiv Schloss Birlinghoven“ gehören sie heute der Familie Moorlampen; der Bestand wurde 2009 von Hartmut Benz verzeichnet. Ausgewertet und teilweise ediert wurden die Archivalien bereits in der Publikation von Michael Schliefer (2002). Bei diesen 169 Urkunden und Akten aus der Zeit von 1559 bis 1958 (mit Schwerpunkt im 19. Jahrhundert) handelt es sich vor allem um Unterlagen der (Besitzer-) Familien Scheven, Clostermann, Heymer und Schmitz de Prée (Benz, S. 1-10), wald- und forstwirtschaftliche Unterlagen (ebd., S. 20-30) sowie Dokumente zu Grundbesitz und Immobilien (ebd., S. 34-39). Die Privatbibliothek des noch zu erwähnenden Schlossbesitzers Franz Joseph Scheven, die hauptsächlich juristische Fachbücher enthält, wird heute im Stadtarchiv Hennef verwahrt (Dietl-Hühnermann, S. 33).

3. Bemerkungen zur Überlieferungs- und Bestandsgeschichte

Im Gegensatz zum erwähnten privaten ”Archiv Schloss Birlinghoven“ sind die hier im Bestand RW 0795 (Schlossarchiv Birlinghoven) vorliegenden Unterlagen beim Verkauf des Schlosses im Jahre 1900 dort verblieben; partiell sind sie möglicherweise sogar erst nach dem Ankauf des Schlosses durch Theodor von Rautenstrauch nach Birlinghoven gelangt. Denn laut Tille, Bd. 1, S. 166-171 befand sich 1899 auf Burg Vilich im ”Besitze des Herrn Eberhard von Claer: Reiche Sammlung rheinischer Archivalien …“, von denen einige im Bestand RW 0795 nachgewiesen sind (vgl. die Hinweise bei den einzelnen Verzeichnungseinheiten). Eberhard von Claer (+ 1899), Besitzer des Haushofs (Burg) Vilich, war Enkel des preußischen Domänenrats Franz Bernhard Wilhelm de Claer (1785-1853). Er widmete sich der Erforschung der rheinischen Geschichte, publizierte Aufsätze in den Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein (Jahrgänge 1876, 1877, 1884, 1886) und war zudem Mitglied des Bonner Altertumsvereins. Von ihm stammen außerdem diverse Abschriften und Aufzeichnungen zur rheinischen Geschichte (vgl. auch Weffer, S. 142 f.).

Die genauen Überlieferungszusammenhänge sind unklar. Das Staatsarchiv Düsseldorf hielt jedenfalls 1937 fest: ”Das Archiv [der Burg Vilich] soll von seinem Besitzer vor dem Kriege an einen Herrn von Rautenstrauch verkauft worden sein, der es auf Burg Birlinghoven (Siegkr.) verwahrte“ (LAV NRW R, BR 2093, Nr. 135, Bl. 174r). Und tatsächlich befanden sich um 1907 im ”Besitz des Herrn Theo von Rautenstrauch auf Birlinghoven: Urkunden von etwa 1400 an; spätere Litteralien und Akten. Das Archiv wird von Dr. [Heinrich] Kelleter aus Neuss geordnet“ (so Renard, S. 251). Archivarische Bearbeitungsspuren, offenbar von Kelleter stammend, finden sich etwa in RW 0795, Nr. 308, Nr. 466 (Blaustift) und Nr. 500.

Die Erschließungsarbeiten der Abteilung Rheinland am Bestand RW 0795 im Jahre 2016 offenbarten Folgendes: Der heterogene, disparate Bestand zeichnet sich durch mehrere Teilnachlässe unterschiedlicher Provenienz aus und ist im Laufe vor allem des 19. Jahrhunderts durch wiederholte Übernahmen in Folgenachlässe gewachsen. Mit hinreichender Sicherheit lässt sich die Überlieferungsgeschichte nicht in allen Teilen rekonstruieren, zumal viele Unterlagen nur in Abschriften (copiae) an die entsprechenden Registraturbildner gelangten, so dass Bearbeitungsvermerke oft fehlen und die Provenienz nicht eindeutig zu erkennen ist. Vor diesem Hintergrund sind alle folgenden Bemerkungen zu verstehen.

