Historisches Archiv der Stadt Köln
1 Stadt Köln
1.3 Stadt Köln nach 1815
1.3.5 Bildung, Jugend, Sport
1.3.5.2 Schulen
1.3.5.2.4 Hauptschulen
Hauptschulen (Accessionen bis 2009)
Ev. VS Lindenbornstraße
Best. 1070 Marx, Wilhelm

1914, 1918
August 1914, November 1918


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D.: Ende Juli/Anfang August 1914 dachte man wenig an einen Krieg. Marx hielt am 29. 7. eine Verslg. der SchO in Euskirchen und besuchte seinen kranken Vetter Prof. Joh. Marx in Flamersheim. Die Rückfahrt am 31. 7. nach Köln war stark durch Soldatenzüge in Richtung Trier gehemmt. Als anderen Tags die Mobilmachung verkündet wurde, telegrafierte Marx seine Frau aus Saarbrücken zurück. Aus dem 1. Semester in Freiburg stellte sich am 31. 7. Marx' Sohn Albert ein, der sich bei einem Infanterie-Regiment Nr. 218 in Düsseldorf freiwillig meldete. Nachts kam die Einladung zur RT-Sitzung für den 4. 8. (S. 1). Diese begann mit feierl. Gottesdienst in St. Hedwig, fand dann im weißen Saal des Schlosses statt und war von Uniformen beherrscht. Ehrengarde unter dem berühmten Hauptmann v. Plüskow in friderizianischen Kostümen (S. 2). Der Kaiser verlas die Thronrede mit auffallend heiserer Stimme und forderte danach die Parteiführer auf, ihm durch Handschlag Treue zu geloben, immerhin eine eindrucksvolle Geste. Im RT hielt der RK seine große Rede, in der er den Einmarsch in Belgien ausdrücklich eine Rechtsverletzung nannte: Bethmann Hollweg war eben allzu ehrlich! In das „Hoch" aufs Vaterland stimmte selbst die SPD ein. In der Sitzung wurden ungefähr 30 Gesetze ohne Kommissionsberatung fast ohne Debatte in dreimaliger Abstimmung angenommen (S. 3). Schwierige Rückfahrt mit Pieper, Engelen und Bell nach Düsseldorf (S. 4). Heldentod von Marx' Sohn am 29. 7. 1915 beim Sturm auf Chodel in Russisch-Polen (S. 5). Der November 1918: Die umstrittene Juli-Resolution von 1917 wurde in erster Linie Erzberger zur Schuld angerechnet. Den Waffenstillstand 1918 auf seinem Schuldkonto zu buchen, ist ein Unrecht. Es ist nicht wahr, daß der Krieg mit Schmach geendet hat angesichts der Tapferkeit und des Heldenmutes der Deutschen. Auch von der „Dolchstoßlegende" muß recht vieles abgestrichen werden (S. 6). Eine so starke Natur wie die des Generals Ludendorff brach doch endlich zusammen. RT-Untersuchungsausschuß zur Erforschung der Ursachen des inneren Zusammenbruchs stellte später fest, daß die Revolution auch den Führern der Mehrheitssozialisten am 9. 11. 18 unerwartet kam, und fand es strittig, daß letzter Widerstand des dt. Volkes die Waffenstillstands- und polit. Widerstand die Versailler Bedingungen hätten ermäßigen können (S. 7). Das Drängen der Obersten Heeresltg. nach Frieden in den 'Amtl. Urkunden zur Vorgeschichte des Waffenstillstandes 1918', hrsg. vom Ausw. Amt, und die Rechtfertigung Erzbergers (S. 8-11). Beruhigung der Volksstimmung gelang nicht mehr durch Einführung demokrat. Ideen in Reg. und Verwaltung, obwohl Prinz Max v. Baden, der als Demokrat galt, RK geworden und Parteienvertreter mit hohen Regierungsstellen betraut worden waren: Trimborn als Unter-StS konnte ganz gouvernemental bei Verkündung von Reg.-Beschlüssen auftreten. Plötzlich wurden auch wieder Orden an Zivilpersonen verteilt. Die Revolution 1918: Für Wahl und Zusammentritt der Nat.-Verslg. hat sich unbestreitbar das Z die größten Verdienste um Volk und Reich erworben. Große Teile der SPD und besonders Ebert hatten sich ebenfalls unermüdlich darum bemüht (S. 12). Marx benutzte im Okt. 1918 eine Reise nach Berlin, um seine Wertpapiere bei einer Bank in Hannover zu deponieren. Von Berlin kam ich immer viel sorgenvoller zurück, als man im allg. am Rhein gesinnt war. Auch dort stimmte man Anfang Okt. mit Ludendorff überein, daß der Krieg als verloren anzusehen sei. Am 3. 11. hielt Marx mit dem nat.-lib. Abg. Böttrich Verslgn. im Gürzenich und in der Bürgergesellschaft in Köln; er hatte auch Einladungen nach Neuß und Düsseldorf. Hier ging am 7. 11. das Gerücht, daß Liebknecht in einer großen Verslg. reden sollte (S. 13). Am 8. 11. arbeitete Marx auf dem Büro der SchO, bis er wegen zu befürchtender Unruhen nach Hause geholt wurde. Auf der Graf-Adolf-Str. wurde eine Erklärung über den Übergang der Regierung an die Arbeiter- und Soldatenräte verkündet: Mit besonderer Stärke wird der letzte Satz verlesen, daß alle Unruhestifter und Plünderer sofort erschossen würden. Gegen Abend waren die Gefängnisse gestürmt worden. Am 10. 11. überall Aufrufe der Arbeiter- u. Soldatenräte, Verslg. im Apollotheater; mit anderen Parteiführern war Marx beim Reg.-Präs. wegen einer Verslg. eingeladen, die dieser zur Aufrechterhaltung der öffentl. Ordnung und Sicherheit für erforderlich hielt (S. 14); sie verlief am 15. 11. ziemlich stürmisch. Die Arb.- u. Sold.-Räte von Solingen und Remscheid geben sich in der erfreulichen Natürlichkeit ihrer bergischen Natur. Es ist aber ganz gut, daß weite Kreise des Volkes einmal selbst hören und sehen, wie diese Herren sich als Regenten aufführen. Am 13. 11. Fahrt nach Remagen und zurück mit Erlebnissen über das zurückflutende Heer, besonders auf dem Hauptbahnhof in Köln (S. 15). In der ungemein wichtigen Verslg. in Duisburg am 16. 11. über die weitere Entwicklung der Partei und Politik hatte Brauns ein Programm entworfen (S. 16). Marx gelang es, den alten Parteinamen 'Zentrum' zu retten. Aus dem Zusatz 'Christl. Volkspartei' erwuchsen später, als man mit den Demokraten und der SPD zusammengehen mußte und insbesondere die Verfassung zu machen hatte, Schwierigkeiten. Mit diesen Beschlüssen reiste Brauns sofort fast mit Lebensgefahr nach Berlin zu Pfeiffer und Erzberger zur Abstimmung der beiderseitigen Beschlüsse. Im übrigen ging die Verslg.-Arbeit eifrig weiter, als sei keine Revolution vorhanden! Wir Dt. machen eben vieles anders wie andere in der Welt! So am 17. 11. Verslgn. in Neuß und Grevenbroich (S. 17), wo Marx den Fürsten Salm, einen prächtigen Menschen, traf; dieser bemängelte, daß Marx zu wenig über das Festhalten an der Monarchie gesprochen hätte; während der örtliche Notar sagte: ich hätte direkt davon sprechen müssen, daß nunmehr die Republik kommen müsse! Am 19. 11. Empfang heimkehrender Soldaten auf der Brücke von Oberkassel. Am 20. 11. sollte eine Bande von Kiel herübergekommen sein und den OB festgenommen haben. Marx aber hielt eine Verslg. der SchO im Gesellenhaus; am anderen Tag sprach Frl. Weber in der Marienschule. Von Zeit zu Zeit fuhren große Autos mit revolutionierenden Soldaten durch die Stadt. Am 23. 11. kamen jedoch Züge mit Soldaten von der Front, die ihre Waffen und dt. Fahnen und Zeichen mit sich führen. Die Revolution wurde in der Etappe gemacht. Im Z bestand wenig Einmütigkeit über die zu unternehmenden Schritte (S. 18). Das 'Düsseldorfer Tageblatt' vom 24.11.18 verwarf die neuen Programmentwürfe als zu sehr vom alten Geist, die neuen Hauptgedanken sollten "Demokratie" und "Kampf gegen den Kapitalismus" sein. Die RR sah, wie Ebert dem hess. Staatsminister Ullrich telegraphierte, in der Nat.-Verslg. das hauptsächlichste Mittel zur Wiederaufrichtung des Reiches. Die Berliner Arb.- u. Sold.-Räte neigten zum Kommunimus, während der Krefelder Soldatenrat am 25. 11. die Bestrebungen der RR unterstützte. Den Kongreß der Delegierten der Arb.- u. Soldatenräte ab 17. 12. 18 im Berliner Abgeordnetenhaus leitete in vorzüglicher Ruhe Leinert; deswegen kam der Antrag des sicherlich nicht besonders friedlichen, aber klugen Cohen auf Einberufung der Nat.-Verslg. zum 19. 1. 19 zur Annahme (S. 19). Die Schwierigkeiten, die Ordnung herzustellen, wurden später schnell vergessen. Das gute Ergebnis war hauptsächlich der Ruhe und der Vernunft der Mehrheit der Soldatenräte zuzuschreiben, insbesondere der aus dem Westen und Süden. Der Radikalismuß saß hauptsächlich in Berlin (S. 20). 20 S., Maschinenschrift mit eigenhädig Verbesserungen, Nachträgen und Hinweisen. 1915 März 10 - Berlin: Aufzeichnung von Marx über ein Gespräch über Soforthilfemaßnahmen für die durch den Krieg vertriebenen Flüchtlinge unter Beteiligung von Dryander und Justizrat Liebmann. 2 S., eigenhädig, Kopfbogen 'Haus der Abgn.' 1916 April 20 - Noyen: Divisionspfarrer Schlatter, 15. Landwehrdivision, 2. Armee, schreibt Marx, daß sie zu zweit 12 000 Soldaten betreuen. Freilich, es ist herzerhebende Arbeit. Ein rührender Eifer beseelt unsere braven Rheinländer und Westfalen, deren ich so viele habe, und jetzt besonders über die hl. Osterzeit möchte man sich verdoppeln und verdreifachen können. In unserer Division herrscht ziemlich Ruhe. Nur Artilleriekämpfe, die uns leider täglich Leute kosten. Ein langsamer verzehrender Krieg. Wenn nicht bald Friede kommt, wie soll das noch werden? Nun liegen unsere Leute 1¿ Jahre im Graben. Landwehrleute, fast alle verheiratet. Man muß sich nur wundern über die Nervenkraft der Leute. Freilich, viele werden krank, und nach dem Kriege, wie wird ein Sterben anheben von Tausenden, die völlig aufgerieben nach der Heimat kommen! Und trotz alledem! Wir müssen durchhalten. Der Höhepunkt des Kriegsdramas scheint überschritten zu sein, wir dürfen nicht verloren geben. Nun kommen noch die Neutralen an die Reihe! Endlich! Lange genug haben sie die lachenden Dritten gespielt - wenigstens die großen Gesellschaften für Schiffahrt und Handel. Wenn Holland fest bleibt, kann die Sache recht interessant werden. An der Front hat man nicht alles verstanden, was in Berlin geschah. Nach dem Kriege wird wohl noch manches Wörtlein geredet werden, was jetzt zurückgehalten werden mußte. Und unsere kath. Sache? Ich sehe mit Vertrauen der Zukunft entgegen. Unser hl. Glaube hat sich im Feuer der Leiden und im Tode bewährt als Himmelstrost und Himmelskraft. Die Feldseelsorge ist jetzt musterhaft organisiert und findet allüberall erfreuliche Unterstützung. Freilich, alles kann sie nicht leisten wie im Frieden. Die Kräfte müßten verdoppelt werden, und die sittlichen Prinzipien der "dirigierenden Oberschichten im Heere müßten andere sein. Die Laxheit der sittl. Lebensführung saß unzähligen dt. Männern zu tief in den Knochen. Selbst dieser Krieg konnte den "Teufel" nicht austreiben. Der sittl. Ruin im besetzten Gebiet im Osten und Westen wird nach dem Kriege eine schlimmere Abrechnung nach sich ziehen für uns als der Ruin von Städten und Dörfern. Ein trauriges Kapitel, das bei größerer Strenge von oben hätte vermieden werden können. Eh. Unterschrift. 7 Halbseiten, eigenhädig Ausf.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 49
Altsignatur : 49



1934
Zwei schwere Tage: Die Beratung des Versailler Friedensvertrages, die Ermordung Rathenaus


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1934): Am 18. 6. 1919 fuhr Marx nach Weimar. Am 19. 6. wollten die rhein. Abgn. mit dem Rheinlandkommissar einen Vertrag über die Behdlg. des besetzten Gebietes entwerfen; abends wurde ein Notenentwurf mit Bedenken gegen die Ehrenpunkte des Friedensvertrages genehmigt. Wenn diese herausgenommen wurden, war die Fraktion im allg. zur Annahme des Friedens entschlossen. Am 20. 6. wurde mitgeteilt, daß die Note wegen weiterer Wünsche der DDP und SPD nicht abgegangen wäre; denn danach wäre ihre Ablehnung durch die Entente sicher gewesen. Durch den Reg.-Austritt der DDP wurde die Lage verworrener; selbst Reg.-Beteiligung ohne Fraktionsbindung lehnte sie ab. Die geschwächte Reg. aus SPD und Z verhandelte am 21. 6. mit den Fraktionen (S. 1). Am 22. 6. versagte dem Reichsger.-R. Burlage, diesem starken und robusten Oldenburger, beim Bericht über den Vertrag vor innerer Erregung die Stimme. Die Fraktion wollte zustimmen, falls die Auslieferung der sog. Kriegsverbrecher und die Schuldlüge entfielen. Ebenso beschloß mit 237 gegen 138 Stimmen die Nat.-Verslg. Am selben Tage aber erging das Ultimatum von Clemenceau. Nach Verhdlgn. durch die ganze Nacht erklärte die RR ihren Rücktritt. Im Z siegte der Ehrgedanke. Auch Trimborn dachte so. Ich bin anderer Meinung, komme aber nicht zu Wort. Unerwartet bat Noske bei der Fraktion um Gehör: Es ist tief ergreifend, wie dieser Sozialdemokrat die Parteien beschwört, den Friedensvertrag abzulehnen! Die Parteiführer waren mittags im Schloß bei Ebert und der RR. Um 15 Uhr schlug Marx private Beratungen vor (S. 2): Das könnte uns auch der Vorstand nicht übelnehmen, Herr Gröber war in dieser Hinsicht recht eifersüchtig! Marx konnte nun ausführen, daß im Interesse des besetzten Gebiets der Vertrag unter allen Umständen angenommen werden müsse. Sonst sei nach meiner Überzeugung das Rheinland für immer verloren. Bitta, einer der nobelsten und feinfühlendsten Männer der Fraktion, später OP von Schlesien, nannte Marx darauf einen Schwätzer, wollte aber später das nicht wahrhaben. Nach Rückkehr erzählten die Parteiführer, daß die Rechtsparteien geradezu erschreckt gewesen seien, als sie vernahmen, daß das Z nunmehr gegen die Annahme stimmen würde. Auf Anregung von Heinze (DVP) wurde der RR und den sie stützenden Parteien mitgeteilt, man werde keine Schwierigkeiten aus dem Umstande machen, daß einige Parteien für die Annahme stimmen würden. Dem Z wollte man eine Ehrenerklärung über nationale Gesinnung seiner Abgn. geben (S. 3); eine Seite gab diese Erklärung in sehr unbestimmter Weise. Gegen die späteren Vorwürfe der Rechtspresse weist Marx darauf hin, daß die Rechte gar nicht den Mut aufgebracht hat, die Verantwortung für die Ablehnung auf sich zu nehmen. Den Vorschlag der DVP nämlich, die Abstimmung vom Vortage als in dem Sinne erfolgt zu betrachten, daß die Reg. für ermächtigt gehalten würde, auch ohne Ausschaltung der Ehrenpunkte den Vertrag zu unterzeichnen, hätte die Rechte leicht hindern können, da Beratung des Friedensvertrages nicht auf der Tagesordnung stand. Als so vorgegangen werden sollte, verlangte Schulz-Bromberg (DNVP) namentl. Abstimmung. Diese hätte in der Frist des frz. Ultimatums nicht mehr durchgeführt werden können. Auf Ermahnungen Fehrenbachs erfolgte keine Äußerung von Schulz, so daß Fehrenbach den Antrag als zurückgenommen erklären und einfache Abstimmung vornehmen lassen konnte (S. 4). Einige Tage später regte die DVP-Presse sich darüber auf, daß einigen ihrer Abgn. Zustimmung zum Vertrag nachgesagt wurde; Z-Abg. wollten indessen ihre entsprechende Stimmabgabe gesehen haben; Marx nimmt Irrtum wegen Nervenüberreizung an. Düsseldorf und Duisburg gegenüber konnte Marx nach seiner Heimkehr Vorbereitungen für eine Beschießung feststellen, die im Falle der Nichtannahme des Vertrages stattgefunden hätte (S. 5). Stunden des Schreckens und wahnsinniger Aufregung hat Marx auch am 24. 6. 1922 erlebt, als Rathenau ermordet worden war. Dieser war ja ein ganz ungewöhnlicher Mensch. Er hätte Dtschld. noch viel nützen können. Sein Auftreten in Rapallo - besonders der berühmte Schlußruf seiner Rede „Friede! Friede! Friede!" - hatten ihm Weltruf verschafft. Am 24. 6. 1922 wurde die Nachricht gegen 10 Uhr RK Wirth während einer Sitzung des Reichsparteiausschusses des Z überbracht (S. 6). In der Wandelhalle des RT tobten bald einige Abg. Löbe gelang es, die aufgeregtesten zu beruhigen. Ein junger Mann sollte Helfferich, weil dieser einige Tage vorher eine scharfe Rede gegen Rathenau gehalten hatte, einen Blumenstrauß bringen; er wurde die breite Treppe hinuntergeworfen (S. 7). Helfferich ließ sich übrigens einige Tage nicht im RT sehen und nahm auch nicht an der Gedächtnisfeier teil. 7¿ S., Masch.-Erstschrift. o. D.: Stichworte von Marx über den Gang der Verhdlgn. über die Annahme des Friedensvertrages durch die Verf.-geb. Dt. Nat.-Verslg. zwischen 20. und 23. 6. 1919. Je 2 Halbseiten, eigenhädig 1922 Juni 25: Gegen den polit. Mord, Reden d. RT-Sitzung. 31 S., Druck. 1930 Dez. 2: Ztgs.-Ausschnitt über die Veröffentlichung von Rathenau-Briefen. 1932 Juni 24: Ztgs.-Art. zum 10. Jahrestage der Ermordung Rathenaus von Gen.-Konsul H. F. Simon.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 50
Altsignatur : 50



1920
Das Jahr 1920


Enthält : Erinnerungsbericht (o. D.; nach März 1939; vgl. S. 57): 1. 1. traf Marx bei den Dominikanern in Düsseldorf P. Rosarius, der ihm von der Operation des Priors Dalmatius, der wegen seiner herrlichen Predigten bekannt war, später aber in schwere Geisteskrankheit verfiel, berichtete. Beim Pastor hatte sich große Gesellschaft eingefunden; Kaplan Tillmann wußte, daß Böhler zur SchO kommen sollte; Kaplan Willmeroth - mit anderen Religionslehrern - wollte nichts von der Einrichtung von Elternvereinigungen wissen, war aber mit Elternausschüssen einverstanden. 3. 1. mit den Kindern in Köln (S. 1). 5. 1. Besichtigung des Vv-Hauses in Hagen. 6. 1. in Kassel, wo der Parteivors. Jennerich die Stadt zeigte und Marx abends in einer Verslg. über Schulfragen, anschließend mit dem Ortsausschuß und mit Lehrern und Lehrerinnen über Elternausschüsse redete. 8. 1. kam ein Gendarmerie-Wachtmeister, der - im Einklang mit Beschlüssen der Ldes.-Verslg. - Erhebung in den Rang von Assistenten forderte. Die Rückreise wurde sehr lang; da Marx von Duisburg nicht mehr nach Düsseldorf gelangen konnte, auch kein Hotel mehr bekam, übernachtete er im Wartesaal des noch erreichten M.-Gladbach (S. 2). 10. 1. fuhr Marx über Neuß und Oberkassel - riesiges Gedränge - nach Hause. 15. 1. mußte Marx in M.-Gladbach bleiben, weil ein neuer Bischof für Köln gewählt werden sollte und Pieper Wert darauf legte, daß ich die Abfassung des Glückwunschtelegramms an den Gewählten <Bischof Schulte> übernehme. 17. 1. in Berlin Sitzung der Reichspartei. 27. 1. in Düsseldorf, am 29. 1. wieder in Gladbach: Hier ist jetzt mein Hauptarbeitsfeld. Ich bin entschlossen, mich ganz dem Vv zu widmen. Damit kann ich auch der SchO wichtige Dienste leisten, weil ich die großen Hilfskräfte des Vv in Anspruch nehmen kann. Das nächste Jahr machte jedoch alle Pläne zunichte (S. 3). 1. 2. wurden die Uhren - auf mitteleurop. Zeit - um eine Stunde zurückgestellt. 21. 2. Vv-Besprechung in Koblenz. Im März der Kapp-Putsch in Berlin. Marx reiste am 22. 3. dorthin (S. 4). Im Zug zunächst mit Pfarrer Schlatter. In der Fraktion wunderte man sich über Marx' Kommen; die Beratungen waren wegen Fehlens vieler Mitglieder unverbindlich. Auf dem Büro von Dr. Sonnenschein hatte Marx mit Studenten eine sehr sachliche und ruhige Besprechung. Die Revolte hatte bei vielen Anklang. Die kath. Studenten waren aber durch die Bewegung Sonnenschein rechtzeitig gewarnt worden; die von dieser gestützte 'Student. Ortsgruppe Berlin der Dt. Z-Partei' hatte in einem Flugblatt den Putsch verurteilt und Verfassungstreue bekundet. 24. 3. wurde in der stärker besuchten Fraktion Austritt aus der Koalition diskutiert und schließlich verworfen. 11. 4. in Köln, wo er seiner Schwester zur Wahl als Oberin der Ursulinen gratulierte; später eingehende Unterredung mit Weihbischof Lausberg über die Lage des Vv (S. 5). 16. 4. Reichsausschuß des Z in Berlin. Tochter Trudel fand an P. Burkhardt OP wertvollen Berater. 16. 7. in Maria-Laach und Treffen mit Prior Hammersted<t> (S. 6). 19. 7. in Münster Besprechung mit Donders und Mausbach über laufende Schulfragen. 21. 7. berichtete Beusch in M.-Gladbach über die Konferenz in Spaa. 22. 7. kam Freund Blum, abends auch Landrat Jörg, vorher verdienter Parteisekretär in Köln. 26. 7. - 5. 8. in Berlin. 10. 8. - 1. 9. Sommerfrische in Nauort (S. 8-10). Denkschrift über das Schulgesetz für die SchO. Anfrage des Erzbischofs nach dem Stand der SchO (S. 8). Besuch des Mutterhauses der 'Armen Dienstmägde Christi in Dernbach S. 9). 19. 8. große Verslg. in der Kaiserhalle in Simmern; vorher darüber mit Pastor Peters beraten. Der neue Friedhof in Simmern (S. 10). Erlebnisse mit Streiks, Beispiele für die Teuerung (S. 11-13). Volksverein und Schulorganisation: Marx hatte ernstlich vor, den Staatsdienst aufzugeben und Gen.-Dir. des Vv zu werden. Zum Glück ist aber mein Lebensschicksal vom Herrgott anders gestaltet worden. Die unruhige Zeit nahm die Kräfte vieler Organisationen stark in Anspruch und war sehr arbeitsreich. Wenn ich im folgenden die zahllosen Verslgn. und Besprechungen aufzähle, die ich im Dienste der beiden Organisationen durchzumachen hatte, dann tue ich das, um der Nachwelt Kenntnis von der ungeheuren Verantwortung und den weitgehenden Anforderungen zu geben, welche in der unruhigen und (S. 13) schicksalsschweren Zeit an die Männer gestellt wurden, die irgendwie an einflußreicher Stelle stande<n>. 6. 1. Verslg. in Kassel über Schulfragen und danach Besprechung im Ortsausschuß der SchO und mit Lehrern und Lehrerinnen. 13. 1. Verslg. in M.-Gladbach mit mitarbeitseifrigen Lehrern und Lehrerinnen. 14. 1. ebendort über Schulfragen im Frauenbund. 17. 1. in Berlin RT und LT. 23. 1. Besprechung mit Fraktionsfreunden über kommende Reichsschulkonferenz; vom Ministerium kamen Wildermann, Niermann und Steingräber. 24. 1. Landesausschuß der SchO für Preußen mit nur 9 Personen, wo einige Leitsätze über Schulfragen entworfen wurden; Reiberei mit Prälat Deitmer, der über das Unterschriftenergebnis zugunsten der Konfessionsschule zufrieden war, während Marx entgegnete, daß man an vielen Orten überhaupt keine Listen aufgelegt hätte. 27. 1. auf der Durchreise in Paderborn bei den Prälaten Schäfers und Linneborn, der auch als neuer Bischof für Paderborn genannt wurde. 30. 1. kam Dr. Berger von Hagen (S. 14). 46 000 Schulflugblätter des Vv sind ausgegeben worden. 2. 2. wurde in der Vorstandssitzung des Rhein. Z in Köln eine Entschließung über die Rheinlandfrage-einstimmig-angenommen, die auf mein Betreiben sehr energisch abgefaßt war. 3. 2. Vorstandssitzung des Vv in Gladbach. 4. 2. interessante Verslg. von Religionslehrern in M.-Gladbach. 9. 2. im Gymnasium Düsseldorf zahlreich besuchte Elternverslg., in der die Religionslehrer die von der SchO vorgeschlagenen Elternausschüsse befürworteten. 10. 2. Verslg. in Süchteln, der der sozialdemokrat. Gesinnung verdächtigte Lehrer anfangs widersprochen haben soll. 11. 2. nur von 23 Leuten besuchte Elternverslg. im Gesellenhaus M.-Gladbach. 12. 2. Verslg. der Kinderhortbewegung in Köln, zu der Prälat Werthmann - Freiburg erschien. 17. 2. Lehrer- und dann Elternverslg. in Odenkirchen. 18. 2. Besprechung über Neueinrichtung der Registratur des Vv, wozu Dr. Rabeneck Vorschläge machen sollte; später Lehrerinnenverslg. (S. 15). 22. 2. Vv-Verslg. in Koblenz, die RA Hirtz leitete; der Weihbischof von Trier <Mönch> ist mit Marx Ausführungen über den Eid in der RV nicht einverstanden. 23. 2. Verslg. über Schulfragen in Kamp; nachmittags in Koblenz Verslg. der Vertrauensmänner des Vv. 25. 2. Tageskursus des Vv unter Dr. Nieder; Marx sprach kurz über die RV. 26. 2. redete Hohn in Ansprache über Zeitfragen über den Streik, machte Vorschläge über Neugestaltung der Angestelltengehälter; Meffert wollte ein Flugblatt über den Geist der sozialist. Lehren schreiben. 28. 2. holte in Bocholt Kaplan Nitschke Marx ab, Wohnung bei Prälat Richter (S. 16). 29. 2. zwei Verslgn., Besuche bei Frau San.-R. Dresen und dem früheren Abg. Beckmann, abends Aussprache mit Geistlichen über Einrichtung und Arbeit der Volksbüros. 4. 3. in M.-Gladbach Beratung über die schlechte Finanzlage des Vv. 7. 3. in Essen auf dem Katholikentag nach großem Festzug und schöner Festverslg. abends Rede über Schulfragen; am 8. 3. riesig besetzte Verslg. der Lehrerschaft, in der Rektor Rheinländer und geradezu wunderschön Frl. Teusch sprachen; dort lernte Marx Schulrat Rensing kennen; in der großen Frauenverslg. redete Prälat Dünnebacke, in der ebenfalls stark besuchten des Vv Marx; der Saal für die der Elternbeiräte war zu klein. Die Verslgn. im Bezirk von Essen sind stets von ganz besonderem Glanz. Anfang April: Von München läuft eine Nachricht ein, wonach Erzbischof Faulhaber in einer Rede vom 'Landesverband der Elternvereinigungen' gesprochen haben soll. Es ist das ja bei seiner bayer. Einstellung nicht ganz unwahrscheinlich, entspricht aber nicht der Meinung, wie sie von der Zentrale des Vv und der SchO festgehalten worden ist: die Schule soll nicht nach den Auffassungen der Länder eingerichtet werden, sondern nach der RV und soll nach weitverbreiteter Ansicht Sache des gesamten dt. Volkes sein! 16. 4. in Berlin. 22. 4. in Berlin-Nord Rede anstelle von Frl. Teusch (S. 18). Ende April in M.-Gladbach. Anfang Mai kam Brauns krank nach Gladbach. Marx schrieb für die 'Köln. Volksztg. über das Buch von Mausbach und einige Aufsätze für 'Schule und Erziehung'; in Gladbach geht das alles so glatt! 6. 5. in M.-Gladbach vor den Vertrauensmännern über die von Rechtskreisen neu gebildete 'Christl. Volkspartei', die das Z spalten sollte. In Übereinstimmung mit Pieper und Hohn wurde der Vv-Vertreter in Ulm, ein Geistlicher Ruez, wegen eines Art. gegen Erzberger gerügt; Marx sollte einen Abwehrart. für das 'Dt. Volksblatt schreiben. Für die SchO wurde Lehrer Runge als Sekretär gewonnen. 9. 5. Katholikentag in Köln; in der schlecht besuchten Verslg. in der Bürgergesellschaft sprachen Marx und Prior Hammenstedt aus Maria-Laach; nachmittags war die Kirche in Nippes dicht gefüllt. 10. 5. in Mülheim/Ruhr Vertrauensmänner- und dann öffentl. Verslg.; abends bei Dir. Gilles. 11. 5. Vertrauensmänner- und dann öffentl. Verslg. in M.-Gladbach (S. 19). 12. 5. erzählte Scharmitzel in der Redaktion der 'Volkswacht', daß eine Verslg. der 'Christl. Volkspartei am Vortage eine richtige Radauverslg. gewesen war; Marx Verslg. im Gürzenich verlief aber ausgezeichnet; nach ihm sprach Frl. Schmitz, die Leitung hatte Rings; den bissigen Ausführungen eines Lehrers begegnete wirkungsvoll Frl. Köhl, die später den Richter und LT-Abg. Schumacher heiratete. 13. 5. in Düsseldorf Verbandstag der Arbeitervereine, den Marx für den Vv begrüßte und dessen Beratungen Nieder und auch der Weihbischof <Lausberg> beiwohnten. 17. 5. in Bonn Verslg. im Bürgerverein (S. 20); Marx wohnte bei Pastor Stahl, ein sehr unterhaltender Herr, der in Amerika war; er besuchte Bischof Döring und Pastor Stein. 19. 5. Stiftungsfest des Lehrerinnenvereins, wo Prälat Müller die Festrede hielt. Marx entgegnete auf einen bösen Art. der 'Görres-Korrespondenz': Ich hatte zuerst Bedenken, etwas zu erwidern, kam aber doch zu dem Entschluß, man dürfe nicht alles, was dort geschrieben wird, so stillschweigend hingehen lassen. 21. 5. Verslg. im Gymnasium Oberkassel zufriedenstellend. [2]5. 6. in Velbert Verslg., die von grüner Polizei beschützt wurde; auch der spätere LT-Abg. Kloft - Essen war da (S. 21). 6. 6. RT-Wahlen; auf Befragen erklärte Marx abends, daß die polit. Lage weiterhin unsicher bliebe wegen Fehlens einer sicheren Mehrheit. 8. 6. in Köln Vorstandssitzung des Vv; die Schritte gegen Eisele und Ruez wurden gebilligt; Brauns hielt sehr schönen Vortrag über neue Ziele des Vv. 9. 6. Fahrt nach Berlin. 10. 6. die Vorbesprechung der Katholiken für die von Schulz angesagte Reichsschulkonferenz des folgenden Tages; von Mitgliedern anderer Richtung wird uns später das Lob ausgesprochen, daß wir immer die Klügeren und besser Vorbereiteten seien! 28. 6. in Arnsberg Katholikenverslg.; Marx wohnte bei Gymnasialdir. Bödeker; anwesend waren der Bischof von Kulm <Rosentreter> und der Weihbischof von Paderborn <Hähling v. Lanzenauer> (S. 22); eine von Marx angeregte Elternverslg. fand begeisterten Zulauf; in der öffentl. Verslg. sprach Frl. Weber ganz vorzüglich; abends Einladung von Frau Tilmann, Tochter des Kollegen Wellstein. In Hagen konnte Marx auf dem Vv-Sekretariat Dr. Berger nicht treffen; der Angestellte Klausner erzählte über diesen unerfreuliche Dinge; tatsächlich hat Berger später geheiratet. 5. 7. in Berlin verlautete gerüchtweise Vertagung des RT wegen Konferenz in Spaa. Gut besuchte Vv-Verslg. in Moabit. Für die LT-Fraktion entwarf Marx eine Entschließung gegen die 'Görres-Korrespondenz', sie wurde mit einigen Änderungen angenommen. 9. 7. in M.-Gladbach Katholikenverslg.; mittags beim Dechanten Nonnenmühlen, auch Pieper und Böhler (S. 23); nachmittags mit Pastor Jansen, neben Müller-Hoberg, in der Festhalle, wo Schnitzler und Meffert redeten. Anderntags sprach Marx über die Schulfrage, in der nachmittägl. Aussprache geriet er scharf mit den Lehrern über deren weitgehende Lehrerbildungspläne aneinander. In der Akademikerverslg. sprach Prof. Rademacher. 15. 7. Besuch von Erzbischof Schulte beim Vv und dann beim Verlag Stühlen. 16. 7. in Maria-Laach. 19. 7. in Münster, wo Donders, der ein Büro einrichten wollte, und Mausbach aufgesucht wurden (S. 24). 21. 7. trug Beusch seine Erlebnisse in Spaa vor. 22. 7. Namenstag der Oberin, Landrat Jörg kam auch zum Festessen. 24. 7. in Düsseldorf Lehrerverslg., zu der Religionslehrer Kaaf - Aachen mitging; besprochen wurde auch die Lage der Junglehrer und mitgeteilt, daß sie eine interkonfessionelle Arbeitsgemeinschaft gebildet haben: Das ist allerdings ein starkes Stück und wird auch von den älteren Lehrern aufs Schärfste abgelehnt. 26. 7. - 6. 8. in Berlin. 11. 9. zum Würzburger Katholikentag Gesamtvorstand des Vv; Marx traf schon im Zuge Hohn, Pieper, Nieder, dann Trimborn, später Hitze und Hartrath; über Brauns neue Ziele interessante Aussprache; Etat und Antrag auf Sonderbeitrag einstimmig angenommen (S. 25); die Beratungen gingen hauptsächlich über Dr. Sonnenschein. 13. 9. berichteten in der Sitzung der SchO Prof. Lutz und Gräfin Tattenbach über die Lage in Bayern; in der öffentl. Sitzung wurden nachmittags die Statuten für Bayern angenommen, aber kein Landesverband gegründet. 14. 9. sprachen Pieper über Organisation und Tätigkeit des Vv, Marx hauptsächlich über die Schulfrage und Reiners, der Widerspruch fand. 15. 9. redeten Frl. Eickelborn und eine Dame aus München über weibl. Jugendpflege: Verschiedenartigkeit der Auffassungen in den Landesteilen. In den Hauptverslgn. hörte Marx Prof. Dyroff und Prälat Wunderlich, nahm auch noch an einer Sitzung des Zentralkomitees teil, das sein Sekretariat nach Würzburg verlegen wollte (S. 26). 16. 9. gemütliches Plauderstündchen mit Trimborn, Hitze, Hopmann, Donders, aber auch tüchtige Arbeit an einem Vortrag; abends Verslg. der SchO in Aschaffenburg. 18. 9. in Simmern in der Kaiserhalle langer Vortrag über Schule und RV. 22. und 23. 9. in Düsseldorf Arbeit für SchO: Die Kasse steht schlecht, daher Rundschreiben für Extrabeitrag. 24. 9. in Leipzig Katholikenverslg.; Wohnung bei RA Schrömbgens; in der Schulverslg. am 25. 9. sehr aufmerksame und dankbare Zuhörer! Man merkt die Diaspora und Sachsen mit seinen Schulsorgen für Katholiken, die Bischof Schreiber ermunterte; Mittagessen mit Pater Cohauß, dann geschlossene Verslg.; erst abends eigentliche Begrüßungsverslg., die wegen Andrangs geteilt werden mußte: ausgezeichnete Stimmung (S. 27). In der großen Verslg. am 19. 9. sprach P. Cohauß ausgezeichnet, hatte Prof. Strieder das Präsidium. Abends sehr feierliches Essen bei Schrömbgens, danach zu den Studenten, wo wieder der Bischof redete. Ebenfalls am 27. 9. in Vv-Verslg. 28. 9. in der LT-Fraktion in Berlin über Ernährungsfragen. 29. 9. war das Plenum in wichtiger Abstimmung beschlußunfähig; in der Fraktion kamen die Kreisschulräte namentlich in Nassau zur Sprache; abends im Ausschuß auch die der evgl. Schulinspektoren: Wir kommen aber mit unserem Bestreben, möglichst die religiöse und konfessionelle Erziehung zu gewährleisten, nicht weiter. Die Mehrheit stimmt in allem gegen uns. Marx sollte darüber Kard. Bertram berichten. 30. 9. zurück nach Düsseldorf. 2. 10. Besichtigung der neuen Räume für SchO im Gesellenhaus mit Böhler und Runge (S. 28). Nachmittags nach Niederlahnstein; dort war RA Dahlem verreist und Marx wohnte bei Reder; anderntags predigte Prälat Rösch; auf Wunsch des Bischofs Kilian nachmittags die Verslg. in der Kirche. 10. 10. in Düsseldorf Katholikentag mit großem Festzug. 11.10. in der Verslg. der SchO in der Tonhalle eine größere Zahl von Reg.-Räten, die ich sonst niemals gesehen habe; in der Vv-Verslg. war Pieper nach 1¿ Stunden-Rede zuletzt ganz aufgelöst: Der Besuch der Verslgn. hat alle Erwartungen übertroffen. 12. 10. in Berlin auf dem Vv-Büro Anordnungen gegeben, im Abg.-H. Rede für Breslau aufgesetzt (S. 29). 13.10. in Breslau Arbeitssitzung in St. Vinzenzhaus, wo Porsch sprach. Nachmittags mit Negwer bei Kard. Bertram, der sogar eine Denkschrift vorlas. Die Vv-Verslg. bot mehr Unterhaltung. Beratung mit Negwer über Tätigkeit des Vv in Schlesien, die natürlich etwas anders gestaltet werden muß, als sie bei uns im Westen eingeführt ist. Die Bezirksausschuß-Sitzung außerordentlich lebhaft und interessant. In der großen Verslg. im Börsensaal sprach auch Bertram. 16. 10. in Berlin. 24. 10. in Cottbus Verslg. mit beifällig aufgenommener Rede und danach gemütlicher Zusammenkunft mit dem sehr angenehmen Pastor (S. 30). 29. 10. stellte Marx mit Kaas, Erzberger und Rheinländer Leitsätze über die Schulfrage auf, die gedruckt werden sollten. 9. 11. Besprechung mit Böhler über das neue Büro der SchO und einige Art. 13. und 14. 11. größere Besprechung mit 17 Herren u. a. Schrömbgens - Leipzig über Vv-Fragen und neue Leitsätze; Hitze entwarf ein ganz neues wirtschaftl. Programm, das großes Aufsehen und Interesse fand. 24.11. Verslg. in Berlin-Süd, in der Marx über die RV sprach. 28. 11. in Greifswald, wo er beim Pastor, ein sehr frischer Mann, wohnte; für die Studentenverslg. sollte Marx nicht über polit. Fragen, sondern nur über „Weltanschauung" sprechen: Das besorge ich dann auch, kann aber doch verschiedene Bosheiten anbringen (S. 31); mittags mit Prof. Hickler, ein sehr netter und kluger Mann; die allg. Verslg. war nicht gut besucht, nachher mit einer größeren Zahl Gesinnungsgenossen beisammen: Es ist Diaspora und muß deshalb besonders freundlich behandelt werden; anderntags Requiem für die Gefallenen aus den Studentenvereinen; nachmittags wieder im RT; abends Vv-Verslg. in Spandau. 1. 12. Schulverslg. in der Lützelstr. in Berlin, wo offenbar auch die besseren Stände gut vertreten waren. 4. 12. in Düsseldorf mit Böhler und Runge über dessen Freistellung, der Schulrat Herold zugestimmt hatte, verhandelt: Wir müssen jetzt sehen, ob wir von einem wohlwollenden Industriellen die nötigen Mittel für seine Bezüge erhalten können; Art. zum bevorstehenden 10jährigen Bestehen der SchO. 9.-18. 12. in Berlin. Wieder in Düsseldorf berichtete Böhler über Werbereise nach Schleswig. 22. 12. Vertrauensmännerverslg. des Vv in der Bürgergesellschaft in Köln u. a. mit Kuckhoff, Nieder und Böhler: verwirrte Aussprache; Besprechung beim Generalvikar über das Gehalt von GS Böhler und die Einteilung der Bezirke (S. 32). 23. 12. schickte Gilles 5000,- M für die SchO. Gleich nach Weihnachten in Münster, wo der Bischof Poggenburg Marx zu einer Eingabe wegen Bewilligung einer Kirchenkollekte für die SchO ermutigte; ein italien. Geistlicher gab Marx interessante Hinweise für einen Art. über Schulfragen; Donders und Mausbach waren verreist. Am Jahresende in Köln Vertrauensleuteverslg. der SchO; im Priesterseminar Aussprache u. a. mit Prof. Peters. Polit. Ereignisse, Tätigkeit in RT und LT: Viele polit. Erschütterungen (S. 33). Es zeigten sich auch in finanzieller Beziehung die ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages. Die Verantwortung des Parlaments wuchs in ungeheurem Maße. Marx' Zeit und Arbeitskraft waren indessen weitgehend von Vv und SchO beansprucht: Die maßgebenden Herren der Fraktion sahen das auch ein und entschuldigten meine vielfache Abwesenheit gerne mit Rücksicht darauf, daß es sich bei beiden Organisationen um überaus wichtige und wertvolle Aufgaben handelte und diese beiden Betriebsstellen der Arbeit der Fraktion die nötige Anerkennung bei dem Volke und die Aufklärung über die Bedeutung der in den Parlamenten erfolgten Ereignisse vermittelten. 2. 1<?>. in Köln Vorstandssitzung des Rhein. Z; Entschließung zur Rheinlandfrage auf Marx' Betreiben recht scharf und energisch gestaltet; sie wurde anderntags einstimmig vom Prov.-Ausschuß angenommen; die zum Z gehörenden Minister berichteten. 17. 1. in Berlin zum 1. Parteitag des Z; Marx nutzte diesen für einen kleinen Kreis von Interessenten zu einer Vorbesprechung über die kommende Reichsschulkonferenz aus (S. 34). 19. 1. begann der Parteitag. Geschickte Rede Trimborns über Stellung der Fraktionen zur Republik und zur neuen Verfassung: Es gab recht viele Parteifreunde, die zunächst gar nicht recht den Standpunkt der Fraktionen verstehen und billigen wollten, die sich so bald mit den Ereignissen Ende 191<8> abgefunden und die Republik anerkannt hatten. Trimborns Rede gab reiches Material an die Hand, das die Stellung der Fraktionen als die allein mögliche angesichts der ganzen Lage klarstellte. Fehrenbach präsidierte und mußte zunächst Gröbers gedenken. In den Vorträgen von Mausbach und Frl. Schmitz wurden die schwierigen Verhdlgn. geschildert, in denen das Z wenigstens erträgliche Bestimmungen über die Schule in der RV erreichte. In der Diskussion habe ich dann noch die Fraktion gegen den Vorwurf in Schutz genommen, daß sie sich allzu sehr in Verhdlgn. mit den anderen Parteien eingelassen hätte. Schließlich wurde die neue Organisation der Partei und die Einrichtung eines Parteisekretariats beschlossen (S. 35). Danach besprachen sich wieder die an der kommenden Reichsschulkonferenz Interessierten, u. a. die Min.-Räte Niermann und Steingräber vom Preuß. Kultusministerium, aus Bayern Vogel und eine Dame, ferner Rheinländer, Buchwald, Wildermann, Frl. Schmitz. 24. 1. Besprechung des Preuß. Landesausschusses der SchO, wo Marx gegen Deitmer das magere Berliner Ergebnis der Unterschriftenslg. für die Konfessionsschule rügte und auf Nichteinführung der SchO zurückführte. Am 18. 1. sah Marx auf dem Balkon vor dem Speisesaal des RT einen Maschinengewehrposten (S. 36). Am 2. 2. in Köln Vorstandssitzung des Rhein. Z; Marx hatte für Trimborn eine scharfe Entschließung zur Rheinlandfrage entworfen. 20. 2. entwickelte Hitler in Berlin sein Reg.-Programm. Schilderung des Kapp-Putsches und des von Ebert ausgerufenen Generalstreiks (S. 37), den Marx als „Segen" bezeichnet. Die Auswirkungen im besetzten Gebiet. Marx' Fahrt nach Berlin am 22. 3. Noskes Versagen (S. 38). Die in Berlin anwesenden Z-Mitglieder erwiesen sich als kluge und verfassungstreue Staatsbürger. Unter Trimborn faßten sie im RT eine Entschließung, die in dem Aufruf der von Sonnenschein zusammengebrachten und erfolgreich arbeitenden student. Z-Ortsgruppe enthalten war, die Marx damals besuchte. Die Reg.-Veränderungen und die Tätigkeit Severings als Reichskommissar. 17. 4. in Berlin Reichsausschuß; es wurde u. a. verhandelt, ob man an Erzberger mit dem Ansinnen her-(S. 39)antreten soll, er möge doch bei der nächsten Wahl ... kein Mandat mehr annehmen. Da kennt man den Herrn schlecht, wenn man glaubt, so etwas durchsetzen zu können! Für die RT-Wahl hatte Schofer einen Wahlaufruf etwas zu pathetisch und deklamatorisch entworfen; Hitze sollte ihn zusammen mit dem Verfasser nüchterner gestalten. Marx referierte über die Rheinlandfrage und veranlaßte damit eingehende Aussprache: Man ist aber im Großen jetzt einig in dieser Frage. Anderntags konnte er im Kultusministerium den Fall Reinickendorf vortragen; in der Verslg. abends konnte er dort sein Material durch anwesende Lehrer vervollständigen. 2. 5. in Düsseldorf Aufstellung der Kandidaten zur RT-Wahl; der in Aussicht genommene Nahrhaft lehnte ab, andere für den Mittelstand fanden sich nicht: Der Mittelstand klagt stets über Mißachtung seiner Interessen, aber Abg. will keiner der Herren werden, weil ihre Geschäftsinteressen dem entgegenstehen. 4. 5. in Köln Kandidatenaufstellung für den ganzen Bezirk: Es wird natürlich wieder viel geredet, und manche Unzufriedene erleichtern ihr Herz. Düsseldorf war im Handumdrehen erledigt: für West Giesberts, Schlack und Marx, für Ost (Essen) Bell, Wieber, Blum, Florian Klöckner, Allekotte. Neuestens hatten am 30. 4. 1920 ausgerechnet in Köln rechtsgerichtete Katholiken die 'Christl. Volkspartei gegründet (S. 40). Sie stellte sich in schärfstem Gegensatz zum Z, dem sie Verrat an der christl. Sache bei der Beratung der RV vorwarf, namentlich auch das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie. Da sie auch dem Z „zentralist. Bestrebungen vorwarf, so war es dem gewählten Abg. Dr. Deermann, Stud.-R. in Köln, nicht schwer, als Hospitant bei der BVP unterzukommen. Schon bei der Wahl zur Nat.-Verslg. sollte 'Z' wegen der vielfachen Anfeindungen in 'Christl. Volkspartei geändert werden. Besonders im Rheinland wurde widersprochen, weil die Namensänderung als Absicht ausgelegt werden konnte, die eigentliche Z-Politik aufzugeben. Dieses Argument schlug durch; im Dez. 1918 beschloß eine Verslg. in Duisburg Ablehnung eines neuen Namens. Doch blieb man in Berlin mit Rücksicht auf die Agitationserfolge Pfeiffers und der großen Sympathien in evgl. Kreisen bei 'Z (Christl. Volkspartei) (S. 41). Die Kölner 'Christl. Volkspartei war aber unverkennbar ein Wiederaufleuchten des früheren Z-Streites. 6. 5. in M.-Gladbach im Gesellenverein. 11. 5. in Neuß Vertrauensmännerverslg. 12. 5. in Köln im Gürzenich große Verslg., die der sehr geschickte Rings leitete, in der noch Frl. Schmitz sprach und Frl. Köhl einem vorlauten Lehrer gehörig und geschickt auf den Mund schlug; vorher hatte Scharmitzel Marx von der Verslg. der Christl. Volkspartei erzählt, die einen großen Skandal hervorgerufen hatte (S. 42) 13. 5. Verbandstag der Arbeitervereine im Paulushaus zu Düsseldorf, wo Erzbischof Schulte erschien. 17. 5. in Bonn Verslgn. in Bürgerverein und Beethovenhalle; einen alten Bekannten aus der 'Arminia', den späteren Missionsbischof Döring getroffen. 18. 5. in Gerresheim erschienen in der Verslg. auch Unabhängige, sie machten Zwischenrufe. 21. 5. große Verslg. in Oberkassel. 24. 5. in Langenfeld; die sozialdemokrat. 'Arbeiterstimmen - Solingen stellten darauf Marx als „Verleumder hin und führten Minister v. Brentano an, nach dem der Kirchenhaß der Sozialdemokraten mit eine Schuld der Arbeitgeber wäre. Weitere Verslgn. in Ohligs, Eller, Mettmann, Barmen, Elberfeld und Velbert (S. 43). 6. 6. am Abend dieses Wahltages hielt Marx im Düsseldorfer Paulushaus eine Rede über das Wahlergebnis. Die Lage von Z und BVP nach der Wahl (S. 44). Die anderen Parteien nach der Wahl. Das neue Ministerium Fehrenbach. Die Beleidigungsklage Erzbergers gegen Helfferich und das fehlerhafte Urteil der 1. Instanz (S. 45f.). Die Christl. Volkspartei und die 'Görreskorrespondenz: Schon bei Beratung der RV wurde in eigenen Reihen dem Z zu enge Verbindung mit der SPD vorgeworfen. Rechtskreise benutzten das gern zur Agitation (S. 46). Ausgerechnet ein Schwiegersohn Spahns, RA Dr. Görres, versuchte, rechtsgerichtete Katholiken für die DNVP zu gewinnen, und ließ kurz vor dem RT-Wahlkampf die 'Görres-Korrespondenz erscheinen. Neben religiösen Bedenken tadelte er die unitaristisch gehaltene Politik des Z und griff vor allem Erzberger an. Er wandte sich gegen die simultane Lehrerbildung und gegen die Aufhebung der geistl. Schulaufsicht, die indessen von der DNVP beantragt worden war (S. 47). Alles das richtete viel Verwirrung an, immerhin fielen die Wahlen noch verhältnismäßig günstig für das Z aus. Aber es war doch ein trauriges Zeichen der Zeit, daß einige kath. Politiker, u. a. auch der bekannte Prof. Martin Spahn, sich als Mitglieder der DNVP später betätigten. Einzelne Auseinandersetzungen mit der Görreskorrespondenz (S. 48). Die Schulkonferenz: 8. 6. in Köln sehr gut besuchte Verslg. des Zentralvorstandes des Vv. 9. 6. nach Berlin. 10. 6. im Fraktionszimmer des Z im RT Vorbesprechung unter Teilnahme der Bischöfe v. Hauck-Bamberg und Berning-Osnabrück. Die Teilnahme an der Aussprache wurde bejaht, dagegen etwaige Abstimmungen abgelehnt; auch die Benachteiligung bei der Besetzung der Ausschüsse wurde gerügt und entsprechende Erklärungen entworfen (S. 49). Es nahmen noch teil Mausbach, Rheinländer, Teusch, Frl. Schmitz, Dransfeld, Schulrat Vogel aus Bayern, Schulrat Kaiser - Dortmund, Abg. Heß. Von der beabsichtigten Erklärung hatte Marx unvorsichtigerweise Mumm erzählt. Dieser wollte Marx den Vortritt nicht lassen und gab nun seinerseits unter größtem Unwillen und scharfen und lärmenden Zwischenrufen der Andersgesinnten eine Erklärung ab. Sofort meldete sich nach Absprache mit den Bischöfen Marx zu seiner Erklärung. Sie war, wie immer unsere Einstellung, ungemein vorsichtig und zurückhaltend verfaßt. Sofort schlug die Stimmung im Plenum um, zunächst kamen noch einige Zwischenrufe von Gegnern, dann wurde es still, und so konnte ich die Erklärung in aller Ruhe abgeben. Verschiedene Mitglieder sah ich zustimmend nicken. Keiner aber wagte einen lauten Beifall. Man war auf der Gegenseite sichtlich ungewiß, wie die Mehrheit gestimmt war, und wollte sich nichts vergeben (S. 50). Unter den Z-Anhängern wurde noch die Einheitsschule behandelt. In der Generalaussprache schoß v. Harnack den Vogel mit einer glänzenden Rede ab, die ganz andächtig angehört und mit außerordentl. Beifall beschlossen wird. Sie war sehr positiv gläubig gehalten, so daß die Gegner außerordentlich bedrückt erschienen, aber dieser Größe gegenüber keinen Widerspruch wagten. Ab 14. 6. Ausschußsitzungen; Marx war einem zugeteilt, der die konfessionelle Frage zu behandeln hatte; den Abg. Quarck (SDP) schmerzte, daß er eine ausgearbeitete schöne „Kulturrede" nicht halten konnte. Die einzelnen Teilnehmer kamen sich nun näher. In der Geschäftskommission und später im Plenum wurde eine Abstimmung abgelehnt (S. 51). Die Linke erhebt ungeheuren Lärm und behauptet sinnlos, die Gegner wären durch materielle Gründe zu ihrem Votum gekommen! Bei den Berichten über die Ausschußberatungen wurden auch die Ansichten der Minderheiten vorgetragen. Das zeugt von großer Objektivität. Die beiden Bischöfe waren Muster des Fleißes. Eine Erklärung von Heß wurde ruhig angehört. 19. 6. gab es noch Äußerungen zur Simultan- und zur weltl. Schule. Marx drang mit aller Macht auf Schulz ein, daß Erzbischof Hauck eine Erklärung abgeben konnte. Das Äußere des Bischofs wurde alsdann bestaunt (S. 52). Das prakt. Ergebnis der von Schulz mit großem Eifer herbeigeführten Konferenz war eigentlich minimal, besonders da keine Beschlüsse gefaßt worden waren. Bei späteren Beratungen der Schulgesetze ist wohl kaum auf die Konferenz Bezug genommen worden. Schwierigkeiten und Zusammensetzung der RR: Die Absetzung Noskes, der aber Marx' Bitte auf Entsendung von Reichswehr gegen die <Spartakisten> in Düsseldorf pünktlichst entsprach (S. 53). Die Reden Wirths über die Finanzlage des Reiches. Die Konferenz von Spaa (S. 54). 8. 7. nahm Marx an einer Besprechung in der Reichskanzlei in Anwesenheit sämtlicher Minister teil. Man spricht sich einstimmig gegen die Annahme der Forderung aus, daß, wenn Dtschld. seinen militär. Verpflichtungen nicht nachkomme, dann die Ruhr oder andere Teile besetzt werden dürften. 26. 7. wieder in Berlin; Rede von Simons. 28. 7. in der Schulkommission Auseinandersetzung über RV 146. StS Schulz hatte frühere Ansichten etwas gebessert, doch der Fraktionsvorstand bezeichnete auch diese noch als unannehmbar (S. 55). Der Reichsschulgesetzentwurf ging am 22. 7. 1921 dem RT zu und wurde wie alle späteren abgelehnt. Die Gegensätze über die Schulfragen waren eben zu scharf zwischen den Parteien. Als einziges ist das Grundschulgesetz am 28. 4. 1920 zustande gekommen, das die Vorschulen aufhob und eine einheitl. Grundschule vorschrieb, Weltanschauungsfragen jedoch umging. Die Fraktion setzte eine eigene Schulkommission ein, die am 30. 7. erstmals zusammentrat, in der Frl. Dransfeld über die höheren Mädchenschulen und die Klosterschulen berichtete. Das Schicksal der Privatschulen schien überaus trübe. Der demokrat. Sinn stand zu sehr mit ihnen im Widerspruch. Sie galten zu sehr als die „Schulen der Reichen! (S. 56). Marx' Vorbereitungen zum Gesetz über die religiöse Kindererziehung. 28. 9. wurden in der LT-Fraktion Ernährungsfragen besprochen; die Arbeiter waren über die Ernährung erbittert. Die große Vorstandssitzung besprach die Fortbildungsschulen und über die Kreisschulräte namentlich in Nassau. Darüber berichtete Marx am 3. 10. dem Bischof von Limburg in Niederlahnstein. 13. 10. in Breslau Vv-Versammlung und Besuch bei Kard. Bertram, der wie immer sehr liebenswürdig ist. 19. 10. griff in der Fraktion ten Hompel sehr scharf Erzberger an; Wirth bezeichnete die Vorwürfe einfach als unwahr (S. 57); wahrscheinlich Verwechslung mit ten Hompels Bruder. 20. 10. sollte die Fraktionssitzung Stoff für Trimborns Rede im Plenum liefern. Über die Schulfrage arbeitete sie Marx einfach aus. Die mit Kaas, Rheinländer und Erzberger erarbeiteten Leitsätze über die Schulfrage ließ er nachher drucken. 5. 11. feierte Trimborn in Anwesenheit von Brugger den LT-Abg. Verwaltungsgerichtsdir. Linz - Wiesbaden, ausgezeichneter Mann, guter Katholik und sehr geschätzter Beamter. 6. 11. in den Räumen der 'Dt. Gesellschaft Aussprache der OB der Rheinprovinz über die Besatzung. Falk - Köln veranlaßte Marx, mit ihm dem Verkehrsminister über eine Bahnverbindung zwischen Köln und Düsseldorf auf Kosten beider Städte vorzutragen (S. 58); der Minister wollte Beteiligung des Reichs und war sehr kühl und ablehnend. 13. 11. trug Hitze im Vv-Vorstand ein ganzes Wirtschaftsprogramm mit neuen Gesichtspunkten und Zielen vor. Marx sollte für Spahn und Trimborn eine Erklärung zur Sozialisierung entwerfen, die dann Imbusch im RT verlesen sollte. 19. 11. im Schulausschuß die weltl. Schule. Mit Lauscher wurde eine Broschüre zur Rheinlandfrage und besonders über das Verhalten der Dorten-Leute besprochen (S. 59). 10. 12. in Berlin Teilnahme an einer von Sonnenschein einberufenen Verslg., in der Frau Schlüter-Hermkes sprach und ein Hilfskomitee des Caritasverbandes gebildet wurde. 11. 12. beriet der Rechtsausschuß das Gesetz über den Staatsgerichtshof fertig. Dem Abg. RA Waldstein - Altona (DDP) legte Marx den Antrag wegen des Gesetzes über die konfessionelle Kindererziehung vor. Er machte nun den klugen Vorschlag, ich sollte die noch nicht gehörten Parteien, am besten aber alle, zu einer Vorbesprechung einladen. Dann komme vielleicht ein gemeinsamer Antrag heraus. Der Fraktionsvorstand billigte das. 12. und 13. 12. Preußentag des Z; Porsch trug ausgezeichnet über die polit. Lage, Wildermann über Schule und Kirche vor. 15. 12. Aussprache über konfessionelle Kindererziehung. Es werden eine Reihe von Bedenken erhoben, aber es finden doch die von mir in den Vordergrund gestellten Gedanken der Freiheit der Eltern und ihrer Verantwortung vielseitige Zustimmung. Jedenfalls nichts von der Leidenschaftlichkeit früherer Beratungen. 18. 12. Heimfahrt: Andere Kollegen, so der gewissenhafte und pünktliche Blum - Krefeld, haben denselben Entschluß gefaßt (S. 60). Obwohl die Arbeiten für den Vv zuletzt zurücktraten. blieben die guten Herren von M.-Gladbach vor allem Prälat Pieper von bester Gesinnung gegen mich beseelt. Die finanzielle Lage des Vv wurde drückender. Man hielt es für ein zu großes Wagnis, die feste Beamtenstellung aufzugeben und dafür die zwar schöne und anregende, aber sehr unsichere Stelle des Vv-Dir. einzutauschen. Dazu kam die Aufbesserung der Beamtengehälter und Marx' Beförderungsaussicht. Pieper riet schließlich Marx ganz unumwunden ab. 61 S., davon S. 1-14 und 16 Erstschrift und die übrigen als Durchschriften. o. D. <1920, Mitte März>: Aufzeichnung „Vorschläge Legien" zum Kapp-Putsch: I. Entscheidender Einfluß des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände und des Dt. Beamtenbundes auf die Umgestaltung der Regn. im Reiche und in den Ländern, sowie auf die Neuregelung der wirtschafts- und sozialpolit. Gesetzgebung. II. Sofortige Entwaffnung aller am Putsch beteiligten Truppen und Bestrafung aller Personen, die am Sturz der legalen Regn. Beteiligt waren oder sich als Beamte des Reichs, der Länder oder Gemeinden ungesetzlichen Regn. zur Verfügung gestellt haben. III. Sofortigen Rücktritt des Reichsministers Noske sowie der preuß. Minister Oeser und Heine. IV. Gründl. Reinigung der gesamten öffentl. Verwaltungen und Betriebsverwaltungen von allen reaktionären Persönlichkeiten, besonders solchen an leitenden Stellen und deren Ersatz durch zuverlässige Kräfte. Wiedereinstellung aller in öffentl. Diensten gemaßregelten Organisationsvertreter. V. Schnellste Durchführung der Demokratisierung der Verwaltungen unter Zuziehung und Mitbestimmung der wirtschaftl. Organisationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten. VI. Sofortiger Ausbau der bestehenden und Schaffung neuer Sozialgesetze, die den Arbeitern, Angestellten und Beamten volle soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung gewährleisten. Schleunige Einführung eines freiheitl. Beamtenrechts. VII. Sofortige Sozialisierung des Bergbaus und der Kraftgewinnung, Übernahme der Kohlen- und Kalisyndikate durch das Reich. VIII. Sofortige Vorlegung eines Enteignungsgesetzes gegen Grundbesitzer, die die verfügbaren Lebensmittel nicht abführen oder ihren Betrieb nicht im Interesse des Volksganzen bewirtschaften, damit die produktiven Kräfte zur Gewinnung von Nahrungsmitteln restlos ausgenutzt werden. IX. Auflösung jeder konterrevolutionären militär. Formation, Übernahme des Sicherheitsdienstes durch die organisierte Arbeitnehmerschaft. 1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 51
Altsignatur : 51



1921
Das Jahr 1921 - ein Wendejahr in meinem Leben


Enthält : Erinnerungsbericht (o. D.; um 1936; vgl. S. 3, 13): Die Vereinbarung der polit. Tätigkeit mit dem Richterberuf, dem Marx sich stets mit größter Liebe und Hingebung widmete. Beim LG machte das Aussetzen vom Gerichtsdienst kaum Schwierigkeiten. Am OLG aber waren häufig mehrere Sitzungen für eine Sache nötig: Wenn ich nun unerwartet im Senatskollegium erschien, dann hagelte es nur Anträge auf Vertagung mit der Begründung, es sitze ein Herr am Richtertisch, der wohl nicht lange da sitzen würde und bei der (S. 1) nächsten Verhdlg. aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr mitwirken würde. Diese Vertagungen empfand Senatspräs. Treis schmerzlich und sagte einmal zu Marx nach einigen Wochen Dienst: „Kommen Sie nun so bald nicht wieder. Sie haben mir den ganzen Senat durcheinandergebracht!" Marx' Vorstoß bei am Zehnhoff, um LG-Präs. von Limburg zu werden. Am 28. 1. wurde Marx die Ernennung durch Trimborn und dem LT-Abg. Busch stürmisch mitgeteilt (S. 2). Im RT trieben die Kommunisten und der bekannte Hoffmann viel Unsinn. Viele Reisen für die SchO. 24. 3. wurde Marx vom Kirchenvorstand der St. Peterspfarre in Düsseldorf herzlich verabschiedet (S. 3). Am 31. 3. stellte er sich bei OLG-Präs. Dronke - Frankfurt, ein alter Bekannter von der Studienzeit her, vor. Im Limburg schilderte man ihm zunächst die Abschiedsfeier für seinen beliebten Vorgänger de Niem und traf den lieben Kollegen vom Abg.-H., den Amtsger.-R. Gerhardus: Wir sind enge Freunde geblieben. Anderntags besuchte er LG-Dir. v. Hugo und LG-R. Friedländer, der einer Kammer vorsaß. Die Arbeitslast ist nicht allzu groß. In Elberfeld und Düsseldorf ist ungleich viel mehr zu tun gewesen (S. 4). Gutes Verhältnis zu v. Hugo dank seiner echt adligen, vornehmen Gesinnung; Friedländer, ein ausgesprochener Jude, aber vorzüglicher Jurist, hatte viel Ärger mit einem Rat, der aus dem Osten kam und starker Antisemit war. Marx führte wöchentliche Zusammenkünfte aller Juristen des Ortes ein. Im übrigen war ich wirklich glücklich, in einer solchen Beschäftigung wirken zu können. Ich war einmal wieder Richter und nahm meine Sitzungen an der Zivil- und an der Strafkammer mit großem Eifer und großer innerer Freude wahr (S. 5). Angenehmer Verkehr mit der Geistlichkeit: Bischof Kilian war ein sehr einfacher, aber prächtiger, kluger Mann. Von früher kannte Marx den Dompropst Dr. Hilpisch, einen sehr gelehrten, klugen Mann mit reicher Erfahrung. Gestorben war schon der liehe Freund Kom.-R. Cahensly, eine anima candida im besten Sinne des Wortes, der unendlich viel Gutes getan hat als Fürsorger für die Auswanderer, für die Stadt, für die Missionen. Es war wirklich ein Paradies, das ich mir ausgesucht hatte. Ich glaubte, hier meinen Lebensabend beschließen zu können. Es sollte anders kommen! Als Marx am 27. 8. von Limburg zur Katholikenverslg. nach Frankfurt reiste, las er von dem Mord an Erzberger (S. 6). Er hatte schon unterwegs schwere Gedanken darüber, ob nicht dieser Schreckensfall auch Folgen für meine Zukunft haben würde. Die Fraktion hatte schwerste innere Kämpfe zu gewärtigen. Am 20. 7. waren in Nauheim Hitze und am 25. 7. in Köln Trimborn gestorben, auf dessen Begräbnis Marx Gedenkworte sprach nach Herold, Bell und Becker. Mit Recht konnte ich mir also die Frage vorlegen, ob es unter diesen Umständen und bei diesem großen Verlust an Mitgliedern, und zwar geradezu unentbehrlichen, für die Fraktion erträglich sein könnte, daß nun auch ich ausscheiden wollte. Meine Bedenken, daß ich doch in diesem Falle ein sehr großes Opfer meiner Person und meiner Familie der Politik und der Partei zuliebe bringen müsse, wurden in Frankfurt sehr entschieden beseitigt: Fehrenbach suchte mich bald nach seinem Eintreffen in Frankfurt auf und sagte in seiner klassischen allemannischen Art: „Nun packen Sie ein mit Ihrem Schwindel in Limburg! Sie gehen jetzt mit nach Berlin! Wir machen Sie zum Vors. Ich entgegnete ihm, es gehörten doch wohl zwei zu einem solchen Beschluß! Ich würde doch auch wohl noch gehört werden dürfen! Dazu hätte ich jetzt in Limburg meine schöne Tätigkeit! - Er aber erwiderte unentwegt: „Das ist schon alles (S. 7) erledigt und besprochen! Sie werden Senatspräs. beim Kammergericht! In der Tat hatte am Zehnhoff eine in Marienwerder überzählige Stelle an das Kammergericht übertragen. Fehrenbach erinnerte ebenfalls an den Tod des 2. Fraktionsvors. Burlage. Diese Todesfälle waren schwere Schläge für die Fraktion. Demgegenüber mußten alle meine guten Pläne über mein künftiges Lebensschicksal aufgegeben werden. Die gute Sache der Partei verlangte das schwere Opfer. Allzu viele Leute, die sich zum Amt eines Vors. eigneten, hatten wir auch nicht zur Verfügung. Bischof Kilian sagte Marx auf der Rückreise, er dürfe unter keinen Umständen das RT-Mandat aufgeben und müsse dem Rufe der Fraktion nach Berlin folgen. Die Gedenkreden auf Trimborn hielten in Frankfurt Leicht und auf Hitze Pieper. In Frankfurt konnte Marx den Präs. Dronke in etwa vorbereiten (S. 8). Die wachsende Inflation, dargestellt an Marx' Gehaltsbezügen (S. 9). Verslgn. und Vorträge in Hochdahl, M.-Gladbach, Stolberg, Buchholz, Mülheim/Rh., Berlin, Grevenbroich, Weimar, Haan, Gruiten, Dinslaken, Münster, Rheydt, Duisburg, Bonn, Charlottenburg, Frankfurt/ Oder, Forst in der Lausitz, Hildesheim, Frankfurt/Main, Köln, Elberfeld (S. 10). Das Zustandekommen des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung darf geradezu als ein polit. Wunder bezeichnet werden (S. 11). Frau Neuhaus - Dortmund sagte Marx vorher: „Ich traue Ihnen vieles zu! Hier aber sage ich: das bekommen Sie nicht fertig, diese schwierige und strittige Frage gesetzlich zu regeln!" Versuche waren schon beim Toleranzantrag gescheitert, obwohl es im Reich 30 verschiedene Regelungen gab. Das Entscheidende war, daß ich allen Wert darauf legte, möglichst liberal allen Richtungen gerecht zu werden. Selbst zu „Weltanschauungen wurde freie Hand gegeben. Die Ausschußberatungen gehörten, wie der ehrwürdige Prof. Kahl sagte, zu den schönsten, die man erleben konnte. Rein sachlich, ohne irgendwelche konfessionellen Streitigkeiten wurden die Verhdlgn. von allen Seiten geführt. In all dem polit. Streit, der damals schon einsetzte, war die Beratung dieser so heiklen Materie geradezu eine Oase. Die Bischöfe waren allerdings nicht alle zufrieden mit der Lösung. Viele maßgebende aber doch. Marx verfaßte einen Kommentar, ein Dr. Ewens behandelte das Gesetz noch eingehender (S. 12). Ich hatte doch nicht so leichthin die mir von Fehrenbach angekündigte Berufung nach Berlin angenommen. 26. 9. schlug Fehrenbach in einer Vorstandssitzung nach Besprechung der allg. Lage Marx als neuen Vors. vor. Telefonisch verlangte am Zehnhoff sofortige Entscheidung, weil er wahrscheinlich nicht mehr lange Minister wäre. Marx erbat einen Tag Bedenkzeit. Abends neigte er zur Ablehnung; Frl. Teusch gedachte seiner besonders; am andern Morgen war Marx zur Annahme bereit (S. 13). Ich sage mir, daß ich allg. Pflichten zu erfüllen habe, daß die Notlage der Fraktion sehr schwer sei, daß dieser großen Pflicht dem Staate und dem Volke gegenüber die persönl. Interessen zurücktreten müßten. In der Fraktion schienen doch Bedenken gegen meine Wahl zu bestehen. Marx verließ die Sitzung. Bei der schriftl. Abstimmung sollen 3 Stimmen auf andere gefallen sein. Danach in der Fraktion eingehende Aussprache über laufende Fragen, auch über Meinungsverschiedenheiten zwischen Wirth und Stegerwald. 30. 9. im RT scharfe Rede von Hergt. Wirth antwortet wieder nach meiner Meinung allzu scharf. Er kann sein Temperament nicht zügeln. 1. 10. sprach Marx, das Z schien zufrieden, SPD und DDP äußerten Beifall; Löbe soll gesagt haben, er sei ganz entzückt von der Rede! (S. 14). 2. 10. Empfang beim RP, wo Becker die Festrede hielt. Unterredung mit Wirth wegen Hermes. 3. 10. trug Marx Außenminister v. Rosen Beschwerden wegen mangelnder Berücksichtigung von Katholiken vor: Er weiß natürlich nichts von einer schlechten Behdlg. Auf die Konfession wird bei Stellenbesetzung niemals irgendwelche Rücksicht genommen, so versichert er. Und dann muß es doch wahr sein! 4. 10. im Ausw. Ausschuß sprach Spahn über den Vertrag von Wiesbaden. 5. 10. Besuch bei Präs. v. Staff und dem Gen.-Staatsanwalt am Kammergericht. 7. 10. Fahrt nach Düsseldorf. 11. 10. kam ein Telegramm mit Einladung für den Ausw. Ausschuß; die Sitzung fand nicht statt. Nun telegraphierte auch Wirth (S. 15). In Berlin ist alles durcheinander wegen möglichen Rücktritts der RR. Spahn schlug Zusammenkunft mit Stresemann und anderen von der DVP im RT vor. Von der vertraul. Unterredung stand abends alles in der Ztg. Statt des Fraktionsvorstands - wie der RK es forderte - lud Marx alle Z-Minister ein: Wirth scheint sehr aufgeregt über die Verhdlg. mit der DVP, beruhigt sich aber wieder. Wir sind alle einig, daß die Frage des Kabinetts mit aller Ruhe behandelt werden soll. Ich halte auch mit den Herren der DVP eine ernste Aussprache und halte ihnen die Folgen ihrer Offenherzigkeit vor. Sie verwahren sich entschieden gegen den Verdacht, als hätten sie die Benachrichtigung der Presse verschuldet. 17. 10. wurde im Ältestenrat Zusammentritt des RT für den 20. 10. beschlossen. Bei dem Streit ging es hauptsächlich um neue Steuern. Beim RK wurde der SPD entschieden gesagt, sie sollten nun einmal mit ihren Wünschen herauskommen und nicht immer Verstekken spielen (S. 16). In fortgesetzten Besprechungen auch beim RP kam eine Einigung über die Steuern und über Oberschlesien zustande. Dann ist aber am anderen Morgen wieder alles in die Brüche gegangen: die DVP hat ja darin ein meisterhaftes Geschick, das, was ihre Unterhändler ausgemacht haben, in der Fraktion zu zerschlagen! Verhdlgn. mit der DDP über eine Koalition gelangen nicht. Die Z-Fraktion billigte am 25. 10. gegen 4 Stimmen, daß Wirth die Kanzlerschaft auch ohne bestimmte Koalition führen sollte. 26. 10. wollte Wirth entweder Spahn oder Marx zum Reichsjustizminister. Ich lehne aber nach Rücksprache mit dem klugen Herold und mit Stegerwald, der die preuß. Verhältnisse besser kennt, ab, weil wir fürchten, dadurch die Stellung von am Zehnhoff zu erschweren und zu gefährden. Im Industriegebiet drohte ein Generalstreik. Eine Verordnung des RP über den Ausnahmezustand wird vom Rechtsausschuß am 4. 11. gebilligt. 6. 11. in Düsseldorf in der Tonhalle Gedenkrede auf Trimborn. 8. 11. in Berlin beriet eine Parteikommission ein Programm: Min.-Dir. v. Schoenebeck, ein etwas eigentümlicher Herr, führt das Hauptwort. Er hat für diese Dinge sehr viel Sinn und große Kenntnisse (S. 17). 12. 11. im Hotel Bristol feierl. Essen zu Ehren von Nuntius Pacelli, der mit Graf Preysing zu Konkordatsverhdlgn. gekommen war; RK, Porsch und Spahn nahmen teil. 15. 11. war der Reichsparteiausschuß mit dem Programm ziemlich schnell fertig; dann hielt Wirth ein ausführliches Referat. Die Diskussion ging nicht recht voran. Ich melde mich deshalb und führe aus, daß die Zeitverhältnisse es mit sich bringen würden, daß wir mehr wie bisher mit den Sozialdemokraten zusammenarbeiten müßten. Die erste Sorge für uns sei jetzt die Aufrechterhaltung der RV, die gerade für uns in weltanschaul. Beziehung bedeutende Fortschritte erzielt hätte. Lebhafte Auseinandersetzung zwischen Herold und Stegerwald; Marx notierte dazu: „der alte Herold verstehe auch, etwas Theater zu spielen". Für die Ausnahmeverordnung des RP war Marx im Rechtsausschuß zum Berichterstatter bestellt worden. 19. 11. brachten die Kommunisten unter Lärm den Hungerstreik in Lichtenberg zur Sprache (S. 18). Umzug von Düsseldorf nach Berlin. 22. 11. Abschiedsbesuche in Limburg; dort wurde LG-Dir. Claren - Osnabrück, Schwiegersohn von v. Morsbach, Nachfolger (S. 19). Gerhardus wurde bald krank. In Berlin wurde Erzpriester Milz zuständiger Pfarrer, ein würdiger alter Herr, der etwas eigensinnig ist und an seinen Gewohnheiten festhält, den Gottesdienst etwas lange hinzieht, im übrigen aber recht beliebt ist. Im Dominikanerkloster in der Karlstr. war P. Constanz <Wirtz>. Die sich anbahnenden Beziehungen zwischen Marx' Tochter und Dr. Kurig (S. 20). Über die Verhdlgn., die Marx' Wahl zum Fraktionsvors. vorhergingen. Hergts RT-Rede und die scharfe Antwort RK Wirths am 1. 10. Verworrenheit im Z durch das Hervortreten von Standesinteressen. Würdigung der Haltung des Z in der Zeit nach Nov. 1918 durch Herold (S. 21). Die Reg. Fehrenbach, die Konferenz von Spaa, die 2. Konferenz von London vom Mai 1921. Okt. 1921 war die Reg. Wirth durch Ansprüche der DVP auf Beteiligung gefährdet; Verhdlgn. mit Stresemann mißtraute Wirth. Die Fraktion neigte zum Rücktritt Wirths, dem sie aber volles Vertrauen aussprach. Der nervöse RK witterte Verschwörung und sogar Attentat, wünschte indessen auch die DVP in die RR. Die beim RP am 23. und 24. 10. erzielten Verhdlgs.-Ergebnisse lehnte die DVP-Fraktion ab (S. 22). 25. 10. wurde beim RP beschlossen, daß Wirth ein Kabinett ohne Koalitionsbindung bilden sollte. Der Schulgesetzentwurf von 1921 war zwar vom Innenminister Koch unterzeichnet, aber von Schulz verfaßt (S. 23). Die für Schulz niederschmetternde Stuttgarter Stellungnahme des Dt. Lehrervereins von Pfingsten 1921, den vor allem Tews inspirierte. Der Lehrerverein stellte zur Agitation gegen den Entwurf 500 000 Mark zur Verfügung (S. 24). In der 1. Lesung am 23. und 24. 1. 1922 sprach für das Z Rheinländer. Unter der RR Cuno brachte die Arbeitsgemeinschaft von Z, DVP, DDP und BVP zwar gemeinsame Anträge ein, die aber wechselten, weil selbst unter den genannten Parteien immer wieder Bedenken und gegenteilige Ansichten auftauchten. Im Febr. 1924 verschob die RR die Weiterberatung mit Rücksicht auf die damals nicht mehr erträglichen Kosten, die die Durchführung des Gesetzes mit sich bringen würde. 25 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. Erinnerungsbericht: Das Jahr 1921, Ergänzungen (o. D., nach 1939, vgl. S. 42): Das Gesetz über die konfessionelle Kindererziehung, das auf meine Initiative zurückzuführen war, wie ich ohne Ruhmrederei wahrheitsgemäß feststellen kann. Die Berufung als LG-Präs. nach Limburg durch am Zehnhoff; genannt werden in diesem Zusammenhang die Abg. Kley, Trimborn, Reinecke, Schulte, dann Mosler und Min.-R. Schwister, ferner Burlage, Busch, Gerhardus (S. 1-3). Marx empfahl dem berühmten Min.-Dir. Freund zum Landrat für Limburg Hüesker, der auch ernannt wurde. 1. 4. traf er unerwartet dort Böhler (S. 3). Am 3. 4. bei v. Hugo, Bischof Kilian und BM. In der wirklich vornehmen Familie v. Hugo verlebte Marx angenehme Abende. Ausgedehnte Zivil- und Strafsitzungen, auch Haftbeschwerden. 14. 4. in Berlin, wo er auch Aufsätze über die religiöse Kindererziehung schrieb. 30. 4. in Hildesheim glänzende große Schulverslg.; mittags bei Bischof Ernst, Böhler beim Domdechanten <Steinmann>, Wildermann hielt allg., Prof. Tillmann über die weltl. Schule Vortrag (S. 4); über die Fortbildungsschule wurde diskutiert. 3. 5. Berufungssachen in Limburg. 4. 5. Regelung der Ferienanträge der Amtsgerichte. 5. und 6. 5. Besuche bei Friedländer und v. Hugo mit Kulenkamp und Assessor Sauerborn. 12. 5. Klagen des Amtsrichters von Ehringhausen, wo auf das Gericht ein Anschlag verübt wurde (S. 5). 15. 5. Verabschiedung von Pastor Grünter - Düsseldorf, der wirklich ein herzensguter Pastor war. 16. 5. großer Festzug der Jünglingsvereine. 25. 5. Einladung bei v. Hugo, wo auch Senatspräs. Wagner war. 26. 5. Teilnahme an der Fronleichnamsprozession (S. 6). 24. und 27. 5. Aussprachen mit Herren des Bezirksausschusses Frankfurt der SchO u. a. Dr. Berberich. Ab 6. 7. wieder in Limburg, wo er neue Verteilung beschloß (S. 7). Einladung von de Niem. Marx berichtete über mögliche Entlastung der Gerichte und stellte dann die Zahlen der Schöffen und Geschworenen aus den einzelnen Amtsgerichten neu fest. Beschwerden von Sammet und Kulenkamp über Friedländer. Besuch von OLG-Präs. Dronke, ein prächtiger Mensch, dem vor allem an der Errichtung einer selbständigen Strafkammer in Wetzlar lag (S. 8). 17. 7. große Ger.-Verhdlg. 20. 7. wollte Marx nach Bad Nauheim zu Hitze, wurde aber von Kulenkamp wegen Aufhebung eines Haftbefehls aufgehalten; als er am 21. 7. nach Nauheim kam, erfuhr Marx, daß Hitze am Vortage gestorben war (S. 9). Am 25. 7. starb Trimborn, an dessen Begräbnis in Unkel er am 30. 7. teilnahm. Neue Streitigkeiten zwischen Friedländer und Sammet. Treffen mit Hüeskers (S. 10). Die Dienststunden der Beamten wollte Marx mit den übrigen Behörden in Limburg regeln; weitere Rechtsstreite (S. 11). Beim Stadtpfarrer widersprach Marx dem Zusammenschluß der Elternbeiräte - sogar die evgl. sollten einbezogen werden - als entgegen der ursprünglichen Idee. 12. 8. konnte Marx mit den übrigen Limburger Behörden eine Dienststundenregelung vereinbaren (S. 12). Wegen der bevorstehenden Wahl zum Fraktionsvors. waren Marx besonders wertvoll die schönen Worte Bischof Kilians, der ja wohl ein menschliches Interesse daran hatte, mich in Limburg zu behalten. Marx' Frau war von der bevorstehenden Neuerung geradezu erschreckt; beide setzten die Wohnungssuche in Limburg aber fort. Marx schrieb seine Bedenken an am Zehnhoff und Schwister. 11. 9. Gedächtnisrede auf Trimborn in Köln, wo Lauscher wegen Marx' Verspätung schon einspringen wollte (S. 13). Im Parteiausschuß wurde viel über Wirth geredet und z. T. scharfe Kritik geübt. Beschwerden von Amtsgerichten über die Dienstzeit erledigte Dronke im Sinne von Marx. 19. 9. schrieb am Zehnhoff privat, daß er schon für Berlin ernannt sei. Letzte Gerichtssitzungen in Limburg. 16. 9. redete in Z-Verslg. Abg. Schwarz - Frankfurt; auch ein Windthorstbund wurde unter Teilnahme vieler Geistlicher gegründet (S. 16). 22. 11. Abschied in Limburg von Gerhardus, v. Hugo, BM, Bischof Kilian, Prälat Hilpisch, Landrat Hüesker. Einpacken der Papiere in Kisten. Zu parlamentar. Arbeiten traf Marx erst am 12. 1. 1921 in Berlin ein. In der Fraktion des LT hörte er mit Schrecken, daß am Zehnhoff nicht mehr auf die Abg.-Liste gesetzt worden war. In starker Aufregung entschloß Marx sich zur Niederlegung des LT-Mandats und benachrichtigte Porsch. Lebhafte Debatte in der LT-Fraktion. Ich bleibe aber fest und schreibe an Feldhaus nach Duisburg, daß sie an meiner Stelle den Minister auf die Liste setzen sollen (S. 17). Der preuß. Landesausschuß des Z war nach langer Debatte einstimmig für die Aufstellung am Zehnhoffs, dem Marx schließlich telegraphierte. So habe ich wenigstens in etwa meinen Dank für seine Güte abstatten können. Nach längerer Aussprache wurde auch Beusch aufgestellt, gegen den die Arbeiter außerordentlich aufgebracht sind. 13. und 14. 1. riesige Verwirrung in den Sitzungen des LT. Es kommt fast nichts zustande! Nur die von der Reg. geforderten Mehrleistungen für Bischöfe und Geistliche wurden abgelehnt. 15. 1. nahm Marx Abschied vom LT. 16. 1. in der Bonifatiuskirche Verslg. über Schulfragen (S. 18). 19. 1. wichtige Vorstandssitzung mit RK Fehrenbach und allen Ministern über Finanzen. Wirth wollte sein Amt niederlegen, wurde aber durch Zureden von allen Seiten beschwichtigt. Lange Fraktionssitzung. Zum Antrag über konfessionelle Kindererziehung wertvolle Ratschläge von Spahn, der noch am Toleranzantrag mitgearbeitet hatte; alsdann Kenntnisgabe an Kahl, Mumm, Dietrich, auch Everling; Marx wehrte sich heftigst gegen den Vorschlag, die Kinder nach dem Geschlecht zu teilen. Spahn war schließlich mit Freiheit der Entschließung einverstanden, zur besonderen Freude Marx' auch Leicht. Nach Gerüchten sollte Marx wieder Kandidat für den LT und sogar den Provinzial-LT werden; er schrieb Feldhaus und Mönnig entschieden ab. 23. 1. in Frankfurt/Oder Schulverslg. 24. 1. in Berlin die Programmkommission hauptsächlich über den Charakter des Z (S. 19). Danach interessante von der Rhein. Kulturkonferenz veranstaltete Beratungen über rhein. Musik und Kultur. Konferenzen mit Herren des Kultusministeriums über konfessionelle Kindererziehung, aufgestellte Leitsätze wurden für eine Besprechung von Geistlichen an Domherr Paschen - Köln übermittelt. 28. 1. Rechtsausschuß über das Gesetz betr. den Staatsgerichtshof. Beratung des Parteiprogramms. Verslgn. in Grevenbroich, Fulda, Weimar, Dinslaken, Münster, Rheydt, Duisburg, Bonn, Langenberg. 4. 2. wurde Antrag mit Gesetz über Kindererziehung eingereicht. 20. 2. LT-Wahl. Viele Besprechungspunkte mit Böhler. 21. 2. intensive Beratungen des Parteiprogramms. Als am 23. 2. Trimborn eintraf, war man nahezu fertig, was ihm besondere Freude macht, da er kein Freund von solchen Beratungen formaler Art ist (S. 20). 26. 2. Unterredung im Kultusministerium mit Kästner und Heuschen über den von Kleve nach Wipperfürth versetzten Kreisschulinspektor <J. Overmeyer>, worüber die Lehrerschaft aufgebracht war. 1. - 7. 3. die üble Londoner Konferenz. Das „Nein" von Fehrenbach und Simons entsprach so ganz der Auffassung weiter Volksmassen; beide wurden im Düsseldorfer Apollo-Theater mit frenetischem Beifall bedacht. Einige Wochen später mußte alles angenommen werden, und die Wirtschaft des Westens war aufs äußerste geschwächt (S. 21). 4. 3. Erklärung des RT-Präs. zur Abreise der Londoner Delegierten und der Widerspruch der Linken, besonders Hoffmanns. Kard. Schulte benachrichtigte Marx über ein „sehr ernst gehaltenes" Schreiben der süddt. Bischöfe wegen des Antrags über Kindererziehung. 5. und 11. 3. Störungen der RT-Sitzungen durch Kommunisten, besonders Hoffmann und Krispin. 12. 3. in Frankfurt/Oder über Schulfragen. 14. 3. in Fraktion großer Ärger über Prof. Schreiber, der sich siebenmal zu Wort gemeldet hatte und den Marx zur Rede stellen sollte, dieses aber ablehnte (S. 22). 15. 3. im RT 1. Lesung des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung; alles ging glatt. 15. 3. in Forst Schulverslg., wo die Beteiligung der ausgezeichnet organisierten Katholiken überragend war; auf dem Bahnhof Zusammentreffen mit dem OB und 2 evgl. Pastoren. Nach 15. 4. ausgedehnte Besprechungen mit den Vertretern der freien Liebestätigkeit über das Jugendwohlfahrtsgesetz; Frau Neuhaus und Frl. Dransfeld sind sehr warmherzige und erfahrungsreiche Helfer. 31. 5. begannen die Ausschußverhdlgn. über das Kindererziehungsgesetz; Kahl hatte in Sachen Vormundschaftsrichter eine gegenteilige Meinung bei sonstiger Übereinstimmung (S. 23); nach der Sitzung stellte sich ein Mißverständnis heraus. Der Schulgesetzentwurf und die fanat. Ablehnung des Dt. Lehrervereins; die Verzögerung der Ausschußberatungen und das schließliche Verbot der Weiterberatung durch die Verwaltungsabbaukommission (S. 24). Nach 10. 5. Fraktionsberatungen über das Reg.-Programm von Wirth; Gerüchte über Auflösung des RT. Mit Pater Sonnenschein Unterredungen über Auslandsschulen (S. 25). 7. 6. waren im Ausschuß die 1., am 15. 6. die 2. Lesung des Kindererziehungsgesetzes; die Beschlüsse gingen an Kard. Schulte und auf Anraten Spahns an Kard. Faulhaber. Auch beriet der Rechtsausschuß die Gesetze über Volksentscheid und Volksbegehren. 12. 6. in Düsseldorf auf dem Parteitag bei Ausführungen über die polit. Lage auch Behdlg. des Themas Erzberger; Marx fand wohl keine allg. Zustimmung, glaubte aber neue Beurteilungsmomente geboten zu haben. Zum Kindererziehungsgesetz kam ein erregter Brief Kard. Faulhabers: Das kann aber zu nichts nützen, da keine bestimmten Klagen angeführt werden; der sehr liebenswürdige Kard. Bertram konnte auch nicht viel sagen, da noch alles unsicher war. 15. 6. ebenfalls mit vielen Min.-Vertretern darüber verhandelt (S. 26); die entworfenen Anträge anderntags vom Ausschuß meist angenommen. Ich fürchte aber, daß doch noch Wünsche der Süddt. nicht erfüllt sind und hier Schwierigkeiten entstehen werden. 16. 6. noch 3. Lesung. 17. 6. im RT großer Krach zwischen Remmele (USPD) und Mittelmann (DVP) anläßlich Interpellation wegen Ermordung eines bayer. Abgn. 18. 6. übernahm Marx die schriftl. Berichterstattung über das Gerichtskostengesetz. Verhdlg. Mit Schulz über Schulgesetz, mit Lauscher über Kindererziehungsgesetz, worüber er noch Einigung mit der SPD versuchte, die mißlang. 20. 6. umfangreiche Aussprache mit Rabbiner Munk über Schulgesetz; eine andere über die Forderungen der sozialdemokrat. Lehrer. 22. 6. gemütliche Aussprache mit Wirth, Trimborn, Porsch und Bell insbesondere über Erzberger in Giesberts Wohnung (S. 27); Wirth sollte noch einmal Verhdlgn. mit ihm versuchen, was Marx allerdings für aussichtslos hielt. 23. 6. abermals in Giesberts Wohnung mit mehreren Fraktionsmitgliedern, Trimborn hielt prächtige Rede, den Wettstreit nahmen Hofmann-Ludwigshafen und Pfeiffer auf; schöne Weine. Im Ausschuß wurde Marx angetragen, die Beratung des Kindererziehungsgesetzes im Plenum einzuleiten; um alles Persönliche auszuschalten, wehrte er sich: Tieferer Grund ist für mich aber auch, daß ich nicht mit allem einverstanden bin, was im Gesetz steht. Es könnte mein Vortreten so ausgelegt werden, als identifizierte ich mich mit dem Gesetz. Verhdlg. über das Schulgesetz mit Radbruch. In der Fraktion über die weltl. Schule. Trimborns Leiden wurde offenkundiger (S. 28). 29. 6. im RT große Parteiverslg., in der Wirth ein prächtiges Referat über auswärtige Politik und kurz über Erzberger hielt; die Minister teilten zu viel aus den Akten mit, was besser geheim geblieben wäre; Erzberger ist bis zu Ende frisch und angriffslustig geblieben, während die Gegner, hauptsächlich Stegerwald, matt erscheinen; von einer wenig besagenden Entschließung wurde für einige Zeit Friede erhofft. Für die sorgfältige Prüfung der Frage, ob Frauen als Schöffen und Geschworene zugelassen werden sollten, fand Marx den Beifall der sonst so gefürchteten Frau Lüders, die anscheinend mit dem Antrag ihrer Parteifreunde nicht ganz einverstanden war. 4. 7. wurde die 3. Lesung des Kindererziehungsgesetzes rasch erledigt, weil Frau Lüders einen Parteifreund zum Wortverzicht bewegen und Mumm für einen Antrag den rechten Zeitpunkt verpaßte (S. 29). Erst 26. 9. wieder in Berlin. Wahl zum Fraktionsvors. und Antrittsbesuch beim Kammergericht (S. 30). Eine tüchtige Stütze hatte ich bei meinen Arbeiten am Parteisekretär Dr. Katzenberger, der über eine große Erfahrung verfügte. Wohnungstausch mit OB i. R. Plasmann und Umzug nach Berlin. 10. 10. Glückwunschbrief an Müller - Fulda zum 70. Geburtstag. 11. 10. Telegramm aus der Reichskanzlei mit Einladung für Ausw. Ausschuß, der am 12. 10. wegen Reg.-Krise dann doch nicht zusammentrat. 12. 10. mit RK Rücktritt der gesamten RR oder nur einiger Minister besprochen. Stresemann schlug Aussprache vor, zu der Spahn kam (S. 31). Über eine entsprechende Notiz im 'Berliner Lokal-Anzeiger' war Wirth aufgebracht. Am 14. 10. fragte er, ob Parteivorstand einberufen wäre. Marx verneinte und lud stattdessen für 15. 10. alle Z-Minister ein. Vorher konnte er noch Brauns, Giesberts, Becker und Stegerwald hören, die zum Glück alle einer Meinung (sind), wir sollten die ganze Angelegenheit möglichst ruhig behandeln, namentlich die Frage eines neuen Kabinetts ganz nebensächlich lassen und auch einmal den Gedanken aussprechen, die Sozialdemokraten könnten ja auch einmal die Sache machen. Bei Ebert kam ebenfalls alles zur Sprache. 16. 10. Besuch beim Delegaten Kleineidam. 17. 10. teilte Spahn den Wunsch der DVP wegen erneuter Besprechung mit, der er wegen der Indiskretion nicht beiwohnen wollte. Marx nahm stattdessen Becker und v. Guérard mit und sagte den DVP-Vertretern seine Meinung. Nachdem der RT für den 26. 10. einberufen war (S. 32), wurde die Fraktion auf den 20. 10. bestellt, da Wirth daran festhält, ein neues Kabinett zu bilden. 17. 10. auch Aussprache mit DVP bei RK. 18. 10. waren auch die Sozialdemokraten dabei, denen mit aller Entschiedenheit vorgehalten (wird), daß sie nun endlich einmal ihre Wünsche deutlich äußern sollten. Das tun sie aber wieder nur mit aller Reserve. 20. 10. beschloß der Vorstand, der Fraktion die Demission des Kabinetts wegen der vorhandenen Meinungsverschiedenheiten als wünschenswert vorzutragen, daß aber Wirth nach wie vor volles Vertrauen besäße. Sie war damit schnell einverstanden. Nachmittags Besprechungen mit Stresemann und Spahn, dann mit Minister Köhler. 23. 10. mit Spahn bei RP; nachmittags Verhdlg. mit DVP; alsdann in der Fraktion große Redelust. 24. 10. lange Aussprache beim RP über die Koalition, auch über Oberschlesien und Steuerfragen. Die scheinbare Einigkeit schlug die DVP-Fraktion danach wieder entzwei: Das ist so ihre Art! Der erregte RP wollte am 25. 10. deren Brief veröffentlichen (S. 33). Vormittags faßte das Z Koalition mit der DDP ins Auge; nachmittags kam man im Verein mit DDP und SPD beim RP zum Entschluß, daß Wirth die RR ohne Koalition bilden sollte. 26. 10. sprach Wirth im RT darüber sehr ruhig und gut. Ulitzka, der großen Einfluß besitzt und tüchtiger Redner ist, vertrat das Z. Die Debatte bewegte sich auch sonst auf einer besonderen Höhe. Das angebotene Reichsjustizministerium hatte Marx mit Rücksicht auf den dann gefährdeten am Zehnhoff abgelehnt. 30. 10. Rede auf dem Parteitag in Elberfeld, wo Frau Geigenhädig-R. Eic<h>hoff und Fonk waren; Beusch sprach über Steuerfragen (S. 34). 31. 10. Vorstandssitzung des Vv in M.-Gladbach. 2. 11. in Berlin Vorstands- und Fraktionssitzung über Steuerfragen; auf Hermes sollte Herold antworten. Wirth war aufgrund falscher Unterrichtung über Marx' Rede in Elberfeld erregt: angebliche Rücktrittsdrohung Eberts wegen Oberschlesien. 4. 11. konnte Marx im Rechtsausschuß die Aufhebung der Verordnung des RP über den Ausnahmezustand verhindern. Die Fraktion zeigte zu Hermes' Steuergesetz kein Interesse; deswegen beraumte Marx darüber erneute Sitzung am 5. 11. an; sprach indessen selbst in Düsseldorf in der Gedächtnisfeier für Trimborn (S. 35). Mit Postbeamten Kluthe und Redakteur Hommerich interessantes Gespräch über Mittelstandsnöte und Beamtenfragen. 8. 11. in Berlin setzte der Fraktionsvorstand die Steuerkommission zusammen. Über Steuerfragen hatten Stegerwald und Herold anscheinend Meinungsverschiedenheiten. 9. 11. begann ein Ausschuß die Beratung des Parteiprogramms; Vors. war Min.-Dir. v. Schoenebeck, ein etwas eigenartiger Mann, der aber sich in die schwierige Frage tüchtig eingearbeitet hat und viel zu rascher und guter Erledigung beiträgt. Marx nahm mit Graf Lerchenfeld Verbindung auf, damit das Programm möglicherweise für die BVP annehmbar wurde. 10. 11. erschienen beim RK Ebert, Frl. Teusch und Frl. Lang-Brumann. 11. 11. trug Wirth die Beschlüsse der Industriellen zur Steuerfrage vor; Spahn erklärte sie als unannehmbar, Florian Klöckner und Stegerwald schienen nicht ganz so ablehnend (S. 36). Becker - Arnsberg sagte, die Industriearbeiter wären gegen die der Eisenbahn eingenommen. 12. 11. kamen von München Nuntius Pacelli und Graf Preysing; zusammen mit Wirth, Spahn und Porsch wurde über ein Konkordat verhandelt. 15. 11. verweigerte Wirth zunächst ein Referat vor dem Parteiausschuß, der das Parteiprogramm zu Ende beriet. 16. 11. kam nach Wirths ausführl. Rede kaum Diskussion auf. Marx wollte beleben, indem er sagte, daß wir uns allmählich daran gewöhnen müssen, auch mit den Sozialdemokraten zusammenzugehen; dazu erhoben sich erst später Widersprüche. Heftige Auseinandersetzung zwischen Stegerwald und Herold, der wohl Theater machte (S. 37). Zuziehung von Frauen als Schöffen und die Prostitution wurden erörtert. Im RT mußte Marx auf irgendwelche Schritte gegen die <Ausnahmezustand-> Verordnung des RP achten. Im schwach besetzten Fraktionsvorstand wurde Itschert als Mitglied des Staatsgerichtshofes vorgeschlagen. 19. 11. wurde der evgl. Z-Abg. Rehbinder als Vors. des RT-Ausschusses für den Hungerstreik in Lichtenberg ernannt (S. 38). Mitte Dez. peitschte der Rechtsausschuß das Gesetz wegen der Geldstrafen durch. In der Fraktion gab es große Meinungsverschiedenheiten wegen des Einkommensteuergesetzes. 28. 12. fuhr Wirth bei Marx vor wegen der Zusammenkunft, die Z.-Abg. mit Herren aus anderen Staaten in Holland vorgeschlagen hatten; der RK hatte Bedenken wegen der kommenden Konferenz in Cannes; Spahn teilte sie; Marx schrieb deswegen an Stresemann (S. 39). Volksverein und Schulorganisation: 2. 1. Schulverslg. in Hochdahl und Besuch bei Familie Philipps. 3. 1. Vorstandssitzung des Vv mit Trimborn und Hitze; Trimborn und Otto sollten Dr. Berger - Hagen verwarnen; nach Hagen hatte der kluge Hohn einen Teil der Zentrale wegen der Grenzsperre verlegt. 6. 1. in Stolberg über Elternbeiräte. 7. 1. in Köln mit Böhler, Runge, Pastor Adolf - Benrath über Schulfragen beraten. 9. 1. Rede in Buchholz bei Düsseldorf, 10. 1. in Mülheim/Rhein (S. 40). 16. 1. in Berlin - St. Bonifatius. 23. 1. Frankfurt/Oder. 24. 2. Charlottenburg. 13. 3. wieder Frankfurt/Oder, wo 40 Anmeldungen zur SchO kamen. 15. 3. Forst/Lausitz. 23. 2. bekam Marx Nachricht, daß von der Kirchenkollekte erstmals 10 000 M eingegangen waren. 30. 4. und 1. 5. große Veranstaltung in Hildesheim mit Böhler, Wildermann und Prof. Tillmann; Vorträge über Fortbildungs- und weltl. Schule; große Anteilnahme von Bischof Ernst (S. 41). 24. 5. in Limburg Besprechung über Schulfragen mit Herren aus Wiesbaden und Frankfurt, die Stellungnahme gegen § 15 des eingebrachten Schulgesetzentwurfes verlangen, wonach die Simultanschule in Baden, Hessen und Nassau aufrechterhalten bleiben sollte (S. 42). 29. 7. Vv-Vorstandssitzung in M.-Gladbach, an der Leicht, Otto und Schefers teilnahmen. 30. 7. in Unkel große Beerdigung von Trimborn mit Grabreden von Herold, Bell, Becker und Marx; das Hochamt hielt Kard. Schulte. 9. 8. in Limburg beim Stadtpfarrer Unterredung über Zusammenschluß der verschiedenen Elternbeiräte, den Marx ablehnte. 31. 10. in M.-Gladbach Vv-Vorstandssitzung (S. 43). 1. 1. in Düsseldorf St. Peter kollektierten Marx und Runge für die SchO. Verkehr mit Hoenscheid, Schwister und andere Familienereignisse. Fortzug von Düsseldorf (S. 44-48). 48 S., dabei sind 14 und 15 bei der Numerierung - ohne Textverlust - überschlagen worden; Erstschrift von Masch.-Schreiben, außer S. 1 und 20. 192<1> März 3 - Berlin: <Viktor?> Naumann übermittelt einer ungenannten Exzellenz <Trimborn?> eine Denkschrift. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf., Kopfbogen 'RT. In der Anlage: o. D.: Denkschrift: „Die Lage und ihre Erfordernisse". Außenpolitisch Erfahrene können sich über die Situation in London nicht wundern. Briand durfte wegen der chauvinist. Kammermehrheit unter Poincaré nicht zurückweichen; Frkr. läßt sich auf Ermäßigung der Bedingungen nicht ein. England, auf das man naiv hoffte, hat neuere und bessere Märkte als Dtschld. und sieht Europa nicht als erstrangigen Erdteil. Die USA (Vereinigte Staaten von Amerika) haben sich auf den eigenen Kontinent und den Stillen Ozean konzentriert. Die Weltlage ist von den vortrefflichen Juristen im Ausw. Amt nicht richtig eingeschätzt worden, vor allem hat man jegliche Initiative verabsäumt. Wahrscheinlich werden zum 1. 5. die Franzosen Hessen bis über Gießen hinaus zur bayr. Grenze und ferner die Ruhrhäfen besetzen; das besetzte Gebiet wird mit einem Zollgürtel umfaßt, und die Engländer werden die Einfuhr von Rohmaterialien und Nahrungsmitteln blockieren. Polen wird ohne Rücksicht auf die Oberschlesienabstimmung marschieren. Das Rheinland und Süddtschld. werden zur Trennung vom Reich angeregt. Arbeitslosigkeit und Lebensmittelnot werden die Lage äußerst zuspitzen. Man kann die Lage gar nicht pessimistisch genug betrachten. Trotzdem ist in gewisser Beziehung das Schlimme, was uns erwartet, zu begrüßen, denn unser Volk ist so erschlafft, so sich im Unklaren über die wahre Lage, daß nur die härteste und schwerste Schule es wieder zu dem erziehen kann, was es einstens war, einer starken, stolzen und selbstbewußten Nation. Als Gegenmaßnahmen bieten sich an zunächst Neuwahl des RT, in dem z. Z. die USPD eine zu große Stellung einnimmt. Auch die SPD wird wahrscheinlich ihre Stärke nicht behaupten. Ein neuer, seiner Mehrheit nach bürgerl. RT wird mehr nat. Empfinden haben. Die Entente wird Dtschld. deswegen vergewaltigen, aber Angst vor der Zukunft haben. Trotz der Geschlossenheit des Bürgertums darf die Sozialpolitik nicht rückständig werden: Wir wollen den Arbeiter nicht ausschalten, aber er soll nicht Alleinherrscher sein. Alsdann müßte ein neuer RP gewählt, der Vertrag von Versailles für hinfällig erklärt und der RT interimistisch ausgeschaltet werden. Dieser soll einen diktatorischen Ausschuß von etwa 5 Ministern einsetzen, der unter sich den Präs. wählt. Fallen in Oberschlesien die Wahlen günstig aus, muß ein möglicher poln. Angriff bewaffnet zurückgeschlagen werden. Das wird Dtschld. aus eigener Kraft kaum gelingen. Ohne heute schon mit Rußland einen Bund abzuschließen, wird man es unschwer dahin bringen können, daß die Russen im selben Augenblick, in dem die Polen uns angreifen, über sie herfallen werden. Darin wird auch die Entente ein Zukunftsschreckgespenst sehen. Im Innern wird es dabei gegen aufkommende Linksputsche einer eisernen Hand bedürfen. Das kümmerliche wirtschaftl. Leben der Nation muß langsam mit Hilfe des Ostexports gebessert werden. Der dabei wichtige Außenminister muß das besitzen, was Herrn Simons ganz mangelt, politische klare Einsicht und die Erkenntnis, daß gerade in traurigen Tagen man am wenigsten auf das stolze Vorrecht der Initiative verzichten darf. Überall müssen Frkr. Gegner geschaffen und die schon heute angehäufte Feindschaft gegen es zur Siedehitze gebracht werden. Dabei ist die Konsolidierung Rußlands wichtig, und Lenin will anscheinend im Innern die kapitalist. Evolution nicht überspringen. Kommt dann der Tag der Abrechnung, so wird sich das Bild von 1813 wiederholen, russ. Armeen werden vereint mit deutschen unter dt. Führung fechten und dann unbesiegbar sein. Japan ist dabei sicherlich im Bunde, und Italien ist die Rolle des Aschenbrödels der Entente schon längst überdrüssig. Ist Frkr. erledigt, hat England kein Interesse mehr daran, sofern Dtschld. keine große Flotte besitzt. Bis zum Tag der Vergeltung wird es wohl 5-10 Jahre noch dauern. Der neue Befreiungskrieg wird den von 1813 bei weitem in den Schatten stellen. 7 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 52
Altsignatur : 52



