Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.4. Reichsbehörden
1.4.1. Reichskammergericht
Reichskammergericht AA 0627
115.05.03 Reichskammergericht, Teil III, E-G
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1619 - 1688 (1548 - 1688)
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Erbschaftsstreit insbesondere um das Haus Horst (Gem. Hilden) mit seinen Liegenschaften, aber auch um Haus Vorst (Gem. Leichlingen) und andere Güter zwischen den vier Töchtern des Otto Schenck von Nideggen aus dessen erster Ehe mit Anna Quadt namens Agnes, Anna, Engel und Elisabeth Schenck von Nideggen, später den Erben der ältesten Tochter Agnes und des Werner von Galen, als klägerischer Partei und dem Sohn des Otto Schenck von Nideggen aus der zweiten Ehe mit Anna von Plettenberg namens Johann Heinrich Schenck von Nideggen, später dessen Kindern, als beklagter Partei. Anna Quadt hat die hochverschuldeten Güter Horst und Vorst gemäß dem Ehevertrag von 1548 in ihre 1555 geschlossene Ehe mit Otto Schenck von Nideggen eingebracht, zu deren Entschuldung Engela von Vittinghoff gen. Schell, Witwe des Heinrich Schenck von Nideggen und Mutter des Otto Schenck von Nideggen, 35200 Goldgulden aufgebracht hat. Die klagende Partei will einen Erbvertrag von 1589 zwischen Otto Schenck von Nideggen und seinen vier Töchtern aus erster Ehe sowie weitere Verzichtserklärungen auf Haus Horst rückgängig machen. Sie beruft sich auf die jül. Landordnung, wonach mütterliche und väterliche Erbgüter auf die Kinder aus erster Ehe übergehen sollen. Während die Vorinstanz die Beklagten am 11. Juni 1619 von der Forderung der Kläger freisprach, urteilt das RKG am 7. Juli 1682, daß der Erbvergleich von 1589 rechtsungültig ist und Anna Maria und Sophia Judith, die Töchter des Johann Heinrich Schenck von Nideggen und der Wilhelma Quadt von Wickrath, die Hälfte der 1589 ihrem Großvater Otto Schenck von Nideggen zugesprochenen Güter sowie andere väterliche und mütterliche Erbgüter an die Appellanten abtreten müssen. Die Exekutions- und Liquidationsverhandlungen erweisen sich als so kompliziert, daß mit Urteil vom 3. April 1685 eine kaiserl. Kommission dafür benannt wird. Am 13. Dez. 1686 ergeht ein RKG-Urteil, wonach die Appellaten das Haus Horst und die Appellanten gegen Erstattung von 1500 Tlr. kölnischer Währung das Haus Vorst einander abtreten müssen.

