Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
2. Verwaltungsbehörden Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln
2.3. Landratsämter/Kreisbehörden
2.3.31. Landratsamt Schleiden
Landratsamt Schleiden BR 0042
215.31.00 Landratsamt Schleiden
Permalink des Findbuchs


Signatur : BR 0042

Name : Landratsamt Schleiden BR 0042

Beschreibung :

Einleitung :

Behördengeschichte

Bei seiner Einrichtung 1816 bestand der Kreis Gemünd - dessen Umbenennung in "Kreis Schleiden" 1829 erfolgte - aus den folgenden vierzehn Bürgermeistereien, die ihrerseits meist aus mehreren Gemeinden bestanden: Bleibuir, Dreiborn, Eicks, Gemünd, Heimbach, Holzmülheim, Kall, Keldenich, Noethen, Schleiden, Vussem, Wallenthal, Weyer und Wollseifen.

Preußen hatte auf dem Wiener Kongress die Verpflichtung übernommen, bestimmte Fürsten durch Gebietsabtretungen zu entschädigen. Infolgedessen schloss es am 18.9.1816 einen Vertrag mit dem Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, in welchem es diesem Reifferscheid mit 3620 Einwohnern, Schleiden (ohne Wollseifen) mit 3917 Einwohnern und Kronenburg (ohne Steffler und Schüller) mit 2795 Einwohnern abtrat. Die abgetretenen Gebiete wurden jedoch niemals von Mecklenburg, sondern weiterhin von Preußen verwaltet. 1819 kaufte Preußen diese Gebiete zurück.

Der Kreis Gemünd zählte 1816 28.795 Einwohner.

Mit Wirkung ab dem 15.6.1818 kamen durch Kabinettsorder vom 16.3.1818 die zwölf Bürgermeistereien des aufgehobenen Kreises Blankenheim zum Kreis Gemünd: Blankenheim, Dahlheim, Dollendorf, Hellenthal, Hollerath, Kronenburg, Lommersdorf, Marmagen, Reifferscheid, Tondorf, Udenbreth und Wahlen.

Der Kreis Gemünd zählte 1828 32.458 Einwohner.

Eine Kabinettsordre vom 24.10.1829 ordnete die Verlegung des Landratsamtes von Gemünd nach Schleiden an.

Ein Ministerialerlass vom 11.12.1829 verfügte die Umbenennung in "Kreis Schleiden".

1861 bestand der Kreis Schleiden aus den im Folgenden aufgezählten Bürgermeistereien (in Klammern die Namen der Gemeinden, aus denen sich die Bürgermeistereien zusammensetzten) mit der angegebenen Einwohnerzahl:

Blankenheim (Blankenheim, Blankenheimerdorf, Mülheim, Reetz): 1740 Einwohner

Bleibuir (Bleibuir, Hergarten, Vlatten): 2055 Einwohner

Kronenburg (Kronenburg, Baasem, Dahlem): 2105 Einwohner

Kall (Kall, Frohnrath, Ober-Golbach, Unter-Golbach mit Wintzen, Heistert, Rinnen, Sistig, Sötenich): 1864 Einwohner

Dollendorf (Alendorf, Dollendorf, Hüngersdorf, Ripsdorf, Waldorf): 1984 Einwohner

Dreiborn (Dreiborn): 2981 Einwohner

Eicks (Eicks, Berg, Floisdorf, Glehn, Hostel): 1641 Einwohner

Gemünd (Gemünd): 1547 Einwohner

Harperscheid (Harperscheid, Bronsfeld, Broich, Oberhausen, Schöneseiffen): 1350 Einwohner

Heimbach (Heimbach): 1540 Einwohner

Hellentahl (Hellenthal): 2924 Einwohner

Hollerath (Hollerath): 982 Einwohner

Holzmülheim (Holzmülheim, Bouderath, Buir, Engelgau, Frohngau, Lindweiler, Roderath, Rohr, Tondorf): 1746 Einwohner

Keldenich (Keldenich, Sötenich): 879 Einwohner

Lommersdorf (Lommersdorf, Ahrdorf, Freilingen, Uedelhoven): 1584 Einwohner

Marmagen (Marmagen, Nettersheim, Schmidtheim, Urft): 1917 Einwohner

Noethen (Noethen, Pesch): 936 Einwohner

Schleiden (Schleiden): 1019 Einwohner

Udenbreth (Udenbreth, Berk): 1021 Einwohner

Vussem (Bergheim, Breitbenden, Harzheim, Holzheim, Lorbach, Mechernich, Roggendorf, Strempt, Vussem): 4309 Einwohner

Wahlen (Wahlen): 2119 Einwohner

Wallenthal (Wallenthal): 929 Einwohner

Weyer (Kallmuth, Weyer, Zingsheim): 1548 Einwohner

Die Gesamteinwohnerzahl des Kreises betrug 1861 40.218.