1923
Das Jahr 1923; das Kabinett Stresemann; der Fall Höfle; die Angriffe von Paul Wentzcke gegen Marx und Adenauer wegen angeblicher Unterstützung des Separatimus


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben Okt. 1936; vgl. S. 53): Die allg. Krise nach dem Weltkrieg und Versailles steigerte sich fortgesetzt in ungeheuerlichem Maß, weil die Parteien immerfort neue Krisen der RR herbeiführten. Ende 1922 verlangte die DVP stürmische Aufnahme in die Reg., Wirth wollte aber auf die SPD-Minister nicht verzichten, auch mit Recht, da die Sozialdemokraten auch in schwierigen Augenblicken treu ihre Pflicht getan hatten. Interessant ist, daß d'Abernon schreibt, daß die Reg. Wirth zwei Stunden nach ihrem klügsten Schritt, nämlich der Note an die Reparationskommission vom 13. 11. 22 - abgefaßt angeblich von Min.-R. Kastl - gestürzt worden wäre. Nach Tagen der Unsicherheit kam die Reg. Cuno zustande (S. 1). Dieser stand dem Z nahe, wollte allerdings nachher völlig parteilos sein. D'Abernon hat recht, wenn er Cuno keine ausreichende Geschicklichkeit in der Bewältigung von Parteiintrigen vorwirft. Der Antritt des Kabinetts erfolgte unter dramat. Umständen. Sollmann kritisierte nämlich den vom Z zum Ernährungsminister vorgeschlagenen Dr. <Karl> Müller von der Rhein. Landwirtschaftskammer, den Beusch, Marx und Brauns befürwortet hatten, als Separatisten, der sich in Köln im Aug. 1919 für die Lostrennung der Rheinlande von Preußen ausgesprochen hatte (S. 2). Cuno versprach Untersuchung; am nächsten Tage trat Müller zurück. Im RT ging Breitscheid entgegen vorheriger Absprache auf das Ende des Kabinetts Wirth ein; über die Antwort von Marx, die die Stimmung des Hauses traf, hat er sich dann beklagt. Cuno aber brachte ein großes Opfer, indem er zu einer verzweifelten Zeit seine schöne Amtsstellung einstweilen im Stiche ließ. Seine Reg. war nicht von Glück begleitet (S. 3). Ihn traf der Ruhreinbruch, obwohl er die Note Wirths vom 13.11.22 für sich verbindlich erklärt hatte und deswegen die große Vertrauensmehrheit des RT erhalten hatte. Der unerbittliche Poincaré, dieser gewalttätige Mann, hielt den Augenblick für gekommen, wo man den seit Jahrhunderten verfolgten Plan Frkrs., die Rheinlande zu erwerben, endlich zur Ausführung zu bringen hoffen durfte. Ausgegeben wurden die Franzosen als Ingenieurkommission unter militär. Schutz. England und Amerika erklärten dies als völkerrechtswidrig (S. 4). Marx verweist auf die vorzüglichen Schriften von Grimm. Seine Verdienste um sein Vaterland und das Rhein- und Ruhrgebiet können gar nicht hoch genug bewertet werden! Im RT gab Cuno am 13. 1. 23 eine längere Schilderung der Lage. Er erhielt ein starkes Vertrauensvotum; Stresemann gab es für die bürgerl. Parteien. Die SPD verhielt sich allerdings töricht, sie ließ eine nichtssagende Rede halten und verweigerte das Vertrauen. Daß von der Reg. noch kein klares Programm gefordert werden könnte, redete Wirth in der anschließenden Fraktionssitzung einigen Abgn. ein. Am 14. 1. war bei schönem Wetter eine Massenkundgebung vor dem RT (S. 5). Marx konnte sich vom Bismarck-Denkmal aus gut verständlich machen. Nach Vorträgen von Bell und von v. Guérard im Fraktionsvorstand hatte Marx sich einmal beim RK für eine gemeinsame Aussprache zwischen RR und Vertretern des besetzten Gebietes eingesetzt: Dieser Gedanke hat in der Folge recht glückliche Auswirkung und Erfolge erzielt. Am 4. 2. wurden Offenburg und Appenweier besetzt. Am 28. 2. verlangte der RK in einer Besprechung, daß man nicht von Verhdlgn. und Verhdlgs.-Möglichkeiten mit den Franzosen spräche; damals konnte man noch hoffen, durch den passiven Widerstand zu einem guten Ergebnis zu kommen. Die ‚Rote Fahne z. B. hatte ganz unverblümt Nachrichten über die Waffenablieferung an die Entente verbreitet, die für das Ausland geradezu als Landesverrat anzusehen waren, weil der Eindruck von dt. Unregelmäßigkeiten dabei entstand (S. 6). Am 27. 2. besprach Geßler sein Vorgehen mit den Parteivertretern. In der Fraktion trug Arbeitersekretär Bitter ergreifende Vorkommnisse von der Ruhr vor. Auf Gerüchte von Unstimmigkeiten innerhalb des Kabinetts, die Cuno zur Überlassung seines Postens an Hermes veranlassen sollten, sprach Marx mit Hermes; dieser behauptete mit Entschiedenheit die größte Einmütigkeit über die gegen die Entente zu ergreifenden Maßnahmen. Als mutiger und zielbewußter Mann erwies sich Cuno, als er Anfang Febr. in Bochum, Dortmund, Essen zur Bevölkerung sprach. Die Franzosen verboten daraufhin Ministerreisen ins besetzte Gebiet. Der traurigste Zwischenfall der sich ständig gefährlicher zuspitzenden Lage war der Tod von 13 Arbeitern in der Kruppfabrik am 31. 3.; bei der Gedenkstunde am 10. 4. sprach der RK selbst in sehr ansprechender und ergreifender Weise (S. 7). Die rachsüchtige Soldateska errichtete ein wahres Schreckensregiment; gegen die sich bildenden Räuberbanden verweigerten die Franzosen der Bevölkerung jeden Schutz. Der Papst schickte Msgr. Testa ins besetzte Gebiet, um zuverlässige Nachrichten zu bekommen. Mit Spahn, Bell aber auch mit Reg.-R. Mayer vom Ausw. Amt überlegte Marx die beste Möglichkeit, ihn nach seinem Besuch in der Pfalz und im Ruhrgebiet in Berlin zu sprechen; dies gelang am 19. 4. im Dominikanerkloster in der Karlstraße: Wir haben ganz offen und klar unsere Meinung über das brutale Vorgehen der Franzosen zum Ausdruck gebracht. Am 16. 4. fand im RT die mit Spannung erwartete außenpolit. Debatte statt (S. 8). Außenminister v. Rosenberg sprach sehr ruhig und sachlich, Müller für die SPD gemäßigt, und Marx billigte für das Z die Ausführungen des Außenministers. Nachdem Prof. Hoetzsch für die DNVP geredet hatte, sprach Stresemann ganz vorzüglich und unter großem Beifall. In der anschließenden Vorstandssitzung tadelte Klöckner, daß der Dank an Papst und Bischöfe wegen Teilnahme für das gekränkte Recht Dtschlds. unterblieben war; doch sollte zunächst Testas Meinung, ob der Papst in die RT-Debatten gezogen zu werden wünschte, abgewartet werden. In der RR haben sicherlich Meinungsverschiedenheiten über die Vorschläge der Reparationshöhe geherrscht. Die Z-Fraktion war der Ansicht, die Verhdlgn. nicht an 30 Milliarden oder weniger scheitern zu lassen. Hermes war gegen diese Zahl. Marx hatte am 1. 5. über die am 2. 5. abgeschickte Note noch mit dem RK ein Gespräch. Daß der Standpunkt der Z-Fraktion richtig war, ergab sich aus der Ablehnung des dt. Vorschlags (S. 9). Wegen Einleitung neuer Verhdlgn. kamen am 11. 5. die Parteivertreter bei dem geschäftsgewandten und in Wirtschaftsfragen sehr kundigen Abg. v. Raumer (DVP) zusammen. Stresemann hielt einen allg. gebilligten Vortrag über die zu leistenden Garantien. Für die SPD waren Müller, Hilferding und Wels da, für das Z Marx und v. Guérard; Klöckner, der eigentliche Sachverständige in diesen heiklen Fragen, war ausgeblieben. In der Fraktion war keine Einigkeit. Selbst am 19.5. fand eine Vorstandssitzung statt. Wirth wollte die Pläne von Hermes kennenlernen; Marx referierte sie. Dennoch wollte man Hermes oder seinen Plan sehen; man vereinbarte sich für den 22. 5. Am 20. 5. aber rief Brauns ungehalten an, daß man die Unterredung mit Wirth zugelassen hatte. Am 21. 5. ging Marx zu Brauns, um die Lage auseinanderzusetzen (S. 10). In der Vorstandssitzung am 22. 5. ließ Hermes seine bisher vertretene Meinung tatsächlich fallen und wollte dem RK anraten, 30 Millarden nicht als unbedingt höchste Grenze festzulegen. Cuno rief Marx noch am gleichen Tage deswegen zu sich. In der sog. Arbeitsgemeinschaft stellte sich am 23. 5. heraus, daß die anderen Parteien diese Frage nicht so intensiv bearbeitet hatten. Marx wurde zu einer weiteren Unterredung mit Cuno beauftragt. Dieser hielt an 30 Milliarden als Höchstgrenze fest, während Marx ihm die Vorteile auseinandersetzte, die Grenze nach oben offen zu halten. Stresemann und Marx waren vorher bei v. Rosenberg, um anzufragen, ob in dieser Frage enge Fühlung mit England bestehe; der Minister versicherte dies; später aber stellte sich heraus, daß, obwohl England zu helfen gewillt war, die Verbindung lose geblieben war (S. 11). Derselben Meinung war auch der Verband der dt. Industrie. Aus den Beziehungen der sehr verdienten Großindustriellen Hamspohn zu England hatte schon Wirth manchen Nutzen gezogen. Bei einer Aussprache mit dem Verband waren Stinnes, Hamspohn, Duisberg und Klöckner erschienen, dazu von der SPD Müller und Hilferding. Als Fonk die Beschlüsse des Verbandes mitteilte, bat Marx, sie keinesfalls zu veröffentlichen. Zur Sitzung der „Arbeitsgemeinschaft" am 26. 5. erschien auch die SPD. War man sich hier allg. einig, so war Marx von der folgenden Besprechung beim RK, zu der auch Brauns, Rosenberg und Becker kamen, wenig befriedigt, da Cuno an dem Betrag als Höchstgrenze festhalten wollte. Bei der Hartnäckigkeit gab es keine Hoffnung auf Besserung; die DVP war wie oft unter sich nicht einig (S. 12). Auf Vorstandsbeschluß mußte Marx mit v. Guérard und Becker am 28. 5. noch einmal zum RK, zu dem Stresemann ohnehin ging. In der langen und erregten Debatte zeigte sich der herbeigerufene v. Rosenberg versöhnlicher als Cuno; der Außenminister schlug vor, der Note ein Annuitätenschema beizufügen. Am 31. 5. wurden die Parteiführer einzeln zum RK bestellt, um mitgeteilt zu bekommen, daß man England um Auskunft angegangen, aber noch keine Antwort erhalten hatte. Hermes war in einem Gespräch mit Marx wenig befriedigt von dem langen Zögern der Reg. in der Frage der Währung. Am 2. 6. hörten die Parteiführer vom RK, daß England von der Nennung eines Betrages und auch von einem Schiedsgericht abgeraten habe. Also ganz anders als der Vorschlag der RR! In der Vorstandssitzung vom 5. 6. hatte Wirth Bedenken besonders wegen der Garantien (S. 13). Auf Wunsch der LT-Fraktion wurde am 6. 6. alles noch einmal vor beiden Fraktionen besprochen; Wirth sprach ausführlich, und Brauns verteidigte die RR. Am 7. 6. erging dann die dt. Note; v. Hoesch hat sie in Paris als „Memorandum" überreicht. Schon auf die dt. Note vom 2. 5. hatte Poincaré schroff am 6. 5. reagiert mit Vorwürfen und Anklagen (S. 14). StS Curzon antwortete Sthamer mit sanften Worten und der milden Mahnung zur Verständigung. Ähnlich hielt es Italien. Die Note vom 7. 6. lehnte Poincaré gleichfalls noch am selben Tage schärfstens ab. Belgien zeigte wenigstens einen Beginn von Entgegenkommen. Das ganz Spiel erwies, wie unzweckmäßig der schriftl. Verkehr in diesem umfangreichen und verwickelten Fragen war; der einfachste Weg wäre eine Aussprache oder Konferenz gewesen; doch Poincaré wollte sich mit dem verhaßten Feind nicht an einen Tisch setzen (S. 15). Treffend kennzeichnete Curzon am 2. 8. die Lage, indem er sagte: während die Alliierten ihre Ansichten über diese und jene Einzelheit der gemachten Vorschläge austauschen, geht die europ. Lage und mit ihr alle Aussichten auf Reparationszahlungen dem unentrinnbaren Verderben entgegen. Der starre Sinn Poincarés war nicht eher zu erschüttern, bis Dtschld. im Sept. 23 zusammenbrach und den passiven Widerstand aufgab. Lord d'Abernon hat die Ruhrfrage in seinen Memoiren ausführlich behandelt. Im März 23 befürchtete er in Dtschld. eine baldige Revolution, falls nicht die Reparationen geregelt und die Ruhr geräumt würde (S. 16). Er hielt v. Rosenberg für ehrlich; dieser hat auch eingesehen, daß die Note vom 2. 5. ungeschickt war; auf Curzons Antwort vom 13. 5. hätte Cuno eigentlich wegen untergrabener Autorität demissionieren müssen. Doch besorgte er eine sozialist. Reg. und dann ein leichtes Putschen. Cuno hielt er für einen fähigen ehrlichen Menschen, jedoch ungeschickt in der Behdlg. der Parteien. Die Forderungen Frkrs. hielt d'Abernon für so übertrieben, daß sie jede Hoffnung auf ein Abkommen vernichteten. Ende April machte d'Abernon seiner Reg. Vorschläge, er wollte aber gegenüber Dtschld. keine Verantwortung übernehmen. Nach d'Abernon war auch der ausgezeichnete StS v. Maltzan für Begrenzung der Reparationen auf 30 Milliarden (S. 17). Die dt. Note vom 7. 6. hielt er für eine annehmbare Verhdlgs.-Basis; er hatte aber recht, daß Frkr. die Situation wegen der Loyalität und Schwäche Englands ausbeutete. Auch d'Abernon erkannte, daß es Frkr. weniger um Reparationen als um territoriale, militär. und wirtschaftl. Vorteile ging. Curzon wollte indessen keine Veränderung der dt.-frz. Grenze. Von Poincaré berichtet er die Meinung, daß die dt. Industriellen, besonders die Stahlindustriellen, Dtschlds. Währung absichtlich zerstört hätten. Die Reg. Cuno sah er im Juli als erschüttert an, weil sie die Finanzkrise nicht bekämpfte und auf engl. Hilfe zu sehr vertraute (S. 18). Stresemann als den kommenden RK hatte d'Abernon richtig prophezeit. Marx schildert den Sturz der Reg. Cuno über einen Art. der ‚Germania vom 27. 7. (S. 19). Er besprach sich deswegen mit Hermes. Doch brachte die Redaktion trotz Marx' Einwirkungsversuch einen weiteren angreifenden Art., sie war anscheinend auch stark gegen Hermes eingestellt. In der „Arbeitsgemeinschaft" herrschte am 28. 7. auch Bestürzung über den Artikel. Dort wurde über eine wertbeständige Mark und angeregte Reichsanleihen gesprochen; Helfferich war mit Vorschlägen über die Roggenmark hervorgetreten. Am 1. 8. hatte Marx bei Hermes den Eindruck, daß er entschiedener gegen die Inflation vorgehen wollte (S. 20). Die Fraktionssitzung am 2. 8. verlief ziemlich ergebnislos. Marx hörte von Brauns, daß dieser mit Hermes sehr uneins wäre: Das kann schlimm für die Fraktion werden! Cuno brachte am 10. 8. die Steuergesetze noch glücklich durch. In der Vorstandssitzung am 11. 8. herrschte ziemliche Einigkeit in der Beurteilung der Lage. Da die SPD mit den Steuergesetzen zufrieden war, glaubte man an ihre Bereitschaft zu einer Koalition. Bei der Verfassungsfeier sprachen Prof. Anschütz-Heidelberg und Jarres. Am Nachmittag gab es die üblichen geheimen Besprechungen mit den anderen Parteien. Von Brüninghaus (DVP) hörte Marx, daß auch die DVP Cuno nicht mehr halten zu können glaubte. Die SPD beschloß, am 13. 8. gegen Cuno das Mißtrauen zu beantragen. Am 11. 8. aber, als die Reg.-Parteien noch einmal beim RK waren, bat das Z diesen dringend, keine voreiligen Schritte zu tun, sondern die Entwicklung abzuwarten (S. 21). Am 12. 8. wurde unter den Parteien der Arbeitsgemeinschaft erzählt, das Z hätte Cuno gestürzt: Wir wehren uns mit aller Kraft gegen diesen durchaus unwahren Vorwurf! Am Nachmittag erklärte sich die SPD für eine Koalition. Dem RK teilte das Z mit, daß wir keine unübersteigbaren Hindernisse sehen, ein neues Ministerium zu bilden. Cuno hat dann - wann genau, weiß Marx nicht - sein Amt niedergelegt. Nach Stresemanns Bestellung begann besonders der Kampf um das Innenministerium; daran scheiterte fast die ganze Vereinbarung. Das Z verlangte nur das Ministerium für das besetzte Gebiet und die Post. Der für das erstere ausersehene OP Fuchs zeigte sich zunächst ganz ablehnend. Am 13.8. einigte man sich in der Fraktion auf Höfle für das Postministerium (S. 22). Er wurde am 17. 8. dem RK vorgeschlagen, war aber am 29. noch nicht berufen. Gegen Spiecker als Pressechef sprach sich Stresemanns StS v. Rheinbaben aus. Marx berichtet von Höfles Werdegang, von seinen Unredlichkeiten mit den Barmats, dem Abg. Lange-Hegermann und der Depositen- und Handelsbank, seiner von Ebert mit aller Energie Anfang Jan. 1925 verlangten und von Marx angesonnenen Demission, seiner am 10. 2. 25 erfolgten Verhaftung und seinem am 20. 4. 25 erfolgten Tod. Marx wendet sich gegen die Selbstmordgerüchte und weist auf die sachkundige Rede Westers vor dem eigens eingesetzten Untersuchungsausschuß des preuß. LT sowie auf die Grabrede von Brauns hin. Bemerkenswert sind noch die scharfen, aber durchaus berechtigten Ausführungen über die bedauerlichen Zustände in der Partei im ‚Mülheimer Volksblatt vom 12. 2. 25 (S. 23-25). Stresemann trat sein Amt in besonders unheilvoller Zeit an. Das Reich ging offenbar dem finanziellen Zusammenbruch entgegen: Die Sachverständigen sind ratlos, ihre Meinungen gehen himmelweit auseinander. Unter Cuno hatte man eine Kleinrentnerfürsorge eingeführt und wertbeständige Goldanleihen aufgenommen (S. 25), Zuschüsse an Länder, Gemeinden u. öffentl. Anstalten waren durch das Finanzausgleichsgesetz vorgesehen, Religionsgesellschaften bemühten sich für ihre Privatschulen. Damit wurden aber nur Folgeerscheinungen bekämpft, nicht der Grund des Übels beseitigt. D'Abernon verweist auf die unmögliche Ruhmredigkeit des Reichsbankdir. Havenstein, der sich mit den Notendruckleistungen der Reichsbank brüstete und von zuhörenden Sachverständigen keinen empörten Widerspruch hörte. Immerhin hatte Hilferding die Stabilisierung der Mark als Grundlage für Außenpolitik, Wirtschaft und Verwaltung gefordert. Auch der viel angefeindete Erzberger war mit seinem Vorschlag vom 30. 10. 19 auf dem rechten Wege, die entwerteten Markbestände durch die Länder in eine feste Anleihe umzuwandeln. Den Stein der Weisen aber fand Ende Aug. 1923 Helfferich mit der Roggenmark, aus der später die Rentenmark wurde (S. 26). Schachts Idee vom Okt. 23 war davon sehr verschieden. Er wurde am 12. 11. zum Reichswährungskommissar ernannt. Zum Glück starb am 20. 11. Havenstein. Nun ließen sich Helfferichs und Schachts Gedanken verwirklichen. Mit der Rentenmark und Goldnotenbank war die Stabilisierung theoretisch gelungen. Daß sie auch praktisch zum Zuge kam und das Vertrauen des Auslandes zur neuen Währung wuchs, wurde durch die scharfen gesetzgeberischen Maßnahmen sichergestellt: Insbesondere die Verantwortung für die überaus schwer erträglichen Bestimmungen für die sog. Aufwertung der wertlos gewordenen Wertpapiere wird von mir und meinem Kabinett vom J. 1924 getragen werden müssen (S. 27). Marx führt die Zahlen Schachts über die für die Reichsbank beschäftigten Druckereien und Papierfabriken an, ferner die Schätzungen über den Umlauf an Notgeld. Deswegen hatte Schacht in Köln im Nov. 23 eine stürmische Verslg. zu bestehen (S. 28). Angaben über das Verhältnis der Mark zum Dollar vom Juli 1922 - 20. 11. 23, über Warenpreise vom 24. 1. - 31. 10. 23, über Marx' Gehalt und RT-Diäten vom 1. 4. 1920-Juli 1924 (S. 28-33). Die Ruhrbesetzung und ihre Beendigung: Stresemann hat unleugbar während seiner nur kurzen Reg. sehr viel Gutes vollbracht, zweifellos aber auch Großes erdulden müssen. Die Inflation erklärt Marx mit den Reparationen, der Ruhrbesetzung, auch mit dem Separatismus. England gab am 11. 8. 23 in einer Note zu erkennen, daß es keine Rücksicht auf Dtschld. nehmen werde. Doch gab die darin enthaltene Erklärung, daß nach Meinung der hervorragendsten Kronjuristen die Ruhrbesetzung dem Friedensvertrag widersprach, neuen Auftrieb (S. 34). Dennoch mußte sich die RR am 26. 9. 23 zur Aufgabe des passiven Widerstandes und zur Wiederaufnahme der Kohlenlieferungen verstehen. Marx schildert die Stabilisierung der Mark durch Schaffung der Rentenmark Ende Okt., Stilllegung der Notenpresse Ende Nov. Der Vertrag mit den Ruhrindustriellen auf Schadloshaltung bei Weiterführung der Betriebe wurde am 20. 10. 23 beschlossen und lief ab 1. 11. 23. Am 23. 11. 23 kamen mit der Mission interalliée de contrôle des mines et usines (Micum) das Kohlenlieferungsabkommen der Industrie unter Entschädigung durch das Reich zustande; auf beiden Seiten waren Industrielle die Verhdlgs.-Partner. Das lag z. T. daran, daß der eigensinnige Poincaré Verhdlgn. mit der RR ablehnte. Auch 15- und 60-Ausschuß des besetzten Gebietes mußten gebildet werden, weil er nur mit der Bevölkerung des besetzten Gebietes verhandeln wollte (S. 35). Mit der Aufhebung des passiven Widerstandes begann eine kleine Besserung der unhaltbaren Verhältnisse: Immer aber muß die unleugbare Tatsache festgestellt werden, daß die Bevölkerung des Rhein- und Ruhrgebietes diese entsetzlichen Bedrückungen und Verfolgungen mit einem Heldenmut und einer vaterl. Gesinnung ertragen hat, die aller Anerkennung und des höchsten Lobes wert sind. Marx erinnert an die Schriften von Otto v. Stülpnagel und OB Hamm-Recklinghausen, sowie an die Bücher von Grimm und Gedye (S. 36). Für das alte frz. Streben nach Annexion der Rheinlande bringt er Zeugnisse von Richelieu, Carnot (1793), Maurice Barrès (1915) und Briand (1917) (S. 37). Die Angriffe von Wentzcke gegen Marx und Adenauer wegen des Separatismus: Im Okt.-Heft der ‚Süddt. Monatshefte hatte Wentzcke 1933 einseitig und irreführend über den Separatismus gehandelt. Wegen der Zeitverhältnisse muß Marx auf eine Widerlegung und Berichtigung in der Öffentlichkeit verzichten; er möchte aber unrichtigen Beurteilungen vorbeugen. Marx unterscheidet die Bewegung von Dez. 1918/Anfang 1919, die durchaus vaterlandstreu war, von der die Dorten im Frühjahr 1919 gründete, bald vaterlandsverräterische Züge aufwies und in die größte Abhängigkeit von Franzosen und Belgiern geriet. Engländer und Amerikaner haben sich, von einigen Fällen abgesehen, den Separatisten ferngehalten (S. 38). Die Bewegung von 1918 muß aus der Furchtbarkeit der Ereignisse von Nov./Dez. 1918 verstanden werden. Bei der revolutionären und schwachen Reg. in Berlin, woher keine Hilfe gegen die anrückende Besatzung und für die unbeschreibliche Not zu erwarten war, lag es nahe, ein selbständiges Land im Verband des DR zu bilden und die Reg. einheimischen Kräften anzuvertrauen; durch Trennung von dem bei der Entente unbeliebten Preußen hoffte man zudem auf mildere Friedensbedingungen. Marx betont, daß an ein Ausscheiden aus dem DR nicht gedacht worden ist (S. 39), und glaubt, daß er selbst mit großem Recht dies feststellen darf, weil er auf der bekannten Zusammenkunft in der Kölner Bürgergesellschaft am 4. 12. 1918 sich grundsätzlich gegen jede Abtrennung - auch gegen eine von Preußen - ausgesprochen hatte. Daß die Kölner Richtung loyal war, erhellt daraus, daß Marx den Reichsministern in Weimar wiederholt über die Lage und ihre Gefährlichkeit berichten und am 13. 12. 18 in Elberfeld in der von der preuß. Reg. einberufenen Verslg., zu der auch Innenminister Breitscheid erschien, ganz offen über die Gründe der rhein. Stimmung Auskunft geben konnte. W. scheint diese Dinge überhaupt nicht zu kennen und wirklich nicht unparteiisch und unvoreingenommen an die Beurteilung der Frage herangetreten zu sein. Marx stellt die Frage, welche Reg. im Dez. 1918 in Berlin denn „legal" war (S. 40) und rühmt Eberts großes Verdienst, daß er nicht ohne Gefahr für seine Person in der Gen.-Verslg. Der Arbeiter- und Soldatenräte den Beschluß auf Einberufung einer Nat.-Verslg. durchgesetzt hat. Jedenfalls darf Wentzcke die Beurteilung der Herbstkrisis von 1923 nicht ohne weiteres auf 1918/1919 übertragen; Marx erinnert an persönl. Beziehungen zwischen W. und Röhrken. Doch auch die Ereignisse von 1923 hat W. nicht gerecht beurteilt. So ist er gegen Adenauer als unbelehrbaren Separatisten offenkundig voreingenommen. Adenauer soll sich sogar noch im Okt. 1924 für eine Trennung vom Reich ausgesprochen haben: Das halte ich für durchaus ausgeschlossen. Noch weniger kann dieser Mann, der doch die Entwicklung von nächster Nähe und von Anfang an mitgemacht hat und miterlebte, die Meinung ausgesprochen haben, das Reich werde auf diese (S. 41) Weise vom Versailler Vertrag loskommen! Diese Beschuldigung von Adenauer ist völlig unglaubwürdig. Adenauer wird über das Zustandekommen von RV 18 am 10. 8. 1919 und die Beschlüsse der Rhein. Z-Partei vom 20. 4. 1922 in Königswinter ebenfalls unterrichtet gewesen sein. Dann wird Adenauer diesmal in Verbindung mit Justiz-R. Mönnig beschuldigt, einen rhein. „Bundesstaat bei einer Unterredung mit Tirard vorgeschlagen zu haben. Ja, war das denn bei der damaligen tief unglücklichen Lage im Nov. 1923 etwas Schlimmes und Verwerfliches? Hatte nicht die Verfassung von Weimar selbst solche Wege vorgesehen? Man kann den Verdacht nicht unterdrücken, daß W. natürlich meint, die beiden Herren hätten auch auf ungesetzlichem Wege die Bildung eines neuen Staates gerne gesehen. Wer die beiden Herren persönlich kennt und ihre ganze vaterländische und treu sorgende Haltung in schlimmster Zeit gesehen hat, muß einen solchen Verdacht weit von sich weisen! (S. 42). Mit Recht lobt W. die Verdienste von Hans Steinacher, auch den heldenhaften Widerstand von Aachen, Koblenz, Düsseldorf, Düren hebt er hervor und verschweigt auch Aegidienberg und Wittlich nicht. Doch beurteilt er die Reg. Cuno als „Kampfkabinett" allzu günstig. Indessen hat es nach Ansicht von Marx schwere Fehler gemacht. Die Reg. Stresemann erscheint W. dagegen sehr verdächtig. Tatsache war jedoch, daß der passive Widerstand nicht länger aufrechtzuerhalten war. Die Meinung von W. zeigt sich besonders in der Beurteilung des Verhaltens von Jarres, der als Minister des Innern zunächst im Kabinett Stresemann tätig war und die schärfste Tonart vertrat. Das ist eben die Frage, ob dieser Weg der zur Rettung richtige war! Ich bestreite das. Jarres ging allerdings dem Vernehmen nach von der Meinung aus, daß Dtschld. den Vertrag von Versailles aufkündigen könne. Das Ergebnis wäre gewesen, daß das Schicksal des Rheinlandes besiegelt gewesen wäre. Noch immer war bei maßgebenden Kreisen Frkrs. der Wunsch sehr stark, Dtschld. möge nur ja den Friedensvertrag ablehnen! Dann war man des endgültigen Besitzes der Rheinlande sicher! Im Jahre 1923 lagen die Dinge nicht anders! Was aber W. ganz verschweigt und nur in dunklen Redewendungen andeutet, ist eine Entwicklung, die auch auf Jarres zurückzuführen ist und zu den schlimmsten Folgen geführt hätte, wenn sie sich durchgesetzt (S.43) hätte: das ist die berüchtigte „Versackungstheorie! Selbstverständlich ging Jarres von den besten Beweggründen aus, er handelte nur aus vaterländ. Gesichtspunkten, als er die Meinung aussprach, das Reich würde zugrundegehen, wenn die wahnsinnigen Leistungen an die Entente, die Industriellen, die Arbeitslosen und andere Stellen weiter fortgesetzt würden. Man solle einfach keine Gelder mehr in das besetzte Gebiet gelangen lassen, wo sie vielfach einfach von den Feindmächten beschlagnahmt wurden. Diese Ansicht wurde auch von Finanzminister Dr. Luther geteilt. Dies verursachte im besetzten Gebiet ungeheure Aufregung; ganz von selbst kamen Gedanken an Selbständigkeit auf. Jedenfalls drückt W. sich über dies alles unklar aus, und es ist deswegen nie zu einem Kabinettsbeschluß gekommen. Herr W. will offenbar nicht gern an die wirkliche Lage der Dinge herantreten: Davon, daß sich die ganze Lage änderte, als ich am 1. 12. 23 die Kanzlerschaft übernahm, findet sich bei ihm keine Silbe! Und doch ist es Tatsache, daß gleich in der ersten Kabinettssitzung unter meinem Vorsitz der Beschluß gefaßt wurde, daß das Rheinland in wirtschaftl. und finanzieller Beziehung durchaus gleich wie die anderen Teile des Reiches behandelt werden solle! Damit schlug die Stimmung im Rheinland um. Sonderbarerweise übergeht W. das (S. 44). Hier ist der Punkt, wo ich das größte Interesse an Klarstellung und Rechtfertigung habe. Zweifel an dem Willen zu objektiver Darstellung und Ausdruck vielleicht von Parteihaß findet Marx in dem Vorwurf, daß er und Adenauer Stresemann hinsichtlich der Verhdlgn. mit Tirard haben übergehen wollen. Marx legt dar (z. T. nach v. Biegeleben, ‚Zehn Jahre dt. Innenpolitik'), warum Verhdlgn. von Privatpersonen des besetzten Gebietes mit den Besatzungsbehörden notwendig und manchmal auch von Vorteil waren (er erinnert daran, daß er und Stresemann an v. Rosenberg ein ähnliches Verfahren mit England empfohlen hatten), und spricht über die Zweckmäßigkeit des 15- und 60-Ausschusses (S. 45 f.). Ein Irrtum von W. ist, daß der 60-Ausschuß über die Trennung des besetzten Gebietes verhandelt hätte, jedenfalls nicht z. Z. des Vorsitzes von Marx. Das Ministerium für die besetzten Gebiete wird gleichfalls gegen den Vorwurf zu großer Zurückhaltung in Schutz genommen und ebenso die RR wegen ihrer „Schwäche" (S. 47). Marx erinnert an die linksradikale Bewegung in Sachsen und an die rechtsradikale in Bayern, hier zudem durch die Gehorsamsverweigerung des Generals v. Lossow und durch den Generalstaatskommissar v. Kahr, sowie den Hitler-Aufstand verschärft, ferner an den Staatsbankrott und die Vernichtung von Wirtschaft und Währung. In der Tat war die RR „schwach, aber daraus wäre ihr kein Vorwurf zu machen. Wie schwach sie war, erhellt aus der Aufzeichnung von Loenartz über die Besprechung, die am 25. 10. 23 Stresemann und Braun in Hagen abhielten; dort konnten sie den gegen die Separatisten klagenden Gemeinden nichts als Selbstschutz nach Maß ihrer Kräfte empfehlen. Das Lob W. für die vaterländ. Verbände, die oft keineswegs im Sinne und Interesse des Reichsganzen handelten, läßt W.s polit. Einstellung erkennen (S. 48). Wenn das alles so richtig ist, dann ist es ein Unrecht von W., wenn er führenden Leuten wie namentlich Adenauer oder Louis Hagen oder Stinnes Vorwürfe wegen ihrer Versuche macht, selbst Mittel und Wege zu suchen und zu finden, um Schlimmeres zu verhüten und wenigstens die besetzten Gebiete dem DR zu erhalten. Im übrigen bezeichnet Marx den Vorwurf, daß Marx und Adenauer hinter Stresemanns Rücken Verhdlgn. pflogen, als geradezu blühenden Unsinn angesichts der durchsichtigen Verhältnisse der Wilhelmstraße. Daß Stresemann als der „verantwortliche" Staatsmann bezeichnet wird, stellt Marx dahin richtig, daß er als RK die Gesamtverantwortung trug (S. 49). Zu Verhdlgn. mit Tirard waren indessen Adenauer, Stinnes, Vögler, Hagen u. a. beauftragt; zu ihrer Berichterstattung wurden die Minister freilich stets hinzugebeten. Marx' Billigung einer angeblichen Denkschrift Adenauers über die Abtrennung weiter Gebiete von Dtschld. ist nie erfolgt: Adenauer hat mir mit aller Bestimmtheit erklärt, daß eine solche Denkschrift niemals von ihm angefertigt worden sei (S. 50). Gegen W.s Ausdruck, daß Marx nach „Feilschen" des RT zum RK ernannt worden war, legt Marx den Hergang seiner Ernennung nach den vergeblichen Versuchen Eberts mit v. Kardorff, Albert und Stegerwald dar, betont, daß Luther vom Ernährungsministerium dringend befreit werden wollte und daß die Übernahme des Kanzleramtes damals ein schweres Opfer bedeutete (S. 51). Adenauer und Marx wollten sich gegen W.s Angriffe 1933 wehren. Ein Antrag von Marx an die Reichskanzlei auf Entbindung vom Amtsgeheimnis wurde an das Propagandaministerium weitergeleitet und von dort aus nicht beantwortet. Eine Antwort des Reg.-Präs. Schmid-Düsseldorf gibt Marx aus dem Gedächtnis wieder (S. 52). Verständlich und entschuldbar aus dem Wunsch der rhein. Industriellen nach einer festen Währung findet Marx die Pläne über eine rhein. Goldnotenbank; sie wurden Anfang 1924 aber aufgegeben, weil die neue Reichswährung sich als stabil erwies (S. 53); es ereignete sich nach Ausspruch des als erstklassigen Sachverständigen bekannten StS Bergmann wirklich das Wunder. Aus Anlaß der Vorwürfe, daß Marx Stresemann übergangen habe, betont Marx, daß das Verhältnis zwischen Stresemann und mir in der ganzen Zeit seit 1923 ein außerordentlich gutes, ja man kann sagen, ein freundschaftliches war; er verweist auf Äußerungen Stresemanns an d'Abernon (S. 54). Marx bringt schließlich eine Richtigstellung der von W. falsch geschilderten Vorgänge über die Separatistenherrschaft von Nov. 23 in Düren und nimmt OB Overhues gegen die ungerechtfertigten Beschuldigungen in Schutz (S. 55-58). 58 S., Masch.-Erstschrift mit vielen eigenhädig Zusätzen und Verbesserungen. Dabei Zusammenstellung von Daten zur Geschichte der Rheinlandbewegungen aufgrund von Ausführungen F. X. Bachems.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 54
Altsignatur : 54



1923
Das Jahr 1923


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (Winter 1936; vgl. S. 4, 5, 14): Am 2. 1. Frühstück beim RP zu Ehren von Nuntius Pacelli; Marx saß neben Minister Oeser; Gespräch mit Pacelli über Schulfragen und die Zustände in Sachsen. Am 3. 1. Besprechung der Parteien bei Landwirtschaftsminister Luther. Am 4. 1. Sitzung des Zentralkomitees der Katholikenverslgn. in Frankfurt; für den nächsten Katholikentag wurde Köln bestimmt; Gespräch mit Forsch (S. 1). Besichtigung des von der SchO neu erworbenen Canisiushauses in Düsseldorf; Unterredung mit Böhler und seinem Schwager, dem Lehrer Bergmann. Am 6. 1. in Köln Parteitag des Z; im Vorstand referierte Lauscher über Kulturfragen; in der großen Verslg. sprach Wirth, nachmittags Köhler. Abends Geburtstagsfeier bei Böhler in Düsseldorf mit Mosterts, Pfarrer Gruenter und Herren der Zentrale. Am 7. 1. in Köln beim Kardinal wegen des Vv (S. 2). Nachmittags in Düsseldorf Sitzung des Landesausschusses der SchO mit Mausbach, Dünnebacke, Frau Driessen. Am 9. 1. Abendessen bei dem am Reichswirtschaftsgericht tätigen Itschert. Am 24. 1. sprach auf Einladung des Kultusministers Prof. Spranger über moderne Jugendbewegung. Am 4. 2. Verslg. in der Pfarre der Hl. Familie in Berlin, am 18. 2. in Bitterfeld über Schulfragen (S. 3). Am 22. 2. gemütliche Abendgesellschaft bei Ebert, der etwas ungemein Liebenswürdiges an sich hatte; man sah dem Manne an, daß er ein durchaus offener, ehrlicher Mann war, der seiner Überzeugung nach handelte; Todesumstände Eberts im J. 1925. Am 23. 2. Aussprache mit Herren des Sonnenschein-Zirkels über Schulgesetz. Durch den Parteivorstand wird der Redakteur der ‚Wiesbadener Zeitung', der die Dortensche Richtung des Separatismus unterstützt, aus dem Z ausgeschlossen. Schulverslg. in Schöneberg. Am 27. 2. Gesellschaft bei Legationsrat Gerth, dem Schwiegersohn von Konsul Marx; anwesend Loebell mit Frau. Mieterverslg. wegen Abschaffung der Heizung (S. 4). Am 4. 3. traf Marx auf einer Fahrt nach Lübeck zu einer Schulverslg. Radbruch. Am 24. 3. in Barmen Schulverslg. auf Antrieb des sehr tätigen Rektors Küpper; Kontrolle beim Grenzübergang zum besetzten Gebiet oberflächlich (S. 5). Am Ostermontag Brauns und Becker mit Frau zu Gast. Am 7. 4. Besprechung mit Minister Oeser und Schulz über das Schulgesetz; grundsätzliche Bedenken hat Oeser nicht, macht aber doch vielerlei Schwierigkeiten (S. 6). Am 14. 4. Abendessen bei Kammerger.-Präs. Tigges. Am 18.4. Festabend beim RK mit RP, Ministern und Parteiführern. Am 22. 4. Besuch von Direktor Ohrmann, einem Freund von Sonnenschein, von Schwister und Kreutzwald. Am 30. 4. große Feier für Forsch im LT mit Min.-Präs. Braun und vielen Studenten in Wichs. Am 6. 5. Verslg. des Windthorstbundes Berlin. Am 8. 5. Fest für Sonnenschein bei Ohrmann (S. 7). Am 10. 5. in Wittenberg Katholikenverslg. mit Bischof Klein von Paderborn; beim Essen erhob sich auch der Pastor der ev. Gemeinde und äußerte sich über die Freude, an der Feier der Katholiken teilnehmen zu können! Der Bischof war erfreut über das seltene Erlebnis des Tages (S. 8). Am 31. 5. bestellte der RK die Parteiführer einzeln, um die Ansichten zur Reparationsfrage zu hören. Abends Gemeindefest in Friedenau, wo der Pfarrer, früher Militärseelsorger, keine Fühlung mit seiner Gemeinde bekommt. Am 16. 6. wurde das silberne RT-Jubiläum von Herold gefeiert (S. 9). Im Plenum wurde das Gesetz zur Bekämpfung der Unsittlichkeit verhandelt; nach der Rede von Frau Müller-Otfried, Vorsitzende des ev. Frauenbundes, mußte Marx unvorbereitet für die abwesende Frau Neuhaus einspringen. Am 17. 6. Verhdlg. des Parteiausschusses über die Steuergesetze mit Vortrag von Minister Hermes. Am 20. 6. Verslg. im Gesellenhaus (S. 10). Am 25. 6. Besuch in Potsdam und zufällige Teilnahme an der Einweihung des Denkmals für die gefallenen Jäger. Am 28. 6. Besuch von Dr. Weber aus dem Sonnenschein-Zirkel. Vorsprache bei Min.-Dir. Articus beim Landwirtschaftsministerium wegen Anstellung des Schwiegersohnes Hans Kurig (S. 11). Am 29. 6. Festessen beim RP; Marx am Tisch mit Frau Deutsch; gründliche Unterhaltung mit Graf Lerchenfeld. Am 1. 7. Vorstandssitzung im RT; Beschwerden über die Gewalttaten der Besatzung. Am 6. 7. Erklärung im Bildungsausschuß, daß das versuchte Kompromiß nicht zustande gekommen ist. Nachmittags entscheidende Sitzung über die Steuergesetze; der Abg. Sollmann (SPD), ein entschiedener Alkoholgegner, hielt eine derart eindrucksvolle Rede über den Nutzen des Mineralwassers und seine Einwirkung auf den Genuß des Alkohols, daß dieses Gesetz zu Fall kam und die eingebrachte Steuergesetzgebung gefährdet wurde (S. 12); nach der Plenarsitzung hielt Marx in der Fraktion eine Brandrede über die Torheit gewisser Z-Abgeordneter bei der Abstimmung (S. 13). Am 9. 7. wurde im LT der 75. Geburtstag von Herold gefeiert. Unterredung mit StS v. Maltzan im Ausw. Amt über Personalwünsche (S. 14). Am 19. 7. Fahrt mit Forsch nach Münster; Empfang durch Wildermann und Landeshauptmann Dickmann; vorausgehende Unterhaltung über Schulfragen mit Mausbach; Weihbischof Scheifges hielt am 20. 7. in St. Clemens eine längere Ansprache; Marx bewundert die Leistungsfähigkeit des eisenfesten Westfalen Herold; im Rathaus Unterhaltung über die höheren Schulen mit Schulrat Linnenborn und OB Sperlich (S. 15); Marx traf den bekannten OB Hamm von Recklinghausen, der die Fähigkeit hat, über alles zu schimpfen, aber viel Gutes gewirkt hat im Ruhrkrieg. Besuch bei Schreiber und RA Terrahe. Vorbesprechung über das künftige Stiftungsfest des kaufm. Vereins. Am 24. 7. berichtete Frl. Dransfeld über ihre Amerikareise; Namenstag von Frl. Teusch, die sich wirklich für die Sache aufopfert. Am 25. 7. Besprechung mit Frau Neuhaus, in den weitesten Kreisen bekannt und geschätzt, über Fürsorgezöglinge (S. 16). Besprechung mit Vertretern des ev. Elternbundes über das Schulgesetz; man schlug Volksentscheid vor; Lic. Mumm wohl Vater dieser Idee. Am 5. 8. Fest bei den Dominikanern, wo auch Weihbischof Deitmer, Propst von St. Hedwig, erschien. Am 6. 8. Unterredung bei Cuno über dessen Schwierigkeiten bei der neuen Kabinettsbildung, am 11. 8. Warnung von Marx vor übereilten Schritten; am 13. 8. kam das Kabinett Stresemann zustande. Am 3. 9. Essen beim RP mit Ministern und Parteivorsitzenden (S. 17 f.). Am 8. 9. Fahrt nach Danzig; abends Essen bei Bischof O'Rourke; zur Hauptverslg. kam der Vv-Sekretär Getzeny; Direktor Neubauer zeigte die Stadt; Lehrer Mayer und Frl. Landmann waren auch angekommen; im Arbeiterverein herrschte Kampfesstimmung gegen den Arbeitersekretär Schümmer; anscheinend zu sehr Bourgeois geworden. Im RT Unterredungen mit Leuten aus dem besetzten Gebiet; später mit Frl. Teusch über die von der SchO entworfenen Richtlinien über die Fassung des Schulgesetzes; darüber wurde am 14. 9. im Beisein von LG-R. Schumacher vom Reichsrat weiterverhandelt (S. 19 f.). Am 15. 9. in Freiburg Sitzung des Zentralkomitees der Katholikenverslgen., wo Marx den späteren Minister Schmidt, Damm und Ersing traf; in Frankfurt/M. Besprechung über die SchO. Am 22. 9. in Osnabrück, wo er bei Amtsger.-R. Engelen, Neffe des früheren Bischofs Bitter, wohnte; abends Handwerkerverslg. (S. 21); am 23.9. im Hotel Dützing Parteiverslg. in guter Stimmung mit LT-Abg. Rinhardt aus Melle; Besprechung bei Bischof Berning über Schulfragen; Abendessen bei Reg.-Präs. Sonnenschein, Sohn des Kölner Sanitätsrats. Am 25. 9. in der Fraktionssitzung ist Hauptthema die Rheinfrage, besonders der bedrohliche Separatismus. Esser von Euskirchen ist natürlich wie so oft der größte Pessimist (S. 22); Marx hielt die Lage für nicht so schlimm; Verkennung der guten Absichten der Rheinländer besonders im Osten Dtschlds. Anfang Okt. ging das Gerücht, daß die DVP die SPD aus der Reg. heraus haben wollte. Brauns und Stegerwald traten nach erfolgtem Austritt in der Fraktion ebenfalls für Demission ein; Wirth hält eine große Rede mit der Aufforderung, das Z müsse jetzt führend eingreifen und auftreten (S. 23). Verhdlg. mit dem wieder mit der Kabinettsbildung beauftragten Stresemann, mit dem man im großen und ganzen über den einzuschlagenden Weg einig ist. Demokraten verlangten beim RP Rettung der großen Koalition, die unter Stresemann schließlich sich wieder zusammenfand. Marx konnte deswegen nicht zur Hochzeit seiner einzigen Tochter nach Beuron (S. 24). In der außenpolit. Debatte am 8. 10. redete Bell - viel zu pathetisch - fürs Z. Die Fraktion wollte - nach anfänglicher Opposition - für das von Stresemann verlangte Ermächtigungsgesetz eintreten. Die darüber für den 11. 10. angesetzte Abstimmung im Plenum wurde aufgrund eines Mißverständnisses von Marx auf dessen Antrag vertagt bis 13. 10., wo auch die SPD zustimmte (S. 25). Am 18.10. Besprechung mit Forsch über die ‚Germania' und mit Geigenhädig-R. Schlüter über die Unterhaltung der Kirchen; zu Mittag bei den Deutsch-Amerikanern bei Hiller (S. 26). Besuch in Sigmaringen u.a. bei Reg.-Präs. Beizer (S. 27 ff.). Am 29. 10. Besprechung bei RK Stresemann über den Einmarsch der Reichswehr in Sachsen; SPD und Marx für die gleiche Behandlung Bayerns; Brauns anscheinend dagegen. Meinungsverschiedenheiten darüber auch in der Fraktion am 30. 10., wo Wirth für Marx eintrat. Am 1. 11. auf Drängen des Vors. der Demokraten, Koch, Besprechung der Parteiführer, wozu DVP nicht erschien, dem tagenden Kabinett wurde durch Marx telefoniert, unter keinen Umständen feste Beschlüsse zu fassen; die Minister mit diesem Verlangen nicht ganz einverstanden (S. 31). Am 2. 11. gerieten in der Fraktion Brauns und Wirth aneinander; Marx schlug Verhdlg. mit Bayern und der SPD-Reg. in Sachsen vor; das Kabinett lehnte aber jede Verhdlg. mit Sachsen ab. Marx erhielt wegen der Beiziehung von Kaas zur Vorstandssitzung Vorwürfe (S. 32). SPD wollte aus der Koalition austreten; nach Mitteilung von RK am 3. 11. standen 2000 Mann Reichswehr an den bayer. Grenzen bereit. Am 4. 11. Fraktionssitzung. Am 5. 11. Unterredungen mit den Rheinländern, der DDP und SPD. Aufruf an das Volk im Anschluß an den Aufruf der RR, dessen sich Wirth mit gewohnter Leidenschaftlichkeit annimmt, wurde vom Parteivorstand abgelehnt und erweckte bei den Rheinländern Meinungsstreit. Am 6. 11. Verhdlg. mit Porsch über die ‚Germania'; Dr. Teipel, bis dahin Parteisekretär und ein glühender Verehrer von Dr. Wirth, wurde Redakteur, er vertrat radikale Ansichten und war rechthaberisch (S. 33). Am 7. 11. starb der Arbeitersekretär Höner, netter und ruhiger, sehr beliebter Abg. von Altenkirchen/Westerw. Im RT beschwerte sich eine Ärzteabordnung über eine Verordnung von Brauns, der ein Mißverständnis als Grund angab. In der Fraktion berichtete Lauscher über das Rheinland und die Vorgänge in Barmen: Man hält das Vorgehen des Rhein. Provinzialausschusses in der Frage der Separatisten nicht für glücklich. Am 8. 11. verbreitete sich das Gerücht, die RR wollte Unterstützungsgelder für die Arbeitslosen und sonstige Reichsgelder nicht mehr für das besetzte Gebiet freigeben; Höfle erklärte das zwar für unbegründet, aber besprochen wurde die sog. Versackungstheorie von Jarres im Kabinett. Besprechung am 9. 11. mit Redakteur Buhla von der ‚Germania über Bildung eines Windthorstbundes bei St. Clemens gegen Widerstand der Hauptpartei Berlin. Redakteur Fortmann von der C.P.C. (‚Centrums-Partei-Correspondenz') brachte die Nachricht vom Hitler-Putsch in München, bei dem Ludendorff verwundet wurde; Marx hielt sie, weil ihm Stresemann davon nichts erzählt hatte, für übertrieben; als sich keine Beziehungen zum Rheinland nachweisen ließen, erläuterte Höfle die Sache im RT; man betrachtet sie für erledigt (S. 34). Wirth wollte seinen Austritt aus der Fraktion einstweilen zurückstellen; man wird ihn beobachten müssen. Am 9. 11. wurden erstmals Dollarschatzscheine im RT als Tagegelder gezahlt. Gedächtnisreden von Stegerwald, Tremmel und Marx für Höner auf dem Friedhof Zehlendorf am 10. 11. (S. 35). Nachmittags und am 13. 11. in der Fraktion Diskussion über Eintritt der DNVP in die RR; selbst v. Guérard bestritt die darüber im Ausland mit Sicherheit zu erwartenden nachteiligen Wirkungen. Am 14. 11. hielt Kaas in der Fraktion eine ungemein scharie Rede, indem er von dem Gerücht ausgeht, daß man das Rheinland im Stich lassen wolle. Er setzt das einmal als wahr voraus! Er führt aus: nun sei alles in die Hände der Rheinländer gegeben! Man werde da schon wissen, was man zu tun habe! - Man kann sich denken, wie solche Reden aufgefaßt und gedeutet wurden! Nachmittags Aussprache beim RK mit den Parteiführern Scholz (DVP), Koch (DDP) und Marx; letzteren beiden wurde von Scholz ungenügende Unterrichtung Stresemanns über oppositionelle Stimmung gegen die RR in den Fraktionen vorgeworfen; vom Kanzler war über „Versackung" der besetzten Gebiete nichts herauszubekommen: Beschlüsse lägen nicht vor (S. 36). Gegen die Auffassung christl. Kreise in Amerika, daß die RV die Rechte der Kirchen nicht ausreichend wahre, schrieb Marx einen Zeitungsart. für ‚United Press'. Böhler behandelte am 16. 11. ein mit ev. Kreisen abzustimmendes Aktionsprogramm; Kaffee mit dem Münchener Minister Beyerle, Kreutzwald und Böhler. Am 17. 11. hatte Wirth einen Herzlähmungsanfall (S. 37). Stresemann war in einer Unterredung aufgrund von Besprechungen des RP mit der SPD sehr optimistisch. Brauns teilte die Skepsis von Marx: Er meint, es sei am besten. Jarres zum Kanzler zu machen. - Das wäre eine schöne Geschichte geworden! ... Denn die „Versackungstheorie" blieb doch nicht verborgen! Am 18. 11. äußerten Herren vom Rhein ihre Unzufriedenheit mit RK, weil er sich nicht ausschließlich mit ihnen unterhalten und beschäftigt hat! Wirth hatte einen erneuten Anfall. Am 19. 11. überließ Marx im Außenpolit. Ausschuß Kaas und Lauscher die Aussprache und beschäftigte sich mit Böhlers Besprechung mit den ev. Elternbeiräten; in der Fraktion und ihrem Vorstand ist jetzt die Mehrheit der Ansicht, daß Stresemann nicht mehr gehalten werden kann. In der Fraktionssitzung am 20. 11. keine Klarheit zu gewinnen, ob Marx eine Rede halten oder nur eine Erklärung abgeben soll; v. Guérard und Esser wünschten allerdings scharfe Reden. Marx trug darauf Stresemann die verschiedenen Wünsche und Ansichten in seiner Fraktion vor, so daß RK sich danach richten konnte (S. 38). Nach langen Verhdlgen. zwischen den Parteien lagen am 23. 11. Mißtrauensanträge von DNVP und SPD vor; Stresemann aber verlangte ein positives Vertrauensvotum, das keine Mehrheit fand. Am gleichen Tage Beerdigung des Reichsbankpräs. Havenstein: Nach seiner Einstellung, die auf die verheerende Entwicklung unserer Lage keine ausreichende Rücksicht nimmt, kann man fast sagen, es sei ein Glück für Dtschld., daß es so gekommen ist. Nach Fraktionssitzung und Besprechung mit den Mittelparteien hatte Marx schwere Vorahnungen. Ebert fragte ihn am 24. 11., wie erwartet; Marx lehnte ab, weil das Z oft genug die Last des Kanzleramtes getragen habe und nur Undank dafür geerntet habe. Er nannte Kardorff als ausgezeichneten Kandidaten (S.39). 39 S., Masch.-Erstschrift. Das Jahr 1923 (Ergänzungen) Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben nach Juli 1939; vgl. S. 8, 12): 1. Familie: Am 1.1. Legationsrat Gerth und sein Schwiegervater Konsul Marx zu Besuch; dieser hatte recht oft sehr sachkundige Vorschläge zur Bekämpfung der Inflation. Am 3. 1. beschloß das Katholikenkomitee, aus nat. Gründen eine große Verslg. wie vor dem Kriege und zwar in Köln zu halten; die Besatzung erhob Einspruch aus der Furcht, die Verslg. könnte zu dt.-nat. Kundgebungen benutzt werden! (S. 1). Angaben über inflationist. Preise (S. 2). 9. 4. Mieterstreitigkeiten wegen Kohlenmangels im Hause Marx'. Am 8. 5. Sonnenschein-Zirkel. Am 26. 5. mit Klöckner bei Lauer gespeist. Am 21. 6. feines Abendessen bei Raumer (S. 3). Am 13. 7. Führung des Sonnenschein-Zirkels im Botan. Garten durch Prof. Grebe; Einladung zum Automobilklub. Am 14. 7. Gesellschaft bei Hermes mit Albert, Underberg und Weihbischof Deitmer (wie immer sehr liebenswürdig). Erschwerte Kohlenbeschaffung (S. 4). Inflationspreise (S. 5). Am 9. 11. erhalte ich im RT das erste wertbeständige Geld. Das ist die Auswirkung von der bahnbrechenden Idee Helfferichs von der Rentenmark! In der Tat standen wir im großen Wendepunkt. Von da an wird die Stabilisierung der Mark allmählich angebahnt. Das wird für immer das große Verdienst Helfferichs sein, wenn auch sein Werk erst zum dauernden Bestand durch die Reg. Marx gelangte. Am 25. 12. Rede über den Rundfunk, dessen wirklich herrliche Anlage Marx anschließend besichtigt (S. 6). Steuerberechnung. Am 26. 12. erzählte Frl. Reuter von ihrem Verkehr mit Frau Stresemann. Am 27. 12. Besprechungen mit StS Bracht und Reichspressechef Spiecker. Nach der Ernennung zum RK konnte Marx wegen Stresemanns Krankheit die Reichskanzlei nicht beziehen. Bruckner-Konzert in der Philharmonie am 27. 12. (S. 7). Einrichtung der alten Reichskanzlei (S. 8). 2. Reichstag, politische Lage: Am 13. 1. ausgedehnte Fraktionssitzung; Spahn besprach mit den anderen Parteien eine Entschließung sowie eine Erklärung, die Stresemann in ihrem Namen abgeben sollte; Joos verlangte Programmerklärung der Reg., was Wirth als unmöglich zurückwies: Man müsse zuerst die Entwicklung der Dinge angesichts der Besatzung des Rheinlandes abwarten und das Verhalten der Franzosen (S. 8). Im Plenum gab Cuno für seine Partei <!> eine gutliegende Erklärung ab; SPD verdarb die Sache durch eine nichtssagende Rede; sie war über einen Schlußantrag von v. Guérard verärgert; RK Wirth war über die Vorgänge wenig befriedigt. Am 14. 1. eindrucksvolle Volksverslg. vor dem RT mit 12-14 Rednern aus allen Parteien außer Kommunisten; abends Z-Verslg. Im Fichte-Gymnasium. Am 23. und 24. 1. Besprechungen von Z-Abgeordneten - besonders von Frau Neuhaus, San.-R. Stemmler und Prof. Faßbender - über das Gesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten. Prof. Spranger, die bekannte Autorität in diesem Fach, sprach im Kultusministerium über moderne Jugendbewegung. Am 25. 1. berichteten Bell und v. Guérard über die Lage im besetzten Gebiet zunächst im Vorstand; Marx regte über die Reichskanzlei Zusammenkunft von Reg.-Mitgliedern mit den Abgn. an; diese sprachen auch mit den demokrat. Abgn. Weiß und Runkel; in der Fraktion wurde ebenfalls die Rheinlandfrage behandelt (S. 9). Anfang April überlegte Marx mit Spahn, ob mit dem päpstl. Delegaten Testa in Speyer gesprochen werden sollte; man wollte zunächst den Bericht von Bell aus Essen abwarten; eine Aussprache kam später nicht zustande, jedoch hat Marx, soweit er sich erinnert, mit Testa beim Bischof von Berlin <!> über das besetzte Gebiet gesprochen; damit war der Zweck erreicht, zum Vorwurf über polit. Einmischung jedoch kein Grund. Am 11. 4. wurde im Vorstand der Fraktion gefragt, ob durch die RR auch alles Nötige für die besetzten Gebiete geschähe: Ich habe dann mit aller Entschiedenheit ausgeführt, daß man endlich davon absehen solle, immer wieder Äußerungen der Reg. über ihre Tätigkeit zu provozieren. Das könne nur schädliche Folgen haben, weil ihre Erklärungen nicht geheim bleiben würden; in der Fraktion hatte Marx diese Frage von vornherein angeschnitten. Am 12. 4. wurde in der Kommission zur Beratung des Gesetzes über die Geschlechtskrankheiten der Berichterstatter niederschmetternd kritisiert; in die eingesetzte Unterkommission wurde Frau Neuhaus gewählt (S. 10). Über die vertraul. Besprechung beim RK mit den Koalitionsparteien fand sich alles am anderen Morgen im ‚Berliner Tageblatt'. In der Besprechung über das Schulgesetz kam endlich das gemeinsame Kompromiß zustande. Am 14. 4. Einladung bei Tigges. Am 16. 4. war die gespannt erwartete Rede von Minister Rosenberg von besonderer Bedeutung; in der Debatte sprach zunächst Müller (SPD) sehr vorsichtig; nach Marx redete Hoetzsch (DNVP); Klöckner warf Marx unterlassenen Dank an Papst und Bischöfe wegen ihrer Friedensbemühungen vor; im Vorstand drang der Standpunkt von Marx durch. In der Kommission über das Schulgesetz trieb SPD Obstruktion. Beim Festabend des RK waren Ebert, die Minister und die Parteiführer (S. 11). Am 23. 4 schnitten Schreiber und Joos sehr bedenkliche Dinge über den ausw. Dienst an; man war entsetzt wegen der Gefahr, daß es an die Öffentlichkeit käme; Schreiber versprach, derartiges in der Fraktion nicht mehr vorzubringen! Wegen des Schulgesetzes hatten die Demokraten in ihrer Fraktion anscheinend sehr schallen Tadel erhalten, die SPD trieb weiter Obstruktion, namentlich der berüchtigte Dr. Löwenstein zeigt seine Kunst in langen Reden. An die fehlenden Fraktionsmitglieder ging ein geharnischtes Schreiben wegen ihrer Nachlässigkeit. Am 26. 4. im Innenministerium Besprechung wegen des Gesetzes zur Bekämpfung von Schundliteratur, anwesend waren Prof. Mantzel, Kuratus Wienken, später Bischof v. Meißen, auch Pfarrer Mentzel von Friedenau (S. 12). Am 27.4. Pressekonferenz mit Goerdes und Fortmann; Frl. v. Hertling wünschte Empfehlung bei Brugger; Runge erzählte Kriegserlebnisse namentlich über das Lockstedter Lager. Beim Fest für Forsch waren Frl. Teusch, Stegerwald, Vockel, auch Min.-Präs. Braun. Am 1. Mai Bischofsweihe in St. Hedwig. Beim RK machten Marx und Brauns Ausstellungen an der Note für die Entente; Interpellation des Z wegen der Devisenordnung (S. 13). Aussprache in der Koalition über das Feiertags-Gesetz. Landwirte beschwerten sich über v. Guérard, der gerade das „Schwänzen" von Abg. bemängelte, die Landwirte waren. Im Ausschuß wehrte sich Löwenstein allzu heftig gegen den Vorwurf, daß die SPD das Schulgesetz durch Obstruktion zu Fall bringen wollte. Am 10. 5. denkwürdige Verslg. in Wittenberg. Am 11.5. wichtige Besprechung bei Raumer mit allen Parteien auß der extremen Linken; nach langer Beratung und eingehender Rede von Stresemann wurde eine Einigung im großen und ganzen über die Summe erzielt, die der Entente angeboten werden soll, auch über die Garantien der Industrie, die im einzelnen dargelegt werden sollen. Müller und Wels waren anwesend; seitens des Z, das Marx und v. Guérard vertraten, fehlte Klöckner (S. 14). Am 19. 5. wurde diese Angelegenheit in der Fraktion behandelt, wo Wirth allein sprach, weil Hermes abwesend war; dieser wünschte besondere Aussprache im Vorstand; Brauns verlangte am 20. 5. ebenfalls Vorstandssitzung und war ungehalten über die erfolgte Behandlung in der Fraktion; alle Beteiligten wurden beruhigt; im Vorstand vertrat Marx die Meinung, daß man bei der Notlage auch über 30 Milliarden hinausgehen könne; Brauns und Hermes, die anscheinend sich nun einiger waren, pflichteten bei; abends machte Marx davon dem RK Mitteilung; dieser mißverstand 30 Milliarden als oberste Grenze. In der Arbeitsgemeinschaft stellte sich heraus, daß die Sache in anderen Fraktionen nicht so eingehend behandelt worden war. Im Vorstand der Fraktion war Wirth enttäuscht, weil für seine Meinung niemand zu haben ist. Beim RK klärte Marx das Mißverständnis auf; Cuno hält aber unbedingt an 30 Milliarden fest (S. 15). Am 25. 5. Besprechung mit dem Reichsverband der Industrie in der Bankstraße: Stinnes, Hamspohn, Duisberg, Klöckner u. a.; Müller und Hilferding ebenfalls anwesend; Hamspohn berichtete über Englandreise. Am 26. 5. kamen Lammers und Frank <richtiger wohl: Fonk> mit den Ergebnissen der Vorstandsberatungen; sie wollten möglichst wenig anbieten; Marx widerriet der Veröffentlichung der Beschlüsse. In der Arbeitsgemeinschaft herrschte Einigkeit, mit der Entente sich zu vereinbaren. Beim RK waren Becker, Brauns, Rosenberg; mit Marx gingen Spahn und Becker; Marx war sehr wenig erbaut von der ganzen Unterredung. Wenn man jetzt sogar noch nicht einmal über 20 Milliarden gehen wolle, dann habe die ganze Sache keinen Zweck und werde die Sache für unsere Seite nur verschlechtern, die Entente aber verärgern. Auch die Herren von der DVP untereinander nicht einig. Am 28. 5. erregte Besprechung bei RK, der unter keinen Umständen von seinen Plänen abgehen will; Rosenberg erschien nachgiebiger; ein beigefügtes Schema der Annuitäten würde die Sache annehmbarer machen. Am 29. 5. Beratung der in Berlin wohnenden Z-Abgeordneten in Anwesenheit der Presse (S. 16). Im LT tagte der Vorstand des Vereins f. d. kath. Ausdeutschen in Beisein von Weihbischof Deitmer. Am 31. 5. wurden die Parteivertreter einzeln zum RK gerufen für die Mitteilung, daß noch keine bestimmten Nachrichten über die Entente eingelaufen sind. Am 1. 6. erklärte Hermes, er habe den Sturz der Mark lange vorausgesagt; die Reg. habe mit ihren Maßnahmen zu lange gewartet (S. 17). Am 2. 6. hatte RK die Parteiführer wieder einzeln bestellt; laut engl. Mitteilung sollte keine Summe genannt und kein Schiedsgericht angeboten werden; die Parteiführer berieten vor und nach den Kanzlerbesuchen, kamen aber zu keiner einheitlichen Auffassung. Hermes war sehr erstaunt über den Wechsel der Anforderungen der Entente. Am 4. 6. Fraktionsvorstandsberatung, Kanzlerbesuch, und wieder Vorstandssitzung; Wirth erschien es fraglich, ob auch hinreichende Garantien für die Ausführung der Versprechen der Entente vorliegen. In einer weiteren Sitzung sprach Hermes über die Getreideversorgung, er drohte starke Steuererhöhungen an. In einer gemeinsamen Sitzung mit der LT-Fraktion am 6. 6. freimütige Schilderung der Lage durch Marx mit Einwendungen von Wirth; Brauns verteidigte die Regierung; sie wird ihre Einstellung selbst zu verteidigen haben. In einer Besprechung mit den anderen Parteien über Veranstaltung einer Rheinlandkundgebung in Berlin erhob SPD Bedenken (S. 18). Am 7. 6. redeten zur Interpellation über die Teuerung die Minister Brauns (recht gut, auch merkwürdig sanft), Hermes (ziemlich weitgehend) und Becker (scharf angreifend gegen die Agrarier). Im Bildungsausschuß wurde es brenzlich über den Sinngehalt von „Geist des Bekenntnisses"; die Evangelischen wurden mißtrauisch, die Deutschnationalen wollten den Ausdruck nicht zulassen; eine persönliche Besprechung scheiterte. Am 8. 6. bestand Marx in der Fraktion auf schlüssige Behandlung der Rheinlandfrage; Wirth machte keine besonderen Vorschläge mehr; Giesberts hatte verschiedene, von Wirth bekämpfte Wünsche; in der großen Mehrheit war man einig. Am 11. 6. wurde wegen des Schulstreiks in Sachsen in der Fraktion eine Interpellation erörtert, die trotz Befürchtungen wegen der DNVP vom Vorstand beschlossen wurde. Im Bildungsausschuß erregte Debatte über RV 149,2 wegen Freiheit der Lehrer zur Erteilung von Religionsunterricht und freien Entscheids der Eltern über die Teilnahme ihrer Kinder am Religionsunterricht; in der nächsten Sitzung Debatte über die Schulaufsicht (S. 19). Am 20. 6. sprach Hermes mit SPD und Z über Steuerangelegenheiten; unter Leitung von Luther Zusammenkunft aller Parteien; als die Lage bedenklich wurde, rief Marx auf den Rat von Hermes den RK an; nach dessen Ankunft erbaten DNVP und BVP Bedenkzeit; der mit Hermes besprochene Antragsentwurf konnte schließlich doch eingereicht werden. Am 21. 6. abermalige Beratung der beteiligten Parteien mit Hermes. Der RK befragte Marx über den Völkerbund; dieser hielt zwar die Einrichtung als solche für außerordentlich wertvoll, (erachtete) aber z. Z. einen Anschluß nicht für angebracht, weil doch die Stimmung der Ausschlag gebenden Staaten uns nicht günstig sei, wir also auf Besserung unserer Lage und auf Verständnis für unsere Wünsche nicht rechnen könnten (S. 20). Anfang Juli wurden die Interpellationen über das besetzte Gebiet und über die Feiertage durchgesprochen; wegen der letzteren erhob der Ältestenrat außenpolit. Bedenken. Am 24. 7. hielt Frl. Dransfeld in der Fraktion einen Vortrag über ihre Amerikareise. Rosenberg wollte in einem Gespräch am 26. 7. nichts von Einstellung des passiven Widerstandes wissen - durchaus richtig nach der Stimmung im Ruhrgebiet. Am 27. 7. machte der RK Marx wegen eines Art. in der ‚Germania' - unberechtigterweise - verantwortlich; Fraktionsmitglieder und Hermes waren ebenfalls aufgebracht; dieser empfahl Marx eine öffentl. Bestreitung der Urheberschaft (S. 21). In der Fraktion wollten die dazugebetenen Presseleute nicht einsehen und zugeben, daß der Art. bedenklich und teilweise unberechtigt und falsch ist; ein Vorschlag über eine Erklärung der alleinigen Verantwortlichkeit der Redaktion wurde nicht ausgeführt; es erschien im Gegenteil ein weiterer Art. ähnlichen Charakters. Marx hatte den Eindruck, als wenn die Herren <von der Presse> wenigstens z. T. sehr stark gegen Hermes eingenommen waren. In der Fraktionsvorstandssitzung am 2. 8. erschienen nur Spahn, Becker, ten Hompel; Herold war später in der Fraktion. Zwischen Brauns und Hermes schien es zu einem scharfen Konflikt zu kommen. In der Kabinettsberatung am Nachmittag blieb es bei den alten Steuervorschlägen. Am 6. 8. war Marx beim RK: Er ist ganz verzweifelt und fragt, was er eigentlich noch tun könne (S. 22). Auf den Rat von Marx empfing Cuno alle Parteien außer KPD. Der Schulausschuß vertagte sich auf unbestimmte Zeit. Am 10. 8. berieten die Gewerkschaften der SPD angeblich über den Rücktritt des Kabinetts. Im RT wurden jedoch die Steuergesetze angenommen. Am 10. 8. verlangte RK bei Marx noch eine RT-Sitzung für den 11. 8.; nach längerem Gespräch willigte Cuno in eine Sitzung für den 13. 8. Am 11.8. hielt Prof. Anschütz im RT eine Rede, auch Jarres sprach sehr gut. Bei der DVP bestand die Überzeugung, daß Cuno nicht mehr zu halten sei. SPD sollte schon Entschluß zum Mißtrauensantrag gefasst haben. In einer späteren Aussprache mit RK bat ihn das Z, keine übereilten Beschlüsse zu fassen und den Wortlaut der SPD-Resolution abzuwarten; Unterstützung, wenn dos Ministerium nicht zustande komme, wurde zugesichert. In der Zusammenkunft beim RK, an der die Minister teilnahmen, macht<e> Dr. Brauns zum Glück eine Bemerkung, daß das Kabinett die Schuld an seiner Entlassung dem Z gab. Entschiedene Verwahrung: In der Tat hat der Kanzler seine Entlassung erbeten. Ungewöhnlich schnell hatte am 13. 8. Stresemann die Reg. übernommen (S. 23). Am Nachmittag des 12. 8. Verhdlg. mit der SPD, die in der Koalition bleiben wollte; Streit um Wehr- und Innenminister; wir begnügen uns als vernünftige Leute mit dem Minister für das besetzte Gebiet und dem Postminister. Der Fraktionsvorstand war mit diesem Vorgehen einverstanden und man schlug Fuchs, der wegen des ‚Berliner Tageblatts' zunächst verstimmt war, und Höfle für die Ministerämter vor; die Ernennung Höfles verzögerte sich. Stresemann erhielt nach kurzer, aber eindrucksvoller Rede das Vertrauen des RT am 14. 8. (S. 24). Wegen der ablehnenden Haltung der ‚Germania' über den Cuno-Art. legte Marx seine Stellung im Aufsichtsrat mit Zustimmung Klöckners nieder, der gehörig Krach schlagen wollte. In der Unterhaltung mit Stresemann, woran Stegerwald und v. Guérard teilnahmen, wurde die Berufung von Herren, die uns nahestehen, als Staatssekretäre für diejenigen Ministerien, die nicht von Herren unserer Richtung besetzt sind, gewünscht. Bei Brauns Besprechung im Beisein von Brüning, Stegerwald und Becker über die Steuervorlagen und die sehr starke Erhöhung der Beamtengehälter, die allerdings angesichts der zunehmenden Teuerung in etwa gerechtfertigt war. Marx schlug Spiecker zum Pressechef vor, gegen den v. Rheinbaben, die rechte Hand von Stresemann, die Meldung älterer Ministerialräte einwendete. Frl. Teusch trug Klagen des Generalvikariats <?> über die schlechte Besoldung der Geistlichen vor. Mehrstündige Unterredung mit Brockdorff-Rantzau, der sehr interessiert an der Lage im Ruhrgebiet war; er bedauerte die pessimistische Auffassung von Wirth, der sich in Rußland befand, und befürchtete dort recht üble Folgen für die Gesamtstimmung. Wirth hatte auf Veranlassung badischer Kreise mit einem Konsortium große Waldungen in Rußland erworben, anfangs gute Geschäfte, später aber nach Meinung von Marx Bankrott gemacht (S. 25). Anfang Sept. Verslg. der rhein. Abg. bei Stresemann, wo für das Z v. Guérard sprach. An den Fraktionsbesprechungen nahm meistens Minister Fuchs teil. Befürchtungen über den Gesundheitszustand von Brauns. Am 25. 9. Aussprache in der Fraktion über die Rheinlandfrage und den Separatismus: Esser malt in schwarzen Farben-, ich halte die Sache nicht für so schlimm. Besprechung auch mit den rhein. Abgeordneten des LT. Unterredung beim RK über die Lage (S. 26). Am 27.9. im Plenum große Auseinandersetzungen über die Fortdauer des passiven Widerstandes: Wir halten ihn für aussichtslos und verderblich für die Industrie. Das will man jetzt auf einmal nicht mehr einsehen. Von den Völkischen wurde Marx Stützung des Separatismus vorgeworfen; Marx wehrte sich gegen totales Mißverständnis. Derselbe Vorwurf wurde gegen ihn am 28. 9. in der Fraktion erhoben; v. Guérard verteidigte den abwesenden Marx: Ich hätte mich besser selbst verteidigt! Klöckner erzählte am 29. 9. von einem Krach in der DVP wegen Aufhebung der Koalition mit SPD; Spahn und Herold hielten dies mit Marx für ungefährlich. Begrüßungsabend der neu gegründeten ‚Jugendkraft, wo Hirtsiefer die Begrüßungsrede und Rehwold eine sehr ansprechende und wirkungsvolle Rede hielten; trotzdem keine rechte Stimmung. Am 1. 10. wollten Brauns und Stegerwald sofortigen Abbruch mit dem Kabinett; Marx und Fehrenbach widersetzten sich; Frl. Teusch pflichtete ihnen bei; v. Guérard und Klöckner auf der anderen Seite (S. 27). Am Nachmittag vierstündige Kabinettssitzung. Beim Finanzminister fand Marx für seine Bedenken hinsichtlich der Währungsbank Unterstützung der DVP. Beim RK hielt Marx eine Krise für hochbedenklich; im Kabinett sollte die Wiederherstellung der alten Koalition angestrebt werden. Wirth hielt am 5. 10. in der Fraktion eine fulminante Rede: Wir müssen führend werden! Verbindungsaufnahme mit den anderen Parteien. Demokraten wollten unter allen Umständen beim Kanzler die alte Koalition. In der dortigen Nachmittagsbesprechung wurde aus allen Parteien eine Kommission für die Gestaltung der Arbeitszeit eingesetzt; vom Z wurde Becker hineingewählt. Abends berieten die Koalitionsparteien erneut bei Stresemann bis 3 Uhr nachts über die Kabinettsneubildung (S. 28). Am 8. 10. hielt Stresemarm im RT eine kurze Einleitungsrede, danach sprachen Breitscheid (SPD) und Bell, dieser zu lange und zu pathetisch. Das Kabinett wollte das große Steuergesetz angenommen wissen. In die Aufregung im RT kamen am 10. 10. ev. Elternbeiräte, die Böhler schließlich übernahm. In der Fraktion entwickelte Wirth große Pläne wie Beschlagnahme aller Kunstgegenstände; Lauscher trat ihm entgegen. Im RT sprachen am 11. 10. fast nur die kleinen Parteien. Vom RK hörte Marx, daß der RP die Auflösung des RT bewilligt hatte. Weil die Annahme des Steuergesetzes fraglich war und mehrere Parteivorsitzende ihrer Leute nicht ganz sicher waren, schlug Marx Vertagung auf den 13. 10. vor; der Antrag fand Lärm bei der Opposition, aber eine große Mehrheit. In der Koalitionsbesprechung zeigte die SPD mehr Mut, etwa 15 würden gegen das Gesetz stimmen oder sich enthalten, jedenfalls würde die Fraktion im Saale bleiben (S. 29). Am 15. 10. Ausspräche mit RK, der verschiedene Vorgänge in seiner Fraktion mitteilt; er hatte Kempkes zum StS bestellt: Das ist eine sehr gute Wahl. K. ist ein sehr liebenswürdiger, kluger und recht duldsamer Herr, mit dem sich gut verhandeln läßt. Vorberechnungen von Marx und Müller (SPD) für die Abstimmung am 15. 10. (S. 30). Im Nov. Zuspitzung der Lage wegen des Gerüchts über einen Regierungsbeschluß, keine Gelder mehr nach dem besetzten Gebiet zu schicken, weil sie ja doch dort von den feindlichen Mächten beschlagnahmt würden. Die Fraktion hatte um den 20. 11. die Ansicht, daß Stresemann gehalten werden solle. RK bestand aber auf einem Vertrauensvotum, statt sich mit Ablehnung eines Mißtrauensvotums zu begnügen. Sein Sturz daher unvermeidbar. Als Marx für die Nachfolge benannt wurde, sträubte er sich und schlug v. Kardorff vor. Zuletzt konnte ich nicht mehr ablehnen, ich durfte es nicht im nationalen Interesse und war auch am wenigsten politisch belastet. Ernennung, wo niemand sonst sich bereit erklärte, am 30. 11., erste Kabinettssitzung am 1. 12. In der folgenden vom 4. 12. wurde über ein Ermächtigungsgesetz und Vertagung des RT bis Ende Januar beraten: Das Kabinett will ruhige Zeit haben, um all die verantwortliche und wichtige Arbeit zu erledigen, die angesichts des elenden Zustandes der Wirtschaft und der Finanzen notwendig ist. Es müssen Verordnungen erlassen werden, zu denen der RT niemals seine Zustimmung geben würde, die er aber vielleicht hinnimmt, wenn die Verantwortung auf die Reg. geschoben werden kann (S. 31). Zusammensetzung des Kabinetts; Berufung des <späteren> OB von Essen, Bracht, zum StS in der Reichskanzlei und von Spiecker zum Pressechef; Leitung des Büros der Reichskanzlei durch v. Stockhausen. Nachtrag über die Krise, die der Kabinettsbildung vorausging. Als am 23. 11. Stresemann auf dem ihm verweigerten Vertrauensvotum hartnäckig bestand, wurde nachmittags eine Reihe möglicher Kabinette in der Fraktion besprochen, anfangs ohne Nennung von Namen. Unterbrechung der Plenarsitzung wegen Beerdigung des Reichsbankpräs. Havenstein: In die neue Zeit paßte er nicht mehr hinein. Es war gut, daß es mir gelang, eine so ausgezeichnete Kraft wie Dr. Schacht, der zunächst als Währungskraft <!> von Stresemann berufen war, zum Nachfolger zu ernennen (S. 32). Am 24. 11. wurde Marx schon in aller Frühe zum RP geholt. Dessen Versuche, einen RK zu finden, waren bis dahin gescheitert: es komme jetzt auf das Z an; eine direkte Frage wegen Annahme der Kanzlerschaft lehnte Marx ab und nannte v. Kardorff als passenden Kandidaten. Während der folgenden Sitzung des Parteivorstandes rief Ebert wieder an und spricht nun mit aller Eindringlichkeit mit mir. Vom Vorstand wurde Fehrenbach zum RP geschickt. Marx forderte allen Ernstes Stegerwald zur Annahme auf: er lehnt aber entschieden und unwiderruflich ab. Inzwischen war Kardorff berufen worden; DVP verließ ihn, die DNVP erklärte sich gegen ihn: er erklärt mir mit weit ausgebreiteten Händen: „und dann war ich allein auf weiter Flur!" Am 25. 11. fragte Ebert, ob er gegen Jarres etwas einzuwenden hätte; Marx erwiderte, daß das Rheinland wohl wenig von ihm erbaut sein dürfte, da er doch als Erfinder der Rheinlandsperre gelte. Am 29. 11. wurde erzählt, daß der frühere StS <!> Albert gerufen sein sollte (S. 33). Seit dem 5.12. Verhdlg. mit den bürgerl. Parteien, dann mit SPD und DNVP über das Ermächtigungsgesetz; in der Plenarsitzung gaben Scheidemann (SPD) und die Nationalen Erklärungen ab; nicht zweckmäßig war die scharfe Rede von Kaas gegen rechts. Danach Kabinettsberatung mit den preuß. Ministern über Rhein- und Ruhrfragen. Am 6. 12. in denselben Angelegenheiten Besprechung mit Adenauer und Mönnig. In Unterhandlungen mit den Parteien wurden Bedenken gegen die RT-Vertagung bis Ende Januar erhoben; die RR verzichtete darauf gegen die Zustimmimg, daß die Einberufung des RT einstweilen hinausgeschoben wird, der Präs. konnte einem Ausschuß Anträge zur Vorberatung überweisen. Der Nuntius machte seinen Gegenbesuch - entgegenkommenderweise - im RT. Am 8. 12. Bericht des Gesandten Haniel über die bayer. Verhältnisse. Hergt wollte wissen, ob bald Neuwahlen ausgeschrieben oder aufgrund RV 48 regiert werden sollte (S. 34); auf ablehnenden Bescheid wollte er auch nichts über die Taktik seiner Freunde mitteilen. Das Ermächtigungsgesetz wurde mit großer Mehrheit angenommen. Fehrenbach neuer Fraktionsvorsitzender. Abends Essen bei Ebert. Am 9. 12. Besuch von Leg.-R. Gerth; nachmittags von Rieder und Böhler: Die SchO arbeitet immer vorzüglich. Denk, preuß. Gesandter in München, ein prächtiger Mann ..., der scharf auf alle Vorgänge in Bayern achtete, berichtete am 10. 12. In der Kabinettssitzung Beratung über die Gesetze über den Beamtenabbau und die Herabsetzung der Besoldung, auf deren Verabschiedung der Finanzminister bestand. Vortrag des ausgezeichneten Generals v. Seeckt, der auf den Finanzminister verwiesen wurde (S. 35). Die Halsentzündung von Stresemann Beim Pressefest im RT Platz neben den Familien Metger und Franckenberg; Konzert mit den Tenor Kirchner. Am 16. 12. Besprechung mit Herren aus dem Rheinland namentlich über die Notenbank; das geplante Gesetz mußte verschiedentlich anders gefaßt werden. Zu Mittag beim RP mit Mitgliedern der Leitung des Roten Kreuzes. In einer Kabinettssitzung wurde eine Verordnung über Hypothekenaufwertung auf Antrag Luthers vertagt, weil sie mit den Ländern noch besprochen werden sollte (S. 36). Hinweise auf Schriftwechsel mit Breddemann-Bielefeld, über den von Schöny falsche Angaben gemacht worden sind. Die Mißliebigkeit des Z war aus Beschwerden des Redakteurs Krauss über Min.-Dir. Heilbron zu ersehen. Ebenso wurde Dr. Fortmann regelmäßig zu den Fraktionsberatungen hinzugezogen. Der vom Augustinusverein angerufene frühere BM Schmid war eine vielumstrittene Persönlichkeit, später sogar Reg.-Präs. in Düsseldorf (S. 37). 3. Einzelheiten aus der Besatzungszeit: Hinweis auf die Bücher von RA Prof. Grimm. Auf einen Bericht von Bell und v. Guérard Ende Jan. 1923 bewirkte Marx Zusammenkunft der Abgn. aus dem besetzten Gebiet mit RK und Ministern. Am 5. 2. wurde Baden besetzt und die Eisenbahn bei Appenweier gestört. Am 8. 2. wurde im Hauptausschuß mit allen beteiligten Ministern vor allem über den zunehmenden Wucher gesprochen, unter dem die Landwirte besonders litten; gute und scharfe Rede von Ersing. Am 26. 2. sorgfältige Debatte über einen Art. der ‚Roten Fahne' über Unregelmäßigkeiten bei der Waffenablieferung. Am 28. 2. Unterredung beim RK über Übergriffe der Besatzung im Ruhrgebiet (S. 38). In der Fraktion trug Bitta wirklich ergreifende und traurige Vorkommnisse vor, die schwere Belastungen der Bevölkerung sind. Am 10. 4. hielt im RT der RK die sehr ergreifende Gedächtnisrede zu Ehren der an der Ruhr gemordeten Beamten und Bürger; die mit der Entente einzuleitenden Unterhandlungen. Gespräch mit dem päpstl. Delegaten Testa über die Verhältnisse an der Ruhr: Dieses Entgegenkommen des Papstes hat allgemein auch bei Andersgläubigen einen sehr guten Eindruck gemacht. Anfang Juni Besprechung mit den Koalitionsparteien über eine Rheinlandkundgebung, der sich zunächst SPD widersetzte und die später aus außenpolit. Bedenken der RR fallen gelassen wurde. Reise Cunos in das besetzte Gebiet; er war befriedigt über gute Stimmung an Ruhr und Rhein. Anfang Juli Verschlimmerung der Lage durch Festhalten der Züge und Hinderung der Reisen auch von Abgn. (S. 39). Am 31. 8. äußerte Brockdorff-Rantzau nach einer Reise ins besetzte Gebiet: daß es jetzt nötig sei, die Stimmung namentlich im Ruhrgebiet nicht durch pessimistische Äußerungen zu verschlechtern; er bedauerte, den nach Rußland verreisten Wirth nicht sprechen zu können, der dort durch seinen Pessimismus nur störend wirkte. Günstig war die Ernennung von Fuchs zum Minister für die besetzten Gebiete, und gut waren die Besprechungen, die RK Stresemann mehrfach mit Abgeordneten und anderen Herren aus dem besetzten Gebiet abhielt. Fuchs nahm an den Fraktionssitzungen des Z mehrfach teil. Ende Sept. hatte sich Marx gegen Andeutungen von völkischen Abgeordneten im RT wegen Rede angeblich zugunsten des Separatismus zu wehren: Es ist ein merkwürdiges Schicksal von mir, daß ich, der sich im entscheidenden Augenblick in der Kölner Bürgergesellschaft mit aller Entschiedenheit gegen den Separatismus gewandt hatte, immer der Begünstigung desselben verdächtigt wurde. Ein Beispiel dafür ist ja auch die Darstellung von Rosenberg in seinen ‚Novemberköpfen! Meine Rettung war immer ein von mir geschriebener Art. im ‚Düsseldorfer Tageblatt (S. 40). In der Fraktion wurde dies ebenfalls besprochen; die Verteidigung von Marx führte in dessen Abwesenheit v. Guérard. Im Nov. Gerücht über die Geldsperre für das besetzte Gebiet; Höfle hatte einen derartigen auf Anregung von Jarres gefaßten Kabinettsbeschluß bestritten, aber allmählich mußte doch zugegeben werden, daß andere Minister sich doch günstig der Anregung gegenüber geäußert hätten. Der Aufregung im besetzten Gebiet und der Unruhe im RT fiel das Kabinett Stresemann zum Opfer. Dieser blieb zum Glück Außenminister in der folgenden Reg. Marx. Eine der ersten Kabinettserklärungen war, daß unter keinen Umständen eine Zurücksetzung des besetzten Gebiets stattfinden dürfe. Am 19. 11. hatte Müller (SPD) offenbar im Ausw. Ausschuß erklärt: Im Rheinland herrsche die Ansicht, daß vom Jan. ab im besetzten Gebiete keine Steuern mehr gezahlt zu werden brauchten. Das dürfe doch nicht zugelassen werden, da es sich um ein Gebiet handele, das seit je zu den leistungsfähigsten von Preußen gehört habe. Man könnte im Gegenteil eine besondere Steuer auf das besetzte Gebiet legen zur Bestreitung der durch die soziale Fürsorge erwachsenden Ausgaben. Stinnes hat danach ausgeführt, daß, wenn die neue Bank für das Rheinland die einzigen Zahlungsmittel schaffen sollte, dann würde das der Tod des wirtschaftl. Lebens von Deutschland sein. Der Acht-Stunden-Tag wäre nicht auf einer Zusammenkunft von Industriellen besprochen worden, weil das Sache der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sei (S. 41). 4. Volksverein und Schulorganisation: Diese beiden für das kath. Volk nicht nur, sondern für die gesamte dt. Bevölkerung so ungemein wertvoll wirkenden großen Organisationen, die die Aufmerksamkeit des Auslandes in hohem Maße in Anspruch nahmen, wurden eifrig gefördert. Der am 4. 1. in Homburg vom Zentralkomitee der Katholikenverslg. beschlossene Katholikentag für Köln war später von der Besatzungsbehörde verboten worden. Auf einer Parteiverslg. sprach Wirth. Besichtigung des von der SchO auf Betreiben Böhlers erworbenen Canisiushauses in der Reichsstr. in Düsseldorf; Essen bei Böhler mit Dechant, Pastor Grünter, Prälat Mosterts und dem vorzüglichen Gutmann.. Am 8. 1. Vortrag bei Kard. Schulte (im Text: Fischer) über den Vv; eine beim Kardinal abzuhaltende Vorstandssitzung wurde vereinbart. Vortrag in Brandenburg über Schulfragen (S. 42). Weitere Vorträge am 4. 2. in Hl. Familie-Berlin, 18.2. in Bitterfeld, 24. 2. in der Schönhauser Allee in Berlin, am 4. 3. in Lübeck. Im April wurden im RT mit den Parteien „Leitsätze aus dem Schulgesetzentwurf" besprochen; die Demokraten waren schwieriger zu behandeln als die SPD; eine Einigung gelang am 12. 4.; das Gesetz aber ist trotz vieler Mühe nie zustande gekommen. Am 10. 5. interessantes Erlebnis mit dem ev. Pfarrer von Wittenberg im Beisein des stets außerordentlich freundlichen Bischofs Klein von Paderborn (S. 43). In einer Verslg. in St. Hedwig-Berlin forderte Prälat Lichtenberg reichsrechtl. Regelung der Lehrerbildung; praktisch war das aber nicht durchzusetzen, vor allem wegen des Widerstandes der Bayern. Am 9. 7. Bericht über das Schulkompromiß an Bischof Berning, später auch an den Bischof von Freiburg, Durchschriften für die SchO und die Gräfin Tattenbach, damit auch die Bayern aufgeklärt sind und sich nicht beschweren. Im Oktober Aussprache mit Mitgliedern der ev. Elternbeiräte, die mir immer sehr willkommen ist, weil ich ... auf den Frieden beider Konfessionen stets großen Wert lege (S. 44). Im Nov. Art. für eine amerikan. Ztg. über die Rechte der Kirche in der RV gegen irrige Auffassungen unter den Katholiken Amerikas. Dadurch Verbindung mit ‚Uni<ted> Press, der Marx weitere Artikel geliefert hat, die auch das Ausw. Amt gern sah. 44¿ S., Masch.-Erstschrift. Stimmungsbericht Ende 1923 Vielleicht Redemanuskript (möglicherweise von Sept. 1923): Cuno demissionierte Aug. 1923 nach bedeutenden Erfolgen: beifällige Aufnahme des Memorandums vom 7.6. 23, Anerkennung der Rechtswidrigkeit der Ruhrbesetzung durch eine engl. Note, weitgehende Zustimmung der Parteien zu den Steuergesetzen; und dennoch erfolgte bald danach sein Sturz, weil sich die Meinung bei den Parteien des RT immer mehr festgesetzt hatte, die Reg. entwickele nicht genug „Aktivität"! Sie komme mit ihren Vorschlägen und Maßnahmen stets zu spät! Dieser Vorwurf ungerechtfertigt, weil der RT zuerst die dringend nötigen Steuern ablehnte (S. 1). Traurige polit. Erfahrungen des Z, obwohl es sich dem Ruf zur Regierungsverantwortung nicht versagt hatte. Deswegen interne Kritik; als andere Parteien Ministerämter erhielten, wurde jedoch der Mangel an größerer Aktivität beklagt. Warum hat kein Z-Mitglied eine Rede wie sie Stresemann über eine stärkere Belastung des Besitzes gehalten? Es ist etwas ganz anderes, wenn ein so bekanntes Mitglied der Partei von Bildung und Besitz von der Pflicht des Besitzenden dem Staatswesen und dem Volk gegenüber spricht! Diese Rede war eine Rechtfertigung der Politik eines Dr. Wirth, der deswegen - auch von eigenen Parteigenossen - angegriffen wurde und vor allem, als er das Wort der „Erfüllungspolitik" geprägt hatte und in die Gesetzgebung einführte (S. 2). Diese Politik haben Cuno und Stresemann fortgesetzt: Ethische Politik ist stets auch die richtige Politik! Vorwürfe gegen das Z wegen zu großer Bescheidenheit im Verlangen nach Ministersitzen namentlich aus Kreisen der BVP. Das z. Z. wohl schwierigste und verantwortungsvollste Ministerium ist das der Finanzen; es wäre eine allzu schwere Last für unsere Partei geworden, dieses Amt auf uns zu nehmen! (S. 3). Zunächst (hat Stresemann) den Ruhrkampf zu erledigen; das Ziel der Rheinbefreiung muß in erster Linie stehen; an der Spitze der innenpolit. Aufgaben steht der Wiederaufbau der völlig zerrütteten dt. Wirtschaft. Hinsichtlich des Ruhrkampfes hat Cuno allein auf England gerechnet: England ist nicht so stark. Z vertrat Einwirkung auf Frankreich selbst, zunächst inoffiziell. Stresemann hat bis jetzt eine glückliche Hand gehabt besonders in der Auslegung des Memorandums vom 7. 6. Poincaré muß jetzt zeigen, was er eigentlich will, ob Reparation oder Okkupation! Aktivität des Z - selbst von der SPD gefordert - wird für jetzt abgelehnt (S. 4). Der mit geradezu bewundernswerten Opfern der Arbeiterschaft durchgeführte passive Widerstand gegen die Ruhrbesetzung muß langsam abgebaut werden, weil der brutalen Gewalt böswilliger Feinde gegenüber die erhofften Wirkungen ausblieben; hierbei ist die Erfahrung und die Vorsicht eines Mannes wie Fuchs von großer Bedeutung. Erste Maßnahme ist Beschaffung von Lebensmitteln und der Winterkohlen für die in hoher Not befindliche Arbeiterschaft. Für die Wiederaufrichtung der zerrütteten Volkswirtschaft ist der Besitz mit aller Strenge zu Leistungen heranzuziehen (S. 5); die neuen Steuern treffen vor allem den Mittelstand und die Landwirtschaft; die eingeführte Kopfsteuer hat der Finanzminister nicht gewollt, jedoch die Industrie verlangt; auch die Kräfte der Industrie sind nicht unbegrenzt. Hauptschuld an der Teuerung tragen die fortgesetzt und geradezu wahnsinnig gesteigerten Kohlenpreise; dies wiederum Folge der steigenden Arbeiterlöhne; schärfere Beaufsichtigung des Vorgehens der Kartelle und Syndikate; z. Z. ist diesen Zusammenschlüssen allzu weiter freier Spielraum gegeben; Ausartung der Spekulation. Bereinigung des Staatshaushalts; Waisenhäuser, Krankenanstalten, Privatschulen u. ä. werden in ihrer Betätigung außerordentlich beschränkt und behindert werden! (S. 6). Hinsichtlich Währungsreform muß vor allem übertriebenem Optimismus gewarnt werden; eine Währung muß auf festem und zuverlässigem Fundament errichtet werden, wenn sie Bestand haben soll, und daran fehlt es bei uns leider noch vollständig! Es wird geradezu Übermenschliches von der Reg. verlangt; auch die Ratschläge der Sachverständigen führten vielfach nicht zum Ziel; Wirtschaft läßt sich nur ganz aushilfsweise durch Gesetze und Verordnungen regeln. Auch die SPD hat das nach vielen üblen Erfahrungen allmählich eingesehen (S. 7). Bei der allg. Notlage ist auch der Ruf nach einem „Diktator" laut geworden; das Richtige ist immer noch eine Reg. mit dem Vertrauen des RT, die mit Energie und Aktivität ausschließlich dem Interesse des allg. Wohles dient und sich nicht von Standesinteressen leiten läßt (S. 8). 8 S., Masch.-Erstschrift.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 55



