Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.4. Reichsbehörden
1.4.1. Reichskammergericht
Reichskammergericht AA 0627
115.05.02 Reichskammergericht, Teil II, C-D
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1716 - 1807 (1619 - 1721)
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Streit um den Meutershof/Mantershof, vulgo Pieckengut (auch Pieckenbroich) genannt, auf der Engbrück in Korschenbroich-Pesch, ein adeliges Lehnsgut der Herrschaft Myllendonk. Die Appellantinnen besitzen die Jahresrente von 100 Rtlr. vom Pieckengut seit 1681 als Mitgiftschenkung für ihre Mitschwester Anna Gertrud Schulgen. Da die Zahlung der Lehnsrente unterblieb, ließen sie sich 1699 mit dem Gut belehnen und verpachteten es 1693 an die Eheleute Theis Specht und Katharina Krafft. 1715 klagte der myllendonkische Lehnsanwalt auf Heimfall des Lehens. Die Ansprüche der Maria Catz, der Witwe des letzten Lehnsinhabers Peter Radermacher (Ramacher), Colonels in Diensten der Vereinigten Niederlande, Kommandeurs des Forts St. Andreas und Richter zu Bommelerwaart (1680), der verst. Eheleute Winand Schlecht und Metelen Hamacher als Käufer der Lehnsrente (1619) und des Bernhard Schulgen als späteren Inhabers der Lehnsrente (1681) seien erloschen und an die Freifrau von Myllendonk verfallen. Die Äbtissin von St. Mauritius appelliert gegen die Anerkennung des Heimfalls (Caducität) durch die 1. Instanz mit Urteil vom 26. März 1716 und anschließenden Dekreten (z. B. Subhastationsdekret) und beantragt vor dem RKG, entweder ihre Belehnung von 1699 als weiterhin gültig zu beurteilen oder die Appellaten zu Bezahlung der noch rückständigen Pensionen, der vorgenommenen Aufwendungen, Investitionen („Meliorationen“), Zinsen und Gerichtskosten zu verurteilen. Mit Urteil vom 17. Juli 1721 erkennt das RKG zwar den Heimfall des Lehens, aber auch das Recht der Äbtissin, den Pieckenhof bis zur Einlösung der Rente zu besitzen, an.

Aktenzeichen : Nachtrag 35

Enthaeltvermerke : Kläger: Äbtissin und Konventualinnen des Klosters St. Mauritius in Köln, (Bekl.)
Beklagter: Fiskalischer Lehnsanwalt der Myllendonkischen Lehnskammer zu Korschenbroich für Maria Gertrud, Reichsfürstin bzw. gefürstete Äbtissin des kaiserl. freiweltlichen Stifts zu Prag, Dame d’honneur der verwitweten Kaiserin, verwitwete Gräfin von Berleps (Berlepsch), Freifrau zu Myllendonk, Korschenbroich, Pesch etc., (Kl.)
Prokuratoren (Kl.): Lic. Ambrosius Joseph Stephani 1716 - Subst.: Dr. J(ohann) R(udolph) Sachs
Prokuratoren (Bekl.): Lic. Wilhelm Heeser [1711] 1717 - Subst.: Dr. Johann Meyer - Lic. Johann Jakob Wahl 1717 - Subst.: Dr. Christian Hartmann von Gülich
Prozeßart: Appellationis
Instanzen: 1. Statthalter (Dr. Stunck), Räte und Lehnsschöffen der Myllendonkischen Mann- und Lehnskammer zu Korschenbroich 1715 - 1716 - 2. RKG 1716 - 1807 (1619 - 1721)
Beweismittel: Obligationen von 1619: Die Eheleute Otto von Forst und Gertrud von Driell, Gerhard Schlickum von Schlickum und Maria von Driell sowie Elisabetha von Driell nehmen zur Einlösung ihres elterlichen Erbgutes auf der Engbrück von Gothard von Neukirchen gen. Nievenheim, der es 39 Jahre lang innehatte, von den Eheleuten Winand Schlecht, Kuchenbäcker und Bürger zu Köln, und Mettelen Hamachers einen Kredit von 2000 Rtlr. auf und verpfänden/verkaufen mit Einwilligung des Lehnsherrn Johann von Myllendonk eine Jahresrente von 100 Rtlr. (Q 8). Transfixbrief von 1681: Die Eheleute Bernhard Schulgen (Schülgen), Ratsmitglied und Appellationskommissar in Köln, und Helena Judendunck übertragen dem Kloster St. Mauritius die 100 Rtlr. Jahresrente als Mitgift für Schulgens Tochter Anna Gertrud aus seiner Ehe mit Gudula Scheiff (Q 9). Belehnungsurkunde von 1699 (Q 10). Kautionsschein (Q 13). RKG-Mandat vom 2. Dez. 1716 (Q 16). Zeugenaussagen der Pächter (Q 19). Ratspatent der Gräfin Maria Gertrud von 1700 für Anthon Barthelt (Q 23). Auszug aus dem Pachtzettel und Inspektionspatent von 1693 (Q 24). Zeugenaussagen des Tönnes Heyer, Schöffen des Gerichts Pesch-Weinmark, der Schöffen Martin Heggers und Adolf Plumers sowie Johannes Lukas und anderer Personen von 1716 (Q 26 - 28). Weitere Zeugenaussagen (Q 32). König Karl von Spanien als Herzog von Geldern erkennt 1699 dem Herzog Karl Eugen von Croy die Herrschaft Myllendonk mit Korschenbroich, Pesch und Weinmark ab und beauftragt seinen Statthalter im Herzogtum Geldern, die Gräfin Maria Gertrud von Berleps, geborene Wolffvon Gudenberg (= Käuferin des Lehens), damit zu belehnen (Q 36). Belehnung des Peter Radermacher, Kapitäns im Dienste der Vereinigten Niederlanden und Kommandanten auf dem Fort Sint Andries (Andreas), mit dem Meutershof 1680 (Q 37). Abrechnung von 1668 zwischen Junker Wilhelm Catz namens seines Vaters und Bernhard Schulgen über rückständige Renten (Q 39a). Schadensberechnung seitens des Klosters St. Mauritius (in Q 41). Rechnung über Investitionen („Meliorationen“), Schäden und Ausgaben (Q 45). Weitere Rechnungen (Q 46). Zeugenverhöre von 1721 (Q 47f., 56, 63, 98, 104) und 1719 (Q 62). Schreiben und Schriftsätze von 1689 betr. Einweisung von St. Mauritius in das Pieckengut (Q 72 - 77). Broichgelder-Rechnung (Q 78f.). Pachturkunde des Klosters St. Mauritius für die Eheleute Theis Specht und Tringen (Katharina) Krafft von 1693 (Q 83). Auszug aus dem Hauptbuch und Register des Klosters betr. Empfang der Pension von 1672 - 1693 (Q 85f.). Vermessung des Pieckenhofs 1698 (Q 105). RKG-(Bei-)Urteile vom 17. Juli 1720, 4. April 1721 (Prot.).
Beschreibung: 7,5 cm, 383 Bl., lose; Q 1 - 108, 109* und 110* fehlen.



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