Hinsichtlich der Provenienzen sind zwei Linien zu unterscheiden: Die Linie der Besitzer des Hauses / Schlosses Birlinghoven einerseits und die Übernahme von amtlichen Nachlässen durch Amtsträger, Nachfolger und deren Erben andererseits. In Bezug auf die Reihe der Schlossbesitzer stellen die Freiherren von Gymnich den Ausgangspunkt für die Nachlassbildung dar (1599-1613), gefolgt von den Freiherren von Martial (1746-1802) und Franz Joseph Scheven (1766-1837).

In der Person des Franz Joseph Scheven, der einerseits privat als Schwiegersohn des Georg Carl Freiherr von Martial seit 1795 Schloss(mit)besitzer war (Benz, S. 35), andererseits aber beruflich im Alten Reich, in der französischen Zeit und im Preußen des 19. Jahrhunderts wichtige staatliche Funktionen innehatte, laufen die amtlichen Nachlässe mit denen der Schlossbesitzer zusammen. Die erste amtliche Provenienz geht auf den kurkölnischen Hofkammer-Rat und Oberkellner zu Bonn Johann Peter Maagh (+ 1710; vgl. Mering, S. 25 f.) zurück. Ein Großteil der übrigen Unterlagen besteht jedoch aus dem Nachlass der Brüder Franz Bernhard und Hermann Joseph Custodis (sowie möglicherweise weiterer Angehöriger dieser Beamtenfamilie), die in der wechselvollen Epoche zwischen dem Ende des Alten Reiches, der französischen und Übergangszeit sowie der preußischen Herrschaft unter verschiedenen Landesherren tätig waren und deren Überlieferung somit einen kaleidoskopartigen Blick in die Vielfalt der territorialen Verhältnisse zwischen Ahr und Sieg, teils sogar bis hinein in das Angerland zwischen Düsseldorf und Duisburg, ermöglicht. So finden sich darin Unterlagen zur Unterherrschaft Flerzheim im kurkölnischen Oberamt (Oberkellnerei) Bonn, die der Abt von Heisterbach innehatte, die jedoch kurkölnischerseits von einem Schultheißen verwaltet wurde (vgl. Fabricius, S. 88; Schmitz, Herrschaft; ein Custodis ist von 1792 bis 1797 als Schultheiß zu Flerzheim nachweisbar; vgl. Thomas, S. 214; außerdem Hoitz, S. 30-33), welcher in der jülichschen Herrschaft Gelsdorf (Ahr) ansässig war (zur Herrschaft Gelsdorf allgemein vgl. Fabricius, S. 498 f.; Neu, Gelsdorf). Innerhalb der ursprünglich offenbar aus Gelsdorf stammenden Überlieferung (wenngleich partiell an andere Amtsträger adressiert) ist eine umfangreiche Sammlung gedruckter Verordnungen der kurkölnischen, jülich-bergischen und französischen Verwaltungen hervorzuheben. Franz Bernhard Custodis war nicht nur jülichscher Amtsträger zu Gelsdorf, sondern auch Geheimrat des Herzogs von Arenberg, trat nach 1794 in die französische Administration ein und fand schließlich Anstellung als Syndikus des rechtsrheinischen Stifts Vilich, wo sein Bruder Hermann Joseph bereits seit 1787 als Rentmeister wirkte. Dessen Überlieferung zu Stift Vilich wiederum betrifft nicht nur die ökonomischen Verhältnisse im unmittelbaren Umfeld, sondern etwa auch die Pfarreien zu Ober- und Niederdollendorf (heute in Königswinter), zu Himmelgeist und Wittlaer bei Düsseldorf sowie den Verloher Hof bei Schloss Heltorf (heute in Düsseldorf-Angermund). Oft fehlen in diesen Unterlagen die Vornamen, so dass im Einzelfall nicht immer sicher ist, welcher der Custodis-Brüder gemeint ist.