Glückwünsche zur Reichskanzlerernennung


Enthält : 1923 Dez. 3 - Freiburg: Dr. Aengenheister, Gen.-Dir. der Bad. Bauern-Vereins-Organisation, beglückwünscht Marx. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. 1923 Dez. 1 - Berlin: Reichsminister a.D. H. F. Albert versichert Marx, wie sehr ich das Opfer, das Sie gebracht haben, zu würdigen weiß. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1923 Dez. 22 - Köln-Dellbrück: Franz Ballmeier versichert Marx, daß im Volk viel seiner gedacht wird. Eh. Unterschrift. Briefkarte, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 30 - Rietberg: Guardian P. Daniel Becker OFM namens des Franziskanerklosters. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. 1924 Jan. 1 - Kleve: Dr. Bergmann, Vors. des Verbandes der Vereine kath. Akademiker, an Marx: Der Verband erinnert sich mit Stolz und Freuden der Tatsache, daß Ew. Exzellenz der eigentliche Gründer unseres Verbandes waren, da Ew. Exzellenz die erste Verslg. nach Köln beriefen, auf der die Zusammenschließung kath. Akademikervereine zu einem Interessenkreise vorgenommen wurde. Die dadurch eingeleitete Bewegung führte zur Gründung des Kath. Akademikerverbandes. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. [19]23 Dez. 1 - Berlin: Beusch an Marx: Möge es Ihnen gelingen, Reich und Volk über den augenblickl. Tiefpunkt hinweg zu langsamem Wiederaufstieg zu führen. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 1 - Düsseldorf: Böhler namens der SchO: Wir alle wissen, daß Sie das so dornenvolle, verantwortungsschwere Amt in der heutigen Zeit aus treuester Pflichterfüllung heraus übernommen haben und bewundern Ihren Mut und Ihre Opferbereitschaft, mit der Sie unter Hintansetzung aller entgegenstehenden Gründe zum Wohle des Vaterlandes in die Bresche gesprungen sind. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen der SchO, Stempel. 1923 Dez. 27 - Eschweiler: Dechant Brand gratuliert Marx. Prof. Berg - Aachen aspiriert auf die von der Reg. zu besetzende Kölner Domherrenstelle. Kard. Schulte will wegen der vielen Bewerber keinen Einfluß geltend machen, hat Berg aber für den Fall seiner Berufung zum Dozenten der Missionswissenschaft an der Kölner Universität ausersehen, weil er GS des Aachener Missionsvereins für die höheren Schulen ist und kürzlich den 1. Band eines Buches ‚Die kath. Heidenmission als Kulturträger' herausgebracht hat. Geleitet hat Berg 16 Jahre in Aachen die Dienstbotenkongregation und erbaut das Mägdehaus. Jahrelang war er auch Präses der Kongregation für Herren gebildeter Stände und des kath. Kaufmannsvereins, nebenamtlich war er auch Studentenseelsorger, gründete die kath. Akademikervereinigung für Aachen und nahm mit Bergmann an der Errichtung des Verbandes der Akademikervereinigungen teil. Als Feldgeistlicher wurde er bald ins Große Hauptquartier berufen und vom Kaiser zum intimsten Verkehr herangezogen. Die Erzbischöfl. Behörde würde an Brands ehemaligem Kaplan eine hervorragende Arbeitskraft mit vielseitigen Talenten gewinnen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 4 - Bad Homburg: Landrat van Erckelens: Möge es mit Gottes Hilfe Ihrer Klugheit und polit. Geschicklichkeit gelingen, in letzter Stunde unser geliebtes Vaterland aus tiefster Not einer wenn auch schweren, so doch lichtvolleren Zukunft entgegenzufahren. Eh. Unterschrift. Briefkarte, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 13 - Köln: Dr. Ernst Esch als früherer Mitarbeiter der SchO: Dieses hervorragende Beispiel muß auf jeden, der es ernst und heilig mit Vaterland und Heimat nimmt, aneifernd wirken, auf dem Posten, auf den ihn das Geschick gestellt hat, auszuharren bis zum äußersten. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf., Kopfbogen ‚Der Dir. des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Univ. Köln. 1923 Dez. 4 - Rom: Eva Maria Gerth, geb. Marx: Ach wie sehnlich wünscht man, besonders wenn man, wie ich jetzt, in einem aufstrebenden Lande ist, daß doch auch für Dtschld. endlich die schreckliche Prüfung vorübergehen möge. Sie wohnt in der Nähe von S. Maria Maggiore, die soeben der König v. Spanien als erblicher Kanonikus besucht hat. Von Kard. Frühwirth soll sie Grüße und Glückwünsche übermitteln. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 1 - Wesseling b. Köln: Prof. L. Habrich, Vors. im Verein für christl. Erziehungswissenschaft, gratuliert mit einem Gefühl der Bewunderung und zugleich des Mitleides. Aber zugleich empfinde ich mit vielen Freunden eine hohe Befriedigung, die Geschicke unseres Vaterlandes in treuer und kundiger Hand zu wissen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 14 - Paderborn: Weihbischof Heinr. Hähling v. Lanzenauer mit Segenswünschen für die Arbeiten, die Sie in der Stunde höchster Not zum Nutzen des schwerbedrängten Vaterlandes so opferwillig auf sich genommen haben. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 22 - Köln: Hamacher drängt es, trotz der Glückwünsche Mönnigs mitzuteilen, wie dankbar es hier am Rhein und besonders in unserer Wählerschaft aufgenommen worden ist, daß gerade in Ihrer Person ein Mitglied der Z-Partei und ein Rheinländer sich zur Übernahme des schweren und verantwortungsvollen Amtes hingegeben hat. Diese Auffassung kam vor allen Dingen auch auf der am vergangenen Sonntag hier stattgefundenen Tagung des Kulturbeirates der Rhein. Z-Partei zum Ausdruck, wo der Vors. unter lebhaftester Zustimmung der Verslgs.-Teilnehmer erklären konnte, daß es ein Ruhmestitel für die Z-Partei und ein Beweis von heroischer, selbstloser Hingabe an das Vaterland sei, wenn in dieser Zeit der höchsten polit. und materiellen Not unseres Volkes sich Männer aus unseren Reihen bereit finden, ein solch dornenvolles Amt zu übernehmen. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Rhein. Z-Partei, Gen.-Sekretariat'. [19]23 Dez. 7 - Marburg: RA Henry bringt einen Glückwunsch im herkömmlichen Sinn nicht übers Herz. Möge es Ihnen beschieden sein, unser Volk nur einen kleinen Schritt aus seinem inneren und äußeren Elend herauszuführen. Das wird schon etwas wahrhaft Großes sein. Er gratuliert auch namens des KV. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 3 - Berlin-Dahlem: Hermes: Möge es Ihnen vergönnt sein, unser in tiefstem Elend verstricktes Volk dem Beginn eines allmählichen Aufstiegs entgegenzuführen. Am 22. 12. reist er zu einer Studien- und Informationsreise in die USA und stellt sich gern Marx zur Verfügung. Vor seiner Abreise sähe er gern, wenn die Fraktion seine Angelegenheit restlos klärte. Eh. Unterschrift. 3 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 1 - Schirgiswalde: BM Paul Hesslein gratuliert und berichtet über die schwierige polit. Lage in Sachsen. Das Ministerium Fellisch dürfte nur eine Zwischenlösung sein. Die herrschende äußere Ruhe darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Gegensätze ausgeglichen wären. Die Fehler des Reichskommissars Heinze dürfen sich keinesfalls wiederholen. Über die Übergriffe der Reichswehr darf man nicht sprechen, um nicht in „Schutzhaft" genommen zu werden. Marx wird sicherlich auch für Sachsen das Richtige treffen. Besonders schwer ist in Sachsen die Situation für alle diejenigen, die nicht Sozialisten sind, aber fest auf dem Boden einer gesunden Demokratie und auf dem Boden der republikan. Staatsform stehen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. [19]23 Dez. 25 - München: Generaloberarzt Dr. v. Heuß, 1. Vors. des Zentral-Ausschusses der kath. Elternvereinigungen Münchens, sieht von Glückwünschen ab, wünscht vielmehr nur Kraft zur Erfüllung der Aufgaben. Wir denken ja gar nicht daran, daß gewaltige Kämpfe mit Waffen die nächste Zukunft erfüllen sollen. Das wird noch Zeit haben müssen. Aber daran denken wir und davon sind unsere Herzen erfüllt, daß ein klärender Kampf der Geister einsetzen muß, der den Begriff der inneren Ruhe, der Pflichterfüllung bis zum äußersten, des gegenseitigen Verstehenwollens und der Anerkennung bisher erprobter Normen des staatl. und gesellschaftl. Leben zum Gegenstand haben muß. Mit den Leistungen der Elternvereinigungen ist er im allg. zufrieden. Eh. Unterschrift. 4 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 7 - Köln: K. Hoeber beglückwünscht Marx und trägt vor, daß Oberreg.-R. Dr. Wilh. Kisky, der seit Sept. als Vertreter des Ausw. Amtes vor allem mit der ausländ. Presse Beziehungen unterhält, infolge des Beamtenabbaus am 1. 1. abberufen werden soll. Ein ständiger Vertreter der Presseabt. der RR ist indessen in Köln von größter Wichtigkeit. Kisky hat z. B. während des Separatistenrummels sehr große Dienste geleistet. Sein Verbleiben wäre dringend geboten. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Köln. Volksztg.' 1923 Dez. 29 - Bad Driburg: Staatsminister a. D. Hoff beglückwünscht Marx, hofft, daß die von Bismarck noch begonnene Verkehrsverwaltung aufrechterhalten und daß die Entwertung der kleinen Geldanlagen in Reichs- und Staatspapieren nicht gerade die vaterlandsliebenden Kreise besonders hart treffen wird. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 2 - Düsseldorf: Landeshauptmann Horion: ... und es Ihnen gelingt, eine Lösung oder wenigstens Erleichterung für die schweren Nöte unseres Volkes zu finden und besonders auch die ernsten Fragen, die unser Rheinland berühren, der richtigen Lösung zuzuführen. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 2 - Bonn: Hermann Huhn. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, Kurzschrift. 1923 Dez. 12 - Kassel: Witwe Agnes Katterfeld, geb. Zündorf, als alte Bekannte von Marx' Eltern: Gewiß gehörte schon ein gewaltig großer Kölner Leichtsinn dazu, dieses Amt zu übernehmen. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig 1923 Dez. 3 - Bad Godesberg: August Keseberg als Jugend- und Studienfreund. Postkarte, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 11 - Brühl: Jos. Kneer erinnert, wie Marx als Student auf einem ‚Arminia'-Nikolausfest mangels Bierzeitung mit Verständnis und Gefühl das neueste Käsblättchen des heute noch unverwüstlichen Antun Meis vorlas nicht zur geringen herzl. Freude auch des anwesenden Gastes Georg Frhr. v. Hertling, damals noch Dozent der Philosophie in Bonn: 2 Reichskanzler, das hätte uns damals jemand sagen sollen, wenn auch beide zu den schönsten Hoffnungen berechtigten. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 7 - Freiburg: Msgr. Dr. Kreutz gratuliert namens des Dt. Caritasverbandes. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Der Präs. des Dt. Caritasverbandes'. 1923 Dez. 3 - Gardasee: Lange-Hegermann: Ich bin aufrichtig genug zu sagen, daß mir ein Z-Mann und insbesondere Sie für diese Aufgabe zu gut sind, nachdem so viele Kräfte den Reichswagen in den Sumpf gefahren haben. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 23 - Weimar: Alphons Lins, der Marx während der Nat.-Verslg. beherbergte, freut sich, daß schon die ersten Tage Ihrer Kanzlerschaft beruhigend gewirkt haben, und hofft, daß unsere armen Diasporaschulen nun bald aus ihrem Elend herauskommen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. [19]23 Dez. 3 - Kleinheubach: Fürst Löwenstein lädt Marx zum 3. 1. nach Homburg v. d. Höhe zur Sitzung des Zentralkomitees ein, will ihn aber ohne weiteres als entschuldigt erklären. Mit welcher lebhaften Teilnahme ich die Entwicklung der im übrigen recht traurigen Verhdlgn. in Berlin verfolgte, die schließlich dazu geführt haben, daß mein hochverehrter Präs. Marx die Leitung des Reiches in die Hand bekam, brauche ich nicht zu schildern. Was Ihre Person angeht, so paßt das Wort Teilnahme ganz in dem sonst üblichen Sinne. Ich war anfangs auch geneigt, in der Berufung eines und gar des führenden Z-Mannes eine unerfreul. Entscheidung zu sehen. Wer immer, so schien mir, jetzt das DR zu regieren hat, muß mit Niederlagen rechnen. Und <ich> dachte daran, daß die alte Türkei angeblich jedesmal einen christl. Großvezier ernannte, wenn sie einen demütigenden Frieden unterschreiben mußte. Dann aber sind meine Gedanken etwas westlich vom Balkan nach Österreich gewandert, ich habe an Seipel gedacht und die Wunder, die er dort in der Wüste gewirkt hat. Da ist dann das Vertrauen in mir gewachsen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Bogen mit eingeprägtem Namensmonogramm unter Fürstenhut. 1923 Dez. 20 - Köln: Marx' Schwester M. Antonia hat sich von Böhler über die neuen Verhältnisse berichten lassen. In Köln geht es Justizrat Josef Mies schlecht. Eh. Unterschrift. 2 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 30 - Köln: Konrektor Jacob Meffert als Gymnasialfreund. Eh. Unterschrift. 2¿ Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1924 Jan. 1 - Emmerich, Bonifatiushaus: Heinr. Meiß SJ, der Marx' besonders gedenkt. Eh. Unterschrift. 1¿ Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1923 Nov. 30 - Berlin: Anton Missong, persönl. Referent des Reichsarbeitsministers, versichert Anhänglichkeit. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. 1923 Dez. 21 - Mülhausen, Bez. Düsseldorf: M. Bonaventura, Provinzialoberin der Schwestern Unserer Lieben Frau, erspart sich den Glückwunsch, gedenkt aber besonders der Schulverdienste. Eh. Unterschrift. 1¿ S., eigenhädig Ausf., Kopfbogen. 1923 Dez. 5 - Oswego, New York, St. Paul's Rectory: Rektor Severin Müller beglückwünscht Marx. Eh. Unterschrift. 1¿ Halbseiten, eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 11 - Köln: Anna Nacken sendet Grüße; sie ist bei Porsch noch gemeldet; in Köln wohnt sie bei Ihrer Schwester Oberreg.-R. Conrad und hilft Frau Dr. Heyder bei den Wohlfahrtsküchen. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 11 - Flamersheim: Carl <Oesterlein>, Neffe von Marx, schildert auch die Marokkaner-Besatzung besonders in Euskirchen, die Separatisten, die Verkehrsschwierigkeiten, den in den Dörfern getroffenen Selbstschutz, die Arbeitslosigkeit, die Teuerung. Eh. Unterschrift. 6 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 18 - Monza: Luigi Santambrogio gratuliert. Eh. Unterschrift. Briefkarte, masch.-schriftl. Ausf., italienisch. [19]23 Dez. 6 - Freiburg: Schofer: Je schwerer die Zeiten, umso mehr wollen wir zusammenstehen und alles aufbieten, daß unserem Volk und Vaterland wieder bessere Zeiten erblühen. Eh. Unterschrift. 1¿ Halbseiten, masch.-schriftl. Ausf. Am Rande Stichworte für die Antwort. 1923 Dez. 11 - Radolfzell: Albert Schroff, Bezirksvors. der Z-Partei, namens einer Vertrauensmännerverslg. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1923 Dez. 11 - Klausenburg: Glückwünsche von Dr. Rudolf Schuller, Gustav Haupt, Casati, Drichter, Schreiber, Dr. Kirch, Dr. H. Müller, Rau, Dr. Jauernig, J. Marschall u. a. Eh. Unterschriften. Ansichtspostkarte. 1923 Dez. 5 - München: Andreas Schwerd, Vors. der SchO in Bayern, namens der Organisation. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf., Kopfbogen. [19]23 Dez. 3 - Essen-Borbeck: Maria Schwister, als Lehrerin schwer heimgesuchter Kinder in den besetzten Gebieten. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 22 - Würzburg: Dompropst Dr. Stahler enthält sich der Glückwünsche. Möge es Ihnen ... beschieden sein, Dtschld. vor dem Untergang zu retten; nach menschl. Ermessen scheint es ja unmöglich zu sein. Alle setzen ihre Hoffnung auf Marx und haben die Überzeugung: Entweder jetzt noch oder niemals mehr. Für Bayern konnte kein genehmerer Kanzler kommen. Hoffentlich haben Sie Ihr Augsburger faible für die bayer. Eigenart nicht verloren! Dann könnte ja vielleicht doch ein starkes Band gebunden werden, wenigstens ein stärkeres als das von Bamberg und Weimar. Er empfiehlt Marx den aus Trier vertriebenen Stadtbaurat Keith, der sich schon an Höfle gewandt hat. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 27 - Neapel: Alfredo Stendardo schickt Glückwünsche. Eh. Unterschrift. Ansichtspostkarte, eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 1 - Isny: Gräfin Tattenbach will nicht eigentlich Gratulant sein. Die geradezu verbrecherische Politik der Dt.-Nationalen, des sterbenden Protestantismus, auf der anderen Seite die Not, die ja ja naturgemäß die darbenden Massen radikalisiert, werden Ihre Stellung ungemein erschweren. Denn das Allheilmittel liegt nicht in Ihrer Hand, sondern in der Poincarés. Wenn wir nur wenigstens im Inneren wieder zu Ruhe und Ordnung kämen! Ich habe mich sehr über das Wort Leichts gefreut: „Ich kann den Ausdruck Ordnungszelle für Bayern nicht mehr in Anspruch nehmen." Freilich ist er ja keine von den schädl. Kräften in der BVP. Immerhin dürfe <!> vielleicht auch die tiefe Beschämung, die alle Bayern über die Vorkommnisse in München überkommen hat, dazu beigetragen haben, daß die BVP mit in Ihrem Kabinett vertreten ist. Ich freue mich persönlich ungemein darüber und gehe wohl auch nicht fehl in der Annahme, daß dieser erste Zusammenschluß der Katholiken unter Ihrer Führung einige Genugtuung bereiten muß. Vielleicht, ich wage es ja kaum noch zu hoffen, da ich weiß, wie groß der allenthalben aufgehäufte Sprengstoff ist, aber vielleicht bringen Sie uns gerade mit Ihrer Koalition doch auch ein Schulgesetz zustande, das unserem Vaterland zum Segen gereicht. Sie hofft, daß Marx Vors. der SchO bleibt, Böhler ist ja so geschickt. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, masch.-schriftl. Ausf. 1923 Dez. 24 - Mechernich: A. Thoma glückwünscht und berichtet Familienverhältnisse. Eh. Unterschrift. 3 Halbseiten, eigenhädig Ausf. [19]23 Dez. 1 - Neuwied: Robert Verkoyen gratuliert und schreibt über die Freude, die Dir. Kanitz und Gockel sowie Dechant Fuchs über die Ernennung erfüllt. Gestern in Köln: ja, das ist unser Marx, der früher hier war. Er hofft, daß das Rheinland auch bald wertbeständiges Geld bekommt, eine Rentenmark, hat er noch nicht gesehen. Eh. Unterschrift mit dem Vornamen. 4 S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. [19]23 Dez. 3 - München: Knappschaftsdir. Ludwig Vogel beglückwünscht Marx, die Ernennung ist besonders in Bayern sympathisch aufgenommen worden. Eh. Unterschrift. 3 S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. 1923 Dez. 1 - M.-Gladbach: Volksvereinshaus telegraphiert: Gott helfe Ihnen, das Vaterland zu einigen. Postausfertigung. Dabei Text des Antwortschreibens. [19]23 Dez. 3 - München: Constantin Voppel SJ gratuliert in Erinnerung an Marx' Teilnahme am Berliner Tag der Dt. Jugendkraft. Eh. Unterschrift. 1¿ Halbseiten, masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Stimmen der Zeit'. [19]23 Dez. 17 - z. Z. Berlin-Charlottenburg: Die Malerin Grete Waldau glückwünscht und erinnert an ihre Vorhersage. Eh. Unterschrift. 3 Halbseiten, eigenhädig Ausf. o. D. - Berlin: Stadtrat a. D. Wedekind gratuliert als Mietnachbar. Eh. Ausf. auf Besuchskarte. 1923 Dez. 30 - Bleyerheide bei Aachen: Generalsuperior Athanasius Wietmann namens der Genossenschaft der Armen Brüder vom hl. Franziskus Seraphikus. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf. Dabei Durchschrift des Antwortschreibens von Marx, 1 S. 1923 Dez. 3 - Düsseldorf: Johannes Wintgen gratuliert. 1 S., eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 18 - Eschweiler: Eine Verwandte Annchen mit Anerkennung für den großen Mut. Eh. Unterschrift mit dem Vornamen. 2¿ S., eigenhädig Ausf.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 56
Altsignatur : 56



Berufung zum Reichskanzler; das 1. und 2. Kabinett Marx, die Londoner Konferenz


Enthält : Erinnerungsbericht (geschrieben Juli 1933): Die Franzosen hatten mit der Besetzung der Ruhr die Hand an die Gurgel Dtschlds. gelegt. Unter Cuno hatte man durch den musterhaft durchgeführten passiven Widerstand ... heroische Taten ersten Ranges vollzogen, deren sich in erster Linie die industrielle Arbeiterschaft rühmen kann; von hochidealen, edelgesinnten Männern wie Schlageter wurden Heldentaten vollbracht, die höchsten Ruhmes würdig sind. Die Großindustrie drohte zu erliegen; um eine Massenarbeitslosigkeit zu verhindern, sah sich die RR genötigt, den Unternehmern für die Weiterführung ihrer Betriebe in großem Umfange Schadloshaltung zu versprechen. Dazu die wahnsinnige Formen annehmende Geldentwertung (S. 1). Cuno war auf etwas merkwürdige Art gestürzt worden. In einer Unterredung wenige Tage vor seinem Rücktritt hatte er Marx offen gefragt, ob das Z, wie er vermute, ihn stürzen wolle; Marx versicherte, daß davon keine Rede sein könnte. Am Tage<!> seines Sturzes rief er wegen eines scharfen ‚Germania'-Art. frühmorgens Marx an, der weder Art. noch Verf. kannte, aber der Sache nachgehen wollte. Anscheinend ist er (Cuno) dann kurz danach zu RP Ebert gegangen und hat seinen Rücktritt erklärt. Als Stresemann als RK gegen sich scharfe Gegnerschaft im RT bemerkte, wollte er nicht zurücktreten, sondern in offener Feldschlacht die Gegner herausfordern. Sein Vertrauensantrag wurde aber am 23. 11. abgelehnt. Nur zweimal waren nach 1919 RK so gestürzt worden; Marx' Rücktrittsgründe von 1925 und 1928 (S. 2). Ebert beauftragte am 23. 11. zunächst Curtius <!>, dann v. Kardorff, einen tüchtigen und zuverlässigen Charakter, der vom Z unterstützt wurde. Er scheiterte am Widerstand der DNVP. Am 24. 11. erklärte der RP an Marx: es komme jetzt alles auf das Z an; die Aufforderung zur Reg.-Bildung beantwortete er mit dem Namen v. Kardorff. Als Ebert sehr eindringlich während einer Vorstandssitzung anrief, ging Fehrenbach zu ihm. Abends ging Marx nach der Unterhaltung mit v. Kardorff sehr geknickt nach Hause (S. 3). Jarres und Minister Albert wurden abgelehnt; Stegerwalds Kabinettsversuch scheiterte wegen der DNVP, die bei dieser Gelegenheit einige Ministersitze in Preußen herauszuschlagen versuchte. Recht charakteristisch für diese Herren, die später gegen mich besonders den Vorwurf erhoben, ich sei einer der ehrgeizigsten Menschen und habe stets den Ehrgeiz, immer wieder neue Ämter zu erhalten, sobald ich aus einem Amt geschieden sei! Spieckers Broschüre ‚Ein Jahr Marx'; Presseurteile bei Reg.-Antritt. Die Lage des Reiches, dessen Rettung als geschlossener Staat allg. bezweifelt wurde. Luther etwa bat mit aller Dringlichkeit um seine Entlassung, obwohl er sich nur in einem geschäftsführenden, schon gestürzten Kabinett befand (S. 4). Die Leistungen der Großen Koalition Stresemanns. Die Aufstände in Sachsen, Thüringen und Bayern ließen eine Revolution befürchten. Die Aufgaben des Kabinetts: in der Außenpolitik der Versuch, wieder zu aussichtsreichen Verhdlgn. mit der Entente zu gelangen, die Räumung an der Ruhr zu erwirken, - dann die Inflation zu bändigen und die Währung zu stabilisieren, - endlich die Wirtschaft wieder so weit wie möglich zur Gesundung zu bringen und in Verbindung damit, den Etat auszugleichen. Zusammensetzung des Kabinetts aus alten und neuen Ministern. Nach fieberhafter Kabinettsarbeit am 4. 12. Reg.-Erklärung. Man war entschlossen, ein Ermächtigungsgesetz zu erlangen, damit die RR freie Hand erhielte (S. 5), unabhängig von dem Meinungsstreit der Parteien das zu tun und zu beschließen, was ihr nach ihrem pflichtmäßigen Ermessen das Richtige und Nötige zu sein schien. Die Parteien waren offenbar von der Furchtbarkeit der Stunde überzeugt; die Befreiung von der Verantwortung für drakonische Bestimmungen war ihnen vielleicht ganz lieb. Erlaß des Ermächtigungsgesetzes am 8. 12. 1923 und Marx' Rechenschaftsbericht im RT am 26. 2. 1924: Den Stein der Weisen haben wir nicht entdeckt. In der Folge hatte die Opposition durch Sonderanträge das Verordnungswerk durchlöchert. Vor der entscheidenden Abstimmung gab der RP deshalb die Einwilligung zur Auflösung des RT. Da die RR kein Mißtrauensvotum erhalten hatte, blieb sie vollberechtigt und traf sogar neue Maßnahmen ohne Behinderung durch Eingriffe des RT. In den Wahlkampf griff sie kräftig ein (S. 6). Schwerpunkte der Agitation waren die außenpolit. Lage und vor allem das Sachverständigengutachten. Die Wahl am 4. 5. brachte der Opposition eine starke Zunahme. Ausgleichung dieser ungünstigen Verschiebung durch die Niederlage Poincarés in Frankreich. Die DNVP erstrebte nach den Wahlen die Reg. Hergts „Deutsch-nationales Reg.-Programm" im ‚Berliner Lokal-Anzeiger': Wille des dt. Volkes nach einer starken Hand; in der Außenpolitik müsse eine befriedigende Lösung durch schleunige Verständigung herbeigeführt werden; gegenüber dem Sachverständigengutachten kein rundes „Unannehmbar". Tirpitz sollte RK werden (S. 7); die ausländ. Presse diskutierte sofort, ob mit diesem eine Verständigung zu erzielen sei. Am 15.5. verlangte die DNVP, daß die RR alsbald zurücktrete; sie erhob Einspruch gegen die Vorlage von Gesetzentwürfen zur Durchführung des Gutachtens und sogar gegen Erklärungen gegenüber der Reparationskommission über ihren Standpunkt zum Gutachten. Die RR ließ dagegen amtlich mitteilen, nicht vor Zusammentritt des RT die Geschäfte niederzulegen und bis dahin Dtschld. in allen Verhdlgn. pflicht- und rechtmäßig zu vertreten. Gegenüber der zu erwartenden Gegnerschaft wollte Stresemann DDP, Z, BVP und DVP zu einem „Nationalen Block der Mitte" zusammenfassen, was sich bald als unmöglich erwies. Die Sturzbemühungen der DNVP fanden recht sonderbare Unterstützung bei der DVP; auch in anderen Fällen eine merkwürdige Unzuverlässigkeit dieser Partei. Stresemann hatte oft darüber geklagt, wie auch sein Tod im Zusammenhang stand mit einer erregten Fraktionssitzung der DVP (S. 8). Der neugewählte RT trat am 27. 5. zusammen; die KPD verübte großen Unfug, den Alterspräs. Bock (SPD) nicht hindern konnte. Am gleichen Tage erklärte die RR dem RP ihren Rücktritt. Obwohl das allen im RT als bevorstehend bekannt gewesen sein dürfte, forderte die DVP am 26. 5. den Rücktritt des Kabinetts, um die Bahn frei zu machen für die verfassungsmäßige Aufgabe des RP, eine den neuen parlamentar. Verhältnissen entsprechende Reg.-Bildung herbeizuführen. Es ist nicht mit histor. Treue aufzuklären, aber es spricht vieles dafür, daß der erst später an demselben Abend gefaßte Beschluß der Deutsch-Nationalen, der an recht großer Unklarheit leidet, durch diesen Beschluß der DVP stark beeinflußt worden ist; die DNVP wollte eine gewisse Kontinuität mit der abtretenden Reg. gewahrt wissen, es dürften aber auch nicht die dt. Unterhändler mit gebundenen Händen dem Ausland gegenübergestellt werden. Die Mittelparteien beschlossen noch am Abend des 27. 5. ihre „Richtlinien für die Außenpolitik" als Antwort auf den Beschluß der DNVP. Die mehrtägigen Verhdlgn. - verschuldet durch die unsichere Haltung von DNVP und DVP - hatten im Ausland unangenehme Folgen (S. 9). Die DNVP beschloß am 30. 5.: sie vermöchten nicht darauf zu verzichten, daß in der auswärtigen und inneren Politik des Reiches eine Kursänderung erfolge und daß hierfür bei der Reg.-Bildung sichtbare Garantien geschaffen würden; sie hielt an Tirpitz fest, den die Mittelparteien verwarfen; dann verlangten sie wenigstens das Ausscheiden Stresemanns. Die DVP hatte nicht den Mut, eine energische Antwort zu geben, sondern überließ es großmütig Herrn Dr. Stresemann selbst, die Entscheidung zu treffen. Dieser schrieb Marx: an seiner Person dürfe das Zustandekommen einer Regierung nicht scheitern. Ich war nun nahe an der Grenze des Erträglichen und erwiderte, daß ich, schon um im Ausland jedes Mißtrauen zu vermeiden, im Außenministerium keine Änderung eintreten lassen dürfe. Dann trat auch die DVP wieder energisch für ihren Mann ein! Ich sah ein, daß nunmehr nicht weiter gefackelt werden dürfe. Ich stellte das frühere Kabinett wieder zusammen und trat am 4. 6. vor den RT. Die Feiertage sorgten für Abkürzung der Debatten; nach dem Vorangegangenen unerwartet wurde der Mißtrauensantrag der DNVP abgelehnt; die BVP war nicht mehr im Kabinett, aber stimmte zu. Die Reg.-Erklärung erhielt ebenfalls eine Mehrheit; daraufhin konnten Dawes-Plan, Einrichtung einer Goldbank und Umgestaltung des Eisenbahnwesens in Ruhe vorbereitet werden. Die BVP wollte übrigens keiner Reg. ohne Minister der DNVP angehören (S. 10). Von Herriot konnte man im allg. annehmen, daß er zum Frieden geneigt sei. Besuch in Wien bei Seipel im März 1924 und das auf diesen verübte Attentat am 1. 6. 24. Sollmann (SPD) analysierte am 22. 5. im ‚Vorwärts' den Wahlwillen des besetzten Gebietes: Ehrliche Erfüllungspolitik und Widerstand gegen alle außenpolit. Abenteuer! Die ‚Kreuzzeitung' vom 13. 5. prophezeite keine Änderung in den Zielen der frz. Politik, höchstens in den Methoden (S. 11). In einer Unterredung mit der ‚Morning Post' bestätigte am 15.5. Herriot: Frankreich muß und will, wenn selbst ein dauernder Friede hergestellt wird, seine Kriegsbündnisse bewahren, um dem Angriff des Deutschtums Widerstand leisten zu können. ‚New York World' nannte die Benennung von Tirpitz als Kanzler eine Torheit. ‚New York Sun' erwartete für Marx mehr Erfolge als für Tirpitz in den Annäherungen MacDonalds und Herriots zu Berlin. Mitten in den Verhdlgn. über die Kabinettsbildung am Morgen des 28. 5. ganz früh, vielleicht gegen 9 Uhr oder 9¿ Uhr, erschien Hergt unerwartet in der Reichskanzlei und sagte mir, er habe gehört, daß ich auf eine weitere Kanzlerschaft verzichten wolle. Er sei bereit, das Amt zu übernehmen. Ich solle das dem RP sagen. - Ich war nicht wenig über diese Neuigkeit erstaunt, sagte aber Hergt: ich könne (S. 12) selbstverständlich keine Entscheidung treffen, ohne daß meine Parteifreunde dazu gehört worden seien. Hergt möchte doch einfach nach dem RT fahren und dort mit Herrn v. Guérard oder Fehrenbach sprechen. Hergt hat dies dann auch getan, hat aber dort eine solche Auskunft erhalten, daß er erkannte, er habe sich doch gründlich geirrt! Tod von Marx' Schwester, Mater Antonia, im Ursulinenkloster in Köln am 27. 5. Das zweite Kabinett Marx im Jahre 1924: Hauptaufgabe war die Beratung über die Ausführung des Dawes-Planes, der auf der Konferenz von London zur Annahme gestellt war, worin die Reg.-Parteien den einzigen Weg zur Rettung Dtschlds. sahen (S. 13). In Paris hatten die erstklassigsten Sachverständigen der Welt unter Vorsitz von Dawes (der zwar niemals General war, aber nun einmal diesen Titel führte) einen Plan zur Lösung der Reparationsfrage entworfen, der ganz selbstverständlich einer Konferenz der beteiligten Mächte zur Beratung unterbreitet werden sollte. Die RR beschloß, den Sachverständigen bei ihrem Dtschld.-Besuch rückhaltlos alles zu zeigen und zu erklären, was verlangt und gefragt werden würde; ihre Ankunft wurde mit der größten Spannung erwartet. Kurze Begrüßung von Marx in der Reichskanzlei und kurze Erwiderung von Dawes; bei der Vorstellung lernte ich eigentlich zuerst, was Haß bedeutet! Ich muß sagen, ich war entsetzt über den Haß, der aus den Augen einiger Sachverständiger mir entgegenblitzte. Ganz besonders fiel mir der Banquier Franqui aus Brüssel auf. Danach hatte Marx in seinem rheinischen Herzen zunächst eine Einladung zu einem Glas Wein erwogen, aber er machte Kehrt und ging ins Zimmer zurück, gefolgt von Luther und Stresemann, die auch keine Antwort auf die Frage, ob das Verhalten richtig wäre, wußten (S. 14). Ein Min.-Dir. sondierte später: Ich hätte sie wohl etwas stark kaltschnäuzig behandelt, aber es wäre gut so gewesen. Die Sachverständigen zeigten bald, daß sie von besonderer Güte waren. Sie machten reichlich Gebrauch von den ihnen angebotenen Möglichkeiten; vor allem hatte Oeser eine Unmenge von Statistiken über den Eisenbahnverkehr aufstellen lassen. In der Abschiedsaudienz anerkannte Dawes die außerordentliche Offenheit der RR: Wenn auch in auswärtigen Blättern Gegenteiliges gestanden hätte, so entspreche das nicht der Meinung der Sachverständigen. Plötzlich hatte Dawes gesagt: Es wäre mir lieb, wenn Sie, Herr RK, mir einmal die Frage beantworten würden: wie denken Sie über (S. 15) die Zukunft Dtschlds. und der Staaten die mit ihm im Kriege gestanden haben? Marx entgegnete, daß dies wohl nicht zu den Aufgaben der jetzigen Aussprache gehörte, daß er auch kein gut überdachtes Programm, sondern nur einige Gedanken vortragen könnte. Dawes erklärte sich einverstanden, an Unangenehmem keinen Anstoß zu nehmen. Darauf Marx: Er (Dawes) wisse, daß ich katholisch sei und von diesem Weltanschauungsstandpunkt manche Dinge anders auffasse, als das gewöhnlich geschehe. Als Katholik sehe ich die Fügung Gottes in allem Weltgeschehen, so auch im Weltkriege und in seinen Folgen. Der Friedensvertrag von Versailles sei nach meiner Überzeugung das größte Unrecht, das wohl seit Jahrhunderten einem zugefügt worden sei. Man habe Dtschld. einfach mit der Pistole in der Hand gezwungen, einen Frieden anzunehmen, der absolut ungerechte und in sich der Wahrheit widersprechende Bedingungen zu Anerkenntnissen enthalte, wie z. B. die Schuldlüge. Man werde jetzt in Verfolg des Friedensvertrages Millionen und Milliarden von uns verlangen. Wir als ein völlig waffenloses und wehrloses Volk würden zahlen müssen weit über das gerechte Maß hinaus. Wir würden zahlen bis an die Grenze des Erträglichen und vielleicht noch darüber hinaus. Wir würden versuchen, zu zahlen, was möglich wäre. Denn was bliebe uns anders übrig, wenn wir unser Weiterbestehen als Volk und Nation ermöglichen wollten! Wir kämpften um unser nacktes Leben! Die Milliarden, die man uns wiederum mit der Pistole abzwingen würde, würden aber auch den Empfängern nicht zum Segen gereichen! An dem Gelde klebe der Fluch Gottes. Die Strafe des begangenen Unrechts werde sich zeigen. Auch der Entente werde das Geld nicht wirtschaftl. Aufstieg bringen. Auch sie würde schweren Zeiten wirtschaftl. Not entgegen gehen. Das uns abgerungene Geld werde auch ihr zum Fluche gereichen! Freundschaftlicher Abschied (S. 16). Rufus Dawes, Großindustrieller (1933 Vorsitzender des vorbereitenden Komitees der Weltausstellung in Chicago), äußerte etwa ein Jahr später bei einem Frühstück bei Ebert, daß auf seinen Bruder Marx' Worte großen Eindruck machten, so daß er sie sofort zu Papier brachte und sie in seinem Wahlkampf um die Vizepräsidentschaft der USA benutzte. In Basel hatte 1931 der sog. Sonderausschuß festgestellt, daß die ungeheuren Reparationslasten geradezu zerstörend auf die Wirtschaft der Welt und insbesondere Dtschlds. eingewirkt hätten! Die Konferenz von London:Für die RR war es selbstredend eine Gewissensfrage, die in Aussicht stehende Londoner Konferenz möglichst sorgfältig vorzubereiten unter Zurücksetzung anderer Fragen (S. 17). Marx äußerte seine Ziele, Hoffnungen und Wünsche auf einer Pressekonferenz am 13. 7. Der auf Veranlassung von Prof. Meinecke für das Reichsarchiv niedergelegte feuilletonistische Bericht. Die Konferenz hatte im großen und ganzen Friedensgeist verraten. Der Gedanke, mehr wie bisher Streitigkeiten der Nationen durch Schiedsgerichte entscheiden zu lassen, war stark in den Vordergrund getreten. Die mit dem 23. 8. beginnenden Verhdlgn. des RT gehören für Marx zu den traurigsten Erfahrungen und Erlebnissen: Scheu der Parteien und ihrer Führer vor jeder Verantwortung! Unsicheres Hin- und Herschwanken, wo nur sicheres und festes Auftreten den Erfolg gesichert hätte! Streben nach Beteiligung an der Reg., aber unter Nichtachtung (S. 18) dessen, was das allg. Wohl an Opfern von den einzelnen Parteien, gleichviel wie sie zu der Staatsform als solcher standen, verlangen mußte. Einleitungsrede im RT ohne Ruhmredigkeit und Selbstbefriedigung; die Lasten des Vertrages wurden nicht verkleinert, die Fortschritte aber auch nicht verdunkelt. Die finanziellen Leistungen schienen unvollziehbar, sie waren wohl auch unerfüllbar, zumal kein Endtermin festgesetzt worden war (S. 19). Wir wollen doch ganz offen reden: was blieb uns anders übrig, als die dargebotene Hand der Verständigung anzunehmen, wenn es auch noch so schwer wurde? Wir waren doch fertig! Die Besetzung der Ruhr war doch auf die Dauer unerträglich: sie mußte aufgehoben werden, wenn nicht die ganze dt. Wirtschaft zum Erliegen kommen sollte! Fehrenbachs und Simons „Nein" in Spaa brachte ihnen zwar Empfänge mit frenetischem Jubel, aber der RR später weit schlimmere Bedingungen: Ein wehrloses Volk muß eben, naturnotwendig Schweres auf sich nehmen, um zum Wiederaufstieg zu gelangen! Das verhehlte sich auch die Opposition im RT nicht, die DNVP fiel bei der Abstimmung über die Londoner Abmachungen in zwei Hälften auseinander (S. 20). 20 S. (weitergezählte Fortsetzungen in Nr. 62, 63), Erstschrift von Maschinenschreiben mit eigenhädig Zusätzen, Verweisen und Verbesserungen; dieeigenhädig. Unterstreichungen sind vernachlässigt worden. Zusatz 1: Besuch des früheren Reichskommissars für das besetzte Gebiet Frhrn. Langwerth v. Simmern (geschrieben 1935 Febr. 4): Bis 1925 war v. Simmern - später als Rheinlandkommissar in nicht ungefährlicher Nähe zu Tirard höchsten Lobes würdig - Gesandter in Madrid. Um Marx eine kleine Freude nach all dem Schweren zu machen, erzählte er, daß Ende 1924 der span. König geäußert hätte, daß Dtschld. nicht Stresemann die allg. Beruhigung der zur Entente gehörenden Staaten zu verdanken hat. Das ist RK Marx, der durch sein Auftreten in London die dortigen Delegierten zu der Überzeugung gebracht hat, daß man ihm und seinen Worten volles Vertrauen schenken könne. Jetzt wird man mit Dtschld. recht gerne in weitere Verhdlgn. eintreten. Marx: Mein Kölner Wesen sei der Grund des Vertrauens. 1 S., Erstschrift von Maschinenschreiben mit eigenhädig Verbesserungen. Zusatz 2: Äußerung des früheren Ministerpräsidenten Herriot (geschrieben August 1935): Bei einem Empfang einer Abordnung dt. Frontkämpfer - die besten Vorkämpfer für eine Verständigung der Nationen, insbesondere für eine zwischen Dtschld. und Frankreich - hatte am 22. 7. 1935 Herriot in seiner Ansprache darauf hingewiesen, daß einmal schon das Verhältnis Frankreichs und Deutschlands ein sehr freundliches und vertrauensvolles gewesen sei; das sei der Fall gewesen, als Marx RK gewesen sei. Damals sei der Londoner Vertrag zustande gekommen. Diese Äußerung wurde in der Presse unterdrückt, ist aber Marx von durchaus glaubwürdiger Seite mitgeteilt worden. 1 S., Erstschrift von Maschinenschreiben.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 57
Altsignatur : 57



1. 12. 1923 - 26. 5.1924
Erstes Kabinett vom 1. 12. 1923 - 26. 5.1924


Enthält : o. D. <wahrscheinlich 1923 Nov. 28>: Aufzeichnung: Die DNVP ist bereit, in ein bürgerl. Koalitionskabinett Stegerwald einzutreten, wenn 1. die Dt.-Nationalen in diesem Kabinett durch den Vizekanzler und, diesen eingeschlossen, in einer ihrer Stärke entsprechenden Weise vertreten <sind>, 2. ausreichende Sicherheiten dafür vorliegen, daß anstelle der Großen Koalition in Preußen eine bürgerl. Koalition einschließlich der Dt.-Nationalen herbeigeführt wird, bei der die letzteren in einer ihrer Bedeutung entsprechenden Weise vertreten sind. ¿ S., masch.-schriftl. Kopfbogen ‚RT', ohne Beglaubigung. 1923 Nov. 28 - Berlin: Stresemann dankt für Marx' Zeilen anläßlich des Rücktritts als RK und die Würdigung der Kanzlerschaft durch die Z-Fraktion. Ihr ruhiges, abwägendes und leidenschaftsloses Urteil, das den Dingen auf den Grund ging und ihnen gerecht zu werden versuchte, ist mir stets von besonderer Bedeutung gewesen, ebenso Marx' Ausschaltung der Parteipolitik. Er hat Stegerwald die Übernahme des Außenministeriums wesentlich auf Veranlassung des Fraktions- beschlusses und Marx' Brief zugesagt; Genugtuung, daß diejenigen Herren, die in Bezug auf die Gesamtpolitik kritisch eingestellt waren, wie Herr ten Hompel, die Fortführung der Außenpolitik durch mich als wünschenswert ansehen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1923 Nov. 29: Aufzeichnung von Marx über Unterredung im LT: Dr. PORSCH: Die augenblickl. Koal(ition) in Preußen ist e(ine) Sicherh(ei)t für d(as) Minist(erium) im Reich - namentlich für Stegerw(ald). Die Aufl(ö)s(un)g der preuß. K(oalition) würde e(ine) Gefährdung darstellen. Die bürgerl. Reg. im Reich u(nd) die jetzige Koal(ition) bilden zus(ammen) die Vertretung des Volkes, wie sie wünschenswert wäre. Unruhe in Preußen treibt die Soz(ialdemokratie) zu den Communisten u(nd) das Volk auf die Straße! - Verhdlgn. im Arb(ei)tsminist(erium) über Arbeitszeit w(erden) gefährdet, falls Koal(ition) zerstört u(nd) Bürgerblock zustande gek(ommen) ist. BLANK befriedigt über die Ausführungen v. Guérard<s> über die Gründe, die zur Aufstellung Stegerwald geführt haben. Dr. HAGER spricht für Beibehalt(un)g der K(oalition). Reg. von SPD und DDP ist zu befürchten. Wir wollen die Aufl(ö)s(un)g der K(oalition) nicht für alle Zeit ablehnen. STIELER: Die Aufl(ö)s(un)g käme für uns in Frage, wenn die SPD e(ine) scharfe Opposition treiben würde gegen Z-Kanzler. Gerade im kommenden Winter ist e(in) sozialdemokrat. Innenminister unentbehrlich. L<Ö>NARTZ: Verantwortlichkeit der LT-Fraktion ganz ungeheuer. Frage wegen Aufl(ö)s(un)g u(nd) ob gegenwärtig der Versuch als der letzte zu betrachten sei. Von mir verneint! CÖLLGEN gegen Aufl(ö)s(un)g der K(oalition). Frau HESSBERGER warnt vor Aufl(ö)s(un)g wegen der zu erwartenden Unruhen. BERGMANN ebenso, aber Bedenken gegen den Satz: „Begrüßt das Zustandek(ommen) unter Stegerwald"; es soll heißen: „Es wird als notwendig anerkannt". DIEL stimmt Dr. Porsch zu. 1¿ Halbseiten, eigenhädig 1923 Nov. 29 - Berlin: Schiele kündigt auf Marx' in einer Besprechung von soeben gemachtes Angebot schließliche Antwort für den anderen Tag vormittags an. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚RT'. 1923 Nov. 30 - Berlin: Schiele schreibt: Marx' im Entstehen begriffenes Kabinett bietet bei der Schwäche seiner parlamentar. Stellung und nach seiner Zusammensetzung mir nicht die Gewähr, als Ernährungsminister die polit. und wirtschaftl. Erfolge zu erzielen, die das dt. Volk und meine polit. Freunde von mir erwarten dürfen. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚RT', eigenhädig Verbesserung. 1923 Nov. 30 - Berlin: Koeth lehnt gegenüber Marx das mich in hohem Maße ehrende Anerbieten, das Verkehrsministerium zur Überleitung <der Reichsbahn> in einen privatwirtschaftl. Betrieb zu übernehmen, ab, weil ich mich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühle. Eh. Unterschrift. ¿ S., eigenhädig Ausf., Kopfbogen ‚Der Reichswirtschaftsminister'. 1923 Nov. 30 - Berlin: Ad. Sarter, Min.-R. im Verkehrsministerium, bezweifelt bei Marx, daß bei der Reichsbahn ein Wechsel in der Leitung zuträglich ist. Minister Oeser hat unser aller vollstes Vertrauen. Er hat den Blick und die Tatkraft für die Reformen, die wir brauchen ... Den Beamten- und Arbeiterabbau ... trägt das Personal unter Minister Oeser verhältnismäßig willig. Die höhere Beamtenschaft hört auf ihn. Denselben Standpunkt vertreten die maßgebendsten Herren des Ministeriums wie der Direktionen, auch Präs. Wulff-Berlin (wie Sarter ein Z-Mann). Im Ausgleich mit Bayern hat Oeser entscheidende Schritte getan, die einer Lösung den Weg bahnen. Er ist gerade in der Paritätsfrage (die beim Beamtenabbau und nach Verlust von Rhein- und Ruhrbahnen besonders dringend ist) zu großem Entgegenkommen bereit. Eh. Unterschrift. 2¿ S., eigenhädig Ausf. o. D.: 5 Notizzettel von Marx über Sachfragen, über die offenbar bei der Kabinettsbildung verhandelt worden ist: Ausklammerung sozialpolit. Fragen aus der Ermächtigungsgesetzgebung, außenpolit. Stellungnahmen von Hilferding, Scholz, Müller [-Franken], Petersen und Stresemann, der außerdem eventuelle Auflösung des RT und Unterbleiben von Wahlen vorschlägt. Ferner soll die RR in allen wichtigen Produktionszweigen die Arbeitszeit der Vorkriegszeit durchsetzen; allgemein werden Forderungen an die Personen von Landwirtschafts-, Finanz- und Ernährungsminister erörtert. Schließlich werden die Schwierigkeiten einer Ernennung von Jarres und insbesondere die ausschließlich auf Verhdlgn. eingerichtete Außenpolitik Stresemanns erwogen. Die Gültigkeit des Versailler Vertrages nach dem Ruhreinbruch und die Verhältnisse in Preußen werden diskutiert. Äußerungen von Scholz, Hergt, Wirth, Bell. 3 Halbseiten, eigenhädig, und 2 Halbseiten in Kurzschrift. 1923 Nov. 30 - Breslau: Oberstaatsanwalt Schulte an Marx: Zur Übernahme des Auftrages zur Bildung der Reg. will ich Sie nicht beglückwünschen, denn ich weiß oder kann mir doch vorstellen, wie schwer es Ihnen geworden ist, dem Wunsch des Herrn RP, der sich ja von vornherein an Sie gewandt hatte, zu entsprechen. Ich war mir aber schon am Ende der vorigen Woche bei meiner Abreise klar, daß es so kommen müsse, wenn, was zu erwarten stand, v. Kardorff an dem Widerstand der DNVP scheiterte. Wegen des Intermezzos mit Stegerwald war ich in großer Sorge, weil ich seine Methoden von der preuß. Ministerpräsidentschaft her kenne und weil mir auch seine Parteizuverlässigkeit aus verschiedenen Anlässen keineswegs über allen Zweifel erhaben erscheint. Das große Vertrauen der Dt.-Nationalen und der Gedanke einer „Partei Stegerwald" sind jedenfalls nicht von selbst entstanden, und ich bin überzeugt, daß auch die Gewerkschafter unserer Partei es lieber sehen, wenn er sich mit aller Kraft seiner Bewegung und Organisation widmet. Eine spätere Zeit wird es Ihnen Dank wissen, daß Sie sich in der jetzigen, m. E. schwersten und gefährlichsten Krise nach der Revolution dem Reich zur Verfügung gestellt haben. Im Hinblick auf das trostlose Geschick des Reiches, das den jetzigen Zustand auch auf Tage hin einfach nicht mehr ertragen konnte, und im Hinblick auf die Aufgabe unserer Partei, ihre Politik dem Gesamtwohl der Nation auch unter größten eigenen Opfern unterzuordnen, dankt Schulte für Marx' Entschluß, der auf mich in den Sorgen dieser Tage wie eine Erlösung gewirkt hat. Was ich für die conditio sine qua non der nun zu bildenden Reg. gehalten und ja auch im Parteivorstand betont habe, die Gewinnung Stresemanns für das Ressort des Auswärtigen im neuen Kabinett, um in der durch Stresemann offenbar gut instruierten Außenpolitik die unbedingt erforderliche Einheitlichkeit und Zielsicherheit zu erhalten, ist unter Ihrer Kanzlerschaft, wie ich annehme, gewährleistet und nach den mir heute zugänglich gewesenen Ztgs.-Nachrichten auch erfüllt. Hoffentlich scheitert Ihre schwere Aufgabe nicht noch in letzter Stunde an Widerständen, wie ich sie von Seiten der Dt.-Nationalen befürchte. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚RT'. 1923 Nov. 30 - Berlin: RP Ebert ernennt Marx zum RK. Eh. Unterschrift. Eh. Gegenzeichnung: Stresemann. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Im Namen des Reiches', großes eingeprägtes Staatssiegel. [19]23 Dez. 1 - Berlin: Vockel an Marx: Ich höre, daß Herr Dr. Wirth es als angenehm und beruhigend empfinden würde, wenn Sie ihn möglichst bald anrufen. Eh. Unterschrift. ¿ S., eigenhädig Ausf., Kopfbogen ‚Reichsgen.-Sekretariat der Dt. Z-Partei'. 1923 Dez. 1 - Berlin: Elfgen, OReg.-R. im preuß. Innenministerium, an Marx: Rheinminister Fuchs wird sein Amt unter keinen Umständen fortführen, wenn die Prinzipien des Reichsfinanzministeriums über das Abschreiben des besetzten Gebietes maßgebend blieben. Da dies mehr oder weniger von allen Parteien verworfen worden ist und wenn es nicht mehr geschieht, würde Fuchs wieder dieses Amt übernehmen. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. 1923 Dez. 3: Art. der ‚Daily Mail': „Marx' Kabinett, dieselbe Firma mit einem neuen Manager." Mit Übersetzung auf Kopfbogen ‚RT'. [1923 Dez. 4]: Marx' Rede im RT über die Vorstellung und das Programm der RR. 8 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. o. D. <1923, nach Dez. 6>: Liste der in der Reichskanzlei beschäftigten Beamten. 2 S., masch.-schriftl. 1923 Dez. 9 und 12: Übersetzungen von Art. einer engl., span. u. einer portugies. Ztg.: „Marx' Zivildiktatur vervollständigt Seeckts Militärdiktatur." „Kein anderer RK konnte sich rüsten wie dieser." Ztgs.-Ausschnitte und Übersetzungen, hs. und Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1923 Dez. 12 - Gardasee: Lange-Hegermann beglückwünscht Marx zum Ermächtigungsgesetz. Eh. Unterschrift. Ansichtspostkarte, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 13: Auszüge aus ‚Daily Telegraph' und ‚Daily News' über Marx' Konferenz für die ausländ. Presse, brit. Beteiligung an der Rheinlandnotenbank, mutmaßliche Ernennung von Robert Kindlersley zum brit. Sachverständigen und Ausgleich zwischen England und Frkr. wegen der Bahnen im Kölner Gebiet. Vervielf. [19]23 Dez. 22 - Kloster Beuron: Brauns schickt Marx Weihnachtsgrüße. Nach den Feiertagen will er nach Ingenbohl, Schwyz. Ich glaube kaum, daß der Finanzminister bis dahin mit dem Rattenschwanz von Problemen, die sich an den Steuerausgleich mit den Ländern, Hypotheken-Aufwertung etc. anknüpfen, fertig werden wird. Die Fragen sind zu schwer. Übrigens hatte ich den Eindruck, daß Exz. Spahn Gegner der Aufwertung ist. Vielleicht sprechen Sie mit ihm einmal darüber. Wie soll man auch den Sparkassen die Hypotheken - wenn auch nur teilweise - wiedergeben und die Sparer leer ausgehen lassen? Und erst meine Wohnungs- und Baufrage! Unser Herr Dir. Ritter oder Herr StS werden sich ihrer annehmen im Reichsrat. Ich bin mir selber eigentlich noch nicht klar, wie es am besten damit gehandhabt wird. Nur eins weiß ich: wir müssen zum Bauen kommen und die Wohnungszwangswirtschaft langsam - gleichmäßig! - abbauen. Vielleicht zeigt die kommende Debatte einen Ausweg. Jedenfalls ist es nicht mit einer formalen Bilanzierung des Etats getan. Mir scheint, der Finanzminister steuert etwas einseitig auf dieses Ziel los. Eh. Unterschrift. 3¿ Halbseiten, eigenhädig Ausf., Kopfbogen ‚Der Reichsarbeitsminister'. Eh. Nachschrift des Erzabts Raphael [Molitor]. [19]23 Dez. 29 - M.-Gladbach: A. Pieper schreibt Marx zum neuen Jahr: Möge es Ihrer Amtsführung beschieden sein, der zehnjährigen Qual des dt. Volkes ein Ende zu bereiten in Herbeiführung von Sicherheit, Ordnung und Gesamtwillen aller zur Wiederaufrichtung. Eh. Unterschrift. Briefkarte, eigenhädig Ausf. 1923 Dez. 31 - Berlin: Min.-Dir. Kempner beglückwünscht Marx zum Jahreswechsel. Eh. Unterschrift. Briefkarte, masch.-schriftl. Ausf. 1923 Dez. 31 - Berlin: Hellenthal, Presseabt. d. RR, übersendet Marx Abschriften der 13 Fragen des Vertreters des ‚New York Herald' und die von Marx erteilten Antworten: Reparationsproblem und Kapitalflucht aus Dtschld., Poincarés Haltung zur geplanten Konferenz, vorherige Lösung der Rhein-Ruhrfragen, Dtschlds. trostlose finanzielle Lage, keine Loslösung des Rheinlandes von Preußen, Separatismus, keine Putschgefahr von rechts oder links. Anschreiben, 1¿ S. Fragen und 3¿ S. Antworten; masch.-schriftl. 1924 Jan. 12 - Brüssel: Jaspar übergab Roediger belg. Antwortmemorandum; darin wegen Reiseverkehr und Rheinschiffahrt weitergehende Forderungen als Frkr. Wirtschaftsleben im besetzten Gebiet soll gefördert werden, wenn Dtschld. in den Militärkontrollen (Kontrolloffiziere tragen fortan Zivilkleider) entgegenkomme und weiter Besatzungskosten zahle. Der Minister war guter Laune, bemüht die ablehnende Antwort schmackhaft zu machen und betonte die vermeintlichen Vorteile einer Verständigung. 1¿ S., Telegramm-Formblatt. 1924 Jan. 12 - Paris: Peretti übergab Hoesch frz. Antwort auf Memorandum v. 24. 12. Eigentliche Verhdlgn. über die von uns vorgebrachten Wünsche werden durch Antwort nicht in Gang gesetzt. Erklärung namens Poincarés über Fortsetzung der Erleichterungen, wenn Dtschld. den Vertrag strikt erfülle. Unterhaltung über Militärkontrolle, Besatzungskosten und Naturallieferungen. Auf der Basis: Geht aus der Ruhr heraus! käme keine rechte Konversation mit Frkr. in Gang. Peretti hineinredete sich geradezu in eine Art von Enthusiasmus bei Gedanken, daß Dtschld. mit ehrlichem Erfüllungswillen Gedankenaustausch beginnen könnte. Hoesch verwies nochmals auf skandalöse Ereignisse Pfalz. Peretti, der meine sehr deutlichen Worte etwas bedrückt hinnahm, versicherte erneut, daß frz. Reg. sich mit Separatisten nicht solidarisiert und erklärte im übrigen, Ruhrräumung werde sichere Folge von Zahlungen sein. Auf Frage, ob Poincaré dazu einen Plan habe, erwiderte Peretti ängstlich und ausweichend, anspielte aber leise auf Besuch Rechbergs. 3¿ S., Telegramm-Formblatt. [19]24 Jan. 16 - B[erlin]: Emminger reicht Marx ein Schriftstück zurück. Eh. Unterschrift. Loser Zettel, eigenhädig Ausf. 1924 Jan. 29 - Berlin: Marx teilt Prof. Schmittmann mit, daß er beim Finanzminister die nötigen Schritte unternommen hat. Wegen der ungeheuren Arbeitsbelastung, die ihn als Vors. der Z-Fraktion gedrückt hatte, konnte er nicht schreiben. Z. T. sind die letzten 2 Jahre für mich schlimmer mit Arbeit besetzt gewesen als bis jetzt die Zeit meiner Kanzlerschaft. Als Vors. der Fraktion hatte ich alle Arbeit selbst zu erledigen, ohne kaum irgendeine Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Jetzt kann ich mich mehr mit allg. Fragen beschäftigen, die allerdings z. Z. hinreichend schwere Probleme und wohl die denkbar schwerste Verantwortung für die entscheidenden Persönlichkeiten mit sich bringen. Ich kann Ihnen versichern, daß nach wie vor die Sorge für das besetzte Gebiet mir ganz besonders am Herzen liegt. Ich glaube, daß die letzten Monate auch den Beweis erbracht haben, daß die RR alles, was in ihren Kräften steht, tut, um den Bedürfnissen des besetzten Gebiets in möglichst weitem Umfange entgegenzukommen. Er dankt für die Wünsche zur RK-Ernennung: Ich will hoffen, daß die Zeit meiner Kanzlerschaft nicht ganz ohne Nutzen für das dt. Volk und namentlich für das Rheinland verläuft. Gez. Unterschrift. 2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1924 Febr. 1 und 15 - Berlin: Dr. Everling, Präs. des Schutzkartells der notleidenden Kulturschicht Dtschlds., dankt Marx für die Zusage einer Ansprache für den 24. 2. und übermittelt eine Entschließung. Eh. Unterschriften. Je ¿ S., masch.-schriftl. Ausfn., Kopfbogen ‚RT'. 1924 Febr. 15: Höfle übermittelt Marx Abschrift eines Briefes an Jarres und bittet, bei diesem gleichsinnig vorstellig zu werden. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1924 März 9 - Berlin: StS Bracht überreicht Marx zum Gebrauch für die Aussprache mit dem RP den Entw. einer von ihm und Min.-Dir. Spiecker gefertigten Aufzeichnung über die Gründe, die für Auflösung des RT sprechen, bevor dieser die zahlreichen Anträge der Opposition zwecks Aufhebung oder Abänderung der aufgrund des Ermächtigungsgesetzes ergangenen Verordnungen zu diskutieren beginnt. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage die Aufzeichnung, 4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. <1924?> März 23 - <Berlin?>: Dr. Leopold Müller führt bei Marx i. A. von 7200 Gesinnungs- und Glaubensgenossen, aber auf streng nationalem Boden stehend aus: Das Z als polit.-konfessionelle Partei war in seinen Grundlagen monarchisch, konservativ, dem Vaterlandsgedanken ergeben. Je mehr gewisse Elemente die Oberhand gewannen, desto auffallender die Abkehr von den alten tragenden Ideen. So kam es, daß das Z unter Führung der Erzberger, Wirth, Andre, Joos u. Gen., also des südwestdt. Flügels, demokrat., sozialist., pazifist., internationalen Gedankengängen sich zuwandte. Dies insbesondere 1917, so daß keine starke, einheitl., heimatliche Phalanx die Front stützte, was auch Lloyd George oft betont hat. Er bittet Marx zu erwägen: ob es nicht anders, besser stünde um unser Vaterland, wenn das Z sich zu den Rechtsparteien gehalten hätte, dann keine unselige Friedensresolution, keine innere Zerrissenheit, dann ein wirkliches Hilfsdienstgesetz ohne die Verwässerung durch den Antrag Nacken. Bitte, das Steuer der Z-Partei zu wenden. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1924 März 24 - April 8 - Paris: 7 Presseübersichten von Wertheimer: Rede von Marx in Elberfeld vom 23. und von Stresemann in Hannover am 28.3.; Marx' Erklärung vor den Industriellen am 28.3. 6, 6, 3, 2, 4, 3, 3 S., Telegramm-Formblätter. 1924 April 4 - Rom: Chefredakteur J. B. Krauss teilt Marx mit, daß Msgr. Dr. David, Rektor vom dt. Campo, wo sich alle hervorragenden dt. Persönlichkeiten treffen, gesagt hat, daß übereinstimmend mit großer Freude und Genugtuung von der Zielfestigkeit der dt. Politik unter Ihrer Führung gesprochen wird. Der Chefredakteur des ‚Osservatore Romano' schilderte von sich aus den überaus günstigen Eindruck, den in allen italien. Kreisen, und nicht nur in denen, die dem Vatikan nahestehen, Ihre Person und Ihr Wirken gemacht hat. Man ist erstaunt und erfreut zugleich, wie seit Ihrer Amtsübernahme die Dinge in Dtschld. sich gefestigt haben. Der ‚Osservatore Romano' hat sich bemüht, Marx' in Italien wenig bekannte bisherige Wirksamkeit vorzustellen. Etwas anderes ist es freilich, wie der Faschismus gegenwärtig in Italien regiert, wie er gerade die uns nahestehenden Populari niederhält, mit welch terrorist. Mitteln er arbeitet und den ganzen Staatsapparat in den Dienst der Mussolinischen Wahlagitation stellt. Von den Glückwünschen, die dem päpstl. Nuntius in Dtschld. so zahlreich zugegangen sind, haben besonders angenehm die von Marx und Stresemann sowie die Äußerung des ‚Vorwärts' berührt. Er hat den Papst gesehen und wird noch den dt. Gesandten aufsuchen. Eh. Unterschrift. 3¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Pressebüro Krauss'. o. D. <1924 nach April 8>: „Germany's Hope for Peace. Conversations with Chancellor Marx of Germany" by Edward Price Bell. 15 S., engl., ‚The Chicago Daily News' Reprints Nr. 12. 1924 April 16 - Berlin: Otto Schöny, Vertrauensmann des Z in der Zentralleitung der Reichszentrale f. Heimatdienst, übersendet Marx seine Schrift: ‚Die Rettung vor der Katastrophe. Die Politik des Kabinettes Marx unter dem Ermächtigungsgesetz und ihre Erfolge', Verlag d. Germania AG. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. In der Anlage die übersandte Schrift, 48 S. [19]24 April 21: Würdigung von Marx besonders im Hinblick auf seine Haltung zur RV, seine Neigung zum rechten Z, seine Ansicht des Verhältnisses von Preußen - Rheinland, seine Geschicklichkeit zum Ausgleich von Konflikten im ‚Eclair' durch „Germanicus". 2¿ S. masch.-schriftl. 1924 April 28 und 29 - Paris: Presseübersichten von Wertheimer: Dtschlds. Stellung zum Völkerbund und zur Reparationskommission; Marx' Rede in Düsseldorf. 2 und 6 S., Telegramm-Formblätter. [192]4 Mai 8 - [Berlin]: Marx an Fehrenbach: Z, DVP und DDP planen im kommenden RT eine Fraktionsgemeinschaft. Z- Herren äußerten sich mit allseitiger Zustimmung zu dem Gedanken; von der DVP wird Marx am gleichen Tage hören, ob maßgebende Herren der Partei ebenfalls zustimmen; von der DDP ist die Zustimmung höchst wahrscheinlich. Marx verkennt für die Ausführung nicht außerordentliche Schwierigkeiten der bisherigen Fraktion. Aber die Vorteile scheinen auf der anderen Seite so bedeutend, daß manche Schwierigkeiten in Kauf genommen werden müssen. Von einer Verschmelzung der Parteien ist keine Rede. Die Fraktionsgemeinschaft will an der bisherigen Richtung der Politik, namentlich der äußeren, unbedingt festhalten. Beruhigung im Ausland wie auch im Innern angesichts der ungeheuren Zersplitterungen nach der Wahl wird erhofft. Das gegenseitige Überbieten zwischen den Parteien, die bisher zusammengearbeitet haben, (würde) aufhören. Alle drei Fraktionen müßten Opfer bringen, aber diese Fraktionsgemeinschaft wäre die stärkste im RT, der dann eigentlich nur drei Parteien zählt, auf die es in erster Linie ankäme; kleinere Gruppen - etwa BVP - würden sich wahrscheinlich anschließen. Festlegung der vorgesehenen Besprechungstermine. Fehrenbachs bewährter Rat wäre dabei von größter Bedeutung. Gez. Unterschrift. 2¿ S., Durchschrift eines Masch.-Schreibens, hs. Abänderungen der Termine. o. D.: Redemanuskript: Der Veröffentlichung des Sachverständigengutachtens sieht die RR ohne Nervosität entgegen; tragbare Leistungen wird sie dem dt. Volk zumuten. Nur dadurch kann es sich allmählich wieder aufrichten. Die von völk. und dt.-nat. Seite geforderte Zerreißung des Versailler Vertrages ist Wahnwitz angesichts der frz. Kriegsrüstung. Es muß aber einmal mit aller Entschiedenheit festgestellt werden, daß kaum etwas mehr den Bestrebungen nationalist. Phantasten Vorschub geleistet hat als das unser nationales Empfinden häufig so stark verletzende Verhalten der Ententemächte, namentlich Frkrs. und Belgiens. 4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben mit vielen Bleistiftunterstreichungen und einigen Verbesserungen von Marx. 1924 Mai 12 - Moskau: Brockdorff-Rantzau telegraphiert: Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für die Wirkung, die der Zwischenfall in der Lindenstr. auf unsere internat. polit. Position ausgeübt hat, würde ihn die Schadenfreude liefern, die die hiesigen diplomat. Vertreter mit wenigen Ausnahmen unverhohlen zur Schau tragen. Die mühsam, aber mit Erfolg bisher aufrechterhaltene Fiktion des starken Rückhalts, den wir im Notfall an Sowjetrußland besitzen, ist dahin. Was an Großmächten sich hier vertreten läßt, zieht selbstgefällig für sich die Lehre aus den Erfahrungen, die wir mit unseren Sowjetfreunden machen, die stark triumphieren; und alle höhnen: „qui mange du Sowjet, en meurt!" Die dt. Kompromißgefahr ist beschworen. Mit anderen Worten: Dtschld. ist als maßgebender Faktor der internat. Politik ausgeschaltet und hat sich mit der Rolle des Objekts abzufinden. Trotz seiner Einstellung gegen Rapallo hält Rantzau dafür, daß es an einem polizeil. Mißgriff nicht scheitern durfte. Wenn hinter der Aktion der Berliner Polizei nicht die in Dtschld. maßgebenden Kräfte stehen und die Haussuchung wirklich belastendes Material zweifellos russischer Provenienz zutage gefördert hat, werden die Sowjets sicherlich mit sich reden lassen und wie im Falle Petrow nachgeben. Mein oft berufener Einfluß hier genügt nicht, um Mißgriffe ungeschehen zu machen, deren Folgen aus der Welt zu schaffen die Autorität keines Staatsmannes ausreicht. Unterschrift. 1¿ S., Telegrammformblatt. 1924 Mai 13 - Paris: Presseübersicht von Wertheimer: Echo auf Marx' Rede in Halle. 6 S., Vervielf. 1923 Nov. 23, Dez. 5: 3 Ztgs.-Ausschnitte über Stresemanns RT-Rede vom 23. 11. und Marx' Reg.-Erklärung vom 4. 12. 1923.
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1923
Die Notverordnungen aufgrund des Ermächtigungsgesetzes von 1923


Enthält : 1923 Okt. 14: Ztgs.-Ausschnitt über die Annahme des Ermächtigungsgesetzes durch den RT am Vortage. o. D.: Notizen von Marx über die Einrichtung des Ständigen Ausschusses bis zur RT-Auflösung mit Wiedergabe von Äußerungen von Scholz, Becker, Löbe, Hergt, Dittmann, Beyerle, Leicht, Petersen, Müller-Franken, Erkelenz, Graf Westarp, Zapf. 3 und 2 Halbseiten, eigenhädig 1924 Febr. 16 - Berlin: Reichsfinanzminister macht dem StS der Reichskanzlei die Notverordnungen namhaft, deren Aufhebung durch den RT sich die RR widersetzen müßte. ¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. o. D.: Zusammenstellung der aufgrund des Ermächtigungsgesetzes vom 8. 12. 1923 erlassenen Verordnungen. 4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1924 Febr. 25 - Berlin: Min.-Dir. Spiecker übersendet Marx Bemerkungen zu den sozialpolit. und finanzpolit. Anträgen der Sozialdemokraten zu den Notverordnungen der RR. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ‚Ausw. Amt, Presseabt. der RR'. In der Anlage die Bemerkungen, 4 und 8 S., Vervielf. o. D. (1924, vor März 1): Verordnung des RP über die Aufhebung des geltenden Ausnahmezustandes. 3 S., Entw., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1924 Juni 23: Der Reichsinnenminister übermittelt dem RT eine Verordnung des RP vom 17. 6. zur weiteren Ergänzung der Verordnung vom 28. 2. 1924 über die Aufhebung des militär. Ausnahmezustandes und die Abwehr staatsfeindl. Bestrebungen. RT II, 1924, Ds. 284. o. D.: Bemerkungen zu dem Antrag gegen die Verordnungen zur Entlastung des Reichsgerichts, zur Änderung des § 92 Abs. 1 Nr. 1 im Strafgesetzbuch über Landesverrat und über den Entw. eines Gesetzes zur Abänderung der Verordnung über Gerichtsverfassung und Strafrechtspflege. 1¿, ¿ und 6 S., Durchschriften v. Masch.-Schreiben. 1924 Febr. 24: Ztgs.-Ausschnitt mit Art. von Oberreidisanwalt L. Ebermayer - Leipzig „Die gefährdete Einheit der Rechtsprechung".
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1924
Das Jahr 1924