Am 24.11.1918 wurde nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg im Rahmen der Novemberrevolution ein kurzlebiger Arbeiter-, Bürger- und Bauernrat gebildet, der mit dem Landrat kooperierte.

1918 wurde der Kreis Schleiden zunächst von britischen Truppen besetzt, am 10.11.1919 jedoch der französischen und am 1.8.1922 schließlich der belgischen Besatzungszone zugewiesen.

Auch 1919 bestand der Kreis aus 23 Bürgermeistereien; unter diesen war neben den 1861 bestehenden nun auch Mechernich vertreten, während Vussem keine Bürgermeisterei mehr bildete.

Losheim, Losheimergraben und Kehr (Kreis Malmedy) wurden 1919 im Versailler Vertrag zunächst Belgien zugeschlagen, am 1.10.1921 nach einer Volksabstimmung jedoch dem Deutschen Reich zurückgegeben und dem Kreis Schleiden eingegliedert.

Ende Oktober 1923 fiel die Kreisverwaltung für wenige Tage in die Hände rheinischer Separatisten, die den Landrat Graf von Spee inhaftierten.

1927 zählte der Kreis Schleiden 49.179 Einwohner.

1929 erhielten die Kreise die sogenannte Kompetenz-Kompetenz, d.h. das Recht, alle Aufgaben an sich zu ziehen, die nach dem Ermessen der Kreisverwaltung von überörtlicher Bedeutung waren; die Kreisordnung von 1887 blieb im wesentlichen unverändert.

1937 wurde die Bürgermeisterei Udenbreth aufgehoben.

1939 betrug die Einwohnerzahl des Kreises 58.731.

Ein Erlass des Reichsinnenministeriums vom März 1943 führte zu einer Neugliederung der Kreisverwaltungen nach systematischen Gesichtspunkten und unter Aufhebung der bisherigen Trennung der staatlichen von der kommunalen Abteilung der Kreisverwaltung. Nach einer 1.6.1943 stammenden Übersicht (vgl. Akten der Altkreise Euskirchen und Schleiden, S. 13) gliederte sich die Verwaltung des Kreises Schleiden danach in neun Abteilungen (Verwaltung, Polizei, Schule, Kultur, Fürsorge, Gesundheit, Bau, Wirtschaft, Betriebe und Finanzen), welche dem Landrat unterstanden und ihrerseits aus Unterabteilungen bestanden.

Zwischen 1816 und 1945 amtierten die folgenden Landräte im Kreis Gemünd bzw. Schleiden:

1816-1829 Clemens August Freiherr von Syberg-Eicks (geb. 1754, gest. 1833; zunächst Kreiskomissar, 1816-1829 Landrat von Gemünd)

1829 (Johann Peter Schroeder, Kreissekretär, in Vertretung des Landrats)

1829-1863 Richard Graf von Beissel (geb. 1802, gest. 1879; 1. Landrat von Schleiden)

1863-1895 Clemens August Freiherr von Harff (geb. 1821, gest. 1895)

1895-1906 Dr. Hermann von Schlechtendal (geb. 1859, gest. 1920)

1906-1916 Dr. Albert Kreuzberg (geb. 1871, gest. 1916)

1916-1933 Josef Graf von Spee (geb. 1876, gest. 1941)

1933-1945 Dr. Josef Schramm (geb. 1901, gest. 1991)

Literatur:

Akten der Altkreise Euskirchen und Schleiden aus den Jahren 1933-1945. Vorläufiges Findbuch, hrsg. von Heike Pütz, Euskirchen 2001.

Bär, Max: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 35, Bonn 1919 (2. ND Düsseldorf 1998).

Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945. Reihe A: Preußen, hrsg. von Walther Hubatsch, Bd. 7: Rheinland, bearb. von Rüdiger Schütz, Marburg 1978.