Zur Biographie der beiden genannten Brüder Custodis konnte im Einzelnen Folgendes ermittelt werden:

Franz Bernhard Custodis wurde um 1752 geboren (am 30. Juni 1804 ist er 52 ¿ Jahre alt; Custodis an den Gerichtsschreiber Stroof, 1804 Juni 30; LAV NRW R, Nassauer Behörden, Nr. 81). Er tritt bereits am 25. Mai 1775 als Dns. Franciscus Bernardus Custodis praetor in Gelstorff bei einer Taufe in der Düsseldorfer Beamtenfamilie Custodis auf (Lohausen, S. 105), ist somit möglicherweise identisch mit jener Person, die nach dem Zeugnis des Johann Bernhard Constantin von Schönebeck um 1784/85 in Gelsdorf als Richter wirkte und in diesem Amt seinem Vater nachgefolgt war: ”ein Mann von Wissenschaft und Geschmack“ (Schönebeck, S. 41-43; vgl. auch seine Bezeichnung als bailli de Gelsdorf in LAV NRW R, RW 1119, Nr. 25). Am 30. April 1785 wurde er zum Rat, später zum Ersten Regierungsrat, des Herzogs von Arenberg ernannt, in welcher Funktion er bis zum Zusammenbruch des Herzogtums 1794 wirkte (Neu, Arenberger, Bd. 2, S. 602). Am 9. Mai 1797 trat Franz Bernhard in die französische Administration, nämlich in das Bonner Obertribunal und die dortige Bezirksregierung, ein (Hansen, Bd. 3, S. 989 f.). Offenbar fungierte er auch als Administrator des Kantons Adenau (RW 0795, Nr. 664), in dem übrigens Aremberg gelegen war (Stein, S. 191). Seit Mai 1801 wurde er vom Stift Vilich - das seinen Bruder Hermann Joseph Custodis bereits seit 1787 als Rentmeister / Kellner beschäftigte - für die Bearbeitung juristischer Angelegenheiten zur Unterstützung des Stifts-Syndikus herangezogen, am 26. November 1802 wurde er zum Stifts-Syndikus und Mitschöffen bestellt (Custodis an den Gerichtsschreiber Stroof, 1804 Juni 30; LAV NRW R, Nassauer Behörden, Nr. 81). Nach der Versetzung seines Bruders nach Deutz 1804/05 trat er in dessen Pachtverhältnis zum stiftischen Haushof ein (LAV NRW R, Nassauer Behörden, Nr. 122). Um 1804/05 betrieb er seine Pensionierung (LAV NRW R, Nassauer Behörden, Nr. 81).

Hermann Joseph Custodis war seit 1787 als Rentmeister (so die Selbstbezeichnung im Pensionsgesuch vom 5. April 1812; LAV NRW R, Großherzogtum Berg, Nr. 1916) bzw. Kellner und Secretair (so Niederrheinisch-Westphälischer Kreis-Kalender auf das Jahr 1791, S. 240; auf das Jahr 1792, S. 257; auch LAV NRW R, Kurköln VIII, Nr. 499/11, fol. 14r) für das Stift Vilich tätig, und zwar bis zum 4. April 1804. Seit 1798 pachtete er den stiftischen Haushof (LAV NRW R, Kurköln VIII, Nr. 499/11, fol. 14r; Nassauer Behörden, Nr. 122), die sogenannte ”Burg Vilich“ (vgl. Weffer, S. 141 f.). Anstelle einer Pension erhielt er von den nassauischen Behörden eine Stelle als Controleur bei der Rentei Deutz und Polizei-Commissar; in das Pachtverhältnis zum Haushof trat unterdessen sein Bruder Franz Bernhard Custodis ein (LAV NRW R, Nassauer Behörden, Nr. 122). 1807 wurde Hermann Joseph von der nunmehr großherzoglich bergischen Administration zum Rentmeister (receveur des domaines) des Bezirks Lindlar im Amt Steinbach ernannt. Als die Kantone Bensberg und Lindlar vereinigt wurden, gelangte die Rentei nach Bensberg, wo Custodis bis zum 6. Februar 1812 Rentmeister blieb (Pensionsgesuch vom 5. April 1812; LAV NRW R, Großherzogtum Berg, Nr. 1916).