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben Herbst 1939; vgl. S. 2, 14): 1. Familie: Die Kanzlerwohnung. Empfang am 16. 2. mit Ebert und dem Gesandten von Österreich <Riedl>, ein sehr liebenswürdiger Herr, dem italien. Botschafter Conte de Bosdari, der mit Dtschld. sehr befreundet war, und dem schweizer. Gesandten Rüfenacht; er galt als absolut zuverlässig und fest zu Dtschld. haltend (S. 1); Stimmung bald außerordentlich gemütlich, wie fast immer in der Kanzlei, deren Chef ja niemals seine Herkunft verleugnen konnte und wollte. Am 17. 2. Polizeitagung im RT, v. Stockhausen zu Besuch, abends Ausstellung kathol. Künstler im RT mit anschließendem Konzert. Marx' Beichtvater P. Siebers an St. Clemens-Berlin, Superior P. Rauterkus. Am 17. 4. Fahrt nach Sigmaringen (S. 2); am 20. 4 dort Besuch bei dem Missions-Erzbischof Schuler; am 21. 4. Besuch beim Fürsten v. Hohenzollern, der sich als Anhänger der sog. Kölner oder Trierer Richtung der Gewerkschaften bekannte; alsdann Verslg. über Schulfragen (S. 3); abends bei Reg.-Präs. Belzer, ein sehr liebenswürdiger Herr. [Am 10. 5.] beim Besuch in Köln wurde Marx Vortrag über die von Adenauer großartig geplante Stadterweiterung gehalten, auch Niehl besichtigt; gemütlicher Kaffee bei Adenauer - schönes Besitztum - am Stadtwald - mit Rings und Mönnig; abends Presseempfang im Kölner Rathaus. Am 13. 5. begann Prof. Limburg die Arbeit an einer Büste (S. 4). Besuch des früheren Außenministers v. Rosenberg. Am 8. 6. Predigt von P. Muckermann, Mittagessen mit Frl. Teusch und Kreutzwald (S. 5). Am 6. 7. bei Schwister zum Kaffee; mit Fonk aus Düsseldorf bei einer Zusammenkunft des KV. Am 13. 7. Kaffee mit Frl. Teusch und Brauns (S. 6). Am 15. 7. waren Adenauer und Belzer zu Tisch, am 16. 7. Fest am Wannsee mit Porsch, Adenauer, Herold, Bell. Am 3. 8. Feier in St. Klemens-Berlin für die Gefallenen des Weltkrieges, später mit Ebert im RT. Beim RP Mittagessen zu Ehren des Amerikaners Hughes; darauf Unterhaltung mit Botschafter Graf Kessler; Abendessen beim amerikan. Botschafter; dort längeres Gespräch mit Hughes über die kommenden Schwierigkeiten in London (S. 7). Am 27. 8. Abendessen bei Höfle mit ausgezeichneten Weinen aus der Pfalz. Ab 7. 9. Sommerfrische in Sigmaringen mit Besuchen beim Erzbischof Schuler und Pfarrer Marmon. Am 9. 9. Telegramm über die Ankunft des frz. Gesandten (S. 8). Am 10. 9. traf überraschend Wels (SPD) in Sigmaringen ein, um vor scharfen Schritten der RR gegen eine Entente-Note zu warnen, in der den Deutschen ausdrücklich die Kriegsschuld zugeschoben wurde; Wels hatte vorher mit Müller (SPD) in Baden-Baden darüber gesprochen: Es ist doch anzuerkennen, wie vorsichtig und klug die Herren die Angelegenheit behandeln (S. 9). Besuch des Dichters <!> Fridtjof Nansen als Beauftragten einiger Völkerbundsmitglieder, um Klarheit zu gewinnen, ob wir während der Londoner Konferenz mit Lord Parmoor, dem bekannten Völkerbundsgönner, über den Beitritt Dtschlds. zum Völkerbund gesprochen hatten oder nicht. Lord Parmoor behauptete es, die dt. Minister bestritten es. Tadel der Zeitungen über den Urlaub der meisten Regierungsmitglieder (S. 10). Unerfreulicher Verlauf der Kabinettsbildung nach den Wahlen vom 7. 12.; sie wurde bis nach Neujahr vertagt. Karikaturen. Spiecker rief wegen einer Erklärung über die Räumungsfrage in der ‚Köln. Ztg.' in Sigmaringen am 23. 12. an; Marx bestritt die Erklärung. Urteil in der Angelegenheit Ebert: Die Begründung ist für den RP sehr schlimm, so daß ich schon befürchte, daß er sein Amt niederlegt (S. 11). Kempkes teilte am 24. 12. im Auftrage Stresemanns einen Kabinettsbeschluß mit, der dem RP den Ausdruck uneingeschränkten Vertrauens übermittelt; Marx trat dem Beschluß bei (S. 12). Ein Telegramm von Berlin am 26. 12. veranlaßte, einen Brief an Ebert zu schreiben: Ebert ist in einem Prozeß in Magdeburg als Zeuge vernommen worden über seine Stellung beim Ausbruch der Revolution 1918. ... Es war bei allen billig denkenden Abgeordneten der Nationalverslg. eine feste Überzeugung, daß Ebert sich in der Bekämpfung der Revolution und zur Herbeiführung geordneter Verhältnisse geradezu großartige Verdienste erworben hatte. Die Einberufung der Nationalverslg. ist ihm und seinem klugen Vogehen mit in erster Linie zu verdanken. Es war ein großes Unrecht, seine patriot. Einstellung irgendwie in Zweifel zu ziehen. Offenbare Beschleunigung von Krankheit und Tod von Ebert durch das Urteil. Am 27. 12. Einladung bei Belzer mit dem Sohn des LG-Präs. Dietrich von Hechingen (S. 13). Am 30. 12. Besuch beim RP mit Vertrauenserklärung und Austausch über die Lage. Abends Unterredung mit Höfle und Brauns. 14 S., Masch.-Erstschrift. Das Jahr 1924, 2. Teil Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben 1939; vgl. S. 5, 7, 21; sowie 1940, vgl. S. 30f.): Empfang des Kabinetts und anschließend des diplomatischen Korps durch Ebert, der dem Nuntius <irrtümlich: Orsenigo> dankte. In der Sitzung des Parteiausschusses am 20. 1. sprachen Marx und Höfle vor allem über das besetzte Gebiet; nachmittags erfuhr v. Guérard großen Beifall und scharfe Kritik (S. 1); Brauns sprach ebenfalls; am folgenden Tag ausgezeichnet Schofer. Dr. Adenauer hat natürlich über seine besonderen Wünsche eine private Rücksprache. Am 22. 1. berichtete v. Hoesch über Verhdlg. in Paris. Kandidatur des Chefredakteurs Roeder aus Karlsruhe für das Z. SPD zeigte sich gegenüber Ansprüchen hinsichtlich Ausdehnung des Ausnahmezustandes bis Febr. gemäßigt. Wegen Vertagung des RT hielt Marx enge Verbindung mit den Parteien (S. 2). Auf die Ende 1923 von der bayer. Reg. eingereichte Denkschrift über die Verbesserung der RV - Ausführungen über Föderalismus und Konfessionsschule - kam es nach Vorprüfung durch das Ausw. Amt am 20. 1. in Homburg zu einer Besprechung mit Min.-Präs. Knilling, an der Stresemann und aus Gründen der Zweckmäßigkeit Gessler teilnahmen und die in großer Freundschaftlichkeit geführt wurde (S. 3); Geheimhaltung der Konferenz. Am 27. 1. große Beratung der SchO u. a. über Antrag eines Volksentscheides über die Konfessionsschule; daraus erwuchsen gerade für Berlin Schwierigkeiten; eingehende Teilnahme von Bischof Berning; Abendessen mit den Bischöfen; für die übrigen Teilnehmer Bierabend im großen Saal der Reichskanzlei (S. 4). Vorschläge von Arnold Rechberg zur Reparationsfrage und die Warnung von Müller-Fulda. Rede von Luther am 23. 1. in Hamburg über Erfüllungspolitik. Garantievertrag zwischen der Tschechoslowakei und Frankreich; Würdigung von Benesch (S. 5). Internationale Reparationskommission unter Barthou; objektiver und unparteiischer Standpunkt des Sachverständigen Dawes. Reichseinnahmen stiegen im Januar 1924; den Einfluß der Rentenmark auf die ganze Finanzentwicklung kann man nicht hoch genug veranschlagen. In einer Sitzung des Rhein-Ruhr-Ausschusses, zu der der Gen.-Dir. der rhein. Landesbank hinzugezogen wurde, war ein umfangreicher Kredit für die Rheinprovinz erwogen worden; Aufschub bis zu weiterer Klärung der allg. Lage und Vorliegen des Sachverständigen-Gutachtens. Ende Febr. waren Müller und Wels wieder recht vorsichtig in ihren Wünschen; die Rechten - Wortführer Helfferich und Schultz - verlangen, daß ein Wahlgesetz, das Jarres vertritt, nicht vorgelegt wird; RT-Auflösung dämmert herauf (S. 6). Am 16. 2. mit RP eine Gesellschaft für die Gesandten von Italien. Österreich und der Schweiz. Ich habe meinen Einfluß als Kanzler auch mit voller Überlegung und mit dem Empfinden, im Recht zu sein, dafür aufgewendet, um dem langjährigen bitteren Unrecht endlich abzuhelfen, das man den Katholiken bewußt antat, indem man die kath. Beamten nach allen Kräften von den Beamtenstellen, namentlich von den einflußreicheren, sowohl in Gemeinden wie in Staat und Reich ausschloß; Verwendung für Gördes bei Innenminister Jarres. Widerhall etwa bei dem allerdings hinreichend bekannten Pastor Bräunlich, Gen.-Sekr. des Ev. Bundes, in einer Predigt in der Michaeliskirche in Hof/Bayern: Ebert katholisch, Marx der Katholischste der Katholischen (S. 7). Am 26. 2. eine entscheidende Rede im RT, in der Marx mit Ernst und Entschiedenheit den Abgn. seine innerste Überzeugung nahebrachte, das vom Kabinett gebilligte Vorgehen bis zum Ende festzuhalten und eine Auflösung des RT nicht zu fürchten! Müller (SPD) hält eine durchaus ruhige und sachliche Rede. Die Rechten sind überrascht und können sich auch nicht zu einer der gewohnten scharfen Reden aufschwingen. Nach der allg. Aussprache wurde die Auflösung am 13. 3. ausgesprochen. Marx begann am 23. 3. die Agitation mit einer Rede in der Kaiserhalle in Elberfeld, wo er große Anhänglichkeit besitzt; Verslgn. in Begleitung von Dr. Reuter im ‚Parlament (S. 8). Der RT war hauptsächlich wegen der besonders von der SPD fortgesetzt gestellten Anträge auf Aufhebung oder Abänderung der Notverordnungen aufgelöst worden. Am 30. 3. große Verslg. in Hannover. Weitere Verslgn. in Barmen und Frankfurt/M. In der Wahlpropaganda standen die Notverordnungen, vor allem die 3. Steuernotverordnung, im Mittelpunkt. Ihre durch Gerichte vielfach ausgesprochene Ungültigkeit wurde durch das Reichsgericht am 1. 3. im Sinne der RR entschieden. Da sie Bestimmungen über Wohlfahrtspflege sowie Schul- und Bildungswesen enthielt, sah die SPD ihre Grundsätze bedroht; auch das Z wollte diese Angelegenheiten lieber durch das Reich als die Länder geregelt sehen (S. 9). Zur damaligen Zeit gab es eigentlich einfache und unstreitige Angelegenheiten überhaupt nicht, alles war in Auflösung begriffen. In einer „Denkschrift zur Revision der Weimarer Verfassung machte Ende 1923 die bayer. Regierung wichtige Vorschläge (S. 10). Die Einstellung der DNVP zum neuen Staat war fast stets oppositionell; dem Z wurde auch von Anhängern vielfach vorgeworfen, daß es mit der SPD allzu oft zusammengehe, sich aber nicht mit DNVP einließ. Mit Stresemann in Wien mit großer Liebenswürdigkeit empfangen; Essen bei Bundespräs. Hainisch und Bundeskanzler Seipel; im Grinzing ein Wiener Heurigen-Abend ganz im Styl des Kölner Karnevals! Der Besuch sollte zwar streng unpolitisch sein, trotzdem war der Handelsvertrag und inoffiziell auch der Anschluß oder der Zusammenschluß, wie die Österreicher lieber hörten, besprochen worden. Marx glaubt, daß bei dieser Gelegenheit er mit Stresemann ein ungefähr einstündiges Gespräch mit Seipel hatte (S. 11). Seipel zeigte sich als der gefährliche, taktisch geschickte Diplomat, indem er fast die ganze Zeit allein redete, und zwar in so gewundenen Redensarten, daß ich sogleich nach Schluß der Unterredung zu Stresemann sagen konnte: „Nun wissen wir ganz genau was Seipel über den Anschluß denkt: nämlich gar nichts! Ich habe auch später niemals trotz wiederholter Besprechungen mit Seipel erfahren können, ob er grundsätzlich gegen den Anschluß war oder nur aus taktischen Gründen z. Z. es noch nicht für zweckmäßig hielt den Anschluß zu propagieren. Man fürchtete, ob mit Recht oder mit Unrecht, die Eifersucht und den Widerstand der Entente herauszufordern. MacDonald hielt im Unterhaus seine große Rede über die Reichsverteidigung, auch eine große Friedensrede. Porsch 40 Jahre LT-Abgeordneter. Amtsniederlegung von Poincaré: Es war ein Glück für Dtschld. Denn nun kam Herriot ..., der sich sehr entgegenkommend bei der Konferenz von London zeigte. Belgien bekam sein neues Kabinett Theunis (S. 12). In Frankreich erhoffte man einen Sieg der Rechten in Dtschld. und dann folgende Ablehnung der Vorschläge der Sachverständigen. Die Reparationskommission hatte aber am 11. 4. die Berichte der Sachverständigen als eine praktische Grundlage für eine rasche Lösung der Reparationsfrage anerkannt; Stresemann hielt in einer Wahlrede am 10. 4. das Gutachten für eine Erörterung geeignet; ebenso Schacht; eine entsprechende Entscheidung der RR hatte große Befriedigung in den Kreisen der Entente hervorgerufen. Dadurch große Entrüstung bei DNVP: Man konnte damals auf dieser Seite sich immer noch nicht damit abfinden, daß wir eben einen Krieg verloren hatten und auf die Gnade der Gegner angewiesen waren, wenn nicht alles verloren sein sollte! Marx begrüßte den Einflußgewinn von Hergt: Er legte doch Verständnis für den Ernst der Lage an den Tag und neigte mehr zu einer versöhnlichen Behandlung der nun einmal für Dtschld. sehr unglücklichen Lage. In der Wahlagitation jedoch scharfer Ton gegen die schlappe Regierung (S. 13). Für die LT-Wahlen in Bayern am 4. 4. hatte eine Gruppe ‚Christlich-Soziale Partei, Bayerisches Zentrum in der BVP eigene Kandidaten aufgestellt u. a. Dr. Leo Weismantel und Hofmann-Ludwigshafen; infolgedessen wurde Justizminister Emminger von der BVP aus dem Kabinett zurückgezogen. Am 1. 4. erging in München das Urteil gegen den Novemberputsch. Der preuß. Justizminister am Zehnhoff war 5 Jahre Minister am 27. 3.; Anerkennung durch Min.-Präs. Braun; Charakter eines Kölner Originals; assoziiert mit RA Emil Schmitz (S. 14); am Zehnhoff war der Verfechter des Rhein-Elbe-Kanals, worüber er einen schriftlichen Bericht von großer Ausdehnung und außerordentl. Arbeitsleistung geliefert hatte, die ihm reiches Lob von allen beteiligten Stellen auch seitens der Reg. brachte. Es war Glück, daß an der Londoner Konferenz nicht der starrsinnige und grimmig hassende Poincaré, der nach einer Erklärung vom 3.4. die Ruhr nicht eher verlassen wollte, als die Dtschld. auferlegte Zahlung vollkommen geleistet wäre, teilnahm, sondern Herriot, der zwar scharfe Worte gebrauchte, aber doch die Drohung Poincarés als zu weitgehend ansah und im Hinblick auf die Geltung der Reichsbahnaktien eine Besatzungsdauer des Ruhrgebiets von 50 Jahren errechnet hatte (S. 15). MacDonald war durch die Erklärung Poincarés verblüfft; die engl. Regierung erachtete eine Ruhrbesetzung aus Gründen der Sicherheit im Friedensvertrag für nicht vorgeschrieben. Scharfe Entgegnungen Herriots gegen die Auffassung Poincarés von dem finanziellen Erfolg der Ruhrbesetzung. Nachdem die Reparationskommission die Sachverständigenberichte gutgeheißen hatte, fanden sie auch Zustimmung bei Stresemann, Dr. Sorge, Vorsitzendem d. Reichsverbandes d. Industrie, dem Engländer Robert Horne und Prof. Cassel, der weitere Verbesserungen vorschlug. Im Unterschied zu der grundsätzl. Ablehnung der DNVP verhielt sich ihr Parteivors. Hergt viel vorsichtiger und klüger (S. 16). Kluft zwischen den Alliierten durch die Friedensrede von MacDonald: Man sollte doch aufhören, als Kerkermeister von Dtschld. zu handeln! vertieft. Barthou, den Vorsitzenden der Reparationskommission, hat Marx in London in unabhängig von der Konferenz gepflogenen Verhdlgn. kennengelernt: Ich muß gestehen, daß ich dieser Besprechung mit einiger Besorgnis entgegensah, da Barthou als der Gesinnungsgenosse Poincarés und als schlimmer Deutschenfeind bekannt war. Es gelang uns, die Verhdlgn. so zu führen, daß wir zuletzt als Freunde voneinander schieden! Erschütternd war der Tod Helfferichs am 23. 4.: H. hatte sich zweifellos wenigstens geistiger Weise durch seine Erfindung der Rentenmark ein großes Verdienst um die Wiederherstellung der gänzlich vernichteten Währung Dtschlds. erworben. Er war leider ein außergewöhnlich leidenschaftl. Mensch, der namentlich in Erzberger seinen Feind sah. Unübersichtlicher Wahlzettel für die RT-Wahl am 4. 5. (S. 17). Hochbedeutsame Rede von Fehrenbach in Karlsruhe am 29. 4. Wahlergebnisse vom 4. 5. zeigten, daß das dt. Volk noch nicht fähig für ein gleiches Wahlrecht war wegen der Zersplitterung in kleine Parteien. Hergt kündete für die siegreiche DNVP den Regierungsanspruch an (S. 18). Den schroffen Standpunkt seiner Presse gegenüber dem Sachverständigengutachten hatte er dahingehend aufgegeben, daß seine Partei dem Gutachten nicht von vornherein ein Unannehmbar entgegensetzen werde, wohl aber Vorbehalte machen werde, die allerdings unverzichtbar seien. Daraufhin Unruhe in Frkr. Inzwischen hatten die Besorgnisse des Rheinlandes und die kühnen Pläne der Stadt Köln, die eine großangelegte Messe als erste veranstaltet hatte, den RP veranlaßt, der Einladung der Stadt Folge zu geben. So fuhr ich denn am 9. 5. mit dem üblichen Gefolge nach Köln, um am 10. 5. die großartigen Hafenanlagen <in Niehl> und die Vorbereitungen der Stadterweiterung in Gemeinschaft mit dem OB Adenauer zu besichtigen. Abends war großer Empfang der in- u. auslän. Presse, bei dem sehr interessante Reden gehalten wurden. OB Adenauer verstand sich auch auf geschickte Inscenierung schöner Veranstaltungen. Am 11. 5. kam RP, dem der frz. <!> Ortskommandant Oberst Pigotte, der - ein rechtlich denkender Mensch - den Kölnern recht viel Entgegenkommen erwies und manche Erleichterung verschaffte, einen offiziellen Besuch machte; Marx hat ihn bei einem anderen Aufenthalt in Köln ebenfalls besucht. Bei der Messeeröffnung war die Reg. Preußens in den Vordergrund gestellt, die Minister Severing in durchaus würdiger Weise vertrat (S. 19); ebenso wurde es am nächsten Tag gehalten, wo nach dem Messerundgang der eigentlich zuständige Handelsminister Siering zu Wort kam. Besichtigung des Stadions mit schneidigen Turnübungen. Beim Festmahl im Gürzenich - interessante Sitzordnung an der Ehrentafel - sprachen RP und Marx. Wieder in Berlin Besprechung mit den Ruhrbergleuten. Besuch von Graf Kanitz. Abschiedsbesuch des dän. Gesandten Graf Moltke. Ein unliebsames Vorkommnis war die Haussuchung der Geigenhädig Staatspolizei in der russ. Botschaft; darauf Bericht des sehr bewährten dt. Botschafters in Moskau; auffallend war ein gleichzeitiger Übergriff auf die russ. Botschaft in London. Nuntius Pacelli, der das bayer. Konkordat mit aller Weisheit vereinbart hatte, stand vor der Übersiedlung nach Berlin; Nachfolger sollte Pizzardo, ein sehr geistreicher Herr, werden (S. 20). Regierungsbildung, Ruhrbesatzung und Sachverständigengutachten boten viel Konfliktstoff. Die selbstverständliche Beschleunigung der RR bei der Anfertigung der Gesetzentwürfe zur Ausführung des Gutachtens wurde als Kulissenarbeit der Regierung Marx-Stresemann gebrandmarkt. Wegen des Verbots gewisser öffentl. Kundgebungen wurde von rechts gegen die RR geschürt, die Ende Mai demissionierte. Eine Schlageter-Kundgebung wurde wegen Störungsdrohungen der Kommunisten verboten: Das Verbot wurde aber auch von vielen Seiten deshalb für berechtigt gehalten, weil die Feier von rechtsgerichteten Kreisen unternommen und mit Recht angenommen wurde, daß diese am allerwenigsten befugt seien, einen Mann von der Gesinnung des Schlageter zu feiern. Er stand doch den extremen Kreisen durchaus fern. Bei den Verhdlgn. über die Kabinettsbildung wurde von Marx in Übereinstimmung mit dem Z angesichts der polit. Folgewirkungen des Sachverständigengutachtens eine Koalition von der DNVP bis zur DDP für zweckmäßig gehalten. An den sich hinziehenden schwierigen Verhdlgn. hat sich Marx zunächst nicht beteiligt (S. 21). DNVP und DVP wollten zu einer Besprechung die DDP nicht einladen; DVP lehnte Aufstellung eines bestimmten Programms ab. Wirth weigerte sich entschieden, an Verhdlgn. mit DNVP teilzunehmen. Die Rechte verlangte Admiral Tirpitz als RK, was Spahn und Fraktion abwiesen. Am 22. 5. fragte Hergt, ob Marx zu einem Gespräch mit Tirpitz bereit wäre; Marx empfing ihn im RT, wobei T. seine ganz einseitige Auffassung vom Rechtsstandpunkt, das soll heißen vom Standpunkt der Rechtsparteien mit aller Entschiedenheit vertrat. Die weitere Verhdlg. wurde durch die DVP mit Zustimmung der DDP geführt. Das Kabinett trat vorerst nicht zurück, damit weitere Beschlüsse in eiligen Dingen ergehen können. So am 23. 5. Besprechung dringender Personalfragen bei Post und Reichsbank; der preuß. Finanzminister erklärte sich in der Sitzung außerstande, die Gehälter der preuß. Beamten in der Höhe des Reiches aufzubessern. Am 24. 5. regte Brauns eine Kreditgewährung zur Erhöhung der Bergarbeitergehälter an, was abgelehnt wurde (S. 22). Im RT wurden die Verhdlgn. mit DNVP nach einer Stunde abgebrochen, weil sie schon den ersten Satz der aufgestellten Richtlinien ablehnte. Die drei anderen Parteien erkundigten sich nach dem Zeitpunkt des Rücktritts; diese Frage sollte mit Zustimmung des RP erst am 26. 5. beantwortet werden. Am 25. 5. tagte Parteivorstand des Z in Anwesenheit von Adams-Düsseldorf und Trunk-Karlsruhe; auf ein kurzes Referat von Marx ein recht erfreuliches ergiebiges Debattieren. Am 26. 5. in St. Hedwig Hochamt für den hochverdienten Abg. v. Mallinckrodt, dem Porsch dann einen Nachruf widmete. Am Nachmittag beantragte DVP Amtsniederlegung der RR und läßt auch noch, um die Torheit zu vollenden, diesen Beschluß veröffentlichen. Anderntags Demission; am 3. 6. wurden alle wieder vom RP als Reichsminister bestätigt. Zusammensetzung der RR (S. 23). Die Antrittsrede von Marx im RT am 6. 6. war kurz; Stresemann sprach sehr aufgeregt, aber wirkungsvoll. Er wird von vielen Zwischenrufen unterbrochen, auf die er alle gerne Antwort geben wollte. Zwischendurch meldete sich v. dem Bussche mit wichtigen Berichten. Am 7. 6. kam im RT nach vielen Besprechungen mit den Parteien über Regelung von Abstimmungen der erfreuliche Antrag auf Übergang zur Tagesordnung durch. In Frkr. war Poincaré am 1. 6. zurückgetreten; die weitere Entwicklung war für Dtschld. von höchster Wichtigkeit; in England kann man auf wohlwollende Behandlung rechnen (S. 24). In den Kabinettssitzungen am 7. 6. und 10. 6. wurde über die Micum-Verträge beraten. In der folgenden Woche Auseinandersetzungen zwischen Verkehrs- und Finanzministerium wegen der Löhne und Gehälter der Eisenbahnbediensteten; sie störten sogar einen Bierabend, der in der Kanzlei vorgesehen war. Am 13. 6. schlug v. Seeckt vor, die Militärkontrolle abzulehnen; er will mit Stresemann nur im Beisein von Geßler sprechen. Er ist da ganz in seinem Recht (S. 25). In der Kabinettssitzung wurde u. a. auch das Wahlgesetz erledigt; vorgesehene Änderungen vor allem des Wahlalters wurden nicht genehmigt. Am 14. 6. Besprechung mit den Eisenbahnbeamten und -arbeiten; die 10. Arbeitsstunde wurde für die Oberbauarbeiter noch für 3 Monate festgehalten; die Gewerkschaften erklärten sich nunmehr für eine solche Vereinbarung stark. Am 21. 6. war Marx mit Stegerwald zur Beilegung der Schwierigkeiten mit BVP in Bamberg; zu der Besprechung bei Leicht kamen Held, Schlittenbauer, Baiersdörfer und ein Sanitätsrat aus Ludwigsburg; Besuch beim Weihbischof (S. 26). Fronleichnamsprozession auf dem Hof der St. Clemenskirche am 22. 6. in Berlin. Am 27. 6. kamen Hergt, Tirpitz, Graf Westarp und Hoetzsch, um ihre Besorgnisse wegen der Kontrolle auszudrücken; sie wollen also durchaus ihre Milde walten lassen; Marx konnte sie beruhigen. Beim Essen des Nuntius am 29. 6. blieb RP ziemlich lange; Kaas war auffallender Weise nicht anwesend wohl wegen Unwohlseins. Nachmittags Gartenfest beim RP. In den langen Verhdlgn. mit den Ruhrindustriellen wurden große Summen beansprucht; die Einigung auf 40 Millionen war für den Finanzminister hart. Vom Rhein kommt dann die Nachricht, daß nur für zwei Monate die Sache so gemacht werden soll; zu jedem Monatsende Kündigungsmöglichkeit (S. 27). Am 2. 7. war beim Kultusminister ein Essen zu Ehren des Nuntius. Am 3. 7. große Zusammenkunft mit den Staatspräsidenten und Ministern der Bundesstaaten im Kongreßsaal; es sprachen Stresemann und Luther; in der Diskussion äußerten die Herren über fast alle Maßnahmen der Reg. ihr Einverständnis; nur v. Brandenstein aus Mecklenburg-Schwerin fand allerlei zu kritisieren; Debatte über Presseveröffentlichung; das Frühstück hatte v. Stockhausen viel zu üppig für die schlimme Zeit angeordnet; Besprechung mit Köhler über einen Posten in Baden. In der Kabinettssitzung vom 5. 7. über das Bahngesetz zeigte sich StS Vogt als ein sehr gut unterrichteter Herr, der die ganze Sachlage beherrscht; zwischendurch längere Unterredung mit dem bekannten Großindustriellen von der Saar <Roechling?>, der sich als ein kluger und vorsichtiger Herr erweist, was Brauns bestätigte. Eine Einladung der Bayern nach Bamberg wurde auf die Mitteilung von Held über das Erscheinen von Prinz Rupprecht abgesagt. Unruhe in Frkr. ließ fürchten, daß die Stellung des Min.-Präs. Herriot erschüttert war (S. 28); die Opposition warf ihm vor, in Chequers gemäß den milderen Ansichten von MacDonald bindende Beschlüsse gefaßt zu haben; das wurde in London bestritten; die Beruhigung in Paris beurteilte die dortige Botschaft skeptischer als die Presse. Prof. Stein, ein angesehener Mann mit Verbindungen zur Presse, gab Bericht über eine Amerikareise, ebenso Müller (SPD) über eine Reise nach Norwegen und Schweden. Im Kabinett berichtete Stresemann am 9. 7. über die unklare Lage in Paris; die Finanzlage war ein unerschöpfliches Thema. Der bayer. Gesandte v. Preger, ein nicht ganz angenehmer Herr, der schwer zufriedenzustellen ist, überbrachte neue Wünsche. Am 10. 7. wurde im Kabinett die Beteiligung der Banken an der Reparation besprochen. Abends Bowle bei Jarres, wo auch Brauns länger blieb. Am 11. 7. berichtete Vogelstein. Mit dem engl. Geschäftsträger <J. Addison?> kam v. Maltzan und lud zum 3. 8. zum amerikan. Gesandten <Houghton> zu Ehren eines hohen Beamten aus USA <Hughes> ein (S. 29). Es wurde die ausgezeichnete Abstimmung in Ost- und Westpreußen gefeiert; Severing hielt eine Rundfunkrede; in der Reichskanzlei waren 40 Herren aus dem Osten darunter OP Siehr erschienen; Marks aus Allenstein hielt eine kurze Ansprache, auf die Marx erwiderte; Jarres, Stresemann, Severing und StS Weismann für den erkrankten Min.-Präs. Braun waren anwesend; Veränderung gegenüber der Lage von 1940 (S. 30). Vorbereitung einer Rede für den 12. 7. über die anstehende Londoner Konferenz; Marx sollte die Entente darauf aufmerksam machen, daß sich Dtschld. nicht ohne weiteres durch die Beschlüsse der Konferenz ohne seine Mitwirkung binden lassen wird; Durchsicht des Entwurfs mit dem klugen StS Bracht. Während der Rede war Stresemann im Theater, erschien aber später doch; das Ausw. Amt war mit den Ausführungen zufrieden; Stresemann war dadurch nicht widerlegt worden, sondern Marx versicherte ihn gleich nach dem Eintreffen völliger Übereinstimmung: Man kann aus diesem Vorgehen auch erkennen, wie offen wir stets miteinander gestanden und gesprochen haben (S. 31). Zur Rede äußerte sich die Rechtspresse merkwürdig ruhig. Am 14. 7. Besprechung mit der Z-Presse. Am 15. 7. erschienen Adenauer und Belzer zum Frühstück. Lagebericht beim RP. Im Kabinett Beratung der Disziplinargesetzgebung. Am 16. 7. Gerücht über Gefahr für die Koalition in Preußen; Porsch hielt dies nicht für so ernst. SPD beklagte sich über die Getreidezölle und die Ordnung des Arbeitstages. Abendliche Zusammenkunft mit Adenauer, Herold, Porsch und Bell. In der Ministerbesprechung am 17. 7. Schwierigkeiten über die Ressortzuständigkeit der Verhdlgn. wegen der Kontrolle. Dessauer wollte eine Befürwortung für Herren - namentlich Koch, Jarres und Südekum -, die man in Frankfurt/M. zum OB haben wollte. StS Hirsch berichtete über die wirtschaftl. Verhdlgn. in Paris. Abends Bowle bei Stresemann (S. 32). Am 18. 7. Besprechung mit dem preuß. Finanzminister Höpker-Aschoff und Luther über die Höhe der Entschädigung an die Länder für die Reichseisenbahn ohne Einigung. Konsul Marx wollte für seine zur kath. Kirche übertretende Frau die Frau Marx als Patin. Am 24. 7. Gespräch mit dem württemberg. Gesandten. Zwei Herren aus Österreich wurde Dank für die Aufnahme von 25 000 dt. Kindern ausgesprochen. Mittags mit Kirsch-Puricelli von der Rheinböller Hütte, Fehrenbach, v. Guérard und Kaas zusammen. Am 27. 7. Ausflug nach Büsdorf mit Treffen von P. Storm und P. Hilgers aus Kückhofen (S. 33). Am 28. 7. Besprechung der Pläne für die Londoner Konferenz mit RP, der vollständig einverstanden war. Am 1. 8. besuchte die aus Marx, Stresemann und Luther bestehende Delegation noch einmal Ebert, wo Moulton war, der die Statistiken für das Gutachten angefertigt hatte. Die Einladung erging zum 5. 8. Am 2. 8. war Gefallenengedächtnistag mit Messe in St. Klemens; später vor dem RT vor großer Menschenmenge Gedächtnisrede von RP. Danach Essen bei RP für den Amerikaner Charles Evans Hughes (S. 34); Unterhaltung mit Frau Hughes wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht möglich; beim Kaffee Gespräch mit dem sehr kundigen und klugen Gesandten Graf Kessler. Später Besuch von Frl. Burchartz. Beim Abendessen beim amerikan. Gesandten Houghton ersah Marx aus den sachkundigen und immerhin uns freundlichen Mitteilungen von Hughes, daß doch die in London zu erwartenden Schwierigkeiten ungeheuer groß waren. Am 4.8. Abreise nach London mit Verabschiedung durch alle Minister. 1) Die Londoner Konferenz. Dort wurde das Entgegenkommen des engl. Premierministers MacDonald sehr bemerkt. In Chequers waren 14 Tage vorher die Ententedelegierten zu Besprechungen über den Konferenzverlauf (S. 35). Nach Botschafter d'Abernon war auf Auseinandersetzungen zu schließen. Dort war u.a. nach Behauptung von Herriot vereinbart worden, nicht über die Räumung des besetzten Gebietes verhandeln zu wollen; die von Beginn der Konferenz an erstrebten Sonderbesprechungen gerade über die Räumung kamen dann doch nach einigen Tagen meist abends in den Hotels auf der Basis gegenseitiger Einladungen zustande; Herriot gab Anstoß MacDonalds zu und beschwerte sich auch mir gegenüber darüber, daß MacDonald ihm das zugemutet habe. Als MacDonald, der immer über den Stand der Verhdlgn. unterrichtet wurde, dies von Marx privat mitgeteilt wurde, bestätigte er ein Gespräch mit Herriot darüber: er habe aber nur zugesagt, daß die Verhdlgn. über Räumung nicht auf der Konferenz stattfinden sollten. Was aber bei privaten Zusammenkünften verhandelt wurde, das gehe ihn doch nichts an!; etwas Hinterhältiges in dieser so ganz englischen Art der Auslegung; die Aussprachen aber führten zu guten Ergebnissen. 2) Erschreckend war der Haß, der uns zunächst, als wir in die Konferenz eintraten, empfing! (S. 36). Zahlenmäßige Besetzung der Konferenz und Sitzordnung der Delegierten. Als ich zwischen Stresemann und Luther Platz genommen hatte, sagte ich halblaut zu ihnen: „Das ist ja eine wirkliche Bande von Feinden hier! Da werden wir etwas zu erleben haben! Eröffnung mit den beiden vorher aufgezeichneten Reden. Um den wirklich großen Haß wenigstens in etwa zu besänftigen, ließ Marx den Satz mit der Verwahrung gegen den Vorwurf der Kriegsschuld weg; die Rede trug er in möglichst weichen, echt rheinischen Tönen vor; Wirkung unter den Delegierten war bemerkbar (S. 37). Der Dolmetscher des Ausw. Amtes war unglücklicher Weise Schauspieler gewesen: Während ich meine Rede nur so gleichgültig daher gesprochen hatte, schmetterte er sie mit Fanfarenton in die Verslg. MacDonald schickte uns gleich ein Blättchen mit den Worten: Der Herr verdirbt Ihnen die ganze Sache! Der neue Dolmetscher des Ausw. Amtes war ein tüchtiger Jurist: Ich hatte mir die Gepflogenheit der Konferenzen zugelegt und trug alles recht breit und geschwollen vor. Er paßte genau auf den Sinn meiner Ausführungen auf, faßte ihn juristisch kurz und genau zusammen und warf ihn so dem Verhandlungsgegner ins Gesicht. Das war nun auch wieder nicht richtig. 3) Die Konferenz hat nach meiner festen Überzeugung unter dem besonderen Schutz des Himmels gestanden. Das hat die Größe der erzielten Erfolge erwiesen! In folgendem Hergang erblickt Marx eine direkte Einwirkung von oben. Die Verhdlgn. mit Herriot über die Befreiung des besetzten Gebietes verliefen während der ersten Woche absolut ergebnislos; sein donnerndes Gerede bedeutete eigentlich nichts (S. 38). Am Mittwoch hatte die dt. Delegation eine Einladung der engl. Reg. zum Wettrennen nach Wimbledon auf eine Ahnung von Marx hin unter Vorgabe möglicher unangenehmer Mißfallenskundgebungen der Zuschauer abgelehnt. Am Tage darauf kam ein Telegramm der Reparationskommission mit der Anfrage, ob die dt. Delegation am Samstag zu sprechen wäre: höchst sonderbar, daß die Kommission gerade während ... der Konferenz mit uns verhandeln wollte. Auf die Mitteilung, die Kommission wolle einen Vertrag mit der dt. Delegation vereinbaren, wurde ein Meisterstück entworfen, in dem auch nicht die geringste Verbindlichkeit zum Ausdruck kam (S. 39). Der Gang der Verhdlgn. war das reine Theater. Das Ganze war nur zu dem Zweck arrangiert, daß die Kommission nachher von sich sagen konnte, es sei ihr gelungen, mit der dt. Delegation einen Vertrag abzuschließen in einigen Stunden, während die Konferenz in einer Woche noch nichts zustandegebracht habe! Jedenfalls war Herriot in der zweiten Woche ein ganz anderer. Er hatte über das Wochenende in Paris erfahren, daß er nicht gestürzt werden würde, wenn er auch in der Frage der Räumung den Deutschen entgegenkommen würde. Die Reparationskommission hatte zudem sich sehr anerkennend über die entgegenkommende Art der Geschäftsführung der dt. Delegation ausgesprochen. 4) Bei der Unsicherheit für eine Mehrheit im RT für dt. Beitritt zum Völkerbund sollte diese Frage möglichst vorsichtig behandelt werden (S. 40). Unerwartet kam für den 11.8. eine Einladung von Lord Parmoor zum Frühstück; daran und an der Aussprache nahm Prof. Murray von der Univ. Oxford teil; aber über den Völkerbund ist nicht gesprochen worden. Im Hotel zurück sagte Marx zu den Ministern: Das scheint mir wirklich ein Witz der Weltgeschichte zu sein, daß wir den ganzen Tag fast im Hause von Lord Parmoor gewesen sind, und es ist nicht mit einer Silbe über den Völkerbund gesprochen worden! Später behaupteten Parmoor und Prof. Murray das Gegenteil. Der Nordpolfahrer Fridtjof Nansen kam eigens nach Heiligenberg, um die Aufsehen erregenden Widersprüche aufzuklären (S. 41). Die oben angeführte Bemerkung von Marx, die von einem aufmerksamen Beamten des Ausw. Amtes sogleich nach Berlin telegraphiert worden war, diente als Beweis. Nicht nur MacDonald erwies sich als besonders deutschfreundlich, sondern auch der engl. Finanzminister Snowden, ein ganz merkwürdiger Mann. Während der Konferenz, die er mit größter Aufmerksamkeit verfolgte, gab er der dt. Delegation, wenn ihm Äußerungen nicht gefielen, Zeichen, indem er sich zurücklehnte: Das war zuweilen derart auffallend, daß ich fürchtete, es würde einmal ein Angehöriger eines uns nicht befreundeten Staates Gelegenheit nehmen, dieses Verhalten zu rügen oder gegen uns auszunutzen (S. 42). Marx machte ihn - mit Dank für seine Sympathien - auf mögliche Unannehmlichkeiten wegen seiner zu weit getriebenen Unterstützungen aufmerksam. Snowden, die seltsamste, unverständlichste Gestalt der Konferenz, ... deutscher als die Deutschen in den Memoiren des Botschafters d'Abernon (S. 43). Der Briefwechsel Marx-Herriot entstand aufgrund des Beharrens von MacDonald auf Schluß der Konferenz am 16. 8. Eine Reihe die Räumung betreffende Fragen, die zu diskutieren vergessen worden waren, waren in einem möglichst freundlichen Schreiben an Herriot aufgeführt. Nach Ende der feierlichen Schlußkonferenz steuerte Marx durch die Menge der Delegierten auf den Präsidententisch zu, an dem Herriot sich befand. Ich führte nun ein Theater vor, das seine Wirkung nicht verfehlte: Mit feierlicher Ansprache an Herriot (sinngemäß aus der Erinnerung wiedergegeben) (S. 44) wurden ihm zugunsten meines geliebten Rheinlandes eine Anzahl Bitten schriftlich mit Bitte um Bekräftigung durch Handschlag überreicht. Herriot stieß ein lärmendes Gelächter hervor: Das ist großartig! Wie nennen Sie das in Berlin? Wir nennen das Erpressung! Aber es soll geschehen, wie Sie es wünschen! Hier meine Hand! Marx: Der Kölner Witz hatte wieder einmal ein Wunder vollbracht. In Berlin wartete nach der Rückkunft am 18. 8. der Drache des RT; Reden von Marx, Stresemann und Luther am 23. 8. Am 25. 8. eröffnete Wulle (NSFP) die Debatte mit heftigen Angriffen wegen Feigheit und Schwäche der Reg. Aus der Rede von Hergt war nicht zu ersehen, ob er mit den Londoner Ergebnissen einverstanden war oder nicht (S. 45); seine Ausführungen sollten die geteilten Meinungen innerhalb der DNVP verhüllen; bei neuerlicher Wortnahme sprach Marx sehr scharf, weil er des Einverständnisses des RP sicher war, den RT aufzulösen, wenn das die Verfassung ändernde Eisenbahngesetz keine 2/3-Mehrheit bekam. Bericht d'Abernons über die Forderung von Hergt vom 29. 8., das Gesetz anzunehmen, wenn Marx sofort danach seine Entlassung nähme. Zuletzt wollte die DNVP zustimmen, wenn die Reg. eine feierliche Erklärung zur Kriegsschuldfrage abgäbe (S. 46). Nachdem eine solche Erklärung in der Eintrittsrede von Marx in London mit dem Einverständnis von Stresemann und Luther unterlassen worden war, glaubten wir nach längerer Beratung doch den Schritt tun zu müssen, weil ja davon, das war unsere wohlbeqründete feste Überzeugung, nun das ganze Schicksal der weiteren Entwicklung abhing. Sie erging am 30. 8., am gleichen Tag unterzeichnete Botschafter Sthamer das Londoner Abkommen, am 29. 8. waren sämtliche Gesetze - auch das Eisenbahngesetz - angenommen worden. Schilderungen d'Abernons über die von StS v. Maltzan auf eigene Verantwortung hinausgezögerte Absendung der Kriegsschuldnote wegen Unklarheit über die Weise, wie sie anderen Reg. notifiziert werden sollte (S. 47). Stellung verschiedener Parteien zur Notifizierung. Die Kriegsschuldfrage im Urteil des Auslandes und der Wissenschaft. Marx hatte sich rege in der Gesellschaft zur Erforschung der Kriegsschuld betätigt; er wurde ihr Vorsitzender. Die Gründe der Uneinigkeit in der DNVP bei der Abstimmung am 29. 8. (S. 48). Stellungnahme von Marx zu Äußerungen über ihn in den Memoiren d'Abernons, eines ungemein großen Verehrers von Stresemann. Marx: Stresemann war auch tatsächlich ein prächtiger Mann, der große Verdienste sich um Dtschld. und seine Wiederaufrichtung verschafft hat. Ich habe mich stets gut mit ihm vertragen. Zu ernsthaften Meinungsverschiedenheiten sind wir nie gekommen (S. 49). Pressestimmen verschiedener Richtungen zur Londoner Konferenz (S. 50). Marx sieht ihre Hauptsache darin, daß ich die baldige Räumung des Rheingebietes erreicht hatte. Freilich wurden die vereinbarten Fristen nicht alle innegehalten; Verstöße der Militärbehörden gegen ihre Abmachungen blieben oft nicht geheim; Marx hatte mehrfach mit Generälen sehr entschiedene Aussprachen gehabt. Bei den Reisen mit RP v. Hindenburg ins Rheinland 1926 konnte Marx allerorts die Freude und Dankbarkeit über die frühzeitige Befreiung feststellen. Allerdings spielt in manchen Büchern der späteren Zeit die Befreiung der Rheingebiete und der Londoner Vertrag keine Rolle. Die Zeit von 1923 oder 1924 bis 1929 scheint ganz ausgelöscht zu sein. Auch so kann Geschichte geschrieben werden! (S. 51). Das Schlußprotokoll der Londoner Konferenz mit der Sammlung von Unterschriften - zufällig fehlt die von Herriot <?> - der Hauptdelegierten als interessantes Andenken bewahrt. Auf der Katholikenverslg. am 31. 8. in Hannover hielt sich Marx über das Londoner Abkommen ganz zurück (S. 52). Die DNVP wollte nach dem Opfer ihrer Zustimmung zu den Londoner Beschlüssen auf ihre Durchführung, wie Graf Westarp in Potsdam erklärte, durch Beteiligung an der Reg. maßgebenden Einfluß gewinnen; ihre RT-Fraktion gab eine entsprechende Erklärung ab. Dazu Stellungnahme des Prov.-Ausschusses d. Rhein. Z-Partei vom 17. 9. und des Reichsparteivorstandes vom 31. 8. Es scheint, daß auch die Vertreter des Z ziemlich weit in ihren Versprechungen gegangen sind; Marx hatte an den Verhdlgn. nicht teilgenommen (S. 53). In der Z-Partei war man einig, daß nur die Politik der Mitte das Heil für die Zukunft schaffen könnte. Der Besuch von Fridtjof Nansen am 20. 9. in Heiligenberg am Bodensee und sein großer Widerhall in der polit. Welt (S. 54).Bemühungen zur Erweiterung der Regierung: Die bisherige Reg. regierte mit 138 von 462 Abgn. Von rechts wurde ein Bürgerblock erstrebt. Marx war für Einbeziehung der SPD, mit deren Hilfe die jetzt erzielten immerhin bedeutsamen Ergebnisse erreicht waren. Vor dem Parteitag der DNVP Ende Sept. wurde von der RR ein Memorandum als Grundlage für die Besprechungen entworfen; es wurde von RP gebilligt und im Ministerrat am 25. 9. genehmigt. Schwierigkeiten entstanden auf einmal bei allen Fragen, z. B. bei den Wahlen zum Verwaltungsrat der Reichsbahn. Die Sozialdemokraten unter Führung von Müller sind, wie immer, recht vernünftig; sie wollten der DNVP Fragen besonders über ihre Stellung zur Verfassung vorlegen. DDP erhob dagegen Bedenken. Auf die Frage von Marx über Zuziehung der SPD erklärte sich DNVP für nicht vorbereitet (S. 55). Am Tag vorher, 2. 10., hatte Marx mit den Reg.-Parteien verhandelt: vom Z Spahn, v. Guérard und Stegerwald und von der DVP Stresemann. Später aber stehen schlimme Dinge in der 'Nationalliberalen Korrespondenz'. Ich werde mit Stresemann darüber sprechen müssen. Abends beim RP große Verslg. der Neuphilologen, wo Marx den Vors. d. kath. Lehrervereins von Berlin und den Stenographen Gaster von Duisburg traf. Am 4. 10. billigte man im LT die Haltung von Marx und hielt bei Schwierigkeiten die Auflösung des RT für erforderlich; für den LT ist ohnehin bald Neuwahl. Kammergerichtspräs, v. Staff bedankte sich für den Glückwunsch zum 70. Geburtstag. Am Tage vorher Polizeitagung bei Severing mit interessanten Vorträgen über Verkehrssicherung in Amerika, Polizeihunde u. a.; zum Schluß schönes Konzert der Schutzpolizei (S. 56). Am 7. 10. Eröffnung der Industrie- und Technikausstellung in Michenbach, die auch RP und andere Minister besuchten. Begrüßung der Kultusminister der Länder im Rathenau-Haus. Die Z-Fraktion vertagte ihre Entscheidung über die Reg.-Bildung. Am 10. 10. Besprechung mit DNVP ohne Ergebnis bei erkennbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen Hergt und Graf Westarp. Scholz kündigte Austritt der DVP aus der RR an, wenn nicht die DNVP hineingenommen würde. Abends darüber Bericht beim RP. Hergt drängte am folgenden Tage auf baldige Klärung, die Marx ihm wegen der Vertagung der Entscheidung des Z nicht geben konnte (S. 57). Der Aufstieg des Zeppelin wurde am 11. 10. wegen warmen Wetters aufgeschoben; er startete wenige Tage später und war am 15. 10. in Amerika: Ein wahres Weltwunder! Am 11. 10. im RT Gedächtnisfeier für Anton Bruckner (* 4. 9. 1824); Marx als Protektor der Berliner Bruckner-Vereinigung sprach Gedenkworte, die Rede hielt Prof. Oskar Fleischer; dem anschließenden Konzert wohnte RP mit Rücksicht auf die Sympathien des befreundeten Österreich bei; Bruckner-Konzerte in der Philharmonie unter Prof. Gatz. Im Fraktionsvorstand erklärte Marx seine Ablehnung, ein nach rechts erweitertes Kabinett ohne DDP zu leiten. Diesen von Vorstand und Fraktion gebilligten Standpunkt teilte er den Reg.-Parteien mit, worauf die DDP keine weiteren Erklärungen für nötig erachtete (S. 58). Bei einem Frühstück beim RP konnte Marx alles Geßler erzählen, gegen den sich viele Angriffe von rechts richteten, was mich um so mehr bestimmt, an seinem Bleiben festzuhalten. Im Kabinett war man gegen Auflösung des RT und für erneuten Versuch mit der Rechten; Marx verlangte das Verbleiben von Geßler. Am 17. 10. beanspruchte DNVP vier Minister; Marx bat sie in Anwesenheit von Stresemann und Brauns, nicht den Bogen zu überspannen. Beim Essen im Adlon saß Marx neben RP und Dawes, der sich genau an die dt. Ausführungen in London erinnerte; beim Aufbruch herrschte große Aufregung wegen der Ankunft von Jackie Coojan. Nachmittags Besprechungen mit DVP und DNVP. Am 19. 10. Verhdlgn. mit StS Bracht und RP (S. 59); dieser sagte, daß er selbst die Verantwortung dafür trage, welche Personen zu Ministern benannt würden. Ich hätte meine Vorschläge zu machen, und er habe nur zu prüfen, wie die einzelnen Personen zur Verfassung ständen. Am 20. 10. empfing Marx im Beisein von Stresemann die DNVP. Von der DDP wurde Beteiligungswille mitgeteilt. Von rechts kam Ablehnung der Regierungsteilnahme. In der folgenden Kabinettssitzung gab es recht schnell Einigkeit über die RT-Auflösung; ein Aufruf wurde entworfen. Am 22. 10. war Frühstück zu Ehren von Dawes. Der preuß. LT wurde am 24. 10. geschlossen; LT- u. RT-Wahlen wurden zum 7. 12. anberaumt. Der Z-Parteitag am 25.10. in Berlin war eine wirklich hervorragende Tagung mit Debatten auf meist wirklich wertvoller Höhe und einzigartiger Einmütigkeit in den Beschlüssen (S. 60). Marx legte großen Wert auf die Ausarbeitung der Eröffnungsrede, in der er Außenpolitik und das Scheitern der Bildung einer tragfähigen Regierung hauptsächlich behandelte. Fehrenbach unterstrich die Grundsätze dieser Politik; anwesend war ein Vertreter aus Danzig und einer des österr. Nationalrats. Am 28. 10. Rede bei der Abschiedsfeier für den Reichsbankvizepräs. v. Glasenapp. Einladungen zu Kundgebungen nach Münster (5. 11.). Osnabrück (10. 11.), Breslau (15. 11.), Köln (23. 11.), Elberfeld u. Barmen (27. 11.), Aachen (29. 11.), Hagen (2. 12.), Karlsruhe (6. 12.) (S. 61). Ergebnisse der RT-Wahl vom 7. 12. Die Verhdlgn. über die Reg.-Bildung zogen sich ungeheuer lange hin. Kurz gesagt, ich bekam bis Ende des Jahres überhaupt kein Kabinett zusammen (S. 62). Im Z war die Stimmung gegen DNVP stark gewachsen. In der friedl. Unterredung mit den Reg.-Parteien am 12. 12. blieb der von Marx erwartete Zusammenstoß zwischen DDP und DVP aus. Bei dem Gespräch mit DNVP trug - dazu gebeten - Stresemann seine Gedanken über Militärkontrolle und Völkerbund vor. Darauf mit Stresemann allein, ersuchte dieser Marx, unter allen Umständen das Amt wieder zu übernehmen, was abgelehnt wurde. In der Aussprache im LT war nur ten Hompel für DNVP. Am 17. 12. sprach sich in der Fraktion Fehrenbach scharf gegen ihre Beteiligung aus, ebenso die anderen Redner bis auf Feilmeyer und Kerp, der GS des Rhein. Bauernvereins war. Marx hatte sich zwar zur Gewinnung einer breiten Basis wegen Durchführung der großen und gefährlichen Aufgaben des Londoner Vertrages ausgesprochen (S. 63). Mit der DNVP konnte aber damals keine Politik von Nutzen betrieben werden; sie rief das Mißtrauen der Entente und den Argwohn unehrlicher Ausführung des Dawes-Planes hervor, zumal ihre Haltung bei der Beschlußfassung über das Eisenbahngesetz nicht verborgen blieb. Marx selbst verlor das Zutrauen, nachdem sie ihm als Ministervorschläge nur Herren nannte, die das Eisenbahngesetz abgelehnt hatten. Stresemann nahm am 18. 12. den Auftrag zur Kabinettsbildung nicht an. Marx vereinbarte mit RP einen neuen Versuch. Die DVP erklärte sich gegen Weiterbestand des Minderheitskabinetts und die DDP gegen jede Beteiligung der Rechten, so daß kein Ergebnis zu erzielen war. In der Z-Fraktion forderte Wirth ein Kabinett aus „Persönlichkeiten": Er meint offenbar ein solches, das aus ziemlich links stehenden Personen gebildet würde. Bei der Berichterstattung am 19. 12. vertagte RP alles bis nach Neujahr (S. 64). Darüber war man am gleichen Tage in der Fraktion schon unterrichtet. Auch in der Kabinettssitzung am Krankenbett von Brauns war man der Ansicht, daß jetzt weitere Verhdlgn. keinen Zweck mehr haben. Am 20. 12. machte Schiele Andeutungen, als seien seine Freunde mit einzelnen Mitgliedern des jetzigen Kabinetts nicht einverstanden. Brauns schlug nachmittags im Ministerrat Richtigstellung der Berichterstattung der Ztgn. in einer Pressekonferenz vor. Immer mehr kam ich zu der Überzeugung, daß das dt. Volk wirklich nicht imstande ist, sich selbst zu regieren! Köstliche Karikaturen in der ‚Magdeburgischen Ztg. von Werner Hahmann (S. 65). Der Beleidigungsprozeß gegen Dr. Gansser und die ‚Mitteldt. Presse vor dem Schöffengericht Magdeburg vom 9. - 23. 12. und das für RP nachteilige Urteil (S. 66). Die vaterländ. Gesinnung Eberts 1914 und Versicherung von Marx bekannten Soldatenräten, daß der sehr bedeutungsvolle Beschluß, daß eine Nationalverslg. einberufen werden müsse, lediglich der überzeugenden Rede von Ebert zu verdanken sei. Am 1. 12. erschienen mehrere Presseberichte über die einjährige Kanzlerschaft von Marx (S. 67). Stresemann wurde nach der Regierungskrise als großer Ränkeschmied dargestellt, der auch das Z auseinandersprengen wollte. Marx aber schätzte ihn als offenen Mann; er hatte in der DVP keine leichte Aufgabe, zumal die Fraktion sehr zu Intriguen und Heimlichkeiten neigte. Zu dem Schreiben an den bayer. Min.-Präs. v. Knilling vom 16. 5. erläuterte Marx, daß ihm am 27. 4. bei einer Wahlrede im Apollotheater in Düsseldorf französ. Offiziere zuhörten und er wegen der eigentümlichen Haltung weiter bayer. Kreise in Wut bemerkte: Da sollte man ja fast wünschen, die Bayern hätten einmal einige Monate fremde Besatzung! Dann würden sie wohl auch vernünftig werden und sich um wirkliche Notstände Sorge machen! (S. 68). Die bayer. Denkschrift zur Revision der Weimarer RV von Ende 1923 forderte Verstärkung des Einflusses der Länder, die künftig „Bundesstaaten" heißen sollten: Man hatte am Rhein und auch im Reich doch andere Sorgen zur damaligen Besatzungszeit. Über die Frage Republik oder Monarchie und über Weimarer Verfassung ging viel grundsätzlicher Streit. Von rechts wurden die Katholiken daran erinnert, daß sie doch eigentlich keiner Republik untertänig sein könnten (S. 69); daher mußte die Rechtmäßigkeit der Weimarer Verfassung in Verslgn. immer wieder behandelt werden. - Der 1. 12. 1924 war der erste Tag der Goldmarknotierungen: Damit war das Unheil der Inflation gebannt, und dank hauptsächlich der Stärke von Bankdirektor Schacht war damit der Finanzlage Dtschlds. wieder eine feste Grundlage geschaffen! (S.70). Briefwechsel mit dem Bischof v. Breslau und seinem bevollmächtigten Rat Dr. Pollak sowie dem Ausw. Amt über die von der Einziehung bedrohten Güter des Fürstbistums in der Tschechoslowakei (S. 71). Die angebliche Freundlichkeit des Präs. Benesch. Gratulationsschreiben des Bischofs Schreiber, eines klugen und gewissenhaften Mannes. Protest besonders der Monistenvereinigungen über Ausführungen zu Schulfragen auf der Katholikenverslg. in Hannover. Das „Horoskop des Reichskanzlers Marx" von J. J. Hablitz: der Verlust der RK-Pension ist eingetroffe. 72 S. (auf S. 49: Da infolge des Kriegsausbruchs 1939 ein großer Mangel an Papier einzureißen droht, werde ich von jetzt ab auf beiden Seiten schreiben) mit eigenhädig Beilage nach S. 54. Masch.-Erstschrift miteigenhädig. Verbesserungen und Nachträge bzw. Hinweisen.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 60
Altsignatur : 60



3. 6.1924 - 15.12. 1924
Zweites Kabinett vom 3. 6. - 15.12. 1924


Enthält : 1924 Mai24: Aufzeichnung der „Mittelstelle des Ringes: Am Mittwoch, den 21. 5., fand eine vertraul. Besprechung zwischen Vertretern der Vaterländ. Verbände, der Wirtschaft, Landwirtschaft und Industrie und den uns befreundeten Abgn. statt. Thema: Reg.-Bildung und Stellung zum Dawes-Gutachten. Situation: Verhdlgn., zu denen die Dt.-Nationalen die Mitte eingeladen haben; die DNVP präsentiert Tirpitz. Die Diskussion ergab in Bezug auf die Frage der Reg.-Bildung zwei Ausgangspunkte: I. Die Partei müsse jetzt an die Macht zu kommen suchen auch auf das Risiko hin, in der Frage des Gutachtens zunächst außen und innen Konzessionen machen zu müssen, weil a) die Partei als Opposition nicht stark genug sei, um die Außenpolitik der großen Koalition zu verhindern. Stresemann werde verstehen, die Verfassungsänderungen zu umgehen, die man für die Ausführung des Gutachtens nötig hält und werde also mit seiner knappen Mehrheit auskommen. b) Nach Annahme und Ausführung des Gutachtens würde aber die Partei auf lange von jeder Macht im Reich und in Preußen ausgeschlossen sein. Die herrschende Demokratie würde die nationale Bewegung knebeln und die militär. Vorbereitung verhindern (wie dies seit Jahren unter der Aera Severings geschieht). c) Im Besitz der Macht aber wäre selbst nach Annahme und bei Ausführung des Gutachtens militär. Vorbereitung möglich! Diese letzte Hoffnung konnte nicht anschaulich oder gar glaubhaft gemacht werden; es sei denn, daß die Partei in ihrem Griff nach der Macht entschlossen wäre, diese unter allen Umständen und auf alle Konsequenzen hin festzuhalten. Man müßte sonst in die Koalitionsreg. hineingehen, um von der Herrschaft über die wichtigsten Funktionen aus, die Koalition zu überwinden, das Parlament auszuschalten und die Diktatur zu sichern. Diese Absicht der Koalitionspolitik wird von den verschiedenen Seiten ausdrücklich behauptet. Von anderer Seite wurde bezweifelt, ob Tirpitz in einem Koalitionskabinett stark genug sein könnte, diese Entwicklung durchzusetzen. Einstimmigkeit herrschte darüber, daß, wenn es jetzt nicht gelänge, soviel Macht in der Reg. zu gewinnen, wie notwendig wäre, um die unbestrittene Führung zu haben, der Partei nichts anderes übrig bliebe, als in die schärfste Opposition zu gehen. II. Die Gegner der Machtergreifungspolitik in diesem Augenblick gingen von der Notwendigkeit aus, daß das Dawes-Gutachten unter keinen Umständen anerkannt werden dürfe. Sie wären sehr glücklich, wenn die DNVP jetzt eine nationale Reg. bilden könnte, die das Gutachten als Grundlage von Verhdlgn. über das Reparationsproblem ablehnen würde oder doch klar erkennen ließe, daß sie mit der Erfüllungspolitik der letzten 5 Jahre brechen und die Verhdlgn. über das Gutachten zum Scheitern bringen wolle. Für eine solche Politik wird aber die Partei nicht als stark genug erachtet, auch dann nicht, wenn sie der Unterstützung der Völkischen, des bayer. Z und des rechten Flügels der DVP sicher wäre, was nicht der Fall ist. Bei aller Verehrung für die Persönlichkeit des Großadmirals v. Tirpitz, dessen diplomat. Geschick durchaus anerkannt wird, fürchtet man, daß er allein die Schwäche der Partei nicht würde ausgleichen können, zumal dann nicht, wenn in sein Kabinett Männer der Mitte aufgenommen werden müssen. Von dieser Anschauung aus wird der Partei empfohlen: aus dem außenpolit. Standpunkt, den die Partei 5 Jahre gegen jede Erfüllungspolitik eingenommen hat, weiter strengste Oppositionspolitik zu treiben. Die Opposition ist so zu führen, daß die Mitte verantwortlich bleibt für das Dawes-Gutachten, welches selbst zu Fall gebracht werden muß. Im einzelnen wird diese Forderung damit begründet, daß a) die Partei - und das ist die Bedeutung der Wahlen - stark genug ist, um erfolgreich Oppositionspolitik zu treiben, zumal da sie in der Opposition der Gefolgschaft der Völkischen sicher ist. Als Oppositionspartei weiß sie auch die Macht der vaterländ. Bewegung im Lande hinter sich. Eine von Anfang an mit allen Mitteln geführte Opposition muß und kann verhindern, daß die Mitte die verfassungsmäßige Zweidrittelmehrheit für die Annahme bzw. die Ausführung des Gutachtens taktisch ausschaltet; b) die Partei nur in geradliniger Fortführung ihrer „Antierfüllungspolitik die nationalen Massen hinter sich halten kann. Jede erfüllungspolit. Konzession um der Machtbeteiligung willen kann ihr das Schicksal der DVP bereiten. Die DNVP scheint aber die letzte - vielleicht nicht nur parlamentarisch-politisch letzte - Organisation zu sein, die die nationale Bewegung zur polit. Stoßkraft halten und sammeln kann. Dieser Standpunkt, der als oberstes Ziel die Ablehnung oder Abwehr des „Versailles der Gutachten aufstellt, ist unseren Freunden im Lande genau genug entwickelt worden. Es sei nur noch einmal darauf aufmerksam gemacht, daß das Argument: Annahme und Ausführung des Gutachtens werde hauptsächlich durch die Abtretung des Kreditmonopols, der Währungshoheit und der Verkehrshoheit an Organe unserer Feinde in kürzester Zeit jede nationale Politik von Dtschld. aus möglich machen, nicht entkräftet worden ist. 2¿ S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1924 Mai 30, 7.30 Uhr abends: Aufzeichnung: Die Dt.-nat. Fraktion vermag nicht darauf zu verzichten, daß in der ausw. und inneren Politik des Reiches eine Kursänderung erfolgt und daß hierfür bei der Reg.-Bildung sichtbare Garantien geschaffen werden. Aus diesem Grunde hat sie sich stets mit aller Entschiedenheit für die Tirpitz-Lösung ausgesprochen. Da die von dem bisherigen Herrn RK Marx geführten Verhdlgn. für die vorausgesetzte Kursänderung, namentlich auch was die entsprechende Kursänderung in Preußen anbetrifft, keine Gewähr bieten, verspricht sich die Dt.-nat. RT-Fraktion von einer Fortsetzung dieser Verhdlg. keinen Erfolg. Einstimmiger Beschluß der Dt.-nat. RT-Fraktion. ¿ S., masch.-schriftl., Kopfbogen ‚RT, ohne Beglaubigungen. 1924 Mai 30:Presseverlautbarung d. Nachrichtenbüros d. Ver. Dt. Zeitungsverleger über eine Mitteilung der DNVP zu vorigem Beschluß. 1 S., Vervielf. 1924 Juni 2 - Frankfurt/M.: Ernst Michel übersendet an Marx einen Leitart. der ‚Basier Nationalztg., der nach zuverlässigsten Informationen sowohl die offizielle Einstellung Englands und Amerikas wie der zukünftigen Reg.-Männer Frkrs. zum Ausdruck bringt. Man wird die Entente als eiserne Front finden und die Sicherheitsfrage wird sofort von allen in den Vordergrund geschoben werden, wenn die zukünftige dt. Reg. auch nur in einem Punkte die von der dt.-nat. Fraktion geforderte außenpolit. Kursänderung versuchen sollte. Mit der Annahme des Sachverständigengutachtens sind keine anderen außenpolit. Konzessionen zu erkaufen, in der Rheinlandfrage z. B. wäre schwere dt. Niederlage zu gewärtigen. Die Note über die Kontrollkommission ist als Warnung gedacht. Ein Nachgeben der Z-Fraktion im außenpolit. Kurse dürfte eine Spaltung der Partei nach sich ziehen. Eh. Unterschrift. 1¿ Halbseiten, masch.-schriftl. Ausf., als Beilage der Art. 1924 Juni 2 - Berlin: Stresemann bestätigt Marx die am 29. 5. mündlich gemachte Mitteilung, daß Marx bei den Verhdlgn. wegen der Reg.-Bildung auf meine Person keine Rücksicht zu nehmen braucht. Eh. Unterschrift. ¿ S., eigenhädig Ausf., ‚RT'-Kopfbogen. 1924 Juni 3 - Berlin: RP Ebert bestätigt Marx als RK. Eh. Unterschrift. Eh. Gegenzeichnung: Dr. Jarres. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Im Namen des Reichs, großes eingeprägtes Staatssiegel. 1924 Juni 4 - Berlin: Aufzeichnung: Der frz. Botschafter de Margerie teilt soeben telefonisch mit, daß er Stresemann und das Kabinett zur Rückkehr in ihre Ämter beglückwünsche. Auf meine Entgegnung, daß es nötig wäre, daß auch das Ausland allmählich mehr Verständnis für die schwierigen Aufgaben dieses Kabinetts bekomme, erwiderte der Botschafter: „Wir haben schon in diesem Sinne gearbeitet; ich hoffe, daß Sie die Wirkungen bald spüren werden. Paraphe: v. M(altza)n. ¿ S., masch.-schriftl. mit Verteilerschlüssel. 1924 Juni 4-6: Reg.-Erklärung von Marx nach Bildung des 2. Kabinetts und deren Besprechung. Stenograph. Berichte über die 7.-9. Sitzung des RT, S. 103-223. 1924 Juni 5: Denkschrift des Reichsfinanzministers über den Personalabbau. RT II, 1924, Ds o. Nr. Dazu Verlautbarung von WTB vom 11.6.1924. 1924 Juni 5 - Düsseldorf: ,Dt. Wahlspruch zum Pfingstfest 1924', Gedicht von Johannes Wintgen. 1 S., eigenhädig Ausf. Dabei Anschreiben. 1924 Juni 7: RT-Rede von Marx zum Sachverständigen-Gutachten. 9 S., masch.-schriftl., eigenhädig u. hs. Zusätze. 1924 Juni 20 - Frankfurt/M.: Ernst Michel übersendet Marx einen Art. ‚Landgraf werde hart!' als Standpunkt eines starken Kreises von Z-Mitgliedern in Franken, Hessen und dem Rheinland; man ist entschlossen, nur im Sinne einer unbedingten Verständigungspolitik zu arbeiten und uns mit der sog. Erfüllungspolitik nicht mehr zufriedenzugeben. Ein Pariser Gewährsmann teilt als in frz. Reg.-Kreisen verbreitete Meinung mit, General v. Seeckt sei die Seele des Widerstandes gegen die Annahme der Forderungen der Militärkontroll-Note. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf., in der Anlage d. Art. 1924 Juli 27 - Karlsruhe: Schmerbeck telegraphiert Marx namens des bad. Jung-Z und der Vertreter der württemberg. und Pfälzer Windthorstbünde dt. Grüße in treuer unerschütterlicher Gefolgschaft. Postausfertigung mit eigenhädig Antwortvermerk von Marx. 1924 Sept. 9 - z. Z. Freudenstadt: StS Meissner drückt Marx die Freude Eberts über den geplanten Besuch aus. Frau Marx möge auf besonderen Wunsch des RP und Frau Ebert mitkommen. Meissner wird Marx am Bahnhof Tuttlingen abholen. Eh. Unterschrift. 1¿ Halbseiten, eigenhädig Ausf., Kopfbogen ,Der RP'. 1924 Sept. 13 - Berlin: Dr. Jecher, Redakteur der ‚Germania', berichtet Marx über ein Gespräch mit Don Luigi Sturzo in Rom. Dieser rechnet für Italien in absehbarer Zeit mit dem Ende der Faschistenherrschaft und mit der Bildung einer demokrat. Koalition, in der der Popularenpartei eine ausschlaggebende Rolle zufallen müßte. Außenpolit. würde Italien in die Reihe der demokrat. orientierten europ. Länder wiedereintreten. Er fragte, ob RK Marx die Dt.-Nationalen unter allen Umständen in die Reg. aufnehmen wolle. Jecher habe Sturzo geantwortet: wohl nur auf der Grundlage der bisherigen Reichspolitik. Sturzo: Eine Hereinnahme der Dt.-Nat. in die Reg. würde vor allem auf die öffentl. Meinung Frkrs. die ungünstigsten Wirkungen ausüben und vielleicht auch das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Reichspolitik erschüttern. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Redaktion der Germania'. 1924 Sept. 13 - Frankfurt/M.: Dr. Ernst Michel übermittelt Marx hochbedeutsame Art. der ‚Rhein-Mainischen Volksztg.', die an klarer Stellungnahme die ganze andere Z-Presse übertreffen und die die maßgebenden Z-Kreise und die Windthorstbünde Hessen-Nassaus hinter sich haben. Für uns ist jede Koalition mit der DNVP vorläufig ausgeschlossen und würde für uns Verrat an dem Ethos und der Grundrichtung unserer außen- und innenpolit. Marschroute bedeuten. Hat der Hitlerputsch die Schwäche der Völkischen so das Abstimmungsmanöver die der DNVP offenbart. Dtschlds. Eintritt in den Völkerbund ist uns Gewissenssache und Vorbedingung für die Aufrollung der Schuldfrage, für die die Zeit noch lange nicht gekommen ist. Zuerst müssen wir positive europ. Politik gemacht haben, ehe wir von den Völkern den Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben können, die dann auch die Revision früherer Fehlurteile gegen uns erzwingt. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. 1924 Sept. 16 - Düsseldorf-Unterrath: Rektor Friedgen, Vors. des Rhein.-Westf. Stenographenbundes Stolze-Schrey, Vors. d. Z in Düsseldorf-Unterrath, bittet Marx, obwohl dieser selbst das System Gabelsberger schreibt, für das System Stolze-Schrey einzutreten. Der Z-Mann Dr. Eduard Hüsgen, der noch bei Leopold Arends persönlich gelernt hat, ist später ebenfalls dafür eingetreten. Eh. Unterschrift. 2¿ S., eigenhädig Ausf. 1924 Sept. 16 - Darmstadt: Lenhart namens der Z-Fraktion des Hess. LT dankt Marx für die vorzügliche, charaktervolle und ehrliche Art der Führung der Reichsgeschäfte und wünscht, daß nach wie vor die Führung der Reichspolitik in der bewährten Mitte liegen muß. Eh. Unterschrift. 1 S., Ausf. von Kanzleihand auf Kopfbogen ,LT der Republik Hessen'. 1924 Sept. 17 - Berlin: Rundschreiben II (Vertraul. Mitteilung) des Generalsekretariats d. Dt. Z-Partei: Standpunkt der Reichsparteileitung gegenüber dem Drängen der DNVP auf Beteiligung an der RR, der sie bewegenden Hintergründe und der dagegen einzunehmenden Haltung. Unterschrift: Vockel. 3 S., Vervielf. 1924 Sept. 23 - Coesfeld/Westf.: Leppelmann, Vors. d. Z-Partei d. Kreises Coesfeld, übermittelt Marx eine Vertrauenskundgebung der Kreisvertretung der Z-Partei im Hinblick auf das Londoner Abkommen. 2 S., hs. Ausf. 1924 Okt. 21, Okt. 22, Nov. 12 - Paris: Presseübersichten: Analyse des Ergebnisses möglicher Neuwahlen, angeblicher Gegensatz Marx-Stresemann, Prof. Gumbel - Heidelberg in Dijon, Reden von Baldwin und Austen Chamberlain. 7, 6, 5 S., Telegramm-Formblätter. 1924 Okt. 28: Rede von Marx bei der Verabschiedung des Reichsbankvizepräs. v. Glasenapp. 2 S., masch.-schriftl., eigenhädig Verbesserungen. <1924 Nov.>: Rede von Marx anläßlich der Auflösung des RT. 35 S., ab S. 19 eine zweite Fassung, die bis S. 42 reicht, in dieser 2. Fassung Nachtrag zu S. 19, 2¿ S., masch.-schriftl., viele eigenhädig Verbesserungen. o. D. <1924 Nov.>: Manuskript einer von Marx im Rheinland gehaltenen Wahlrede. 40 S., masch.-schriftl., viele eigenhädig Verbesserungen. o. D. <1924 Nov.>: Manuskript einer von Marx gehaltenen Wahlrede. 12 S., masch.-schriftl., eigenhädig Verbesserungen. 1924 Dez. 2 - Berlin: RP Ebert an Marx: Heute ist ein Jahr vergangen, seit Sie das schwere Amt des RK übernommen haben, und ich möchte diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne in herzl. Dankbarkeit Ihrer und Ihrer Arbeit zu gedenken. Wenn auch noch nicht alles erreicht ist, was wir wünschen und hoffen, wenn auch heute noch ernste Sorgen auf unserem Lande lasten, so dürfen wir doch sagen, daß im letzten Jahre ein erheblicher Teil erfolgreicher Sanierungsarbeit geleistet und unser Volk ein gutes Stück vorwärts gebracht worden ist. Daß dies gelang, ist nicht zum wenigsten Ihnen und Ihrer unermüdlichen Arbeit zu verdanken. Dies am heutigen Tage Ihnen sagen zu können, ist mir eine lebhafte Freude. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der RP'. 1924 Dez. 20 - Koblenz: Lönartz übermittelt Marx eine vom Vorstand und den Kreisvorsitzenden der Z-Partei des Wahlbezirks Koblenz-Trier-Birkenfeld in Bullay gefaßte Entschließung vom Vortage. Sie billigen die Stellungnahme der RT-Fraktion zur Reg.-Bildung. Nur eine folgerichtige Fortsetzung der Politik der Mitte (ist) möglich. Dieser Politik der Mitte entspricht aber weder eine Koalition von den Dt.-Nationalen bis zum Z noch von der Sozialdemokratie bis zum Z. Eh. Unterschrift. 1 u. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. 1924 Dez. 23 - Bautzen: Bischof Christian Schreiber an Marx zu Weihnachten: Die Entwicklung im Reiche hat dahin geführt, wohin wir sie bei unserer Aussprache auf dem Katholikentage in Hannover bereits vorausschauend hingehen sahen: Zur Unmöglichkeit einer Einbeziehung der Dt.-Nationalen in die Reg. und in die RT-Koalition und damit zur Auflösung des RT. Schon damals hatte er mit einem Zuwachs der Z-Mandate und mit Einbußen der Kommunisten und der Völkischen gerechnet. Freilich hatte ich damals nicht gedacht, daß die Sozialdemokraten so viele Mandate erringen würden, ... und auch den Demokraten hatte ich damals eher einen Verlust als einen Zuwachs zugerechnet. Diesen haben sie nur der keine Kosten scheuenden Wahlpropaganda zu verdanken, auf keinen Fall der Werbekraft ihres Programmes, das ohne innere Werbekraft ist, weil es eben gar kein Programm genannt werden kann. DVP und DNVP hätten ohne ihre beispiellose Wahlarbeit sicherlich auch einige Mandate weniger. Der Erfolg des Z... ist m. E. sehr bedeutend. Er ist errungen worden ohne große Wahlpropaganda, er ist also ein Zeichen dafür, daß in einem großen Teil der dt. Wählerschaft das Programm der dt. Z-Partei unerschütterliches Vertrauen und die seitherige Politik der Z-Partei überzeugungsvolle Anerkennung findet, besonders die Politik, die unter der Führerschaft des RK Marx vom Z gemacht worden ist. Daß die Z-Partei einstimmig beschlossen hat, mit den Dt.-Nationalen nicht eher eine Koalition einzugehen, als bis die Dt.-Nationalen sich in der klarsten und unumstößlichsten Weise zu der Außenpolitik des seitherigen Reichskabinetts und zu dem Programm der Mitte in der Innenpolitik erklärt und gebunden haben, ist überaus zu begrüßen. Schreiber möchte im stillen wünschen, daß die DNVP zur Reg. gelangt, um zu zeigen, ob sie außen- und innenpolitisch mit ihrem Programm vorwärts kommt; doch steht zu viel auf dem Spiel, als daß ein dt.-nat. Regiment zugelassen werden dürfte. Eine traurige Rolle spielt wiederum die DVP und ihr Führer Dr. Stresemann. Ich habe schon vor Jahresfrist einmal geschrieben, daß ich zu Herrn Dr. Stresemann persönlich kein Vertrauen habe, da er mir zu wandelbar und zu ehrgeizig erscheine und darum als unzuverlässig vorkomme. Wer in dieser schwierigen Zeit die Geschicke unseres armen Volkes mitzubestimmen hat, der muß vor allem von Charakter selbstlos, opferbereit, aufrecht und ehrlich sein und der muß als Politiker eine auf Sachkenntnis und kritischer Überlegung beruhende gerade Linie verfolgen. Eh. Unterschrift. 3¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1924 Dez. 29 - Breslau: Entschließung: RT- und LT-Abgeordnete des Provinzverbandes Niederschlesien d. Dt. Z-Partei bekunden Marx und der Z-Fraktion im RT zu dem Beschluß vom 17.12.1924 ihren Dank. 1 S., masch.-schriftl., ohne Beglaubigung. 1924 Dez. 30 - Breslau: Oberstaatsanwalt Schulte übermittelt in Vertretung des nach Frankfurt/M. verreisten Porsch an Marx obige Entschließung mit betontem Verweis auf den Beschluß der RT-Fraktion vom 17.12.1924: Die Z-Fraktion darf diesmal nicht umfallen! Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,RT'. 1924 Dez. 30 - Wiesbaden: Dr. Hermann Port übermittelt Marx eine Denkschrift ,Kath. Staatspolitik. Denkschrift zur Realisierung der kath. Staatsidee auf der Basis der demokrat. Republik'. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage die Denkschrift, 3¿ S., Druck. [19]24 Dez. 20 - Podangen b. Tüngen, Ostpr.: Graf Kanitz übermittelt Marx Neujahrswünsche. Nachdem ich nun über ein Jahr Ihrem Kabinett angehöre, ist es mir inneres Bedürfnis, Ihnen zu danken für all' die Beweise von echtester Loyalität und Vertrauen. Der vornehme und kollegiale Ton, der stets die Kabinettssitzungen beherrschte, ging in erster Linie von Ihnen aus, und dafür wissen wir Ihnen alle aufrichtigen Dank. Es ist nicht meine Art, Komplimente zu machen; ich konnte es jedoch nicht unterlassen, Sie zum Jahreswechsel meiner dankbaren Gefühle zu versichern mit dem Wunsch, daß Sie auch fernerhin wie bisher zum Besten des Vaterlandes die dt. Geschicke mit ruhiger, sicherer Hand führen mögen. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1925 Jan. 1: Erwiderungsansprache des RP an den RK beim Neujahrsempfang. 2 S., Durchschrift von Maschinenschreiben. 1925 Jan. 10 - Berlin: RP Ebert beauftragt Marx bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift. Eh. Gegenzeichnung: Dr. Geßler. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Im Namen des Reichs', großes eingeprägtes Staatssiegel. o. D. <1925, nach Jan. 11>: Niederschrift von Marx: 1) Das Kabinett ist gescheitert an meiner grundsätzl. Einstellung. Zweckmäßigkeit umstritten. 2) Frage, ob rechts, ob Mitte bereits seit August strittig. 3) Die DVP ist schuld an dem jetzigen Wirrwarr. Aufwerfen der Frage im Dez. ganz grundlos. 4) In der Z-Partei starke Meinungsverschiedenheit. Abstimmung 48 : 13 bekannt. Gegenteilige Abstimmung im Dezember: außenpolit. Gründe entscheidend! Tragweite auch bestritten! 5) Beschluß vom 11. 1. ausweichend! Weitere Verhdlgn. müßten folgen. Ausweg: a) keine fraktionelle Bindung! b) ein Verbindungsoffizier! c) ein Parteimitglied als Fachminister! 6) Alle anderen Wege waren verbaut: a) Reg. aus DNVP und DVP, b) Reg. aus Z und Demokrafen, c) Reg. aus Z und Demokraten und Soz(ialdemokraten), d) Große Koalition! e) Personenkabinett - wer findet sich bereit? 7) RT-Wahl vom 7. 12. unter meinem Namen! schön und treu: aber unzweckmäßig. 8) Ergebnis nicht so wie gewünscht: Mitte nicht so gestärkt wie erforderlich. Ruck nach links unverkennbar, aber nicht genügend, um Mehrheit zu bilden. 1¿ S., eigenhädig 1925 Jan. 15 - Berlin: RP Ebert entbindet Marx auf seinen Antrag vom Amt des RK und von der auftragsweisen Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift. Eh. Gegenzeichnung: Dr. Luther. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Im Namen des Reichs', großes eingeprägtes Staatssiegel. 1925 Jan. 15 - Berlin: Ebert an Marx: Mit aufrichtigem Bedauern habe ich in Genehmigung Ihres Abschiedsgesuches mit dem beifolgenden Erlasse Sie von dem Amte des RK entbunden. Das Jahr, während dessen Sie die Reg. des Reiches geleitet haben, war eine Zeit ernster wirtschaftl. und polit. Krisen und harter sorgenvoller Arbeit. Aber diese Arbeit war nicht vergeblich, sie brachte unserem Volke auf seinem Leidenswege zum ersten Male Besserung und Erfolg auf wirtschaftl. wie polit. Gebiete. Wie ich Ihnen schon am Neujahrstage zum Ausdruck bringen konnte, haben Sie reichen Anteil an den erreichten Fortschritten. Mit ruhiger und sicherer Hand, gestützt auf reiche polit. Erfahrung und unter Einsetzen Ihrer ganzen lauteren Persönlichkeit, haben Sie die Geschäfte des Reiches so geführt, daß Sie sich Anspruch auf den Dank des gesamten dt. Volkes erwarben. Ich weiß, daß Ihre schlichte Wesensart äußere Ehrungen und Dankesbeweise ablehnt und sich mit dem Gefühl der für das Vaterland getanen Pflicht begnügt; es ist mir aber dennoch ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen namens des Reiches für alles zu danken, was Sie in dieser Zeit geleistet und erreicht haben und Sie zu bitten, stets meiner herzlichsten Wünsche versichert zu sein. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der RP'. 1925 Jan. 16 - Köln: Rings, Vors. der Kölner Z-Partei, sieht Marx mit aufrichtigem Bedauern und nicht ohne Sorge für das Geschick unseres Vaterlandes als RK scheiden. Von tiefstem Verantwortungsgefühl für dieses an Arbeit und Sorgen so schwere Amt durchdrungen, haben Sie das Amt seit länger denn einem Jahre verwaltet. Als Sie es in dem schwersten und kritischsten Augenblicke, der in den letzten Jahren für das dt. Vaterland hereingebrochen war, übernahmen, brachten Ihnen nicht nur die Anhänger der Z-Partei, sondern auch zahlreiche Männer und Frauen anderer Parteien das Vertrauen entgegen, daß es Ihnen gelingen werde, Volk und Vaterland vor dem Sturz in den drohenden Abgrund zu bewahren. Sie haben dieses Vertrauen aufs glänzendste gerechtfertigt. Wenn die furchtbare Zeit, die wir bis zu Ihrem Eintritt in das Amt des RK durchlebten, erträglicheren Zeiten gewichen ist, dann verdankt das dt. Volk dies in erster Linie Ihnen und der von Ihnen verfolgten Politik. ... Um so schmerzlicher ist es für uns, Sie aus diesem mit so viel Sorgen und Arbeit, aber mit erfolgreicher Arbeit verbundenen Amte scheiden zu sehen. ... Mit lebhaften Bedenken erfüllt uns der mit Ihrem Ausscheiden verbundene Reg.-Wechsel. Tief durchdrungen von der Überzeugung, daß nur eine Fortführung der von Ihnen verfolgten Politik den inneren und äußeren Frieden unseres Vaterlandes gewährleistet, befürchten wir nicht ohne Grund, daß die nunmehrige Reg. andere Wege gehen wird. Wir hätten gewünscht - und wir glauben da im Namen der gesamten Wähler der Kölner Z-Partei, wenn nicht des ganzen Rheinlandes sprechen zu dürfen -, daß die Z-Fraktion des Dt. RT nach dem uns auf das tiefste empörenden Verhalten derjenigen Parteien, die die Krisis verursachten und zu einer langdauernden gemacht haben, es abgelehnt hätte, in irgendeiner Form zu der neuen Reg. in Verbindung zu treten, ohne damit in schärfste und grundsätzliche Opposition zu verfallen, wie die DNVP und die DVP sie einem von Ihnen gebildeten überparteil. Kabinett angekündigt hatten. Wir wissen nicht, was die Z-Partei veranlaßt hat, von ihrem am 11. 1. 25 einstimmig gefaßten und von der Partei im Lande aufs freudigste begrüßten Beschlusse abzugehen, und enthalten uns deshalb jeden Urteils. Wir sprechen jedoch die bestimmte Erwartung aus, daß die Fraktion im weiteren Verlauf der Dinge allem den schärfsten Widerspruch entgegenstellen wird, was geeignet sein könnte, mit den Grundsätzen unserer Partei in Widerspruch zu treten, dem Vaterlande und vor allem dem so schwer heimgesuchten Rheinlande zu schaden. Eh. Unterschrift. 3 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbögen. o. D.: Notizen von Marx über Gespräche mit v. Loë, Joos, Heuser, Carl Bachem über die Haltung des Z zum Kabinett Luther. 2 Halbseiten, eigenhädig 1925 Jan. 21 - Berlin: Frhr. v. Biegeleben bedauert Marx' Rücktritt. In schwerster Zeit haben Sie die Führung des Reiches übernommen und in zielbewußter durch nichts beirrter Arbeit trotz unendlicher Schwierigkeiten die erste Grundlage für den Wiederaufstieg geschaffen. Aber das ist für mich nicht die Hauptsache. Das Wesentliche war, daß Ihre ganze Persönlichkeit auf dem Boden tiefster Religiosität, lauterster Wahrhaftigkeit und sittl. Verantwortungsbewußtseins aufgebaut ist. Daher die ruhige Sachlichkeit und das Streben nach ausgleichender Gerechtigkeit. Staatsmänner im christl. Sinne brauchen wir, und als solchen verehre ich Sie. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1925 Jan. 22 - Hattingen - Ruhr: Der Vorstand des Z des Kreises Hattingen übermittelt eine Entschließung vom Vortage: Wir bedauern es auf das lebhafteste, daß es dem Herrn RK Dr. Marx durch polit. Intrigen unmöglich gemacht worden ist, der dt. Außen- und Innenpolitik weiterhin die maßgebenden Richtlinien zu geben, denn seine auch vom Ausland anerkannte Persönlichkeit wäre uns Bürgschaft gewesen, auf der einmal beschrittenen Bahn ganz sicher, wenn auch langsam wieder zu erträglichen Verhältnissen in unserem Vaterland zu kommen. Wegen der jetzigen Reg. ist man aus außen- und innenpolit. Gründen besorgt. Weil die RT-Fraktion das vielumstrittene Arbeitsministerium wieder durch einen Z-Abg. besetzen ließ, wird dringend um Aufklärung der Gründe gebeten. Eh. Unterschriften: Dr. med. Laarmann, Vors.; Josef Flür, Sekretär. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. 1925 Jan. 22 - Karlsruhe: Z-Fraktion des Bad. LT bedauert Marx' Ausscheiden als RK, dankt für die geleistete Arbeit und anerkennt seine innen- und außenpolit. Grundsätze. Unterschrift i. V. des erkrankten 1. Vors.: J. Wittemann. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Bad. LT'. 1925 Jan. 27 - Siegburg: Z-Partei Siegburg übermittelt dem Reichsparteivorstand ihre Entschließung aus einer von 600 Mitgliedern besuchten Verslg. v. 25. 1. nach einem Referat des Abg. Bergmann: 1) Insbesondere die Rheinländer stehen dieser Regierung aus innen- und außenpolit. Gründen mit dem größten Mißtrauen gegenüber und empfehlen der RT-Fraktion des Z schärfste Wachsamkeit. 2) Von der Z-Fraktion des Preuß. LT wird erwartet, daß sie sich weder direkt noch indirekt an einem wirklichen oder verschleierten Rechtskabinett beteiligen wird. Das Polit. Komitee der Arbeiterzentrumswähler sprach in seiner Verslg. am 20. 1. Marx Dank für seine Arbeit aus und fordert ebenfalls die Parteiinstanzen zu scharfer Überwachung der neuen Regierung auf. Unterschrift: Steidl. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf. mit Eingangs- und Kenntnisnahmevermerken sowie Zuleitungsanweisung von Vockel an Marx. [19]25 Febr. 7 - Berlin-Dahlem: Spiecker übermittelt Marx die letzten Fahnenabzüge für die Schrift ‚Ein Jahr Marx' und bittet um schnelle Prüfung. Ist es doch richtig, daß Sie nun auch in Preußen das Kreuz auf sich nehmen wollen? Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 61
Altsignatur : 61



Erfüllungs- und Befreiungspolitik


Enthält : Erinnerungsbericht (geschrieben Juli 1933): Mißbrauch mit dem von Wirth geprägten Wort „Erfüllungspolitik durch die Rechtspresse, die die reale Lage zugunsten von Illusionen mißachtete. Die beste Widerlegung dieser Utopien war, daß jahrelang Stresemann als Außenminister Erfüllungspolitik mitgemacht hat. Als schließlich die DNVP endlich Reg.-Verantwortung mitübernahm, hat sie sich auf die vom Z seit je eingehaltene Linie eingestellt, den Dawes-Plan angenommen und auch, soweit möglich, ausgeführt (S. 27). Marx kann kaum im Ernst annehmen, daß Dr. Stresemann wirklich einen Gegensatz zwischen mir und ihm bei der Londoner Konferenz soll festgestellt haben, insbesondere wegen der Räumung der Ruhr. Diese Frage wurde doch nur in den abendl. vertraulichen Aussprachen zwischen Herriot und uns behandelt ... Bei diesen Abendunterhaltungen habe ich aber fast allein das Wort geführt, schon weil es sich um meine Heimat handelte, eine Gegend, die mir doch sicher besser bekannt war als Dr. Stresemann. Gerade die Räumung der Ruhr als eine der ersten Voraussetzungen für die Annahme des Dawes-Planes ist des öfteren und wiederholt an verschiedenen Abenden von mir und Herriot verhandelt worden. Die verheerenden Folgen der Konferenz von Spaa: das „Nein von Fehrenbach und Simons, die ungeheuren Triumphe nach ihrer Rückkehr in die Heimat und wenige Wochen später völliger Zusammenbruch und völliges Nachgeben! Ich bin häufig später, als die Verhdlgn. wegen des Young-Planes stattfanden, gefragt worden, ob ich denn die Londoner Abmachungen für erfüllbar gehalten hätte und ob es nicht eine Unehrlichkeit gewesen wäre, dem Vertrage zuzustimmen, wenn man doch die Unausführbarkeit gekannt hätte. Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet: ich hatte schon in London (S. 28) den Eindruck gewonnen, daß eigentlich keiner von den wirklich Sachverständigen der Meinung gewesen sei, die Verpflichtungen Dtschlds. seien auf die Dauer wirklich erfüllbar. Die Meinung ging nach meiner Überzeugung allg. dahin: man müsse und wolle endlich einmal für einige Jahre Ruhe und Ordnung schaffen. Meines Wissens sprach man sogar ganz offen, daß man jetzt wohl für 5 Jahre die Sache in Ordnung gebracht habe; dann würde man weitersehen; daß den Zahlungen kein Endziel gesetzt war, sprach ebenfalls für vorübergehende Regelung. Die Rechtsopposition wollte immer den Vertrag von Versailles zerreißen! Bei denselben Herren in der Verantwortung war von solcher Energie niemals die Rede. Stresemanns Äußerungen zu Marx' Verhdlgn. mit Herriot über die Räumung im ‚Vermächtnis'. Die Z-Fraktion hat Marx wiederholt zu erkennen gegeben, daß sie Stresemann nicht das Vertrauen schenke, was ich ihm entgegenbrachte. Jedenfalls habe ich ihm stets die Treue bewahrt, weil er m. E. die Politik durchführte, die ich und das Z für die richtige hielten. Äußerungen v. Rheinbabens unmittelbar nach Stresemanns Tod: Stresemann habe wiederholt in der Fraktion erklärt, er habe seine Pläne nicht so durchführen können, wenn ich ihm nicht eine so wirksame Unterstützung hätte zuteil werden lassen. 3 S. (weitergezählt als S. 27-29 des Erinnerungsberichtes in Nr. 57 und 63), Maschinenschreiben mit eigenhädig Verbesserungen undeigenhädig. Nachtrag. In der Anlage Art. v. 15. 11. 1924 der ‚Germania': „Erfüllungspolitik?
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 62
Altsignatur : 62



1924
Kampf um die „Volksgemeinschaft“ 1924


Enthält : Erinnerungsbericht, (geschrieben Juli 1933): Am 29.8.1924 versicherte die DVP der DNVP: daß sie nun, wenn die DNVP mit ihr die Verantwortung für das Zustandekommen des Londoner Paktes übernehme, „mit allen Mitteln dahin streben werde, ihr eine ihrer Bedeutung entsprechende Teilnahme an der RR zu verschaffen". Marx wollte im Sinne der von ihm oft betonten „Volksgemeinschaft auch Verhdlg. mit der SPD. Dem stimmte am 31. 8. der Reichsparteiausschuß des Z zu. Schon vorher hatte Marx im RT appelliert: alle Parteiunterschiede einmal zu vergessen und sich einmütig darauf zu besinnen, was die Not der Zeit und das Wohl des dt. Volkes dringend verlange (S. 21). Aber: Der nackte Parteiegoismus siegte! ... Wenn man sieht, wie sich die Ereignisse in den Jahren 1932 und 1933 zugespitzt haben, wie breite Massen des dt. Volkes auf Freiheit und Recht des Bürgers verzichteten, dann haben schließlich die Fehler großer Parteien schon in den Jahren seit 1924 zu dieser auffallenden Einstellung eines kulturell so hochstehenden Volkes beigetragen. Das unfruchtbare, nervenzerstörende Spiel um die Reg.- Erweiterung mußte selbstredend die DVP mit dem Beschluß ihrer RT-Fraktion vom 25. 9. eröffnen, wonach ein Zusammenwirken mit der SPD unmöglich wäre, als einzige Lösung sich allerdings die Einbeziehung von 6 Mill. Wählern der DNVP anböte. Marx wollte dagegen an seinem Plan festhalten, weil auch er ein Minderheitskabinett nicht mehr für ausreichend erachtete. Z, DVP und DDP billigten ihn, und die SPD erklärte sich grundsätzlich einverstanden. Das kam der DNVP unerwartet. Daraufhin stellte Marx „Richtlinien als Grundlage für die Beratungen der Fraktionen auf. Die SPD stellte zu einzelnen Punkten Rückfragen; die DNVP wußte solche Vorschläge, daß die SPD schließlich Marx' Plan als gescheitert erklärte (S. 22). Diese Ansicht teilte auch Marx und übermittelte sie der DNVP. Das neue Spiel der DVP durchkreuzte die DDP, die sich unter keinen Umständen an einer Rechtsregierung beteiligen wollte. In weiteren Zügen forderte man den Kopf des Reichswehrministers Geßler, den die DDP auch nicht in einem Rechtskabinett dulden würde. Nach Erschöpfung der Möglichkeiten blieb nur der Appell an das Volk; Ebert verfügte am 20. 10. zum 2. Mal in einem Jahre die Auflösung der aktionsunfähigen Volksvertretung! Die RT-Wahlen am 7. Dez. brachten auch keine zweifellose Reg.-Mehrheit, aber Marx wertete sie als Bestätigung der bisherigen Reg.-Politik. Wirth und seine Prophezeiung: Vorbote des Faschismus (S. 23). Marx: Im J. 1933 hat sich das Schicksal eines Volkes vollzogen, das die ihm gebotene Freiheit der eigenen Entschließung nicht zu würdigen und zu gebrauchen verstanden hat! Wahlergebnisse ließen an die Bildung der Großen Koalition denken. Aber die DVP ging wieder ihre gewohnten Wege; in der 1. Kabinettssitzung nach den Wahlen am 10. 12. teilte Stresemann den Beschluß seiner Partei mit, daß für sie nur eine Reg.-Bildung unter Hinzuziehung von Dt.-Nat. erträglich sei (S. 24). Als ich darauf erklärte: „Das bedeutet nach meiner Überzeugung die Demission des Kabinetts!" zeigte er ein so erstauntes Gesicht, wie ich es noch nicht gesehen hatte. Stresemann schlug Geheimhaltung bis RT-Zusammentritt vor. Marx behielt sich die Entscheidung bis nach Vortrag beim RP vor, der in den Rücktritt zum 15. 12. einwilligte. Ebert zeigte eine wahrhaft bewundernswerte Geduld und beauftragte Marx immer wieder in anderer Form. Auch ein überparteil. Kabinett mit dt.-nat. Beteiligung scheiterte an dem Eigenwillen der Parteien. In Luthers Rechtskabinett blieb Brauns als unersetzbarer Arbeitsminister. Die Anfang 1925 bereits erkennbare Verzögerung der Räumung besetzter Gebiete durch Frankreich unter dem Vorwand nicht eingehaltener Entwaffnungsverpflichtungen. Die Aufnahme rechtsgerichteter Politiker verursachte große Nervosität in Frkr. (S. 25). Erlebnis mit dem neu ernannten Finanzminister v. Schlieben (S. 26). 6 S. (weitergezählt als S. 21-26 des Erinnerungsberichtes Nr. 57; Fortsetzung in Nr. 62), Maschinenschreiben mit eigenhädig Verbesserungen. 1924 Aug. 29 - [Berlin]: Hergt an v. Guérard: Sie hatten die Freundlichkeit, mich am gestrigen Abend in Begleitung des Herrn Kollegen Lammers aufzusuchen, um i. A. der großen Mehrzahl der Mitglieder des Vorstandes der RT-Fraktion des Z sich mit mir über das gestrige Schreiben der RT-Fraktion der DVP an meine Fraktion, das Ihnen von der DVP bekanntgegeben worden war, auszusprechen. Aus den Mitteilungen der beiden Herren habe ich zu meiner großen Genugtuung entnommen, daß die große Mehrzahl der Vorstandsmitglieder der Z-Fraktion und damit zugleich die große Mehrzahl der Fraktion selbst sich der Anschauung der DVP anschließt, daß die Folge der Mitübernahme der Verantwortung für die Londoner Abmachungen durch die dt.-nat. RT-Fraktion die Umbildung der RR durch Zuziehung der DNVP in einem ihrer Stärke und Bedeutung entsprechenden Maße sein müsse. Sie erklärten uns weiter, daß die durch Sie Vertretenen gleich der DVP entschlossen seien, auf der Verwirklichung dieses Zieles mit allen Mitteln zu bestehen und daß nach Ihrer Überzeugung diese Umbildung der RR bis 6. Okt. d. Js. vollzogen sein müßte. Hergt hat seiner Fraktion darüber berichtet und bittet um Bestätigung seiner Darstellung der Verhdlgn. 1¿ S., Durchschrift von masch.-schriftl. Abschrift mit Datumsnachtrag offenbar von Marx' Hand. o. D., Entschließung: Die Fraktion der DDP hält jede Reg.-Änderung für unerwünscht. Sollte eine Änderung der Zusammensetzung der Reg. durch die Haltung anderer Fraktionen sich nicht vermeiden lassen, dann würden wir gemäß dem Vorschlag des Kanzlers einer nach rechts und links erweiterten Reg. unsere Unterstützung nicht versagen. 1 Halbs., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1924 Okt. 4 - Podangen, Post Tüngen (Ostpr.): Graf Kanitz legt Marx, da er am 6. 10. an der Kabinettssitzung nicht teilnehmen kann, seine Ansicht zur Reg.-Umbildung nach rechts und links auseinander: Ende August war die Mehrheit des Kabinetts überzeugt, daß man, koste es was es wolle, die Dt.-Nat. zur Annahme der London-Gesetze bewegen müßte. Konzessionen betr. Reg.-Bildung waren wahrscheinlich. Die DNVP hat jedenfalls in vollstem Vertrauen auf die damaligen Erklärungen der Parteiminister Stresemann, Jarres und Brauns den Gesetzen zur Annahme verholfen. Marx aber hatte diesen die Verhdlgn. nicht untersagt. Kommt er heute mit den Ansinnen, die DNVP mit der SPD an einen Tisch zu bringen, so entsteht der Anschein, daß die DNVP nachträglich hereingelegt würde. Das Kabinett ist den Dt.-Nat. gegenüber moralisch gebunden. Die Versprechungen an sie, durch die die Dawes-Gesetze schließlich zur Annahme kamen, müssen jetzt loyal eingelöst werden. Bitte, diese freimütigen Zeilen nicht zu verargen und Anheimstellung, den Brief in der Ministerbesprechung zu verlesen. Eh. Unterschrift. 6 S., eigenhädig Ausf., auf persönlichen Kopfbögen. <vor 1924 Okt. 8 - Berlin>: Marx' „Richtlinien: 1. Die Verfassung vom 11.8.1919 wird als rechtsverbindl. Grundlage des staatl. Lebens anerkannt. Jeder Versuch, ihre Abänderung auf ungesetzl., insbesondere gewaltsame Weise herbeizuführen, wird demgemäß als Hochverrat zu verfolgen und zu bestrafen sein. 2. Die Richtung der Außenpolitik wird in erster Linie durch die Londoner Abmachungen bestimmt. Die auf Grund derselben erlassenen Reichsgesetze sind loyal auszuführen, ebenso wie wir die loyale Durchführung des Abkommens von unseren Vertragsgegnern erwarten. Die Reg. wird es sich angelegen sein lassen, die Auswirkung der übernommenen Verpflichtungen aufs sorgfältigste zu überwachen und die sich als notwendig erweisenden Abänderungen zu erreichen. - Die Aufnahme in den Völkerbund soll entsprechend der im dt. Memorandum niedergelegten Auffassung erstrebt werden. 3. Bei der Lastenverteilung in Ausführung der bezeichneten Gesetze sollen die Maßstäbe der Wirtschaftsförderung und der sozialen Gerechtigkeit angewendet werden. Die bestehenden Finanzgesetze sollen nach diesen Gesichtspunkten durchgearbeitet werden. 4. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Reg. wird es betrachtet, die sozialen Leistungen dem Bedürfnis entsprechend zu steigern, sobald die finanzielle Lage des Reichs es irgendwie zuläßt. 5. Wirtschaftspolitisch wird möglichste Steigerung der Produktion und des Nutzungsgrades der Arbeit angestrebt werden, um die internationale Kredit- und Wettbewerbsfähigkeit der dt. Wirtschaft zu sichern, wie sie insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Reparationsbelastung unerläßlich ist. Ausgehend von dem Grundsatz der wirtschaftl. Freiheit werden staatl. Eingriffe nur insoweit in Betracht kommen, als sie notwendig erscheinen, um eine wirtschaftsschädl. Unterdrückung der Wirtschaftsfreiheit von anderer Seite abzuwehren. Bei Lösung der bevorstehenden außenhandelspolit. Aufgaben wird mit der Stärkung der inländ. Produktion gleichzeitig auf die möglichste Förderung der Ausfuhr auf dem Boden von Gegenseitigkeit und Meistbegünstigung und die tunlichste Schonung des Verbrauchs hingearbeitet werden. 1¿ S., Maschinenerstschrift ohne jegliche Beglaubigung. 1924 Okt. 8 - Berlin: Entschließung: Der Standpunkt der DVP in der Frage der Reg.-Erweiterung ist bekannt. Er hat sich nicht geändert. Die Richtlinien der RR erkennt die Fraktion als eine brauchbare Grundlage für Koalitionsverhdlgn. an. Sie billigt einmütig das Verhalten ihrer Unterhändler und ersucht sie auf eine beschleunigte Lösung der Frage der Reg.-Erweiterung hinzuwirken. Eh. Unterschrift: Dr. Scholz. 1 Halbs., masch.-schriftl. Ausf. auf ,RT'-Kopfbogen. 1924 Okt. 8 - Berlin: Entschließung der Dt.-nat. RT-Fraktion: Der Vorschlag des Herrn RK entspricht weder den bisherigen Forderungen der DNVP noch den uns gegebenen Zusicherungen, deren Erfüllung wir nach wie vor erwarten. Nachdem indessen der Herr RK den Gedanken der Volksgemeinschaft in den Vordergrund gestellt hat, erklären wir, daß gerade auch die DNVP stets für Volksgemeinschaft eingetreten ist. Wir verstehen darunter eine Gesinnungsgemeinschaft, die in der Zusammenfassung aller auf christl., nationalem und sozialem Boden stehenden Volkskräfte besteht. Demgemäß setzen wir voraus, daß Sicherheiten dafür geschaffen werden, daß alle an der vorgesehenen Gemeinschaft beteiligten Parteien sich zu folgenden Zielen bekennen: 1. Christl. Jugenderziehung und christl. Kultur als Grundlage des Staatslebens; 2. unter Ablehnung des die Volksgemeinschaft verneinenden Klassenkampfes und unter Sicherung der Koalitionsfreiheit die Bekämpfung jedes den Arbeitsfrieden bedrohenden Terrors und die Förderung der Arbeitsgemeinschaft bei voller Wahrung der sozialen und polit. Gleichberechtigung der Arbeitnehmer; 3. Anerkennung und weitere amtl. Verfolgung der Reg.-Erklärung vom 29. 8. über die Nichtschuld Dtschlds. am Kriege. Die Dt.-nat. Fraktion billigt das bisherige Verhalten ihrer Unterhändler und ermächtigt sie, in Erneuerung des am 29. 9. erteilten Auftrages zu weiteren Verhdlgn. über die Reg.-Bildung an Hand der vorgelegten, im einzelnen noch zu erörternden Richtlinien. 1¿ S., Durchschrift von Maschinenschreiben auf ‚RT'-Kopfbögen ohne Beglaubigung. 1924 Okt. 9 - Berlin: Erich Emminger beantwortet Marx' Richtlinien, obwohl die Fraktion der BVP nicht versammelt ist. Sie ist trotz schwerster Bedenken von Anfang an geschlossen für den Londoner Pakt als die z. Zt. allein mögliche außenpolit. Linie eingetreten, obwohl die Zustimmung zum Eisenbahngesetz ihr parteiprogrammatisch schwerere Opfer zumutete als irgendeiner anderen Fraktion. Ohne einem Fraktionsbeschluß vorzugreifen, erklärt er, daß die BVP einem Kabinett der Volksgemeinschaft mit DNVP und SPD beipflichten, daß sie hingegen eine nur durch die SPD erweiterte RR nicht unterstützen, daß sie aber die Einbeziehung der DNVP als eine Anerkennung des Ergebnisses der Wahlen v. 4. 5. 24 begrüßen wird. Falls mit Einverständnis der Dt.-Nationalen ihre Einbeziehung bis nach dem 10.1.25 aus triftigen außenpolit. Gründen verschoben würde, so würde, bei Garantierung des Burgfriedens, meine Fraktion wohl auch das unveränderte Kabinett weiter unterstützen. Er betont aber, daß mir persönlich bis jetzt diese außenpolit. Gründe nicht durchschlagend erscheinen. Eh. Unterschrift. 2 S., eigenhädig Ausf. auf ‚RT'-Kopfbogen. 1924 Okt. 19 - Köln: Mönnig berichtet Marx nach einem Anruf von Frl. Teusch vom Vorabend von einer Vorstandssitzung der Rhein. Z-Partei. Man stand auf dem Standpunkt, nach dem Scheitern der Volksgemeinschaft das alte Kabinett zu halten. Sollte dies unmöglich sein, dann wäre die DDP in die RR hineinzunehmen. Geht auch das nicht, wäre ein Kabinett aus DNVP, DVP und Z zu bilden mit Marx als RK, Stresemann als Außenminister und Sicherheiten für die Weiterführung von Marx' Politik. Jede dieser Etappen sollte nach außen hin streng auseinandergehalten werden. In der Fraktion hatte Marx für ein Kabinett mit der DDP gestimmt. Ob Marx einem Rechtskabinett vorstehen kann, wäre seine hochpersönliche Entscheidung; für ein solches Kabinett würde bei Weiterführung der bisherigen Politik und unter der Voraussetzung, daß durch Neuwahlen ein wesentlich andres Bild nicht herbeigeführt werden kann, Marx hier am Rhein Verständnis finden. Die Indiskretionen aus der Fraktion haben Mönnig unendlich weh getan; frühere konnten auf Fortmann zurückgeführt werden. Eh. Unterschrift. 3¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf persönlichen Kopfbögen. 1924 Okt. 19 - Weimar: Dr. Rudolf Mund weist als Sozialdemokrat und Katholik Marx auf die stattliche Anzahl von Katholiken in der SPD hin, während die in der DNVP gebildeten Katholikengruppen um Spahn klein sind. In der SPD werden auch Katholikengruppen gebildet werden müssen, die gegen Bürgerblock und damit Z Stellung nehmen müssen, was im Interesse der Festigung des republikan. Gedankens bedauerlich, aber notwendig ist. Der SPD tut es im innersten Herzen weh, daß wir das Z und vor allem Sie (Marx) in der Gesellschaft der Feinde der Republik sehen müssen. In Thüringen hat sich der Vertreter des Z den Dt.-Nat. und sogar den Völkischen verbunden, während die Anhängerschaft des Z beim Reichsbanner organisiert ist; die Rechtspresse verunglimpft hingegen den Katholizismus rücksichtslos. Was würde der selige Glockengießer Ullrich zu diesen Zuständen sagen? Viele Deutsche sind an der Republik irre geworden, weil die republikan. Parteien so wenig innere Überzeugung zur Schau tragen. Eh. Unterschrift. 1¿ S., maschinenschriftl. Ausf. 1924 Okt. 20 - Berlin: Verordnung d. RP über die Auflösung des RT. RT II, 1924, Ds 580. 1924 Okt. 19 - Frankfurt/M.: Tausende Reichsbannerleute protestieren energisch gegen Eintritt von Monarchisten in republikan. Regierung, fordern Volksentscheid. Reichsbanner Frankfurt. Telegramm-Postausfertigung. 1924 Okt. 20 - Göppingen: Tausende Z-Wähler des Bezirks Göppingen bitten dringend, Regierung mit Dt.-Nationalen unter allen Umständen abzulehnen. Stadtrat Schmauz. Telegramm-Postausfertigung. 1924 Okt. 21 - Recklinghausen: Dem verantwortungsbewußten und erfolgreichen Führer dt. Geschicke entbietet dt. Gruß und die Versicherung treuer Mitarbeit. Herbsttagung d. westf. Windthorstbünde in Meschede. Telegramm-Postausfertigung. 1924 Okt. 23 - [Berlin]: Verlautbarung offenbar von v. Guérard und Lammers: Auf wörtlich angeführte Kundgebungen der RT-Fraktion der DNVP vom 21. u. 22. 10., woraus entnommen werden kann, daß die Z-Fraktion Ende August ihr Wort verpfändet und das gegebene Wort nicht eingelöst habe, stellen die Unterzeichneten, die Ende August mit den dt.-nat. Vertretern verhandelt haben, folgendes fest: 1. Den dt.-nat. Vertretern ist von den Unterzeichneten namens der Z-Fraktion lediglich folgende Erklärung abgegeben worden: a) Bei Annahme des Londoner Abkommens durch die dt.-nat. RT-Fraktion wird eine entsprechende Vertretung der letzteren in den Ausschüssen zur Durchführung des Abkommens für selbstverständlich erachtet. b) Die Z-Fraktion hat im Mai ds. Js. einstimmig auf dem Standpunkt gestanden, daß bei Annahme des Sachverständigengutachtens durch die dt.-nat. RT-Fraktion diese entsprechende Vertretung in der Regierung finden würde. Die erreichbaren Mitglieder des Vorstandes waren einmütig der Meinung, daß diese Stellungnahme sich nicht geändert hat und daß demnach bei Annahme des Londoner Abkommens die dt.-nat. RT-Fraktion im Reichskabinett entsprechend vertreten sein wird. Der unterzeichnete Abg. Lammers fügte den dt.-nat. Vertretern gegenüber ausdrücklich hinzu, daß gleichzeitige Verhdlgn. nach links durch diese Erklärung nicht ausgeschlossen werden sollten. Die Notwendigkeit, dem RK in der Angelegenheit völlig freie Hand zu lassen, wurde von den Unterzeichneten ausdrücklich betont. 2) Am 29. 8. ging dem unterzeichneten Abg. v. Guérard ein Brief des Vors. d. dt.-nat. RT-Fraktion zu, der dem unter 1) geschilderten Sachverhalt in keiner Weise entsprach. Der Inhalt dieses Briefes wurde gegenüber den dt.-nat. Herren, dem Abg. Grafen Westarp und dem Herrn v. Lindeiner, von dem Abg. v. Guérard sofort als sachlich durchaus unzutreffend bezeichnet, was der Abg. Graf Westarp bei der Besprechung in loyaler Weise anerkannte. 3) Die Fraktion des Z des Dt. RT hat „auch unter Hintansetzung schwerer Bedenken im Interesse des Vaterlandes" ihr möglichstes getan, um eine Mitarbeit der Dt.-Nationalen in der Reg. herbeizuführen. Sie hat sich dabei in vollem Umfange auf dem Boden der vorstehenden Erklärung ihrer Unterhändler gehalten. Die polit. Vorkommnisse haben deutlich gezeigt, daß die Erweiterung der Reg. nicht an der Haltung des Z, sondern an anderen Ursachen gescheitert ist. 2¿ S., Durchschrift von Maschinenschreiben; mit Blaustift (von Marx' Hand?) durchgestrichen: Die Deutschnationalen dürften klüger handeln, wenn sie derartige das polit. Leben vergiftende und die Gesundung des dt. Volkes verhindernde unrichtige Behauptungen unterließen. 1924 Okt. 30 - Berlin: Graf Westarp bittet Marx um Angabe der Unrichtigkeiten in seiner Darstellung über die Verhdlgn. der dt.-nat. Unterhändler über die sog. Richtlinien und stellt dazu 6 Fragen. Er weist schließlich den Vorwurf unrichtiger Behauptungen zurück und kündigt Veröffentlichung des Schreibens als „Offenen Brief. Eh. Unterschrift. 2¿ S., maschinenschriftl. Ausf. mit eigenhädig Verbesserungen sowie Unterstreichungen und Antwortvermerk von Marx.1924 Nov. 30 - Berlin: Marx verweist Graf Westarp auf die durch WTB verbreitete Erwiderung auf obigen Brief. Sie ist von Stresemann und Brauns für richtig gehalten worden. Eine weitere Auseinandersetzung ist aus außen- und innenpolit. Gründen unzweckmäßig. ¿ S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben mit Schreib- und Absendevermerken. 1924 Dez. 4 - München: WTB-Bericht über Ausführungen von Reichswirtschaftsminister Hamm in einer demokrat. Wahlverslg.: Er und Geßler haben niemals den Beitritt der DNVP zur RR grundsätzlich für immer abgelehnt, sondern nur vorderhand, weil die Dt.-Nationalen eine klare Bindung der Politik vermissen ließen. Rückblick auf den Ruhrkampf. Bei Schaffung der Währung war die eigentlich entscheidende Tat die durch Finanzminister Dr. Luther bewirkte Ausgleichung von Reichseinnahmen und -ausgaben und die Stillegung der Notenpresse. Abweisung von Tirpitz' Angriffen gegen die RR wegen des Dawes-Planes, gegen die Rede von OB Adenauer anläßlich der Eröffnung der Kölner Messe und gegen die Aufnahme der 800 Mill.-Anleihe. 4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben mit roten Unterstreichungen und Vermerken des Geschäftsganges.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 63
Altsignatur : 63



Terminfestlegungen der Reichskanzlei für den Reichskanzler


Enthält : 1924 Nov. 4 - Dez. 6 (mit Unterbrechungen) 1926 Juni 11 - 1928 Mai 22 (mit Unterbrechungen).
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 64
Altsignatur : 64



