Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.4. Reichsbehörden
1.4.1. Reichskammergericht
Reichskammergericht AA 0627
115.05.02 Reichskammergericht, Teil II, C-D
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1696 - 1700 (1689 - 1714)
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Ursache des Streits ist das Erbe des Winand Brüel (Bröel), der in 1. Ehe mit Katharina Gummersbach verheiratet war und mit ihr zwei Kinder namens Eva, verheiratet mit Meister Johann Wolff, und Arnold hatte und in 2. Ehe mit Anna Krumbach (Crumbach) verheiratet war und aus dieser Ehe ebenfalls zwei Kinder, u. a. eine Tochter Maria, hinterließ. Das Erbe besteht aus 2 Häusern, dem Haus ”Zur Windmühle“ auf der Rheingasse (Wert 1800 Tlr.) und dem Haus ”Zum Kaiser“ / ”Zum kleinen Mühlenstein“ auf dem Thurnmarkt (Wert 1000 Tlr.). Gemäß Erbteilungsvertrag erhielten die Witwe Anna Krumbach und ihre Kinder das erste Haus, das sie auch bewohnten, und die Kinder aus 1. Ehe das andere Haus, das vom Handwerkermeister Johann Odenthal mit seiner Frau und 7 Kindern zunächst im Mietverhältnis bewohnt wurde. Johann Odenthal kaufte 1694 die Hälfte des Thurnmarkt-Hauses von Anna Krumbach und wollte dies ”inscrinieren“ (in die Schreinsbücher der Stadt Köln eintragen) lassen. Johann Wolffbeanspruchte jedoch namens seiner Frau Eva Brüel 1/4 des Thurnmarkt-Hauses und strengte vor dem Ratsgericht/Magistratsgericht eine Räumungsklage gegen Johann Odenthal an. Odenthal prozessierte nun seinerseits an 3 Instanzen (Hohes Weltliches Gericht, Appellationskommissariat, Revisionsgericht zu Bonn) wegen des ”documentum ad scrinium“ und wurde in seinem Besitz bestätigt. Da der Stadtrat sich weigerte, das Urteil vollstrecken zu lassen, beschlossen die kurfürstl. Räte, Johann Odenthal bis zur Summe von 370 Rtlr. (zu je 80 Albus) und 80 Albus aus den Gütern eines Dritten, nämlich dem Hof des Kölner Ratsmitglieds Goddart Lauter zu Sürth oder Weiß (Stadt Köln), zu entschädigen. Der Stadtrat befahl Odenthal, bei Strafe des Turmgangs von diesem Vorhaben abzulassen. Daraufhin nahmen die kurfürstl. Räte Odenthal in Schutz und boten ihm einen ”Fehde- und Diffidationsbrief“ an. Dies verstoße gegen die Reichsordnung von 1544. Dagegen und gegen die Einweisung in die Güter eines unbeteiligten Dritten klagt die Stadt Köln vor dem RKG.

Aktenzeichen : C 578/1393

Enthaeltvermerke : Kläger: Bürgermeister und Rat der Stadt Köln
Beklagter: Erzbischof Joseph Clemens von Köln und seine heimgelassenen Räte zu Bonn
Prokuratoren (Kl.): Lic. Johannes Eichrodt 1696 - Subst.: Lic. Konrad Franz Steinhausen - Lic. Konrad Franz Steinhausen 1697 - Subst.: Lic. Johann Heinrich Flender
Prokuratoren (Bekl.): Lic. Johann Konrad Albrecht (1696)
Prozeßart: Mandati de desistendo et inhibitorii de non ulterius procedendo neque distrahendo bona tertii sine clausula
Instanzen: RKG 1696 - 1700 (1689 - 1714)
Beweismittel: Immissionsdekret vom 13. März 1696 (Q 4). Schutz- und Schirmbrief (Q 5). Erbteilungsvertrag von 1693 (in Q 8). Auszug aus den Statuten und Konkordaten der Stadt Köln betr. Pflicht des Gewaltrichters, bei der Vollstreckung von ”Pfandungssachen“ dem Hohen Weltlichen Gericht Beistand zu leisten (Q 9). Kaufvertrag zwischen Anna Crumbach und ihrem 2. Mann Meister Adam Feld(en) einerseits und den Eheleuten Johann Odenthal und Richmund Sinsfeldt andererseits von 1694 (Q 15). Auszug aus dem Protokoll des Tuchhallengerichts zu Köln in Sachen Meister Johann Odenthal ./. Meister Johann Wolff von 1693 - 1695 mit Urteil des Appellationskommissariats von 1695 samt Prozeßkostenberechnungen (Q 23). Ratsbeschluß vom 12. Dez. 1689 betr. Tuchhallen- und Kaufhaus-Gürzenich-Gericht (Q 25). RKG- (Bei-)Urteil vom 7. Juli 1796 (Prot.).
Beschreibung: 3,5 cm, 165 Bl., lose; Q 1 - 5, 7 - 35, Q 6* fehlt, 1 Beilage prod. 4. Juni 1714.



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