Ein weiterer Bruder, Pastor Johann Wilhelm Constantin Custodis in Mayschoß (Kollatur des Klosters Marienthal; vgl. Eckertz, S. 75 und 109), ist Adressat eines Briefes in RW 0795, Nr. 211.

Wenn diese Unterlagen Custodis’scher Provenienz nicht im Haushof (”Burg Vilich“) bis zu dessen Erwerb durch die Familie de Claer im Jahre 1869 verblieben sind, könnten sie von Franz Joseph Scheven übernommen worden sein, der seit 1803 als Verwalter der säkularisierten Abtei Heisterbach tätig war; denn ein Custodis und Scheven selbst wirkten gemeinsam in der Lokalkommission für die Aufhebung der Abtei (vgl. Schmitz, S. 2 und 7, sowie Hoitz, S. 45). Scheven seinerseits hatte seit 1784 als Schultheiß und seit 1786 als Vogt (advocatus legalis) im bergischen Amt Blankenberg fungiert, wurde 1803 /1805 zum Verwalter säkularisierter Kirchengüter und der in den Bezirken Mülheim und Wipperfürth belegenen Domänen bestellt. Während der französischen Zeit übernahm Scheven 1806 im Großherzogtum Berg, zunächst kommissarisch, die Stelle eines Provinzialrats im Arrondissement Mülheim/Rhein, bevor er 1807 zum Domäneninspektor des Rheindepartements ernannt wurde. In der preußischen Verwaltung wurde Scheven Landrat des Kreises Uckerath (1816) und außerdem Siegburg (1820) sowie des 1825 vereinigten Siegkreises. 1837 verstarb er im Dienst (vgl. Romeyk, S. 718 f.; Dietl-Hühnermann).

Neben dem Schriftgut aus Schevens eigener Tätigkeit umfasst der Bestand auch umfangreiche Unterlagen aus der Unterpräfektur Bonn des französischen Rhein-Mosel-Departements (zum Unterpräfekten Peter Joseph Boosfeld vgl. Hüffer). Eine Erklärung für die Existenz dieses Schriftgutes im Schlossarchiv Birlinghoven könnte sein, dass Scheven diese Unterlagen von seinem verstorbenen Amtskollegen, dem Landrat des Landkreises Bonn, Anton Maria Karl Graf von Belderbusch (1758-1820), übernommen hatte (zu Belderbusch vgl. Romeyk, S. 352 f.; Penning). Anton von Belderbusch war ein Neffe der Äbtissin des Stifts Vilich, Johanna Carolina von Satzenhoven (1762-1785), deren Vermögen er geerbt hatte. Von 1805 bis 1814 fungierte er als (französischer) Maire von Bonn. Auch nach dem Wiener Kongress von 1815 blieb er als Oberbürgermeister an der Spitze der Bonner Stadtregierung. Möglicherweise hat er die amtliche Korrespondenz der Unterpräfektur Bonn übernommen, als er 1816 Landrat des Landkreises Bonn wurde. Diese Registratur umfasst, neben den Verordnungen des Präfekten des Rhein-Mosel-Departements, auch die Berichte und Eingaben einzelner Mairien, darunter insbesondere der Mairie Bonn sowie persönliche Unterlagen des Caspar Antoine Oppenhoff (* 1771; Hofrat, Stadtrat und Universitätssekretär zu Bonn), dessen Sohn Karl Edmund Joseph Oppenhoff von 1840 bis 1850 erster hauptamtlicher Bürgermeister von Bonn war.

Verwandtschaftsbeziehungen der Familie Oppenhoff bestanden auch zur Familie de Claer / von Claer (vgl. Weffer, S. 142 f.). Der Nachlass des oben erwähnten Eberhard von Claer lässt sich in seine Sammlung rheinischer Archivalien einerseits und in eigene Aufzeichnungen / Ausarbeitungen andererseits unterteilen.