Tischordnungen, Programmfolgen und Speisekarten


Enthält : 1912 Febr. 19: Landrichter Dr. Hartwig, Gerichtsassessoren Dr. Trendelenburg, Dr. Brecht, Dr. Brunst, Dr. Mende, Staatsanwalt Dr. Schäfer, RA Dr. von der Trenck, Reg.-Baumeister Müller, Architekt Gropius. Auf der Rückseite: o. D. <1926?>: Gesandter v. Biegeleben, Dr. Joël, Dr. Bumke, Dr. v. Brandt, Dr. Tigges, Dr. Schmölder, Assessor Dronke. 1924 Febr. 16: Ebert, Italien. Botschafter Graf Bosdari, Schweizer. Gesandter Dr. Rüfenacht, Österr. Gesandter Dr. Riedl, Stresemann, Luther, Hamm, Brauns, Emminger, Geßler, Höfle, Oeser, Graf v. Kanitz, Botschafter Graf Brockdorff-Rantzau, Schacht, Min.-Präs. Braun, StS Bracht, StS Meissner, StS Weismann, Kammerger.-Präs. Tigges, Min.-Dir. Spiecker, Minister v. Gülich, Frau v. Seeckt. 1924 März 13: Frau Dransfeld, Wirth, Bell, Krauss, v. Guérard, Stegerwald, Höfle, André, Fehrenbach, Brauns, Bracht, Becker - Arnsberg, Herold, Klöckner, Schwarz. [1924 Aug. 18]: Abend der Reichskanzlei nach der Konferenz von London: Luther, Oeser, Graf v. Kanitz, Geßler, Hamm, Jarres, Joël, Bracht, Min.-Direktoren Kempner, v. Schubert, Spiecker, Abegg und viele weitere Gäste aus der Beamtenschaft und von den Bediensteten der Reichskanzlei. 1924 Nov. 18 aus Anlaß der Anwesenheit von Präs. Calonder: Reg.-Vizepräs. Budding-Beuthen, Landrat a.D. Lukaschek - Breslau, Graf Praschma, OP Proske - Oppeln, Stresemann, Min.-Direktoren Wallroth, v. Schubert und Spiecker, Jarres, Brauns, Kultusminister Boelitz, Severing, StS Zapf, Reichsminister a. D. Schiffer, StS a. D. Lewald, Gesandter Rüfenacht, Vortr. Leg.-R. Erich Zechlin, StS Bracht, Kempner, Kiep, Vizekonsul Gyssling, StS Meister, Min.-Präs. Braun. o. D.: Ebert, Fridtjof Nansen, Bracht, Graf Bernstorff, Min.-Dir. Kempner, Stresemann, Graf Brockdorff-Rantzau, Graf Keßler, Min.-Dir. Köpke, Leg.-R. v. Bülow. o. D.: Mr. Castle, Botschaftsrat Robbins, Mr. Stallforth, Mr. Rufus Dawes, Luther, Stresemann, Schacht, v. Schubert, Kiep, die Gesandten Müller und Ritter, Min.-Dir. Kempner und Spiecker. o. D.: Hermes, StS Brugger, Min.-Dir. v. Brandt und Spiecker, Konsul Marx, Leg.-R. Gerth, Vortr. Leg.-R. v. Brentano und Reuter, Min.-R. Schlüter und Theegarten, LG-Dir. Langels. 1926 Febr. 3: Bierabend anläßlich der Tagung der Internat. Völkerbunds-Vereinigung. 1926 Febr. 4 und 9: Bierabende anläßlich der Anwesenheit von Bundeskanzler a. D. Seipel und des Frhm. Langwerth v. Simmern. 1926 März 28: Bundeskanzler Ramek, Pacelli, Gesandter Junkar, Haslinde, Presseattaché Wasserbäck, Gesandter Bosler, StS Kempner, Gesandter Tischbein, StS Meissner, Staatsrat Ahlhorn, Staatsminister Becker, Reinhold, Konsul Bischoff, StS Lammers, Gesandter Strandes, Gesandter z. D. Hildenbrand, Stresemann, Gesandter Dr. Frank, Brauns, Sektionschef Horricky, Schacht, Min.-R. Meindl, Gesandter Frhr. v. Biegeleben, Min.-Direktoren Sachs und Köpke, GS Peter, Stingl, Leg.-R. Pacher, StS v. Schubert, die Gesandten Gradnauer, Boden, von Keller, Nebelthau und Meyer-Lüerssen, Min.-Dir. Nentwig. 1926 Juni 23: Präs. Calonder, Stresemann, Brauns, Külz, Curtius, StS Joël, Lewald und Fischer, Gesandter Rüfenacht, Min.-Direktoren Bumke und Wallroth, Pünder, OP Proske, GS Huber, Langwerth v. Simmern, Botschaftsrat v. Prittwitz und Gaffron, Reichsminister a. D. Schiffer, Schacht, Oberreichsanwalt Werner, Vortr. Leg.-Räte Dr. Zechlin und v. Dirksen, Gen.-Konsul Frhr. v. Grünau, Landrat a. D. Lukaschek, Min.-R. Kadecka. 1926 Sept. 16: Bell, Külz, Haslinde, Staatsminister Steiger, Wirth, Abgn. Mittelmann, Lammers, v. Papen und Erkelenz, Min.-Dir. Offermann, Geigenhädig Leg.-R. Reuter, Dr. Schirp, Dr. Treut, Min.-R. Weber, Vortr. Leg.-R. Zechlin, Sonnenschein, Gördes. 1926 Sept. 24: RK a. D. Fürst v. Bülow, Stresemann, Brauns, Generaloberst v. Seeckt, Generalleutnant v. Pawelsz, Landeshauptmann Horion, StS Joël, Pünder und Meissner, Min.-Direktoren Köpke und Kiep. 1926 Nov. 4: Bayer. Finanzminister Krausneck, Min.-Präs. Held, Stingl, Gesandter v. Preger, StS Pünder, Abg. Leicht. 1926 Nov. 10: v. Hindenburg, Min.-Präs. Braun, Brauns, Reinhold, Schacht, Reichsminister a. D. Scholz, Gesandter Boden, StS Weisman, Meissner, Pünder, Fischer, Min.-Direktoren Offermann, Zechlin und Kiep, Löbe, Geßler, Krohne, Graf Brockdorff-Rantzau, General Heye, Külz, Parker Gilbert, Bell, Stegerwald, Staatsminister Wendorff, Leicht, Fridtjof Nansen, Stingl, Curtius, Abg. Prof. Rießer, v. Preger, OB Böß, v. Guérard, Präs. Kaufmann. 1926 Nov. 18: Walter L. Cooke, Parker Gilbert, Nogara, Leverve, Sterrett, Morgan, Gen.-Dir. Dorpmüller, Botschafter Graf v. Welczek, Reichsminister a. D. Dernburg, StS a. D. Fischer, Min.-Dir. Offermann und v. Brandt, Botschaftsrat Poole, Reichsminister a. D. v. Raumer, Prof. Hoetzsch, Vortr. Leg.-R. Simon, Hilferding, Botschafter Solf, Min.-R. Karlowa. 1927 Jan - Dez.: Abrechnungen über Kleinen Repräsentationsfonds des RK. Je 12 Doppelseiten, masch.-schriftl. 1927 Jan. 29: Luther, Stresemann, Curtius, Reinhold, Brauns, Staatsminister Lentze, StS Fischer, Pünder, Meissner, Kempner und Brugger, Präs. v. Siemens, Gen.-Dir. Dorpmüller, OB Adenauer, Prof. Hoetzsch, Bankdir. Urbig, Min.-Direktoren Offermann, Gaus und Zechlin, Botschaftsrat Rieth, Prälat Steinmann. 1927 Febr. 28: Frau Stresemann, v. Keudell, Curtius, Hergt, Min.-Präs. Braun, Frau v. Raumer, Pünder, Meissner, Zweigert, Joël, Weismann, Botschafter Schurman, Botschafter Kemaleddin Sami Pascha, Gesandten Frank, v. Preger, v. Biegeleben und Honold, Min.-Direktoren Offermann, v. Brandt und Zechlin, Min.-Dirigent Reuter, Gesandschaftsrat v. Ow-Wachendorf, Vortr. Leg.-Räte Meyer-Rodehüser, Graf v. Podewils und Dr. Führ, Porsch, Schacht, Dorpmüller, Dir. der Dt. Bank v. Gwinner, Kom.-R. Deutsch, Prof. Limburg, Präs. Kaufmann. 1927 März 29: Die Botschafter de Margerie und Graf Aldrovandi, Fürst v. Lichnowsky, die Gesandten Holma, Everts, v. Kánya, de Agüero y Betancourt, Langwerth v. Simmern, die Gesandten v. Schoen und Rauscher, Stresemann, die preuß. Staatsminister Steiger, Höpker-Aschoff, Schmidt, die StS Pünder, Schmid und Lammers, Schmidt-Ott, Saemisch, Graf v. Westarp, Min.-Direktoren Offermann, Nobis, Zechlin und Köpke, Gouverneur a. D. Schnee, Geigenhädig-Räte Schwabach und Schwister, Dr. Ing. Sorge, Kammerherr v. Carnap, Landesdirektor v. Winterfeldt, Abg. Lammers. Dabei Programmfolge von Darbietungen des Havemann-Quartetts aus Anlaß des 100. Todestages von L. van Beethoven. 1927 April 1: Rhein. Nachmittag zu Ehren des Hessenlandes in der Reichskanzlei. 1927 April 6: Botschafter Krestinsky, Frau Ebert, Staatsminister Schreiber und Hirtsiefer, Gräfin Montgelas, Staatsrat Bosler, Konsul Marx, Vortr. Leg.-R. v. Dirksen, Admiral Zenker, Verlagsdir. Moeller, Gesandter Nebelthau, Senatspräs. Itschert, Reichsminister a. D. Koch, Kammerherr Graf Ernst zu Rantzau, Freiin v. Hertling, Prof. Rühlmann. 1927 Mai 27: Min.-Räte Hiecke, Behrendt und Reichle, Prof. Blanck, Stadtbaurat Elkart, Baurat Listmann, Redslob, Geigenhädig Baurat Hoffmann, StS Pünder, Baurat Groß. 1927 Juni 23 zu Ehren der bad. Reg.: Staatspräs. Trunk, Minister Schmitt, Leers und Remmele, Reichsminister Hergt, v. Keudell, Curtius, Köhler, StS Pünder, Staatsräte Weißhaupt und Marum, Gesandter Honold, Min.-Dir. Kempff, Min.-R. Dr. Fecht. 1927 Juli 8: Min.-Präs. Held, Staatsminister Fehr und Schmelzle, Reichsminister v. Keudell und Schätzel, Gesandte Boden und v. Preger, StS Pünder, Min.-Dir. Zechlin und v. Hagenow, Min.-R. Vogels, Abgn. Leicht, Graf v. Westarp und v. Guérard. 1927 Sept. 14: v. Keudell und Schiele, StS Zweigert und Hoffmann, Frau Bateson - London, Ramon Blanco - Lerida, Prof. Baur - Berlin-Dahlem, Frau Prof. Kristine Bonnevie, Prof. Paolo Enriques - Padua, Prof. A. Ernst - Zürich, Prof. R. v. Hertwig - München, Prof. N. K. Koltzoff und S. Nawaschin - Moskau, Prof. H. Nilsson-Ehle - Svalöf, Prof. V. Grégoire - Löwen, v. Harnack - Berlin-Grunewald, Prof. M. Popoff - Berlin, Prof. R. C. Punnett - Cambridge, Prof. Tschermak-Seysenegg - Wien, Jacques de Vilnorien - Paris, Prof. v. Wettstein - Wien, Prof. Nachtsheim - Berlin, Prof. Appel - Berlin, Prof. Eugen Fischer - Berlin, Botschafter Frhr. v. Maltzan. 1927 Sept. 23 zu Ehren von Präs. King von Liberia: v. Mendelssohn, Gouverneur a. D. Seitz, Colonel Davis usw. 1927 Sept. 29: Arthur Bernardes, Gesandter Guerra-Duval, Präs. C. Fr. v. Siemens, Luther, Brauns, Meissner usw. 1927 Okt. 13: Essen für zahlreiche Ausländer. 1927 Dez. 6 und 13: Liste der Teilnehmer an Empfängen in der Reichskanzlei (eigenhädig Unterschriften z. T. sehr bekannter Persönlichkeiten). 10 und 10 S. 1927 Dez. 7: v. Hindenburg, Hergt, Schiele, Köhler, Müller (Franken), Koch, Schätzel, v. Keudell, Frau Stresemann, Geßler, General Heye, Admiral Zenker, Löbe, v. Guérard, Graf Westarp, Scholz, Langwerth v. Simmern, Gesandter Boden, Pünder, Meissner, Weismann, Dorpmüller, Abg. Drewitz, Böß, Gesandter v. Preger. 1928 Jan.-Juni: Abrechnungen über den kleinen Repräsentationsfonds des RK z. T. mit Belegen. Je 5 Doppelseiten. 1928 Jan. 26: Empfang zu Ehren des Litauischen Min.-Präs. Prof. Woldemaras. 1928 Jan. 28: Wohltätigkeitstee im Reichskanzler-Palais zum Besten eines zu errichtenden Altersheim für Groß-Berlin im Bereich der Ludwigs-Gemeinde. 1 S. 1928 Febr. 21-25: Programme, Empfangszeremoniell und Zeremoniell für das Essen beim RK, Einladungen des RT-Präs., Empfang im Zeughause, vom Preuß. Min.-Präs. zu sportl. Vorführungen der Dt. Hochschule für Leibesübungen, vom Reichswehrminister und vom Afghan. Gesandten Ahmed Ali anläßlich der Anwesenheit von König Aman Ullah. 1928 Mai 30: Pacelli, Horion, LG-Präs. Oppenhoff, Dr. Bachem, Kaplan Fahsel, Min.-R. Vogels, Centoz, Min.-R. Feßler, Minister Steiger, Abt Zeller, P. Rauterkus, Min.-R. Egbring, RA Henry, Geigenhädig-R. Diekamp, Justizrat Bewerunge. o. D.: Henry Heide sen. u. junior, Konsul Girten, Brauns, Köhler, Meissner, v. Hagenow, Min.-Rätin Weber, Koch, Sonnenschein, Feßler. 1928 Juli 12: Einladung von Nuntius Pacelli. 1930 Jan. 30: Essen des RP zu Ehren von Marx. 1930 Febr. 3: Essen der RR im Reichskanzlerhaus mit RP. 1930 Febr. 2: Essen im Reichskanzlerhaus zu Ehren von Bundeskanzler Schober.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 65
Altsignatur : 65



1925
Das Jahr 1925


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben Sept. 1933, vgl. S. 15; ab S. 24 jedoch schon im Febr. 1933): Preußenregierung und Reichspräsidentenwahl: Vorwürfe wegen angeblichen Ehrgeizes und Pöstchenjägerei. Aus Verantwortungsbewußtsein glaubte Marx jedoch gegen das ernstliche Ersuchen von Heß, die preuß. Ministerpräsidentschaft zu übernehmen, keine Bedenken tragen zu dürfen (S. 1). Denn für die LT-Fraktion blieb kaum noch ein anderer Ausweg, da mehrere Herren, die man angegangen hatte, abgelehnt hatten. Stegerwald riet dringend ab. Nach Verhdlgn. mit Braun und Severing wurde Marx am 10. 2. gewählt. Ein Kabinett der großen Volksgemeinschaft scheiterte an DVP und DNVP, die dieselbe Taktik anwendet wie im RT, indem sie die Anerkennung von Zielen verlangt, von denen sie unbedingt wissen muß, daß sie von den Sozialdemokraten nicht angenommen werden können, so daß die Reg. aus Z, SPD und DDP gebildet wurde. Die Sozialdemokraten zeigen sich wieder als die klugen Politiker, indem sie sich mit einem einzigen Minister zu begnügen bereit erklären, allerdings mit dem ausgezeichneten und sehr maßvollen Minister des Innern Severing. Zusammensetzung des Kabinetts (S. 2). Im Gegensatz zum Reich mußte in Preußen vor Arbeitsaufnahme vom Kabinett die Vertrauensfrage gestellt werden; sie wurde Marx am 20. 2. mit 218 gegen 221 Stimmen abgelehnt. Die 3 fehlenden Stimmen stammten von den Z-Abgeordneten: v. Papen, Loenartz und Röingh. In der folgenden Fraktionssitzung beantragte Lauscher, ihnen Niederlegung des Mandats nahezulegen; sie haben es nicht getan. Am 23. 2. wurde auf dem westfäl. Parteitag in Hamm die Frage v. Papen nicht erledigt. Krankheit und Tod Eberts (S. 3). Einladung und Teilnahme an der Sitzung des Reichskabinetts, wo Marx gegen ein Stellvertretungsgesetz und für Vertretung durch den RK eintrat. Am 4. 3. geradezu programmatische Gedächtnisrede von Kultusminister Becker in der Krolloper vor Schülern der höheren Schulen; Marx' Ansprache wurde später in bayer. hohen Kreisen kritisiert; auf die verzerrte Wiedergabe der Rede in der ‚Augsburger Abendztg.' riet Schreiber, der von der Vorstandssitzung der Görres-Gesellschaft her über die Verstimmung zuerst berichtete, zur Veröffentlichung des richtigen Textes. Riesiger Andrang bei der Beerdigung Eberts (S. 4). Marx ergriff es schmerzlich, als Löbe, sicher stark übertreibend sagt: „Heute nimmt die Arbeiterschaft schmerzerfüllt Abschied von der Dt. Republik. Diese Worte ... sind sicherlich falsch und unzutreffend gewesen. Reichspräsident Ebert war ein sehr kluger, fein polit. Kopf, der das Beste wollte und stets klar die Sachlage überschaute und beurteilte. Sein Patriotismus bei der Bewilligung der Kriegsmittel, wobei er die Absplitterung der Unabhängigen unter dem unerträglichen Haase in Kauf nahm. Der Revolution widersetzte er sich; als sie nicht mehr zu vermeiden war, zog er sich nicht zurück, sondern setzte seinen Einfluß ein, um Schlimmeres zu verhüten. Trimborn hat Marx gegenüber häufig Eberts Bemühungen um das Zustandekommen der Nat.-Verslg. bestätigt. Unter Lebensgefahr amtierte Ebert im Nov. 1918 in der Reichskanzlei (S. 5). Er war alter erfahrener Parlamentarier und schöpfte Kenntnisse über die polit. Vorgänge aus vielen Quellen: Wenn ich zu Ebert zum Vortrag kam, mußte ich schon aufpassen, um nicht berichtigt zu werden. Denn zuweilen wußte Ebert tatsächlich über die Lage mehr, als mir bekannt war. Vergleich mit dem geistig hochstehenden Hindenburg. Eberts feines Gefühl für polit. Anstand und Sauberkeit besonders in der Angelegenheit Höfle. Die bescheidene Lebensweise Eberts, sein Köln-Besuch mit dem Fest im Gürzenich und Adenauers prächtiger Begrüßungsrede (S. 6). Marx' Vergleich mit früheren Empfängen für Kaiser Wilhelm I. Eberts Einstellung zu Repräsentationsreisen. Schamlose Witze wurden gegen ihn seitens der Rechten kolportiert. Er und seine Frau wußten sich in Gesellschaft mit feinem Taktgefühl ... tadellos zu benehmen. Fremde Regierungsvertreter hatten ihn deswegen niemals kritisiert (S. 7). Preußenregierung: Im LT wollte man von rechts ein überparteiliches Kabinett, sogar der Min.-Präs. sollte kein ausgesprochener Parteimann sein. Marx willigte darin unter Vorbehalt ein; keinesfalls aber wollte er ein Kabinett gegen den ausdrücklichen Willen der SPD bilden. Mit Billigung der 3 Koalitionsparteien konnte er auch ein Beamtenkabinett bilden und wurde am 10. 3. zum Min.-Präs. gewählt, erbat sich aber Bedenkzeit. In den grotesken Verhdlgn. teilte am 13. 3. v. Campe (DVP) einen Beschluß der DNVP mit, sich an keinem Kabinett zu beteiligen, an dem in irgendeiner Form die SPD mitwirke. Diese Meldung wurde später dementiert; v. Campe verriet aber nichts über die Pläne der DVP. Ein Dt.-Nationaler erhob Bedenken gegen StS Weismann als Innenminister; Marx hatte das gar nicht geplant. Als Marx für die RP-Kandidatur in Betracht kam, verweigerte die DNVP alle weiteren Verhdlgn. Gegen Marx' Versuche, frei zu werden, wehrten sich Heß und LT-Fraktion zunächst entschieden (S. 8), jedoch wurde in einer z. T. stürmischen Sitzung von beiden Fraktionen am 18. 3. Marx Ablehnung der Wahl empfohlen, die er am 19. 3. dem LT-Präs. übermittelte. Am 20. 3. im LT eine heftige Debatte über die weitere Geschäftsführung durch das zurückgetretene Kabinett. Am 31. 3. wurde Braun wiedergewählt: Damit ist dann dieses Theater zu Ende gegangen. Da aber Marx an einer Sitzung des der Reg. beigegebenen ständigen Ausschusses am 26. 3. wegen Taufe seines ersten Enkels nicht teilgenommen hatte, obwohl es die Rechte verlangt hatte, bekam er gewisse Schwierigkeiten (S. 9). Am 4. 4. wurden Braun die Geschäfte übergeben. Die Reichspräsidentenwahl wurde in 2 Wahlgängen durchgeführt, die beide unabhängig voneinander sind. Unmittelbar nach Eberts Tod wollte das Z zunächst einen einheitl. Kandidaten; die SPD schien das mitmachen zu wollen. Aber dann wurden im Z Bedenken gegen einen ausschließlich von der linken Seite aufgestellten Kandidaten laut, und man sprach infolgedessen im Z von der Aufstellung Stegerwaids (S. 10). In einer Besprechung der Z-Presse am 7. 3. wollte man, ohne weiteres abzuwarten, mich einfach proklamieren; Marx lehnte das grundsätzlich und entschieden ab. Die SPD wollte nach Löbes Ablehnung Braun aufstellen. In dem üblichen Klatsch warf Jarres Marx vor, gegen Höfle nicht energisch genug vorgegangen zu sein; RK Luther bestätigte Marx' Unkenntnis über Höfles Bereitstellung von Postgeldern für private Kreise. Müller (SPD) tadelte Marx wegen der Anweisung der Ruhrgelder, die auf Grund einer schriftl. und ausdrücklichen Verpflichtung Stresemanns als RK an die Großindustriellen der Ruhr ausgezahlt werden mußten, weil diese sonst ihre Betriebe eingestellt hätten und dann Tausende von Arbeitern arbeitslos geworden wären. Mit Esser und Köhler war Marx am 11.3. bei Luther, der mit aller Bestimmtheit erklärt, daß ich von den verschiedenen Manipulationen Höfles nichts gewußt haben kann! Dies wurde dem Parteiausschuß mitgeteilt. Unter v. Loebell hatte sich inzwischen ein „Staatsbürgerl. Ausschuß" gebildet, der eine gemeinsame Kandidatur der bürgerl. Parteien erstrebte, für die zunächst Geßler vorgeschlagen wurde. Dort führten v. Guérard und Fehrenbach die Verhdlgn.; ersterer mußte sich durch letzteren in der hochgespannten Sitzung des Parteiausschusses am 12. 3. Korrektur des Verhdlgs.-Berichtes gefallen lassen. Der zum Stellvertreter des RP ernannte RG-Präs. Dr. Simons machte dem Reichsrat im LT Besuch; dorthin wurde die einstimmige Aufstellung von Marx als RP-Kandidaten durch den Parteiausschuß durchgegeben. Heß wollte ihn von Preußen trotz der Angriffe der Opposition und eigenen Wunsches nicht freigeben, bis eine gemeinsame Vorstandssitzung von RT- und LT-Fraktion Marx die Ablehnung der preuß. Min.-Präsidentenschaft am 18. 3. empfahl (S. 12). In der Wahlagitation unterstützten Spiecker und Vockel ihn in wirklich ausgezeichneter Weise. In Köln fand am 24. 3. eine Besprechung und eine Verslg. über die Frage Jarres statt, dem Adenauer am 25. 3. in der ,Germania wegen der Angriffe über angebliches Eintreten für eine rhein. Republik selbständigen Charakters erwiderte. Ergebnisse und Deutung des ersten Wahlganges vom 29.3.; die Niederlage Ludendorffs wurde vor allem im Ausland begrüßt; Stellungnahme von Lloyd George im ,8-Uhr-Abendblatt' vom 4. 4. (S. 13 f.). Politisch klug, wie nun einmal die SPD <ist>, ließ sie schon gleich nach dem 1. Wahlgang ihren Entschluß erkennen, auch eine gemeinsame Kandidatur unterstützen zu wollen. Am 31.3. wurde Marx vom Reichsparteivorstand des Z erneut als Kandidat aufgestellt. Zunächst große Verwirrung im Reichsblock, bis man - Jarres brachte ein heroisches Opfer - auf den Gedanken Hindenburg kam. Dieser lehnte den Rechtsparteien gegenüber ab. Da übernahm es Tirpitz, seinen alten Kriegskameraden „am Portepee zu fassen, wie er sich ausgedrückt haben soll. Diesem Angriff konnte sich der alte, echte Soldat nicht widersetzen. Der greise Feldmarschall nahm an! Es war für ihn ein großes Opfer. Bei dem hohen Alter sich der Familie zu entziehen, auf die polit. Arena zu treten, die er immer gemieden: ja, das war ein schweres Opfer! Das konnte nur ein Mann bringen, der bis ins tiefste Innere von Vaterlandsliebe brannte, der nicht seine eigene Bequemlichkeit vorzog, sondern auch Schweres dem allgemeinen Wohle zuliebe auf sich nahm! Das war eine bewundernswerte Tat, die nach meiner festen Überzeugung dem Willen des Allerhöchsten entsprach und von unübersehbaren guten Folgen für das dt. Volk und das Vaterland begleitet war. Das Ausland, das nur den grimmigen Krieger und den „Sieger von Tannenberg in ihm sah, schloß aufgeregt nach der Benennung auf den Plan eines Rachefeldzuges (S. 15), im Rechtsblock brachte sie aber nach größten Meinungsverschiedenheiten die nötige Einmütigkeit. So hatte Luther am 3. 4. die Parteien auf einen Kandidaten - vergeblich - zu einigen versucht. Am gleichen Tage aber war Marx' Aufstellung vom Reichsparteiausschuß bestätigt worden. Ebenfalls billigten die Linksparteien Marx' Kandidatur; allerdings war ihre Meinung nach dem Auftreten Hindenburgs, jetzt würde der letzte Mann von ihnen zur Wahlurne gehen, ein Irrtum: Die Vorurteile gegen den Z-Mann und Katholiken waren doch in Sachsen allzu stark! Spiecker zeigte sich als gewandter und erfindungsreicher Agitator. Film im Innenhof des RT (S. 16). Am 14. 4. Reise nach Königsberg, wo Marx von OP Siehr - ein ganz ausgezeichneter Mann, der sehr beliebt ist - empfangen wurde. Seine erste Rede galt dem Gegenkandidaten: Ich trage alles Lobenswerte von Hindenburg vor, seine Vaterlandsliebe, seine Selbstlosigkeit, seine Opferbereitschaft: trotzdem er vom Kaiser... schlecht behandelt worden ist, rückt er doch auf den ersten Ruf an ihn ins Feld!... Das hat mir später sehr gute Früchte getragen: ich konnte stets darauf hinweisen, wie würdig ich die Wahlkampagne geführt hätte. Auch die gegnerische Presse hat das stets, soweit sie ehrlich war, hervorgehoben. Noch zwei weitere Verslgn. in guter Stimmung (S. 17). Die Werbereise war wohl die interessanteste Reise meines Lebens. Während Hindenburg nur 2 Lautsprecherreden gehalten hat, hat Marx wohl 88 Verslgn. gehalten. Von Magdeburg bis Dessau wurde Marx unterwegs in jeder größeren Gemeinde von Reichsbannerleuten aufgehalten, um Reden zu halten (S. 18). Schilderung der Verslg. in Zerbst oder Köthen. In Dessau war auch Preuß als Redner vorgesehen, der Marx' Auftreten drastisch schilderte. Tags zuvor hatte er in Dresden nur schwachen Beifall, weil die Stock-Sozialdemokraten Sachsens mit ihm absolut nicht einverstanden waren (S. 19). Marx' Begleiter waren Goerdes - wegen seiner Länge der „Zentrumsturm genannt - und Redakteur Hoffmann von der ,Germania' (S. 20). Unvergeßlich war die Begeisterung über Marx in Nürnberg, wo er unter ungeheurem Beifall durch den Saal getragen wurde. Ergriffen war Marx auch von Verslgn. mit sicherlich sozialdemokrat. Arbeitern in Pforzheim, wo er über religiöse Kindererziehung sprach. In Nürnberg redete in derselben Verslg. wie Marx auch Pfarrer Korell aus Bingen, der - wie 1924 bei einer Schlägerei der Kommunisten gegen den LG-Dir. Brodauf im RT - so auch hier mit je einem wohlgezielten Faustschlag einen Mann zu Boden streckte. Die ungestörte Ordnung in allen Verslgn. verdankte Marx dem Reichsbanner: Um so mehr schmerzte es mich später, daß ich infolge der Fehler in der Führung aus außenpolit. Gründen meinen Austritt erklären mußte. Ausgang der Wahl: Es war gut so, daß Gott es so gefügt hatte. Ich bin fest überzeugt, daß es so am besten auch für mich gewesen ist! Luthers Brief vom 27. 4.: Was ist sein Ziel? (S. 21-23). Die Uneinigkeit der Ansichten von Patres und Brüdern in der Abtei Maria Laach wegen Marx' Stellung zur SPD, welcher mit Ebert an der Spitze Marx neben dem Z das größte Verdienst an der Herstellung rechtmäßiger Zustände nach 1918 beimaß; die von Abt Ildefons Herwegen zitierten Worte glaubt Marx aber nicht in der Koblenzer Rede am 21. 4. 25 gesprochen haben zu können, weil diese ganz auf das besetzte Gebiet zugeschnitten war (S. 23 a). Die Reichspräsidentenwahl und die Agitation für dieselbe (geschrieben Febr. 1933): Die Wahl Hindenburgs weckte im Ausland schlimmste Befürchtungen. Vorsichtsmaßregeln der Botschafterkonferenz unter Cambon schon am 11. 4. Baldwins ,Morning Post' sprach von geistiger und seelischer Aufrüstung Dtschlds. Nach 4 bis 6 Monaten aber hatte man erkannt (S. 24), daß er zwar immer noch der aufrechte, gerade Soldat war, daß er aber auch polit. Klugheit in außergewöhnlichem Maße besaß und treu und fest auf dem Boden der Verständigung stand. Die Folgen der wüsten Agitation waren in Dtschld. nicht so bald überwunden. Hindenburg ist von den Bayern und den Frauen gewählt worden. Auch StS Meißner bat Marx angesichts der Kandidatur Hindenburgs auf die eigene zu verzichten. Der ,Sammelruf' des bayer. Bauernführers Heim war an Schiefheiten, Unrichtigkeiten und Übertreibungen kaum zu übertreffen. Auseinandersetzungen des ,Bad. Beobachters' mit dem Regensburger OB Hipp. In Bayern haben monarchistische und Rechtskreise unter den Katholiken an dem Zusammengehen mit der SPD sich gestoßen; in Ordenskreisen wußte man bis zuletzt nicht, wie man wählen sollte (S. 25). Während die Abg. Lang-Brumann die BVP als Rechtspartei ansah und deswegen für Hindenburg eintrat, erzählte Therese Neumann in Konnersreuth, daß das ganze Dorf auf Rat des Pfarrers Marx gewählt hätte. In Rom haben 1929 bayer. Geistliche die Ablehnung Marx' bedauert. Besonders in Sachsen wurden die konfessionellen Gegensätze aufgepeitscht; sogar den Papst hatte man gegen Marx einzuspannen versucht; der Kardinal-StS erklärte, daß Ausführungen in Enzykliken mit der RP-Wahl nichts zu tun hätten (S. 26). Prof. Harnack und Prof. Baumgarten-Kiel bedauerten evangelischerseits die Hetze. Korells Ausführungen in der ,Pfälz. Landesztg.' am 30. 4. Fälschung von Flugblättern in Hamburg und Schlesien. Die Hetze des Pfarrers Haeuser aus Straßberg bei Augsburg, vorher im Eichsfeld. Außer der Tatsache, daß Marx katholisch war, wurden gegen Marx folgende Vorwürfe erhoben: 1) die Äußerung gegen Bayern 1924 im Apollo-Theater in Düsseldorf (S. 27), 2) die Unterstellung einer Äußerung gegen die Sparer (Ich will hier nur bemerken, daß das Wort „blöde im rhein. Dialekt gar nicht gebräuchlich ist. Von mir ist es jedenfalls kaum gebraucht worden) (S. 28), 3) der angebliche Pakt von Z und SPD, über die in Rom eine billige Meinung herrschte (S. 29). Das auf den Rat von Haas, Spiecker und Goerdes an Hindenburg abgefaßte Telegramm und Marx' eigenhädig Glückwunschschreiben. An der Vereidigung der RP durch Löbe nahm Marx nicht teil, was Graf Montgelas, der Marx sein Buch über Abraham Lincoln widmete, später nicht gut fand (S. 30). Hindenburgs Aufnahme des Wahlergebnisses, die Prof. Marcks mitteilte und wohl auf den Maler Vogel zurückgeht. Später freundschaftl. Übereinstimmung mit Hindenburg. Ein 4. Vorwurf wurde Marx wegen des Empfangs von Herren der Interalliierten Rheinlandkommission in Koblenz vor allem durch Domprediger Döhring gemacht (S. 31 f.). 32 S., Maschinenerstschrift mit eigenhädig Nachträgen und Verweisen. Die Politik des Jahres 1925Erinnerungsbericht (geschrieben Frühjahr 1934): Anfang Dez. 1924 wollte die DVP die DNVP durchaus zur RR beiziehen, obwohl die Zeitumstände und namentlich die innere Einstellung der DNVP das als durchaus unzweckmäßig erscheinen ließen. Stresemanns Reg.-Bildung scheiterte am Widerspruch des Z. Ebert beauftragte daraufhin in immer wieder anders gearteten Formen Marx. Fast immer verhinderte die DVP einen Erfolg; in ein Minderheitskabinett wollten Luther und Graf Kanitz nicht eintreten: Damit war meine weitere Tätigkeit erledigt. Bei dem überparteil. Kabinett Luthers legte das Z auf die Berufungen von Brauns und Geßler entscheidenden Wert (S. 1). Die Erfolge von Luthers Rechtskabinett waren recht ansehnlich. Dennoch war am wenigsten die DNVP zufrieden: erst Zweckmäßigkeitsopposition, aber später in der Reg.-Verantwortung Fortsetzung der Politik, die sie vorher aufs Schnödeste bekämpft hatte. Sie wollte z. B. die konstitutionelle Erbmonarchie, aber Luther stellte sich in seiner Reg.-Erklärung auf den Boden der Weimarer Verfassung. Ebenso wurden die vorher angegriffenen Londoner Abmachungen loyal durchgeführt. Die in sich zwiespältige und unwahrhaftige Einstellung der DNVP führte zum Sturz dieser RR (S. 2). Das Z hat sich getreu den Mahnungen Windthorsts niemals auf passive, rein negative Kritik eingestellt, sondern stets aus nationalem Pflichtbewußtsein positiv zum Wohl der Allgemeinheit am polit. Leben und Wirken mitbeteiligt. Zwar ging es zum Kabinett Luther keine fraktionelle Bindung ein, jedoch erklärte es seine Bereitschaft zur Mitwirkung, falls die bewährte Politik weitergeführt wurde; Fehrenbachs diesbezügliche RT-Erklärung vom 20. 1. 25 war von echt staatsmännischer und polit. Klugheit durchdrungen; sie wurde vom Reichsparteivorstand in Verbindung mit den Landes- u. Provinzialvorsitzenden ausdrücklich genehmigt. Die bisherige Opposition gab die DNVP mehr und mehr auf. Am 9. 2. ergriff Stresemann auf eigene Verantwortung die Initiative zu dem vom Völkerbund allgemein angestrebten Garantiepakt (S. 3); sie wurde am 20. 7. durch eine Note bestätigt, so daß am 15. 9. die Einladung nach Locarno eintraf. In einer vom RP geleiteten Sitzung der RR wurde sie am 24. 9. angenommen. Nach der Konferenz bezeichneten RT-Fraktion am 22. und Parteivorstand der DNVP am 23. 10. das Vertragsergebnis „als für die Partei unannehmbar". Am 22. 10. aber hatte das Kabinett unter Vorsitz der RP einstimmig die Verträge als der Richtung der Note vom 20. 7. entsprechend befunden. Gegen die DNVP-Hetze gab die RR eine Erklärung heraus. Dennoch erklärten die DNVP-Minister Schiele, Neuhaus und v. Schlieben am 25. 10. ihren Rücktritt, dem sich später Frenken anschloß. Die Gesamtdemission des Kabinetts, die eigentlich hätte erfolgen müssen, die aber nach innen wie außen unübersehbare Folgen gehabt hätte, wurde für später in Aussicht gestellt; die amtierenden Minister übernahmen die frei gewordenen Ministerien (S. 4). Die DNVP lehnte weiterhin alles hartnäckig ab; die unbedingt nötige SPD aber wollte die Auflösung des RT, genehmigte aber die Verträge, als Luther in aller Form den Rücktritt nach Annahme der Gesetze verkündete. Dieser erfolgte am 5. 12. nach der 3. Lesung am 27. 11. und der Londoner Unterzeichnung am 1. 12. In der Presse hielt man die Zeit für eine große Koalition gekommen, aber das Z wollte nicht schon wieder die Verantwortung übernehmen, nachdem die DNVP das Reich im Stich gelassen hatte. Fehrenbach lehnte ab; Koch (DDP) ebenfalls, nachdem die SPD wegen der unklaren Haltung der DVP sich nicht zur Verfügung stellen wollte (S. 5). Luther brachte Anfang 1926 ein Kabinett der Mitte zusammen, obwohl die BVP Koch als Innenminister untragbar fand und die WV sich ganz versagte. Der RP brachte mit seinem Ansehen Luthers Kabinett zur Anerkennung; Marx war darin Justizminister. Angesichts der schwierigen Innen- und Außenlage verlangte Luther vom RT ein ausdrückliches Vertrauensvotum; die SPD billigte daraufhin die Außen-, nicht aber die Innenpolitik (S. 6) am 27. 1. 26. Die RP-Wahl, die Locarno-Verträge - immer ein großes Verdienst von Luther und Stresemann - und Völkerbundsbeitritt Dtschlds. waren die Erfolge von 1925. Zu beachten ist, daß die Grenzen zwischen Dtschld. und Polen durch die Verträge nicht garantiert und anerkannt sind! (S. 7). 7 S., Masch.-Erstschrift mit eigenhädig Verbesserungen u. Hinweisen. Das Jahr 1925 Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben 1940; vgl. S. 5, 10, 25): 1. Familienangelegenheiten: Am 1. 1. Gratulationscour beim RP. Nachmittags kamen Rieder und Reuter, gegen 18 Uhr erschien Pacelli, der meinte, das Konkordat mit Preußen würde jetzt wohl gehen; die DNVP war anscheinend zufriedengestellt; am schlimmsten seien die Demokraten, obwohl nur zwei, schrieen sie wie tausend (S. 1). Nachtrag zum Bericht über den Neujahrsempfang. Am 5. 1. wurde die Session durch ein Hochamt von Wildermann eingeleitet. Am 10. 1. speisten Adenauer und Mönnig bei Marx; sie hatten Besprechungen im Abg.-H. Am 10. 1. hat Marx den Auftrag zur Reg.-Bildung an RP zurückgegeben (S. 2). Am 17. 1. machte Marx Besuch beim Kammergerichtspräs. Tigges, den er aus Düsseldorf her kannte. Am 20. 1. holten ihn in Köln Mönnig und Hamacher am Bahnhof ab; Verslg. im Gesellenhaus. Am 22. 1. waren Porsch, Blank, Petri und Frl. Teusch zu Besuch. Am 29. 1. vollendete der Maler Rittersbach-Düsseldorf ein Gemälde, und der Bildhauer Dr. Menser-Bonn modellierte bis 4. 2. eine Büste. Hans Wrede fuhr Marx zu einer Ausstellung von Phonographen und ähnlichen neuen Erfindungen und Instrumenten; v. Raumer und Dernburg waren erschienen, Ebert und Luther hatten abgesagt (S. 3). Am 4. 2. Auszug aus der Kanzlei (S. 4). Beim Konzert in der Philharmonie unter Furtwängler, ein ganz einziger Künstler, waren Porsch und der österr. Gesandte. Am 8. 3. Besuch der politisch interessierten Baltin Röchling. Am 24. 3. Verslg. in Köln, am 25. 3. Taufe des Enkels in Sigmaringen (S. 5); in Berlin war man im Ständigen Ausschuß über die Abwesenheit böse: Die Minderheit des LT mußte doch ihr Mütchen kühlen und tat das mit Freuden, als der Min.-Präs. (wozu Marx am 10. 2. gewählt worden war) im ständigen Ausschuß fehlte! Am 1. 4. großes Abendessen in der Esplanade für den österr. Kultusminister <Emil Schneider). Am 8. 4. mit Erzbischof Köster im Konzert in Friedenau (S. 6). Die aus Anlaß der RP-Wahl angefertigte Photographie fand großen Absatz. Am 14.4. begann die Agitationsreise in Königsberg, sie endete in Sigmaringen; eine weitere Aufforderung des Volks<blocks> Stuttgart wurde abgelehnt. Spiecker und Gördes brachten am 29. 4. einen Entwurf zu Aufruf und Dank an den Volks<block> wie auch zu einem Schreiben an Hindenburg, das in der Öffentlichkeit guten Eindruck machte. Am 6. 5. feierte der Prov.-Ausschuß von Hohenzollern die Zugehörigkeit zu Preußen in Sigmaringen (S. 7). In Berlin mußte er bald die Sorge für die neuen Entwicklungen einem Vertreter überlassen, da er mit der SchO vom 14. 5.-9. 6. zur Heiligsprechung von Petrus Canisius nach Rom reiste. Nach der Rückkehr fehlte in der Vorstandssitzung im RT Fehrenbach; Spahn war an den Romerlebnissen sehr interessiert. Für Rieder, der Aussicht hatte, ins Landwirtschaftsministerium zu kommen, wollte Marx an Heß schreiben. Am 10. 6. traf Marx im RT Bell und besprach sich mit v. Raumer, Löbe und Graf Coudenhove. Dieser beschrieb einen Zusammenschluß von Industriellen, Wirtschaftlern und Politiker zur Betreuung von Auslandsdeutschen: Der Gedanke hat vieles für sich, muß aber nach m. M. mit größter Vorsicht verfolgt werden, weil ich den Herrn v. C. für etwas zu optimistisch erachte. Am 11. 6. waren Spiecker und Vockel zum Kaffee da (S. 8). Am 20. 6. wurde für die Familie Hoenscheid eine Elfenbein-Figur ,Nathan d. Weise' gekauft. Am 21. 6. kam v. Brentano, der nach Rom an die Gesandtschaft ging; ihm wurde ein Brief an Klee mitgegeben. Lambert Zweifel berichtete über die besetzten Gebiete, was ans Ministerium weitergeleitet wurde. Am 24. 6. machten im RT einige Leute wegen der Aufwertung Skandal (S. 9). Durch den Abg. Hofmann wurde Marx über verwandten <Heinr. Verkoyen> in der Pfalz Unangenehmes berichtet (S. 10). Am 18. 8. Besprechung über die Gründung einer Bruckner-Vereinigung, wozu Prof. Gatz die Hilfe des Berliner Philharm. Orchesters gewonnen hatte; kapitalkräftige Kreise fanden sich zur Unterstützung bereit; Gatz mußte als getaufter Jude später nach Amerika auswandern (S. 11). Am 22. 8. Katholikentag in Stuttgart, der von den Andersgläubigen - namentlich auch vom OB - in jeder Weise geehrt wurde. Der Paderborner Weihbischof Hähling v. Lanzenauer, der am 25. 8. in öffentl. Verslg. gesprochen hatte, starb am 30. 8.; Bischof v. Keppler nahm in größter Opferliebe an fast allen Veranstaltungen regen Anteil; Pacelli war Vertreter des Papstes, zelebrierte die Festmesse und hielt eine Ansprache in der ersten öffentl. Verslg. Marx sprach in den Verslgn. der SchO und des Vv. Am 22. 8. sprach beim Augustinusverein Carl Bachem, in der Diskussion meldeten sich Marx, Stegerwald und Brüning; es ist recht viele Aufklärung geschaffen worden (S. 12). Der nach Paris reisende Vorsitzende der DDP Koch sollte einen im Auftrage der Reg.-Parteien von Marx geschriebenen Brief an den frz. Min.-Präs. Painlevé mitnehmen; sein Inhalt befaßte sich wohl mit den damals schwebenden Sicherheitspakt-Verhdlgn. <tatsächlich wegen der Pan-Europa-Bewegung>. Am 1. 9. kam die Nachricht vom Tode Spahns; am 4. 9. sprachen in der Kirche in Lichterfelde Pfarrer Bayer, am Katafalk vor der Kirche Bell und Marx (S. 13). Beim Mittagessen im Ratskeller Gespräch mit Spiecker und Vockel über den Fall Wirth. In Offenburg tagte am 5. 9. der Ausschuß des Bad. Z; man hatte schon stark über Fehrenbach geklagt; Wirth spricht sehr gemäßigt, kann aber keine Tatsachen anführen, die seinen Austritt <aus der Fraktion> rechtfertigen; man wäre mehrfach über seine Anträge zur Tagesordnung übergegangen. In der Verslg. abends fanden die Reden von Wirth und Marx beide großen Beifall: Es ist das Merkwürdige, daß ein Unterschied in der Auffassung der beiden Redner nicht zu bemerken ist! Am 6. 9. Frühstück mit Präs. Baumgartner bei Pastor Karle. Als erster sprach Wirth sehr aufgeregt über ein unglückliches Wort, das der Vorsitzende Dr. Kopf gebraucht hat, er fuhr sogleich nach Appenweier zu seinem Bruder und bekam dort einen Anfall (S. 14); nach einigen Tagen reiste er aber doch nach Amerika. Marx legte in seiner Rede Nachsicht für das Temperament von Wirth nahe; dadurch waren Maßnahmen gegen ihn in seiner Abwesenheit wohl abgewendet worden; an einer endgültigen Trennung lag der Partei nichts. Am 8. 9. wurden in Freiburg Pastor Hirsch aus Elberfeld und Kaplan Adolf getroffen; Besuche bei der Mutter von Wirth, Domherrn Rösch und Schofer ohne Erfolg (S. 15). In Sigmaringen Vertrauensmänner-Verslg. der Partei. Besuche bei Bischof Schuler in Gorheim. Am 20. 9. Reise nach Wien; Besuch beim Gesandten Pfeiffer, bei Kreutzwald und dem Innenminister vergeblich (S. 16); auf dem Büro der Christl.-Sozialen Partei traf Marx Seipel. Am 27. 9. Verslg. der SchO in Düsseldorf. Am 16. 10. berichtete Prof. Gatz über die Bruckner-Vereinigung (S. 17). Rieders gingen zu Weihnachten zum Hof von Heukamp. Marx trafen im Zuge nach Sigmaringen die Prinzessin Franz Josef (S. 18). Am 27. 12. wurde aus Berlin Skandal wegen der von Dtschld. zu besetzenden Stellen beim Völkerbund gemeldet. 2. Schulorganisation: Die wegen der polit. Beanspruchung mäßigen Leistungen von Marx wurden von dem eifrigen und geschickten Rektor Böhler wettgemacht, der früh Prälat und später Pfarrer mit 5 Kaplänen an St. Dreifaltigkeit in Essen wurde: ihm ist hauptsächlich die Ausdehnung und die große Wertschätzung der Organisation zu verdanken (S. 19). Am 8. 2. Besprechung mit Böhler und dem Juristen Westhoff im LT über höhere Schulen und eine Sitzung des Reichsausschusses. Nachmittags wurde über Höfle und Lange-Hegermann im RT verhandelt. Die nächste Besprechung mit Böhler, der immer gute Vorschläge zu machen hat, war erst am 25. 6. Ende Sept. Sitzung des Reichsausschusses mit Weihbischof Straeter; Bergmann war Sekretär der SchO (S. 20); Frau Minister Bolz und Prof. Schwerd waren auch da; das neue Canisius-Haus wurde besichtigt; P. Schroeteler trug über das Schulgesetz vor; beim Abendessen des Generalstaatsanwaltes Clar war auch der Kölner Kardinal; die Verslgn. in der Tonhalle und im Rittersaal waren stark besucht (S. 21); Frühstück mit Rektor Kreuzberg, Besuch bei den nicht anwesenden RA Liertz und Landesrat Adams. Am 6. 11. Fahrt mit Rheinländer zur Tagung der preuß. SchO in Paderborn, wo er Gast des Bischofs Klein war; abends beim örtl. Vorsitzenden Oberlehrer Hüttemann; Mausbach und Wildermann erschienen; Prälat Stauber, Tübinger Konviktsdirektor, und Marx sprachen (S. 22). 3. Romreise: Die Reise wurde vom 14. -28.5. von der SchO zwecks Beiseins bei der Heiligsprechung von Petrus Canisius unternommen. Pässe hatte Goerdes besorgt. In Basel Treffen mit Frl. Irmler. Im Abteil zusammen mit Böhler und Schroeteler (S. 23). In Rom Begrüßung durch Prälat Steinmann, Leg.-R. Klee, Prälat Katscha u.a. Am 18. 5. mittags bei Steinmann, abends bei Botschafter v. Bergen, wo auch v. Ritter, Klee und Frl. Teusch erschienen (S. 24). Klee wurde später als Nachfolger von Reuter Generalkonsul in Marseille. Am 19.5. aßen mittags bei Steinmann neben Marx auch Kard. Schulte und die Bischöfe von Fulda und Prag; Führungen des Kaplans Kalsbach. Zur Audienz beim Kardinal-StS wurde Marx von Klee begleitet; Gasparri fragte sehr bald nach dem Zusammengehen von Z und SPD, Marx verwies auf mit ihrer Hilfe errungene Erfolge auch in Schulfragen; er versuchte, für Steinmann etwas herauszuschlagen; Gasparri verwies Marx deswegen an den Papst; für diesen persönlich hatte Marx von Pacelli einen fünffach versiegelten Brief mitgenommen; Gasparri lobte den Geschmack des Nuntius (S. 25). Danach Unterredung mit Pizzardo, der als der eigentliche Politiker galt. Am 20. 5. wurde Kard. Schulte auf dem Campo-Santo besucht. Klee holte zur Heiligsprechungsfeier Marx, Wirth und Frl. Teusch am 21. 5. schon früh ab (S. 26); auf der Diplomatentribüne saß er neben Steinmann. Abends Papstaudienz von 25 Minuten und anschließend Besuch bei den Salvatorianern, wo auch Kard. Schulte erschien (S. 27). Am 23.5. große Audienz des Papstes für die SchO (S. 28). In Frascati traf Marx am 24. 5. Kard. Schulte und Prälat Oberdörfer (S. 29). Auf der Rückreise Stationen in Florenz und Venedig, wo Pfarrer Nüdling über Padua erzählte (S. 30). Romreise-Erinnerungen von Frau Marx, wo noch einmal die Papstaudienz zur Sprache kommt, der Besuch mit Kard. Schulte, dem Weihbischof v. Feldkirch, dem Patriarchen von Alexandrien, Msgr. Testa, und der Prälaten Steinmann und Oberdörfer (ein Freund des Papstes) bei den Salvatorianern, der Empfang mit Böhler, Wirth, Frl. Teusch, Büchler, Schwerd bei Botschafter v. Bergen, wo 13 Kardinäle (u. a. Gasparri, Vanutelli, Schulte u. der von Venedig), der Bischof v. Feldkirch und Abt von Stotzingen, dann Fürst Bülow, Frhr. v. Cramer-Klett, Frhr. v. Frentz und der bayer. Botschafter waren (S. 31-44). Urlaub in Igls und Innsbruck, wo am 4. 6. Dr. Gotzen-Köln eine Rede bei einer Studentenverbindung hielt (S. 44-46). Besuch in München, dort Vorsprache bei Prälat Brem (S. 47 f.). 4. Canisius-Feiern: Auf dem 23. Katholikentag der Mark in Rathenow sprachen Kard. Bertram und Fürst Löwenstein. In Düsseldorf hielten Kard. Schulte und Generalstaatsanwalt Schneider Ansprachen. In Köln wurde eine Festwoche mit Abschlußfeier in der Bürgergesellschaft mit Kard. Schulte, OB Adenauer (sehr zeitgemäße Rede) und Oberdörfer gehalten (S. 49 f.). 5. Politisches: Die Reg.-Bildung nach den Wahlen am 7.12. scheiterte an der Forderung der DVP auf Einbeziehung der DNVP; als Stresemann das dem Kabinett mitteilte, erklärte Marx: Das bedeutet nach meiner Überzeugung die Demission des Kabinetts! Nach dem Rücktritt verliefen die Bemühungen von Marx - auch um eine überparteil. Reg. mit DNVP - ergebnislos. Am 1. 1. Neujahrsempfang beim RP und Mittagessen mit den Ministern. Abends Besuch von Pacelli (S. 51). Am 2. 1. Verhdlgn. über die neue Reg. im Kabinett, mit RP und Stresemann und Brauns. Am 3. 1. Gespräch mit den Reg.-Parteien ohne Ergebnis; SPD machte ihre Teilnahme von der DVP und der DNVP abhängig. Abends offizieller Auftrag zur Reg.-Bildung von Ebert (S. 52). Am 4. 1. Unterredungen mit Kries und Neuhaus, mit Oeser über das Verkehrsministerium, mit Porsch und abends mit Leicht. Am 5. 1. überreichten die 5 Botschafter eine Note; Besprechungen mit Stresemann und Schubert. Marx wollte Brauns und Koch zu Ministern ernennen und die kleineren Ministerien mit Staatssekretären besetzen; Ebert war damit einverstanden, Stresemann hatte Bedenken; Gespräche mit Kaas, Dessauer und Sinn. Am 9. 1. kam nach Änderung der Lage Luther. Dann sollte geprüft werden, ob DVP gegen Heranziehung der DDP und gegen Beamtenkabinett war, das aber auch die zeitigen Minister enthält. Eine Unterredung mit Scholz ließ auf Einverständnis mit Beamtenkabinett hoffen (S. 53). Nach Unterredung von Luther und Graf Kanitz mit DVP: jetzt ist alles zerschlagen! Die DVP lehnte alle Vorschläge von Marx ab, der daraufhin Ebert den Auftrag zurückgab. In der Fraktion wurde hauptsächlich über die Annahme eines Ministeriums durch Höfle gesprochen. Am 10. 1. wache ich sehr gestärkt und beruhigt auf! Auch meine .Frau ist außerordentlich gut gelaunt. Luther wollte einmal den Versuch machen, ein Kabinett zu bilden. Marx riet Adenauer ab, die Vorgänge im Parlament zur Sprache zu bringen. In der RT-Sitzung rief ein SPD-Abg.: Stresemann hat die Sache gestört! Mittagessen mit Mönnig, Adenauer und OB Gielen; sie sind gegen Reg.-Beteiligung des Z. Am 11. 1. prüfte die Fraktion Beteiligung am Kabinett zu gleichen Rechten oder vielleicht nur Entsendung eines Vertrauensmannes ohne fraktionelle Bindung; einstimmiger Beschluß: Die Reg.-Erklärung solle z. Z. nicht als ausreichend erklärt werden (S. 54). Am 12. 1. wurden im Vorstand und in der Fraktion Personen für den Vertrauensposten im Kabinett besprochen; Luther gab seine strenge Ablehnung auf und begnügte sich mit einer loseren Verbindung. Am 15. 1. brachte Luther, mit dem Fehrenbach verhandelte, das Kabinett zustande. Schumacher lehnte das Justizministerium ab, der später berufene Frenken findet aber wieder Widerspruch von den Kölner Kreisen. Die für den 16. 1. vorgesehene Reg.-Erklärung im RT wurde wegen des noch fehlenden Justizministers verschoben. Am 16. 1. hatte der engere Vorstand beschlossen, der Fraktion die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes vorzuschlagen; gegen anfänglichen Widerspruch der Fraktion wurde der Vorschlag angenommen. Mit Rheinländer und Wienken Besuch eines Studentenkommerses im Zoolog. Garten (S. 55). Am 17. 1. feierl. Einführung von Luther in der Reichskanzlei durch Marx und Abschiedsbesuch bei Ebert mit freundl. Empfang und sehr offener Besprechung der Lage. Im RT waren Herren von Köln angekommen; Blum und der Gewerkschaftler Kaiser sollten Brauns beruhigen und ihn einer späteren Aussprache versichern: Im Rheinland scheint eine sehr erregte Stimmung darüber zu sein, daß Brauns seinen Posten wieder angenommen hat, obwohl das Ministerium ganz anders besetzt ist. Marx sollte in Köln die Aufregung dämpfen. Bei einer zufälligen Begegnung war Brauns wegen Annahme seines Antrages über die Arbeitszeit sehr vergnügt. Am 18. 1. Ordnen und Einpacken der Papiere: Ich wundere mich selbst über die große Menge. Am 19. 1. wurde die Reg.-Erklärung im RT ziemlich ruhig aufgenommen; sie trägt allen Anforderungen Rechnung. In der Fraktion brachte Kaas eine Erklärung vor, die alle Aussicht hat, angenommen zu werden (S. 56). Abends Einladung von Marx für die Minister; Stresemann ging früh, Luther brachte Marx zum Bahnhof. Am 19. 1. holten ihn Mönnig und Hamacher ab; im Kolpinghaus sprach Marx zunächst über die ganze Entwicklung; Rings und einige Gewerkschaftler redeten sehr scharf: Die Fraktion müsse wie ein Ungewitter vor dem Kabinett stehen. Essen mit Mönnig und Maus; beim Reg.-Präs. wurde die Reise Luthers nach Köln überlegt, die hinausgeschoben werden sollte und anderntags auch mit Pünder besprochen wurde. Am 20. 1. begrüßte Frenken auf der Straße Marx ganz besonders freundlich. Luther kam nach seiner sehr guten Rede im RT ganz auffallend zum Z und fragte, wie es in Köln gegangen sei. Am 22. 1. sprach im RT Müller (SPD) scharf gegen die Rechte und verwahrte sich gegen die Vorwürfe wegen des Bergarbeiterstreiks (S. 57). Die Abstimmung hatte auf Antrag von DNVP, DVP, Z, BVP und WV das magere Ergebnis: Der RT billigt die Erklärung der RR; vom Z enthielten sich Knoll, Koch und Röder der Stimme, „Nein stimmten Imbusch und Wirth. Gemütliches Abendessen bei Marx mit Porsch, Blank, Petri, Frl. Teusch; Porsch erzählte. Am 23. 1. erklärte Marx, daß er Fehrenbachs Ausführungen vor der Fraktion den Vorwurf entnähme, als hätte er die Krisis verschuldet; Fehrenbach, der in letzter Zeit aufgeregt war, blieb bei seinen Worten (S. 58). Am 24. 1. waren die Vorstände der Partei, der Fraktionen von RT und LT und die Vorsitzenden der Landes- und Prov.-Verbände mit ihren GSn versammelt; die Erklärung des Vors. der Z-Fraktion vom 20. 1. zum Kabinett Luther wurde gebilligt; das Referat von Fehrenbach bildete eine Art Korreferat zu meinem Verhalten der letzten Wochen; die Diskussion war schwerfällig, erst nach Tisch lebhafter; Hamacher und Brandts von Münster forderten endlich die Amtsniederlegung von Brauns, weil er das Mißtrauen nicht verstehe, das draußen im Lande gegen ihn bestehe; Lensing-Dortmund hatte die angenommene Entschließung entworfen. Am 25.1. feierliches Mittagessen bei Prof. Stein, dem beliebten Zeitungsbeherrscher (S. 59); Marx saß neben Dernburg und Lord dAbernon, ein durchaus objektiver Beurteiler der dt. Politik und verdient durch die Abfassung der Memoiren; gegenüber saßen Luther und Prof. Cassel, dessen Ehre es eigentlich galt. Konzert des Akadem. Hilfsbundes im RT. Der Tod der Gräfin Tattenbach war ein großer Verlust für die kath. Sache. Dankschreiben des RP. Nach den preuß. LT-Wahlen vom Dez. 1924 war ein starkes Kabinett nur schwierig zu bilden. Am 23. 1. entzog der LT dem Min.-Präs. Braun das Vertrauen. Am 29. 1. wurde dieser wiedergewählt, verweigerte aber am 5. 2. die Annahme der Wahl wohl wegen der DVP, die zur damaligen Zeit sehr oft das störende Element bildete (S. 60). Die Z-Fraktion des LT bat Marx, die Wahl zum Min.-Präs. anzunehmen: die Einigkeit der Fraktion würde auf diese Weise allein erhalten bleiben. Marx wurde am 10. 2. zum Min.-Präs. gewählt, das von ihm mit 4 Z-Ministern vorgeschlagene Kabinett jedoch mit Stimmen von Z-Abgn. abgelehnt. Tod Eberts am 28. 2.; sein Prozeß gegen Dr. Gansser am LG Magdeburg (S. 61). Nochmalige Wahl zum Min.-Präs. am 10. 3. Am 18. 3. wurde Marx vom Reichsparteivorstand zum Präs.-Kandidaten aufgestellt unter der Bedingung, von der preuß. Kabinettsbildung abzusehen, um für die Wahlarbeit frei zu sein; SPD und DDP sind am 19.3. unglücklich, daß ich nun für Preußen nicht mehr in Betracht komme. Unterredung mit der Z-Presse: Spiecker wird die Sache schon richtig ordnen. Am 20. 3. Erklärung vor dem LT über die Führung der Geschäfte nach dessen Vertagung: sie findet auf der Linken Gefallen, die Rechte aber kann nichts damit anfangen; dadurch hat sich später mein Verhältnis zu den Linken erheblich verbessert. Im Fraktionsvorstand wurde in der von Schreiber angeregten Diskussion über die Art der Wahlagitation der Parteiausschuß auf die Seite gedrückt; dem widersetzte sich Marx entschieden (S. 62). Im zunächst beschlußunfähigen RT wollte am 21. 3. die SPD die Schulfrage abwürgen. Im Vorstand wurde der Streit zwischen Wirth und Lammers behandelt. Am 23. 3. Beratung mit Spiecker und Vockel über die Wahlagitation; man sah eine Stichwahl voraus; Braun sollte beabsichtigen, nach dem 29. sofort einen Aufruf an seine Parteifreunde zu erlassen, nunmehr mir die Stimmen in der Stichwahl zu geben. Der Schluß der Rede für die Kölner Verslg. wurde von Spiecker und Vockel entworfen (S. 63). In Köln war Mönnig am Bahnhof. Im Rathaus müssen wir uns mit Adenauer aussprechen, der die „Versackungstheorie von Jarres an die Öffentlichkeit bringen wollte; Luther riet ebenfalls davon ab; Adenauer hat insofern nachgegeben, als er sich bereit erklärt hat, in einer besonderen geschlossenen Verslg. sich zu äußern. Ansprache beim Philisterzirkel ,Häuschen'. Taufe des Enkels in Sigmaringen (S. 64). Im Ständigen Ausschuß des LT hatte man am 26. 3. wegen Marx' Abwesenheit großen Lärm gemacht. Nach Unterrichtung durch StS Weismann ließ Marx sich am 27. 3. im Ausschuß über den Begriff der laufenden Geschäfte aus. Mit Richter (DVP) Unterhaltung über die preuß. Kabinettsbildung, aus der nichts wird. Am 28. 3. wurde mit Spiecker und Vockel eine Pressezusammenkunft anberaumt. Nachmittags mit Schwisters Kaffee bei Schulze. Am Wahltag, 29.3., umkreisten Leute von den Windthorstbunden mit Autos das Haus, bis Marx eine Ansprache hielt. Am 30. 3. im LT: man weiß nicht recht, was man eigentlich machen soll (S. 65). Gegen Erwarten wurde Höpker (DDP) zum <Min>-Präs. gewählt, der selbst von der Wahl nichts wissen will! Wie sie eigentlich zustande gekommen ist, ist immer ungeklärt geblieben. Braun wurde später ohne weitere Schwierigkeiten wiedergewählt. Gegen Auflösung des LT und Neuwahlen in Verbindung mit RP-Wahl wandte sich Herold. Für diese, deren Vorverhdlgn. sehr geheim geführt wurden, sollte Präs. Simons von verschiedenen Parteien aufgestellt werden. Am 3. 4. war man sich im Parteiausschuß über die Kandidatur von Marx einig. Nachmittags kam in einer Besprechung beim RK - durch Frau v. Oheimb? - eine Einigung nicht zustande. Am 4.4. Geschäftsübergabe an Min.-Präs. Braun und im RT Vortrag über die Vorgänge im LT (S.66). SPD und DDP billigten eine von Spiecker für Marx aufgesetzte Ansprache. Nach langer Ungewißheit stellten die Rechtsparteien am 8.4. Hindenburg auf. Die Sozi sagen, nun ginge von ihnen der letzte Mann zur Wahl! Nach einem Gerücht sollte sich unter den uneinigen Rechtsparteien die DVP bei Hindenburgs Aufstellung der Stimme enthalten haben. Am 9. u. 11.4. drehte man mit Marx im Hof des RT einen Film: ich habe später bereut, daß ich mich auf ein solches Theater eingelassen habe (S. 68). Am 9. u. 10. 4. angespannte Vorbereitungen für die Wahlagitation. Am 11.4. Aufführung eines Trauerspiels von Dir. Hehn vom ,8-Uhr-Abendblatt'. Am 12. 4. Kaffee bei Rieders, am 13. 4. Übergabe der ersten Werbephotographie, wovon Aachen 20 000 bestellt hatte, an Hans Wrede. Rundreise zur Reichspräsidenten-Wahl: Am 14. 4. in Königsberg mit Empfang durch OP Siehr und den Präs. d. Reichsbank; große Volksmengen, kleinere Schlägereien. Marx wollte nach Danzig - doch eine schöne Stadt - endete aber in Stettin. Gute Aufnahme beim OP. Aufmärsche des Reichsbanners. Am 16. 4. in Berlin feierl. Abendessen im Zoolog. Garten; die hoch gespannten Erwartungen auf Zeichnung von Geldern für die Kosten der Wahlagitation werden mit 70 000 RM nicht ganz erfüllt. Am 17.4. im RT Besprechung mit Herren vom Volksblock (S. 70). Abends große Rede im vollbesetzten Sportpalast; ein Oberstwachtmeister Heinsberg, den Marx von Remscheid kannte, sorgte für Ordnung. Am 18. 4. Fahrt mit Goerdes und Redakteur Hoffmann von der ,Essener Volksztg.' nach Dresden; Empfang durch Min.-Präs. Heldt und die Führer der Parteien u. des Reichsbanners; alle 3 Verslgn. überbesetzt; in einem Fackelzuge waren ungeheure begeisterte Menschenmassen. Abends im alten Auto Weiterfahrt nach Leipzig (S. 71). Morgens Weiterfahrt nach Magdeburg; Frühstück beim Reg.-Präs.; 3 große Verslgn. Stegreifreden in Gommern und Zerbst. 3 Verslgn. in Dessau. In einigen sprach Preuß als 2. Redner (S. 72). Anderntags glänzende Verslg. im Schützenhof in Münster, wo nicht genug Fühlung mit der SPD bestand; Empfang bei Bischof Job. Poggenburg, der unsere Politik billigt; Besuche bei Wildermann und Terrahe. Von Köln brachte Mönnig Marx nach Bonn, von dort aus zu einer Verslg. nach Neuwied, wo bei Haupt und Sparkassenrendant Robert Verkoyen abgestiegen wurde. In Koblenz Verslg. und Sitzung im Leseverein; Herren von der Rheinlandkommission machten Marx Besuche (S. 73); Marx ging zu Geigenhädig-R. Müller und seinem Sohn. Reden in Mannheim und Karlsruhe; dort Abendessen bei Hellpach. Weitere Veranstaltungen in Pforzheim - auch vor Fabrikarbeitern - und in Stuttgart (S. 74). Am 24.4. in Nürnberg und Fürth. Rundfunkreden von Marx und Hindenburg. Anschließend ging es nach Landau (Begrüßung durch Hofmann) und Neustadt/Weinstraße, wo außerdem OReg.-R. Dr. Profit und Heile sprachen. Dann nach Kaiserslautern, Bad Dürkheim und Ludwigshafen; in Mannheim wurde mit einem Glas Bier Abschluß gefeiert. Am 25. 4. Fahrt nach Sigmaringen mit dem Großindustriellen Scherr im Abteil (S. 75). Am 28.4. wurde eine Einladung des Volksblocks Stuttgart abgelehnt. Am 29. 4. schrieb Marx auf Anraten von Spiecker u. Goerdes an Hindenburg eineneigenhädig. Brief (S. 76). Ergebnisse der RP-Wahlen vom 29. 3. und 26. 4. 77 S., Masch.-Erstschrift mieigenhädigh. Verbesserungen.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 66
Altsignatur : 66



Preuß. Ministerpräsidentschaft


Enthält : 1924 Dez. 9: Landeswahlleiter Dr. Saenger stellt das vorläufige Gesamtergebnis der LT-Wahlen vom 7. 12. 1924 zusammen. 1 S., masch.-schriftl. In der Anlage eigenhädig Berechnungen von Marx über Koalitionsmöglichkeiten. 1925 Jan. 6: Der Preuß. Pressedienst über die Sitzung des Preuß. Staatsministeriums: Darin berichtete Braun zunächst über seine Verhdlgn. mit den Parteiführern der Großen Koalition und formulierte anschließend seine Auffassung vom Art. 45 der Verf. Dieser wurde von Finanzminister v. Richter widersprochen, der mit Unterrichtsminister Boelitz gegen den Kabinettsbeschluß stimmte, wonach aus Wortlaut und Geist der Preuß. Verfassung und insbesondere des Art. 45 sich kein Anlaß des Rücktritts des Ministerpräs. und dementsprechend für das Gesamtministerium ergäbe. Danach erklärten v. Richter und Boelitz ihren Rücktritt. Darauf gab v. Richter in warmen Worten einen Rückblick auf die mehr als 3jährige Zusammenarbeit der Großen Koalition. Braun würdigte sodann die erfolgreiche Koalitionsarbeit als ein gutes und glückliches Beispiel polit. Stabilität. 2¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben mit einer Verbesserung und Schreibervermerk. o. D.: Gutachten über die Frage, ob nach Art. 57 der Preuß. Verfassung für die Amtsführung eines gemäß Art. 45 neu gebildeten Staatsministeriums oder eines einzelnen neu ernannten Staatsministers eine ausdrückliche positive Vertauenskundgebung des LT rechtlich erforderlich ist. 8¿ S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben mit Verbesserungen. 1925 Jan. 31 - Düsseldorf: Horion, Landeshauptmann d. Rheinprovinz, übersendet Marx Durchschrift eines Schreibens an Abg. Heß mit seiner Stellungnahme zur Frage der Ministerpräsidentschaft, deren Annahme durch Marx er begrüßen würde. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. [192]5 Jan. 31 - Düsseldorf: Horion an Heß: Auf die Besprechung vom 29. 1. hat er über die Annahme der Ministerpräsidentschaft mit verschiedenen für die Provinzialverwaltung maßgebenden Herren und besonders mit OB Adenauer gesprochen. Ich habe die Frage geprüft zunächst vom Standpunkte der Rhein.-Prov.-Verw., die mir selbstverständlich als Rheinländer und als Mann, der seit Jahrzehnten an leitender Stelle in der Prov.-Verw. tätig ist und deren meiste Einrichtungen mit geschaffen und zur heutigen Blüte entwickelt hat, außerordentlich am Herzen liegt. Es ist kein Zweifel, daß die Durchführung des Planes, das Amt des Landeshauptmannes etwa 6 Monate oder noch länger unbesetzt zu lassen, um mir den Rücktritt in dieses Amt offen zu halten, für die Prov.-Verw. einen außerordentlich schweren Schaden bedeuten wird. Gerade heute befindet sich die Prov.-Verw. bei der Umschichtung der Verwaltungskompetenzen und bei dem Kampfe aller gegen alle, der auf dem Verwaltungsgebiete vielfach herrscht, in einer besonders schwierigen Lage und bedarf einer kraftvollen und angesehenen Persönlichkeit in ihrer Leitung. Es würde daher für mich außerordentlich schwierig sein, einen Niedergang der Prov.-Verw. mit ansehen oder gar verschulden zu müssen. Diese üble Folge könnte zwar in etwa gemildert werden dadurch, daß es mir vielleicht möglich sein würde, auch neben dem Amte des Ministerpräsidenten, die Geschäfte der Prov.-Verw. in etwa im Auge zu halten, indem ich häufiger hierhin käme oder meine Dezernenten zum Vortrag nach Berlin kommen ließ. Alles in allem würde aber immer ein großer Schaden für die Prov.-Verw. übrig bleiben, zumal mir der ständige Kontakt mit der rhein. Bevölkerung und den rhein. Behörden fehlen würde, und ich neue Gedanken und Unternehmungen nicht zur Durchführung bringen könnte. Ferner kann Horion aus persönlichen Interessen wegen der ungünstigen Pensionsregelung für Minister das zwar höher besoldete, aber auf täglichen Abruf eingerichtete Amt wegen der zu befürchtenden Schädigung des Einkommens nach möglicher Entlassung nicht annehmen. Da Offenhaltung der Landeshauptmannschaft höchstens für ein Jahr möglich ist, müßte er das Ministerpräsidentenamt danach niederlegen, womit der Z-Partei wohl wenig gedient ist, es sei denn, daß man annehme, daß es für die Freiheit der Entschließung des Min.-Präs. u. U. gut sein könnte, wenn er dabei gar keine persönl. Interessen habe und aus persönl. Gründen an seinem Amte in keiner Weise zu kleben braucht. Darüber hinaus noch weitere schwere persönliche Opfer. Es liegt daher im Interesse Horions wie des Z, wenn die Partei mit meiner Person als etwaigem Ministerpräsident nicht mehr rechnet. ... Dabei möchte ich nochmals auf die m. E. ausgezeichnete Lösung hinweisen, den Alt-RK Marx zum Min.-Präs. zu machen. Auch die außenpolit. Wirkung eines solchen Schrittes wäre nicht zu unterschätzen; denn der chauvinistisch-nationalistische Ruf, an den infolge der Reichs-Kabinettsbildung Dtschld. nun einmal im Auslande gekommen ist, würde wesentlich abgeschwächt, wenn ein Mann wie Marx an die Spitze der preuß. Reg. träte. Dank für das entgegengebrachte Vertrauen. 3¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben mit Verbesserungen ohne Beglaubigung. 1925 Febr. 8 - Berlin-Dahlem: Stegerwald an Marx: Letzten Freitag konnte ich der Vorstandssitzung der Z-Fraktion des RT, in der die Preußische Ministerpräsidentschaftsfrage in Verbindung mit Ihrer Person besprochen wurde, nicht beiwohnen, da ich im Plenum des RT zu Wort gemeldet war. Vor Ihrer Entschließung möchte ich nicht verfehlen, mich den in der Vorstandssitzung geäußerten Bedenken nachdrücklichst anzuschließen. Auch die Preuß. Z-Fraktion muß erkennen lernen, daß im Zeitalter des parlamentar. Systems ohne parlamentar. Mehrheit keine Politik möglich ist. ...Mehrheit ist mit der von der Preuß. Z-Fraktion bisher befolgten Politik im Preuß. LT nicht zu erzielen. Auch eine LT-Auflösung ist gegenwärtig im Hinblick auf den Barmat-Skandal für die Preuß. Z-Partei nicht möglich. Nach all dem Vorausgegangenen muß der nächste Preuß. Min.-Präs., der nicht die Waffe der LT-Auflösung in der Hand hat, in kurzer Zeit wieder ebenso scheitern, wie Braun gescheitert ist. Wenn Sie jetzt dem Drängen der Mehrheit der Preuß. LT-Fraktion nachgeben, dann sind Sie, in Verbindung mit den Vorgängen in den letzten Monaten, nicht bloß als Politiker und Staatsmann, sondern auch als Parteivors. erledigt. Weil ich das verhindert wissen will, möchte ich Sie dringend bitten, nicht Parteikreisen, die durch ihr unpolit. Verhalten die Dinge auf die Spitze getrieben haben und jetzt keinen Ausweg mehr sehen, sich zu opfern. Ich habe Sie im Nov. 1923 sowohl was die polit. Situation wie auch die Personalien anlangt, bestimmt nicht schlecht beraten. Auch darüber kann heute kein Zweifel mehr bestehen, daß ohne die letzte RT-Auflösung, gegen die ich mich entschieden gewendet hatte, die Position der dt. Politik, der Z-Partei und des kath. Volksteils eine sehr viel bessere wäre wie jetzt. Auch den Barmat-Höfle-Skandal hätten wir nicht, wenn man mir gefolgt hätte <!>. Sie wissen, mit welchem Nachdruck ich mich seinerzeit der Ministerschaft Höfles widersetzte. Ich bitte und beschwöre Sie in letzter Stunde, sich nicht in eine unmögliche polit. Situation hineinmanövrieren zu lassen. Eh. Unterschrift. 2 S., hs. Ausf. 1925 Febr. 10 - Berlin: Bartels zeigt Marx die Wahl zum Preuß. Min.-Präs. an und bittet um Mitteilung über die Annahme der Wahl. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Der Präsident des Preuß. LT mit eigenhädig Antwortkonzept von Marx in Kurzschrift vom 12. 2. sowie Terminnotizen. 1925 Febr. 13 - Berlin: LT-Fraktion der DNVP an Marx: Die Frage, ob die LT-Fraktion zur Beteiligung an einer Reg. der Volksgemeinschaft bereit ist, beehren wir uns, wie folgt, zu beantworten: Wir nehmen Bezug auf die grundsätzl. Erklärung der dt.-nat. RT-Fraktion vom 8. 10. 1924, die ausdrücklich das Eintreten der DNVP für die Volksgemeinschaft als Zusammenfassung aller auf christl., nationalem und sozialem Boden stehenden Volkskräfte betont. Wir setzen voraus, daß die zu einer Reg. der Volksgemeinschaft in Preußen sich zusammenschließenden Parteien die vor schweren Aufgaben stehende RR in loyaler Zusammenarbeit unterstützen und sich in der preuß. Politik zu folgenden Zielen bekennen: 1) Christl. Jugenderziehung und Durchdringung des ganzen Volks- und Staatslebens mit christl. Geiste. 2) Aufrechterhaltung der geschichtlich begründeten Verpflichtung des Staates zum finanziellen Eintreten für die christl. Kirchen bei voller Wahrung ihrer durch die Reichsverfassung gewährleisteten Selbständigkeit. 3) Ablehnung des mit der Volksgemeinschaft nicht verträglichen Klassenkampfgedankens. 4) Pflege vaterländ. Denkens; pflegliche Behandlung aller auf gesetzlichem Boden stehenden nationalen Bestrebungen. Eh. Unterschrift: D. Winckler. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ‚Mitglied des Preuß. LT und Stempel ,LT-Fraktion der DNVP mit eigenhädig Antwortkonzept von Marx in Kurzschrift, o. D. 1925 Febr. 16 - Berlin: [LT-Fraktion der SPD] an Marx: Die uns übermittelte Antwort der LT-Fraktion der DNVP auf die Frage nach einer Möglichkeit der Beteiligung an einer Reg. der Volksgemeinschaft veranlaßt uns zu folgenden Bemerkungen: Die DNVP bekennt sich grundsätzlich zur Volksgemeinschaft, wenn diese verstanden wird als Zusammenfassung aller auf christl., nationalem und sozialem Boden stehenden Volkskräfte. Nach der Ihnen wie uns bekannten Terminologie der DNVP, welche die Sozialdemokratie weder als christlich noch als national anerkennt, bedeutet das die Ablehnung jeder Idee der Volksgemeinschaft, welche die SPD mit umschlösse. Das Antwortschreiben der DNVP entwickelt dann in der Einleitung und den vier Absätzen gewisse Ideen über die Politik einer Volksgemeinschaftsreg. Für uns sind Reg.-Koalitionen nie eine Ideen- oder Gesinnungsgemeinschaft gewesen, und so weit wir es verstehen, ist für die Partei des Z die Lage die gleiche. Wir haben stets nur Reg.-Koalitionen aufgefaßt als befristete Arbeitsgemeinschaften zur Erreichung bestimmter prakt. Ziele. In diesem Sinne haben wir uns zur Erörterung prakt. Vorschläge bereit erklärt. Das Schreiben der DNVP vom 13. 2. enthält derartige praktische Vorschläge nicht, sondern nur einige allg. Redewendungen, über die endlos verhandelt werden könnte, ohne daß die prakt. Frage der Reg.-Bildung auch nur einen Schritt vorwärts käme. Die Fragen, welche für das Reg.-Programm in erster Reihe zu klären wären, sind die prakt. Gesetzgebungs- und Verwaltungsaufgaben, die an die preuß. Reg. in den nächsten Monaten herantreten werden. Es wäre zu erörtern, wie der Fehlbetrag im Staatshaushalt zu decken ist, wie insbesondere in Verbindung mit den Fragen der Grundsteuer und Mietzinssteuer der Schutz der wirtschaftlich Schwächeren sicherzustellen ist. Darüber hinaus wäre festzulegen, inwieweit die Fürsorge des Staates für alle Hilfsbedürftigen ausgebaut und die Fortentwicklung auf kulturellem Gebiet gefördert werden kann. Es wären Vereinbarungen zu treffen über die Fertigstellung der neuen Städte- und Landgemeindeordnung, die Ausbreitung republikan. Geistes in der Verwaltung und den Schutz der republikan. Verfassung gegenüber Elementen, die das Volk in den Bürgerkrieg zu treiben suchen. Das Schreiben der LT-Fraktion der DNVP vom 13. 2. enthält demnach zwar nicht die prakt. Vorschläge, zu deren Erörterung wir uns bereit erklärt hätten, wohl aber eine grundsätzl. Ablehnung des Zusammengehens mit der Sozialdemokratie. Unter diesen Umständen hält die soz.-dem. Fraktion des LT weitere Verhdlgn. über die Bildung einer Volksgemeinschaftsreg. für völlig aussichtslos. Mitteilung von dem Fraktionsbeschluß, an dem von Marx zu bildenden Kabinett sich mit Severing als einzigem soz.-dem. Minister trotz schwerer Bedenken wegen dieser nicht ausreichenden Vertretung zu beteiligen. Unterschrift: Heilmann. 2 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ‚Mitglied des Preuß. LT. 1925 Febr. 17 - Berlin: Severing übermittelt Marx die in Aussicht gestellten Materialien für die Reg.-Erklärung. Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn sie in den zu vervollständigenden Entwurf Aufnahme finden könnten. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der Preuß. Minister des Innern, Vermerke: Durch besonderen Beamten! Persönlich! 1925 Febr. 18 - Berlin: Marx teilt Min.-Präs. Braun mit, daß er die Wahl zum Min.-Präs. angenommen, dies dem Präs. des LT mitgeteilt und die Geschäfte des Min.-Präs. übernommen hat. Gez. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Abschrift. 1925 Febr. 18-19: Entgegennahme einer Erklärung des Min.-Präs. Marx durch den LT. Stenograph. Bericht über die 14. und 15. Sitzung des Preuß. LT, Sp. 497-616. 1925 Febr. 22 - Düsseldorf: Justizrat Liertz bedarf einiger Zeilen an Marx: Ich weiß zwar, daß Ihre opfervolle Arbeit für das Vaterland aus dem tiefen Bewußtsein der Pflicht gegenüber unserem hartgeprüften Volk und Vaterland hervorgeht und deshalb nicht auf äußere Anerkennung rechnet. Gleichwohl erlauben Sie mir, Ihnen meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für all das, was Sie für uns alle getan und auf sich genommen haben, und gleichzeitig der Überzeugung Ausdruck zu geben, daß sich viele Millionen Deutsche, gute Deutsche, in diesem Dank mit mir vereinigen. Sie werden, des bin ich sicher, bis aufs äußerste dem Ansturm der Toren standhalten, die des Verständnisses bar für die tiefere Idee der histor. Entwicklung glauben, dieser Idee ihr Eigeninteresse entgegensetzen und sie mit brutaler Gewalt überwinden zu können. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf., Kopfbogen mit Namensmonogramm. 1925 Febr. 24 - Hildesheim: Joseph Debertin an Marx: er fürchtet, daß, nachdem das Z seinen führenden Einfluß im Reich aus der Hand gegeben hat, es diesen unter Druck des Machtwillens von rechts auch in Preußen aufgeben wird. Polit. Gründe haben die Reg.-Wechsel nicht, da Luther-Stresemann den bisherigen außenpolit. Kurs fortsetzen. Ursachen sind vielmehr konfessionelle Belange, hervorgerufen durch den Neid protestant. Kreise auf die Erfolge des Z. Die dt.-nat. Blätter strotzen vor Gehässigkeit gegen die Katholiken. Z und BVP sollen sich auf Leichts Worte im RT besinnen: Wir Katholiken seien wohl die Dulder, wollten aber keineswegs als die Geduldeten angesehen werden. Eh. Unterschrift. 4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1925 März 2 - Lingen: Der Verband christl. Heuerleute e. V. hielt am 1. 3. in Holte und Haselünne außerordentlich stark besuchte Verslgn. ab, in denen Landmesser Ewringmann - Münster über Tagesfragen sprach, und man über den Ausbau des Pachtschutzes diskutierte. In Haselünne wurde mit allen, in Holte gegen 2 Stimmen folgende Entschließung angenommen: Mehrere hundert in Haselünne (Holte) versammelte Heuerleute, kleine und mittlere Landwirte, die fast ausnahmslos Z-Wähler sind, verurteilen aufs entschiedenste den Versuch der Abg. v. Papen, Loenartz u. Gen., die polit. Linie des Z im Sinne eines Rechtsabmarsches zu beeinflussen. Sie beglückwünschen die LT-Fraktion des Z zu ihrer einmütigen Stellungnahme und rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß die Fraktion auf ihrem Beschluß auf Ausschluß der Abgn. bestehen wird. Sie sind schon lange der Meinung gewesen, daß die betr. Abgn. ihrer ganzen polit. u. sozialen Einstellung nach kaum zum Z gehörten. ¿ S., Vervielf., ohne Beglaubigung. 1925 März <hs. aus masch.-schriftl. Febr. abgeändert> 10 - Berlin: Bartels zeigt Marx die Wahl zum Ministerpräsidenten an und bittet um Mitteilung über die Annahme der Wahl. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ‚Der Präsident des Preuß. LT mit Konzipientenparaphe und Eingangsstempel des Preuß. Staatsministeriums. 1925 März 13 - Berlin: Winckler betrachtet Marx Bitte um Benennung von Persönlichkeiten als Minister für ein Beamtenkabinett als überholt, nachdem Marx am 12. 5. eine Kandidatur für die RP-Wahl angenommen hat und somit für das preuß. Ministerpräsidium ausscheiden dürfte. Für die Zeit seiner Abwesenheit führt v. Kries Verhdlgn. für die DNVP. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. auf Kopfbogen ‚Mitglied des Preuß. LT. 1925 März 20: Erklärung des Min.-Präs. Marx über die Führung der laufenden Geschäfte durch die zurückgetretenen Minister. Stenograph. Bericht über die 27. und 28. Sitzung des preuß. LT, Sp. 1177 bis 1234. 1925 März 28: Der amtl. Preuß. Pressedienst: Das verfassungsmäßige Vorgehen der zurückgetretenen Staatsreg. in der notwendigen Verabschiedung des Grundvermögenssteuergesetzes, des Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichsgesetz, der gesetzl. Festsetzung der Mieten und der Gewerbesteuerverordnung. 3¿ S., Vervielf., mit Gegenartikel der ‚Preuß. Kreuz-Ztg. 1925 März 30: Gutachten des Preuß. Justizministers über Auslegung des Art. 59 Abs. 2 der Verfassung des Freistaats Preußen zu der Frage, was unter dem Ausdruck „die laufenden Geschäfte zu verstehen ist. Eh. Unterschrift: am Zehnhoff. 6¿ S., masch.-schriftl. Ausf. mit Schreiber-, Eilt- und Eingangsvermerken des Preuß. Staatsministeriums.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 67
Altsignatur : 67