Aktenzeichen : G 29/58

Enthaeltvermerke : Kläger: Werner von Galen (Gahlen) zu Muchhausen (Gem. Hoeningen, Kr. Grevenbroich) und zum Vorst (Forst) und seine Gattin Agnes Schenck von Nideggen, seit 1628 deren Erben Eberhard von Bottlenberg gen. Kessel und Wilhelm Dietherich von der Reven namens seiner Gattin Elisabeth von Galen, seit 1662 Bernhard Eberhard von Bottlenberg gen. Kessel und Jost Maximilian von der Reven, (Kl.)
Beklagter: Johann Heinrich Schenck von Nideggen zu Horst (Stadt Hilden), Erbschenk des Herzogtums Berg, seit 1653 Vormünder der minderjährigen Kinder Sophia Judith, Anna Maria, Gudula Katharina und Katharina Barbara (und Otto Wilhelm) Schenck von Nideggen, seit 1685 Wilhelm Salentin von Ketzgen zu Geretzhoven namens seiner Gattin Sophia Judith Schenck von Nideggen, (Bekl.: Otto Schenck von Nideggen und seine 2. Gattin Anna von Plettenberg, die Eheleute Agnes Schenck von Nideggen und Robert Staell und Engela Schenck von Nideggen)
Prokuratoren (Kl.): Dr. Christian Schröder 1619 - Dr. Johann Leonhard Gerhard (Gerhardi) 1625 - Dr. Reinhard Gerhardi 1628 - Dr. Johann Roleman 1662 - Subst.: Lic. Johann Hansen - Dr. Johann Marx Giesenbier 1680 - Subst.: Dr. Johann Friedrich Stieber
Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Konrad Lasser 1620 - Lic. Johann Schaumberg(er) 1625 - Dr. Paul Gambs 1653 - Subst.: Dr. Johann Ulrich Stieber - Dr. Moritz Wilhelm von Gülchen 1665 und 1679 - Subst.: Dr. Abraham Ludwig von Gülchen 1665 - Subst.: Dr. Markus Giesenbier 1679 - Dr. Johann Friedrich Stieber 1685 - Subst.: Dr. Johann Georgius Erhardt
Prozeßart: Appellationis, nunc (1682) executionis
Instanzen: 1. Jül.-berg. Hofgericht (Hofrichter, Räte und Kommissare) zu Düsseldorf 1597 - 1619 - 2. RKG 1619 - 1688 (1548 - 1688)
Beweismittel: RKG-Urteile vom 7. Juli 1682, 3. April 1683 und 13. Dez. 1686 (Prot.). Quittung der Eheleute Johann Friedrich von Calkum gen. Leuchtmar und Elisabeth Schenck von Nideggen 1623 (Q 34), RKG- „Citatio ad reassumendum“ vom 3. Aug. 1688 (VI 111). Listen über die Erbteile der Agnes Schenck von Nideggen, verheiratete von Galen, und ihrerderen Schwestern Anna und Engel Schenck von Nideggen (II 132- 138, 290-298). Auflistung der Schulden und Lasten der Häuser Horst und Vorst (II 390-424). Ehevertrag zwischen Otto Schenck von Nideggen und Agnes Quadt 1548 (II 436-449). Vertrag anläßlich der Hochzeit 1555 (II 449-455). Auflistung der Kurmut, Zehnten, Liegenschaften und Einkünfte des Hauses Horst und anderer zur Erbteilung gehöriger Besitzungen (II 471-510). Zeugenbenennung (II 510ff.). Vertrag von 1551 (III 76-81). Liste der Gläubiger und der Schulden (III 81-90). Schadlosbriefe des Otto Schenck von Nideggen und der Agnes Quadt von 1563 und 1564 (III 90-99). Losbriefe von 1564 (III 100-105). Obligation des Otto Schenck von Nideggen von 1572 (III 105-110). Schenkung der Engel (von Vittinghoven gen.) Schell von 1572 (III 110-114). Testament der Engel Schell 1572 (III 114-127). Vertrag zwischen Otto Schenck von Nideggen und seinen Töchtern aus der 1. Ehe 1589 (III 127-138). Quittungen von 1592 und 1605 (III 140-149). Heiratsverschreibung 1592 zwischen Anna Schenck von Nideggen und Robert Stael von Holstein zu Heisingen (III 216-219). Auszug aus einer gerichtlichen Taxation der zu Haus Horst gehörigen Güter und Erbanteile der Töchter des Otto Schenck von Nideggen (III 426-496). Auflistung der anteilmäßigen Erbgüter (IV 94-110). Liste der Lehns- und Kurmutsgüter (IV 115-122). Liste der Zehnten (IV 122-127). Weitere Besitzauflistung (IV 348- 394). Zeugenaussagen (IV 395-493). Zeugenrotulus (V).
Beschreibung: 6 Bde.; Bd. I: 24 Bl., gebunden, Q 1 - 3; Bd. II: 10,5 cm, 666 Bl., gebunden, Q 4; Bd. III: 10,5 cm, 690 Bl., gebunden, Q 5; Bd. IV: 9 cm, 493 Bl., gebunden, Q 6; Bd. V: 12,5 cm, 770 Bl., gebunden, Q 7; Bd. VI: 2,5 cm, 113 Bl., gebunden, Q 8 - 46, 6 Beilagen von 1665 - 168. Einige Aktenstücke sehr stark beschädigt. Vgl. RKG 1880 (G 31/60), 1881 (G 32/61). Lit.: Hildener Jahrbuch 1937/1938, S. 175ff. Fritz Hinrichs, Leichlinger Heimatbuch, Bd. 1, Leichlingen 1953, S. 29ff.



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