4. Inhalt des Bestandes

Die Unterlagen haben vor allem rechtlichen Charakter; es handelt sich vorwiegend um Gerichtsurteile, Beschwerden und Eingaben, Pacht- und Kaufverträge, Steuerrechnungen und Verordnungen. Hinsichtlich der Überlieferung zu geistlichen Institutionen nimmt das Stift Vilich den zentralen Platz im Bestand ein (vgl. oben Abschnitt 3). Dabei geht es vornehmlich um die Verwaltung der stiftischen Güter bis hin ins bergische Angerland, jedoch auch um das Ordensleben und um Ahnennachweise. Räumlich wird vor allem das Gebiet des heutigen Rhein-Sieg-Kreises mit Bonn (Nordrhein-Westfalen) sowie des Landkreises Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) abgedeckt.

5. Erschließung, Umfang und Benutzung des Bestandes

Die Erschließung erfolgte im Rahmen eines zeitlich befristeten Projektes vom 01.09.2016 bis zum 31.12.2016 durch den Wissenschaftlichen Tarifbeschäftigten Dr. des. Schumacher. Maßgeblich für die Klassifikation waren die jeweiligen (amtlichen) Tätigkeiten der Nachlasser, soweit sie im Rahmen des Projektes feststellbar waren. Da der disparate Bestand weitgehend ungeordnet und ohne Sachaktenbildung vorlag, wurde in den meisten Fällen eine Einzelstückverzeichnung vorgenommen. Einzelne Verzeichnungseinheiten wurden im weiteren Verlauf gegebenenfalls erweitert. Unterlagen, die sich gemeinsam in einer Mappe befanden, wurden auf ihren Zusammenhang geprüft und nach Möglichkeit als eine Einheit verzeichnet. Nur in denjenigen Fällen, in denen der inhaltliche und überlieferungstechnische Zusammenhang offenkundig fehlte, wurden die Unterlagen getrennt.

Konnte die Provenienz nicht ermittelt werden, wurden die entsprechenden Einheiten unter dem Klassifikationspunkt ”Unbekannte und unklare Provenienzen“ verzeichnet. War zwar die Provenienz zu ermitteln, jedoch der Entstehungskontext keiner konkreten Tätigkeit zuzuordnen, sind die Stücke in den amtlichen Nachlässen unter ”Sonstiges“ o. ä. erfasst worden. Überschneidungen zwischen einzelnen Klassifikationspunkten ließen sich nicht immer vermeiden. Unter dem Klassifikationspunkt ”Besitz des Hauses / Schlosses Birlinghoven“ wurden nicht nur Unterlagen zu den Schlossbesitzern selbst verzeichnet, sondern auch Dokumente zu den Besitzverhältnissen Birlinghovens. Der Nachlass Mathias Warmsbach konnte keiner konkreten Tätigkeit zugeordnet werden. Insgesamt werden sich die Überlieferungszusammenhänge sämtlicher Unterlagen wohl nie vollständig aufklären lassen.

Die Titelaufnahme der gedruckten landesherrlichen Verordnungen erfolgte unter Berücksichtigung von: Karl Härter u. a., Repertorium der Policeyordnungen der Frühen Neuzeit, 3 Bde., Frankfurt am Main 1996-1999. Dabei wurde im Enthält-Vermerk z. T. die Verschlagwortung (Deskriptoren) übernommen, die in Bd. 1, S. 1-36 näher erläutert wird.

Kassationen fanden nicht statt. Die Endredaktion von Findbuch-Einleitung und Klassifikation nahm Oberstaatsarchivrat Dr. Früh in der ersten Jahreshälfte 2017 vor.

Nach Erschließung umfasst der gesamte Bestand 1465 Verzeichnungseinheiten in 48 Archivkartons. Die Laufzeit erstreckt sich vom 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Benutzung richtet sich nach dem Archivgesetz NRW. Personenbezogene Schutzfristen bestehen nicht mehr. Die Nummern 438, 754, 1440, 1454 und 1465 sind aus konservatorischen Gründen derzeit für eine Nutzung gesperrt.

Zu bestellen und zu zitieren sind die Unterlagen: RW 0795 + lfd. Nr.