1925
Kandidatur zur Reichspräsidentenwahl 1925


Enthält : Notizen: „Bemerkenswertes aus dem Wahlkampf <RP-Wahl>: Konfessionelle Voreingenommenheit: rechts am meisten, bei DDP, bei SPD am meisten überwunden. Christentumsfeindl. Haltung der SPD tritt zurück dank Z. Die Rechtskreise bieten nur bedingten Schutz des Christentums: keine konfessionelle Schule, freie Ehegesetzgebung. Im Verhältnis zur BVP ist die Konfession nicht mehr maßgebend, diese tritt hinter der polit. Leidenschaft zurück; die Zahl der Z-Leute in Bayern wächst ständig; durch die sich anbahnende eigene Parteibildung wird die Krisis der BVP offenbar; der Erfolg der Held-Agitation blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Folgerungen für das innere Parteileben: Eintreten für Verfassung und Republik, Reinigung von Elementen wie v. Papen, v. Loë, v. Kerckerinck, Geschlossenheit der Partei auf der Grundlage des Weimarer Staatsgedankens (Reichseinheit - Befreiung d. besetzten Gebiete). Verhältnis zum Reichsbanner birgt Gefahren, hat aber auch große Vorteile. Die Haltung der SPD ist staats- und verfassungstreu; sie hat - im Gegensatz zu den Nationalen - Ehrfurcht und Achtung vor dem RP. Die Stellung des Z ist als Mittelpartei nach wie vor von höchster Bedeutung; das Z ist bisher mehr nach links gegangen, weil die Rechtsparteien es einseitig zu einem generellen Weg nach rechts vergewaltigen wollen (Krisis in Preußen). Folgerungen: im Reich ist das Kabinett Luther zu dulden, da sein Ende wahrscheinlich ist und vielleicht Stresemann kommt. In Preußen sind alle gutgemeinten Versuche von rechts zerschlagen worden; Cunos Brief an Jarres. Zurückstellung aller Interessenfragen zugunsten von Pflege von Staatsgesinnung. 3 S., eigenhädig Volldruck: Hanns-Jochen Hauss, Die erste Volkswahl des dt. RP, Kallmünz/Opf. 1965, S. 180 f. 1925 März 18 - Berlin: Das Präsidium der Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft fragt Marx, ob er für den Fall seiner Wahl zum RP bereit ist: 1) seinen Einfluß für eine den volkswirtschaftl. und polit. Bedürfnissen des dt. Volkes entsprechende Regelung der kolonialen Frage einzusetzen; 2) insbesondere einem Eintritt Dtschlds. in den Völkerbund ... nur dann zuzustimmen, wenn die Gleichberechtigung Dtschlds. auf allen Gebieten, also auch auf kolonialem in unzweideutiger Weise festgelegt wird. Die Antwort des Völkerbundes auf das Memorandum der RR wird nicht als geeignete Grundlage für den Eintritt Dtschlds. angesehen. Wir würden es als einen unlösbaren und unhaltbaren Widerspruch ansehen, wenn Dtschld. auf der einen Seite als Mitglied des Völkerbundes zur Beaufsichtigung über die Mandatsverwaltungen, denen seine Kolonien unterworfen sind, berufen würde, ihm auf der anderen Seite aber als unwürdig und unfähig die eigene Verwaltung dieser Kolonien nach wie vor vorbehalten würde. Eh. Unterschriften: Seitz, Gouverneur a. D. (Dt. Kolonialgesellschaft), Hahl, Gouverneur a. D. (Reichsverband der Kolonialdt.), Oberstleutnant a. D. v. Boemcken (Kolonialkriegerbund). 2 S., masch.-schriftl. Ausf. 1925 März 24 - Köln: Manuskripte von zwei Reden. 5¿ und 8 S., masch.-schriftl. 1925 März 28: Handschriftl. Sinnsprüche der Präsidentschaftskandidaten Jarres, Hellpach, Marx und Otto Braun. Ztgs.-Ausschnitt. Dabei Postkarte mit Bild und Lebenslauf von Jarres. o. D. <1925, vor März 30>: Dreistrophiges Lied ‚Wählt Marx! von Otto Birkle-Lippstadt. Flugblatt. 1925 März 29 - Berlin: Dr. Alfons Steiger stellt bei Marx richtig, daß er in einer im Z-Verein Berlin-Wilmersdorf gehaltenen Rede weder von einem an Marx gerichteten Brief des Kronprinzen Rupprecht gesprochen hat, wie die ‚Vossische Ztg. berichtet, noch von einer „Beauftragung zu der Rede durch Marx, wie das ‚Berliner Tageblatt schreibt. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. 1925 März 29 und 30: Vorläufige Ergebnisse der Wahl des RP in den Wahlkreisen 1-10 und 17-18: Ostpreußen, Berlin, Potsdam I und II, Frankfurt/Oder, Stettin, Breslau, Liegnitz, Oppeln, Magdeburg, Westfalen-Nord und Westfalen-Süd; vorläufiges Gesamtergebnis. 13 S., Vordrucke, masch.-schriftl. 1925 April 2 - Schloß Falkenberg/OS.: Graf Praschma kommt trotz des Gesprächs vom Vortage auf Marx' Brief vom 30. 3. zurück, weil die Gefahr trotz angeblicher Annahme von Höpker-Aschoff nicht vorüber zu sein scheint. Ich wiederhole, daß Ihre Kandidatur als die des republikan. Kandidaten und unter schwarzrot-goldenen Farben gegenüber Schwarz-weiß-rot, wie sie von den Links-Parteien im Falle des Kompromisses proklamiert werden wird und muß, weil sonst besonders die Sozialdemokraten ihre Anhänger überhaupt nicht zur Wahl bringen, uns, d. h. weite Kreise des Z auch außerhalb der Landwirtschaft, in schwersten Gewissenskonflikt bringen muß. Denn die Stimmabgabe für Ihre Person bedeutet dann ein Bekenntnis, das gegen unsere Überzeugung ist. Es kommt hinzu, daß mindestens zwei Drittel der Stimmen, die Sie zur Mehrheit brauchen, von den Sozialdemokraten kommen müssen und damit eine Abhängigkeit entsteht, die wir absolut nicht wünschen. Nun gar das Kompromis mit Braun als Min.-Präs. Daß die Sozialisten sich nicht mit einem Provisorium begnügen, sondern Sicherheit verlangen werden, daß Braun zum mindesten eine Reihe von Jahren vom Z gehalten wird, liegt auf der Hand, ist ja auch schon in allen Ztgn. zu lesen. Und so trüge jeder, der Sie wählt, auch dazu bei, die Herrschaft Brauns und der Weimarer Koalition in Preußen für die nächste Zeit zu befestigen. Das ist einfach für uns nicht tragbar. Die Stimmung gegen das Weiterbestehen der Weimarer Reg. in Preußen ist in den weitesten Z-Kreisen allmählich so stark, daß für die Partei ernste Befürchtungen bestehen. Man will, daß damit Schluß gemacht wird. Mir ist berichtet worden, daß beim letzten Parteiausschuß aus allen Teilen des Landes gleiche Berichte vorlagen. Die Probe, die jetzt verlangt würde, müßte zum Riß führen. Ich erkläre offen und ehrlich, daß, wenn die Dinge so laufen, ich nicht ihre Kandidatur bekämpfen würde, das läge mir fern, aber ich würde nicht umhin können, schon meiner Anhänger wegen, die meine Stellungnahme wissen wollen, auch offen bekannt zu geben, daß ich mich an der Wahl nicht beteiligen und keinen Finger für Ihre Kandidatur rühren könnte. - Sie frugen gestern, wie man denn aus der Sache herauskommen könnte. - Vielleicht ist auch heute noch eine Sammelkandidatur Geßler oder eine andere möglich, wenn das Z rückhaltlos sich dafür erklärt. - Gestern wäre es sicher noch gegangen. Sonst deutliches Ablehnen jeder Bedingungen für die Stimmen der Sozialdemokraten und Aufstellung lediglich durch das Z Ihrer Person oder, wenn Sie diesen dann allerdings aussichtslosen Versuch scheuen, eines anderen; möge aus fremden Lagern dafür stimmen, wer will; jedenfalls besser eine Niederlage in Ehren, als ein mit derartigem Preise erkaufter Sieg. Eh. Unterschrift. 2¿ S., masch.-schriftl. Ausf. mit vielen eigenhädig Verbesserungen. 1925 April 8 - Berlin: Marx an Graf Praschma: Ich glaube, daß ihre Befürchtungen unbegründet sind. Schon der Gang der Dinge hat gezeigt, daß meine Kandidatur gar nicht als eine republikanische aufgezogen ist, sondern, wie es übrigens den Z-Grundsätzen entspricht, als eine verfassungstreue. Gerade die Aufstellung von Hindenburg, die soeben erfolgt ist, wird zur Folge haben, daß der Gegensatz zwischen Schwarz-rot-gold und Schwarz-weiß-rot jetzt mehr in Erscheinung tritt, als dies wünschenswert ist und bisher der Fall gewesen ist. Ich muß von jedem Z-Anhänger erwarten, daß er sich auf den Boden der Verfassung stellt. Ein weiteres Bekenntnis wird von ihm nicht verlangt. Es wird dann weiter gefürchtet, daß ich in eine gewisse Abhängigkeit von den Sozialdemokraten gebracht werde. Daran ist im gewöhnlichen Sinne des Wortes gar nicht zu denken. Ich kann Ihnen hier vertraulich mitteilen, daß irgendwelche Bedingungen von den Sozialdemokraten nicht aufgestellt und verlangt worden sind. Das darf natürlich nicht in der Öffentlichkeit gesagt werden. In keiner Weise ist für das Festhalten an Braun als Min.-Präs. in Preußen irgendwelche Sicherheit übernommen worden. Es kann sicher keine Rede davon sein, daß ein Versprechen an ihn abgegeben ist, Braun für eine Reihe von Jahren als Min.-Präs. zu halten. Er wird nach dem 28. 4. ein Vertrauensvotum vom LT erhalten müssen. Wenn das nicht bewilligt wird, wird man weiter überlegen müssen. Was die Wahl von Braun anbelangt, so haben sich die Dinge rein zwangsläufig entwickelt. Es blieb für das Z einfach nichts anderes übrig, als Braun von neuem zum Min.-Präs. zu wählen. Die Wahl des demokrat. Min.-Präs. <Höpker-Aschoff> beruhte mehr auf einem Mißverständnis und war weder von ihm noch von der demokrat. Fraktion gewünscht. Ich möchte Ihnen gerne einmal persönlich die langen Verhdlgn. schildern, die ich mit den Rechtsparteien gepflogen habe. Ich habe tatsächlich alle Gesichtspunkte erschöpft, die überhaupt denkbar waren. Alles haben sie zerschlagen und zuletzt ja bekanntlich jede weitere Verhdlg. mit mir abgelehnt. Es ist unerhört, wie die Rechtsparteien in den letzten Monaten vorgegangen sind. Es wird darüber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Es ist nicht richtig, daß beim letzten Parteiausschuß eine größere Zahl von Delegierten sich gegen die vom Z befolgte Politik ausgesprochen hat. Ich habe in der vorigen Woche vor dem Parteiausschuß und der Presse einmal eingehend den Gang der Ereignisse geschildert, wie er sich tatsächlich zugetragen hat. Ich glaube, daß die Billigung meines Vorgehens eine einheitliche gewesen ist. Leider Gottes hat die Presse der Rechten die öffentl. Meinung in einer solchen Weise vergiftet, daß Irrtümer und Meinungsverschiedenheiten erklärlich sind. Wenn ich nicht durch meine Stellung gehindert gewesen wäre, würde ich schon längst in einer öffentl. Verslg. die Dinge dargelegt haben, wie sie sich wirklich zugetragen haben. Ich kann Ihnen versichern, daß mich lange nichts mehr so erregt hat, wie die Entwicklung der Dinge in Preußen. Immer mehr trat zutage, daß in geradezu unverantwortlicher Weise mit dem Wohle des preuß. Staates von den Parteien der Rechten gespielt worden ist. Man wollte auf jede Weise das Z auf einen Weg zwingen, den es nicht gehen wollte und nicht gehen konnte. Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, daß die Sammelkandidatur Geßlers, die so sehr vieles für sich hatte, nicht durch das Z, sondern durch die DVP zerschlagen worden ist. Ich habe meine Kandidatur sicherlich nicht aus Eigensinn übernommen. Ich sehe alle hoffnungsfreudigen Aussichten, die das Jahr 1924 mit sich gebracht hat, vernichtet, wenn jetzt ein RP gewählt würde, der als Gegner der bestehenden Verfassung angesprochen werden müßte. Ich fühle mich verpflichtet, alles zu tun, um die drohende ungeheure Gefahr von unserem Vaterlande abzuwenden. 2¿ S., als Konzept eine mit vielen eigenhädig Berichtigungen versehene Durchschrift von Masch.-Schreiben auf Kopfbögen 'RT, Abgeordneter' ohne Beglaubigung. 1925 April 7 - Koblenz: eigenhädig. Justizrat E. Müller lädt Marx für seinen kommenden Aufenthalt in Koblenz zu sich ein und glaubt, daß Marx bei dem Wettlauf den Sieg davontragen wird trotz den ev. Bündlern, Herrn Döring und tutti quanti. Eh. Unterschrift. 1 Halbs.eigenhädigh. Ausf. auf persönl. Kopfbogen und Beantwortungsvermerk von Marx vom 18. 4. 1925 April 8 - Karlsruhe: Hellpach bittet Marx, bei seinem Aufenthalt am 22. d. M. in Karlsruhe Gast der bad. Staatsreg. zu sein. Die öffentl. Veranstaltung möge in Ihrem Programm so eingerichtet werden, daß mir Gelegenheit gegeben ist, Sie in einer Eröffnungsansprache zu begrüßen und die Notwendigkeit des Eintretens aller republikanisch Gesinnten für Ihre Kandidatur zu begründen. Hellpach legt darauf um so größeren Wert, als er durch die bad. Angelegenheiten kaum in der Lage sein wird, auswärts für Ihre Kandidatur zu wirken. Danach erhofft er Marx' Beteiligung an einer geselligen Stunde in einem nicht zu großen Kreise verschiedener Berufsstände, welcher durch die gemeinsame Gesinnung verbunden ist. Eh. Unterschrift. l¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Der Staatspräsident'. 1925 April 8 - Karlsruhe: Hellpach an Marx: Die DDP hat unter Zurückstellung aller Bedenken und in richtiger Würdigung der Lage sowie besonders Ihrer Persönlichkeit an der Herstellung Ihrer republikanischen Einheitskandidatur entscheidenden Anteil genommen. Wir alle stellen uns in Reih und Glied, um nunmehr den Sieg Ihnen zuführen zu helfen. Das wird in Baden erschwert durch Angriffe der Z-Presse. Die ,Bodensee-Ztg.' vom 25. 3. griff Hellpachs Geschäftsführung als Unterrichtsminister an, der ,Pfälzer Bote' vom 3.4. wies hämisch auf eine vor 24 Jahren verfaßte Schrift Hellpachs ,Liebe und Liebesleben im 19. Jh.' hin, die ich in manchem Satze gewiß schon wenige Jahre später und gar erst heute ganz anders gefaßt hätte, deren sittlichen Ernst ich aber auch heute nicht antasten lasse. Es wäre wirklich hohe Zeit, daß in Dtschld. die Gepflogenheit, jemanden durch das zu charakterisieren, was er ein Menschenalter zuvor gesagt oder geschrieben hat, aus dem polit. Kampf der anständigen Lager verschwindet, und unter politisch Verbündeten erscheint sie mir und allen meinen Freunden vollends unerträglich. Eh. Unterschrift. 4 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Der Staatspräsident', in der Anlage die angezogenen Zeitungsberichte, einer davon meigenhädigeh. Bemerkung Hellpachs. 1925 April 11 - Schloß Falkenberg OS.: Graf Praschma dankt Marx für das Schreiben vom 8. d. M. und bestätigt, daß Marx von Anfang an seine Kandidatur nicht mit der Frage Republik oder Monarchie verquickt haben wollte. Er bestreitet aber, daß Marx' Bewerbung nicht republikanisch aufgezogen ist. Daß Sozialisten und Demokraten es tun mußten, weil sie nur dadurch ihre Anhänger für den ausgesprochenen Z-Mann und Katholiken gewinnen können, war klar. Aber auch die Kundgebungen des Z sind republikanisch gehalten: so der Aufruf des Volksblocks; Köln. u. Schles. Volksztg. kündigen mit der Wahl Hindenburgs die auf dem Fuße folgende Rückkehr der Hohenzollern an und geißeln die BVP als monarchistisch, bei der ,Germania' gedruckte Flugblätter stellen Marx als Garant der Republik heraus. Die schles. Bauern können jetzt nicht mehr mitmachen, wenn man von ihnen Verleugnung der monarchischen Gesinnung verlange. In kath. Kreisen wird man also größtenteils Hindenburg wählen oder sich enthalten; Praschma bezeichnet sich als nicht blind gegenüber den Rechtsparteien und entschuldigt keineswegs ihr Vorgehen in der Preußenkrise: Aber ebensowenig durfte das Z jetzt auf Braun zurückgreifen. Ich weiß aus den Reichsratsberatungen zur Genüge, welche Schwierigkeiten die preuß. Reg. mit Braun und Severing der Gesetzgebung des Reiches macht, Handelsverträgen, Steuern usw. Daran geht die Landwirtschaft auf die Dauer zugrunde. Braun hat ja auch gleich damit angefangen, gegen das Grundschulgesetz Einspruch zu erheben. Und den Zusammenhang mit Ihrer Wahl wird man niemandem ausreden; die Sozialisten sorgen ja auch dafür, daß die Meinung verbreitet wird, weil sie das für ihre eigenen Anhänger brauchen. Die Kandidatur Geßler hätte ich für sehr glücklich gehalten; ich fürchte, daß Stresemann, der sie zerschlagen hat, auch in der jetzigen Situation eine wenig erfreuliche Rolle spielt. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl. Ausf. mit eigenhädig Verbesserungen und Briefschluß. 1925 April 12 (Ostern) - Oberstdorf: Wilhelm Frhr. v. Pechmann, der Marx am ersten Tage seiner Kanzlerschaft wegen der Aufwertung hat vortragen dürfen, erkennt in der Kandidatur Hindenburgs eine Fügung Gottes und beschwört Marx, die eigene Kandidatur um der Volksgemeinschaft willen zurückzuziehen, schon weil er sich nicht zum Aushängeschild der SPD abwerten lassen sollte. Eh. Unterschrift. 4¿ S., eigenhädig Ausf. als „Offener Brief, persönl. Kopfbögen. o. D. Köthen: Müller schreibt Marx, daß in erster Linie die beiden Bekenntnisse zusammengehören und sich das Z nicht gegen den Protestantismus mit den Gottesleugnern verbünden darf. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite. Eh. Ausf. In der Anlage Ztgs.-Ausschnitt über korrupte SPD-Führer in der Lausitz und ein offener Brief des Frhrn. Franz v. Bodelschwingh an Marx, 1 S., Druck. 1925 April 14 - Königsberg: Manuskript einer Rede. 15 S., dazu zu S. 9 drei ungezählte S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. Viele Verbesserungen. 1925 April 16 - Berlin: Speisenfolge des Essens des Reichsbanners zu Ehren von Marx im Zoologischen Garten. 1 Halbseite, Druck. <1925 April>: Manuskript einer Rede vor einem Wirtschaftskreis. 6¿ S., masch.-schriftl. <1925 April>: Manuskripte der in Berlin (Sportpalast), Dresden, Magdeburg gehaltenen Reden. 12, 10¿ und 8¿ S., masch.-schriftl., viele hs. und eigenhädig Verbesserungen. 1925 April 20 - Dresden: Georg Lisske, Syndikus wirtschaftl. Vereinigungen, übermittelt Marx ein diesem günstiges Flugblatt, fragt, ob er es billigt, und erbittet umgehende Antwort. Andernfalls will er durch die Ztgn. Marx' Zustimmung bekanntgeben. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. In der Anlage das Flugblatt. 1925 April 20-22: Manuskripte der in Münster, Koblenz und Nürnberg gehaltenen Reden. 3, 3¿, 4¿ und 4 S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben u. Masch.-Erstschrift. 1925 April 21 - Dessau: Dr. Rausch dankt Marx i. A. des Landesverbands Anhalt der DDP für die Dessauer Reden und übermittelt - mit begleitenden Versen - für einen gestohlenen Schirm Ersatz. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. 1925 April 25 - Kellinghusen: N. P. Jessen übermittelt Marx namens des Ortskartells des Dt. Beamtenbundes eine Anzeige im ,Störboten' und ebenso die daraufhin dem Oberstaatsanwalt eingereichte Klageschrift. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage die Ztg. und die Klageschrift, 2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1925 April 25 - Berlin: Wilh. Fonk übersendet Marx Gedanken über die künftige innere Haltung und den künftigen polit. Kurs des Z, das nach der jahrelangen Zusammenarbeit mit der SPD und die dadurch bewirkte Festigung eines rechten Parteiflügels an Elastizität verloren hat und in der Führung versagt, nachdem [Marx] sich seit Jahren den Staatsgeschäften widmen muß. Die Starrheit des rechten Flügels entstand erst in der letzten Zeit. Die letzten RT-Wahlen und <die Zusammensetzung> der RT-Fraktion des Z beweisen mit aller Deutlichkeit..., daß auch draußen eine immer stärkere Abwanderung nach rechts eingetreten ist. Ursache ist eine gefühlsmäßige Einstellung zur Politik, die erst in Jahrzehnten in etwa behoben sein wird: die Verurteilung des Sozialismus und der SPD von seiten der kath. Kirche, auch des Vv, das Gefühl der Zusammengehörigkeit der Christen, das Versagen der Sozialdemokratie in der Nachkriegszeit usw. ... Mit ganz besonderer Deutlichkeit sind alle diese angedeuteten Meinungen während der RP-Wahl, wenn auch nicht immer öffentlich, zutage getreten. ... Nur Ihre von allen verehrte Persönlichkeit (hat) es vermocht, weite Kreise des rechten Flügels schweigen zu lassen und Sie zu wählen. Ich möchte behaupten, daß bei fast jedem andern Kandidaten die Meinungsverschiedenheiten offen zutage getreten wären. Mit allem Nachdruck hebe ich nochmals hervor: bei all diesen Meinungsäußerungen steht bis auf ganz wenige Ihre Persönlichkeit nicht zur Debatte. Sie werden von allen hoch geehrt. Was bemängelt wird, ist das Zusammengehen mit Links, ist die Wahlmache durch das Reichsbanner, dem auch Sie immer skeptisch gegenüberstanden, ist das Reden von Z-Leuten mit Demokraten und Sozialdemokraten zusammen, ist endlich die Befürchtung, durch diese Wahl würden Teile unserer Anhänger in eine Linie gedrängt, die man mit der Z-Linie nicht mehr vereinigen könne, ist die Ansicht, die bisher schon links eingestellten Anhänger würden noch mehr in diese Bahn gewiesen und durch all dies würde ein Linkskurs in der Partei stabilisiert, der zu einem Zerbrechen der Partei notwendigerweise führen müsse. Fonk sieht Besserungsmöglichkeiten: 1) Die besten Männer ... müssen zur Führung berufen werden. Sie werden dabei ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben, das letzte wohl, was Sie als derzeitiger Parteivors. sagen werden. 2) Der innere eigene Gehalt der Z-Partei muß mit aller Klarheit herausgearbeitet und dafür Sorge getragen werden, daß alle Führer, auch die kleinsten im Lande, ihn erfassen, ihn zu dem ihrigen machen und darin aufgehen ... 3) ... auf Sie wird man schauen, wie Sie als RP Ihre nähere Umgebung gestalten werden. Sollten Sie dazu - insbesondere als StS - Persönlichkeiten berufen, die ausgesprochen links eingestellt sind bzw. in weiten Kreisen der Partei als solche gelten, so würde damit eine große Beunruhigung gegeben werden, weil der sog. Linksflügel in den ganzen nächsten Jahren zur Begründung seiner Ansichten jeweils Ihre Autorität ins Feld führen würde und auf dem rechten immer die bange Ahnung läge, daß diese Umgebung die Politik in ihrem Sinne zu stark zu beeinflussen versuchen würde. Je weniger anfechtbar und je weniger umstritten Ihre Umgebung also sein wird, desto besser für die Partei. Eh. Unterschrift. 5¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf persönl. Kopfbogen. 1925 April 25 - Braunschweig: Der Landesverband Braunschweig der DDP übersendet Marx einen Zeitungsausschnitt über eine Kundgebung der Rechtsparteien, in der LT-Abg. Dr. Roloff und Domprediger Martin - Magdeburg Marx wegen seiner Begegnung mit Franzosen in Koblenz angriffen. Eh. Unterschrift: Benno Schröder. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen, anbei der Ztgs.-Ausschnitt. 1925 April 26 - Breslau: Dombenefiziat R. Reiße namens des Schles. Landessekretariats des Vv an Marx: Nachdem Domvikar Jakubczyk, Redakteur des Kath. Sonntagsblatts, Marx für seine bisherige wahrhaft nationale Arbeit gedankt hat, gibt er namens von Geistlichen um den schles. Vv seine unbedingte Anhängerschaft kund. Er und Stadtpfarrer Dr. Otte-Liegnitz haben öffentlich gegen die Hetze gegen Marx mehrfach Stellung genommen. Der jetzige Wahlkampf hat die Z-Wählerschaft weithin aus romantischen Stimmungen herausgeholt, ... er hat vor allem der Arbeiterschaft gezeigt, daß die aufgeschlossenen Kreise des kath. Volkes, auch seiner Geistlichkeit, nicht mit einem unchristl. Kapitalismus paktieren, wenn sie dafür auch noch so viel Beschimpfung ernten. Die Verständnislosigkeit und Feindseligkeit vieler Glaubensgenossen gegenüber Ihrer schöpferischen Arbeit empfinden wir als brennende Schande. Alle Katholiken im Reiche, die Ihnen ablehnend gegenüberstehen, haben nach unserer gewissenhaften Überzeugung die nationale Sendung des kath. Volksteils an dem Wendepunkte unserer dt. Geschichte nicht verstanden; sie alle erweisen dem Vaterlande, aber auch der kath. Kirche einen schlechten Dienst. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf. mit Erledigungsvermerk von Marx vom 16. 6. 1925 April 27 - Berlin: Luther an Marx: Nachdem das Dt. Volk in gestriger Wahl sich einen neuen RP gewählt hat, ist es mir ein Herzensbedürfnis, mich vor allem mit einigen Worten an Sie zu wenden. Wenn im Laufe dieses Wahlkampfes die Grundlagen nicht gefunden worden sind, die einer überwältigenden Mehrheit unseres Volkes über alle Schranken polit., wirtschaftl., sozialer und konfessioneller Art hinweg die Einigung auf einen Kandidaten ermöglicht hätten, so hat dies wahrlich nicht an Ihren Absichten gelegen. Neben vielem anderem wird es Ihr großes Verdienst bleiben, für den Gedanken der Volksgemeinschaft, d. h. des innigen Zusammenschlusses aller staatserhaltenden Kräfte unseres Volkes in schwerer Zeit Ihre beste Kraft eingesetzt zu haben. Nachdem die tatsächliche Entwicklung anders verlaufen ist, wird es die Aufgabe der zur Leitung der Geschicke unseres Volkes Berufenen sein, auf anderen Wegen am Ausgleich der Gegensätze zu arbeiten und so zu verhindern, daß sich ein bedrohlicher Riß durch unser Volk auftut. Wie Sie, hochverehrter Herr RK, in Ihrer dieser Tage an das Dt. Volk gerichteten Rundfunkrede ausgeführt haben, gibt gerade unsere demokrat. Staatsform die Möglichkeit, daß alle Gruppen sich immer wieder durch vernünftige Auseinandersetzungen ausgleichen, und gerade diese Staatsform verhindert, daß eine Klasse durch die andere unterdrückt wird. Es ist mir ein Bedürfnis vor Ihnen in diesem Augenblick auszusprechen, daß es nach wie vor auch mein Bestreben bleiben wird, in diesem Sinne zu wirken. Wenn auch das Dt. Volk Sie nach Ihrem überaus hingebungsvollen und erfolgreichen Wirken um unser Vaterland gestern nicht mit neuem höchsten amtlichen Auftrag versehen hat, so darf ich doch die ergebenste Bitte und zuversichtliche Erwartung aussprechen, daß gerade Sie der Arbeit um das Wohl unseres Volkes und dem Ringen um gemeinsame Ziele Ihre große polit. Erfahrung und Ihre tatkräftige Hilfe auch in der Zukunft nicht vorenthalten werden. Eh. Unterschrift. 2¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Der Reichskanzler'. 1925 April 27 - Kleinheubach/Bayern: Alois Fürst zu Löwenstein an Marx: Vor kurzem hatte Dr. Vockel mich gebeten, einen Beitrag in die Parteikasse zu geben wegen der starken Inanspruchnahme durch die Präs.-Wahl, und ich habe das abgelehnt mit der Begründung, daß ich der Wahl so zweifelhaft gegenüberstehe, daß ich mich wahrscheinlich der Stimmabgabe enthalten würde. Diesen Brief wird Dr. Vockel Eurer Exzellenz wahrscheinlich vorlegen, und ich halte mich daher für verpflichtet, meinen Standpunkt zu begründen. Nebenbei bemerkt habe ich gestern meine Stimme für Marx abgegeben. Ich bin dazu hauptsächlich dadurch bestimmt worden, daß ich in den letzten Tagen wiederholt rechts gerichtete Blätter gelesen habe und von deren ebenso gemeinen wie dummen Angriffen gegen Ihre Person so angewidert war, daß ich dem Ausdruck geben mußte. Die Gegenüberstellung Marx - Hindenburg war in meinen Augen an sich schon ein Unglück, weil es eine innerlich ganz unwahre Situation schuf. Große Mengen liberal eingestellter Wähler mußten für den konservativen Hindenburg stimmen, weil sie den Katholiken Marx nicht leiden konnten, und noch viel größere Mengen christentumsfeindl. Wähler mußten für den Katholikenführer stimmen, weil ihnen der konservative Feldmarschall verhaßt war. Die Gegenüberstellung war auch deshalb eine unglückliche - das klingt merkwürdig, ist aber wahr - weil beide Kandidaten, jeder in seiner Art, ungewöhnlich hochstehende, hochzuverehrende Männer waren, und man gezwungen war, den einen davon abzulehnen, indem man den anderen wählte. Ich habe besonders unter der Gewissensbedrängung gelitten, welche die Wahl einem überzeugten Katholiken und Anhänger des Z auferlegte, der monarchisch gesinnt ist. Hindenburg hat wiederholt erklärt, daß er nicht daran denke, die Monarchie wiederherzustellen, sondern daß er auf dem Boden der Weimarer Verfassung das dt. Volk aufwärts bringen wolle. Damit hat er vielleicht genau den Standpunkt eingenommen, auf dem sein Gegner steht; ich hatte keinen Grund, Sie, hochverehrter Herr RK, für einen grundsätzl. Republikaner zu halten. Aber die Parteiengruppierung und das Feldgeschrei des größten Teils Ihrer Gefolgschaft hat Sie zum Exponenten des republikan. Gedankens gemacht und in Gegensatz zum königstreuen Hindenburg gestellt. Ich will keine gewaltsame Rückkehr zur Monarchie, halte es für geboten, daß die Frage nach der Staatsform bis auf weiteres zurückgestellt werde und stehe in diesem Sinne auf dem Boden der heutigen Verfassung. Aber ich hoffe, daß das dt. Volk eines Tages die Monarchie wiederherstellen wird, die es in einer Stunde der Kopflosigkeit zerschlagen hat, ich will daher den monarchischen Gedanken und das Gefühl der Treue gegen König und Kaiser im dt. Volk nicht aussterben lassen. So konnte ich mich in einem Lager nicht wohlfühlen, das zu drei Vierteln aus grundsätzlichen Gegnern der Monarchie bestand. Diese Zusammensetzung Ihrer Anhänger war es ja besonders, die mich und viele andere in schwere Bedrängnis brachte. Als alter Parlamentarier weiß ich sehr gut, daß eine Partei allein sich nicht durchsetzen kann und daß man gelegentlich Hilfe annehmen muß, wo man sie bekommen kann. Aber hier lag die Sache doch ganz eigenartig. Im ersten Wahlgange hatte der Kandidat des Z 3¿ Millionen, der der Sozialdemokraten 7¿ Millionen Stimmen erhalten - mit den Demokraten beschäftige ich mich nicht, diese wetterwendische Partei spielt keine Rolle. Im zweiten Wahlgange hatte sich nun die numerisch stärkste Partei dem Z angeschlossen, 7¿ Millionen gingen als Gefolgschaft der 3¿ Millionen in den Wahlkampf. - War es da denkbar, daß der Führer der ganzen Gruppe die Grundsätze seiner engeren - ein schwaches Drittel ausmachenden - Freunde der künftigen Politik werde zugrundelegen können? War es denkbar, daß die große Masse sich ihm verschrieben hatte, ohne Bedingungen zu stellen? In Ihren Wahlreden, hochverehrter Herr RK, habe ich von Demokratie und Weimarer Verfassung viel gelesen, aber nichts gefunden, was mich hoffen ließe, daß der künftige RP die christl. Grundsätze werde durchsetzen können, auf die unsere Partei aufgebaut ist und deren treuester Hüter Sie persönlich sind. Vielleicht haben wir alle die Wahl zu sehr mit Hinblick auf die Personen der beiden Kandidaten angesehen. Durfte ich als Z-Mann einen Augenblick zweifeln, daß ich dem Führer des Z meine Stimme geben müsse? Ich glaube, auch dieser Zweifel war berechtigt. Ich nehme von Hindenburg an, daß er für Kulturkampfgelüste nicht zu sprechen sein wird; von Ihnen wußte ich, daß ein Kulturkampfgesetz unter Ihrer Präsidentschaft nicht sanktioniert werden würde. Aber dem gegenüber stand die Erwägung, daß ein Z-Mann und noch viel mehr ein so musterhafter Katholik, wie Sie es sind, auf dem Posten des RP alle Geister des Kulturkampfes auf den Plan rufen werde. Es ist ja unverkennbar, wie der Haß gegen alles Katholische in den letzten Jahren zugenommen hat, und die Ursache dafür sehe ich zum großen Teil darin, daß wir Katholiken in den letzten Jahren zu auffällig an der Spitze der dt. Politik gestanden sind. Das verträgt weder die Furcht noch der Neid der Katholikenfeinde. Gegen einen Marx als RP wäre diese ganze Welt mobil gemacht worden, jeder wirkliche oder vermeintliche Fehler in der Reichsleitung, jedes Mißgeschick des dt. Volkes wäre auf das Schuldkonto der Katholiken und des Z gekommen. So glaube ich, daß der Ausgang der Wahl, den ich eben erfahren habe, für die dt. Katholiken und ganz besonders auch für die Z-Partei ein Vorteil ist. Jetzt kann die Partei wieder reine Z-Politik treiben, unabhängig von einer Gefolgschaft, deren Grundsätze von den unseren weltenweit entfernt sind; jetzt sind Sie, hochverehrter Herr RK, dem kath. Volke als der Führer erhalten, den es notwendig braucht. Aus dem von der Gegenseite mit den unehrlichsten Mitteln betriebenen Kampfe sind Sie auf das Ehrenvollste hervorgegangen. Eh. Unterschrift. 4 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Bogen mit eingeprägtem Monogramm unter Fürstenhut. 1925 April 27 - Ludwigsburg: Generalmajor a. D. v. Gleich teilt Marx in hämischer Form seine Schadenfreude über den Ausgang der RP-Wahl mit. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl. Ausf. 1925 April 28 - Berlin: Maria Elisabeth Lüders bedauert gegenüber Marx das Wahlergebnis und hofft, daß aus dieser Gelegenheit sich für die Dauer der feste, auch nach außen erkennbare Zusammenhalt der drei Parteien ergeben möchte. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. mit Beantwortungsvermerk von Marx v. 8. 5. 1925 April 30 - Halle/S.: Oberreg.-R. Dr. Loeffler übersendet Marx 2 Proben der konfessionellen Hetze gegen ihn. Eh. Unterschrift. 2 Halbs., eigenhädig Ausf. Ztgs.-Ausschnitt und Flugblatt in der Anlage. 1925 Mai 1 - Hannover: v. Hindenburg dankt Marx für das Schreiben vom 28. 4. Ich ersehe aus ihm zu meiner Freude, daß Sie auf dem gleichen Standpunkt stehen, den auch ich selbstverständlich im Falle Ihres Erfolges bei der Wahl eingenommen haben würde. Ihre Wünsche für unser schwer darnieder liegendes Vaterland sind die meinigen. Mögen sie sich erfüllen durch selbstlose, einigende Arbeit Aller, denen Dtschld. höher steht als die Partei. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. 1925 Mai 1 - Düsseldorf: RA Dr. Brockmann, Teilhaber am ,Düsseldorfer Tageblatt', dankt Marx für seine aufrechte Haltung im Wahlkampf, in den er selbst - gegen bislang beobachtete Reserve - mit Art. gegen Jarres und Hindenburg eingegriffen hat. Die Hetze richtete sich weniger gegen den Staatsmann als gegen den Katholiken Marx. Das Ziel der Volksgemeinschaft aber bleibt zu erstreben. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Düsseldorfer Tageblatt'. 1925 Mai 2 - Köln: Kölner Z-Partei an Marx: Der Z-Partei und den beiden anderen im Volksblock zusammengetretenen Parteien ist in dem soeben beendigten Wahlkampfe um die Reichspräsidentschaft der erhoffte Erfolg leider versagt geblieben. Der Volksblock ist durch eine verhältnismäßig knappe Mehrheit der Gegenseite ehrenvoll unterlegen. Es ist der Kölner Z-Partei in diesem Augenblicke ein dringendes Herzensbedürfnis, Ihnen wärmsten Dank zu sagen für den erneuten Beweis selbstloser Dienstbereitschaft für das Vaterland und aufrichtigen Wohlwollens für alle Schichten der Bevölkerung, einen Beweis, den Sie durch die Übernahme der Kandidatur gegeben haben. Mit bewußt stolzer Trauer blickt die Kölner Z-Partei zu Ihnen, ihrem geliebten Führer, auf. Wir betrachten es als eine außerordentl. Ehre und als einen vollgütigen Beweis für ihre überragenden Führereigenschaften, daß der Reichsblock nach wochenlanger Zerfahrenheit und Ratlosigkeit Ihnen, dem Sohne der rhein. Erde und geborenen Kölner, in Ermangelung eigener Persönlichkeiten nur durch einen Mann, wie den Feldmarschall Hindenburg, den Sieg streitig machen konnte. Wir gedenken mit Genugtuung des mannhaften Eintretens der Anhänger der anderen Parteien für Ihre Kandidatur. Wenn sie am 26. 4. nicht restlos der Wahlparole gefolgt sind, so liegt dies zum wesentlichen Teile an dem doppelzüngigen Verhalten der Parteien des Reichsblocks, der durch seine Agitationsmethoden, in rein ev. Teilen mit verderblicher Hetze gegen Rom und den Katholizismus, in kath. Bezirken dagegen mit charakterloser Umschmeichelung der kath. Bevölkerung unter direkt wahrheitswidriger Verdächtigung der aufrichtigen kath. Gesinnung des Volksblockkandidaten sich den Wahlerfolg zu sichern bemüht war. Gerade in unserer rhein. Metropole trug die Flugblatt- und Plakatagitation des Reichsblocks einen sehr provozierenden Charakter. Mit lebhaftem Bedauern und tiefer Entrüstung mußten wir sehen, daß auch hier zu dem unseligen Mittel der konfessionellen Verhetzung gegriffen worden ist, indem u. a. im ,Kirchl. Anzeiger f. d. Ev. Gemeinden' an das Ehrgefühl aller Evangelischen appelliert wurde, welches unbedingten Kampf gegen einen „ultramonotonen RP verlange, und indem ein protestant. Geistlicher in beleidigender Weise die Echtheit Ihrer dt. Gesinnung anzutasten sich erdreistete dadurch, daß er am Wahltage im Gemeindegottesdienste die Stimmabgabe für den Reichsblockkandidaten mit einem Treuebekenntnis zum Deutschtum schlechthin identifizierte. Wir beklagen, daß durch dieses Vorgehen wie durch die Hetze an anderen Orten die von Ihnen in so heißem Bemühen erstrebte wahre Volksgemeinschaft auf weitere Zeit erschwert und die polit. Zerrissenheit durch Schürung der konfessionellen Gegensätze erneut vermehrt worden ist. Wir bedauern außerdem, daß leider auch eine große Zahl kath. Wähler sich durch wirtschaftl. Erwägungen und unpolit. Stimmungen, zum großen Teil aber auch durch schmählichen Mißbrauch von Aussprüchen von Päpsten und Bischöfen sich zur Stimmabgabe für den Reichsblockkandidaten hat verleiten lassen. Diese Kurzsichtigkeit kath. Wähler schmerzt uns um so tiefer und die Verächtlichmachung solcher Wahlmethoden entrüstet uns um so mehr, als die Hineinzerrung des Hl. Vaters und der Bischöfe gerade in jenen Blättern geschehen ist, die seit Jahr und Tag durch Anwendung offener und versteckter Kampfesweise zu den entschlossensten und hartnäckigsten Gegnern des Papsttums und des Katholizismus gehören. Es erfüllt die Z-Wähler mit Erbitterung, daß dieselben Blätter, die aus machtpolit. Beweggründen heraus Papst und Kirche gegen Sie als Katholiken wegen der taktischen Unterstützung durch die Sozialdemokratie ausspielten, bei den erregten RT-Wahlen 1912 zu den eifrigsten Befürwortern, ja Einpeitschern des sogenannten blau-roten Wahlbündnisses zählten, durch welches aus Z-Haß der Wahlkreis Köln-Stadt dem Bürgertum, Ihrem hochverehrten Vorgänger in der Führung der Dt. Z-Partei, unserem hochverehrten Justizrat Karl Trimborn, entrissen und die Stadt der heute von genannten Blättern so sehr bekämpften Sozialdemokratie ausgeliefert haben. In dieser Beleuchtung erscheint das gekennzeichnete Verhalten in um so verwerflicherem Lichte. Wir werden desselben in der Kleinarbeit der nächsten Zeit eingedenk bleiben! Der Mißerfolg bei der diesmaligen Wahl kann die kampferprobte Kölner Z-Partei nicht entmutigen. Er ist vielmehr geeignet, das Band der Anhänglichkeit und des gegenseitigen Vertrauens zwischen Führer und Wählerschaft nur noch enger zu knüpfen. Die Anhänger des Kölner Z werden aus wahrhaft demokrat. Empfinden heraus die Volksentscheidung vom 26. 4. respektieren und als Christen sowohl wie getreu der Tradition der Partei dem in das höchste Amt des Reiches berufenen Generalfeldmarschall v. Hindenburg als der Verkörperung der Autorität jede schuldige Achtung erweisen. Für die weitere polit. Arbeit bekennt sich die Kölner Z-Partei mit ungebrochenem Mute und freudiger Begeisterung zu den in Ihrer soeben erlassenen Kundgebung an die Wähler niedergelegten Gedanken. Wir erklären uns freudig bereit, jeder in seinem Kreise, durch opferbereites Tatchristentum an der baldigen Herbeiführung einer wahren Volksgemeinschaft mitzuarbeiten, die trotz aller Verkennung von gegnerischer Seite allein uns zum inneren Frieden, zu gedeihlicher Wirtschaftsentwicklung, zu Achtung im Auslande zu führen vermag und unserem Volk Glück und Freiheit sichern kann. Gerade weil die Lauterkeit und Wahrhaftigkeit Ihrer Person und Ihr verdienstvolles Wirken als RK im Dienste des Vaterlandes von Nov. 1923 bis Jan. 1925 in dem abgeschlossenen Wahlkampfe in Wort und Schrift so gehässigen Angriffen ausgesetzt war, empfinden wir es auch bei diesem Anlaß als freudig geübte Pflicht, Ihnen erneut unsern herzlichsten Dank zu sagen für die reichen Erfolge Ihrer Regierung, insbesondere für den günstigen Abschluß der Londoner Konferenz, die uns Befreiung der Gefangenen, Rückkehr der Ausgewiesenen, Rückführung der rhein. Eisenbahnen in deutsche Hand brachte, alles Erfolge, deren Nutznießer in hervorragendem Maße die rhein. Bevölkerung sein durfte. Die Kölner Z-Partei wird mit nie verlöschender Dankbarkeit Ihrer unvergeßlichen Verdienste um Vaterland und Volk eingedenk bleiben. Sie beantwortet Ihr selbstloses Wirken für Reich und Rhein mit der Versicherung unwandelbaren Vertrauens. Treue um Treue heute und immerdar! Unterschrift i. A.: Joh. Rings. 5¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbögen. 1925 Mai 8 - Berlin: Republikan. Richterbund an Marx: Ihre zu Herzen gehenden, von Lauterkeit und Würde getragenen Kundgebungen an die im Volksblock zusammengefaßte Wählerschaft sowie an den neuen Herrn RP veranlassen uns zum Ausdruck unserer besonderen Dankbarkeit. Uns als Richter und Republikaner hätte es mit größter Genugtuung erfüllt, wenn ein logisch politisches Wahlergebnis in Ihnen den erfolgreichsten dt. Führer der letzten Jahre, den Staatsmann von hochrichterlicher Vergangenheit und Wesensprägung, an die Spitze unseres Volksstaates gebracht hätte ... Wir sehen eine tiefe Bedeutung darin, daß unser Nationallied das Recht inmitten von Einigkeit und Freiheit preist. Ist doch das Recht, und zwar das erneuerte Recht von Weimar, das Bindeglied zwischen unserer mühsam behaupteten Reichseinheit und unserer mühsam noch zu erringenden äußeren und inneren Freiheit. Daß Sie in starker Folgerichtigkeit und Nachdrücklichkeit das wahrhafte Bekennen und Verwirklichen des neuen Verfassungsrechts als Grundvoraussetzung unseres Zusammenstehens und Aufwärtsschreitens verkündet haben, gehört wesentlich zu jenem Inbegriff Ihrer vaterländ. Leistung, dessen tiefeingegrabene Spur auf die Dauer nicht mehr verlassen werden kann. Eh. Unterschriften für den Vorstand: Wilh. Kroner, LG.-Dir.; Dr. Großmann, Senatspräs., Hugo Marquard, A.-Ger.-R. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. [19]25 Mai 13 - Suhl/Thüringen: Dr. med. Saphra übermittelt Marx namens einiger Demokraten, Z-Anhänger und Mehrheitssozialisten eine Nummer der ,Suhler Ztg.', worin die Namen hochachtbarer Politiker mit notorischen und Landesverrätern unter der Spitzmarke „Die gleichen Brüder zusammengestellt werden. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. In der Anlage die Ztg. [19]25 Juni 5 - Rom: Dr. Willems vom CPC-Preßbüro Krauss übermittelt Marx einen Ausschnitt aus dem ,Pellegrino', dem illustrierten Wochenblatt des ,Osservatore Romano'. Das diesem vor der RP-Wahl übersandte Bild von Marx war verloren gegangen (?). Interessantes Detail: Ihr Bild wurde damals nicht gebracht, wohl aber die bekannten Art. des ,Osservatore' gegen die Koalitionen von Katholiken und Sozialdemokraten, welche der hiesige Agent der Stinnes-Agentur ,Telegraphen-Union', Dr. Brand, sofort nach Dtschld. telegraphiert haben dürfte und welche dann, besonders in Bayern, den verhängnisvollen Einfluß ausüben konnten, woran die Desautorisation Kard. Gasparris nichts mehr ändern konnte. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. 1925 Juni 22: Marx schreibt dem Ortskartell des Beamtenbundes Kellinghusen, daß er den Strafantrag für gerechtfertigt hält. Er dankt für die Treue und Opferbereitschaft. Groß sind die Opfer gewesen, die die Anhänger des Volksblocks gebracht haben. Wenn auch der Erfolg, wie erwünscht, nicht eingetreten ist, so hat die Wahl doch die Republik von neuem gefestigt und die Gegner davon überzeugt, daß eine imponierend große Zahl von Männern bereit ist, allen Versuchen, die Verfassung und die bestehende Staatsform zu beseitigen oder in schlechtem Sinne zu verändern mit der größten Entschiedenheit entgegenzutreten. 1¿ S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1925 Juni 22 - M.-Gladbach: August Pieper beglückwünscht Marx zum Ehrendoktor der Theologie. Marx, der entsprechend angefragt hatte, darf aus der letzten Wahl keine Folgerungen hinsichtlich seiner Führerstellung im kath. Leben ziehen: auch jene, welche für den anderen Kandidaten stimmten, (würden) das nicht verstehen. Der Sieg Hindenburgs ist von den unpolit. Deutschen, den „Nichtwählern bei polit. Wahlen, entschieden worden mit einem Vorsprunge, den Jarres, ein polit. Kandidat, nicht gewonnen hätte. Durch die Eigenbrötelei der bayer. Katholiken soll Marx sich ebenfalls nicht verdrängen lassen; sie zeigt Mangel an staatspolit. Denken und einen Eigensinn, den die übrigen dt. Katholiken leider stets gern verziehen haben; man hätte den Bayern auch nicht auf den Katholikentagen in Frankfurt und München nachlaufen sollen: das hat dann ermutigend gewirkt auf die, welche im Z immer noch eine kath. Partei sehen. Marx' Kandidatur hat das große Verdienst, die SPD an ein staatspositives Einheitsprogramm gebunden zu haben; dies ist der einzige Weg zu innerer Überwindung der Revolution. Die dem abgeneigten Katholiken sind auch von Anbeginn Gegner des Vv. Marx muß dieses polit. Ziel fest verfolgen, zumal die Gegner der sozialen Versöhnung und des Volksstaates recht ungescheut im Vatikan und bei den Bischöfen für ihr unverständiges polit. Ziel arbeiten, dort leider manchmal den Mangel polit. Verständnisses für die Gegenwartsaufgaben für sich ausnützen. Die wichtige Rolle führender kath. Laien hat Brandts immer wieder betont. Er ist, als Trimborn in ähnlichen Fällen Rücktrittsgedanken äußerte, sehr energisch geworden, so daß Hitze und Pieper ihre helle Freude gehabt hatten. Seit der Revolution nimmt der innere Zusammenhalt der Z-Partei rasch ab; die verantwortl. Führer vergessen über ihre Mitarbeit an der Überwindung des Zusammenbruchs von Staat und Wirtschaft die nötige Erziehung der Anhänger zur Staatspolitik aus dem Staatsgedanken. Piepers entsprechende Aufsätze in der ,Führerkorrespondenz' sollen in den Paderborner Kursen, bei den Windthorstbünden und auf Veranlassung Hamachers bei den rhein. Z-Führern verwertet werden. Auch im Zentralkomitee soll Marx bleiben. Nach Befreiung von den Staatsämtern möge sich Marx zum Vv begeben u. a. wegen der Arbeitsteilung zwischen Vv und Z-Partei, diese möchten Vockel, Krone, Hamacher wieder in Gemeinschaftsarbeit aufleben sehen. Eh. Unterschrift. 3 S., eigenhädig Ausf. 1925 Dez. 20 - o. O.: Ein unbenannter und felsenfester Z-Mann bittet Marx, nach möglichem Rüdetritt von Hindenburg nicht dessen Amt zu erstreben. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. ohne Beglaubigung. o. D. <wohl 1925, Ende>: Bericht von Krauß' Pressedienst über den päpstl. Unter-StS Pizzardo, der das Werkzeug Mussolinis im Vatikan sein und Kard. Gasparri aus dem Vertrauen des Papstes verdrängt haben soll. Angeblich hat er auch Hindenburg gegen Marx unterstützt und soll in Bayern die Wiederherstellung der Monarchie unter Kronprinz Rupprecht fördern. Held besucht ihn auffällig oft. Nach der Kardinalserhebung Pacellis strebt Pizzardo die Berliner Nuntiatur an. Marx und Fehrenbach sollten verhindern, daß er von Hindenburg und Stresemann das Agrément erhält, sie sollten sich für Testa oder den Münchener Nuntius einsetzen. 1¿ S., Vervielf., Vermerk: Streng vertraulich. 1927 Aug. 3 - Köln: Generalsekretariat d. Rhein. Z-Partei zeigt Marx den Beschluß des letzten Parteitages an, im kommenden Winter wieder Bezirksparteitage in den einzelnen Reg.- bzw. Wahlbezirken des Rheinlandes abzuhalten, wie sie früher unter Trimborn üblich waren. Marx soll als Spitzenkandidat des Wahlkreises Düsseldorf-Ost am 30. 10. oder 6. 11. das Hauptreferat in Essen über die polit. Vorgänge der letzten Zeit übernehmen. Beigefügt wird eine Niederschrift über eine Unterredung mit Abt Ildefons Herwegen von Maria Laach. Das an Marx gerichtete Schreiben von Herrn Eckershorn aus Cochem ist durch StS Pünder übersandt worden. Eh. Unterschrift: Hamacher. 2 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbögen mit Beantwortungsvermerk von Marx vom 6. 8. 1927 April 28 - Maria Laach: Niederschrift Hamachers über eine Unterredung mit Abt Ildefons Herwegen: Den Wunsch zu dieser Unterredung ließ der Abt durch Herbold der Rhein. Z-Partei übermitteln. Am Vormittag wurde über den kath. Akademikerverband, die liturg. Bewegung, das religiöse Leben der breiten Volksschichten, christl. Politik, christl. Volkstum u. a. gesprochen. Nachmittags berichtete der Abt zunächst über seinen zweimaligen Besuch beim ehemaligen Kaiser. Die erste Reise machte er, als Wilhelm II. noch in Amerongen war und die Kaiserin noch lebte. Sie wurde vornehmlich unternommen auf dringenden Wunsch des † Bischofs Korum von Trier, da der ehem. Kaiser, wie allg. verbreitet war, für sein Unglück die Sozialisten, Juden und Katholiken verantwortlich machte. Der Abt hat ihm und der Kaiserin die wirkliche Auffassung der Katholiken zu den Ereignissen von Okt. u. Nov. 1918 dargelegt und damit bei beiden eine tiefe Bewegung ausgelöst (S. 1). Zu dem 2. Besuch wurde der Abt durch Kardinalstaatssekretär Gasparri und Nuntius Pacelli veranlaßt. Er sollte beim Kaiser 3 von Gasparri gestellte Fragen klären. Dadurch konnte ein Dementi des Vatikans zu einer Veröffentlichung (aus den Akten des Ausw. Amtes) Scheidemanns unterbleiben, es wurde später indirekt im Zusammenhang mit Wilhelms II. ,Ereignisse und Gestalten' durch Pacelli in der ,Germania' ausgesprochen. Den Inhalt der Fragen konnte der Abt nicht mitteilen. Er legte indes Wert auf die mehrfach abgegebene Versicherung, daß bei beiden Besuchen, weder bei dem ersten noch bei dem zweiten, von den gegenwärtigen Verhältnissen in Dtschld. gesprochen worden ist. Irrig war z. B. das Gerücht, daß der Kaiser ihn, den Abt, gefragt habe, ob er wieder bald nach Dtschld. zurückkehren könne und das der Abt ihm dringend geraten habe, das nicht zu tun bzw. sich mit den Verhältnissen in Dtschld. abzufinden (S. 2). Gegenstände der Unterhaltung bei beiden Reisen waren nur die eigentlichen Zwecke der Besuche gewesen. In diesem Zusammenhang legte der Abt seine persönliche Stellung zu Wilhelm II. und den Hohenzollern dar. Maria Laach wäre Wilhelm II. zu großem Dank verpflichtet. Der Kaiser hat das Kloster 5mal besucht, einmal zu Herwegens Abtszeit. Dabei konnte der Abt verschiedene irrige Auffassungen des Kaisers, der sich gerne belehren ließ, über kirchl. Verhältnisse und religiöse Auffassungen der Katholiken klären. Bei einem Besuch in Berlin, wo das Labarum überreicht wurde, hat der Kaiser den Abt mit der größten Auszeichnung behandelt. Bei Beginn des Krieges hat der Kaiser die nach Laach geflüchteten Benediktiner der Abtei Löwen von der angekündigten Internierung - entgegen der Einstellung des rhein. Oberpräs. v. Rheinbaben - ausgenommen (S. 3), und Abt Ildefons hat bei einem Besuch im Großen Hauptquartier in Koblenz erreicht, daß die schon durch General v. Manteuffel befohlene Zerstörung der Löwener Abteigebäude, die wegen der Befehlsverweigerung eines Bonner Reserveoffiziers überhaupt noch erhalten waren, gänzlich unterblieb. Der Laacher Abt aber erhielt weitgehende Befugnis über die militär. Formationen in der näheren Umgebung (S. 4). Die 1925 verstorbene Großherzogin Luise von Baden, Tochter Wilhelms I., hatte der Abtei wertvolle Bücher vermacht, für die sich der Abt persönlich bedankte; dabei erklärte die Fürstin das Schicksal der Hohenzollern als eine Schickung der göttl. Vorsehung, das mit religiöser Hingebung und tiefem Glauben an Gott hingenommen werden müsse. Auf keinen Fall dürfte die Rückkehr des Kaiserhauses mit Gewalt angestrebt werden. Abt und Abtei von Maria Laach sind mehr noch durch ihr Verhalten bei der RP-Wahl 1925 im öffentl. Gespräch gewesen. Der Abt legte großen Wert auf die Feststellung, daß es bei den allg. polit. Wahlen im Convent von Maria Laach keine Meinungsverschiedenheiten gäbe, sondern daß es als selbstverständlich gelte, daß alle Wahlberechtigten des Klosters Z wählten. Bei der RP-Wahl aber wären bei den Patres in der Recreation Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck gekommen. In einer Koblenzer Wahlrede hätte Marx den Bauern von Eifel, Hunsrück und Westerwald etwa gesagt, daß sie die Erhaltung ihres Eigentums der SPD zu verdanken hätten. Dem hätten vor allem die Patres widersprochen, die den Weltkrieg als Offiziere an der Front mitgemacht hätten (S. 5). Da nun die Laacher Mönche in dem sehr kleinen Orte Glees zu wählen haben, so daß nicht allzuviel Intelligenz dazu gehöre, um ausfindig zu machen, wie der Convent gewählt habe, des Abtes Pflicht jedoch nun einmal vor allem anderen die Wahrung von Einheit und Eintracht sei und es ferner seine Pflicht wäre, die Laienbrüder des Klosters, die naturgemäß von dem Wirrwar der polit. Dinge nur eine unklare Vorstellung hätten und deshalb in den Patres und ihrer Stimmabgabe bei Wahlen ihr Beispiel sähen, nicht in Gewissenskonflikt zu bringen, habe er, der Abt, den Patres den Ratschlag gegeben, sich der Wahl zu enthalten; sie hätten diesen Rat sofort einmütig gebilligt. Die nach einigen Monaten in die Abtei eingeladenen Pfarrer der Nachbarorte hätten sein Verhalten ebenfalls gebilligt. Hamacher stimmte dem Verhalten unaufgefordert seinerseits bei, da er für die Wahrung der Eintracht in der Klosterfamilie volles Verständnis habe (S. 6); bekanntlich wäre bei der RP-Wahl durch das ganze kath. Volk ein Riß gegangen, und im übrigen habe inzwischen Hindenburg auch bei den früheren Wählern von Marx Anerkennung und Verehrung gewonnen; Parteiführer und -presse vor allem im Kreise Mayen hätten dahin zu wirken, daß das Verhalten des Konvents mit größerer Objektivität betrachtet werde. Der Abt wollte die ihm wegen dieses Vorfalls zugegangenen zahlreichen Briefe als Zeitdokumente aufheben. In der Unterhaltung kam auch die Haltung gegenüber der derzeitigen Staatsform zur Sprache. In einem Kreis von über 60 kath. Adligen aus Rheinland und Westfalen, die im Kloster vor einiger Zeit eine Tagung hielten, hätten die älteren meist die Republik abgelehnt, während die jüngeren sich positiver einzustellen gesonnen waren. Um seine klärende Meinung gebeten, habe der Abt in Begleitung des Priors, an Hand der kath. Staatslehre (Thomas v. Aquin, Suarez, Leo XIII.) nachgewiesen (S. 7), daß der heutige Staat nach göttlichem und menschlichem Gesetz zu Recht bestehe und daß jeder Deutsche verpflichtet sei, ihn als rechtmäßig anzuerkennen.... Möge die Revolution auch ein Verbrechen und der neue Staat durch Unrecht am alten Staat und seinen Trägern entstanden sein, so sei doch nicht daran zu zweifeln, daß jeder Katholik verpflichtet sei, den Staat, wie er ist, als bestehend anzuerkennen, und gerade der kath. Adel habe die Pflicht, sich an die Seite des kath. Volkes zur Mitarbeit zu stellen, und als einzige Partei käme nach seiner Überzeugung nur das Z in Frage, weil es sich als Hüter und Träger der kath. Interessen bewährt habe und die dt. Katholiken nur durch größte Geschlossenheit ihre Aufgaben lösen und ihr Ziel erreichen könnten. Die jungen Adligen hatten diesen Rat erwartet, weil sie aus sich heraus schon zur Mitarbeit am Staate und am Volkstum hindrängten. Hamacher hat daraufhin von den weithin vergeblichen Bemühungen des rhein. Z um Gewinnung von Adligen für die polit. Arbeit erzählt: Das Vorgehen einzelner rhein. Adligen bei wichtigen polit. und wirtschaftl. Fragen und Verbänden habe im Gegenteil mehr destruktiv als konstruktiv gewirkt. Weiter wurde über die Möglichkeit der Auswirkung der kulturellen und polit. Kräfte des kath. Westens und Südens ins Reich und in die Länder gesprochen (S. 8). Der Abt äußerte Besorgnisse hinsichtlich des Reiches und Preußens; dagegen ließen sich in den süddt. Parlamenten immer kath. Gegenkräfte gegen Liberalismus und Sozialismus aufstellen. Dies ließ den Abt auf den Besuch des früheren preuß. Kultusministers Boelitz im Kloster eingehen. Dieser wäre von den hohen Anforderungen an die wissenschaftl. Ausbildung der Patres und dem alles andere als „finsteren Klosterleben sehr beeindruckt gewesen. Hamacher war dieser Besuch von einem Teilnehmer, dem Kölner Bibliotheksdirektor Dr. Reuter, schon ähnlich geschildert worden, und zwar noch dahingehend, daß der Abt eine zwar vornehme, aber doch scharfe Klinge bei der Unterhaltung gekreuzt habe (S. 9). Hamacher warf alsdann die Frage auf, ob es des Katholizismus würdig sei, sich wie bisher auf die Defensive zu beschränken und gewissermaßen in den süddt. Parlamenten oder in anderen polit. Formen im Westen ein polit. Ghetto zu beziehen oder ob es nicht der Universalität wie auch der inneren Kraft der kath. Ideenwelt entspräche, nun die gegebene Situation, die doch in jeder Hinsicht günstig sei für die Durchsetzung der kath. Ideen im öffentl. Leben, dazu zu benutzen sich das gesamte Dtschld. zum Kampffeld aufzusuchen und danach zu streben, nicht nur im Westen und Süden, sondern auch in Mittel- und Ostdtschld. Geltung und Vermehrung unseres polit. Einflusses zu erlangen. In der Diaspora hat z. B. das kath. Leben seit 1918 Aufschwung genommen, nicht zuletzt in Berlin, wo die Pfarrstellen von 20 auf 60 vermehrt worden sind; der preuß. Justizminister Schmidt entstammt der Diaspora. Ein Engpaß aber besteht gewiß in dem quantitativ wie qualitativ unzureichenden wissenschaftl. Nachwuchs und in der fehlenden Zahl von Leuten, die die wissenschaftl. Leistungen und Erkenntnisse in der Öffentlichkeit fruchtbar werden lassen (S. 10). Der Abt bekundete dafür großes Interesse und äußerte den Wunsch nach Wiederholung eines Gesprächs. Über den Görres-Ring drückte er seine Genugtuung aus, über die Windthorstbunde sprach er skeptisch (S. 11). 11 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 68
Altsignatur : 68



Die konfessionelle Hetze bei der Reichspräsidentenwahl


Enthält : 1925 April 5 - Dresden: Ing. A. Kaltschmidt übersendet Marx einen offenen Brief, den er der Presse übergeben hat. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage der offene Brief, 3¿ S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben. 1925 April 24 - Kiel: Pfarrer i. R. Franz Hager angeregt durch das Entweder-Oder, vor das uns Theologen in ganz besonderer Härte das Schicksal gestellt hat, übersendet Marx einen Aufsatz ‚Jesus oder Barabas? Eine Alternative auf polit. Gebiet. Eh. Unterschrift. 1¿ S., eigenhädig Ausf. In der Anlage der Aufsatz, 6 S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben. 1925 April 28 - Wetzlar: Amtsanwalt Becker schreibt Marx, daß die verlorene Wahlschlacht das Z nicht entmutigen soll, so bedauerlich es ist, daß die bayer. Katholiken Hindenburg zum Sieg verholfen haben. Den Wahlaufruf und die 3 Hetzart. sollte Marx auch Leicht zur Kenntnis bringen. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf. In der Anlage der Wahlaufruf und die 3 Ztgs-Art. 1925 Juli 30: Marx bedauert gegenüber Becker, daß viele in Rückständigkeit auf die Hetze einiger gewissenloser Leute hereingefallen sind. Ich habe wirklich das dt. Volk für klüger und weitherziger gehalten.... Auch in Bayern hat die ganze Hetze sehr gut gewirkt. 1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1925 April 30 - Weilburg/Lahn: Der Wahlausschuß des Volksblocks des Oberlahnkreises übermittelt Marx einen Ztgs.-Art. des früheren Offiziers und jetzigen Weinagenten Frhrn. v. Schorlemer, Führers der DNVP des Kreises. Darin wird Marx des freundschaftl. Verkehrs mit Franzosen beschuldigt, so daß aus der Notiz Landesverrat herauszulesen ist. Eh. Unterschriften: M. Kopp, C. Steinmetz, Dr. Schwarte, Hain. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage der Art. Erledigungsvermerk von Marx vom 6. 7. 25. Auf der Rückseite Entw. des Antwortschreibens in Stenographie. 1925 Juli 6: Marx antwortet dem Wahlausschuß, daß er die Schmähungen des Frhrn. v. Schorlemer im Parteivorstand besprochen hat. Dort meinte man einmütig, von einer Anrufung der Gerichte abzusehen. Wenn Marx alle Ungeheuerlichkeiten des Wahlkampfes vor Gericht verfolgen wollte, müßte er seine sonstige Tätigkeit einstellen. 1¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1925 Mai 6 - Annaberg: Oberlehrer i. R. B. Räfler übersendet Marx 8 Ztgs.-Ausschnitte, die dartun, wie der örtliche ,Nationale Ausschuß für die Wahl des Reichsblockkandidaten' gearbeitet hat. Eh. Unterschrift. ¿ S., eigenhädig Ausf. In der Anlage 8 Ztgs.-Ausschnitte. Vermerk von Marx: Gedankt 28. 7. 1925 Mai 14 - Offenbach/Main: Joseph Herd, der als Referenzen Bockius - Mainz, Schwarz - Frankfurt/M., Hofmann - Ludwigshafen, Hamacher - Köln, Minister v. Brentano - Darmstadt und Staatspräs. Köhler - Karlsruhe nennt, übersendet Marx ein Flugblatt von Franz Jörg. Wegen der eingeleiteten Reinigung des Offenbacher Vereinswesens von ungeeigneten Elementen stehen gerichtl. Auseinandersetzungen wahrscheinlich bevor. Erwünscht wären Angaben, wie weit das Flugblatt Verleumdungen oder Schmähungen enthält. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., auf persönl. Kopfbögen. In der Anlage das Flugblatt. 1925 Juni 15 - Offenbach/M.: Joseph Herd, II. Vors. des Z in Offenbach, Mitgl. des hess. Landesausschusses, Landesvorstand der SchO, Leiter des Dekanats-Ausschusses, erinnert an die Beantwortung seiner Anfrage. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen, Erledigungsvermerk von Marx vom 18. 6. 1925 Juni 18: Marx antwortet Herd, daß er gegen das Flugblatt zunächst nichts veranlassen wollte, weil er unmöglich auf alle Wahlbeschimpfungen eingehen kann. Das Flugblatt enthält schwere Beleidigungen. Marx legt die Haltung des Z zur SPD dar und erinnert an die Beleidungen durch die Presse des Evangel. Bundes. Den Vorgang mit dem kath. Katechismus im Gewerkschaftshaus München stellt Marx richtig. Es ist ein Unterschied, ob ein kath. Wähler bei einer Wahl SPD wählt oder ob Fraktionen - wie bei der Wahl von Ulrich und Braun - eine Reg. bilden. 3 S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1925 Juni 22 - Offenbach/M.: Joseph Herd drückt Marx seine Freude aus, daß dieser von Marienthal aus das Volksfest des Offenbacher Z besuchen will. Für die von Marx zu haltende Rede interessieren an außenpolit. Themen der Garantiepakt, die Räumung Kölns und die Entwaffnungsnote. Wertvoll wären Antworten auf die Fragen, was die Katholiken dem Z zu verdanken haben und wie die Bischöfe zum Z und den Z-Führern stehen. Am Herzen liegt ihm die SchO, deren Ausbreitung Herd sich demnächst intensiv annehmen will. Wegen des Flugblatts erbittet er eine Erklärung von Marx, die er gegebenenfalls verlesen oder vorlegen könnte. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen. 1925 Juli 2: Marx übersendet Herd eine Zusammenstellung der Punkte, in denen er sich durch das Flugblatt von Jörg beleidigt fühlt. 2 S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben. 1925 Okt. 15 - Berlin: Dr. W. Kluge übersendet Marx einen Hetzart. über das Auftreten in Dessau. Eh. Unterschrift. ¿ S., eigenhädig Ausf. In der Anlage der Art.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 69
Altsignatur : 69



Sturz des 2. Kabinetts Luther


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1934): Im Frühjahr 1926 leitete die RR dem RT etwas heikle Fragen zu, die geeignet waren, Erregung bei den republikanisch eingestellten Parteien hervorzurufen: Verschärfung der Duellbestimmungen im Militärstrafgesetz, Verordnung des RP vom 5. 5. 26 über die Flaggenführung bei gesandtschaftl. und konsular. Behörden des Reichs in außereuropäischen Ländern und in Orten, die von Seehandelsschiffen angelaufen werden (S. 1). Z und DDP erhoben bei vertraulicher Mitteilung sofort Widerspruch; der interfraktionelle Ausschuß der Koalition bat die RR, von der Veröffentlichung abzusehen. Da diese nicht mehr zu hindern war, brachte die SPD sofort einen Mißtrauensantrag ein. Die Mißstimmung bei den anderen Parteien wuchs. Psychologisch war die Aufrollung so intrikater Fragen durchaus verfehlt. Ein Schreiben des RP, in dem ein „versöhnlicher Ausgleich angekündigt wurde, konnte die Wogen nicht glätten. In der RT-Debatte am 11. 5. erklärte Giesberts (Z) die Verordnung für im Augenblick überflüssig, während Graf Westarp die Lage verschärfte, indem er vom RK die sofortige Durchführung der Verordnung ohne Rücksicht auf die Wünsche der Reg.-Parteien und die schwebenden Verhdlgn. forderte. Der RK stellte Aufschub in Aussicht, und die DDP schlug dafür den 1. 8. vor (S. 2). Dennoch gab Luther der DNVP nach, indem er die Verschiebung ablehnte. In 2 Anträgen begrüßte die DDP einmal die Anregung des RP zu einer Einheitsflagge, während zum anderen sie die Haltung Luthers mißbilligte, da er die Gesamtlösung der Frage erschwert und ohne Not einen Konflikt heraufbeschworen habe. Der ausdrücklich nur gegen den RK gerichtete Mißbilligungsantrag wurde von DDP, SPD und KPD mit 176 gegen Z, DVP und Wirtschaftl. Vereinigung mit 146 Stimmen angenommen bei Enthaltung von DNVP und Dt.-Völkischen. Psychologisch ist es interessant, einen so gewandten und klugen Mann wie Dr. Luther in so zerrissener und unklarer Haltung zu sehen. Die RR beschloß entgegenkommend Gesamtrücktritt, aber Luther verweigerte aus Ärger sogar die Geschäftsführung, die Geßler als Dienstältester übernahm. Das Z wandte sich nun an Adenauer, der am 14. 5. von v. Guérard unterrichtet wurde und mit den Parteien über eine Große Koalition verhandelte. Seine Hauptaussprache schien er mit Scholz (DVP) gehabt zu haben: Es ist merkwürdig, wie oft solche Unterredungen entscheidender Art mit Dr. Scholz sich nachher als „Mißverständnisse herausstellen! (S. 3). In der Kabinettssitzung vom 15. 5. erklärte sich Geßler gegen eine eigene Kanzlerschaft, da er eine große Koalition nicht bilden wollte. Nun ereignet sich eine sehr merkwürdige Scene: das Kabinett vor allem aber der Kanzler ist vollständig ratlos! Wenn ich nicht sehr irre, sagt Brauns in seiner rücksichtslosen Art, Luther müsse sich damit abfinden, daß er allein gehe, da das Mißtrauen nur ihm gegenüber ausgesprochen sei! Luther ist nun vollständig zerschlagen! Da sagt Stresemann in seiner freundlichen Gesprächsweise: „Was sollen wir uns lange den Kopf zerbrechen! Wir haben ja einen Mann unter uns, der schon Kanzler gewesen ist: warum soll nicht Marx wieder Kanzler sein? Alles atmet erleichtert auf! Nun hat man den Dummen wieder gefunden! Geßler geht im Auftrage des Kabinetts trotz meines Widerspruchs zum RP, der mich auf nachmittags 7 Uhr bestellt. Die Fraktionen waren über diesen Kabinettsbeschluß verletzt. Die Sitzung der Z-Fraktion war erregt, besonders als Adenauer über seine Unterredung mit Scholz berichtete; die Mehrheit war für Ablehnung der Kanzlerschaft durch Marx. Am 16. 5. erhielt Marx eine weitere Frist vom RP. In der Kabinettssitzung wurde Aussprache mit den Parteien vorgeschlagen, die nachmittags stattfand. Die DVP stellte die Erregung gegen sie als großes Mißverständnis hin. Hier und später in der Fraktion beruhigte man sich. Abends konnte Marx dem RP die Zustimmung der Z-Fraktion überbringen. Hindenburg: Wer hätte seinerzeit gedacht, daß wir noch einmal so zusammen verhandeln würden? (S. 4). Der RP war dann nur noch einmal auf der Fahrt zur Einweihung des Tannenberg-Denkmals mit einem Scherz auf die Wahlgegnerschaft zurückgekommen. Das neue Kabinett wurde mit den alten Ministern gebildet; das Justizministerium übernahm Bell. Die Fraktion war mit der Zahl der Z-Minister nicht zufrieden; während ihrer Sitzung war Marx bei Haslinde. Am 19. 5. wurde die Reg.-Erklärung gegen KPD und Dt.-Völkische angenommen. 5 S., Maschinenerstschrift mit eigenhädig Verbesserungen. 1926 Jan. 20 - Berlin: RP v. Hindenburg ernennt Marx zum Reichsminister der Justiz und beauftragt ihn gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift. Eh. Gegenzeichnung durch RK Dr. Luther. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Im Namen des Reichs, großes eingeprägtes Staatssiegel. [19]26 Jan. 23 - Berlin: Geigenhädig Reg.-R. Felix Schwabach begrüßt gegenüber Marx, daß dieser seine bewährte Kraft von neuem in den Dienst unseres so schwer ringenden Vaterlandes stellt. Eh. Unterschrift. ¿ S.,eigenhädig. Ausf., persönl. Kopfbogen. <1926 Mai 15>: Vermerk über die auf Wunsch der Z-Fraktion des RT von Adenauer seit dem Vortage geführten Verhdlgn. zur Lösung der Reg.-Krise. Adenauer hält mit Zustimmung des Z eine wirklich ersprießliche Reg. nur aufgrund einer festen Mehrheit im RT für möglich. Unter dieser Voraussetzung und zu dem Zwecke, endlich eine Befestigung der polit. Verhältnisse zu schaffen, stellt sich Adenauer dem Vaterland zur Verfügung. Auf Wunsch des Z nahm er mit Geßler als geschäftsführendem RK sowie mit der DVP und SPD Verbindung auf. Die Fühlungnahme ergab, daß die DVP weder für jetzt noch für die nächste Zeit der Herbeiführung der großen Koalition der z. Z. allein möglichen Mehrheitsbildung geneigt ist. Daher hat Adenauer Geßler wissen lassen, daß er die Z-Fraktion gebeten hat, von seiner Person Abstand zu nehmen. 1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1926 Mai 14: Würdigung von Dr. Luther (dabei Nachruf auf † Gesandtschaftsrat Dr. Alberti 1884-1926). 3 S., ,Dt. diplomat.-polit. Korrespondenz' Nr. 110. 1926 Mai 20: RT-Antrag über Kenntnisnahme der Reg.-Erklärung. RT III, 1924/26, Ds 2322. 1926 Mai 21, 23, 25 - Paris - Washington: Presseübersichten über die Übernahme der Kanzlerschaft durch Marx. 5, 1¿ und 1 S., Telegramm-Formblätter. 1925 Mai 5 - 1926 Aug. 25: 12 Zeitungsausschnitte über die Politik und den Sturz des Kabinetts Luther sowie über das neue Kabinett von Marx (mit Lichtbildern).
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 70
Altsignatur : 70



1926
Das Jahr 1926, das Ende des 3. Kabinetts und die Anfänge des 4. Kabinetts Marx


Enthält : Erinnerungsbericht (geschrieben 1934; vgl. S. 2): Marx' Kanzlerschaft war 1926 in allen polit. Bereichen außerordentlich belastet. Eine Kabinettskrise in jedem Herbst war schon traditionell geworden: Ein wahres Verhängnis schien über der demokrat. Einstellung der Mehrheit des dt. Volkes zu schweben. Ein Teil der zu erledigenden Gesetze war mit der SPD, ein anderer Teil gegen sie mit der Rechten zu regeln. Die SPD aber schien Ende 1926 immer mehr die Übernahme irgendwelcher parlamentar. Verantwortung ablehnen zu wollen. Von der DNVP war indessen kein klügeres Verhalten besonders in außenpolit. Dingen zu erwarten, zumal sie Luther zu Fall gebracht hatte. Dem RK blieb nur ein Minderheitskabinett übrig (S. 1); seine Handlungsweise konnte nicht „stark genannt werden; schließlich war bei den Parteien, um deren Hilfe gebettelt werden mußte, immer mehr Mißtrauen zu befürchten. Marx besprach die zur Entscheidung entstehenden Fragen zuerst mit den Ministern und ihren Parteien. Alsdann nahm er Besprechungen mit rechts und links auf; endlich hatte er SPD und DNVP zugesichert, daß sie in wichtigen Fragen immer wenigstens angehört würden. Diese Verhandlungsweise war mühsam und langwierig; aber das Schund- und Schmutz- sowie das Arbeitszeitgesetz wurden damit durchgebracht. Katastrophal aber gestaltete sich die Lage - „natürlich muß man sagen - infolge des Auftretens von Scholz, des Vors. der DVP (Was wird Dr. Stresemann für Sorgen mit diesem Manne gehabt haben!) in Insterburg und Königsberg vom 5.-7. 12. 26 (S. 2): Vorwürfe gegen Z und DDP wegen frühlingshafter Verliebtheit für die SPD mit Hinweis auf Vorteile eines Bürgerblocks (der eine verhängnisvolle Rolle bei der RP-Wahl 1925 gespielt hatte) und wegen Angriffe gegen die Zusammensetzung der Reichswehr. Das war wegen Stresemanns Genfer Beratungen über Räumung und Abrüstung besonders ungeschickt. Scholz berief sich dabei auf einen Beschluß der DVP vom 12. 1. 24 wegen Beteiligung an einer Großen Koalition: Ich wage keine Entscheidung darüber, ob die DVP gerade eine sehr kräftige Stütze für mich abgegeben hat, als ich gegen Ende 1924 die Idee der Volksgemeinschaft mit aller Kraft bei der Kabinettsbildung zu verwirklichen mich bestrebt habe (S. 3). Das Kriegsgeschrei der SPD besonders von Scheidemann gegen Scholz war ebensowenig gerechtfertigt. Man verlangte zunächst den Rücktritt des ganzen Kabinetts, später nur den wegen des Jugendschutzgesetzes auf einmal verhaßten Külz und schließlich auch den von Geßler. Über die eigentlichen Absichten der SPD konnte Marx sich nicht schlüssig werden (S. 4): Es scheint mir so, als ob sie unter dem Verdacht, manche Kreise des Z erstrebten doch ein Zusammengehen mit der Rechten, durch Zwang das zu verhindern versuchen wollte. Wie die Entwicklung der ganzen Frage zeigt, wird auf solchem, meist falschem Wege oft gerade das Gegenteil bewirkt. Anfang Dez. 26 war im .,Manchester Guardian über Waffenlieferungen an Dtschld. durch Rußland berichtet worden: der ,Vorwärts' geriet auf Verbreitung der Nachricht in Dtschld. in scharfe Auseinandersetzungen mit der Rechtspresse. Zugleich brachten Müller, Scheidemann und Wels zunächst bei Geßler, dann auch bei Stresemann, der über Abrüstungsfragen in Genf zu verhandeln hatte, Beschwerden über die Reichswehr vor. Weil das Wehrministerium deswegen in unbequemer Lage war und auch das Z gegen die Auswahl der Offiziere einiges auszusetzen hatte, wollte Marx die Angelegenheit selbst untersuchen. Im RT aber brach Scheidemann das garantierte Stillschweigen: Die Sache war geradezu Landesverrat, da die Genfer Verhdlgn. dadurch beeinträchtigt wurden. Marx mußte sich in seiner Entgegnung außerordentlich zusammennehmen (S. 5). Der kluge Müller versuchte am 17. 12. vergeblich, die Sache auszugleichen. Marx konnte im RT die Verbesserungsvorschläge für die Reichswehr mitteilen, die nach den ersten Verhdlgn. mit der SPD vom RP formuliert worden waren; Marx' warmes Lob für die Reichswehr wurde mit großem Beifall aufgenommen. Eine weitere Torheit der SPD war die, statt der früher verlangten Reg.-Umbildung, nunmehr ihren Rücktritt zu fordern. Marx lehnte das ab; er wollte die Entschließung des RT abwarten. Wirth hielt in den RT-Verhdlgn. eine ausgezeichnete, sehr geschickte Rede für das Z; darin legte er offen die 1922 in Übereinstimmung mit Ebert getroffenen Grenzschutzmaßnahmen dar mit der wirksamen Äußerung: Wir haben geschwiegen, aber polit. und vaterländisch gehandelt. Das Mißtrauensvotum der SPD wurde am 17. 12. mit DNVP, KPD und Völkischen angenommen. Damit mußte der Gedanke an eine Große Koalition ganz aufgegeben werden (S. 6). Am 18. 12. kam der RP mit den Parteiführern überein, die Verhdlgn. bis 19. 1. 27 zu vertagen. Loebell machte den ganz aussichtslosen Vorschlag eines Kabinetts der „kleinen Rechten aus DNVP, DVP und BVP; das wollte das Z nicht mitmachen. Die von rechts behauptete RT-Auflösung hat Hindenburg wohl nicht angedroht. Gegenüber dem am 10. 1. mit der Reg.-Bildung beauftragten Curtius hielt das Z ein Kabinett von der Mitte nach rechts aus außenpolit. Gründen für bedenklich. Am 15. 1. beauftragte Hindenburg Marx mit einem neuen Versuch; gegenüber einem Kabinett der Mitte lehnte DVP Anlehnung nach links ab. Neuerlich forderte der RP Marx durch einen Brief vom 20. 1. auf, „die Bildung einer Reg. auf der Grundlage der Mehrheit der bürgerl. Parteien des RT zu übernehmen. Wegen „bürgerl. Parteien setzte es scharfe Kritik ab: Im übrigen entsprach der Brief durchaus der Sachlage. Ich stimmte ihm im Innern voll- (S. 7) ständig zu. Denn mit der Schwäche und Verantwortungsscheu der SPD war keine segensreiche Politik zu treiben. Marx entwarf zur Sicherung des eigenen Standpunktes Richtlinien, auf die sich die DNVP verpflichten sollte; denn diese wollte unter allen Umständen - vielleicht auf Einfluß des RP - in die Regierung. Zur Prüfung der Richtlinien hatte die Z-Fraktion eine Kommission eingesetzt, der auch Wirth angehörte. Dieser versuchte, sie allmählich mit bestimmter Absicht zu verschärfen: Ich sagte ihm in meiner offenen Art, er solle sich keine besondere Mühe geben; die Dt.-Nationalen seien derart fest entschlossen, nunmehr die Verantwortung zu übernehmen, daß sie alles unterschreiben würden, was man ihnen vorlegen würde. Wirth war bestürzt, setzte aber seine Bemühungen fort und war schließlich ganz geschlagen, als die DNVP ihre Reg.-Beteiligung zusagte. Das Z legte darauf über seine Politik ein ,Manifest vor. Bis zum 26. 1. lagen die Einwilligungen von DNVP, DVP, Z und BVP vor (S. 8). Schwierigkeiten machte die Besetzung der Ministerstellen. Die DDP rief Geßler zurück; dieser trat daraufhin aus der Partei aus. Den als Justizminister benannten Graefe lehnte Marx ab, weil er sich als früherer Vizepräs. des RT geweigert hatte, bei Ebert Besuch zu machen. Gegen die DNVP-Beteiligung sind Marx viele und schwere Vorwürfe von linksgerichteten Z-Leuten gemacht worden: Aber man wird nicht sagen können, daß das Kabinett schlecht regiert hat! (S. 9). Wegen ihrer großen Anhängerschaft unter christl. Arbeitern war die DNVP für soziale Fragen viel verständnisvoller als die sehr stark im großindustriellen und kapitalist. Fahrwasser segelnde Fraktion der DVP. Der Beweis war die Verabschiedung des großen Arbeitslosenversicherungsgesetzes, ein Hauptverdienst des im sozialen Sinne unermüdlich und erfolgreich wirkenden Ministers Dr. Brauns. Marx war das Rechtskabinett besonders willkommen, weil das so oft behauptete Wort endlich verwirklicht wurde, daß nämlich das Z mit jeder Partei, die auf dem Boden der Verfassung steht, Politik machen kann. Die DNVP hat niemals außenpolit. Schwierigkeiten gemacht. Gescheitert ist die Reg. am Verhalten der liberal eingestellten DVP gegenüber dem Keudellschen Schulgesetzentwurf. Arbeit und Sorgen machte der dt.-nat. Minister v. Keudell, der an sich der freundlichste und menschlich durchaus sympathischste war. Marx stand mit ihm ausgezeichnet. Man konnte ihm wirklich nicht böse sein. Marx hat ihn öfter in Streitfällen „ritterlich verteidigt. Über die Verantwortungsscheu der Parteien, wegen der eine Krise des parlamentar. Systems in der Luft lag (die 1933 eintraf), schrieb Pfarrer Korell am 4. 1. 27 im ,Berliner Tageblatt einen vernünftigen Art.; er sprach damit bereits 1924 von Wirth gebrandmarkte Einstellungen an. 10¿ S., Masch.-Erstschrift mit eigenhädig Verbesserungen o. D.: Gedicht von Erich Weinert auf Marx wegen Ablehnung einer bedingungslosen Begnadigung des Schauspielers Josef Gärtner. Ztgs.-Ausschnitt. o. D.: Erklärung von Marx oder Luther zu mißverständlichen Berichten über Reden des Reichsfinanzministers Reinhold in Dresden, Hamburg und Bremen. 3¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1926 März 19: Mißtrauensantrag der KPD gegen die RR. RT III, 1924-26, Ds 2084. 1926 Mai 15 - Berlin: v. Hindenburg an Marx: Aus den Berichten, die der von mir mit der Klärung der polit. Lage betraute Reichswehrminister Dr. Geßler mir erstattet hat, habe ich ersehen müssen, daß eine Änderung der parteipolit. Verhältnisse und Zusammensetzung entweder überhaupt nicht oder nur nach langwierigen, im Erfolge zweifelhaften Verhdlgn. erreicht werden könnte. Eine solche lange Reg.-Krisis verträgt aber die gegenwärtige Lage des Reiches nicht. Es erscheint mir daher zur Überwindung der gegebenen Schwierigkeiten und zur Lösung der vor uns liegenden Aufgaben notwendig, daß die bisherige RR ihre Tätigkeit unter neuer Führung fortsetzt, und ich bitte Sie daher, Herr Reichsminister, als das älteste Mitglied der RR und als Vertreter der größten in ihr enthaltenen Partei das Amt des RK zu übernehmen. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. mit hs. Verbesserungen wahrscheinlich von StS Meissner, Kopfbogen .,Der RP. o. D. <1926 Mai>: Richtlinien über die künftige Politik der RR in 21 Punkten. 3 S. und 5 S. (mit Erläuterungen zu den Punkten 1, 9, 13, 14, 15), Durchschriften von Masch.-Schreiben. 1926 Mai 17 - Berlin: RP v. Hindenburg ernennt Marx zum RK und beauftragt ihn mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers der Justiz und des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift, eigenhädig Gegenzeichnung: Dr. Geßler. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Im Namen des Reichs, großes eingeprägtes Staatssiegel. [1926] Mai 17 - Rom: Dr. Alcide Degasperi an Marx: Bei Gelegenheit Ihrer neuerlichen Ernennung zum RK gestatten Sie dem Gefertigten, welcher unlängst die Ehre hatte, Ihre persönl. Bekanntschaft zu machen, auch namens vieler andere<r> Populari seine ergebene<n> Glückwünsche zu unterbreiten. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf., Kopfbogen ,Camera dei deputati. 1926 Mai 17 - Essen: Luther telegraphiert Marx: Voll alter Verehrung entbiete ich Ihnen aus dem Ruhrgebiet ein herzliches Glückauf! Postausfertigung. 1926 Mai 17 - Duisburg: Peter Klöckner telegraphiert Marx Glückwünsche zur Ernennung zum RK: Möge es Ihnen beschieden sein, das schwankende Staatsschiff wieder zu festigen und unser Vaterland in ruhige Bahnen zu lenken, damit dann auch die Wirtschaft allmählich wieder gesunden kann. Postausfertigung. 1926 Mai 18 - Düsseldorf: Johannes Wintgen gratuliert Marx mit einem Gedicht. ¿ und ¿ S., eigenhädig Ausfn. 1926 Mai 19 - Athen: Gesandtschaftsrat Immelen beglückwünscht Marx und erinnert sich noch gern an die Stiftungs- und Jubiläumsfeier der ,Rhenania in Innsbruck, wobei Marx anwesend war. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Dt. Gesandtschaft. 1926 Mai 19 - Düren: Hans Preußer begrüßt warmherzig Marx' Ernennung. Eh. Unterschrift. 3 S., eigenhädig Ausf. [19]26 Mai 20: v. Stockhausen notiert für Marx, daß das Schreiben an Reichsger.-Präs. Simons bereits abgegangen ist. Eh. Unterschrift. Eh. 1926 Mai 20 - Bonn: Henry an Marx: Ob man Dir zur erneuten Übernahme des dornenvollen RK-Amtes so recht gratulieren darf, weiß ich wirklich nicht recht. Auf jeden Fall aber dürfte Deine Berufung durch den RP eine geradezu betonte Anerkennung der Richtigkeit Deiner Politik in den letzten schweren Jahren bedeuten, über die die Z-Partei im Lande sich mit wärmstem Danke Dir und Deinen Mitarbeitern gegenüber redlich freuen kann. Für Dich selber wird diese Tatsache eine stolze Genugtuung sein können. Man hat in unseren Kreisen nicht ohne eine gewisse Schadenfreude darauf hingewiesen, daß es fast eine Ironie der Geschichte ist, daß der RP nach knapp einem Jahr seiner Amtstätigkeit seinen Gegner im Wahlkampf zu seinem ersten Mitarbeiter hat berufen müssen. Hoffentlich wird auch Deine erneute Kanzlerschaft für unser Vaterland von demselben Segen sein wie die erste. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Bonner Z-Partei. 1926 Mai 22 und 23: Aufzeichnung von Marx' Sohn Josef über die Beliebtheit seines Vaters, der den Kraftwagenfahrer und die zum Schutz beigegebenen Kriminalbeamten nicht so lange warten ließ wie RK Luther. 1 Halbseite, hs. 1926 Juni 2 - St. Moritz: Reinhold an Marx: Das Lindenberger Rumpfkabinett <Brauns und Geßler>, das mir einen wunderschönen freundschaftl. Empfang bereitet hat, ist von mir über die Cabinettsentscheidung in Sachen Schmid in Kenntnis gesetzt worden. Einstimmig wurde folgende Resolution gefaßt: „Das Lindenberger Rumpfkabinett begrüßt, daß in Sachen Schmid endlich eine Entscheidung gefallen ist. Es faßt seine Meinung zusammen in den Ruf: Hoch lebe der Herr RK mitsamt dem Herrn StS Schmid. Welche Resolution ich hiermit gehorsamst übermittele. Es geht ihm nicht gut. Eh. Unterschrift. 4 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1926 Juni - Berlin: F. v. Papen lädt Marx und Gattin zur Vermählung seiner Tochter mit v. Stockhausen ein. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf. o. D. <1926, Anfang Juni>: Vorstellung der neuen RR durch Marx vor dem RT. 4 S., masch.-schriftl., eigenhädig Zusätze von StS Kempner. o. D. <1926, Anfang Juni>: Erklärung der RR zur Flaggenverordnung des RP vom 5. 5. 1926. 1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1926 Mai 29 - Köln: Karl Jos. Kard. Schulte benachrichtigt Marx, daß er wegen einer Firmungsreise nach Barmen nicht zur Hohn-Feier nach M.-Gladbach kommen kann. Er gratuliert aus treuem Herzen zur Ernennung zum RK. Eh. Unterschrift. 1/4 S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. 1926 Juni 21 - Berlin: Darlegung, daß der Reichsfinanzminister Garantien übernehmen darf, damit die Fa. Mannesmann ihren Besitz in Spanisch-Marokko halten kann. 2¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1926 Juli 16 - Berlin: RP v. Hindenburg entbindet Marx nach Ernennung von Bell von der auftragsweisen Wahrnehmung der Geschäfte des Reichministers der Justiz und des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift, eigenhädig Gegenzeichnung: Dr. Geßler. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Im Namen des Reichs, großes eingeprägtes Staatssiegel. 1926 Juli 17 - Berlin: Marx verabschiedet sich von StS Joël und den Beamten: Ich werde mich stets gerne der Zeit erinnern, während der ich mich an den Aufgaben des Justizministeriums beteiligen durfte, dessen Beamte allseitig wegen ihrer Pflichttreue und ihrer Tüchtigkeit gerühmt werden. 1 S., eigenhädig Entwurf, Kopfbogen ,Der Reichsminister der Justiz. 1926 Juli 18 - Berlin: Haslinde erklärt sich mit der Ernennung Pünders zum StS einverstanden und entschuldigt sich für die Kabinettssitzung des folgenden Tages. Eh. Unterschrift. ¿ S., eigenhädig Ausf., Kopfbogen ,Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft'. 1926 Juli 23 - Berlin: Pünder übermittelt Marx den von v. Schubert überbrachten Brief Stresemanns wegen der russ. Auslieferungsangelegenheit. Dieser ist nach v. Schubert über den vorläufigen Ausgang dieser Angelegenheit und insbesondere über die Verkuppelung des Kabinettsbeschlusses mit der Stellungnahme des Herrn Ministers Geßler sehr erregt. ... Der Gang dieser Kabinettssitzung <am 12. 8.> wird meiner Schätzung nach ergeben, daß Herr Minister Stresemann formell in seinem anliegenden Brief nicht ganz recht hat. Der letzte Kabinettsbeschluß war bekanntlich mit 5 : 4 Stimmen zustandegekommen. Wäre Herr Minister Geßler nicht eine Stunde vorher abgefahren, so hätten die Stimmen 5 : 5 gestanden, was einer Ablehnung gleichgekommen wäre. Wenn nun die Herren Minister Brauns, Stingl und Haslinde, die sich ebenso wie Herr Minister Geßler bisher völlig ablehnend verhalten haben, persönlich an der nächsten Kabinettssitzung beteiligt werden, wird die Abstimmung für das Ausw. Amt wohl noch ungünstiger ausfallen. Aber dies sind wohl nur vorläufige Vermutungen. Wenn ich persönlich meiner Meinung Ausdruck geben darf, so möchte ich es als sehr erwünscht bezeichnen, wenn eine Zwischenlösung - etwa im Sinne des letzten Kabinettsbeschlusses - gefunden werden könnte. Denn gerade im Hinblick auf die bevorstehende Völkerbundssession ist mir bei den drohenden russ. Prozessen recht unbehaglich. Diese Session beginnt am 2. 9. Stresemann hat die erbetene Stellungnahme wegen der Delegationszusammensetzung noch nicht vorgelegt. Herr v. Schubert ist vorläufig persönlich der Ansicht, daß eine persönl. Beteiligung des Herrn RK geradezu ein Fehler sei. Es sei auch außenpolitisch von sehr großem Wert, wenn die dt. Delegation sich auf eine noch höhere Instanz in Gestalt des Herrn RK in Berlin jeweils berufen könne. Wegen Bestätigung von Gen.-Dir. Dorpmüller hat Pünder den Brief von Delacroix den Ministern Krohne, Stresemann und Reinhold zugehen lassen. Pünder hatte darüber eine längere Aussprache mit StS Bergmann. Persönlich bin ich der Ansicht, daß die RR wohl kaum mehr erreichen wird und sich deshalb mit den Vorschlägen des Herrn Delacroix einverstanden erklären kann. Notwendig wäre vorher m. E. allerdings noch eine präzise Erklärung des Verwaltungsrates, wie er sich die Ausführung der Vorschläge des Herrn Delacroix im einzelnen denkt, die man wohl zweifellos enger und weiter auslegen kann. Der RP scheint aus Marx' Vortrag am Mittwoch geschlossen zu haben, daß Sie einer Erweiterung der gegenwärtigen Reg.-Basis im kommenden Herbst abgeneigt wären. Pünder hat Meißner daraufhin vertraulich dargelegt: Der Herr RK halte an der alten Politik des Z fest, das entsprechend seinem Namen sich als Mittelpartei fühle und entsprechend seinem Programm stets eine Politik der mittleren Linie führen würde. Das schließe selbstverständlich nicht aus, daß es je nach den polit. und takt. Umständen erwünscht und notwendig sein könne, einen Anschluß nach links oder auch nach rechts zu suchen. Gerade bezüglich dieser letzteren Möglichkeiten sei m. W. aber der Herr RK der Ansicht, daß infolge der intransigenten Haltung der Sozialdemokratie in der Fürstenabfindungsfrage mit einer Großen Koalition im Herbst kaum zu rechnen sei. Ebenso sei aber aus ähnlichen und nicht zuletzt außenpolit. Gründen auch eine Koalitionsbildung nach rechts für den Herbst sehr wenig wahrscheinlich. Lediglich auf Grund dieser prakt. Erwägungen, nicht aber auf Grund einer prinzipiellen inneren Abneigung halte der RK m. E. für wahrscheinlich, daß trotz allen guten Willens es auch im Herbst und wohl auch im kommenden Winter bei der gegenwärtigen Basis der RR bleiben werde. Herr Meißner war über diese Ausführungen sehr befriedigt. Er persönlich ist, wie ich weiß, ein Anhänger der Großen Koalition, während der Herr RP zwar auch gegen die Große Koalition keine grundsätzlichen Bedenken hat, aber an deren prakt. Verwirklichung nicht glaubt und infolgedessen eine Reg. mit Anschluß nach rechts für den Herbst herbeisehnt. Alle solche Erörterungen sind natürlich einstweilen noch akademischer Art. Immerhin möge Marx mit dem RP diese Fragen nochmals durchsprechen. Gegen Wirths Art. „Verständigung der Republikaner im ,Berliner Tageblatt' hat sich neben anderen Stimmen in der Z-Presse verklausuliert auch Schofer ausgesprochen. Dagegen beschäftigte sich Treviranus in der ,Berliner Börsenztg.' mit einer etwaigen Arbeitsgemeinschaft zwischen DVP und DNVP. Diese scheint sehr einverstanden, will indessen Stresemann von dem Verlangen der Anerkennung der Locarno-Politik abbringen mit der Begründung, man solle doch diese Politik durch ihre Erfolge selber sprechen lassen. Stresemann wird wohl vorläufig nicht auf diesen Leim kriechen.Mit der Pensionsanrechnung von Bell hat Pünder viel Kopfschmerzen und Arbeit, nachdem der Reichsrat die Sache am Vortage wieder vertagt hat. Zweigert spricht in einem Briefe sich dahin aus, die Angelegenheit nicht zu forcieren. Da die Länder auf Preußen sehen, ist Pünder zu Braun und dann zu Weismann gegangen; aufgrund des Besprechungsergebnisses tritt er Zweigerts Vorschlag bei, womit Bell sich einverstanden erklärt hat. Wegen des Reichsehrenmals hat Braun sich in erster Linie für das alte RP-Projekt der Schinkelwache in Berlin und - bei Unmöglichkeit - unbedingt für die Lorcher Inseln eingesetzt. Gegen Berka und für das Rheinprojekt ist auch der Bad. Staatspräs. Trunk. Aus der Rolle tanzt (wie das manchmal) der sozialdemokrat. Abg. Herr Sollmann, der sich in einem an Herrn Reichsminister Külz gerichteten offenen Brief unter Betonung seiner Eigenschaft als rhein. Abg. gegen das Rheinprojekt ausspricht. Die ,Rote Fahne' ist wegen Beleidigung des RP 14 Tage verboten worden. In Frkr. ist ein Kabinett Poincaré noch nicht völlig gewiß, aber keineswegs aussichtslos. Nach allen Nachrichten aus der ganzen Welt wird Poincaré unter keinen Umständen seine frühere imperialist. Außenpolitik fortführen können. Hoesch hat das aufgrund eines Gesprächs mit Berthelot bestätigt, der mitteilte, daß Poincaré das Außenministerium an Briand angeboten hat und daß Dtschlds. Aufnahme in den Völkerbund im Sept. völlig gesichert ist, da von Südamerika keine Widersprüche mehr zu befürchten sind. In London hat sich Chamberlain gegenüber Sthamer empört über das frz. Verhalten in Germersheim geäußert. Aus Moskau, Warschau und Reval kommen bisher unverbürgte Nachrichten, daß Polen sich Litauen militärisch einverleiben will. Von Tschitscherin ist deswegen auch Graf Brockdorff-Rantzau gefragt worden. Im Anschluß an den Sonntagsart. der ,Dt. Allg. Ztg.' „Feindschaft Italiens?" hatten sich Mussolini und dann Unter-StS Bordonaro freimütig mit Botschafter v. Neurath ausgesprochen. Beide erklärten völlig freimütig ihre Bereitwilligkeit zu ernster Annäherung an Dtschld. Die bestehenden Differenzen wären untergeordneter Art; sie schlugen einen dt.-italien. Schiedsvertrag vor. Pünder hat sich beim RP gemeldet und wird in den nächsten Tagen Braun und die anwesenden Reichs- und preuß. Minister aufsuchen. Wegen Besetzung seiner bisherigen Stelle halten die staatsrechtl. Autoritäten Zweigert und Meißner eine alte Verordnung von RP Ebert als noch gültig. 8 S. (Schluß fehlt), masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. 1926 Juli 25 - Berlin: Pünder meldet Marx, daß er sich mit Braun und Löbe freimütig über die zukünftigen Entwicklungen der RR ausgesprochen hat. Beide Herren haben zu Ihnen nach wie vor vollstes Vertrauen und sind auch davon durchdrungen, daß Sie am liebsten die Große Koalition bilden würden. Beide sind aber auch der Meinung, daß es im Herbst zu dieser Reg.-Erweiterung nicht kommt, daß vielmehr die bürgerl. Minderheitsreg. der Mitte noch über den Winter fortbestehen wird. Beide sind ferner der Meinung, die übrigens auch durchaus die meine ist, daß gerade infolge dieses Umstandes baldigst die getrübten Beziehungen zwischen Reich und Preußen bereinigt werden müßten. Wenn zwischen Reich und Preußen gute Beziehungen bestünden, „hätte man ja indirekt die Große Koalition". Pünder hat betont, daß Marx ebenso dächte. In den Verhdlgn. wegen Eupen-Malmedy hat Delacroix den Wunsch Belgiens vorgetragen, mit dem Vertragsabschluß nicht bis zur Völkerbundstagung zu warten, weil es über die dt. Mittel baldigst verfügen müßte; es würde auch Frkr. vor vollendete Tatsachen stellen. In 2 Tagen werden Schacht, Reinhold, Curtius und v. Schubert darüber beraten. Wenn die Frontkämpferverbände zu dem Rheinprojekt für das Reichsehrenmal sich geäußert haben, wird Külz wohl auf baldige Kabinettsentscheidung drängen. Äußern sich die Verbände dafür, wird Külz Berka kaum halten können, äußern sie sich dagegen, wird Berka wohl gewählt werden müssen. Pünder hat wegen des Münchner Gesandten an Domkapitular Brem geschrieben. Durch Meißner hat der RP wissen lassen, daß er am 18. 8. v. Haniel in München nicht mehr zu sehen wünscht. In Frkr. ist die Reg. Poincaré zustandegekommen und hat ein Finanzprogramm vorgelegt. Briand als Außenminister dürfte die Fortsetzung der bisherigen Politik gewährleisten. Hoesch hat über ein Gespräch mit Berthelot über die Germersheimer Note telegraphiert. Der Zwischenfall mit Jugoslawien wegen v. Wegerers Kriegsschuldart. ist endgültig mit Nintschitsch beigelegt. Im Reichsarbeitsministerium haben mit Ländervertretern, die grundsätzlich zustimmten, Besprechungen über das Arbeitsbeschaffungsprogramm der RR stattgefunden. Hoffentlich erleben wir jetzt, daß sich der bisherige Tintenkrieg in wirkliche produktive Arbeit endlich umsetzt. Eh. Unterschrift. 5 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. 1926 Juli 26 - Wengen (Berner Oberland): StS Schmid dankt Marx für die anerkennenden Worte und bedauert seinen Rücktritt vom Rheinministerium. Denn Sie haben trotz Ihrer vielfachen Belastung für rhein. Nöte besonders warmes Interesse und immer freie Zeit gehabt. Ich darf noch hinzufügen, daß in der gesamten Beamtenschaft des Ministeriums Ihnen auch deswegen eine dankbare Gesinnung bewahrt wird, weil Sie für die äußere Anerkennung der Tätigkeit des Rheinministeriums und für seine personelle Gleichstellung mit den anderen Reichsministerien so tatkräftig eingetreten sind. Eh. Unterschrift. 2 S., eigenhädig Ausf. [19]26 Juli 27 - Bansin: Kempner dankt Marx für gütige und ehrende Worte zum Ausscheiden, für die Anerkennung seiner Tätigkeit und die gütige Art im persönl. und amtl. Verkehr. Seine Begrüßungsworte bei Marx' Amtsantritt waren keine Redefloskeln, sondern der Ausdruck ehrlichen Empfindens. Eh. Unterschrift. 3¿.S., eigenhädig Ausf. 1926 Juli 28 - Berlin: Pünder berichtet Marx zu dem Brief von Müller - Franken, daß dieser auf Braun wegen der Haltung Preußens im Reichsrat in Sachen des Mehlzolles einwirken wird und Bayern dann mit seiner Forderung allein steht. Er findet es bedauerlich, daß die preuß. Reg. in der Angelegenheit Himmelsbach so hartnäckig bleibt; Abg. Dr. Haas soll über alles unterrichtet werden. Bei Löbe hat Pünder festgestellt, daß dieser von Wirths Versuch zum Zusammenschluß aller Republikaner nichts gewußt hat, obwohl Wirth neben Haas sich auch auf ihn beruft. Große prakt. Bedeutung legte Herr Löbe der Aktion nicht bei. Severing klagte über schlechten Schlaf, scheint aber entschlossen auf seinem Posten ausharren zu wollen, weil, wie er mir freiwillig zugab, seine Partei keinen geeigneten Nachfolger habe. Er wird sicherlich die wichtigsten Entscheidungen der SPD auch im RT maßgebend beeinflussen. Nach Regelung der Fürstenauseinandersetzung hofft er auf Aussprachen über die Große Koalition: seine Partei dürfe als staatserhaltende Partei unmöglich länger in der Negation verharren. Zu Ihnen hat er offensichtlich besonders festes Vertrauen. Wegen der Fürstenauseinandersetzung war am Zehnhoff weniger optimistisch als Braun. Dem preuß. Verlangen wird v. Berg wohl nicht entsprechen; die Fürsten würden nach wie vor am ursprüngl. Preußen-Hohenzollernschen Vergleichsvorschlag festhalten wollen. Am Zehnhoff hält daher ein Reichsgesetz für erforderlich. Im übrigen werden die Verhdlgn. u. a. wegen des langen Urlaubs von Finanzminister Höpker-Aschoff sicherlich noch lange dauern. Reichsverkehrsminister Krohne will nach wie vor gegen die Bestätigung von Dorpmüller stimmen. Pünder riet als Ausweg ein Ersuchen der RR an den Verwaltungsrat an, den Reichsverkehrsminister zu den Sitzungen des Verwaltungsrates beizuziehen. Krohne versprach sich nicht viel davon und wird im Kabinett für sofortige Ablehnung plädieren. Pünder hält eine schroffe Ablehnung für bedenklich und will demnächst für Marx' Handgebrauch unverbindliche Richtlinien zu Delacroix' Brief entwerfen. Krohne hat ausgedrückt, daß er aus einer Überstimmung im Kabinett keine persönl. Konsequenzen ziehen wird. Reinhold will sich zur Umorganisation des Reichsfinanzministeriums die entsprechenden Vollmachten geben lassen und ist zu den bekannten Personalveränderungen fest entschlossen. Wegen des Reichsehrenmals übermittelt Pünder einen Brief von Landeshauptmann Horion. Tatsächlich haben sich alle Besichtigungsteilnehmer sehr stark für die Lorcher Inseln und gegen den Berka-Hain eingesetzt. Das Reichsinnenministerium lanciert Gegenpropaganda, die behauptet, daß die maßgeblichen Vertreter der Frontkämpferverbände nicht anwesend waren. Diese Art der Beeinflussung der öffentl. Meinung kann ich wirklich nicht anders <denn> als illoyal bezeichnen. Der neue Wiener Gesandte Graf Lerchenfeld hat sich bei Bundespräs. Hainisch gemeldet und wird in der österr. Presse warm begrüßt. Die Behdlg. des Germersheimer Zwischenfalls verläuft nicht gerade günstig. Nach den anfänglich verbindlichen Erklärungen Berthelots bestreiten nun die Franzosen den ganzen Sachverhalt und haben der Rheinlandkommission die Angelegenheit zwecks Erledigung zugeschoben. Chamberlains Unterhausäußerung über seine Unzufriedenheit wegen des unbefriedigenden Stands der dt. Entwaffnung wird jetzt als leidlich harmlos hingestellt; Sthamer ist bei Lampson im Foreign Office vorstellig geworden. Interessant ist Sthamers Auffassung, daß in der Entwaffnungsfrage der rein militär. Standpunkt Frkrs. dominiert. Es deckt sich dies ja mit der allg. Auffassung über die außenpolit. Folgewirkungen der Bildung des Kabinetts Poincaré: die Franzosen werden die Briandsche Außenpolitik zwar nicht rückwärts revidieren, aber es wird vielleicht vom dt. Standpunkt aus zu einem gewissen Stillstand und einer Verhärtung der Verhältnisse führen, was für uns sehr unerfreulich wäre. Prof. Hesnard von der frz. Botschaft hat sich zu Pünder darüber freimütig geäußert. Das Reichsgericht hat den Haftbefehl gegen den bisher flüchtigen Oberleutnant z. See a. D. Patzig aufgehoben, der im Frühjahr 1918 als Kommandant eines dt. U-Bootes ein engl. Lazarettschiff versenkt haben soll. StS Joël hat einen Bericht gemacht. Das Ausw. Amt befürchtet außenpolit. Verwicklungen. Als Pünder dem Nuntius als einzigem ausländ. Vertreter aufwartete, sprach Pacelli in höchster Verehrung über Marx. Pacelli hielt es für völlig unbedenklich, daß trotz der preuß. Verhdlgn. über ein Konkordat auch Verhdlgn. mit dem Reich über ein Reichskonkordat gepflogen würden, da die Zuständigkeiten von Reich und Preußen ja durchaus klar umschrieben seien. Die preuß. Verhdlgn. gingen nur zögernd; die bisherigen 7 Sitzungen brachten kein Ergebnis. Das Reichsinnenministerium konnte die in der letzten Ministerbesprechung beschlossene Fühlungnahme mit Preußen noch nicht zustandebringen. Senatspräs. Schulte - Breslau fragt an, ob Marx am Katholikentag in Breslau teilnehmen wird und bei Gen.-Konsul Halpaus absteigen wird. Alle Reichsminister haben zugestimmt, daß Offermann in der Nachfolge Pünders Min.-Dir. und Oberreg.-R. Grävell Min.-R. werden sollen. Reg.-R. Wienstein ist zum Oberreg.-R. ernannt worden. Reichsfinanzminister Reinhold will die von Wienstein innegehabte Stelle der Reichskanzlei bis auf weiteres belassen und Rittmeister Planck in den nächsten Tagen berufen. Eh. Unterschrift. 9 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. In der Anlage: 1926 Juli 27 - Düsseldorf: Landeshauptmann Horion bittet Pünder, sich von Min.-R. Mayer vom Ministerium für die besetzten Gebiete den Verlauf der Verslg. in Lorch schildern zu lassen. Alle Anwesenden sprachen sich geradezu mit Begeisterung für das Projekt aus, und es erscheint allg. ganz unbegreiflich, wie man auf den Wald von Berka hat verfallen können. Die Hauptbeteiligten wollen demnächst in Koblenz beraten. Gez. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Abschrift. 1926 Juli 28 - Berlin: Pünder berichtet Marx, daß Bell die allg. gut aufgenommenen Ausführungen vor der Presse über das besetzte Gebiet mit dem Ausw. Amt vereinbart hatte. Bell wünschte auch die Übermittlung der Berichte über die Frkr.-Reise des Reg.-Präs. Budding - Marienwerder an Marx: So weit das Ausw. Amt orientiert werden mußte, ist dies bereits geschehen. Nicht erfreut zeigte sich Bell von Stresemanns Absicht, in der Vollsitzung des Kabinetts anläßlich des Verfassungstages die russ. Auslieferungssache zur Entscheidung zu bringen. Ebenfalls will Curtius deswegen seinen Urlaub nicht unterbrechen. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. In der Anlage Ztgs.-Ausschnitt ,Das Programm des neuen Justizministers'. 1926 Juli 29 - Engelberg/Schweiz: Gedicht von Dr. Alexander Nuesch - Zürich an Marx. 1 S., masch.-schriftl., mit eigenhädig Widmung. o. D. <1926 Juli>: Weiteres Gedicht an Marx, verfaßt in Engelberg. 1 S., hs. 1926 Juli 31 - Berlin: Pünder schreibt Marx, daß er zur Kabinettssitzung für den 12. 8. den Ministern mit Hinweis auf die Bedeutung der Tagesordnung - Skobliewski, Dorpmüller - telegraphieren wird. Curtius hat allerdings schon StS Trendelenburg als Vertreter bestellt. Bell wird wahrscheinlich auch nicht kommen. Die Nachrichten der Presse, wonach der Herr RP an der Verfassungsfeier nicht teilnehmen würde, waren übrigens durchaus falsch. Der Herr RP hatte von vonherein vor, und nicht erst auf Grund der Presseerörterungen, am Verfassungstage in Berlin zu sein. Entsprechend hat er seine Reise nach Süddtschld. eingerichtet. Von dieser überaus loyalen Einstellung ... haben wir inzwischen der Presse Mitteilung gemacht. In einer Aussprache mit v. Siemens über Dorpmüller hat Pünder selbstverständlich den Standpunkt der RR vertreten. Ihm erscheint eine Einigung als dringend notwendig. Diese scheint bei geschickter Formulierung der Richtlinien auch möglich. Der gute Wille bei der Eisenbahn ist jetzt nach meiner Meinung vorhanden. Die ganze Erörterung und die energische Einstellung der RR haben auf die Eisenbahn und ihren Verwaltungsrat wie ein reinigendes Gewitter gewirkt. Da Krohne bei etwaiger Überstimmung bleibt, ist die Sachlage sehr erleichtert. Preußen hat die angekündigte Klage wegen des Verwaltungsratssitzes beim Staatsgerichtshof eingereicht. Ich begrüße es sehr, daß dieser Streitpunkt jetzt auf dieses ruhige Gleis geschoben ist. Krohne und Reinhold sind bereit, bei der nächsten Vakanz den Streitfall auch politisch dadurch auszuräumen, daß dann ohne Erörterung der Restfrage der preuß. Kandidat dem Reichskabinett zur Annahme vorgeschlagen werden soll. Hinsichtlich des Mehlzolles war es zweckmäßig, daß Pünder den Abg. Müller - Franken etwas auf Braun gehetzt hatte. Preußen hat seinen Widerspruch zurückgezogen, Bayern blieb allein. Im RT-Ausschuß ist die Reg.-Vorlage angenommen worden; bezeichnenderweise stimmten die Abgn. der DVP für den Abänderungsantrag der DNVP. Die Regierungsfront war also in sich gebrochen, was hoffentlich kein Vorzeichen für künftige RT-Verhdlgn. ist. Da die verstorbene Frau Geigenhädig-R. Rathenau letztwillig sich offizielle Beteiligung an ihrer Beisetzung verbeten hat, wird Külz nicht teilnehmen. Pünder wird mit dem Auto einen Kranz zum Grabe bringen. Die Sache Killinger - Junckers hat Pünder mit Külz besprochen, der federführend ist und auch persönl. Beziehungen zu Junckers hat. Killinger sollte bei Junckers ausscheiden. Das internat. Eisenkartell soll am 12. 8. durch die dt. und frz. Unterzeichnung perfekt werden. Es ist zweifellos ein politisch und darüber hinaus außenpolitisch für die künftige wirtschaftl. und polit. Gestaltung von ganz Europa überaus bedeutsamer Vorgang. Dem aus dem Urlaub zurückgekehrten Minister Geßler als Marx' Vertreter hat Pünder Vortrag gehalten. An seinen angeblichen Rücktrittsabsichten ist kein wahres Wort. Er hat mir demgegenüber ausdrücklich hervorgehoben, daß er mit Freude und vollster Loyalität Ihnen für Ihr Kabinett und Ihre Politik bis zuletzt zur Verfügung steht. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, daß er politisch müde sei und unter anderen politischen Voraussetzungen wohl auch nicht mehr Reichswehrminister bleiben könne und werde. Kieps außenpolit. Bedenken über die völlige Unklarheit über Dtschlds. Aufnahme in den Völkerbund schließt sich Pünder an. Weder bei Chamberlain noch bei Briand sind Initiativen zu verspüren. Die RR wird aber m. E. unter allen Umständen auf dem Standpunkt verharren müssen, daß vor Annahme der Einladung durch Dtschld. mit Brief und Siegel klarstehen muß, daß unsere Aufnahme in den Völkerbund diesmal reibungslos vonstatten geht. Dies ist auch die Auffassung des Ausw. Amts. Zu dem beigefügten Brief Schetters wegen der Münchener Femesitzungen bemerkt Pünder, daß der Reisebeschluß des Ausschusses von vornherein nicht rückgängig zu machen war. Die Hauptsache ist, daß die Bayer. Reg. erkannt hat, daß die RR keine Schwierigkeiten machen will, vielmehr auf enge Fühlung Wert legt. Pünder verweist auf den Art. von Dr. Stern-Rubarth über die Besatzungsstärken und übermittelt einen Vermerk von StS v. Schubert über eine Aussprache mit dem frz. Botschafter über Marx' Klever Rede. Über die innen- und außenpolitisch wichtige Frage des Kleinkaliberschießens wird er demnächst berichten. Eh. Unterschrift. 5¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. In der Anlage die beiden folgenden Stücke: 1926 Juli 28 - z. Z. Gut Karthaus b. Jülich: Schetter erwidert Marx auf ein Schreiben vom 20. 7., daß der Beschluß des Femeausschusses, die Untersuchungen zu den der Einwohnerwehr zur Last gelegten Mordfällen in München vorzunehmen, auf der sachl. Erwägung beruht, die hohen Unkosten für die Zeugenvergütungen zu senken; er geht von den Parteien aus, die jede agitator. Ausnutzung der Untersuchungsergebnisse ablehnen. Nur die Ausschußmitglieder der SPD haben widersprochen, und zwar auch aus angegebenen sachl. Gründen. Dennoch ist dadurch eine gewisse Frontstellung gegen die SPD geschaffen worden. Der Ausschuß hat nicht die geringste Veranlassung, den bayer. Behörden irgendwie zu nahezutreten, kann aber nicht davon absehen, im Rahmen der ihm übertragenen Aufgabe auch das von der bayer. Behörden geübte Verfahren einer Kritik zu unterziehen. Schetter billigt Marx' Vorschlag, alle Untersuchungsmaßnahmen im Einvernehmen mit der bayer. Staatsreg. vorzunehmen, will aber auch Zeugen vernehmen dürfen, die u. U. der bayer. Reg. unerwünscht sind. Ohnehin wollte er sich mit Leicht und dem bayer. Justizminister in Verbindung setzen. Bei diesem sind wahrscheinlich Widerstände zu erwarten, weil die SPD auf seiner Vernehmung besteht. In Berlin wären sie jedoch eher noch zu erwarten sein, da die Hemmungslosigkeit der Fragenden dort viel größer sein würde. Die gern vermiedenen Schwierigkeiten lassen sich umgehen, sofern die bayer. Empfindlichkeit sich nicht gegen Maßnahmen wehrt, die auch das Land Bayern so gut wie demnächst Preußen im Rahmen der RV über sich wird ergehen lassen müssen. Gez. Unterschrift. 2¿ S., masch.-schriftl. Abschrift. 1926 Juli 20 - Berlin: StS Schubert vermerkt einen aus eigenem Ermessen erfolgten Besuch des frz. Botschafters. Dieser betrachtet die Äußerungen von Marx in Kleve über die Finanzlage Frkrs. als Einmischung in interne Angelegenheiten und über den Unglauben vieler Deutscher an eine Versöhnung der Völker wegen des Verhaltens frz. Generäle als Angriff auf General Walch, Vors. d. Militär. Kontrollkommission in Berlin. Schubert konnte den Botschafter nicht beruhigen. Eh. Unterschrift. 2¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben mit Anweisungen f. Geschäftslauf. 1926 Juli 31 - Berlin: Ztgs.-Art. über die Staatssekretäre in der Reichskanzlei. 1926 Aug. 1 - Berlin: Pünder berichtet Marx, daß Wirths neuerl. Art. „Wille und Ziel" im ,Berliner Tageblatt' die polit. Öffentlichkeit beschäftigt. Er übersendet dazu Äußerungen von Haas, Sollmann, Joos, Dessauer, Breitscheid, Schofer, Dr. Feder. Die ,Germania' hat nach Pünders Ansicht sehr verständig Stellung genommen. Vor allem aber müsse sich das Z seine takt. Bewegungsfreiheit wahren. Aus Koblenz rief v. Guérard an, daß auch nach Ansicht von OP Fuchs und Horion die RR noch nicht am 12. 8. über die Toteninsel beschließen möge. Auch Külz legt darauf keinen Wert, weil er seinen Lieblingsplan, mit der Bekanntgabe am 2. 8., dem Jahrestag des Kriegseintritts, herauszukommen, doch nicht verwirklichen kann. Auf dringendes Verlangen von Stresemann sind vor 14 Tagen 20 000 RM an die ,Dt. Allg. Ztg.' gezahlt worden. Sofort hatte Pünder Marx' Wunsch nach genauester Unterrichtung über den DAZ-Ankauf an das Ausw. Amt weitergeleitet. Von dort haben v. Stohrer und Schneider die Orientierung für bald zugesagt. Da Geßler darüber nicht das Mindeste bekannt war, müßten auch die polit. Reichsminister entsprechende Mitteilungen erhalten. Die Möglichkeit ist zweifellos gegeben, daß, wenn es so weiter geht, aus der ,DAZ' eine zweite ,Tägl. Rundschau' wird. Pünder will vorbereiten, daß das Kabinett am 12. 8. darüber berät; er konnte nicht umhin, 22 000 RM aus dem Geheimfonds der Reichskanzlei zu zahlen. Wegen des Kleinkaliberschießens bezieht sich Pünder auf einen beigefügten Brief von Vockel. Obwohl durch die Internat. Waffenkonferenz vom 17. 6. 1925 der Gebrauch von Kleinkaliberwaffen bis 5,6 mm Dtschld. gestattet ist und dementsprechend die Verbände mit Zustimmung des Reichsinnen- und des Reichswehrministeriums den Kleinkalibersport eifrig pflegen, drängt das ablehnende Reichsbanner die RR und die Parteien, den Rechtsverbänden die Verwendung von Kleinkalibern rechtlich unmöglich zu machen. Taktisch wird anders zu verfahren sein, als Vockel es vorschlägt. Vor Verhdlgn. mit den Parteiführern muß Külz die Angelegenheit im Kabinett vorbereiten. Auch nach dem Kammersieg Poincarés wird in orientierten Kreisen sein endgültiger Erfolg stark in Zweifel gezogen. Belgien stabilisiert nach dem Ermächtigungsgesetz seinen Franc. Bei den frz. Herbstmanövern in der Eifel wird es sich nach v. Hoeschs Auskünften aus dem frz. Außenministerium um kleinere Divisionsmanöver handeln. Marschall Foch und sein Stab werden nicht teilnehmen. Eh. Unterschrift. 4 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. In der Anlage die 3 folgenden Stücke: 192[6] Juli 26 - z. Z. Paderborn: Vockel übermittelt Pünder seinen Bericht über eine Besprechung des Reichsbanners wegen des Kleinkaliberschießens und bittet um Kabinettsentscheidung am 12. 8. Gez. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Abschrift. 1926 Juli 26 - Paderborn: Bericht Vockels über den Magdeburger Beschluß des Reichsbanners über das Kleinkaliberschießen. Äußerungen von Hörsing und Hermann Müller. Vockel erhob gegen den Beschluß aufschiebenden Einspruch. Gez. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Abschrift. 1926 Juli 26: „Reichsbanner gegen Kleinkaliberschießen. Ergebnis einer Führerbesprechung. Ztgs.-Ausschnitt. 1926 Sept. 30 - Berlin: Botschafter D'Abernon bedauert, daß er sich von Marx nicht persönlich verabschieden kann. Er erhofft und sieht voraus eine Fortsetzung des Aufstiegs in Dtschld., der in so bemerkenswerter Weise unter Marx' Kanzlerschaft erreicht worden ist. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen der Brit. Botschaft. 1926 Okt. 28 - Köln: Stocky schreibt Pünder, daß er auf der Wirtschaftstagung des Westfäl. Z über eine künftige Reg.-Erweiterung mit den Abgn. Lammers und Stegerwald gesprochen hat, dessen Rede die ,Köln. Ztg. mißbrauchte. Sie hat aus einer Stelle, wo Stegerwald sagt - allerdings nicht sehr vorsichtig sagt -, daß man mit den Dt.-Nationalen nicht nur Innenpolitik, sondern seit Genf auch Außenpolitik machen könne, die Schlußfolgerung gezogen, als wenn Stegerwald für den Fall der Ablehnung der Sozialdemokraten, die große Koalition im Reiche mitzumachen, für eine Erweiterung der Reg. nach rechts sei. Indessen haben die beiden Abgn. Stocky bestätigt, daß eine Rechtserweiterung z. Z. nicht in Frage käme. Wir haben hier großen Zweifel daran, ob die Sozialdemokraten sich bereit finden, sich an der großen Koalition zu beteiligen. Gerade deshalb halten wir es aber für sehr unzweckmäßig, den Wert der jetzigen Reg. herunterzusetzen oder auf ihre Schwäche und Programmlosigkeit hinzuweisen und dgl. Wenn wir selbst betonen, daß wir eine richtige Mehrheitsreg. unter allen Umständen haben müssen, binden wir uns ja selbst die Hände für den Fall, daß die Sozialdemokraten ablehnen. Wir dürfen uns hier nicht festlegen, da es ganz verkehrt wäre, jetzt schon mit rechts eine Reg. zu bilden, da die Rechte erst noch Zeit haben muß, sich weiter zu läutern. Nach dieser Richtung hin schien mir die Bemerkung der beiden Herren nicht sehr vorsichtig, daß unsere jetzige Reg. eine „Wurschtelreg. sei, eine Reg., die nur „wurschtele. Ich machte darauf aufmerksam, daß die Verbreitung dieser Auffassung unserer <!> Stellung der jetzigen Reg. abträglich sein könne, worauf die Herren erwiderten, dies solle ja auch nicht verbreitet werden, sondern nur im kleinsten Kreise gesagt werden. Man bemängelte vor allen Dingen, daß die Reg. nicht genügend programmfest sei. Die Reg. müsse doch wissen, was sie jetzt wolle. Wir sind hier der Meinung, daß es auf das Programm allein nicht ankommt, sondern auf das, was die Reg. wirklich will. Es ist doch so, daß das, was die Reg. zu tun hat, ihr durch die Situation vorgeschrieben ist. Wenn die .Reg. etwas unterläßt, was einigen Herren zweckmäßig zu sein scheint, hat sie doch Gelegenheit, mit prakt. Anregungen zu kommen, die doch sicher nicht zurückgestoßen werden. Jedenfalls halte ich es für verkehrt, daß von unserer Seite jetzt zu viel an der Reg. kritisiert wird, da es doch wahrscheinlich notwendig sein wird, die Reg. bis zu den nächsten RT-Wahlen zu halten. Für diesen Fall muß sie aber so stark gemacht werden, wie es nach den Umständen möglich ist. Nach der ,Köln. Ztg.' soll Kuenzer aussichtsreichster Kandidat als Reichspressechef sein. Mönnig und Stocky halten ihn nicht für geeignet, weil er es an der nötigen Festigkeit fehlen läßt. Als Dir. in der polit. Redaktion der ,Germania hat Kuenzer sich nicht durchsetzen können und sich freiwillig auf das Außenpolit. beschränkt. Weit geeigneter ist Buhla, da er eine klare feste Z-Einstellung mitbringt und auch über eine größere journalist. Erfahrung verfügt. Man wäre bereit, Buhla zu beurlauben. 2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Köln. Volksztg.'. 1926 Nov. 1 - Paris: Wertheimer berichtet über das Presseecho auf Marx' Rede in Erfurt. 7¿ S., Formblätter. 1926 Nov. 5 - Berlin: Art. von Giesberts: Rückblick auf die Erfurter Tagung des Parteiausschusses des Z. 4 S., Vervielf. 1926 Dez. 10: Mißtrauensantrag der KPD gegen Reichswehrminister Geßler. RT III, 1924-26, Ds 2806. 1926 Dez. 16: Rede von Scheidemann wegen der Beziehungen zwischen Reichswehr und Roter Armee. Stenograph. Bericht über die 252. Sitzung des RT, S. 8573-8612 mit Liste über namentl. Abstimmung in der 253. Sitzung über den Mißtrauensantrag der SPD gegen RR. 1926 Dez. 18 - Paris: Wertheimer gibt Presseübersicht. 11 S., Formblätter. 1926 Dez. 21 - Berlin: Reichsinnenminister Külz setzt Marx auseinander, daß die Slg. des Reichsrechts in der Reichsdruckerei gedruckt werden muß. Dr. Francken-Schwann, der Inhaber der Fa. L. Schwann - Düsseldorf, hat nach einer Besprechung dafür gewisses Verständnis gezeigt. Eh. Unterschrift. 3 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. 1926 Dez. 30 - z. Z. Münster: Haslinde übermittelt Marx Neujahrswünsche. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. o. D. <1926 Dez. 31> - Dresden-Loschwitz: Peter Reinhold versichert Marx: ... wie aufrichtig dankbar ich Ihnen für die freundschaftl. und gütige Gesinnung bin, die Sie mir im alten Jahr immer bewiesen haben, und wie von Herzen ich Ihnen und durch Sie dem Vaterlande ein gesegnetes neues Jahr wünsche. Eh. Unterschrift. 1¿ S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. o. D. <wohl 1926, Jahreswende>: „Denkschrift über die Gruppierung der polit. Kräfte in Dtschld., angefertigt wahrscheinlich von GS Vockel. 13 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, eigenhädig Verbesserungen von Marx und Vermerk „Generalsekretär. 1927 Jan. 15 - Berlin: v. Hindenburg und RT-Präs. Löbe beglückwünschen Marx zum 64. Geburtstag. Eh. Unterschriften. Je ¿ S., masch.-schriftl. Ausfn., Kopfbögen. 1927 Febr. 10: Külz dankt Marx für eine Einladung zum Essen. Er entschuldigt sich jedoch mit dringl. polit. Verpflichtungen in Dresden. Er dankt Marx noch einmal schriftlich für alles das, was mir während unserer gemeinsamen Arbeit im Kabinett dienstlich und persönlich von Herrn RK erwiesen worden ist. Die Zeit unserer gemeinsamen Arbeit wird mir stets eine wertvolle Erinnerung bleiben. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. 1927 Dez. 6-11: 11 Zeitungsausschnitte über die durch Scholz' Rede in Insterburg verursachte Reg.-Krise und die darauf erfolgte heftige Reaktion der SPD.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 71
Altsignatur : 71