Heimatchronik des Kreises Schleiden, bearbeitet von Heinrich Neu, hrsg. im Auftrage des Kuratoriums für Deutsche Heimatpflege e.V. Bonn, Köln 1954.

Janssen, Josef: Hundert Jahre Kreis Schleiden 1829-1929. Geschichte seiner Kultur und Wirtschaft, hrsg. im Auftrage des Kreisausschusses, Schleiden 1929.

Neu, Heinrich: Der Kreis Schleiden. Eine Übersicht über seine Geschichte, hrsg. vom Geschichts- und Heimatverein des Kreises Schleiden (Eifel), Beiträge zur Geschichte des Kreises Schleiden Heft 1, Schleiden 1951.

Romeyk, Horst: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 69, Düsseldorf 1994.

Romeyk, Horst: Verwaltungs- und Behördengeschichte der Rheinprovinz 1914-1945, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 63, Düsseldorf 1985.

Statistische Verhältnisse des Kreises Schleiden pro 1859/61, Schleiden 1862.

Virmond, Eugen: Geschichte des Kreises Schleiden, Schleiden 1898 (für die Zeit vor 1816).

Bestandsgeschichte und Informationswert des Bestandes:

Der Bestand wurde in drei Akzessionen (1897, 1925 und 1939) ins Hauptstaatsarchiv Düsseldorf übernommen.

Das anlässlich der dritten Akzession 1939 angelegte maschinenschriftliche Findbuch listete ursprünglich 27 Verzeichnungseinheiten auf und gab an, dass die ganze ältere Registratur verloren sei.

Ein Nachtrag aus dem Jahr 1955 vermerkte jedoch, dass alle Stücke vorgefunden worden seien.

Das Findbuch von 1939 wurde denn auch handschriftlich ergänzt und listete zum Zeitpunkt der Neuverzeichnung 2007 57 Verzeichnungseinheiten auf. Unter den Nachträgen befanden sich 13 Verzeichnungseinheiten aus dem sogenannten Kahnakten-Bestand, also Akten, welche nach ihrer Auslagerung Anfang 1945 mit dem Binnenschiff "Main 68" auf dem Mittellandkanal untergingen, nach Kriegsende geborgen und im Rahmen des Möglichen restauriert wurden Die unter "Altsignatur" aufgeführten ehemaligen Kahnakten-Signaturen wurden im Rahmen der Online-Stellung des Findbuchs und der Akten angepasst (s. BR 0042 Nr. 45-Nr. 57). Die Digitalisate der Akten stammen von den im Rahmen der Bundessicherungsverfilmung im Jahr 2002 hergestellten Mikrofilmen. Die Akten BR 0042 Nr. 45-Nr. 57 wurden im Jahre 2017 nachträglich digitalisiert.

Eine Klassifikation des Bestands lag vor der Neuverzeichnung 2007 ebenso wenig vor wie eine über die Titelaufnahme hinausgehende inhaltliche Erschließung.

Beides wurde im Rahmen der Neuverzeichnung im System V.E.R.A. im Oktober-Dezember 2007 im Rahmen eines Praktikums von Dr. René Hanke in Abstimmung mit Oberstaatsarchivrätin Dr. Kathrin Pilger vorgenommen.

Die Klassifikation ging von der Zielsetzung aus, nach dem Beispiel vergleichbarer Bestände (Landratsämter Grevenbroich, Findbuch 215.15 und Siegburg, Findbuch 215.32) die Einteilung der Aufgabenbereiche des Landrats abzubilden.

Dabei zeigte sich, dass der Bestand inhaltlich nur einen Teil der Befugnisse des landrätlichen Amtes erfasst; so fehlen z.B. Akten zum Schulwesen, zum Militär- und Personenstandswesen. Andere Bereiche, z.B. Verkehrswesen und Kirchenwesen, sind nur rudimentär vertreten.

Die Gesamtlaufzeit des Bestandes erstreckt sich von 1794 bis 1943, wobei allerdings anzumerken ist, dass sich die Überlieferung fast gänzlich auf den Zeitraum 1815-1903 beschränkt; nur die Verzeichnungseinheiten BR 42-19 (mit einem Dokument aus der Zeit der französischen Herrschaft von 1794) und BR 42-43 (Berichtszeitraum: 1940-1943) fallen aus diesem Rahmen heraus.

