Kreisarchiv des Märkischen Kreises
Adelige Guts- und Familienarchive
von Carlowitz, Altena
Haus Carlowitz-Holtzbrinck
Permalink des Findbuchs


Signatur :

Name : Haus Carlowitz-Holtzbrinck

Beschreibung : Das Archiv der Familie Carlowitz wurde von Burgarchivar Dr. Krins 1972 in das damalige Burgarchiv übernommen, mit der Eigentümerin Elfriede von Carlowitz wurde 1975 ein notariell beglaubigter Depositalvertrag geschlossen. Einige der in einer beigefügten Abgabeliste erwähnten Archivalien wurden später der Eigentümerin zurückgegeben und befinden sich seither wieder in Privatbesitz.
Im Sommer 2012 wurde mit der Verzeichnung des trotz der Abgabeliste und einer groben Vorsortierung in überwiegend ungeordneten Zustand befindlichen Bestandes begonnen.
Bei Abschluss der Arbeiten im November desselben Jahres umfasste der Bestand 100 Archiveinheiten in sieben Kästen.
Die Überlieferung stammt überwiegend aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, das älteste Stück datiert von 1546, das jüngste von 1929.
Den Schwerpunkt bilden Pacht- und Kaufverträge, es finden sich aber in geringerem Maße dienstliche Unterlagen des Altenaer Landrates Arnold Ludwig von Holtzbrinck.
Wie häufig bei Familienarchiven finden sich so gut wie keine Unterlagen der Familie von Carlowitz dafür aber Archivalien der von ihnen beerbten Familie von Holtzbrinck sowie weiterer mit diesen durch Besitzübernahme verbundenen Familien, hierbei in erster Linie rechtliche und wirtschaftliche Unterlagen. Strenggenommen handelt es sich also um einen Teil des Familienarchivs Holtzbrinck, weswegen in der folgenden Familiengeschichte nur auf dieselbe genauer eingegangen wird.
Die von den Vorgängern stammenden Archivalien wurden nicht separiert sondern sinngemäß der übrigen Klassifikation zugeordnet. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Überlieferungen zum Haus Engstfeld bei Halver sowie der Güter Opperhusen, Obervinkingsen und Pragpaul bei Altena. Die Angelegenheiten des Hauses Engstfeld wie die Verpachtung wurde von den Holtzbrincks für Ihre Verwandten von Manger in Kassel besorgt. Die daraus resultierende umfangreiche Korrespondenz zwischen den beiden Parteien wurde soweit die darin enthaltene Zeitgeschichte überwog als Briefwechsel separiert, andere Briefe wurden den Verpachtungs- und Prozessakten zugeschlagen.
Die Verzeichnung erfolgte durch Kreisarchivamtfrau Gabriele Aschöwer.

Geschichte der Familie von Holtzbrinck-Reiswitz-Carlowitz
Durch die Verehelichung des Major Hans von Carlowitz mit der Enkeltochter des Altenaer Landrats Arnold Ludwig von Holtzbrinck ging der Altenaer Besitz der Familie u.a. die Burg Holtzbrinck auf das alte sächsische Adelsgeschlecht über.
Die Familie von Holtzbrinck stammt aus der Grafschaft Mark, der erste mit Sicherheit feststellbare Vorfahre ist Gerhard Holtzbrinck, der von 1604 bis 1635 Richter in Halver war. Sein jüngerer Sohn Georg von Holtzbrinck wurde Rentmeister und später Freigraf in Altena. Seine Ehe mit Elisabeth Johanette von Diest ermöglichte ihm den Zugang in den Kreis der Honoratiorenfamilien der Stadt. Fortan bekleideten Mitglieder der Familie nicht nur höchste Staatsstellen, sondern gehörten als Unternehmer zu den wirtschaftlich führenden Familien der Grafschaft Mark, die mehrere Hammerwerke unterhielt. Georgs Sohn Georg Hermann wurde durch den österreichischen Kaiser Leopold in den erblichen Adel erhoben und konnte in sächsischen Diensten als Generalpostmeister in Polen ein großes Vermögen "anhäufen", mit dem er sowie sein Neffe und Erbe Georg Wilhelm von Lent genannt von Holtzbrinck mehrere große landwirtschaftliche Güter wie z.B. Haus Rhade auf der Volme bei Kierspe und Gut Oedenthal bei Lüdenscheid erwarben. Gesellschaftlich und wirtschaftlich gehörte die Familie von Holtzbrinck also zu den ersten Familien der Grafschaft Mark, die Bewirtschaftung der Güter erfolgte aber überwiegend durch Pächter, zuweilen in festen generationenübergreifenden Verträgen.
Arnold Ludwig von Holtzbrincks Vater Heinrich Wilhelm wie auch der Großvater gleichen Namens waren bereits als Landräte zu Altena in Amt und Würden, so dass es nicht verwunderlich ist, daß für Arnold Ludwig wie auch für seine beiden Brüder Heinrich Wilhelm und Carl Friedrich der Weg in die preußische Verwaltung vorgezeichnet schien: Der älteste Bruder Heinrich Wilhelm von Holtzbrinck wurde nach seiner Amtszeit als Landrat von Altena schließlich Preußischer Handelsminister, Carl Friedrich war zwischen 1850 und 1854 Landrat von Hagen