1927
Das Jahr 1927


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben 1942; vgl. S. 1): Gliederung des Berichts; quellenkritische Vorbemerkungen (S. I). Übersicht über die Besetzung d. dt. Westgebiete und ihr Ende (S. II). 1. Dienstliches: Neujahrsempfang beim RP. StS Meissner und seine Gesinnungslosigkeit: er richte sich nach den Befehlen seiner Vorgesetzten, und solange diese nichts enthielten, was gegen sein Gewissen gehe, halte er sich für verpflichtet, dem Befehl nachzukommen. Der Nuntius war schwer erkältet; die Reden - ein Herkommen von guter Bedeutung, ... auch ein besonderer Wunsch des RP - wurden abgelesen (S. 1). Zu Hause überraschten Geßler, Admiral Zenker und Oberst Ritter v. Haack Marx mit einem Dank für seine Anerkennung der Leistungen der Reichswehr. Nachmittags konnte Curtius, der vom RP mit der Reg.-Bildung beauftragt war, noch nichts über die Stimmung in der Fraktion über eine Koalition mit Rechts gesagt werden. Bei der 50-Jahrfeier des preuß. Justizministeriums am 3. 1. hielt Bell die Festrede; Marx sprach als Vertreter des RP; Simons, StS des Reichsjustizamtes <Joël?>, und der österr. Gesandte Frank waren erschienen. Reiner von der ‚Voss. Ztg. wollte am 4. 1. allg. Richtlinien haben, wie sich die Reg.-Bildung abspielen werde; er solle sich nach außen zurückhalten und allg. sagen, daß beim Z eine Rechtsregierung wohl keinen Beifall finden werde. Am 5. 1. Lagebesprechung mit Stresemann (S. 2). Die Bedenken über verschiedene Punkte, die General v. Pawelsz in Paris zu erörtern hatte, sollten in einer Ministersitzung behandelt werden. Der Z-Presse und Bell konnte Marx keine Aufklärung verschaffen, zumal Curtius in Rom war; man schlug vor und lehnte wieder ab eine Einwirkung über Stresemann. Abends saß Marx beim Fest des amerikan. Botschafters zwischen dessen Frau und der des frz. Botschafters. Am 6.1. fuhr Marx wegen der Repräsentation zur Kirche. Im Kabinett wurde über den Generalstab gesprochen. Nachmittags bei Minister Bell. Im Kabinett wurde am 7.1. meist über Kriegsrüstung verhandelt. Nachmittags kamen Stegerwald, Haslinde, Bell und Lammers, der über einen von Curtius abrückenden ‚Germania-Art. ungehalten war (S. 3). Nach Bell sollte Stresemann den RP beeinflussen, Curtius überhaupt nicht vorzuschlagen. Stegerwald war dagegen und wollte die Dinge gehen lassen. Im übrigen hatten Müller (SPD) und Hilferding ziemlich unverblümt von Marx gefordert, Geßler nicht mehr zu berücksichtigen; auch über Groener u. Reinhardt wurde gesprochen. Der Vizepräs. d. Reichsbank äußerte am 8. 1., daß man mit aller Entschiedenheit der Aufwertung freundlich entgegenkommen müsse. Der Presseverslg. in Hildesheim schickte Marx am 9. 1. ein Schreiben über die große Bedeutung einer guten Presse. Nach Sigmaringen wurde zur Einweihung des neuen Rathauses telegrafiert. Am 10. 1. wollte Reiner Angaben über den künftigen Kurs für die ‚Voss. Ztg.: er soll vor der Hand meinen Namen noch nicht nennen, sondern nur betonen, daß ein Kabinett der Mitte aller Wahrscheinlichkeit kommen werde. Löbe und Leicht wurden zum RP gerufen, ebenso v. Guérard, den Pünder informierte. Brauns hielt mit aller Entschiedenheit ein Bleiben von Geßler für absolut notwendig. Den Film Metropolis, ein gigantisches Ding, sahen v. Stockhausen, Curtius und Bell (S. 4). Am 11. 1. wurde in der Fraktion ein bedenklicher Beschluß gefaßt, der nach Bell nahelegte, es sei nun ein Rechtskabinett möglich und v. Guérard werde Kanzler. In Anwesenheit von Bell und Vockel wurde am 12. 1. über diese unerwünschte Entwicklung eine Aussprache mit Stegerwald, Brauns u. Wirth veranstaltet, in der man gegen v. Guérard war. In der folgenden Vorstandssitzung wurde nur Zusammenfassung der Bedenken beschlossen, in der Fraktion Erörterung der Eventualitäten abgewehrt. Am 13. 1. über 1 Stunde mit Stresemann, der sich über den ‚Germania-Art. gegen Curtius beklagte, konferiert. Frühstück für den recht beliebten Kiep, der nach Washington ging. Besprechung mit Brugger und Leicht wegen des Vereins f. d. Auslandsdeutschtum. Am 14. 1. erklärte Curtius den erwarteten Rücktritt nicht, sondern verhandelte mit der DNVP. Darüber schrieb er der Z-Fraktion einen Brief. In der Antwort wurden Verhdlgn. ganz abgelehnt, ohne auf die materiellen Dinge einzugehen. Darüber hatte Marx vorher Stresemann unterrichtet. Trotz allem gab Curtius den Auftrag erst am andern Morgen zurück. Brauns und Marx verhandelten am 15. 1. mit Pünder, der wieder mit Geßler sprach. Es war Gefahr, daß der RP Curtius noch einmal ein Kabinett der Mitte versuchen ließ. Ohne Nennung von Namen verhandelte v. Guérard mit ihm; Marx besprach sich mit Brauns und Kuenzer, der unter allen Umständen kein Rechtskabinett wollte. Nachmittags beauftragte der RP Marx, die Bildung eines Mittekabinetts, aber auch eines der Rechten zu versuchen. Marx behielt sich bis zur Stellungnahme der Fraktion alles vor. Abends große Auseinandersetzung mit Stresemann, weil Kuenzer zu viel gesagt hatte; Stresemanns Brief zeigte Marx niemandem, selbst nicht Pünder (S. 6). Am 17. 1. erklärte Stresemann an Marx, daß die Volkspartei ein Kabinett der Mitte wahrscheinlich ertragen würde. In der aufgeregten Vorstandssitzung verlangte Wirth, auf Stresemann Druck auszuüben; Marx: Kuenzer hätte das unmöglich gemacht. Gegen Wirths Angriffe auf Brauns wurde dieser heftig. Buhla wurde für die Presse über alles aufgeklärt. Nachmittags kamen nacheinander Scholz (DVP), Koch u. Erkelenz (DDP) u. Müller (SPD); Koch ist der Wildeste; seiner Forderung nach der Beseitigung von Geßler konnte nicht entsprochen werden. Abends Essen bei Möller wegen Fertigstellung der Aktenpublikation; er hat große Verdienste sich erworben, aber auch viele Unklugheiten begangen. Am 18. 1. erklärte in einer scharfen Unterredung Graf Westarp, daß sie die Mitte unter allen Umständen bekämpfen würden, auch wenn das Kabinett vielleicht zwei Minister der Rechten enthielte. Im RT Verhdlgn. mit Leicht. Von der WV war niemand zu finden (S. 7). Die Vorstandssitzung war scharf; Wirth hatte erfahren, daß Marx am Abend vorher mit Solf vom Kolonialamt geredet hatte. Scholz (DVP) hatte am 19. 1. noch keinen Beschluß seines Vorstandes. Der RP wollte auf jeden Fall bis morgen oder spätestens bis übermorgen die Sache zu Ende gebracht haben. Marx trug nachmittags Brauns und Bell die Meinung von Curtius vor. Brauns unterhandelte infolgedessen mit Curtius über dessen Ansichten in sozialen Fragen. SPD und KPD wollten Auflösung des RT. So gebe ich wieder einmal den Gedanken auf, eine Reg. der Mitte bilden zu können. Der RP nahm die Sache in aller Form auf; brieflich ersuchte er Marx, „die Bildung einer Reg. auf der Grundlage einer Mehrheit der bürgerl. Parteien des RT mit tunlichster Beschleunigung zu übernehmen. Die Kundgebung erregte Bedenken in weiten Kreisen, weil sie ausdrücklich nur von „bürgerl. Parteien sprach und deswegen von der SPD getadelt werden konnte. Im Z kamen daraufhin die sog. Richtlinien zustande, an denen Brauns, Stegerwald u. a. kundige Z-Leute ihre Kunst zeigten; sie wurden am 21. 1. von der Fraktion als „Manifest genehmigt (S. 8). In den Verhdlgn. mit den übrigen Parteien hatten sie sich sehr bewährt. Auf ihrer Grundlage konnte Marx den Auftrag des RP annehmen. Die DNVP zeigte sich nicht abgeneigt, den Besprechungen wohnten Stresemann und Brauns bei. Nachmittags unterhielt sich Marx mit Stresemann und Scholz vor allem über Außenpolitik. Müller (SPD) legte er nahe, Besprechung mit der DNVP zu beantragen: Er traute aber offenbar der Rechten nicht und sagte nicht zu. Am 25. 1. billigten die Rechten in weitem Umfang die Richtlinien. Der DDP teilte Marx sie vertraulich mit. Die WV wollte nicht mittun, sondern neutral abwarten, wie das Kabinett arbeiten werde. Am 26. 1. gab es zwischen Z, DNVP und DVP keine Schwierigkeiten. Der RP ließ sich über den günstigen Stand der Verhdlgn. unterrichten. Am 27. 1. fanden die Demokraten Koch, Haas u. Erkelenz die Sätze über die Schule schwer erträglich (S. 9). Wenige Schwierigkeiten mit Westarp, Treviranus, Brauns und Curtius. Am 29. 1. wurde die Ministerliste von RP und RT gebilligt. Schwierigkeiten mit dem Innenminister v. Keudell und mit Wirth, der - entschiedener Gegner der Rechten - am 7. u. 11. 2. einem Fraktionsbeschluß zuwider halsstarrig gegen das neue Kabinett stimmte, weil es wegen der DNVP-Minister nicht im Sinne der Verfassung von Weimar Politik treiben würde (S. 10). Weitere Wünsche der Parteien wurden mit Berufung auf den RP zurückgewiesen, der sogar einen StS im Wehrministerium verwirft und mir erklärt hat, er werde, wenn ein solcher von den Parteien vorgeschlagen würde, ihm die Genehmigung versagen. Abends mit Pünder zum Presseball. Besprechungen mit einem Herrn Steinmann wurden von Brauns und Stegerwald fortgesetzt: Graef war nicht ins Ministerium zu bringen, weil er sich in unglaublicher Weise beim Kapp-Putsch hervorgetan hatte. Am 31. 1. Sitzung des alten Kabinetts über eine Kommission in Paris, deren Vorschlägen zugestimmt und auch von General v. Pawelsz beigetreten wurde. Großes Abendessen bei Mendelssohn mit Herren der Reichsbank, während dessen die Nachricht über die Ernennungen der neuen Minister kam (S. 11). Am 1.2. Ausarbeitung der Reg.-Erklärung mit Köhler u. Brauns. Der RP äußerte am 2. 2. Bedenken über Formulierungen zur Außenpolitik und Wehrmacht. Die wirtschaftl. und sozialen Abschnitte mußten mit Rücksicht auf die neuen Herren eingehend behandelt werden. Am 3. 2. verbesserten sie Curtius und Hergt, später auch Stresemann u. Brauns nochmals. Im RT mußten wegen v. Keudell alle Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Zum Glück war er verständig und nachgiebig. Er sagt sich wohl selbst, daß wegen seiner früheren Haltung nun Gericht über ihn gehalten wird (S. 12). Die Vorwürfe gegen v. Keudell wegen Unterstützung des Kapp-Putsches wurden in der Debatte von der SPD vorgebracht; den Skandal konnte Marx nur mit dem Versprechen dämpfen, die Untersuchung selbst durchzuführen. Die lange Erklärung wurde mit Ruhe angehört, weil Marx leise sprach. Müller (SPD) war sachlich. Westarp erregte Unruhe; v. Guérard hoffte, diesen für den andern Tag zu einer Erklärung bewegen zu können, die erfolgte. Guérards scharfe Rede wurde in der Presse gelobt. Die WV sollte durch Köhler zu milderer Auffassung gebracht werden (S. 13). Am 5. 2. hielt Stegerwald eine recht gute Rede, die das Haus befriedigt. Der Lärm gegen v. Keudell erforderte Unterbrechung der RT-Sitzung. Im Z-Vorstand wurde das Vertrauen für die Reg. von einer Erklärung Keudells abhängig gemacht. Davon wollten die anderen Parteien nichts wissen, waren aber mit einer Z-Erklärung im Plenum einverstanden. In der Fraktion war nur Wirth dagegen. Schließlich beantragte Marx Aufschub bis zum 8. 2.; dann wurde weitere Vertagung bis zum Abschluß der Untersuchung durch Marx beschlossen. Aus den Akten ersah er, daß v. Keudell eine Ratsstelle in Arnsberg erhalten sollte, daß er aber zuvor seinen Abschied nahm. Am 11.2. berichtete Marx im RT über seine Ermittlungen (S. 14); feierliche Erklärungen von ihm und Keudell. Die gegen diesen gerichteten Mißtrauensanträge der DDP, SPD und KPD wurden daraufhin abgelehnt. Der RR selbst war schon am 5. 2. das Vertrauen von einer Mehrheit von Z, DNVP, DVP u. BPV ausgesprochen worden; vor dieser Abstimmung hatte v. Guérard für das Z das Vertrauen auch auf Keudell bezogen in der Annahme, daß die Anschuldigungen sich als haltlos erweisen würden. Wirth stimmte mit „Nein; Frl. Teusch, Joos u. a. verließen vorher den Saal; im Fraktionsvorstand stellte Marx Wirths abermaliges Widerstreben fest, hielt aber weitere Schritte nicht für nötig (S. 15). Am 13.2. streng vertrauliche Vorstandssitzung der Partei; Marx und Kaas sprachen gegen Wirth, der selbst nicht gut mit einer ihm ungünstigen Entschließung abschnitt. Mittagessen mit Lensing, Herold und P. Muckermann bei Luckas. Am 14. 2. Gespräch mit der ‚Germania über die Rechtsfrage im Fall Keudell; zu einem Frühstück mit der Presse hatte Zechlin eingeladen. Am 15. 2. berichtete Prof. Gibbons über die Stimmung in Frkr., wollte aber hauptsächlich Marx' Meinung über das Schulabkommen hören. Die Kabinettssitzung mußte wegen eines großen Empfangs vorzeitig verlassen werden (S. 16). Abends mit Bücher, Deutsch, v. Bethlen u. a., dann Bierabend des RP. Am 16. 2. verhandelte StS Brugger über den Reichsverband für das Auslandsdeutschtum. Der Sekretär der Christl.-Sozialen Volkspartei wünschte für die bevorstehenden Wahlen 60 000 RM. Nachmittags sprach Köhler im RT ernst über die Finanzlage, die die durch Reinhold (DDP) geweckten Illusionen zerstörte. Im Kabinett ging es lange und hitzig um die Arbeitszeit. Beim Bierabend bei Min.-Präs. Braun sagte Marx besonders Wels seine Ansichten. Am 17. 2. mit Lord Balfour interessante Unterhaltung über die wirtschaftl. Zusammenhänge, die einen Zusammenschluß der Völker eher herbeiführen können, als die Politik vermag. In der Vorstandssitzung wurden Verhdlgn. mit der BVP beschlossen, die ihrerseits auch eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Z versuchen wollte (S. 17). Abends Essen bei Deutsch. Am 18. 2. fiel Beratung mit dem Justizminister Hergt wegen seines Schwächeanfalls aus. Im RT Unterredung mit RA Levacher aus Saarlouis, ein sehr ruhiger und kluger Mann, über Saarlandsfragen. Im interfraktionellen Ausschuß hielten die hitzigen Debatten über die Arbeitszeit an. Beim Bierabend beim RP interessante Unterhaltung mit v. Oldenburg. Eine Kommission des Saarvereins verlangte Geld für ihre Agitation. Im Fraktionsvorstand protestierte Marx gegen die Veröffentlichung der „Richtlinien ohne sein Wissen; ihm wurde hingegen ein Aufsatz Pünders in der ‚Westdt. Ztg. vorgeworfen (S. 18). Graf Garnier schilderte am 21. 2. die Lage in Oberschlesien und bedankte sich für die schonende Behandlung v. Keudells: Das scheint für gewisse Kreise etwas Ungewöhnliches zu sein! Mit dem Weinhändler Himmelsbach kam der Abg. Haas; für einen Vergleichsvorschlag über die Geldverlegenheiten schien es bereits zu spät zu sein. Abends Fest bei StS Meissner mit dem RP. Seebohm berichtete am 22. 2. über das Jahresfest des VDA; Freiburg hat zur Erleichterung des Ausw. Amtes die Einladung zurückgezogen. Abends Fest bei Adenauer mit lebhafter Unterhaltung mit seiner Frau. Am 23. 2. verhandelte Marx mit SPD in Anwesenheit von Geßler und Schubert; seine Erklärung wurde nach Streichung der Namen Fehrenbach und Ebert gebilligt. Köhler hatte große Sorgen wegen des besetzten Gebietes zu tragen (S. 19). Im Kabinett hatte Curtius allerlei Bedenken wegen der Arbeitszeit. Lobe mußte früh aus dem RT wegen einer Blinddarmoperation. Essen bei den Verlegern. Am 24.2. brachten zwei Amerikaner, einer hieß Stallforth, Grüße von Dawes; sie erzählten vertraulich über Einigkeit über die Unausführbarkeit des Planes. Im Vorstand des Reichsverbandes wurde die Finanzlage geprüft. Abends war im Innenministerium ein interessanter Vortrag über die Umgestaltung des Stadtinnern von Berlin; beim anschließenden Bier saß Marx bei Abegg, Brand u. Oberst Heimannsberg. Am 25. 2. mußte im Vorstand der Z-Fraktion die geplante Arbeitsgemeinschaft mit den Bayern recht vorsichtig angefaßt werden. Die Frage der Arbeitszeit machte viele Umstände. Am 26. 2. erörterten die Generäle Heye u. Zenker geheime militär. Maßnahmen; die angeregte Bildung eines Ausschusses wurde wegen der Öffentlichkeitsgefahr verworfen; Brauns und Köhler fehlten (S. 20). Frl. Teusch abends bei Frau Marx. Beim schweizer. Gesandten war auch v. Stockhausen; der Abg. Hoetzsch beurteilte Äußerungen Briands weniger schlimm. Am 2. 3. konnten mit Braun und Weismann die Streitpunkte mit Preußen recht glatt abgewickelt werden. Im Kabinett verlief die Beratung über die Aufwertung ruhig; Curtius u. Köhler hatten sie schon vorher besprochen. Rede über den Rundfunk war etwas ganz Neues. Min.-Präs. Held hatte am 3. 3. nur einige persönl. Sachen. Trunk, der zu einer Zusammenkunft der Justizminister gekommen war (S. 21), wurden Mitteilungen über das Konkordat gemacht. Im RT vertrat Stegerwald das Z bei der Besprechung über Zollfragen. Scholz verlangte eine Direktorstelle in der Reichskanzlei für die DVP; Marx wies ein angebliches diesbezügliches Versprechen an Stresemann als Irrtum ab; trotzdem war das Z zu stark in der Kanzlei vertreten; Offermann müßte anders untergebracht werden. Im RT Feier zur Vollendung der Aktenpublikationen des Ausw. Amtes. Beim österr. Gesandten eine interessante Gesellschaft. Am 4. 3. bat Stephenson aus Glasgow um einen Platz für den Bau eines Studentenhauses. Später kam der ungar. Gesandte. Im Kabinett wurde über die Invalidität beraten; den Vorschlägen würde der RT sich gewiß widersetzen; über die Verlängerung der Zölle hielten die Minister eine Besprechung für unnötig (S. 22). Telegrammwechsel zwischen dem Präs. d. USA und dem RP anläßlich der Fertigstellung des neuen Kabels nach Amerika. Am 6. 3. kam zum Mittagessen Prof. Beyerle, der ein Werk über die Verfassung schreiben wollte. Bei der Sitzung des Kuratoriums der Reichsbank trug Schacht vor: übersichtlich und klar, wie er immer spricht. Marx verwies Schacht auf eine Unterredung mit Gilbert. Frühstück für die Reichskanzlei-Preisrichter, u. a. Geigenhädig-R. Hoffmann, Prof. Paul. Unterredung mit Vertretern d. Landbundes. Schutzpolizeikonzert mit Gesang der Salvatine (S. 23). Frau Marx besuchte am 8. 3. die Porzellan-Manufaktur. Stauffenberg wollte es bei seiner Presseerklärung lassen. Prof. Gatz, seine Konzerte und seine spätere Emigration. Am 9. 3. Einzeichnung im RT und erbitterte Kabinettssitzung - Die Dt.- Nationalen stimmen fast immer geschlossen gegen die anderen - wegen des frz. Handelsvertrages. Frhr. v. Schorlemer, Vertreter d. Weinbaus, wandte sich gegen eine beabsichtigte Einziehung der Weinbestände der besetzten Gebiete; ebenso Müller (S. 24). Am 10. 3. kam Schacht mit Parker Gilbert - doch ein Mann von großem Einfluß! -, der sich wenigstens recht befriedigt geäußert hat. Kraussneck wollte sein Amt niederlegen, wenn es mit dem Finanzausgleich nicht nach seinem Sinne gehe! Im Adlon saß Marx beim Frühstück d. parlamentar. Presse neben Hesslein. Über den Finanzausgleich Verhdlgn. mit Held, dann Leicht, dann Köhler, später mit Braun samt Höpker und Weismann. Im interfraktionellen Ausschuß war Leicht ziemlich zufrieden; am schlimmsten hat die DVP operiert. Bei v. Papen waren der ungar. Gesandte und Graf Praschma recht angenehme Gesellschafter. Den Bierabend von Schulz-Gahmen schwänzte Marx ohne Absage. Am 11.3. Vorstandssitzung der Fraktion; zu den Fragen müßte später Köhler gehört werden (S. 25). Im Kabinett waren nur unangenehme Dinge zu beraten: Hilfe für die kanad. Schiffahrt; beim frz. Handelsvertrag mußte Marx den Ausschlag für Annahme geben: dieses fortgesetzte Hemmen seitens gewisser Parteien kann nicht so weiter ertragen werden; hinsichtlich Mologa wurde mit Rücksicht auf Genf ein Verzögerungsausweg gefunden. Beim Abendessen Böhler. Am 13. 3. war der RP bei der Gedächtnisfeier im RT sehr frisch; Simons hielt wieder eine vorzügliche Rede. Am 14. 3. im RT Mittelstands-Konferenz unter Vorsitz von Stegerwald mit beruhigenden Reden von Marx und Brauns (S. 26). Am 15. 3. kamen Abt Vogel mit Brugger, dann Propst Deitmer und Banasch, die Leicht eingeladen hatte. Die Budget-Kommission und der Spar-Ausschuß bewilligten die neuen Stellen für das Rhein-Ministerium, so daß die Freiin v. Hertling gewonnen werden konnte. Abends Essen bei Weismann. Am 16. 3. erschien Prof. Eitel, Sohn des Düsseldorfer Stadtrates, der vielleicht im Innenministerium Schulfragen behandeln sollte. Walter v. Molo und Dr. Kloesser vom Schutzverband der Schriftsteller wollten eine größere Summe für bedürftige Literaten. Das Fehlen in der Sitzung des Industriebeirates der Partei wurde Marx später vorgeworfen. Am 17. 3. Frühstück beim dän. Gesandten Zahle für den anwesenden König von Dänemark mit RP und Stresemann; der König rühmte - lebendig - die ausgezeichneten Lehrer der dän. Schulen; die Lehrer der dortigen dt. Privatschulen wären vielfach minderwertige Kräfte wegen der unzureichenden Besoldung (S. 27). Abends in der Kanzlei Ministeressen mit Damen; Frau Keudell ist eine recht hübsche und angenehme Dame. In der ev. Kirche - ich fürchte, es gibt noch Schwierigkeiten, weil ich einem ev. Gottesdienst beigewohnt habe - am 18. 3. Trauerfeier mit Stresemann, Schubert, Meissner und vielen Gesandten. Im Kabinett große Aussprache über die Etatstreichungen, Scholz kritisierte die Invalidenfürsorge (S. 28). Bei der Eröffnung der Ostpreußen-Ausstellung im Schloß sprachen StS Schulz, die Akademiedirektoren und Min.-Präs. Braun. Mit Böhler über Mittag Besprechung interessanter Fragen. Am 22.3. trug Stresemann seine beabsichtigte Rede vor; wie Marx war auch Hergt einverstanden, der sehr erfreut zu sein schien, daß er so weit das Vertrauen besitzt, daß ihm sogar die beabsichtigte Rede vorgetragen wird. Das Kabinett - wieder mit Brauns - behandelte die Arbeitszeit (S. 29); darüber sollten noch die Fraktionsvorsitzenden gehört werden. Zuerst im RT bei der Rede Stresemanns, dann im Innenministerium Vorführung eines Kriegsfilms, der zwar schön, aber nicht für die Öffentlichkeit geeignet ist. Vom Abendessen bei Stresemann noch zu einem Bierabend im Gesellenhaus. Am 23. 3. kam der neue Preuß. Justizminister Schmidt. Besuch beim RP. Film „Land unterm Kreuz. Abends in der großen Gesellschaft beim frz. Gesandten de Margerie Unterhaltung hauptsächlich mit der Polin: Sie ist jedenfalls nicht schweigsam und zurückhaltend! Am 24. 3. kam Dilthey wegen Dirigentenzulage. Nachmittags Vorstandssitzung des SSS. Im Kabinett trug Stresemann über die Einladung zur Teilnahme an der Untersuchung in Jugoslawien vor; Marx stimmte zu, Hergt hatte Bedenken (S. 31). Bei dem Essen der Nationalen war Graf Westarp von besonderer Freundlichkeit. Danach Bierabend der Z-Fraktion im LT, wo Porsch sich ersichtlich freute. Am 26. 3. beschwerte sich der Min.-Präs. von Sachsen zusammen mit Gradnauer über Benachteiligung durch den Finanzausgleich. Ein Prälat aus Lemberg machte für seine Leute Stimmung und wollte in Berlin eine Gemeinde gründen. Der Redakteur Goldmann erhielt einen Art. für seine Ztgn. Im RT wurde mit Rede von Marx der Etat der Reichskanzlei beifällig aufgenommen. Am 27. 3. in der städt. Oper die eigenartige Oper ‚Perser. Beim großen Empfang des Nuntius teilte v. Guérard mit, daß nach seinen Berichten Koch als Minister für Bayern unmöglich sei. Pünder berichtete am 28. 3. über eine Flugreise nach Wilhelmshaven (S. 31). Der RP verbreitete sich hauptsächlich über den Brief von Braun und die Rückkehr des Kaisers; Marx war für Verlängerung des Gesetzes. Frühstück bei Gevers. Im RT hörte Marx die Reden von Geßler und Ersing. Alsdann Aussprache über den frz. Handelsvertrag. Im Kabinett Einmütigkeit über die Aufwertung. Ebenso in der Fraktion. Nach Mutmaßungen sollte der RT bis 10.5. vertagt werden. Am 30.3. berichtete Pünder, daß er nur mit Brand und Koch gesprochen hatte. Brand hatte Koch nicht gesehen, sondern nur die Berichte von Specht weitergegeben; Wir wollen also bei Koch bleiben. Haniel wurden einige wichtige Mitteilungen gemacht. Im RT Sitzung des Vorstandes und der Kommission zur Beratung der Personalfragen; v. Guérard beharrte auf einem Gespräch zwischen Marx und Brand. Graf Westarp und Scholz hatten persönliche Wünsche: sie sind bescheidener, als ich gefürchtet habe. Die DNVP wollte in dem neuen Ministerium wenigstens einen Min.-Dir. und den Pressechef (S. 32). Am 1. 4. kam der tschech. Gesandte, danach General Boldmann. Im RT war die wichtige Abstimmung nach Marx' Ankunft vorbei. Über die scharfe Rede von Braun war Köhler aufgeregt; die berufenen preuß. Minister hatten sie nicht gekannt. Hirtsiefer ... tobt bald in der ihm eigentümlichen Art. Ich schreie ihn deshalb auch an und sage ihm, er solle nur so weiter machen und die Reg.-Verhdlgn. stören, das Reich könne ja dann zu Grunde gehen! Im RT wurde nachmittags mit dem Vorstand der LT-Fraktion lange, aber ruhig verhandelt. Am 2. 4. waren die geheimen Verträge über München u. Koblenz im Kabinett. Tee zu Ehren des Gesandten von Biegeleben. Am 3.4. Ansprache von P. Siebers in St. Clemens (S. 33). Am 4.4. verursachte die Konkordats-Rede Stresemanns vor DVP-Freunden große Aufregung. Im Z-Fraktionsvorstand wurde darüber ruhig verhandelt wegen der Warnung von Marx vor jedem Auseinanderstreben der Parteien. Im Kabinett behauptete Stresemann ganz anders gesprochen zu haben, als die Ztgn. berichtet haben. Mit seiner Richtigstellung in der Presse des anderen Tages war die Sache erledigt. Bei der großen Pressekonferenz im Adlon verweigerte Marx eine Rede, es sprach nur Bernhard. Bei Koch war abends eine ganz andere Gesellschaft als sonst: Frau Heuss eine recht interessante Dame. Am 8. 4. trat der neue serb. Gesandte an, dem Berlin stets gut gefallen hatte. Nachmittags im RT (S. 34). Am 9.4. beriet Schmid Personalfragen. Mit Stresemann einig über den Druck der Publikationen. Der RP ließ sich in guter Laune über das Konkordat aufklären, wovon er offenbar andere Vorstellungen hatte. Mittags mit P. Schroeteler und Frl. Teusch. Brauns war nicht zufrieden mit der von Hergt für das Plenum entworfenen Erklärung. Große Gesellschaft beim russ. Botschafter, wo man das Ende der RT-Session ebenfalls begrüßte (S. 35). Am 10. 4. wurde mit Hergt die Stresemann-Erklärung und die Verlängerung des Kaiser-Gesetzes besprochen. Erholungsreise nach Badenweiler und Wiesbaden, Rückreise über Düsseldorf, am 28. 4. wieder in Berlin. Am 29.4. wollte Stresemann die Genehmigung zur Bestreitung der Kosten seines Prozesses aus der Privatkasse des Ministeriums. Am 2. 5. kam Mayer. An Koch schrieb Marx wegen Erkelenz, der zum Besuch aufgefordert wurde. Am 3. 5. Messe des kranken Weihbischofs in St. Hedwig. Nach Stresemann erschien General Pawelsz, der über die endgültige Schleifung der Ostfestungen berichtete (S. 36). Danach kam Köhler. Mit Fraktionsmitgliedern wurden Bestimmungen des Republikschutzgesetzes besprochen, über geteilte Meinungen darüber in der DNVP berichteten am 5. 5. Hergt und v. Keudell, die keine bestimmte Erklärung über die Annahme des Gesetzes gaben. Das Gesetz wurde im Kabinett anschließend behandelt. Schacht hatte Befürchtungen wegen Börsenspekulationen und wollte Gilbert darauf ansprechen. Auch die DVP hatte keine bestimmte Haltung zum Republikschutzgesetz, worüber zunächst mit den Parteiführern verhandelt werden sollte. Am 7. 5. ging Briands unangenehme Note über die Besatzungsstärke im Rheinland ein, worüber er sich von Rieth aufklären lassen mußte (S. 37). Marx bedauerte die Eilsener Abwesenheit Stresemanns, als die Kontrolle über die Belegung der Ostfestungen behandelt wurde. Im Rheinministerium wurden die neuen Herren begrüßt. Schiele, Keudell und Curtius legten Möglichkeiten eines Arrangements hinsichtlich des Republikschutzgesetzes dar. Der bad. Finanzminister erschien wegen der bankrotten Fa. Himmelsbach. Goerdes brachte eine gute Rede für die Missionsverslg. am 8. 5., die im Herrenhaus unter Leitung von Fürst Löwenstein stattfand. Am 9.5. nahm Pünder die regelmäßigen Vorträge wieder auf (S. 38). Am 12.5. wurde mit den Parteien eine Entschließung entworfen. Eine Abordnung aus Oldenburg unter Minister Driever klagte über die mißliche Lage der Industrie an der Nahe und in Idar-Oberstein; sie wurde an Schmid verwiesen. In der Ministerbesprechung einigte man sich auf die Entschließung, von der Hergt noch nicht die Annahme in seiner Fraktion versprechen konnte. In der Parteiführerunterhandlung war Graf Westarp wegen Aufhebung des § 23 unverständlich aufgeregt. Braun hatte im LT das Reich stark angegriffen. Im Vorstand und in der Z-Fraktion Einhelligkeit. Abends sprach Sonnenschein sehr schön, aber etwas unpraktisch in der Universität. Am 13. 5. berichtete Pfafferott aus Paris, man müsse gegen die Polen schärfer vorgehen, um die Franzosen mehr in Bewegung zu bringen. Frühstück von Nobis im Kaiserhof mit Herren und Damen vom Reichsrat (S. 39). Braun wurde die unverantwortliche Rede vorgehalten, wiewohl manches darin zutraf. Der RP sah sofort die Schwierigkeiten der Entschließung und wollte gleich mit Westarp reden: Man sieht aber wieder, wie klug er ist. Im RT Überreichung des Buches von Ebert. Am 14. 5. im RT Vorbereitungen über die Erklärung der RR zu den Maßregeln Schachts gegen Eindämmung der übermäßigen Börsenspekulation. Joos berichtete über einen Prof. Abel und seinen Entwurf zu einem Nationaldenkmal. Das Z-Curatorium tagte wegen der Parteifinanzen; die Gesellschaft zur polit. Bildung' - der Name ist nicht ganz richtig gewählt - wurde besprochen. Mit Keudell wurde über das Konkordat unterhandelt. Am 15. 5. kam Brauns, der danach zu Geßler ging; abends Familie Schwister (S. 40). Aufnahmen beim Photographen Perscheid am 16. 5. Schmid trug über die Kosten des Rheinlandbesatzes vor. Reich brachte Klagen aus Bayern. Im RT redete selbst Landsberg bei der Lesung des Republikschutzgesetzes vorsichtig. Am 17. 5. kamen Francken wegen Herausgabe des Rheinlandbuches, Boden und v. Brandenstein wegen der Fürstenabfindung. In der 3. erfolgreichen Lesung des Republikschutzgesetzes hatte Graf Westarp etwas Pech mit seiner Erklärung. Die Parteien berieten über Himmelsbach. Böhler, Steinmetz und Schroeteler erzählten über Schulfragen (S. 41). Am 18. 5. tagte das Kabinett über Wirtschaftsetat. Die links gerichteten Ztgn. machten ihr Geschäft aus dem zugespitzten Streit mit Preußen. Im Z-Vorstand - ohne Köhler, der mit den Finanzministern beriet - stimmte man Marx wegen der Außenpolitik zu. Aussprache mit der Presse über Preußen, die Hess schon aufgeklärt hatte. In Döberitz vor dem besonders frischen Hindenburg Vorbeimarsch und großes Konzert. Am 19. 5. mit Stresemann über Außenpolitik in weitem Umfang einig. Das Programm für die Reisen nach Bonn u. Köln war ausgearbeitet. Aussprache wegen der Reden von Hörsing u. Wirth. Am 21. 5. Reise mit Brüning an den Rhein; Wirth war auch im Zuge (S. 42); Marx bat ihn um eine befriedigende Antwort auf einen Brief; Wirth aggressiv: er würde jetzt in jeder Verslg. darüber reden, daß die Reg. gestürzt werden müsse. Ich bleibe sehr ruhig und sage ihm, er müsse wissen, was er zu tun habe. Mit Minister Becker weitgehend über das Schulgesetz einig. In <Bonn> waren OB Falk und ein Beigeordneter am Bahnhof. Besuch bei OLG-R. Hoenscheid. Kurz vor dem Hochamt im Bonner Münster am 22. 5. sah Marx Herriot (S.43). Vor der Beethoven-Feier auf dem Münsterplatz überschwengliche Begrüßung durch ihn. In der Beethoven-Halle wundervolle Aufführung unter Abendroth. Am 23. 5. vertrauliche Unterredung mit Herriot, der sich stets als ein durchaus vertrauenswürdiger Mann gezeigt hat! Feier bei der ,Arminia'. Mittags bei Henry. Parteiverslg. und Nachsitzung im Bürgerverein (S. 34). Am 24. nach Köln zur Ausstellung, Essen im Rathaus, Besichtigung des Görreshauses, bei Brand war auch Weihbischof Hammels, Besuch auf Melaten, Abendessen bei Adenauer, danach zurück nach Berlin; im Zug Gespräch mit Pünder und Frank. Marx sagte dem neuen OB von Frankfurt/M. einen Besuch der Internat. Ausstellung f. Musik ab; wahrscheinlich fährt Stresemann. Ausarbeitung der Rede für die Völkerbundliga. Stresemann ließ sich über Herriots Besuch unterrichten und verstärkte in Marx' Niederschrift den Absatz über das Einverständnis mit seiner Politik (S. 45). Nachmittags wurde mit den Presseleuten Grohé, Orth und Hoffmann die Sache mit Wirth besprochen. Anfang Juni mit v. Guérard u. Stegerwald Erörterung der Arbeitsgemeinschaft mit BVP; die Pfälzer hatten Bedenken wegen LT-Wahlbestimmungen. Dasselbe wurde auch im Z-Vorstand gründlich diskutiert; gegen Wirth entschloß man sich zu einer Mißbilligung. Am 4. 6. war Pünder wieder gesund, Offermann erhielt sein Abschiedsschreiben. Allekotte hatte besonders um einen Brief an einen Schulrektor in Mülheim/Ruhr gebeten (S. 46). Wegen des Beschlusses gegen Wirth war die Presse ziemlich ruhig. Reinhold wollte die Auseinandersetzung mit Köhler, der in Schweden war, fortsetzen. Am 5. 6. Aufregung wegen der angekündigten Landung der amerikan. Flieger Chamberlain und Lewin, die aber nur bis Cottbus kamen. Am 6. 6. großes Abendessen bei Fonk (S. 47). Am 8. 6. tagte im Herrenhaus der Verband d. kath. Lehrervereine in Anwesenheit des Nuntius und des Weihbischofs; Rheinländer sprach etwas zu lange, ein Akademielehrer gut, aber gekünstelt. Vor der <amerikan.> Botschaft wurden die beiden Flieger und der Botschafter durch eine große Volksmenge begrüßt; abends saß Marx neben Frau Schurman und Behnke (S. 48). Am 9. 6. trug erstmals der neue Dir. v. Hagenow vor. Frühstück bei Stresemann. Tee bei RP für den niederländ. Gesandten v. Gevers - stets ein zuverlässiger Mann - in Anwesenheit von Stresemann und Schubert. Im Kabinett wurde über Genf und die Wirtschaftskonferenz berichtet. Böhler mußte allein in die Elternverslg. Zum Bierabend - das vorgesehene Essen reichte nicht - kam spät noch v. Keudell. Am 16. 6. bereitete Min.-Dir. Köpke Marx über Genf für den russ. Gast. Tschitscherin vor. Vorträge von Pünder und Stresemann. Pollak wollte wegen der Breslauer Bistums-Güter in der Tschechei einen Brief, der mit Meyer-Rodehüser überlegt wurde. Tschitscherin, der mit dem russ. Botschafter gekommen war, wurde in sehr eindringlicher Weise nahegelegt, daß die häufigen Hinrichtungen doch ein Ärgernis für die ganze Welt darstellten und sich auch für einen Staat wie Rußland nicht paßten. Ich ersuchte ihn dringend, dafür zu sorgen, daß die Hinrichtungen ganz eingestellt würden oder doch wenigstens stark eingeschränkt werden müßten. (S. 49). Ministerbesprechung wegen der Portoerhöhung. Fahrt mit Böhler nach Kemnitzsee. Am 18. 6. wurde im Ministerrat für den Verfassungstag die Sonntagsordnung beschlossen. Dem Beamtenbund wurde hinsichtlich Gehaltsaufbesserung nichts verprochen. Am 19. 6. waren auch Köhler und Brauns in St. Hedwig (S. 50). Am 20. 6. Gen.-Verslg. d. Reichsausschusses f. d. Auslandsdeutschtum mit Breuer aus Hamburg in den neuen Räumlichkeiten an der Königgrätzer Str. Vortrag beim gut gelaunten RP. Im RT bestand Marx bei R<heinländer> auf Abschluß der Beratungen der Schulgesetze. In die Besprechung mit den Auslandsdt. kam der Abg. Schetter. Im Kabinett berichtete Stresemann über Genf. Der Bischof v. Meißen mußte deswegen warten. Vom Essen mit der Z-Fraktion hatte sich Wirth entschuldigen lassen. Am 21. 6. Ministerberatung über das Schulgesetz. Im RT setzte sich Marx bei der Behandlung des Strafgesetzes neben den zuständigen Minister Hergt, der mir besonders dankbar dafür ist, daß ich auf diese Weise meine Übereinstimmung mit seinen Vorträgen zum Ausdruck bringe. Auf dem Bierabend für die Presse stellte niemand polit. Fragen (S. 51). Am 22. 6. wurde im Plenum die Debatte über das Strafgesetz lustlos fortgesetzt. Im Ministerrat wurden die Aufwertung und ein Dank an Stresemann wegen der Erfolge in Genf besprochen, den die DNVP-Minister verweigerten. Als die Sitzung kritisch stand, wurde Bischof Dr. Schreiber gemeldet. Am 23. 6. hielt Marx Schacht die Beschimpfungen des Kabinetts durch Gilbert vor; Schacht vertrat dagegen das Recht der offenen Meinungsäußerung; er war mit einer Parteienkommission wegen der Ausführung des Dawes-Planes einverstanden. Kultusminister Becker eröffnete die schöne Liebermann-Ausstellung (S. 52). Frühstück für die Herren aus Baden. Trunk war mit der Entschuldigung des Parteivorstandes nicht einverstanden und für schärferes Vorgehen <gegen Wirth>. Stresemann sprach im RT recht glücklich; Breitscheid griff DNVP allein an. Beim Festessen in der bad. Gesandtschaft erschienen RP und Nuntius. Zur Parteivorstandssitzung sollte Brauns unbedingt kommen; Marx warf v. Guérard die scharfen Angriffe gegen Minister und Beamte vor; dieser gab die Verärgerung Pünders schließlich zu; weitere Aussprache über die Verfassungsfeier und die ausw. Presse. Im RT erlitt die KPD eine blamable Niederlage mit ihrem Mißtrauensvotum. Prälat Limberg kam wegen der schlimmen Lage der Weber in Mönchen-Gladbach. Der Abend mit Geigenhädig-R. Schwister (S. 53). Am 25. 6. Überlegungen mit Pünder wegen der Verärgerung. Keudell brachte vertraulich Bedenken gegen das Schulgesetz vor. In der Aussprache mit Herren der DVP blieb Runkel aus. Stresemann, der nach Oslo wollte, wünschte Aussetzung der Beratungen bis zur Rückkehr, erklärte sich aber schließlich mit laufender Unterrichtung durch Curtius einverstanden. Am 27. 6. wurde mit Keudell und OB Böß die Feier zum Verfassungstag besprochen. Geldhilfe für die Polizei. Der Parteivorstand verhandelte über die Aufwertung. Im RT namentliche Abstimmung über die Pachtschutzordnung (S. 54). Ende der Berichterstattung über das erste Halbjahr auf Grund eigener Notizen, die folgenden Berichte für 1927 an Hand von Pressestücken. Die Angriffe von Rolf Brandt gegen Bell wegen allzu großen Dranges nach Publizität bei der Unterzeichnung des Versailler Vertrages (S. 55). Bildung des Görresringes zur Staats- u. hochschulpolit. Schulung d. kath. dt. Studenten unter Anteilnahme der Gelehrten Tischleder, Platz, Gescher, Beyerle, Kreutz. Schilderung des Mords an Karl Liebknecht u. Rosa Luxemburg. Berliner Bühnenleiter protestierten gegen das Gesetz zum Schutz der Jugend (S. 56). Die Richtlinien Kard. Schultes über „Kath. Kirche u. Wirtschaft". 5 Jahre Pontifikat Pius XI. P. Franziskus Stratmann über „Revision der Kriegsmoral". Gegenwartsaufgaben der Sparkassen. Geßler und die polit. Probleme der Reichswehr. Tadel für die DNVP wegen Forderung, die Rheinlandräumung vor den Völkerbund zu bringen (S. 57). Hirtenbrief des Bischofs Josef Damian v. Fulda über das Laienapostolat. Rede von Marx über das Verhältnis von Presse u. Staat und über strafrechtl. Schutz berechtigter Presseinteressen. Der Konflikt Englands mit Rußland (S. 58-60). Streng vertrauliche Niederschrift über Schachts Bericht an die RR über währungs- u. finanzpolit. Angelegenheiten. Rede des Bischofs Schreiber auf der Leipziger Messe vor dem Kath. Kaufmänn. Verein über „Stellung d. kath. Kirche zum Wirtschaftsleben". Tagung der Handels- u. Industrie-Beiräte d. dt. Z-Partei. Das Auftreten v. Minister v. Keudell. Kritik am Programm Köhlers besonders hinsichtlich Arbeitslosenversicherung (S. 61). Die Wahl des neuen Bischofs Joh. Bapt. Sproll von Rottenburg und die Gründe ihrer Verzögerung. Warmherzige Würdigung von Dr. Carl Sonnenschein, des einzigen Mannes (S. 62-63 a). Hermann Müllers Kritik am „Ersten Bürgerblockquartal" und gegen Stegerwald; ebenso von Friedr. Hussong mit besonderem Lob des Z (S. 63 a). Die musterhafte Abrechnung Stegerwalds - ein sehr kluger, vorsichtigter und gewandter Abg., der sich auch als preuß. Minister sehr bewährte - in Krefeld mit der SPD. Die Weltwirtschaftskonferenz in Genf (S. 63 b). Die angebliche Verständigungsbereitschaft der DNVP in der Außenpolitik namentlich gegen Polen. Die Verlängerung des Republikschutzgesetzes. Die Krise der Regierungsmehrheit. Das Mißverständnis über Stresemanns Erklärungen zum Konkordat und sein Rückgriff auf Geigenhädig-R. Kahl (S. 64). Hermann Müller prophezeit Stabilisierung des Erwerbslosenelends. Z und Hergt über die neue Koalition (S. 65). Würdigung des pensionierten StS Schulz. Prof. Spahn auf Pfälzer DNVP-Parteitag anerkennend über das Z. In den Behörden waren die wenigsten Personalreferenten Katholiken. Parlamentar. Untersuchungsausschuß über die Verletzung des Völkerrechts im Kriege. Das Beethovenfest in Bonn und die unerwartete Anwesenheit von Herriot: Die polit. Abmachungen, die wir dort getroffen haben, sind getreulich ausgeführt worden (S. 66). Drohung der Verbandsmächte auf Prüfung der Entfestigungsarbeiten an der Ostgrenze durch den Völkerbund. Prinz Rupprecht v. Bayern gegen Unitarismus des Reiches. Opposition gegen den Vorstand der SPD auf dem Parteitag in Kiel; die dortige Behdlg. der Schulfrage durch StS Schulz (S. 67). Tagung der kath. Beamtenvereine in Frankfurt/M. Verhältnis von Z zur SPD, Z in der Regierungskoalition (S. 68). Heß, Joos, Köhler und Prälat Linneborn (besonders Konkordat und Schulfragen) auf dem 3. preuß. Z-Parteitag (S. 69). Urteil gegen ein Mitglied des Jungdt. Ordens wegen Verhöhnung der Farben des Reiches und des Reichsbanners sowie Beschimpfung der RR. Republikschutz. Vermehrung der Prozesse wegen Landesverrat, Hochverrat, Spionage (S. 70). Propaganda von Wirth, die schwächere Stellung der DNVP in der Koalition, ihre Stellung zur Monarchie (besonders Graf Westarp). Gestiegene Bedeutung Dtschlds. durch Völkerbundsbeitritt, Besatzungslösung und Abrüstung (S. 71). Heiligmäßiger Charakter der Gräfin Tattenbach. Die Rechtstendenz der Wahlen von 1918-1926. Das nahe Verhältnis von Z und SPD (S. 72). Streit zwischen v. Papen und Spiecker bei der Gen.-Verslg. d. AG. ,Germania'. Regierungskoalition und Wirths „Der Feind steht rechts". Verlängerung des Republikschutzgesetzes. Kritik von Parker Gilbert am Finanzausgleich und gegen Tendenz auf Revision des Dawes-Planes. Todesstrafe. Pressechef beim Völkerbund. Nationalfeiertag (S. 73). Curtius auf dem Industrie- und Handelstag in Hamburg. Reichsfinanzen. Kritik an Marx und Brauns. Z und Koalition. Nationalfeiertag. Arbeitszeit in der Eisenindustrie (S. 74). Über Notlage der Dt. in Südtirol angeblich ein Einvernehmen der RR mit Seeckt. Streit zwischen Preußen und Reich. Allzu schroffe Betonung polit. Anschauungen durch Verbände (S. 75). Verfassungsfeier der RR, der preuß. Staatsregierung u. d. Stadt Berlin im Hause der Funkindustrie mit OB Böß und Rede von Kultusminister Becker; in Köln hielten St.-R. Hamacher u. Amtsger.-Dir. Stein die Festreden. Wenig Verständnis für die Besatzungsnot des Westens im übrigen Dtschld.; Verminderung der engl. Besatzungstruppen. Verslg. des Reichsverbandes der Rheinländer in Magdeburg (S. 76). OReg.-R. Klöcker: „Volksstaat u. Volksparlament". Wirth gegen das Schulgesetz. Teipels Kritik an der Rechtskoalition unter dem Einfluß von Wirth und die Antikritik von Brauns, der der SPD die Schuld wegen der Heeresvorlage gab (S. 77). Der Parteitag der DNVP in Königsberg vom 20.-22. 9.: in der Presse der DVP starke Kritik der außenpolit. Haltung, äußerlich kein Zwiespalt zu bemerken, Westarp für die Verbindung mit Z, aber Betonung des monarch. Gedankens und der Flaggenfrage, Prof. Spahn für Volkstumspflege, christl. Schule und Ausschaltung der SPD (S. 78-81). Abg. Heß: „Der Schulskandal von Osterode" (S. 81 f). Der Generalagent für die Reparationszahlungen Parker Gilbert betätigte sich im großen und ganzen sehr loyal; schließlich bildete sich ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen den beteiligten Stellen auf beiden Seiten heraus. Neuwahl von Ratsmitgliedern des Völkerbundsrats u. a. für Belgien. Enttäuschung des Rheinlandes über Genf mit Tadel der Genfer Rede Stresemanns. Die Veröffentlichungen von StS Schulz über Schulfragen. Katholikentag in Dortmund (S. 83). Reise nach Königsberg und Tannenberg mit Besuchen bei OB Lohmeyer, Ldes.-Finanzamts-Präs. Tiesler und Bischof Bludau (S. 84). Nachruf auf Botschafter Ago v. Maltzan, der bei einem Flugzeugunglück umkam (23. 9. 27). Antrag der SPD auf Streichung der Beihilfe für die Ursulinenschule in Saarbrücken. Werbebriefe der Vereinigung ev. Akademiker der Rheinprovinz gegen das Konkordat (S. 85). Köhler beim Windthorstbund in Karlsruhe. Jaretzki über ein Gespräch des Malers Liebermann mit Hindenburg. Gerhart Hauptmann über W. Rathenau. Der Hitlerputsch vor d. bayer. Untersuchungsausschuß. Vor der Reise nach Wien Gerüchte über den Anschluß Österreichs, was damals gar nicht das Ziel der dt. Regierung war; diese war überzeugt, daß die Frage noch ruhen müsse, bis sich mancherlei Verhältnisse geändert haben würden (S. 86); mit Entschiedenheit wurde dann das Gerücht zurückgewiesen, als wolle Dtschld. den Anschluß überhaupt nicht. Es werde aber auch die dt. Regierung niemals sich zum Verzicht auf den Anschluß überhaupt bereit erklären. Guter Verlauf der Reise. Gute Aufnahme der Rede von Marx vor dem bayer. LT. Schacht über das Memorandum des Reparationsagenten Gilbert. Einmütigkeit des Z - auch gegen die Beschwerden Stegerwalds - wegen der Erhöhung der Beamtengehälter (S. 87). Minderheitsschulen in Oberschlesien. Danziger Rechte auf den Hafen und die Westernplatte. Beratungen Gilberts mit Coolidge, Präs. der USA. Art. von Lord Fallodon (S. 88). Fortsetzung des eigenen Erinnerungsberichts: Am 8. 10. ruhige Kabinettssitzimg über die Besatzung im Westen. Für den Posten in Amerika wurden Reinhold und Hermes genannt, für den Marx eintritt, gegen den aber Bedenken wegen der Affäre mit Wein erhoben werden u. a. von Curtius. Am 9. 10. kam P. Anstoß zu Mittag. Am 10. 10. großer Empfang in Koblenz durch den Reichskommissar f. d. besetzte Gebiet, den OP und den OB Russell. Besuch beim Rheinkommissariat und der Rheinlandkommission. Feierl. Sitzung der Stadtverordneten im Rathaus. Besichtigung von Siedlungshäusern (S. 89). Mittagessen beim OP. Pressebesprechung. Abendessen beim Reichskommissar. Am 11. 10. Frühstück bei Collatz. Bei Rheinstein Empfang durch den Klub von Mainz. Fahrt über die Hindenburg-Brücke. Besuch auf Gut Langwerths von Simmern. Vorbeifahrt der Autos des Klubs vor dem Hotel ,Hof v. Holland' in Mainz. Empfang im Schloß, der vom Prov.-Dir. Usinger geleitet wurde; anwesend auch der Bischof u. der Oberkirchenrat: Hessen verstehen, Feste zu feiern! (S. 90). In Speyer am 12. 10. Begrüßung durch Min.-Präs. Held und Minister Schmelzle. Eindrucksvolle Besichtung des Domes und der Kaisergräber; das Museum eines der schönsten. Frühstück bei Präs. Mathéus. Besprechung mit etwa 200 Menschen: Man merkt, daß die Pfalz von sehr klugen Leuten bewohnt ist! Abendessen mit Held. Von Mannheim Rückfahrt nach Berlin; dort waren die vortragenden Räte Pünder und Zechlin angetreten (S. 91). Neuer Absatz, überschrieben „Juni 1927". Am 3. 6. in der Presse immer noch Wirth: Das ist ihm die Hauptsache! Besprechung der Arbeitsgemeinschaft mit BVP in Anwesenheit der Pfälzer, die Bedenken wegen der Bestimmungen über die LT-Wahlen haben. Weiterbehdlg. im Z-Vorstand, dessen Meinung über Wirth geteilt war, der dann sich auf Mißbilligung einigte. Besuch einer Wohlfahrtsveranstaltung. Am 4. 6. war Pünder wieder gesund. Geigenhädig- R. Offermann erhielt ein sehr gutes Abgangszeugnis (S. 92). Brief an einen Schulrektor in <Mülheim/Ruhr> auf Bitte von Allekotte. Die Presse war über den Beschluß des Parteivorstandes gegen Wirth ruhig. Reinhold wollte Fortsetzung der Auseinandersetzung mit Köhler, der in Schweden war. Aufregung wegen angeblicher Ankunft amerikan. Flieger in Tempelhof (S. 93). Am 8. 6. im Herrenhaus feierl. Sitzung des kath. Lehrerverbandes mit Nuntius, Weihbischof und Kultusminister Becker. In der amerikan. Botschaft Tee zu Ehren der Flieger, wo auch Dorpmüller und Feierabend erschienen (S. 94). Beim Abendessen des amerikan. Botschafters saß Marx neben Frau Schurman und Behnke. Am 9. 6. erster Vortrag - besser als vorgestellt - des neuen Min.-Dir. v. Hagenow. Stresemann bot beim Frühstück Zigaretten mit dem eigenen und dem Namen von Marx an. Abschiedstee des RP für den holländ. Gesandten van Gevers, ein sehr lieber, überaus freundlicher Herr, nur mit Stresemann und Schubert. Im Kabinett Beratungen über Genf und Wirtschaftskonferenz. Böhler mußte Marx auf einer Elternverslg. vertreten. Bierabend in der Kanzlei (S. 96). Am 16. 6. berichteten Köpke, Pünder und v. Stockhausen im Hinblick auf den Besuch von Tschitscherin, der mit dem russ. Botschafter ¿ Stunde blieb: Ich betone in ganz besonderer Schärfe, daß die ungeheure Zahl von Hinrichtungen in Rußland doch ein starkes Ärgernis bereiteten und daß der Staat Rußland um seinen eigenen Ruf in der Welt besorgt sein müsse, wenn hier keine Mäßigung eintrete. Wenn Rußland ein Kulturland sein wolle, dann dürfe so nicht weiter verfahren werden. Das Anliegen von Pollak wegen der Breslauer Bistums-Güter in der Tschechei wurde Meyer-Rodehüser übertragen. Ministerrat wegen Portoerhöhung. Ausflug mit Brauns nach Kemnitz-See (S 96). Die Genfer Abreise Briands nicht sehr erfreulich. Im Ministerrat am 18. 6. wurde für den Verfassungstag Sonntagsordnung beschlossen. Den Vertretern des Beamtenbundes wurden wegen der Gehaltserhöhung keine Zusagen gemacht, obwohl sie für Okt. bereits beschlossen war. Am 19. 6. nach dem Hochamt in St. Hedwig Rückkehr mit Brauns und Köhler. Zur Tagung des Reichsausschusses f. d. Auslandsdeutschtum am 20. 6. war ein Herr Breuer aus Hamburg gekommen. Besprechung mit RP. Im RT Verhdlg. mit Rheinländer wegen der Schulfrage, dann mit den Auslandsdeutschen unter Beteiligung Schetters (S. 97). Im Kabinett berichtete Stresemann über Genf und kann von den DNVP-Ministern weder Dank noch Billigung erhalten. Der Bischof Schreiber von Meißen war trotz des langen Wartens sehr freundlich und mitteilsam. Zum Abendessen Herren der Fraktion; Wirth hatte kurzfristig abgesagt. Am 21. 6. im Kabinett Schulfragen, im RT Strafgesetzbuch; Marx setzte sich neben Hergt, um so meine Zustimmung zu seinem Vorgehen zu bekunden. Abends Bierabend <mit der Presse>, die überraschenderweise keine polit. Fragen stellte. Am 22. 6. im Ministerrat Aufwertung, im RT Strafgesetzbuch ohne die nötige Aufmerksamkeit (S. 98). Am 23. 6. beklagte sich Schacht über den mitgekommenen Gilbert, der meinte, Beschimpfungen des Kabinetts müsse man gewohnt sein! Marx schlug Kommission wegen Ausführung des Dawes-Planes vor. Kultusminister Becker sprach zur Eröffnung der Liebermann-Ausstellung. Frühstück für Herren aus Baden; Trunk wünschte schärferes Vorgehen des Parteivorstandes gegen Wirth. Im RT sprach Stresemann sehr geschickt und hat auch den Erfolg, daß Breitscheid nur die Nationalen angreift! Abendessen in der bad. Gesandtschaft, wozu auch RP und Nuntius erschienen (S. 99). Am 24. 6. sprach sich Brauns in der Vorstandssitzung der Z-Fraktion wie Marx aus: v. Guérard hat die Minister und die Parteien alle verärgert. Er stritt das ab und gab schließlich doch den scharfen Angriff auf Pünder zu. Verfassungsfeiern. KPD stimmte im RT allein für ihr Mißtrauensvotum. Abends kam Schwister. Am 25. 6. kamen Pünder, dann v. Keudell wegen der Schulfrage. Dieser blieb wegen des Ausbleibens von Runkel unbefriedigt. Stresemann wollte alles bis nach seiner Rückkehr von Oslo vertagt wissen (S. 100). Am 27. 6. Besprechung mit OB Böß und v. Keudell wegen der Verfassungsfeier, die eine Unterkommission beraten sollte. Schmid kam wegen Beihilfe an die Pfalz für Holzlieferungen. Die Kabinettssitzung wurde wegen namentlicher Abstimmung im RT über die Pachtschutzordnung verlassen. Am 28. 6. glaubte P. Schulte auf die Befürwortung von Marx von der Fa. Siemens einen Flugzeugmotor geschenkt zu bekommen. Prof. Vogel hatte das bekannte Bild Hindenburgs für den Kabinettssaal gemalt. Interfraktionelle Besprechung wegen der Sperrgesetze (S. 101); Schulte (Z) zeigte sich darin eigensinnig. Am 3. 7. sprach Marx 1 Stunde im Parteivorstand gegen Wirth sehr scharf und präzis; dieser ebenfalls eine Stunde; nachmittags sprach er abermals, aber schwächer; er schadete seiner Sache, indem er bei Essers Rede mehrfach hinausging; Marx machte in der Schlußrede darauf und auf alte Gegensätze mit mehreren Fraktionsmitgliedern aufmerksam. Am 4. 7. wurde dem Postminister eine Besprechung der neuen Vorlagen mit den Reg.-Parteien als zweckmäßig und erfolgversprechend gutgeheißen. In der Beratung mit den preuß. Ministern brachte Höpker-Aschoff - recht klar und überzeugend - viel neues Material über Standesherren; neue Kabinettsberatung darüber in Aussicht gestellt. In der Besprechung mit den Reg.-Parteien sollte die Frage des Verfassungstages mit der Feiertagsordnung allgemein verknüpft werden. Über das Schulgesetz kam man im Kabinett ziemlich weit voran (S. 102). Am 5. 7. tagte der Fraktionsvorstand über Stellenbesetzungen; wegen solcher für Genf sollte Stresemann das Mißfallen der Fraktion ausgesprochen werden, weil alle Versuche bis jetzt erfolglos geblieben sind. Mit dem Schulgesetz gelangte man ziemlich bis zum Schluß. Im interfraktionellen Ausschuß waren die Zollfragen völlig durcheinander geraten; das Z fügte sich nicht in den Zoll auf Schweinefleisch; als Marx daran festhielt, verlegte man weitere Verhdlgn. außerhalb des Ausschusses. Mit Schreiber und Rheinländer wurden Änderungen des Schulgesetzes behandelt. Brauns kam am 10. 7. mit Ansichten von Lindenberg und der Schweiz sowie Reisevorschlägen (S. 103). Am 9. 7. beklagte sich Marx in Vorstand und Fraktion über einen Art. der ,Germania'. Der Ältestenrat des RT beriet über den Beginn der neuen Session. Im Plenum Lärm über den Antrag auf Hilfe für die Verunglückten in Sachsen. Am 13. 7. trugen Mayer vom Rheinministerium und Schmid die beim Verband der Rheinländer vorgekommenen Dinge vor. Köhler und Stresemann berichteten die schlimme Sache Lohmann; Schmid sollte dafür Untersuchungskommissar werden (S. 104). Reuter verabschiedete sich nach Dublin. Im Kabinett einigte man sich auf Vorlage des Schulgesetzes in der Fassung des Ministerrats; wegen der bad. Simultanschule machte die DVP Vorbehalte. Bowlenabend bei Stresemann mit den Ministern und Offizieren des Wehrministeriums. Am 14. 7. besprach der Ministerrat die Handelsverträge mit Jugoslawien und Frkr. Luthers Ansichten über die Rheinlande (worüber Einigkeit nach Ausräumung vorheriger Mißverständnisse zustande kam) und die Arbeitszeitverkürzung in den Walzwerken (deren Nichtannahme Brauns zur Amtsniederlegung veranlaßt hätte). Für die Ferienreise sorgte Schätzel (S. 105). Abends Gesellschaft bei v. Keudell mit Brauns und Frl. v. Rotenhan, die das Reichsschulgesetz mit der Maschine geschrieben hatte; die Alte Exzellenz <v. Winterfeld> in der Tracht des Roten Kreuzes. ,Stahlhelm' wollte nicht an den Verfassungsfeiern teilnehmen, v. Hagenow verhandelte und erstattete dem RP Bericht. Keudell kam mit Änderungen in der Begründung des Schulgesetzes. Rektor Böhler von der SchO trug Schulfragen vor. Pressekonferenz. Für die nicht erschienene ,Germania' kam v. Papen und sagte, daß er mit Brauns wegen der Auseinandersetzungen unterhandelte. Marx teilte dem Nuntius Einzelheiten aus dem Schulgesetz mit; dieser fürchtete, daß einzelne Bestimmungen nicht zu dem bayer. Konkordat paßten. Vortrag über das Schulgesetz im Ursulinenkloster. Hochzeit von Stegerwald in Wannsee (S. 106). An der Sitzung des Komitees der SchO am 17. 7. nahm Bischof Berning teil. Schubert hatte am 18. 7. Kopfschmerzen über die Frage Belgien und Frkr. Pünder ließ Verschiedenes beurteilen. Böhler wollte für die SchO 20 000 RM: Das wird wohl nicht so leicht sein. Für Kommissar Schmid wurde Vollmacht ausgestellt. Abends Abfahrt nach München, Garmisch und Grainau, wo Marx vom Bahndirektor Heimpel aufgenommen wurde (S. 107). Das Gesuch von Schlesinger wurde am 22.7. Herold zugesandt. Am 23.7. sprach ein Brief von Vockel von Austritt aus dem Reichsbanner; da die Reg. eine Erklärung gegen Hörsing veröffentlicht hatte, trat Marx sofort aus (S. 109). Am 26. 7. Besuche in Ettal und Linderhof (S. 111). Am 28. 7. in Rottenbuch und Hohenschwangau; Seefeld gefiel Frau Marx nicht gut (S. 112). Auf der Rüdereise stieg in Rottenbuch unerwartet Brauns zu, dem am 31.7. bei Lindau mit Stegerwald Besuch gemacht wurde (S. 113). Am 4.8. besuchte Brauns in Lindenberg Marx; getroffen wurde auch Frau Geßler (S. 115). Am 5. 8. war Brauns krank; ihm hatte Brüning aus Berlin von einer Krise geschrieben, Marx hielt die Sache für Schwindel (S. 116). Referendar Bauer von Salzburg kam am 7. 8. mit Frau Geßler, man ging zusammen zu Brauns. Am 8. 8. traf Marx in Lindau v. Mödling. In Berlin berichteten am 13. 8. v. Guérard über seine Reise nach Schlesien und Brugger über eine Verslg. in Dortmund (S. 117). Vertreter der 3 Hansestädte überreichten eine Erklärung über die Liquidationsgesetzgebung. Die Sache v. Kudler war nach Ansicht Pünders gut verlaufen. Mit Vockel wurde die Vorstandssitzung vorbereitet. Zum Tee kamen amerikan. Journalisten. Am 14. 8. über Augsburg und Lindau, am 15. über Bregenz und Sarganz nach Seelisberg. Mit Brauns nach Flüelen (S. 118 f.). Unterredung mit Brauns und Schroeteler im Kloster (?), wo Kard. van Rossum ankam (S. 122). In Einsiedeln traf man am 25. 8. RA Custodis und Domorganist Bachem aus Köln. Am 26.8. kam P. Schroeteler (S. 123 ff.). Am 9. 9. beklagte sich Pünder, daß über die Unterzeichnung der Klausel man sich noch nicht geeinigt hatte. Herren vom Rheinministerium brachten Gehaltsfragen vor. Besuch des Schokolade-Fabrikanten Heide aus Amerika mit dem Generalkonsul <Girten?>. Im Kabinett ließ der RP seine Bedenken vortragen; schließlich Übereinkunft, daß Stresemann eine zustimmende Erklärung vortragen soll. Besuche vom bayer. Finanzminister, von Prof. Gatz und Graf Montgelas. Nach langem Vortrag war der RP einverstanden: So habe ich die Herren vom Außenministerium nicht nötig. Am 10. 9. Ministerrat über die Besoldungsfrage. Am 11. 9. war 75. Jubelfest des Gesellenvereins Berlin mit dem Nuntius. Brauns lange zu Besuch (S. 126). Graf Montgelas erzählte am 12. 9. von seinen Reisen. Köhler bekam in Magdeburg für Rede über die Besoldungsfrage großen Beifall. Vockel brachte einen sehr guten Aufsatz von Joos. Am 13. 9. berichtete Botschafter v. Maltzan über Amerika-Reise. Reiner von der ,Voss. Ztg'. erschien. Im Kabinett erfuhr Schätzel Ablehnung seiner Vorschläge: Es soll einstweilen von jeder Änderung des Postfinanzgesetzes abgesehen werden. Man einigte sich, dem RT den 17. 10. zur Einberufung vorzuschlagen. Min.-Präs. Braun wollte nach Genesung seiner Frau nach Ostpreußen, wohin auch Marx am 17. 9. zu reisen sich entschloß. Darüber wurde Löbe benachrichtigt, v. Guérard war abwesend. In den Ältestenrat ging v. Hagen: dort beantragte v. Guérard Vertagung bis nach der Vorstandssitzung. Dort wurde lange, aber friedlich über die Schulfrage und die Besoldung gesprochen. Abends berichtete Pünder den Verzicht Stresemanns, die Besoldungsvorlage weiter mit beraten zu wollen. Von Räumung wird erst die Rede sein können, wenn die Wahlen in Frkr. vorüber sind (S. 127). Am 15. 9. wurde im Kabinett zunächst über die Reichswehr gesprochen; die Rechte will für jede Klasse die Pensionen besonders festgesetzt haben, während Köhler differenzieren und klassifizieren will. An einer Besprechung darüber im RT hatten Brauns und Köhler teilgenommen. Über die Personenfragen wurden seitens der Parteien Graf Westarp, Kempkes und Leicht gehört; Preußen war immer vertreten; Einigung in Aussicht. Am 25. 9. im Schloß im Beisein Löbes und des österr. Gesandten Eröffnung der österr. Ausstellung (S. 128). Am 27. 9. kamen Nuntius Pacelli, 10 Parlamentarier eines fremden Staates, Langwerth v. Simmern und ein Studienrat, der sich über die Besoldung beschwerte. Pünder zeigte eine Probe des prächtigen Geschirrs, das dem RP von der RR geschenkt werden sollte. Pünder erregte sich über einen Bericht von der Beerdigung v. Maltzans, wo der RP einen schönen Kranz hatte niederlegen lassen. Präs. Führ, dem Verteidiger bei den Kriegsgerichten der Pfalz, wurde gedankt. Der türkische Eisenbahnminister mit dem Botschafter und der Gesandte Rombach aus Oslo sprachen vor (S. 129). Abends kam der Nuntius mit dem Botschaftsrat und P. Germann, dem steten Begleiter (S. 130) ; dazu kamen Pünder und Mayer; aus der Adresse für den RP wollte der Nuntius einen Bericht, der keinen Anstoß im Ausland verursacht. Am 1. 10. überreichte Marx Hindenburg zum Geburtstag die Urkunde über die Stiftung von 6 Mill. und das große Tafelservice von der Porzellan-Manufaktur. Die eingeladenen preuß. Minister hatten Bedenken wegen Schwierigkeiten aus partikulärer Engherzigkeit; sie zogen sich deswegen zurück; der zu spät gekommene Hirtsiefer aber hatte keine Skrupel. Marx sprach bei dieser Gelegenheit über die Heidelberger Verslg., damit nicht Irrtümer über Wirth entstehen (S. 131). Am 2. 10. fanden die beiden Gratulationsreden sogar den Beifall von Minister Brauns, der ja sonst mit Kritik und Tadel nicht zurückhält. Triumphfahrt mit dem RP zum Stadion. Am 4. 10. beriet das Kabinett über die Besoldung und die Lohn- und Preispolitik; Dorpmüller sprach über die Lage der Eisenbahnverwaltung; Besuch von Mertes und Schmidt. Am 8. 10. im Kabinett namentlich Besatzungsfragen (S. 132) und der Botschafterposten für Amerika; Reinhold und Hermes wurden genannt; gegen diesen wurde die Weinaffäre vorgebracht; Marx hob indes seine amerikan. Kenntnisse hervor; Curtius war gegen ihn; Brauns sprach sich nicht aus. Im RT Vorstandssitzung. Am 10. 10. Ankunft in Koblenz, am 11. 10. Besuch in Mainz, am 12. 10. in Speyer (S. 133-135). Am 17. 10. im RT Sitzung des Reichsverbandes; Brugger erregte sich über bittere Bemerkungen eines Vorstandsmitgliedes. Die Fraktion beriet das Schulgesetz: Es ist eine Mißstimmung gegen Schreiber zu bemerken. Er übertreibt vieles und will seinen Einfluß, den er nun einmal doch hat, rücksichtslos ausüben. Im Fraktionsvorstand nahm Marx zur Sache Tresckow Stellung: Man ist doch nicht so sehr darüber beunruhigt. Für Marx' Auffassung zur Kriegsschuldlüge interessierte sich v. Mathis <? vielleicht: Martius>: Ich höre zu meinem Erstaunen, daß auch Stresemann meine Auffassung teilt. Am 18. 10. redete Löbe sehr gut bei der Enthüllung der Büsten von Ebert und Hindenburg. Köhler beschwerte sich, daß Marx ihn in der Fraktionssitzung allein gelassen hatte. Im RT ging es lange über die Geschäftsordnung (S. 136): Die Linke will das Schulgesetz nicht herankommen lassen. Im Ministerrat am 19. 10. blieb man für die Botschaft in USA zunächst bei v. Schubert stehen; StS sollte Ga<u?>s werden: Beide werden nicht recht wollen. Köhler brachte sehr schwer wirkende Bedenken gegen Reinhold vor: Es wird wohl ganz davon abgesehen werden müssen. In der Fraktion hatte Köhler gesagt, er stelle lieber sein Amt zur Verfügung, als daß so gegen ihn gekämpft würde; man einigte sich ruhig auf eine Erklärung der Reg.-Parteien. Hergt und v. Keudell kamen wegen der preuß. Einigung. Im abendl. Bruckner-Konzert waren v. Keudell und Pünder. Am 20. 10. Besprechung mit Braun wegen Ostpreußen und über das Verhältnis zur Reichsbahn; mit der Sache v. Keudell war Braun nicht einverstanden (S. 137): beide unterhielten sich anschließend. Am 21. 10. lief im Ältestenrat alles programmgemäß. Brauns hoffte auf einen verbindlichen Schiedsspruch wegen des Streiks. Eine Dame wollte Beschäftigung beim Reichsarchiv. Köhler führte mit sehr gut ausgefallener Rede die Besoldungsvorlage in den RT ein. Im Kabinett wurde die Verwaltungsreform eingeleitet: Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf. Abends wurde die Schiedsspruchverordnung zustande gebracht (S. 138). Am 25. 10. war unter Leitung Köhlers Beratung der Parteiführer über Gilberts Denkschrift; Graf Westarp stritt „Fronvogt" seines Blattes ab. In der Pressebesprechung kam heraus, daß in den Reg.-Blättern mehr über Gilbert geschimpft worden war als in denen der Opposition. Mit dem Landbund wurde über die Kreditnot der Landwirtschaft ausgiebig gesprochen. Im Kabinett war die Rede Köhlers vor dem Haushaltsausschuß vorzubesprechen; Marx redete v. Keudell gütlich zu, im Reidisrat zu sprechen, um Presseangriffe zu vermeiden. Am 26. 10. erzählte Zweigert, daß die Versuche, in der Sache Keudell zu einer Einigung zu kommen, geglückt sind. Das ist doch ungemein viel wert! Im Ausschuß ging dann alles gut. Stresemann berichtete von seinen weiteren Versuchen für den Botschafterposten in USA, die er auch dem RP und dem Kabinett vortrug. Darüber setzten sich auch Curtius und der gerufene Schacht im Hinblick auf ihre Ladung vor den großen Ausschuß auseinander. Über das Schulgesetz sprach v. Keudell vor (S. 139). Am 29. 10. Vorstandssitzung der SchO mit Pfarrer Driessen, Frl. Stoffels u. Frau Driessen; Lauscher referierte über Schulgesetz; Herold, der als BM gut arbeitete, mußte alle dessen schöne Bosheiten über sich ergehen lassen! Räderscheidt trug noch erstklassig über die Akademie vor, Göhsing aus Koblenz sprach sehr schön und geistreich über das höhere Schulwesen. Am 30. 10. mit Gördes nach Essen, wo nach Marx' Rede in eingehender und lebhafter Aussprache die Bergleute über die Löhne schimpften und Zusammenstöße mit jungen Leuten vorkamen: Es ist aber für alle sehr erfrischend, sich einmal gründlich aussprechen zu können (S. 140). Bracht holte zum Kaffee ab. Die Rede in der Stadthalle wurde ruhig angehört, freilich in der Presse und im Ausland noch lange diskutiert: Namentlich meine Ausführungen über die Schuldfrage hatten eingeschlagen. Essen bei Böhler. Am 31. 10. Konferenz beim Vv in M.-Gladbach u.a. mit Frl. Peerenboom; Besuch bei OB Gielen. In Düsseldorf war Elternverslg. in der Tonhalle, wo Rheinländer zu akademisch redete. Am 6. 11. wieder in Berlin (S. 141). Köhler und Brauns berichteten, daß Wirth sich mit Schofer ausgesöhnt hatte: Wie lange wird das wohl dauern? Am 7. 11. erschien Hertel vom Verwaltungsrat <der Reichsbahn>; er konnte nicht niederlegen, weil er von Bayern ernannt war. Buck kam, dann Brugger, der sich - wie P. Willehad - mit Abt Vogel wegen des RKA in Verbindung setzen sollte. Dieser hatte am 8. 11. immer noch Argwohn wegen des erhaltenen anonymen Briefes; Marx beruhigte ihn. Held und Stötzel wünschten Beihilfen vor allem für die ,Pfälzer Ztg.' in Kaiserslautern. Ott berichtete aus dem Verwaltungsrat. Schöne Feier im Herrenhaus. Die Herren der <Superioren-> Konferenz hatten Austritt aus dem Reichsverband beschlossen (S. 142). Im RT Sitzung des Reichsverbandes; Abt Vogel erzählte von ziemlicher Erregung in ihren Kreisen; P. Thomas und Peters waren anwesend; Marx versuchte, möglichste Ruhe zu halten. Brugger wie immer viel zu scharf. Beim RP wurde über die Ernennung von Botschaftern gesprochen, worüber v. Keudell eine - bereits zurückgezogene - Eingabe gemacht hatte; Hindenburg ließ sich noch über das Verhältnis von Reich und Ländern aus: Man muß wirklich das Gedächtnis des Präsidenten bewundern. Darüber wurde auch im Kabinett verhandelt, ferner über Operations-Kommissar und neue Stellen. Im RT Frühstück mit Gerth u. Frl. v. Hertling. Der finnische Gesandte Holmar und Frau - recht schöne, prächtige Leute - verabschiedeten sich. Mit Stresemann und Köhler Verhdlgn. über die bayer. Frage und die Ztg. in Kaiserslautern. Am 19. 11. Bericht an Kard. Schulte über den Reichsverband. Brauns und Hergt eröffneten in Leipzig das Reichsarbeitsgericht (S. 143). Ein Bischof aus Rumänien bat für die Not der Deutschen in Jassy um Geld. Mit Wirmer einer Auffassung über den Reichsverband: es könnte eine Auflösung am besten wirken. Am 20. 11. lange Beratungen mit Brauns und Köhler. Am 21. 11. verhandelten im RT Wittemann, Horster, Klöckner und Spiecker: Es wird viel leeres Stroh gedroschen! Dasselbe in einer Sitzung über Unterstützung der Kleinrentner; Hergt erhob immer wieder Bedenken, die eine Einigung verhinderten (S. 144). Bei einer Zusammenkunft der Rheinländer hielten Schwendler, Herkenrath und Frl. v. Vopelius Ansprachen. Am 26. 11. erschien in Begleitung des Gesandten der Japan. Großindustrielle Kuhara. Prälat Blaskovicz schenkte ein Buch über die Verhältnisse im Banat. Im Konzert von Gatz war auch der Direktor der Handelshochschule, der Gatz eine Dozentenstelle vermitteln wollte. Am 27. 11. kam Prälat Klinke aus Posen, mit dem sich eine gute Unterhaltung führen läßt u. a. über den Reichsverband. Studenten der ,Burgundia' erhielten 50 RM (S. 145). Am 28. 11. erzählte Frau Naumann, daß ihr Mann kurz vor dem Tode katholisch geworden wäre; sie wollte beim Ausw. Amt um eine Rente bitten. Im Fraktionsvorstand war die Erregung gegen die Pensionen künstlich gemacht. Am 1. 12. meldete sich Hermes voll Zuversicht für Moskau ab. Im Kabinett beantragte Brauns über die Besoldung Besprechung im engeren Kreis - offenbar auf eine Besuchsbitte Stegerwalds, der die Auszahlung von nur 75% vorschlug; deswegen langes Gerede und nur Erledigung der Min.-Dirigenten und höheren Beamten; beschlossen werden konnte wegen Abwesenheit der DVP nichts; die DNVP war mit dem Brief von Braun nicht einverstanden. In der Parteienbesprechung über die Besoldung fehlte zunächst Köhler; dann mußte Marx zum RP, wo er neben der interessanten Gesandtin von Lettland saß und sich ziemlich lange mit dem ungar. Gesandten unterhielt (S. 146). Am 3. 12. sollte gemeinsame Ministerberatung mit Preußen sein; weil aber das Preußenkabinett zunächst allein tagen wollte, wurden die Reichsminister später bestellt und besprachen dann Änderungen am Brief von Keudell; Höpker-Aschoff erschien schließlich: die preuß. Minister wollten erst nach einer Verlautbarung des Reichskabinetts Stellung nehmen. Die Aussprache mit Braun war sehr interessant: der Vorschlag mit den 75% sei doch ganz unmöglich, niemand würde befriedigt werden! Im LT ginge die Sache ruhig durch, nur im RT gäbe es Schwierigkeiten. In der Fraktionsvorstandssitzung wollte Joos die Pensionsbestimmungen ganz aus dem Gesetz herausnehmen. Das wurde im Kabinett besonders vom Postminister abgelehnt. Bei Hergt erzählte Admiral Heye Amerika-Erlebnisse. Am 4. 12. kam bei der Parteienbesprechung endlich heraus, daß man 130 Mill. für Arbeiter haben will; Köhler lehnte rundweg ab (S. 147). Mit ihm ging Marx zu v. Guérard und Leicht und protestierte gegen eine Ministerbesprechung ohne ihre Beteiligung. Dammer erzählte sehr interessant von Bremen. Am 11. 12. im LT Zusammenkunft mit der Presse, die Marx' Ausführungen über die Grundsätze der Partei gründlich mißverstand: Man will nicht wissen, daß wir eine Verfassungspartei sind! Am 14. 12. im RT 6 namentliche Abstimmungen; die Begrenzung der Beamten-Pensionen auf höchstens 12 000 RM - selbst Brauns war dafür - wurde abgelehnt (S. 148). In der folgenden Fraktionssitzung wurde sehr radikal für die Begrenzung geredet: Ich mache auf das Falsche der ganzen Einstellung aufmerksam. Am Abend bei Steiger saß Marx neben Frau Becker. Am 15. 12. berichtete Stresemann über Genf. Er ist sehr ungehalten, daß v. Guérard ihm gesagt habe, er würde nicht mehr Außenminister, wenn das Schutzgesetz nicht fertig würde. Das Kabinett tagte im RT wegen namentlicher Abstimmungen u. a. über das Versorgungsgesetz. Frau Marx war auf der engl. Botschaft und bei Frau Itschert. Am 15. 2. schickte Marx das Schreiben des Lehrerverbandes mit der Beschwerde über Stegerwald und dem Wunsch einer öffentl. Erklärung des Parteivorstandes diesem und v. Guérard zu (S. 149). Mayer I berichtete aus dem besetzten Gebiet. Im RT tagte der Parteiausschuß über die Renten der Standesherren ohne rechte Einigung. Braun schien in seiner LT-Rede in einigen Punkten recht grob gewesen zu sein. Beim Abendessen des RP für die Minister und den Reichsrat saß Marx zwischen Frau v. Hindenburg und Frau Curtius; Nachricht, daß Gilberts Bericht ziemlich günstig laute. Am 23. 12. kamen Lemmen, Stegerwald und Itschert vom Partei-Kuratorium; Lemmen brachte seine Wünsche für seine Aufstellung zur RT-Wahl sowohl in einem Kreise als auch auf der Reichsliste vor. Weismann bekam Marx' Standpunkt wegen der unglaublichen Rede von Braun zu hören. Schmid wünschte Schritte beim Finanzminister für 4000 RM Aufwandsentschädigung für Staatssekretäre (S. 150). Am 28. 12. war das Geld für Noldin immer noch nicht überwiesen. Brugger wollte Marx zur Beibehaltung des Vorsitzes im RKA bestimmen. Schmid brachte die Aufwandsentschädigung für Staatssekretäre vor. Heß schrieb einen unverschämten Brief wegen des Nürburgringes. Am 30. 12. lud Polizei-Offizier Nölle zu einer Verslg. in Karlshorst ein; er schilderte Verhältnisse in der Berliner Partei. Das Vorhaben, Braun wegen der Rede zu schreiben, gab Marx auf (S. 152). Im Ausschuß zur Vorbereitung der Sitzung am 16. Jan. konnte Hergt am 31. 12. einige Punkte nicht billigen. Im Kabinett berichtete Dir. Ritsch über seine Verhdlgn., die das Finanzministerium verantworten sollte. Abends kam Konsul Reuter. II und 153 S. zusätzlich S. 63 a und b, S. 71 u. 72, 150 und 151 sind doppelt vorhanden, S. 131 ist bei der Zählung (ohne Textverlust) überschlagen worden. Masch.-Erstschrift mit eigenhädig Verbesserungen. S. I enthält eine Gliederungsübersicht. Quellenkritische Anmerkungen finden sich auf S. I, 55, 65, 89. Anmerkungen über Ausfälle in den zugrundeliegenden Notizen S. 128, 130, 132, 135, 138, 140 f., 143 f., 146 ff., 150, 152.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 72
Altsignatur : 72