6. Verwandte Bestände

Aufgrund der Vielfalt des Schriftgutes können verwandte Bestände hier nicht abschließend aufgezählt werden. Innerhalb der Abteilung Rheinland ist vor allem auf die Bestände der Territorien des Alten Reiches (z. B. Beständegruppen Jülich-Berg, Kurköln), der französischen und Übergangs-Zeit (z. B. Großherzogtum Berg, Nassauer Behörden, Generalgouvernement Berg) und der preußischen Zeit (z. B. Landratsamt Siegkreis - BR 0043) zu verweisen, zum anderen auf diejenigen der säkularisierten Klöster und Stifte (z. B. Stift Vilich); von letzteren gehörten die über das Antiquariat Rinnelt in den Jahren 2010 und 2011 (acc. 2011/122) erworbenen Schriftstücke (nämlich: Heisterbach, Akten Nr. 30-33, Jülich-Berg VI, Nr. 492-493, Vilich, Akten Nr. 83 und Großherzogtum Berg, Nr. 13849) möglicherweise ursprünglich ebenfalls zu der ehemals in Schloss Birlinghoven verwahrten Überlieferung. Bereits 1937 war das Staatsarchiv Düsseldorf dem Schlossarchiv Birlinghoven auf der Spur (vgl. oben Abschnitt 3); es konnte für das Staatsarchiv aber lediglich ein ”Hofgedingbuch von Oberdollendorf 1668-1798“ aus der ”von Frau Geheimrat Hagen in Schloss Birlinghoven gesammelten Bibliothek“ (BR 2093, Nr. 341, Blatt 44, 49-54) als Depositum v. Wrede (acc. 66/37; RW 1179 bzw. Abtei Heisterbach, Akten Nr. 20) gesichert werden, welches jedoch seit 1962 verschollen ist (Findbuch 151.37.00).

Ergänzende Unterlagen der Unterpräfektur Bonn des Rhein-Mosel-Departements werden im Landeshauptarchiv Koblenz verwahrt. In Privatbesitz befindet sich das erwähnte ”Archiv Schloss Birlinghoven“. Im Stadtarchiv Sankt Augustin beruht der Bestand Familienarchiv von Claer; vgl. im Internet unter <http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp;jsessionid=2EF002184ED2AD74296BA36E2AEB64AF?archivNr=140&id=010&tektId=70&bestexpandId=44>

Duisburg, 04.08.2017

Felix Schumacher / Martin Früh

Umfang : 1,5 lfm

Verweise :

Hartmut Benz, Regesten von Urkunden und Akten aus dem Archiv Schloss Birlinghoven, Hänscheid 2009 [Dienstbibliothek DFF Nr. 12].

Ralph Dietl-Hühnermann, Franz Joseph Scheven - vom Schatzschultheiß zum Landrat. Eine Beamtenkarriere unter bergischen, französischen und preußischen Landesherren, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 32 (2017), S. 28-33 und S. 214 [Dienstbibliothek Z 728].

G. Eckertz, Chronik und Weisthum von Mayschoß an der Ahr, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 16 (1865), S. 39-123 [Dienstbibliothek Z 1].

Wilhelm Fabricius, Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 12), Bd. 2, Bonn 1898.

Helmut Fischer, Hennef an der Sieg. 91 Dörfer - eine Stadt, Erfurt 2011 [Dienstbibliothek 2017/721].

Fraunhofer Institutszentrum Schloss Birlinghoven im Internet: <http://www.izb.fraunhofer.de/de/besucher/schloss-birlinghoven/baugeschichte.html> [abgerufen am 29.06.2017].

Joseph Hansen, Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801, Bd. 3, Bonn 1935 [Dienstbibliothek 2003/0902].

Karl Härter u. a., Repertorium der Policeyordnungen der Frühen Neuzeit, 3 Bde., Frankfurt am Main 1996-1999.

Markus Hoitz, Die Aufhebung der Abtei Heisterbach (Königswinter in Geschichte und Gegenwart, 3), Königswinter 1987 [Dienstbibliothek 88/219].