Der letzte Holtzbrinck auf Burg Holtzbrinck
Arnold Ludwig von Holtzbrinck studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Bonn und Heidelberg. Er heiratete seine in Kassel am 19. Juni 1811 geborene Cousine 2. Grades Emma von Manger. Der Ehe entstammte eine Tochter: Henriette Caroline Anna, die am 08.09.1847 in Siegen geboren wurde.
Von den umfangreichen Besitzungen seines Vaters erbte Arnold Ludwig 1841 die Güter Pragpaul (Altena), Einsal (Nachrodt) nebst Hammerwerken, Roland, Vikingsen, Helbecke, und Opperhusen.
Parallel zu seinen Studien begann Arnold Ludwig von Holtzbrinck seine militärische Laufbahn: 1830 bis 1831 diente er als Einjährig Freiwilliger beim 7. Ulanen-Regiment im Range eines Seconde-Lieutnant der Landwehr. Am 19. Mai 1832 wurde er zum Seconde-Lieutnant der Cavallerie des 2. Bataillons des Iserlohnschen 16. Landwehrregiments ernannt, im Laufe seiner beruflichen Karriere diente er bei Regimentern in Halle, Sangerhausen, Berlin, Meschede und Attendorn.
Zum Premierleutnant wurde er am 13.04.1847 ernannt und am 16.11.1852 auf Kabinettsorder im Rang eines Rittmeisters aus dem aktiven Dienst entlassen.
Die klassische Laufbahn zum Landrat begann für den Juristen von Holtzbrink mit der gut bestandenen Prüfung zum Auskultator am 29.04.1833 beim Oberlandesgericht Hamm und seiner wunschgemäßen Abordnung an das Land- und Stadtgericht Altena am 01.05.1833. Bereits am 09.07.1834 begann er die weiterführende Ausbildung zum Referendar wiederum beim Oberlandesgericht, die er am 07.05.1834 wiederum mit "Gut" bestand. Auf seinen eigenen Wunsch wurde er am 10.11.1835 aus dem Justizdienst entlassen um als Referendar in den Dienst bei der Regierung in Arnsberg zu treten.
Soweit hatte Arnold Ludwig von Holtzbrinck eine musterhafte Karriere begonnen, doch sollte ihn seine Vergangenheit in Form seiner Mitgliedschaft in einer burschenschaftlichen Vereinigung seinerzeit in Bonn einholen, aufgrund derer er zu einer sechsjährigen Festungshaft bei Verlust aller Ämter und militärischen Titel verurteilt wurde.
Seine vorherigen militärischen und zivilen Vorgesetzten wie z.B. Land- und Stadtrichter Schniewindt in Altena bescheinigten ihm jedoch schon zu seiner Anstellung bei der Regierung in ihren Leumundszeugnissen einen musterhaften Lebenswandel, "innige Treue und Anhänglichkeit" zum Monarchen sowie einen aufrichtigen Charakter. Dies und die am 27.02.1837 ergangene allerhöchste Kabinettsordre, die u.a. eine Begnadigung von Holtzbrincks enthielt, ermöglichten ihm schließlich doch die Zulassung zum zweiten juris-tischen Examen, die er laut Zeugnis vom 9.11.1839 "mit vorzüglicher Qualifikation zur Anstellung als Mitglied eines Kollegiums" absolvierte. Gleich in Anschluss wurde der vielversprechende Kandidat am 23.11.1839 zum Regierungsassessor ernannt und zur Königlichen Regierung in Merseburg abgeordnet.
Mit Order vom 29.9.1841 wurde von Holtzbrinck als Hilfsarbeiter zeitweise der zweiten Abteilung des Königlichen Hausministeriums zugewiesen und auf eigenen Antrag am 12.2.1842 zur Regierung Arnsberg versetzt, wo er so gute Arbeit leistete, dass ihm nach einer Erhöhung der jährlichen Bezüge Anfang Mai 1846 durch königlichen Erlass am 08.07.1846 die Verwaltung des Amtes Siegen angetragen wurde. Aus Rücksicht auf den gesundheitlichen Zustand seiner Gemahlin und mit Billigung seiner Vorgesetzten übernahm Arnold Ludwig von Holtzbrinck erst im Oktober 1846 sein neues Amt.
1854 wurde Arnold Ludwig von Holtzbrinck mit großer Stimmenmehrheit von der Wahlkommission Iserlohn zum ersten Kandidaten für das Landratsamt Altena ernannt und in der Tat am 28.09.1854 als Landrat nach Altena versetzt. Die Siegener Abschiedsschreiben loben den Einsatz des Landrats bei der Förderung des Verkehrsnetzes, besonders der Ruhr-Sieg-Eisenbahn, und mithin der heimischen Wirtschaft.
Seit 1854 durfte sich von Holtzbrinck Rittergutsbesitzer nennen, nachdem das Gut Helbecke zum landtagsfähigen Rittergut ernannt worden war und mit der Beerbung seines älteren Bruders fiel ihm auch das Fideikommissgut Gut Oedenthal bei Lüdenscheid zu.
Auch während seiner Zeit in Altena betätigte sich von Holtzbrinck in dem Sektor Wirtschaftsförderung. Mit dem Fabrikanten Friedrich Thomée aus Werdohl gründete er 1856 die bei Nachrodt liegenden Einsaler Walzwerke. Seit 1860 war er Vorsitzender der Provinzialwegekommission und der ständigen Kommission der Provinzialfeuersozietät.
Doch auch den sozialen Fragen, die die zunehmende Industrialisierung aufwarfen, zeigte sich von Holtzbrinck gegenüber aufgeschlossen. So ließ der am 26.05.1856 zum Ehrenritter des Johanniterordens ernannte Landrat nunmehr als Commendator der Westfälischen Genossenschaft des Ordens auf der ruinösen Burg Altena das Evangelische Johanniter-Siechen- und Krankenhaus aufbauen.
Mit fast 67 Jahren trat er am 12.6.1878 in den Ruhestand, blieb aber weiterhin politisch aktiv als Mitglied des Provinzialausschusses, dem er 1860 beigetreten war.
Für seine Verdienste um Verwaltung, Wirtschaft und Soziales wurden ihm der Rote Adlerorden 3. Klasse, der Kronenorden sowie der Hausorden von Hohenzollern und schließlich 1884 der Titel Kammerherr verliehen.
Er starb am 08.04.1886 und wurde auf dem Familienfriedhof von Gut Helbecke bei Nachrodt beigesetzt.
Seine Tochter Henriette Anna heiratete am 22.07.1870 Major Stenzel Freiherr von Reiswitz-Kadersin. Über ihre Tochter Louise Eva Anna, seit 1894 verehelichte von Carlowitz, ging der Altenaische Holtzbrinckbesitz an den Enkel Hans von Carlowitz über.
1974 wurde die Burg Holtzbrinck von dessen zweiter Ehefrau Elfriede an die Stadt Altena verkauft.

