Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
1. Behörden und Bestände vor 1816
1.4. Reichsbehörden
1.4.1. Reichskammergericht
Reichskammergericht AA 0627
115.05.04 Reichskammergericht, Teil IV, H
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1590 - 1688 (1480 - 1687)
Permalink der Verzeichnungseinheit

Erbschaftsstreit um die Güter des am 12. Feb. 1553 verstorbenen Carsilius von Engelsdorf gen. Roethgen oder Merödgen (Carsilius von Roethgen gen. Engelsdorf). Es handelt sich insbesondere um den adeligen Sitz Haus Röthgen bei Eschweiler (Kr. Aachen), ferner um den Buschhof (Hof zum Busch, Buscherhof) (Kr. Aachen), zur Mannkammer von Wilhelmstein gehörig, um Renten und Kurmuden zum Schaufenberg (Kr. Aachen), um den Hurter Hof zu Volkenrath (Valkenraedt), zur Mannkammer Wilhelmstein gehörig, um einen Weinzehnten zu Embken bei Jülich im Amt Nideggen (Kr. Düren) u. a. Engelbrecht von und zu Holtmühlen beansprucht die Erbgüter als Enkel der Metzgen (Metzigina) von Engelsdorf, der Tochter Gerhards von Roethgen gen. Engelsdorf aus erster Ehe mit Maria von Cortenbach. Johann von Harff ist über seine Mutter Maria ein weiterer Enkel der Metzgen von Engelsdorf. Der Appellat Wilhelm von Harff zu Alsdorf erhebt als Gatte der Elisabeth von der Horst, einer Enkelin der Margaretha von Roethgen gen. Engelsdorf (gest. 1523), die eine Tochter Gerhards von Roethgen gen. Engelsdorf aus zweiter Ehe mit Elisabeth Hurt (Hurdt) von Schöneck war, Anspruch auf die streitige Erbschaft. Nach dem kinderlosen Tod des Carsilius von Engelsdorfs (Bruder der Margaretha, Halbbruder der Metzgen) gingen die Güter zunächst zu Leibzuchtsrecht in den Besitz seiner geistlichen, noch lebenden Schwestern Anna, Äbtissin der Klarissen zum Hl. Geist in Luxemburg (Lützenburg), und Elisabeth, Nonne in Kloster Wenau (gest. 23. Juni 1572), über. Die Appellanten verweisen jedoch auf das jül. Landrecht, wonach Stammgüter nicht an Kinder geistlichen Stands vererbt werden dürfen. Der Appellat stützt seinen Rechtsanspruch auf den Verzicht der Metzgen von Engelsdorf auf die väterlichen Erbgüter, denn sie sei bei ihrer Heirat im Jahre 1498 mit einer Mitgift abgefunden worden, und auf die Zessionen der Nonne Elisabeth von 1559 und der Äbtissin Anna von 1566 zu seinen Gunsten. Die 2. Instanz urteilte am 2. Mai 1590 nach vorheriger Konsultation einer unparteiischen Juristenfakultät, daß Wilhelm von Harff zu Alsdorfvon den Anprüchen der Appellanten freizusprechen ist.

Aktenzeichen : H 1598/5363

Enthaeltvermerke : Kläger: Engelbrecht von Holtmühlen (Holtmüll) zu Holtmühle (Ritterlehen im Land von Brüggen, Nettetal) und Johann von Harff zu Borschemich (Kr. Erkelenz), (Kl.: die Geschwister Franz, Johann und Maria von Holtmühlen)
Beklagter: Wilhelm von Harff zu Alsdorf (Kr. Aachen) und Hürth, jül. Erbhofmeister, nun sein Sohn Anton von Harff aus der Ehe mit Elisabeth von der Horst, (Bekl.)
Prokuratoren (Kl.): Lic. Johann von Vianden 1590 Prokuratoren (Bekl.): Lic. Philipp Seyblin [1561] 1590 - Lic. Johann Adam Roleman 1687 - Subst.: Dr. Ludwig Ziegler
Prozeßart: Appellationis
Instanzen: 1. Hauptgericht (Schultheiß und Schöffen, Richter und Kommissare) zu Jülich 1571 - 1575 - 2. Jül.-berg. Hofgericht (Räte und Kommissare) zu Düsseldorf 1575 - 1590 - 3. RKG 1590 - 1688 (1480 - 1687)
Beweismittel: Genealogien (II 116, 477, 537, 589f.). Heiratsverschreibung von 1480 zwischen Gerhard von Roethgen (Reutgen) gen. Engelsdorf (Engerstorff) und Maria von Cortenbach (Kortenbach), Tochter des Johann von Cortenbach und der Mechtel [von Ellenbach] (II 125-130). 3 Zeugenrotuli (II 176-240). Ehevertrag von 1498 zwischen Johann von Holtmühlen, Sohn des Otto von Holtmühlen und der Johanna von Holtmühlen/Leick, und Metzgen (Metzigina) von Roethgen, Tochter des Gerhard von Roethgen und der Maria von Cortenbach (II 412-426). Ehevertrag von 1511 zwischen Wilhelm von der Horst und Margaretha von Roethgen gen. Engelsdorf, Tochter des Gerhard von Roethgen aus der zweiten Ehe mit Elisabeth Hurt von Schöneck (II 426-439). Zessionsurkunde der Äbtissin Maria von Streithagen und des Konvents des Klosters Wenau namens der Nonne Elisabeth von Roethgen (Merödgen) für Wilhelm von Harff zu Alsdorf und Hürth von 1559 (II 439-441). Zessionsurkunde der Anna von Engelsdorf gen. Merödgen, Äbtissin im Klarissenkloster Hl. Geist in Luxemburg, für Wilhelm von Harff zu Alsdorf und Hürth von 1566 (II 441- 444). Verzeichnis der beweglichen und unbeweglichen Güter, die Carsilius von Engelsdorf gen. Merödgen im Land von Jülich und unter jül. Landrechten hinterlassen hat (II 486f.).
Beschreibung: 2 Bde., 13,5 cm, 637 Bl.; Bd. I: 1,5 cm, 46 Bl., lose; Q 1 - 5, 7 - 14; Bd. II: 12 cm, 591 Bl., gebunden; Q 6* (Priora). Vgl. RKG 2287 (H 353/1469a) und 2288 (H 354/1469b).



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