Hermann Hüffer, Peter Joseph Boosfeld und die Stadt Bonn unter französischer Herrschaft, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 13/14 (1863), S. 118-147 [Dienstbibliothek Z 1] [über den Bonner Unterpräfekten Peter Joseph Boosfeld].

Inventar des herzoglich arenbergischen Archivs in Edingen/Enghien (Belgien), Teil 1: Akten und Amtsbücher der deutschen Besitzungen, bearb. v. Peter Brommer / Wolf-Rüdiger Schleidgen / Theresia Zimmer (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, C 16), Siegburg 1984, S. 373 s. v. Custodis (Beamter) [Dienstbibliothek 84/238].

Herman Lohausen, Die Düsseldorfer Beamtenfamilie Custodis, in: Düsseldorfer Familienkunde 2006/4, S. 104-107 [Dienstbibliothek Z 592].

Friedrich Everhard von Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden und den Provinzen Jülich, Cleve, Berg und Westphalen, nach archivarischen und anderen authentischen Quellen gesammelt und bearbeitet, Heft 10, Köln 1855 [im Internet unter: <http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/content/pageview/1436678> ; abgerufen am 19.07.2017].

Peter Neu, Die Arenberger und das Arenberger Land, Bd. 2: Die herzogliche Familie und ihre Eifelgüter 1616-1794 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 67), Koblenz 1995 [Dienstbibliothek 96/920].

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Niederrheinisch-Westphälischer Kreis-Kalender auf das Jahr 1791, Köln 1791 [Dienstbibliothek III K 19 - 1791].

Niederrheinisch-Westphälischer Kreis-Kalender auf das Jahr 1792, Köln 1792 [Dienstbibliothek III K 19 - 1792].

Wolf D. Penning, Anton Reichsgraf von Belderbusch (1758-1820), Bürgermeister von Bonn, in: Portal Rheinische Geschichte, im Internet unter: <http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/B/Seiten/AntonReichsgrafvonBelderbusch.aspx> [abgerufen am 29.06.2017].

Edmund Renard, Die Kunstdenkmäler des Siegkreises (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 5/4), Düsseldorf 1907 [Dienstbibliothek Lesesaal H 19 A 5/4].

Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 69), Düsseldorf 1994 [Dienstbibliothek 2007/784].

Michael Schliefer, Birlinghoven. Von einer Burg zum Wasserschlösschen 1626-2001 (Beiträge zur Stadtgeschichte, 40), Siegburg 2002 [Dienstbibliothek Z 759 / 40].

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Norbert Schloßmacher, ”Alles ist wegen Aufhebung der Klöster und Stifte verstört.“ Das Personal der Bonner Stifte und Klöster am Vorabend der Säkularisation, in: Bonner Geschichtsblätter 53/54 (2004), S. 203-268 [Dienstbibliothek Z 36].

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Ferdinand Schmitz, Die Aufhebung der Abtei Heisterbach nach den Akten des Königlichen Staatsarchivs zu Düsseldorf, Bergisch Gladbach o. D. [Dienstbibliothek VI S 96].

Ferdinand Schmitz, Die Herrschaft des Abtes von Heisterbach zu Flerzheim und Neukirchen in der Sürst, in: Düsseldorfer Jahrbuch 17 (1902), S. 156-178 [Dienstbibliothek Z 41].

Wolfgang Hans Stein, Die Akten der französischen Besatzungsverwaltungen 1794-1797. Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 241,001-241,014 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 110), Koblenz 2009 [Dienstbibliothek 2010/85].

Robert Thomas, Der Ort Flerzheim an der Swist (Beiträge zur Geschichte der Stadt Rheinbach, 4), Rheinbach 1987 [Dienstbibliothek 2017/593].

Armin Tille, Übersicht über den Inhalt der kleineren Archive der Rheinprovinz, Bonn 1899 [Dienstbibliothek H 5 E 1].

Herbert Weffer, Familien in Stift und Ort Vilich, in: 1000 Jahre Stift Vilich 978-1978. Beiträge zu Geschichte und Gegenwart von Stift und Ort Vilich, hg. v. Dietrich Höroldt, Bonn 1978, S. 134-166 [Dienstbibliothek 78/355].



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