Geschichte des ehemaligen Rittersitzes Engstfeld im Kirchspiel Halver
Das Kirchspiel Halver zeichnete sich - wie kein anderer Verwaltungsbezirk in der südlichen Grafschaft Mark - durch eine auffällige Dichte von Burgen und Rittersitzen aus, ein Phänomen, das sehr wahrscheinlich auf die Lage des Kirchspiels im einstmals fränkisch-sächsischen Grenzraum zurückzuführen ist. Zu den bedeutendsten dieser Anwesen gehörte - neben Carthausen, Edelkirchen, Heesfeld, Heide, Schlechtenbach, Vahlefeld und Volme - auch das ca. fünf Kilometer südwestlich von Halver, hart an der märkisch-bergischen Grenze gelegene Gut Engstfeld, das - ausgestattet mit Grundbesitz von mindestens 600 Morgen - einen Wirtschaftskomplex von beachtlicher Größe darstellte. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts existierten Grundmauerreste der durch Wassergräben geschützten Burganlage; heute sind auch diese nicht mehr vorhanden. Bewirtschaftet wurde der alte Herrensitz seit 1489 von einem Zweig der bekannten westfälischen Adelsfamilie v. Plettenberg. Unter dem Rittmeister Gerhard v. Plettenberg, einem in brandenburgischen Diensten stehenden Offizier und begeisterten Jäger, geriet das Gut seit den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts in zunehmende finanzielle Schwierigkeiten, so dass es 1707 veräußert werden musste und zunächst in bürgerliche Hände überging. Seit 1720/30 ist die Altenaer Landratsfamilie v. Holtzbrinck als Eigentümerin des Rittergutes nachzuweisen und in ihrer Nachfolge, ab 1790, die mit ihr verwandte, aus Hessen stammende Familie v. Manger. Um 1822 wurde der Rittersitz von den Erben v. Manger für die stattliche Summe von 10.700 Talern preußischer Währung an den Landwirt Johann Heinrich Lausberg veräußert.

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