Gut dokumentiert sind die kreisständischen Verhandlungen zwischen 1828 und 1884, deren schriftliche Zeugnisse einen empirisch abgesicherten Befund über die Belange erlauben, mit denen sich ein Kreistag mehr oder weniger häufig auseinandersetzte - wobei Vergleiche mit anderen Kreistagen Rückschlüsse auf regionale Besonderheiten erlauben dürften (BR 42-19, BR 42-36, BR 42-37).

Die Akte BR 42-1, welche die Auseinandersetzungen um die Eigentums- und Nutzungsrechte an dem Wald Erbstarrenbusch enthält, reflektiert die Rechtsunsicherheit, die in solchen Fragen beim Übergang des Rheinlands an Preußen zuweilen eintrat; insbesondere das Beharren der Bevölkerung auf ihren angestammten Rechten gegenüber der neuen Obrigkeit fällt dabei ins Auge.

Relativ umfangreich ist die Dokumentation der jeweils konkret benannten, im Vormärz verbotenen (und zugelassenen) Publikationen (BR 42-35, BR 42-49, BR 42-50, BR 42-51, BR 42-52, BR 42-53), die sich z.B. nach Gegenstand der Publikation, Motivation des Verbots und zeitlicher Verteilung der Häufigkeit von Verboten über den Berichtszeitraum der Akten hinweg auswerten ließen. Auch Vergleiche mit derartigen Beständen aus anderen deutschen Staaten sind denkbar, bei denen sich untersuchen ließe, wie streng die Zensur im Vergleich gehandhabt wurde, und welche Schriften man hier oder dort für "gefährlich" hielt.

Im Klassifikationsbereich "Handel, Gewerbe und Industrie" sind Projekte und Konzessionen für Pulverfabriken überproportional vertreten. Bei der Erschließung erschien bemerkenswert, dass es in Pulverfabriken beinahe regelmäßig zu Explosionen kam. Dieser Umstand sowie die umfangreich dokumentierten Genehmigungsverfahren für Aufbau und - oft genug - Wiederaufbau der Pulverfabriken sind möglicherweise für Untersuchungen über die Bedingungen der frühen Industrialisierung (speziell über den Aspekt staatlicher Aufsicht und des Aspekts der Sicherheit am Arbeitsplatz) wertvoll; zu konsultieren wären die Verzeichnungseinheiten BR 42-25, BR 42-26, BR 42-27 und BR 42-56.

Als frühes Zeugnis nicht nur für das Faktum, sondern vor allem für den Umgang mit dem Problem der Umweltverschmutzung eignet sich die Akte BR 42-21, die sich mit der Verunreinigung des Wolferter Bachs durch eine Fabrik beschäftigt.

Die Akte BR 0042 Nr. 41 Entwässerung des Gangelter Bruch 1819-1843 wurde wieder der ursprünglichen Provenienz Landratsamt Geilenkirchen zugeordnet (neue Signatur BR 0023 Nr. 105)

Hinweis auf ergänzende Bestände:

In der AKte BR 0028 Nr. 262 (Ehemalige Kahnakte BR 1040 Nr.1263) befindet sich die vorläufige Armenordnung für den Kreis Gemünd aus dem Jahr 1822 (vgl. ebenda, Blätter 55-61).

Ansonsten ist auf den im HSA befindlichen Bestand der Regierung Aachen als der dem Kreis Schleiden übergeordneten Behörde hinzuweisen.

Das Kreisarchiv Euskirchen verwahrt mit den Beständen "Landratsamt Schleiden" und "Kreis Schleiden" umfangreiches Material zur Geschichte des Landratsamtes und des Kreises.

Auch auf die Archive der vormals zum Kreis gehörenden Gemeinden ist hinzuweisen.

Ebenfalls relevant ist der Bestand 403 ("Oberpräsidium der Rheinprovinz") im rheinland-pfälzischen Landeshauptarchiv in Koblenz sowie die Bestände Rep. 77 Nr. 4368 bzw. 4369 (Besetzung der Stelle des Landrats, 1875-1942 bzw. Personalstellen der Angestellten und Beamten, Geschäftsverteilung und Geschäftsbedürfnisse) im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.

Benutzung:

Da die relevanten Sperrfristen abgelaufen sind, ist der Bestand frei benutzbar, sofern für einzelne Akten keine Einschränkungen aus konservatorischen Gründen gelten.

Die Akten sind unter der Signatur BR 42 Nr. ... zu bestellen.

Umfang : 56 Einheiten; 15 Kartons



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