Das 4. Kabinett Marx


Enthält : 1926 Dez. 28 - Berlin: Pünder entwirft Marx ein kurzes Stimmungsbild über das große Problem der Reg.-Bildung. Für die nächste polit. Zukunft ist die Schaffung einer Großen Koalition nicht mehr möglich; besonders sind davon die Führer der SPD überzeugt. Ausgeschlossen ist auch eine Rechtsminderheitsreg. ohne Z, aber mit DNVP, DVP, WV und BVP unter stiller Duldung der Völkischen; sie könnte zwar auf 216 Abg. zählen und wäre damit stärker als die bisherige Minderheitsreg.; ihre Gegner ständen aber geschlossen, während bisher die Opposition auf rechts und links verteilt war. Pünder weiß bestimmt, daß eine Rechtsminderheitsreg., an die der RP zunächst wohl ernstlich gedacht haben mag, an der DVP scheitert, die nur mit dem Z sich an einer Koalition beteiligt. Mit der Rechtsminderheitsreg. können alle Gerüchte von Diktaturbestrebungen aufgrund von RV 48 als überholt angesehen werden. Aussichtslos ist ein Beamtenkabinett, das an der maßgebl. Stelle offenbar ernstlich erwogen wurde im Zusammenhang mit Luther; es würde die Abstimmung im RT kaum überleben; Pünder weiß auch, daß Luther gar nicht daran denkt, sich baldigst wieder polit. zu betätigen. Erledigt ist auch der Gedanke an eine Weimarer Koalition, wie er von der Z- und DDP-Presse hochgespielt wurde; ein solches Kabinett würde <vom RP> eine Auflösungsordre für den RT kaum bekommen; Stresemann würde übrigens nach persönlicher Erklärung einer solchen Reg. nicht angehören können. Danach bleiben entweder eine Rechtsmehrheitsreg. mit Z und gegebenenfalls DDP oder eine Reg. der bürgerl. Mitte. Zunächst soll nach Auffassung der maßgebl. Stelle versucht werden, eine Rechtsmehrheitsreg. zu schaffen. Ob der RP selbst sondieren wird, ist ebenso zweifelhaft wie die Übertragung dieser Aufgabe an Marx. Pünder glaubt, daß als homo regius Curtius (DVP) bestellt werden wird. Die Z-Fraktion steht alsdann vor der Frage, ob sie ein derartiges Kabinett unterstützt; wegen ihrer einwandfreien und klaren Linie besteht darüber nirgendwo großer Optimismus besonders im Hinblick auf die klare Einstellung von Brauns. In der DVP ist die Neigung zu einer Rechtsmehrheitsreg. ebenfalls nicht groß; im Anschluß an seine Hamburger Reise traf sich in Friedrichsruh beim Fürsten Bismarck Stresemann mit maßgeblichen Herren der DNVP; Pünder weiß, daß diese von dieser Aussprache nicht besonders entzückt waren. Scheitert die Bildung einer Rechtsmehrheitsreg., wird der Herr RP bereit sein zur Wiederherstellung einer Mittelreg. mit der bisherigen Parteigruppierung. Vielleicht denkt er an Marx als RK, möglicherweise auch an Curtius oder wahrscheinlich gar an Stegerwald. Jedenfalls wünscht diesen die DVP, wenn nicht Marx RK sein kann. Die Aussichten einer solchen Mittelreg. gelten nach Scheitern einer Rechtsmehrheitsbildung als nicht ungünstig. Danach nämlich muß die DNVP ihre Taktik der Opposition sans phrase als unsinnig erkennen und wird vielleicht dulden, daß die sozialpolit. Gesetze mit der Linken durchgebracht werden. Pünder meint aber, daß die DNVP einer Minderheitsreg. der Mitte sofort mit einem Mißtrauensantrag begegnen wird; entscheidend aber ist richtiges Taktieren mit der Linken; denn die SPD muß eine Große Koalition als unmöglich erkennen und sieht gleichzeitig das Z wegen eigenen törichten Verhaltens im Abmarsch nach rechts; da dies für die SPD das rote Tuch ist, wird man sie bereit finden, ohne Bindungen und Bedingungen eine Reg. der Mitte zu stützen, damit die abgerissenen Fäden für eine spätere Große Koalition möglicherweise wieder geknüpft werden können. Dieser bürgerl. Minderheitsreg. werden die Grundlinien der alten Z-Politik am ehesten gerecht: da eben die polit. Weltanschauung des Z in der Schaffung eines verständigen Ausgleichs auf mittlerer Linie besteht. Die DVP ist für diese Gedanken zu haben, sie will nur keine Bedingungen von links. Die BVP wird zweifellos ebenso denken. Mit starkem Willen muß die SPD auf diesen Boden gezwungen werden. Für eine Mittelreg. sind das Innen- und das Wehrministerium schwierig zu besetzen. Pünder meint, daß Geßler zu einem Verzicht zu bewegen ist; seinem Abschiedsgesuch wird der RP u. U., besonders bei Benennung eines geeigneten Nachfolgers, zustimmen; dazu ist notwendig, daß Reichswehrfragen aus der polit. Erörterung ausgespart bleiben. Die prinzipielle Richtschnur ist dafür Marx' programmat. zweite Erklärung mit den 4 Punkten, die der RP und die 4 Reg.-Parteien anerkannt haben; darüberhinausgehende Ansprüche der Linken müssen schroff abgewiesen werden; unter diesem sachl. Gesichtspunkt wird sich die Personalfrage leichter erledigen. Der Posten des Innenministers ist weniger eine Frage der Reg.-Parteien als der DDP. Die offiziellen Verhdlgn. beginnen nicht vor dem 10. 1., wenn der Haushaltsausschuß zusammentritt. Eh. Unterschrift. 7¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. Volldruck nach der Durchschrift in den im Bundesarchiv verwahrten Papieren Pünders bei: Michael Stürmer, Koalition u. Opposition in der Weimarer Republik 1924-1928 (Beiträge z. Gesch. d. Parlamentarismus u. d. polit. Parteien 36), Düsseldorf 1967, S. 299-302. [19]27 Jan. 5 - Lindenberg: Allg.: Brauns dankt Marx für das unerwartete Neujahrsgedenken. Um so aufrichtiger und herzlicher sind mein Dank und meine Wünsche für Sie nach all den Opfern, die Sie schon haben bringen müssen und zur Stunde wieder bringen auf Grund der frivolen Politik, die rechts und links getrieben wird. Zu entschuldigen sind wahrhaftig beide Teile nicht. Auch die Reden von Scholz boten der Linken keine genügende Rechtfertigung, nicht einmal einen genügenden Anlaß für ihr Verfahren. Von einem Staatsmann - und die wollen doch auch links so beurteilt werden - muß man erwarten, daß er sich so nicht aus dem Konzept bringen läßt. Und die Rechte meint, alles mit Gewalt zwingen zu können. Auch in der Politik ein unmöglicher Standpunkt. Ich habe dieser Tage hier gesagt: Letzten Endes ist aber das Volk bei den Wahlen schuld, das sich von Schlagworten, Agitationsversprechungen u. dergl. leiten läßt und immer in Extremen denkt. Überhaupt falsch und für dt. Zustände erst recht verhängnisvoll! Das also hat die SPD mit ihrem verfehlten Mißtrauensvotum erreicht, daß nun von rechts jemand berufen wird! Auch das konnte sie sich vorher sagen! Ob es aber dem zu Berufenden gelingen wird? - Für uns als Partei und Fraktion jedenfalls eine sehr schwierige Entscheidung. Schließlich kommt doch das alte Kabinett vielleicht noch wieder. An den märchenhaft schönen Weihnachtstagen waren Held, Leicht, Minister Oswald, Direktor Grieser da. Brauns fühlt sich selbst sauwohl. Eh. Unterschrift. 3 S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. 1927 Jan. 14 - Berlin: Stresemann an Marx: Die Erörterungen der letzten Tage über die Reg.-Bildung haben insbesondere auch zu Anfragen darüber geführt, wie ich als Außenminister die Situation ansehe, die sich aus der Rückwirkung der Reg.-Bildung auf die außenpolit. Situation ergeben könnte. Ich lege bei den freundschaftl. Beziehungen, deren ich mich zu Ihnen stets rühmen durfte, und bei dem guten Verhältnis, das zwischen Ihrer Fraktion und mir während der ganzen Zeit meiner Amtsdauer bestanden hat, großen Wert darauf, hier eine Unklarheit nicht aufkommen zu lassen, sondern Ihnen offen und rückhaltlos meine Stellung zum Ausdruck zu bringen: Es ist für mich gar kein Zweifel, daß der Sturz des Kabinetts der Mitte ein schwerer Schlag für unsere außenpolit. Situation gewesen ist. Ein Kabinett, in dem die SPD als stärkste Partei wirkte, würde für die Ver. Staaten und für England ein gewisses Minus bedeuten, ein Kabinett mit den Dt.-Nat. eine Verstärkung der nationalist. Elemente besonders in Frkr. Das Kabinett der Mitte, in seiner Außenpolitik durch die SPD gestützt und von den Dt.-Nat. mehr taktisch und als wirklich nationale Opposition bekämpft, ist unzweifelhaft für die Außenpolitik, wenn man sie rein von allen innenpolit. Dingen loslöst, ein so wünschenswerter Zustand, daß ich als Außenminister nur aufs tiefste bedauern kann, daß diese Situation, die unter Ihrem Kabinett bestand, durch die Unvernunft von links und rechts beseitigt wurde. Wenn ich unter den heutigen außenpolit. Auspizien den Eintritt der Dt.-Nat. in die Reg. prüfe, so sind zwei Gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen: Die Auffassung von den Dt.-Nat. als einer nationalist. Partei, die hinter den Wehrverbänden stände, jener Wehrverbände, die den eigentlichen Alpdruck Frkrs. bilden, wird naturgemäß dazu führen, daß die Gegner von Briand zunächst ihre Sprache verschärfen und davon sprechen, daß in Dtschld. die Reaktion eingezogen sei und daß die Rechtsentwicklung mit der Innenpolitik auch eine Änderung der Außenpolitik mit sich bringen würde. Eine Erschwerung der Außenpolitik, namentlich für die nächsten Wochen, ist deshalb sicher zu erwarten. Es kommt hinzu, daß diese Erschwerung in eine Zeit fällt, in der die Position des Herrn Briand durch die vielleicht von unserer Seite etwas zu forcierte Erörterung der Rheinlandräumung eine schwierige geworden ist, da die Leute in Frkr. jetzt fühlen, daß diese Frage nicht mehr nur eine Frage theoretischer Auseinandersetzungen, sondern eine Frage von aktueller Bedeutung geworden ist. Demgegenüber steht die Frage, inwieweit die DNVP Garantien dafür zu geben vermag, daß sie durch ihre Mitwirkung in der Reg. auch die republikan. Staatsform stärkt, - denn auch das ist ein außenpolit. Moment - und inwieweit sie Gewähr dafür zu bieten vermag, daß sich nicht diejenigen Vorgänge wiederholen, die zu der Krisis nach der Paraphierung der Locarnoverträge führten. Dabei möchte ich in Parenthese bemerken, daß die Paraphierung dieser Verträge selbst und die in Locarno durchgeführte Verständigung durch die seinerzeit bestehende Koalition mit den Dt.-Nat. außenpolitisch nicht erschwert worden ist, daß vielmehr die Erschwerung erst dann eintrat, als die Dt.-Nat. unter dem Druck ihrer Wählerschaft sich von der Locarno-Politik trennten. Daß in der Gegenwart die Dt.-Nat. das Verfehlte ihrer Außenpolitik eingesehen haben, ist für einen Teil der Partei nicht zweifelhaft. Im Ausw. Ausschuß war die Opposition meist so sanft in der Form, daß sie regelmäßig den Spott der Sozialisten und Kommunisten hervorrief. Die Erschwerung der außenpolit. Situation ist aber nur dann wettzumachen, wenn die Erklärungen, welche die dt.-nat. Fraktion abgibt, klar und unzweideutig sind und weiterhin die gesamte Partei binden, so daß nicht wie bei der Entscheidung über das Dawes-Abkommen etwa ein Flügel gegen den anderen kämpft. Ich würde daher als Außenminister der Meinung sein, daß von meinem Standpunkt aus zwei Fragen entscheidend sind: Das ist einmal die unbedingte Zustimmung zu der Fortsetzung der auf die Verständigung mit den anderen Nationen gerichteten dt. Außenpolitik, die Anerkennung der durch den Eintritt Dtschlds. in den Völkerbund geschaffenen Situation, die Anerkennung der Locarno-Verträge und die Durchführung der Außenpolitik im Sinne und in der Art derjenigen Führung, die zu den Abmachungen von Locarno und Genf geführt hat. Ich würde weiter entscheidendes Gewicht darauf legen, daß die DNVP Gewähr dafür bieten müßte, daß sie in dem Kampfe um die Rheinlandräumung auch die Konzessionen mitmacht, die eventuell in der teilweisen Mobilisierung einer Summe bis zu zwei Milliarden aus den Dawes-Obligationen liegen würde, ein Gedanke, der sofort aktuell werden kann, wenn Herr Poincaré das Mellon-Béranger-Abkommen ratifizieren sollte, daß ferner auch die DNVP nicht die Einsetzung einer Kommission zur Abwehr eines Angriffs auf die Locarno-Verträge aus Anlaß der Rheinlandräumung verweigern dürfte, wenn diese Kommission einen gegenseitigen Charakter hätte. Ich würde weiter als Außenminister den Dt.-Nat. keinen Zweifel darüber lassen können, daß jede Abweichung von der heutigen Verständigungspolitik im Sinne etwa einer engen und einseitigen Annäherung speziell an Italien ebenso ausgeschlossen sein müßte wie etwa der Gedanke einer militär. Verbindung mit Sowjet-Rußland, da ich der Meinung bin, daß wir gegenwärtig alles auf die Rheinlandräumung abzustellen haben und nichts tun dürfen, was diese Politik irgendwie gefährdet. Jede Zweideutigkeit in Bezug auf die polit. Stellung der Dt.-Nat. müßte ausgeschlossen sein. Es ist deshalb auch unmöglich, daß die DNVP irgendeinen Zweifel darüber läßt, daß sie mit Erklärungen der Konservativen Partei, der ein Teil ihrer prominenten Mitglieder angehört, nichts zu tun haben darf, vielmehr von den in dieser Erklärung enthaltenen Angriffen auf die Außenpolitik abzurücken hat. Ebenso erscheint es mir als selbstverständlich, daß wenn es zu ernsthaften Verhdlgn. mit der DNVP kommt, Vertreter dieser Partei in der Reg. nur Persönlichkeiten sein können, die als Menschen und auf Grund ihrer bisherigen polit. Haltung die Gewähr dafür geben, daß sie gewillt sind, ebenso entschieden die republikan. Staatsform zu verteidigen wie jeder monarchist. Agitation abzusagen, wie auch Gewähr dafür geben, daß sie diese Außenpolitik unbedingt unterstützen. Auch wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, werden wir zunächst einen schweren Gang in unserer Außenpolitik zu gehen haben. Wir können aber, wenn diese Voraussetzungen sich erfüllen, auch darauf hinweisen, daß sie ein neuer Beweis sind für die Konsolidierung der Republik und für die Konsolidierung unserer Außenpolitik. Daß man auch in sozial-demokrat. Kreisen die bisherige Opposition in der Außenpolitik seitens der Dt.-Nat. nicht so betont wie früher, dürfte die Rede des Herrn Hermann Müller bei der letzten Debatte gezeigt haben, in der er darauf hinwies, daß wohl kaum ein Außenminister, wie er sich ausdrückte, so ungeschoren bei einer Debatte weggekommen sei wie ich, und den Sturz des Kabinetts glaubte vertreten zu können, weil irgendeine Gefahr für die Fortführung der Außenpolitik nicht bestände. Ich bitte dabei noch einen Gesichtspunkt hervorheben zu dürfen: Ich sehe mit größter Sorge einer Auflösung entgegen, die uns außenpolitisch brachlegen würde, weit mehr als wie es etwa die Situation eines geschäftsführenden Kabinetts mit sich brachte. Die Große Koalition ist, wie auch Sie mir gegenüber betonten, unmöglich. Die Koalition der Mitte steht vor der Situation, daß ihr die Dt.-Nat. wahrscheinlich die Tolerierung versagen werden und daß die Sozialdemokraten dasselbe tun werden, wenn die Frage Geßler nicht gelöst wird, eine Frage, bei der persönliche Imponderabilien zu berücksichtigen sind, die eine Lösung im Sinne einer Tolerierung des Kabinetts durch die SPD auszuschließen scheinen. Ob die Verhdlgn. mit der DNVP ergeben, daß die von mir genannten Voraussetzungen erfüllt werden können, vermag ich nicht zu sagen, da hierüber die Fraktion das letzte Wort hat und ich vorläufig nur auf die Eindrücke angewiesen bin, die ich aus Unterhaltungen mit einzelnen Dt.-Nat. gehabt habe. Ich bitte aber, die hier angeführten Gesichtspunkte freundlichst zu würdigen und daraus zu ersehen, daß ich die außenpolit. Bedenken, die von Ihrer Seite geltend gemacht werden, auch meinerseits absolut nicht außer acht lasse, mir vielmehr der Schwere der geschaffenen außenpolit. Situation durchaus bewußt bin, aber persönlich glaube, daß eine grundsätzl. Ablehnung von Verhdlgn. mit der DNVP und die dadurch verstärkte Gefahr, in die Auflösung hineingetrieben zu werden, auch ein Gesichtspunkt ist, der nicht außer acht gelassen werden darf. Ich würde meine endgültige Stellungnahme selbstverständlich ebenso von den Beschlüssen und Entschlüssen der dt.-nat. Fraktion abhängig machen, lege aber Wert darauf, Ihnen meine Gedankengänge schon heute offen darzulegen. Eh. Unterschrift. 7 S., masch.-schriftl. Ausf. auf persönl. Kopfbogen mit eigenhädig Vermerk: „Persönlich!" [19]27 Jan. 17 - Köln: Carl Bachem beglückwünscht Marx zum 64. Geburtstag: Ich hätte gar nicht geglaubt, daß Du schon so alt bist. Er dankt für die Anerkennung des 1. Bandes seiner Z-Geschichte und für die eifrige Förderung dieses Werkes. Ich denke, daß die Herausgabe jetzt rasch vonstatten gehen wird. Der 2. und 3. Band sind schon seit längerer Zeit in der Druckerei, der 4. Band ist fertig zum Abholen. Den 5. Band habe ich in Arbeit, um die letzte Hand an ihn zu legen. Ich tue, was ich kann, um das rasche Erscheinen zu erreichen.... Zum Schluß auch noch meinen aufrichtigen Glückwunsch, daß Du den Auftrag zur Bildung des neuen Kabinetts resolut wieder übernommen hast. Das ist das einzig Richtige. Nur durch das Z kann noch der Reichswagen im guten Geleise gehalten werden, und darum ist es gut, daß das Z generell wie angebrachtermaßen dieser Pflicht sich niemals versagt. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. 1927 Jan. 19 - Rotenburg o. T.: Fritz Boegner, Eisenbahninspektor i. R., an Marx: Die SPD hat es dahin gebracht, daß ihre Gegner ohne weiteres mit solchen der Arbeiterschaft gleichgesetzt werden. Dabei haben gerade Scheidemann die christl. Schule, das Schmutz- und Schundgesetz, den Abtreibungsparagraphen und die Fürstenabfindung bekämpft. Da ist es mir denn vollkommen unfaßlich, daß das Z den Anschluß nach rechts nicht finden kann. Gegensätze der Staatsform und andere Verärgerungen sollten da nichts bedeuten. Es ist dt. Lebensnotwendigkeit, der SPD die Möglichkeit zu nehmen, durch die Untergrabung des Gefüges unserer Reichswehr allmählich die polit. Macht in die Hand zu bekommen. Danach wird - nach Friedensburg - die Justiz vorgenommen. Das geistige Eigenleben unseres Volkes kommt ebenfalls in Gefahr; die Länder werden von den dann Allgewaltigen auf dem Wege finanz-polit. Willkür erdrosselt; der Geist Barmats, des Harmlosen, siegt. Wirth, der erst kürzlich Held in abgeschmackter Form angegriffen hat, mag sich dazu stellen, wie er will; das Z hat die dt. Katholiken vor der „sozialen Republik" der SPD zu bewahren. Diese vergewaltigt sogar die Kunst: Jessners Neubearbeitung des ‚Hamlet'. Der .Vorwärts' kämpft gegen den Weihnachtsbaum. Demgegenüber darf das Z nicht versagen. Sonst spitzt sich für weite Kreise die kommende Entscheidung zu auf die Lösung: Hindenburg oder Scheidemann. Er erinnert an seine Kriegserfahrungen vom Nov. 1918 und hält die Dolchstoßlegende nicht für ein Märchen. Hindenburg hat sich durch die Rückführung der Truppen den Dank des Vaterlandes verdient. Ein Fehlentschluß der Z-Partei wird überdies das Zusammenleben der Konfessionen erschweren. Eh. Unterschrift. 12 S., eigenhädig Ausf. [1927] Jan. 20: Pünder vermerkt, daß Marx, da Scholz am Vortage im RT nicht mehr zu erreichen war, über die Auslegung des Beschlusses der DVP ein längeres Telefongespräch mit Stresemann geführt hat. Scholz hat nun dem RK den Beschluß dahin erläutert: die DVP habe in der gestrigen Fraktionssitzung in den ersten Stunden mit Absicht eine Entschließung nicht getroffen, vielmehr habe man den Beschluß der Sozialdemokrat. Fraktion abgewartet. Als der Sozialdemokrat. Beschluß bekannt geworden sei, habe man aber zu einer Entschließung kommen müssen, zumal der Sozialdemokrat. Beschluß eine bedingungslose Stütze einer reinen Mittelreg. nicht in Aussicht gestellt habe. Der Beschluß der DVP verhalte sich mit Absicht nur über eine Rechtsmehrheitsreg., bezüglich der Mitte sei er aber folgendermaßen zu interpretieren: die DVP lehnt z. Z. Verhdlgn. über die Bildung einer bürgerl. Minderheitsreg. der Mitte ab, bevor alle Möglichkeiten zur Bildung einer Mehrheitsreg. erschöpft sind. Da Verhdlgn. über eine Mehrheitsreg. nach links nicht möglich sind, verlangt sie Verhdlgn. über eine Mehrheitsreg. mit den verhandlungsbereiten Dt.-Nationalen. Erst nach etwaigem Scheitern dieser Verhdlgn. behält sie sich weitere Entschließungen vor. Bezüglich der Verhdlgn. mit den Dt.-Nationalen betonte ... Scholz erneut mit Nachdruck, daß nach seiner genauen Kenntnis der Dinge die vom Grafen Westarp dem Herrn RK gegenüber ausgesprochene Ablehnung einer Mittelreg. mit à la suite-Stellung der Dt.-Nationalen, dargestellt etwa durch einen Vertrauensmann im Kabinett, wohl keine endgültige sein werde. Wenn das Z unüberwindl. Bedenken haben würde, die Dt.-Nationalen mit vollen Rechten und Pflichten ins Kabinett aufzunehmen, würde diese Lösung zweifellos möglich sein. Auf Marx' ausdrückliche Frage erklärte Scholz ferner, auch für die DVP sei Herr Dr. Geßler keineswegs persona gratissima. Im gegenwärtigen Augenblick halte sie es aber aus sachl. Gründen für völlig ausgeschlossen, den Minister Geßler zu ersetzen. Zu einem solchen Schritt wäre die DVP unter gar keinen Umständen bereit, denn in einem solchen Wechsel würde ein Symbol oder Symptom gegen die Reichswehr zu erblicken sein, selbst auch dann, wenn man einen weiter rechts stehenden Politiker nehmen sollte. Infolgedessen wäre auch die etwaige Betreuung eines Volksparteilers mit den Geschäften des Reichswehrministers völlig ausgeschlossen. Das einzig Mögliche sei ein freiwilliger Rücktritt des Ministers Geßler unter voller Zustimmung des Herrn RP. Da dies aber nicht zu erreichen sei, könne nach Ansicht der DVP ein Wechsel unter keinen Umständen eintreten. Nach Entgegennahme dieser Erklärungen erklärte der Herr RK, daß (er) nunmehr seine Mission zur Bildung einer Reg. der Mitte als gescheitert ansehen müsse und daß er dies heute mittag dem Herrn RP berichten werde. Dr. Scholz stimmte der Auffassung durchaus zu, daß die Mission als gescheitert anzusehen sei. Eh. Unterschrift. 2 S., masch.-schriftl., eigenhädig Verbesserungen. [1927] Jan. 20: Entw. von Pünder zur Einleitung einer Rede von Marx anläßlich Vorstellung des neuen Rechtskabinetts im RT. 5 S., masch.-schriftl., Paraphe und Datum. 1927 Jan. 21 - Berlin: Stresemann ist einverstanden, wenn Marx bei den Beratungen seiner Fraktion und anderen Verhdlgn. seinen Brief vom 14. d. M. verwertet. Er hat die Sätze über Italien und Sowjetrußland gestrichen und bittet um Verwertung der neuen Fassung. Eine Veröffentlichung ist nicht möglich. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. auf persönl. Kopfbogen. In der Anlage der neugefaßte Brief, masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbögen mit eigenhädig Unterschrift und Vermerk: Persönlich! Der letzte Satz des 5. Absatzes lautet hier: Ich würde weiter als Außenminister den Dt.-Nationalen keinen Zweifel darüber lassen können, daß jede Abweichung von der heutigen Verständigungspolitik ausgeschlossen sein müßte, da ich der Meinung bin, daß wir gegenwärtig alles auf die Rheinlandräumung abzustellen haben und nichts tun dürfen, was diese Politik irgendwie gefährdet. 1927 Jan. 21 - Berlin: Adam Röder an Marx: Nicht in der Fraktion - an deren Verhdlgn. ich vorläufig aus bekannten Gründen nicht theilnehme -, rein privat möchte ich Sie bitten, die christl., soz. u. demokrat. Grundsätzlichkeit, zu der Sie sich stets in ebenso würdiger wie charaktervoller Weise bekannt haben, auch jetzt in dieser kritischsten aller Situationen hochzuhalten. Sie können nicht der Kanzler eines reaktionären Bürgerblocks sein. Sie wissen, wie ich zu Ihnen stehe, daß ich Ihnen den Verweser der Reinheit christl. u. polit. Denkens sehe - Sie wissen auch, daß dies keine Phrase, sondern reine u. lautere Empfindung ist. Hindenburgs Schritt ist ungesetzlich, antidemokratisch, antisozial; Sie können aus den Händen dieses Mannes den Kanzler mit der Devise „Bürgerblock" nicht annehmen. Sie können u. sollen ein Kanzler der Mitte, ein Kanzler der Weimarer u. Großen Koalition sein, aber nicht ein Kanzler der Dt.-Nationalen mit Anhängseln des Rechtsbolschewismus. Ich beschwöre Sie: bleiben Sie sich treu. Nicht Reden, nicht Taktik, nicht Kuhhandel, nicht schlaue Diplomatie schaffen die großen, fruchtbringenden Elemente einer positiven Politik, sondern nur der im Ethos verankerte Charakter. Ihre Haltung wird auf die Fraktion richtunggebend einwirken. Das Z zerfällt, wenn Sie den Bürgerblock machen; das ist meine feste Überzeugung. Eh. Unterschrift. 2 S., eigenhädig Ausf. auf Kopfbogen ,RT, Abgeordneter'. 1927 Jan. 21 - Berlin-Zehlendorf: Joh. Krempel, 1. Vors. d. Z-Vereins Zehlendorf - Wannsee - Dahlem und Vorstandsmitglied des Wahlkreisverbandes Potsdam II, an v. Guérard: Einige Fraktionsmitglieder geben dem verfassungsrechtlich ganz unzulässigen Druck des RP in dem Briefe an Marx anscheinend nach und sind gewillt, die Bürgerblockreg. bilden zu helfen. Das steht im Widerspruch zur bisherigen Haltung des Z gegenüber der Außen- und Innenpolitik, die die DNVP fordert. Geht das Z darauf ein, wird die Belastung diesmal noch viel schwerer als 1925. Vom RP darf sich das Z nicht pressen lassen; denn eine Reg.-Bildung ohne Z ist unmöglich. Von einer RT-Auflösung aber können sich weder DNVP noch DVP etwas versprechen. Es steht noch lange nicht fest, ob die DVP gegen SPD-Minister unter einem RK aus dem Z sich stellt. Schiele und Westarp verfochten bislang offen die Monarchie; ferner bezeichneten DNVP-Leute Locarno als „Verrat am Vaterland": durch sie bekommen die Nationalisten in Frkr. Oberwasser, und die Rheinlandräumung würde verzögert. Aus einem Umfall des Z vor der DNVP folgt bei Auflösung dieser Reg.-Koalition Auflösung des RT und dann innere Auflösung des Z. Der Z-Verein Zehlendorf - Wannsee - Dahlem würde z. B. dann seinen Vorstand verlieren. Gez., dennoch eigenhädig Unterschrift. 5 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, mitgeteilt auch an Marx, Brauns, Wirth, Stegerwald. 1927 Jan. 21 - Köln: Hubert Steinweg bezeichnet eine Bürgerblockreg. als großes Unglück für den Westen Dtschlds. Marx und das Z sollen sich nicht mißbrauchen lassen durch monarchist. Kreise. Er erinnert an eigene Erlebnisse im Wahlkampf 1925. Marx' Eintritt in eine Rechtsreg. würde den Republikanern alle Hoffnung nehmen und als Verrat empfunden werden. Eh. Unterschrift. 2¿ S., eigenhädig Ausf. 1927 Jan. 24 - Berlin: Die Z.-Abg. der besetzten und befreiten Gebiete wünschen, daß im neuen Kabinett das Ministerium für die besetzten Gebiete von der Z-Partei besetzt wird. Eh. Unterschriften von Giesberts, Thomas Esser, v. Guérard, Joos, Neyses, Tremmel, Schetter, Dr. Bockius, Klöckner, Hofmann (Ludwigshafen), Allekotte, Knoll, Hoffmann (Köln), Frau Weber (Berlin), Schwarz (Ffm.), Kerp, Dr. Kaas, C. Teusch. 1 S., eigenhädig Ausf. von Th. Esser, auf Kopfbogen ,RT, Abgeordneter'. 1927 Jan. 24 - Berlin: Peter Schlack erläutert Marx seine Stellungnahme, die er am 21. d. M. in der Fraktion abgegeben hat. Er hat im Okt. 1924 die Fraktion gewarnt, sich gegen rechts festzulegen. Marx hielt jedoch damals eine bürgerl. Reg. für untragbar. Infolge eines Vorstandsbeschlusses wurde die Lösung der Krise Marx überantwortet. Weil dieser sich gegen rechts festgelegt hatte, mußte der RT aufgelöst werden. Die Neuwahlen brachten Stärkung der Rechten und das Rechtskabinett Luther. Marx aber blieb bei seinen Anschauungen und wurde bei der RP-Wahl Volksbockkandidat. Noch am 12. 1. 27 hat Marx in der Fraktion sich in besonders scharfer Weise gegen Rechtsorientierung ausgesprochen. Darauf hat Schlack geantwortet, daß mit denselben Reden von Marx 1924 die Krise in einem Rechtskabinett geendet ist und daß es diesmal ebenso kommen würde; das Z müsse entweder von der Reg. fernbleiben oder die Rechtsorientierung mitmachen; Schlack war für Enthaltung. Durch den Auftrag des RP ist alles Prophezeite Tatsache geworden. Nachdem die Fraktion Schlacks Vorschlag, sich nicht an der Reg. zu beteiligen, abgelehnt hat und auch gegen die Auflösung des RT ist, bleibt nur Teilnahme an der Rechtsreg. Ich mache Ihnen, Herr RK, keinen Vorwurf aus Ihren Anschauungen der Untragbarkeit der rechtsorientierten Reg. Daß Sie jedoch angesichts Ihres bisherigen scharfen Ablehnens jetzt bereit sind, die Rechtsreg. zu bilden, ist für mich und wohl den größten Teil der Anhänger der Z-Partei unfaßbar. Die Z-Fraktion muß sich der Staatsnotwendigkeit fügen, aber Marx zerstört das Vertrauen der Wähler in seine Person, er vernichtet nach den Worten Wirths das letzte Kapital, das die Z-Partei noch zu verlieren hat. Marx soll die Verhdlgn. bis zu einem gewissen Punkt führen und dann den RP bitten, Stegerwald, v. Guérard, Lammers oder Köhler zum RK zu ernennen: Die Hauptsache ist, daß Sie als Vors. der Partei aus dieser Krise nicht mit dem Verlust des Vertrauens der breiten Wählermassen hervorgehen. Wenn Schlack am 21. d. M. unter starker Pression den einstimmigen Beschluß der Fraktion nicht gehindert hat, so bedeutet das ein Opfer gegenüber der Gesamtpartei, nicht eine Aufgabe meiner schwersten Bedenken. Man hätte die Lösung der Krise denen überlassen sollen, die sie beschworen haben. Im Augenblick bleibt wegen der drohenden RT-Auflösung allein die Beteiligung an einer Rechtsreg., was allerdings für Marx persönlich einen Bruch mit seinen Überzeugungen bedeutet. Eh. Unterschrift. 4¿ S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen ,Reichsverband dt. Konsumvereine e.V. Köln'. 1927 Jan. 24: Ergebnis einer Besprechung zwischen Marx, Brauns, v. Guérard, Stegerwald, Wirth und Joos nach Marx' Bericht über seine Verhdlgn. mit den Beauftragten der DNVP-Fraktion mit Forderungen hinsichtlich Außenpolitik, Verfassung, Reichswehr und in Kulturfragen. 2 S., masch.-schriftl., eigenhädig Verbesserungen von Marx und Brauns. 1927 Jan. 25 - Berlin-Zehlendorf: Johannes Krempel dankt v. Guérard für die Antwort vom 24. d. M. Er hält die Koalition mit der DNVP auch weiterhin für untragbar, weil sie sich auf das Manifest der Z-Partei nicht schriftlich verpflichtet hat. Dergleichen ist nach Treviranus sogar ausgeschlossen, während Wirth und Joos unterschriftl. Verpflichtung als unabdingbare Voraussetzung forderten. Prof. Grebe MdL hatte in einer Mitgliederverslg. viel Unmut über die RT-Fraktion abzuwehren, und langjährige Mitglieder kündigten ihren Austritt aus der Partei an. Ähnliche Reaktionen sind ihm aus anderen Z-Vereinen in und außerhalb Berlins bekannt. Fällt die Rechtskoalition auseinander, ist, nachdem die übrigen republikan. Parteien in die schärfste Opposition getrieben worden sind, die Auflösung des RT die bestimmte Folge. Von Drohungen mit RV 48 soll sich die Z-Fraktion nicht einschüchtern lassen: Dtschld. ist kein Italien, das durch einen Mussolini regiert werden kann. Gez., dennoch eigenhädig Unterschrift. 3 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, mitgeteilt auch an Marx, Brauns, Wirth, Stegerwald und Richard Schönborn. 1927 Jan. 28: Vorschlag über Richtlinie[n] der künftigen Reg.-Politik. 3 S., Masch.-Erstschrift und Durchschrift von Masch.-Schreiben. Eh. Zusatz auf letzterem von Marx: „Letzte Fassung!" <1927 Jan. 28>: 4 Punkte, über die sich die in der Reg. zusammengeschlossenen Fraktionen bei der Erörterung der „Richtlinien" ferner einig geworden sind. 1 S., masch.-schriftl. o. D.: „Ausführung der Reg.-Erklärung", Stichworte für die Aufgaben der einzelnen Ressorts. 2 S., Vervielf. 1927 Jan. 29 - Berlin: RP v. Hindenburg bestätigt in der neugebildeten RR Marx als RK und beauftragt ihn bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift; eigenhädig Gegenzeichnung: Dr. Geßler. Je ¿ S., masch.-schriftl. Ausfn., Kopfbögen ,Im Namen des Reichs', großes eingeprägtes Staatssiegel. o. D. <1927, vor Febr. 3>: Bruchstück eines Entwurfs der RT-Rede von Marx anläßlich der Vorstellung der neuen RR. 3 S., masch.-schriftl.[1927 Febr. 3]: RT-Rede von Marx anläßlich Vorstellung der neuen RR. 37 S., masch.-schriftl. 1927 Febr. 7 - Berlin: Stresemann übermittelt Marx Durchschrift eines Schreibens an v. Guérard. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. In der Anlage: 1927 Febr. 7 - Berlin: Stresemann schreibt v. Guérard, daß seine Unterhaltung mit ihm und Prälat Schreiber im RT bemerkt worden ist. Noch während der Sitzung haben Treviranus, der polit. Beauftragte der DNVP, später Dr. Thum namens der volksparteil. Presse den Z-Wünschen widersprochen. Daraufhin hat Stresemann mit Marx sich eingehend unterhalten im Hinblick auf drei dargelegte Möglichkeiten für die Auswahl des Reichspressechefs. Unter diesen Möglichkeiten muß zuvor grundsätzlich ausgewählt werden, über Brandt hat Min.-Dir. Zechlin sich zufriedenstellend geäußert. Im übrigen hat Scholz während der Reg.-Bildung schon bemerkt, daß er Anregungen geben werde. Der RK hat interfraktionelle Erörterungen vorgeschlagen, über die v. Schubert Stresemann während des Urlaubs laufend unterrichten soll. 3 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. 1927 Febr. 7 - Moskau: v. Brockdorff-Rantzau dankt persönlich und geheim Marx für die Würdigung der mühseligen Arbeit in eigenhädig Schreiben vom 15. 1.: Die so wohlwollend anerkannten Erfolge meiner hiesigen Tätigkeit reichen nicht entfernt an das heran, was ich mir bei Übernahme des Postens durchzusetzen vorgenommen hatte. Ganz umsonst, glaube ich, ist meine Arbeit trotzdem nicht gewesen, und ich tröste mich in dem Gedanken, daß mich für manches, das nicht so gelungen ist, wie ich es gewollt hätte, kein Verschulden trifft. Es sind Fehler intra et extra muros begangen, für die ich mit gutem Gewissen die Verantwortung ablehnen kann. Etwas weiter sind wir immerhin gekommen, und an meinem Teile dazu beigetragen zu haben, soweit die hier recht eng gezogenen Grenzen der Möglichkeit es gestatten, bleibt mir eine Befriedigung, denn ich glaube, daß unsere West-Politik ohne den Rückhalt, den wir im Osten besitzen oder besser gesagt, den ich mich bemühe, stärker, als er ist, nach außen erscheinen zu lassen, nicht möglich gewesen wäre oder in Zukunft unmöglich sein würde. Leider wird meine Arbeit durch das Verhalten in der polit. Karriere recht jugendlicher Vertreter in London und Paris, die es offenbar chic finden, über die Sowjetvertreter wohlfeile Witze zu machen und sie zu bagatellisieren, unnötig erschwert. Es wäre gut, den Herren etwas auf die Finger zu sehen, denn es ist ein Irrtum zu glauben, daß die sehr klugen ausw. Vertreter der Sowjetunion dieses Benehmen nicht merken; nach außen werden sie es nicht spüren lassen, ein beträchtlicher Teil des tatsächlich vorhandenen Mißtrauens gegen unsere Politik und ihre Leiter ist aber darauf zurückzuführen. Mit wem wir hier zu tun haben, weiß ich, glaube ich, besser als diese Herren, aber ich kenne die dira necessitas, mit der Sowjetunion zu arbeiten, um nicht den Westmächten ausgeliefert zu sein; bequemer und scherzhafter freilich ist der andere Standpunkt. Eine wahre Wohltat ist demgegenüber das nüchterne, ruhige und abgeklärte, wirklich staatsmännische Urteil des Botschafters Sthamer über den Wert guter dt.-russ. Beziehungen (zu vgl. Bericht über die Politik Englands i. J. 1926, London d. 6. 1. 1927). Wenn ich bei der Überlast der Arbeit irgend Zeit finde, habe ich die Absicht, dem Herrn Reichsminister Dr. Stresemann in nächster Zeit über diese Frage in einem Privatbrief eingehend zu schreiben, und ich bin überzeugt, daß Euere Exzellenz wie er meinen Standpunkt billigen werden. Darf ich mir gestatten, die bescheidene Attention, die ich zum Jahreswechsel zu haben mir erlaubte, noch einmal zu wiederholen! Da ich, wie Herr Dr. Stresemann mir einmal charmant sagte (was ich übrigens ebenfalls persönlich glaube), über den Verdacht der Schusterei stehe, hoffe ich, daß diese bescheidene Aufmerksamkeit von Euerer Exzellenz so aufgenommen wird, wie sie gemeint ist; im übrigen ist sie eigentlich die einzige Form für den hiesigen Botschafter und darum m. E. sein Privileg, sich in Berlin nicht fast immer nur in unangenehme Erinnerung zu bringen. Ein Schreibkrampf hinderte ihn, den Brief eigenhädig zu schreiben. Eh. Unterschrift. 4 S., hs. Ausf. miteigenhädig. Verbesserungen, Kopfbogen ,Dt. Botschaft'. Dabei Briefumschlag, der mit Brockdorff-Rantzaus Wappen versiegelt ist. [19]27 Febr. 9 - Berlin: Schacht dankt Marx für Glückwünsche zum 50. Geburtstag und überreicht sein Buch ,Stabiliserung der Mark'. Eh. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1927 Febr.: Material zur allg. Politik (zwanglose Fortsetzungen der Mitt. d. Dt. Z-Partei): Das 4. Kabinett Marx, die Stellungnahme d. Z-Partei (Richtlinien), die Reg.-Erklärung des RK Marx, Reden der Abg. v. Guérard und Stegerwald. 28 S., Druck. o. D. <1927, nach Febr. 27>: Kritik gegen eine Bilddarstellung von Marx als ,Der Retter'. 1 S., Vervielf. 1927 März 14 - Freiburg: Erzbischof Carl Fritz schreibt Marx, daß sich die in großen finanziellen Schwierigkeiten befindliche Firma Gebr. Himmelsbach AG an diesen wegen Regelung ihrer Verhältnisse gewandt haben soll. Hinsichtlich des allg. Wohls bedeutete der Konkurs der Großfirma ein großer Schaden. Die führenden Personen sind dem Erzbischof bekannt, und verdienen und besitzen allg. Vertrauen, wie überhaupt ihre Familien hochangesehen sind und von mir rückhaltlos empfohlen werden können. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. 1927 März 19 - Berlin: Löbe dankt Marx für Blumen, die ihm nach Entlassung aus dem Krankenhaus geschickt worden sind. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der Präs. des RT'. [19]27 Juni 7 - Dresden-Loschwitz: Reichsminister a. D. Peter Reinhold bittet Marx um Festsetzung eines Termins für eine Unterredung im Beisein von Minister Köhler und StS Popitz. Seine Reden, die er in Williamstown halten will, möchte er gern mit dem Außen- und Finanzministerium abstimmen. Was dagegen meine persönl. Stellung zu den Angriffen betrifft, die gegen mich erhoben worden sind, fürchte ich allerdings, daß die Unterredung Anfang Juli keine Wendung mehr bringen kann, da - nach meiner Auffassung entgegen dem Sinne unserer Besprechung vom 13. 5. - inzwischen die Feststellung und Veröffentlichung der Ergebnisse des Rechnungsjahres 1926 erfolgt ist, ohne daß die in Aussicht gestellte Fühlungnahme mit mir wegen der dabei zu klärenden Fragen stattgefunden hat. Nachdem diese Gelegenheit versäumt ist, weiß ich selbst keinen Rat mehr, wie man zu einem Frieden kommen kann, der auch meinen Interessen gerecht wird. Bis zu dem Gespräch wird sich Reinhold jeder Polemik enthalten. Dagegen kann er die Veröffentlichung seiner Antwort auf die Angriffe des Abg. Quaatz und die seiner Hamburger Rede nicht mehr aufhalten. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1927 Juni 12 - Düsseldorf: Der Bürger-Schützenverein telegraphiert Marx, daß der Chef, Kaufmann Meyer, den Ehrenschuß für Marx abgegeben hat. Postausfertigung. Dabei Rechnung der Fa. Heinr. Timm für einen silbernen Fahnennagel mit Gravur vom 4. 2. 1928. [19]27 Juni 24 - Berlin: Pünder beglückwünscht Frau Marx zum Namenstag. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf., Kopfbogen des StS in der Reichskanzlei. 1927 Juli 15 - Berlin: Maximiliane Schätzel dankt Frau Marx für einen Rosenstrauß. Eh. Unterschrift. 1 Halbseite, eigenhädig Ausf. 1927 Juli 23 - Berlin: Pünder berichtet Marx, daß, da Belgien sich weigert, in dem dt.-belg. Notenaustausch wegen der Angriffe des belg. Kriegsministers auf die sachl. Gegengründe einzugehen, Hergt den Siegermächten den Sachverhalt anzeigen möchte. Das Ausw. Amt möchte es bei dem Geschehenen belassen. In Erinnerung an v. Schuberts Vortrag über das dt.-frz. Verhältnis meldet Pünder, daß eine eingehende Aussprache Rieths mit Berthelot ergebnislos blieb. Stresemann ist mit der Behdlg. dieser Fragen, die doch schließlich der Angelpunkt unserer ganzen Außenpolitik sind, im Ministerrat im Zusammenhang mit der Entwaffnung einverstanden. Da Rumänien sich bei Eberts Tod nicht einwandfrei verhalten hat, waren bei der Trauerkundgebung für den verstorbenen König nur v. Schubert und Pünder anwesend. Die österr. Reg. hat ihren Gesandten Frank zu dem unangenehmen Auftrag angewiesen, bei der RR Maßnahmen gegen OP Hörsing wegen seines Reichsbanneraufrufs zu erbitten. Gaus hatte eine WTB-Notiz entworfen, womit Hergt bald einverstanden war; das Nachtgespräch mit <Braun> verlief wider Erwarten günstig; dieser deutete entscheidende Maßnahmen Preußens gegen Hörsing schon in allerkürzester Frist an. Der Oppositionspresse ist die öffentl. amtl. Rüge der RR gegen Hörsing sehr unangenehm; sie versucht, daraus einen neuen von der RR gewollten Konflikt zwischen Reich und Preußen zu konstruieren. Den Reichsschulgesetzentwurf hat der Reichsrat am Vortage den Ausschüssen überwiesen, die Ende Aug. oder Anfang Sept. zusammenkommen. Daher besteht Aussicht, das Gesetz am 26. 9. dem RT vorzulegen. Tendenziösen Falschmeldungen des ,Berliner Tageblatts' wegen der Erledigung hat Pünder entgegengewirkt. Der Fall v. Keudell-Badt ist deswegen unangenehm geworden, weil Braun in der letzten Vollsitzung des Reichsrats ostentativ sich vor seinen Min.-Dir. gestellt hat. Nach Ansicht von Herrn Zweigert, der doch als ruhig denkender Mann bekannt ist und die Verhältnisse recht genau überschaut, stehen die Chancen für seinen Herrn Minister - vertraulich gesagt - nicht sehr günstig. Am besten wäre, wenn der Ausschuß die Angelegenheit vertagte. Grzesinski antwortete auf Marx' Brief, daß an dem Fackelzug festgehalten wird, auch wenn sich Stahlhelm und Allg. Dt. Gewerkschaftsbund nicht beteiligen. Daher sollten neben dem Reichsbanner Kyffhäuserbund und Jungdt. Orden interessiert werden. Die übrigen Vorbereitungen für die Verfassungsfeier laufen leidlich glatt. Über Marx' Brief an Braun wegen einer Verwaltungsratsstelle für Luther ist im preuß. Staatsministerium anscheinend Aufregung entstanden. Braun hat ihn zunächst als ganz ungerechtfertigten Verschleppungsversuch der RR angesprochen. Pünder hat Min.-Dir. Nobis diesen Verdacht zu nehmen versucht und angeregt, daß Braun mit Reichsverkehrsminister Koch sprechen möge. Hoffentlich erleben wir auf diesem Gebiet in der nächsten Zeit nicht noch Unannehmlichkeiten. Des Krisenstoffes zwischen Reich und Preußen gibt es gerade genug. Der GS des Völkerbundes hat nun Dr. Beer in die Informationsabt. berufen. Stresemann, anscheinend um zu beruhigen, hat Pünder versichert, daß Beer keiner Loge angehören könne, weil er Jude sei. Gegen die zweifellos kommenden Angriffe hat die Reichskanzlei zweifellos ihre Schuldigkeit getan. Der Verwaltungsrat der Reichspost hat sich mit der Postgebührenvorlage befaßt. Daß sich die Vertreter der Reichspostverwaltung in diesen Verhdlgn. dauernd sehr geschickt benommen hätten, kann man leider wieder nicht sagen. Der Verwaltungsrat hat mit Abänderungen zugestimmt. Wegen der Berufung Grävells nach Chile hat Pünder mit Lammers gesprochen. Beide möchten ihn im Enquête-Ausschuß durch Oberreg.-R. Mayer, dem früheren ,Germania'-Vertreter in Rom, ersetzt sehen. Herrn Lammers ist damit ein großer Gefallen getan, der sich mit anderen Kandidaten des Reichswirtschaftsministeriums nicht abfinden konnte. Feßler kann dann am 1. 9. auf den Etat der Reichskanzlei übertreten. Geßler hat Pünder vertraulich mitgeteilt, daß er im Aug., spätestens im Sept. dem Herrn RK sein Abschiedsgesuch einreichen werde. Im Gegensatz zu vor einigen Monaten noch gehegten Hoffnungen fühle er deutlich, daß er seine alte Spannkraft und Arbeitsfrische nicht wiedererlangen könne. Er lege daher Wert darauf, in einem ruhigen Zeitpunkt aus diesen rein persönl. Gründen auszuscheiden. Er könne sich dagegen nicht zu einem polit. Streitobjekt machen lassen. Pünder erwiderte, daß seine Ersetzung ganz außerordentlich schwierig sein würde. Geßler antwortete, ihm komme es vor allem aufs Abschiedsgesuch an. Wenn Marx namens des RP ihn alsdann um Weiterverwaltung des Amtes eventuell bis zu den Neuwahlen bitten würde, wäre er dazu bereit. Eh. Unterschrift. 6¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. 1927 Juli 28 - Berlin: Pünder meldet Marx, daß im Vordergrund der polit. Erörterung Marx' Austritt aus dem Reichsbanner steht. Grundfalsch meint die Oppositionspresse, daß das im Z mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden ist. Daß die Rechtspresse diesen Entschluß nicht übermäßig lobt, führt Pünder auf seine Instruierung zurück. Solche Lobeshymnen von Rechts würden Ihre Position und die des Z und der ganzen Reg. gegenüber der Linken natürlich nur erschweren. Pünder hält Köhlers an Vockel mitgeteilten Standpunkt auch für nach Marx' Geschmack. Wenn jetzt das Z geschlossen aus dem Reichsbanner austreten würde, würde die Folge natürlich nur die sein, daß das Reichsbanner sich noch mehr im Sinne der österr. Schwesterorganisation zu einer einseitigen radikalen, sozialdemokrat. Palastgarde entwickeln würde. Gegenüber einem solchen Zustand ist m. E. der gegenwärtige wohl noch vorzuziehen. Die Lösung des Personalfalles Hörsing durch persönl. Rücktritt ist natürlich einer Disziplinierung erheblich vorzuziehen. Das preuß. Staatsministerium hat Antwort an Marx schriftlich angekündigt. Die Angelegenheit v. Keudell-Badt-Reichsrat steht nach wie vor keineswegs günstig. Aus der Pressediskussion ist sie freilich herausgezogen. Nach einem Referat von Boden hat der Reichsrat sie vertagt. Dieser ist der Auffassung, daß es ihn nichts angehe, ob Min.-Dir. Badt einen Vertrauensbruch begangen und den RT-Ausschuß irregeführt hat. Dagegen hat er die Frage, ob die RR bzw. ein Reichsminister überhaupt berechtigt sei, ein Reichsratsmitglied zu rüffeln, stark auf die Hörner genommen. Dadurch könnte es zur Erörterung der Frage kommen, ob die Stellung des Ministers v. Keudell, der doch Vors. des Reichsrats ist, erschüttert sei. Eine diesbezügliche Aussprache zwischen Boden und Hergt ist günstig verlaufen; für diesen hochpolit. Punkt soll, wenn er behandelt wird, Marx vorher eingeschaltet werden. Braun hat wegen der Ablösung der Staatsrenten wesentliche Änderungen verlangt. Nach Rücksprache mit Hergt hat Pünder den Gesetzentwurf dem preuß. Staatsministerium übermittelt. Wegen des Verwaltungsratssitzes Luther hat Braun ebenfalls energisch mit Ablehnung geantwortet. Pünder wird entgegnen, daß mit einer Sitzung der RR vorläufig nicht zu rechnen ist. Er hat ferner v. Guérard und Senatspräs. Schulte Abschriften von Marx' Brief zugeleitet und verweist auf einen Vermerk in der Amnestieangelegenheit. Eh. Unterschrift. 4 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. 1927 Juli 28 - z. Z. Berchtesgaden: Reichspostminister Georg Schätzel freut sich, daß Marx der Aufenthalt in Obergrainau zusagt. Postgebührenvorlage ist zwar geräuschvoll, aber sehr befriedigend über die Bühne gegangen. Eh. Unterschrift. 1 S., eigenhädig Ausf., persönl. Kopfbogen. 1927 Aug. 2 - Berlin: Pünder meldet Marx, daß die Reichsratssitzung vom Vortage wegen v. Keudell-Badt durch Aussprachen zwischen Hergt, Zweigert, Joël und Pünder sowie durch Empfänge von Reichsratsbevollmächtigten durch Hergt gut vorbereitet war. Aufgrund lancierter Anträge mehrerer süddt. Länder ist die Angelegenheit mit 5 : 3 auf den 12. 8. vertagt worden. Eine Erörterung im Kabinett ist gut vorbereitet. Marx sollte nach Rückkehr darüber zunächst Hergt und Zweigert und alsdann Boden, v. Preger und Gradnauer über die Stimmung des Reichsrats hören; nach der Kabinettssitzung empfiehlt sich vielleicht ein Gespräch mit Braun. Es besteht immerhin die Hoffnung, daß trotz des taktisch zweifellos keineswegs sehr geschickten Verhaltens des Reichsinnenministers und trotz der Kampfeswut des Herrn Preuß. Ministerpräs, bei dem vorgeschlagenen Vorgehen die Angelegenheit sich noch befriedigend regelt. Jedenfalls ist sie überaus bedeutsam und nach wie vor sehr kritisch. Der Reichsschulgesetzentwurf macht zudem starke Sorgen. Hergt kam von der Jubiläumsfeier in Marburg mit der Nachricht zurück, daß Minister Becker für Preußen unmöglich im Reichsrat in den nächsten Ferienwochen endgültig Stellung nehmen kann. Braun werde Marx dazu schreiben. Da ein solcher Brief auf sich warten ließ, hat Pünder bei Nobis mit größtem Ernste die Bedenken gegen einen solchen Schritt Preußens auseinandergesetzt: für materielle oder finanzielle Bedenken Preußens werde man Verständnis aufbringen können, nicht aber dafür, daß man sich binnen 7-8 Wochen mit dem Gesetzentwurf überhaupt nicht befassen könne. Vom Standpunkt der preuß. Koalition wäre es überdies nicht ratsam, in dieser Angelegenheit einen neuen Streitfall mit der RR zu schaffen. Nobis haben die Einwendungen offenbar stark beeindruckt. Kultusminister Becker bat Pünder dann zu einer harmonisch verlaufenen Aussprache; er hat Besprechungen mit dem Reichsinnenminister ab kommender Woche zugesagt. Nachdem er die Festrede zum Verfassungstag gehalten hat, tritt er seinen Urlaub an; doch hat er für Anfang Sept. Preußens abschließende Stellungnahme versprochen. Immerhin muß der Lauf der Angelegenheit scharf beobachtet werden, damit keine Pannen vorkommen. Beim Reichsschulgesetz ist aber auch von Reichs wegen keineswegs alles in Ordnung; denn das Reichsinnenministerium hat trotz allen Mahnens die Begründung nicht herausgebracht. Auf Pünders Vorschlag hat Hergt am Vortage v. Keudell zu einer, wie ich glaube, recht energischen Aussprache bei sich gesehen. Der verfassungsrechtl. Teil geht an das Justizministerium, der übrige wird am nächsten Tage Preußen zugestellt werden. Keudell hatte noch die unglückliche Idee, die Begründung durch Kabinettsbeschluß sanktionieren zu lassen. Weil das nicht Brauch der RR ist, trat Pünder dem scharf entgegen. Wegen der Bedeutung und aus Loyalität soll die Begründung Stresemann und Marx zugestellt werden. Ich werde jedenfalls alles daran setzen, was nur möglich ist, um dem Reichsinnenministerium in dieser Angelegenheit Dampf aufzusetzen. Wegen des Reichsbanneraustritts hat man eigentlich nur bei Dr. Buhla und seinem Art. in der ‚Köln. Volksztg.' eine richtige Interpretation der miß-verständl. Z-Entschließung bemerkt. Die belg. Reg. hatte auf die RT-Veröffentlichungen, Gutachten Bredt, hin in 2 Noten an Dtschld. angeregt, solche Fragen einem internat. Schiedsgericht zu unterbreiten. In der dt. Antwortnote, die Stresemann begrüßt und Hergt gebilligt hat, vom Vortage ist dem zugestimmt worden. Es eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, über konkrete Belgien interessierende Einzelfragen schließlich einmal die ganze Kriegsschuldfrage aufzurollen. Im Gegensatz zur Broqueville-Angelegenheit entbehrt diese mehr wissenschaftl. Diskussion mit Belgien jeglicher Schärfe. Stresemann hatte dieser Tage Bedenken, wenn nur DNVP, Z, DVP und DDP Aufrufe zur Hindenburgspende erließen. In der Öffentlichkeit und namentlich im Ausland gilt Hindenburg als Vertreter des ganzen dt. Volkes. Bei der Geschäftsführung der DNVP als den Anregern hatte Pünder keinen Erfolg, die Sache hintanzuhalten. Er hat aber sichergestellt, daß kein gemeinsamer Aufruf der 4 Parteien herausgeht, und hat den übrigen Parteien ebenfalls Aufrufe nahegelegt. Da zum Hindenburggeburtstag die Staats- und Ministerpräs. der Länder nach Berlin kommen, sollte bei dieser Gelegenheit die Min.-Präsidentenbesprechung in der Reichskanzlei stattfinden. Hergt hat den Gedanken gutgeheißen; Pünder will den Beratungsstoff zusammenstellen lassen. 7V2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. 1927 Aug. 19 - Berlin: Min.-Dir. v. Hagenow bittet Marx, eine Verordnung über den Übergang von Aufgaben der Reichsarbeitsverwaltung auf das Statist. Reichsamt zu vollziehen. Ferner übermittelt er Abschrift der im RT von Präs. Siems anläßlich des Volkstrauertages 1927 gehaltenen Rede. Nachdem der ‚Demokrat. Ztgs.-Dienst' mitgeteilt hat, daß Preußen erst Mitte Sept. seine Vertreter im Reichsrat mit Instruktionen zum Reichsschulgesetzentwurf werde versehen können, und die Rechtspresse dies als gewollte Verzögerung ausgelegt hat, hat der Amtl. Preuß. Pressedienst betont, daß die Preuß. Reg. die sehr schwierige und verantwortungsvolle Bearbeitung des Schulgesetzentwurfes mit der allergrößten Beschleunigung betreibe. Auf Löbes Anfrage hat v. Hagenow entgegnet, daß die RR bemüht ist, dem RT den Gesetzentwurf rechtzeitig zur Herbsttagung zukommen zu lassen; Löbe möge aber den Einberufungszeitpunkt mit der Reichskanzlei abstimmen. Auf den Vorwurf des Demokrat. Ztgs.-Diensts, daß die RR der Öffentlichkeit die Begründung vorenthalte, hat v. Hagenow Zweigert um Prüfung der Veröffentlichungsmöglichkeit der einstweilen noch geheimen Reichsratsdrucksache gebeten. Im preuß. Kultusministerium wird der Entwurf jedenfalls sehr schnell behandelt; die zuständigen Referenten können ihrem Minister schon am 23. oder 24.8. den abschließenden Vortrag halten. Geßlers Flaggenerlaß hat in den Rechtsblättern, vor allem in der ,Dt. Tagesztg.' heftige Angriffe ausgelöst. Allein die ,Dt. Allg. Ztg.' bemüht sich um sachl. Behdlg. des Erlasses. Nach Fühlungnahme mit Minister Schiele und mit Min.-Dir. Zechlin ist in der Pressekonferenz auf die Frage nach der Mitwirkung der RR erklärt worden, man sei nicht in der Lage darüber Mittelung zu machen. Daraus ist Auskunftsverweigerung geschlossen worden. Hagenow hat im Beisein Zechlins Geßler über den Flaggenerlaß vorgetragen. Geßler habe die Notwendigkeit einer klaren Vorschrift und die Veröffentlichung erst nach dem 11.8. begründet sowie betont, daß seine Herren Marx' und Hindenburgs Kenntnis von dem Erlaß behauptet hätten. Geßler hält ebenfalls für richtig, daß die Presseabt. sich als nicht unterrichtet ausgibt und Zechlin als persönl. Meinung äußern soll, der Flaggenerlaß sei eine reine Verwaltungsmaßnahme des Reichswehrministers. Eh. Unterschrift. 5 S., masch.-schriftl. Ausf. 1927 Aug. 25 - Berlin: v. Hagenow meldet Marx, daß auf dessen Telegramm hin die Begründung des Reichsschulgesetzes veröffentlicht worden ist. Da das ‚Berliner Tageblatt' unterirdischerweise sie vorher schon erlangt hatte, hat die Presseabt. an andere Ztgn. beschleunigt die Drucksache verteilt. Braun schreibt, daß er die Beratungen im Staatsministerium mit allen Kräften zu Ende führen will. Trotzdem wird der RT wohl erst am 3. oder 4. 10. zusammenkommen können. Lobe wird rechtzeitig benachrichtigt werden. Ist der Flaggenerlaß Geßlers aus der Presse verschwunden, so erregt nun die Stellungnahme von OB Boss wegen der von den Hotels unterlassenen Beflaggung am Verfassungstag. Der Berliner Magistrat hat die künftige Meidung der in Betracht kommenden Hotels beschlossen, und das Preuß. Staatsministerium ist dem gefolgt. Boss hat deswegen die Teilnahme am Festessen des Amerikan. Clubs zu Ehren von BM Walker - New York im Kaiserhof abgesagt. Das Ausw. Amt wird aus Höflichkeitsgründen teilnehmen. Immerhin wird Braun die RR ersuchen, sich Berlin und Preußen anzuschließen. Hagenow hat StS Weismann gebeten, damit bis zum andern Tag zu warten, um das Festessen nicht ungünstig zu beeinflussen. Geßler vertrat die Meinung, daß über Brauns Bitte das Kabinett beschließen muß. Nach Meissner soll die Tannenbergfeier nun einen überparteil. Charakter bekommen. Wenn Marx oder ein Reichsminister teilnehmen, wird nach Weismanns Mitteilung auch Braun kommen und sich nicht durch den OP vertreten lassen. Geßler sagte dazu, daß er vom RP persönlich nach Tannenberg eingeladen sei und, falls Marx oder Hergt nicht teilnehmen, gern die RR vertreten will. Bei der Einweihung des Denkmals für die erschossenen Franc-tireurs in Dinant hat der Bischof von Arras eine gegen Dtschld. gerichtete Festpredigt gehalten. Die Berliner Presse ignoriert im großen und ganzen die Meldung. Der Bischof soll auf dem kommenden Dortmunder Katholikentag ein Referat halten. Die dt. Delegation reist am 30. 8. nach Genf, die Sachverständigen 5 Tage später. In der Ministerbesprechung am gleichen Tage soll auf Stresemanns Wunsch darüber noch beraten werden; außerdem möchte dieser die Schutzfrist für geistiges Eigentum gern behandelt wissen; ferner steht der dt.-poln. Handelsvertrag an. Pünder wird am 29. 8. wieder in Berlin sein. Das Reichsfinanzministerium möchte am 2. oder 3. 9. über die neue Besoldungsordnung endgültige Kabinettsentschließung haben. Es hat bisher die Wünsche der Reichskanzlei für ihre Beamten trotz Pünders Einsatz abgelehnt. Wenn Marx an der Ministerratssitzung nicht teilnehmen kann, möge er einen beigefügten Brief an Köhler unterschreiben. Ein Schreiben des Internat. Kath. Comitees für die Pressa 1928 wird übermittelt. Eh. Unterschrift. 7 S., masdi.-sdiriftl. Ausf. 1927 Aug. 30 - Berlin: Pünder berichtet Marx über die Ministerbesprechung über Außenpolitik, an der Stresemann, Curtius, Schiele und Koch teilnahmen und die Geßler geleitet hat. Gegenüber der letzten außenpolit. Sitzung vom 10. 8. ergab sie nichts wesentlich Neues. Es entspann sich eine längere Aussprache zwischen den Herren Ministern Stresemann und Schiele, ohne daß es im übrigen zu Meinungsverschiedenheiten gekommen wäre. Die Linie der gegenüber Frkr. einzuhaltenden Außenpolitik liegt nunmehr im Reichskabinett einhellig fest. Stresemann berichtete alsdann über eine Aussprache v. Hoeschs mit Briand; mit einer Truppenverminderung von 11 000 Mann ist nunmehr zu rechnen; allerdings ist vor den frz. Wahlen des nächsten Jahres nicht viel mehr zu Dtschlds. Gunsten zu erwarten. Briand hätte einen frischen Eindruck gemacht. Weiter wurde Stresemann ermächtigt, in Genf dem poln. Außenminister Zalewski Dtschlds. Verhdlgs.-Bereitschaft über wirtschaftl. Fragen zu erklären. Gegebenenfalls soll Mitte Sept. darüber eine Kabinettssitzung anberaumt werden, zu der Stresemann im Flugzeug nach Berlin käme. Eine Beteiligung der Reichsminister an der Hindenburgspende mit 1/10 ihres Monatsgehaltes wurde für gut befunden. Eine entsprechende Aufforderung an die Beamten soll wegen ihrer Notlage nicht ergehen. Wegen des Flaggenstreits entsprach man Marx' Standpunkt, darüber nur im vollbesetzten Kabinett zu sprechen. Ebenso wurde auf Marx' Anordnung Geßler mit der Vertretung der RR bei der Einweihung des Tannenberg-Denkmals beauftragt. Köhler soll den Ministern die Besoldungsvorlage zur Prüfung zugehen lassen. Mit dieser Maßgabe wurde eine Kabinettssitzung für die Mitte des nächsten Monats in Aussicht genommen. Die dt. Delegation mit Stresemann, v. Schubert, Gaus, Weismann und Pünder wird am gleichen Tag nach Genf reisen. Die Geschäfte der Reichskanzlei hat weiterhin v. Hagenow in der Hand. Eh. Unterschrift. 3 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. [19] 27 Sept. 22 - Thoiry: Pünder grüßt Marx von einem unpolit. Abendessen. Eh. Unterschrift. Dabei Grüße von L. Kaas, Franz und Marta Henselir. Ansichtspostkarte, eigenhädig Ausf. 1927 Okt. 25 - Lüdinghausen: Landrat Dr. Max v. Stockhausen berichtet Marx, daß seine Wahl nun einstimmig vollzogen sei und er sich im neuen Tätigkeitsbereich gut eingearbeitet hat. Die großen Niederschlagsmengen des Sommers haben die kleinen Flüsse über die Ufer treten lassen; der 2. Grasschnitt ist fast völlig vernichtet. Die an sich gute Kornernte konnte wegen des Regens erst spät eingebracht werden. Man sieht auf dem Lande vielerorts verdrießliche Gesichter. Während es der Elektrizitätswirtschaft gut geht, ist die Konjunktur im Bergbau nicht rosig. Eine Zeche im Kreis ist stillgelegt worden. Die Ausgaben für Wohlfahrt und Fürsorge haben die Haushaltsansätze bereits erheblich überschritten. Marx' Kampf um das Reichsschulgesetz wird von der kath. Bevölkerung mit Anteilnahme verfolgt. Mit Interesse las v. Stockhausen von Marx' bevorstehender Reise nach Wien. Eh. Unterschrift. 21/2 S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. [19]27 Nov. 30 - Berlin: Groener dankt Marx für Glückwünsche zum 60. Geburtstag. Daß Sie in so ehrenvoller Weise meiner Dienste für das alte und neue Dtschld. gedacht haben, hat mich tiet gerührt. Auch in Zukunft wird es mein eifriges Streben sein, soweit mein Einfluß reicht, für das neue Dtschld. zu wirken und die Staatsgesinnung in unserem Volke zu fördern. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1927 Dez. 8 - New York City: Henry Heide berichtet Marx, daß der von Marx empfohlene Paul Koletzko sich bei ihm trotz Aufforderung nicht vorgestellt hat. Major Ebell - Freiburg, Delegiertem des Dt. Caritasverbandes für Nordamerika, hat er ein Paket Bonbons für Marx' Frau mitgegeben. Er dankt für die vielen Ehrungen und Liebenswürdigkeiten anläßlich seines Berlinbesuchs. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. Vermerk von Marx: „Bild geschickt, 21.12.27". 1927 Dez. 9: Liste der unteren Bediensteten der Reichskanzlei. 1¿ S., masch.-schriftl. o. D. <1927 Dez. 13 - Berlin): Alexandra Everts, Gattin des belg. Gesandten, lädt Frau Marx zum 19. 12. ein. Eh. Unterschrift. 2 Halbseiten, eigenhädig Ausf. 1927 Dez. 31 - Berlin: Reichsminister Martin Schiele dankt Marx für das Gedenken anläßlich des 50. Jahrestages des Pachtbesitzes von Neu-Schollene in seiner Familie und schickt Wünsche zum Jahreswechsel. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf., persönl. Kopfbogen. 1927 Dez. 31: Zusammenstellung der in der gegenwärtigen Wahlperiode des RT zu erledigenden Vorlagen. 3¿ S., Vervielf. 1928 Jan. 1: Verzeichnis der Mitglieder des Diplomat. Korps in Berlin. 23 S., Druck mit hs. Fortschreibungen. o. D.: Niederschrift „Ausländ. Orden". 2¿ S., masch.-schriftl. Ausf., viele eigenhädig Verbesserungen von Marx. 1928 März 2 - Koblenz: Langwerth v. Simmern freut sich über Marx' Genesung, von der Graf Adelmann berichtete. Diesseits und jenseits der Vogesen macht sich begreiflicherweise die Atmosphäre des Wahlkampfes mehr und mehr bemerkbar. Hoffentlich geht alles, ohne zuviel Scherben zu hinterlassen, vorüber, damit wir dann nach Klärung der Lage mit frischer Kraft unser gemeinsames Ziel weiterverfolgen können. Ich bin ... wahrlich nicht leichthin Optimist, aber ich glaube an die geistige und sittl. Schwerkraft des in Locarno begonnenen Werkes und bin überzeugt, daß diese Schwerkraft über kurz oder lang zum Ziele führen muß, wenn nur hüben und drüben alle, die auf gleichem geistig-sittl. Boden stehen, unverrückt, beharrlich die von den Gegnern der Idee bewußt oder unbewußt in den Weg gewälzten Hemmnisse immer wieder beiseite schieben. Eh. Unterschrift. 2 S., masdi.-sdiriftl. Ausf., Kopfbogen. 1928 März 9 - Berlin: Oberreg.-R. Walter dankt i. A. von Marx dem Millais House - London für übersandte Probeabzüge von Bildern. Gez. Unterschrift. ¿ S., masch.-schriftl. Entwurf. [1928] März 16: Mitteilung aus dem Reichswehrministerium über den Zustand von Geßlers Sohn im Stadtkrankenhaus von Augsburg. ¿ S., masch.-schriftl., Geschäftsgangsvermerke. 1928 März 25 - Rom: Fr. S. Mueller SJ, Prof. an der Gregoriana, versichert Marx seiner Teilnahme wegen der schweren Krankheit. Eh. Unterschrift. l¿ S., eigenhädig Ausf. 1928 März 31: Während der III. Wahlperiode des RT (1924) eingetretene Änderungen in der RR. RT III, 1924-28, Ds 4230. 1928 April 4 - Berlin: Grenzübertritts- und Zollempfehlung des Schweizer. Gesandten Rüfenacht. Eh. Unterschrift. 1 S., Vordruck, Stempel der Gesandtschaft. [1928] Mai 1: Zusammenstellung über Marx nach Brissago nachgeschickte Briefe. 1 S., masch.-schriftl. 1928 Mai 2 - Berlin: Reichsminister Köhler schreibt Marx, daß wegen eines neuen Finanzgebäudes für Cochem ein Referent an Ort und Stelle nach dem rechten sehen soll. Hinter allem steht Frl. Dr. Molz, die als Kind von Cochem seit einigen Monaten schon im stillen gearbeitet und jetzt so ziemlich die ganze Bürgerschalt auf die Beine gebracht hat. Marx möge die Erholungszeit gut ausnutzen, denn nach dem 20. 5. wird. es ganz gewiß wieder viel Arbeit geben. Der Wahlkampf ist jetzt zwar im Gange, aber besonders nervenaufregend ist er doch nicht. Die geschätzten Herren Kandidaten und Parteiredner halten ihre Verslgn. ab; es ist wie üblich. Der große Schwung fehlt natürlich vollständig. Köhler hat vom 22.-29. 4. insgesamt 14 ausgezeichnet besuchte Verslgn. abgehalten. In Baden hat das Z einen ganz erheblichen Vorsprung. Auch in der Flugblattverteilung ist man den anderen Parteien weit voraus. Der gute Schofer, der z. Z. in Hegne am Bodensee weilt, ist so leidend, daß er nicht in der Lage ist, als Redner am Kampfe teilzunehmen. Aber sein Geist ist bei uns und organisiert fortgesetzt. Wir hoffen auf einen guten Ausgang des Wahlkampfes. - Für andere Wahlkreise als den bad. haben die bad. Parteileitung und die Vors. der Bezirksorganisationen mich unter keinen Umständen freigegeben. Sie meinten, diese Außenarbeit solle Dr. Wirth übernehmen! - Die Blamage des Herrn v. Keudell in der Rotfrontkämpfersache ist nun, nachdem der Staatsgerichtshof gesprochen hat, eine vollkommene. Diesen Reinfall hätte sich Keudell wirklich sparen können. - In der letzten Zeit hatte ich mehrfach Aussprachen mit Parker Gilbert wegen der Unterbringung von Kommunalanleihen, der großen Umschuldungsaktion für die Landwirtschaft usw. In der Angelegenheit der Gemeinden haben wir nun eine Verständigung gefunden; sie werden mit einem gewissen Betrag in der nächsten Woche schon an den Auslandsmarkt gehen können. Auch bezüglich der Umschuldungsaktion der Landwirtschaft hoffe ich noch eine Einigung zu erreichen. Schwierig wird die Sache wegen einer vom Arbeitsministerium aufzulegenden Anleihe von 60 Millionen M für die Flüchtlingssiedler. Die Besprechungen mit Gilbert sind hier recht langwierig und nicht immer einfach. Eh. Unterschrift. 3¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. 1928 Juni 20: Polizeil. Abmeldung für Marx von der Reichskanzlei zur Güntzelstraße. 1 Halbseite, Vordrude. 1928 Juni 27: Speisenfolge des letzten Frühstücks als RK beim RP zum Abschied des engl. Botschafters Lindsay. Marx und Gattin waren besonders um Erscheinen gebeten worden. 1 Halbseite, Druck, eigenhädig Vermerk von Marx. 1928 Juni 29 - Berlin: RP v. Hindenburg entbindet Marx auf seinen Antrag vom Amt als RK und von der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Eh. Unterschrift; eigenhädig Gegenzeichnung: Müller. ¿ S., masch.-sdiriftl. Ausf., Kopfbogen ,Im Namen des Reichs', großes eingeprägtes Staatssiegel. 1928 Juni 29 - Berlin: v. Hindenburg an Marx: Ihrem Antrage auf Enthebung vom Amt des RK und zugleich des Reichsministers für die besetzten Gebiete habe ich mit dem Gefühl lebhaften Bedauerns über Ihr Scheiden in Würdigung der vorgetragenen Gründe mit beifolgendem Erlaß entsprochen. Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen bei diesem Anlasse in des Reiches sowie im eigenen Namen herzlichen Dank und aufrichtige Anerkennung für alle Ihre Arbeit auszusprechen. Stets und in allen Stellen, die Sie innehatten, als Richter, als Abg., als Reichsminister und als RK verschiedener Kabinette, haben Sie sich bei Ihrer Amtsführung nur leiten lassen von dem einen Gesichtspunkt der Arbeit am Wohle des ganzen Volkes. Was Sie insbesondere als verantwortl. Leiter der dt. Politik in schweren Zeiten voll ernster wirtschaftl. und polit. Krisen für Dtschlds. Wohl und Wiederaufstieg in unermüdl. pflichttreuer Arbeit geleistet haben, wird Ihnen stets unvergessen bleiben. Hindenburg ist der zuversichtlichen Hoffnung..., daß Ihre hervorragende Arbeitskraft und Ihre reichen Erfahrungen auch ferner unserem Vaterlande nutzbar sein werden. Eh. Unterschrift. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. 1928 Juli 19 - Berlin: Senatspräs. Otto Andres, Vors. des Bundes der Saarvereine, Bergassessor und Bergwerksdir. Dröge, Vors. des Beratungs- und Aufsichtsausschusses der Geschäftsstelle, und W. Vogel, Leiter der Geschäftsstelle ‚Saarverein', sprechen Marx, nachdem er das RK-Amt niedergelegt hat, Dank für seine Hilfsbereitschaft aus. Früher oder später wird das Saargebiet zum Vaterland zurückkehren. Das ist unsere felsenfeste Überzeugung. Wenn es erreicht ist, dann wird von allen Bewohnern des Saargebietes und von uns Saarländern im Reich auch Ihr Name voll aufrichtiger Dankbarkeit genannt werden. Eh. Unterschriften. 1¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ‚Geschäftsstelle Saarverein'.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 73
Altsignatur : 73



1928
Das Jahr 1928


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1942 Der Erinnerungsbericht enthält keine Datumsangaben oder Anspielungen auf mit der Niederschrift gleichzeitige Ereignisse. In Anlage, Einrichtung und Formulierung macht er den Eindruck, unmittelbar im Anschluß an den Bericht über das Jahr 1927 abgefaßt worden zu sein.): Am 1.1. war der RP sehr munter; Curtius sah wieder besser aus; nach der beifällig aufgenommenen Rede verhandelte Marx mit Hergt und Schubert über die Note nach Genf. Stresemann war nicht unbedenklich krank. Abfahrt nach Sigmaringen (S. 1). Telegramm für Brauns. Frau Nieden, Tochter des Notars Dumoulin aus Wevelinghoven, wurde getroffen (S. 2). Brief am 5. 1. an Brauns über die Actio catholica. Frl. Teusch hatte über Frauenbund und Mädchenschutzverein noch nichts geschrieben. Der Fürst blieb bei seinem Gegenbesuch am 6. 1. recht lange. Besichtigung des Rathauses Sigmaringen (S. 3). Besuch beim Fürsten am 8. 1. Der Reg.-Präs. schilderte seine nicht ganz bequeme Lage, wie sie nun einmal zwischen zwei dem Range nach ziemlich gleichstehenden Personen sich bilden muß (S. 4). Frl. Teusch kam am 9. 1. Am 10. 1. erschien in Berlin Botschafter v. Prittwitz zum Vortrag. Stresemann war immer noch krank. Das Urteil gegen Tresckow erging. Geßler beabsichtigte Amtsniederlegung: Das ist schlimm, jetzt gerade vor der Etatberatung. Im RT Verhdlg. mit dem Bildungsausschuß. Besprechung mit Graf Westarp. Am 11. 1. erzählte Reuter über seinen neuen Bund; übereinstimmende Meinungen. Pünders Blinddarmentzündung (S. 5). Allekotte kam mit 2 Beamten, die sich über Stegerwald beschwerten. Eine Niederschrift über das Gespräch mit Prof. Bleyer aus Budapest bekam Stresemann. Zum Geburtstag am 15. 1. Ständchen der Musiker des 9. Rgts.; die Minister sowie Lobe und Esser gratulierten; der RP war recht gemütlich; Blumen vom preuß. Staatsministerium (Das ist doch alles Mögliche!); es kamen noch Stresemann, Dorpmüller und Herren des Reichsrats. Meißner lehnte den Wehrminister ab; Köhler wurde vor allem genannt. Am 16. 1. begann die Länder-Konferenz, zunächst aber ohne Ergebnis (S. 6). Vom Besuch des StS beim Bundesrat des Völkerbundes Suramura am 17. 1. war v. Schubert nicht erbaut. Beim Abendessen des RP saß Marx neben dem Nuntius. Am 18. 1. in der Länderkonferenz reichhaltigere Debatte als erwartet mit Referat des preuß. Finanzministers. Längere Aussprache über Imbusch. Das ,8-Uhr-Abendblatt' schrieb, Marx' Stellung wäre erschüttert. Am 18. 1. war der Parteiausschuß schon vor der Sitzung zusammengetreten. In Vorträgen der Länderkonferenz über die Verwaltungsreform wollte Stötzel alles vom Reich wegnehmen. Die Sache steht ganz schlimm! Curtius wollte sein Amt niederlegen. Im Ausschuß war die Benennung der Kommission schwierig: Die Bayern wollen durchaus ihre Freiheit haben. Marx sagte Zusammensetzung der Reichsbehörden im Benehmen mit den Ländern zu (S. 7); die Bayern wollten mehr: „Einvernehmen!" Da hört sich doch alles auf! Während der Ministersitzung wurde immer noch mit den Bayern verhandelt; Hergt schloß sie, weil Marx zum Fraktionsvorstand mußte. Dieser hatte 3 Leute bestimmt, um mit ihm zu verhandeln; Marx seinerseits nahm Brauns dazu. Am 19.1. ging Marx zum RP. Groener, der die Verhdlgn. leitete, sprach zunächst mit den Parteiführern; mit 3 von ihnen unterhandelte auch Marx. Der RP wurde ungeduldig; Dohle brachte die Urkunden in den RT, als man gerade fertig war. Marx mußte mit der SPD wegen ‚Phoebus' verhandeln, dazwischen an einer Vorstandssitzung teilnehmen, in der Stegerwald sich nicht fügen wollte, Hergt und v. Keudell wollten wiederum einen etwas schwierigen Fall besprechen, überdies war ein dringender Brief zu schreiben: Dazwischen ist man doch zu einer Einigkeit gekommen! Die DDP gab am 20. 1. den Rat, die Erklärung schärfer zu fassen und in der Sitzung zuerst - vor der SPD - zu sprechen (S. 8). Indessen überließ Marx wie gebräuchlich der Opposition - Severing - das erste Wort. Die eigene Erklärung über ‚Phoebus' wurde bis auf vereinzeltes Gelächter ruhig angehört. Wallraf sprach eine vornehme Rede, die sich durch Versöhnlichkeit gegenüber Frkr. auszeichnete. Marx' Brief an Stegerwald wurde - wie erwartet - als Rückzug gedeutet. Am 21.1. sollten im Kabinett 30 Mill. für das Schulgesetz endgültig gewährt werden; die Kommission für die Niederlande wurde zusammengesetzt. Den RT hatte nach Müller (SPD) Kutscher am Tage vorher beleidigt. Guérards Rede schielte sehr stark nach links: man sieht jetzt sehr gut seinen Plan, sich der Linken zu empfehlen; er behandelte auch den Verwaltungsrat. Von Marx' Entgegnung meinte Ulitzka: ich hätte es an kritischen Bemerkungen nicht fehlen lassen, ich sei doch sehr erregt gewesen! Besuche beim amerikan. u. russ. Botschafter. In der Vorstandssitzung antwortete v. Guérard, daß er die Sache vor die Fraktion gebracht hätte; ich sage dann, man müsse dann aber auch die Sache den Ministem mitteilen (S. 9). Abends beim Minister Schmitt-Ott Vortrag von Geigenhädig-R. Wieland über die Ausgrabungen von Milet. Am 22. 1. Unterhaltung mit Brauns und Köhler. Am 23. 1. wichtige Sitzung des Bildungsausschusses. In der scharfen Besprechung mit den 4 Fraktionsführern wies Scholz alle Verhdlgn. vor endgültigem Beschluß der Arbeiterorganisation ab. Das Kabinett tagte noch einmal über die Kosten des Schulgesetzes. Interessanter Abend beim japan. Gesandten (S. 10). Am 24. 1. im RT Abstimmung über die Ruhrfrage, der Antrag wegen des Phoebus-Berichts wurde abgelehnt; Aussprache mit Stresemann über die Schulfrage. In der Fraktion wurde die Lage der Landwirtschaft erörtert. Die Einladung des RK sagte der Nuntius wegen Ermordung eines Papst-Verwandten ab. Schlusnuß brachte seine besten Lieder. Am 25. 1. holte Sonnenschein die Dichterin Paula Grogger am Bahnhof ab, ein sehr nettes, bescheidenes Persönchen; nachmittags war sie beim österr. Gesandten. Besuch des Min.-Präs. Woldemaras. Luther wollte in seiner Angelegenheit eine Erklärung abgeben. Dechant Peters von Simmern erschien. Im Kabinett wurde über die Landwirtschaft beraten. Der Besuch bei der Ausstellung des Stadtrates verzögerte sich. Am 26. 1. lief im Innenministerium im Beisein Groeners ein Kriegsfilm; die abgegebene Meinung sollte Seeckt zu Ohren kommen (S. 11). Der RT beriet den Justizetat. Essen für Woldemaras. Lageerörterung mit Buhla. Am 27. 1. Ausarbeitung der RT-Rede für den anderen Tag mit Gedanken aus einer Schrift Vockels. Möllers Sorgen erwiesen sich nach einer Besprechung mit Hoetzsch als übertrieben. Am 28. 1. reiste P. Grogger - eine recht angenehme Person - ab. Im Kabinett konnte das Liquidationsgesetz wegen Abwesenheit der DVP-Minister nicht behandelt werden. Im Parteivorstand wurde ziemlich scharf verhandelt. Die Herren von den Gewerkschaften pflegen ja eine etwas heftige Verhandlungsart (S. 12) zu lieben! Kaiser von Köln setzt sich recht scharf für die Gewerkschaften ein. Sie sind aber empfindlicher als wir. Sie können scharfe Ausdrücke gebrauchen, sind aber über jeden nur etwas scharfen Ausdruck empört! Die Hauptsache ist aber, daß alle für die Einigkeit eintreten! Die Behdlg. des Schulgesetzes gelang Wirth nicht. Am 29. 1. wurde Marx' Rede im <Parteivorstand?> gut aufgenommen. Kaiser (Köln) und Imbusch sprachen dann scharf. Marx' Antwort fand großen Beifall. Die große, von Joos entworfene Entschließung wurde angenommen: Jedenfalls steht jetzt fest, daß ich alles in die Wege leiten kann, sobald die Zeit dazu gekommen ist. Man hätte mir von den Gewerkschaften meine Tätigkeit nicht so übel nehmen dürfen, meine ganze Vergangenheit war doch in diesem Sinne gestaltet. Am 1.2. in Verhdlgn. mit Stresemann, Curtius, Brauns und Pünder keine Einigkeit über das Schulgesetz. Am 5. 2. Besuch von Dr. Martha Multhaupt (S. 13). Marx forderte die ‚Berliner Ztg.' auf, ihre Behauptung, er hätte Luther an die Preußen-Kasse bringen wollen, zu dementieren. Am 7. 2. wurde Scholz, der das Schulgesetz bis nach der Etatberatung liegen lassen wollte, im Beisein Pünders erklärt, daß sich darauf das Z nicht einlassen würde. Am 8. 2. kamen Leicht und v. Guérard, der mit der Forderung auf Einberufung des Schulausschusses die Sache gleich zum Krach bringen will. Böhler wurde in den RT geschickt, damit er sich dort umhöre; er berichtete daß man zunächst eine Erklärung des Ausschusses wünsche, um eine Rückendeckung zu haben; er wollte sich mit Braun aussprechen. Am 9. 2. wurden mit Brauns und Köhler Fragen für den Parteivorstand vorbesprochen. Die Sitzung selbst war ruhig (S. 14). In einem Schreiben sprach sich der RP - Hergt trägt wohl die Schuld daran - gegen eine Auflösung des RT aus; es sollen zunächst alle anderen Sachen erledigt werden. Prof. Goldschneider stellte am 10.2. Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Marx fest. Am 17. 2. berichtete Pünder, daß ein Notprogramm aufgestellt werden sollte; doch beriet der RT nicht vereinzelte Posten, sondern alle Einzelheiten: Ich fürchte, daß bis zum Abend alles durcheinander ist. Kabinettssitzung und Zusammenkunft der Reg.-Parteien: Die Aussichten sind ziemlich schlecht (S. 15). DDP und SPD wollten erst das Programm der Linken wissen. Der RP erklärte sich zwecks Durchführung des Notprogramms zur Auflösung des RT bereit: Man hat dann immer die Besorgnis, wie dann weiter regiert werden solle. Reuter brachte einen Brief für Stresemann zur Unterschrift. Am 20. 2. beriet das Kabinett die am 27. abzugebende Reg.-Erklärung. Programm für den Besuch des Königs von Afghanistan. Hergt berichtete die Einzelheiten aus der Ministerberatung. Die Presse schlug ein neues Kabinett vor, das Neuwahlen durchführte (S. 16). Am 24. kamen Geßler und RP, der erzählte, daß der König ihn gefragt habe, wie man am besten Schlachten gewinne. Er habe gesagt, man dürfe nicht zu rasch vorgehen und müsse den Feind umfassen und dann verhauen! Am 25. 2. erzählte Frl. Teusch, daß sie Schulrätin werden sollte. Aus dem Kabinett kam niemand zum Bericht (S. 17). Beim afghan. Gesandten war Pünder: Er ist doch gut für alle Geschäfte und Veranstaltungen. Am 29. 2. machte Pacelli, der auch bei Frau de Margerie war, Krankenbesuch. Am 1.3. berichtete Köhler, daß der Antrag der KPD, den Saemischbericht in der Phoebussache zu veröffentlichen, durch die Unaufmerksamkeit der Reg.-Parteien angenommen worden war. Das Kabinett lehnte dies in einer Sitzung ab und belud Marx mit den entsprechenden Verhdlgn. mit den Parteien. Mayer wurde wegen des Vorfalls in Trier gesprochen. Nach der ,Köln. Volksztg.' unterzeichnete der listige StS Schmid nur die zusagenden Berichte, während Marx die ablehnenden vorgelegt erhielte. Lensing-Dortmund erschien zu einer Sitzung des Reichsrats (S. 18). Auf Groeners Erklärung vom 2. 3. in der Kommission, daß Marx mit den Parteien verhandeln wollte, hatte diese ihre Beratungen fortgeführt. Vlögels berichtete über die Beschlüsse des Reichsausschusses der SchO. Köhler wollte v. Guérard, der auch erschien, zum Präs. der Reichsschuldenverwaltung machen. Er reiste zum Reichsparteitag nach Freiburg, wo über die Aufstellung von Wirth beraten werden sollte. Er wollte ebenfalls den Parteiführern nicht die Einzelheiten über Phoebus mitteilen (S. 19). Am 6.3. einigten sich die Reg.-Vertreter auf eine Erklärung, in der alles über das Unternehmen von Lohmann enthalten ist, was den Haushaltsausschuß angeht; über die Bedeutung des Militärischen sollte Admiral Zenker vertraulich in dem Ausschuß etwas sagen; schließlich wird das zu unterlassen beschlossen. Am 7. 3. war die Besprechung mit den Reg.-Parteien über den gelungenen KPD-antrag; mit der SPD sprach Marx recht deutlich: ich gebe nicht mehr als den Bericht; die DDP warf hauptsächlich juristische Fragen auf über die Haftung des Reichs oder der Länder. Am 8. 3. kam Stegerwald mit seinen Vorschlägen für den Vorstand (S. 20); die Kosten wollte er aus seiner Bank mit 10 000 RM vorstrecken, die Fraktion sollte in größeren Raten zurückzahlen: Damit kann man schon zufrieden sein. Saemisch hatte Bedenken über die fristgerechte Fertigstellung des Phoebus-Berichts. Am 9. 3. Vorträge von Walter und Pünder. Hohn berichtete über den Vv im Beisein Köhlers; man fragte sich: ob ich einen Brief an Schofer schreiben soll, daß eine Aufstellung von Wirth zur RT-Wahl nur dann erfolgen solle, wenn er eine Erklärung unterschreibt, daß er unter allen Umständen mit der RT-Fraktion des Z zusammengehen werde. Köhler wollte darüber mit Schofer sprechen. Planck verhandelte wegen des Berichts eines LT-Ausschusses: Es scheint auch diese Sache in Ordnung zu kommen. Am 10. 3. berichtete Hohn aus der Vorstandssitzung, ebenso Vockel über seine Beobachtungen. Brauns fuhr in seinen Wahlkr. Ich werde an Adams schreiben müssen, ob man damit einverstanden ist, daß ich in Thüringen als Kandidat aufgestellt werde (S. 21). Am 13. 3. überbrachte der afghan. Gesandte dem RP und Marx den höchsten afghan. Orden, der mit dem Herzogstitel verbunden war; Stresemann sollte ihn ebenfalls erhalten. Am 16. 3. kamen Kaas, v. Guérard, Klöckner und Becker; dieser war aufgeregt über das Vorgehen des Postministers, der doch Minister höheren Grades ist. Das Notprogramm schien richtig zu verlaufen. Böhler trug seine für den Reichsausschuß der SchO vorbereitete Rede vor; Broschüren über dessen Beratungen und das Reichsschulgesetz hatte er fast fertig. Mit Kaas völlig einig über die Lage von Partei und Fraktion (S. 22). Am 17. 3. kam Hamacher. Pünder berichtete aus der Kabinettssitzung vom Vortage Brauns' Rücktrittsandrohung. Durch Böhler ließ sich Marx bei der SchO entschuldigen. Kaas brachte Besorgnisse über die Zustände in der Fraktion vor. Er riet Marx vom Verzicht auf das Mandat ab: Marx brauchte nicht zu agitieren, aber er müßte doch bleiben. Marx wollte zudem auf den Parteivorsitz verzichten: ich wollte einmal wieder frei sein! Am 18. 3. erstatteten Böhler und Schwerd Bericht über den Reichsausschuß der SchO (S. 23). Gatz kam am 19. 3. wegen des Tees zu Ehren von Bittner. Der neue Gesandte von Hessen Nuß hatte schwere Sorgen wegen der großen Schulden; nach Köhlers Auskunft waren Hessen schon 10 Mill, geliehen worden. Am 20. 3. wollte Schade eine Eingabe beim Ausw. Amt befürwortet haben. Köhler wollte die Parteiführer wegen des Regentschaftsetats <!> zusammen haben, dessentwegen die DVP Schwierigkeiten gemacht hätte; Marx drohte den Rücktritt der Z-Minister an; der DVP-Vorsitzende sagte sehr vernünftig, daß, wenn alle anderen Parteien sich des Antrags annehmen würden, dann würde auch er seine Leute dazu bringen, auf ihren Antrag zu verzichten und den Hauptantrag anzunehmen (S. 24). Am 28. 3. wurde im Kabinett Fortsetzung der Verhdlgn. über den poln. Handelsvertrag beschlossen, die Hermes führen sollte. Schreiben an den Fürsten Löwenstein und Kard. Bertram wegen des Verhältnisses zu Preußen. Am 30. 3. wurde im RT wider Erwarten ruhig über die Amnestiefragen abgestimmt; nur Höllein hielt eine scharfe Rede (S. 25). Schmidt, Güsgen und Bonn kamen wegen Allekotte. Zender, der nach Schneidemühl fuhr, wurde über Neuerburg unterrichtet. Am 31. 3. Abschied vom RP, den anschließend Braun aufsuchte. Feierliche Schlußsitzung im RT mit schönem Rechenschaftsbericht von Löbe. Unterredung mit v. Keudell wegen der KPD und mit Esser und dem Vorstand wegen v. Guérards Beförderung: einmütig darin, daß es jetzt nicht geht, namentlich angesichts des preuß. Finanzministers. Mit Köhler Gespräch über Wirth (S. 26). Am 1. 4. Kaffee mit Frau Köhler. Am 2. 4. kamen Frhr. v. Maltzan und Leutnant Ries wegen des ev. Heims in Oranienstein, dessen Bau ohne ausreichende Mittel begonnen wurde. Mit Vockel wurden die meist wegen der Wahlen eingegangenen Briefe und die Reichsliste durchgegangen. Diese wurde auch am 7. 4. mit Vockel und Stegerwald besprochen (S. 27). Fonk hatte ein Schreiben von Marx oder - besser noch - Stegerwalds Reise nach Düsseldorf gewünscht; doch schien jeder Versuch aussichtslos. Am 11. 4. konnte Marx über die Wahl noch eben mit dem Bischof von M <eissen> sprechen, der natürlich Flügler als Kandidaten wollte. Mit Stegerwald wünschten 3 Lehrer zu sprechen. Mit ihm und Brauns wurde eine Liste zusammengesetzt, die der Vorstand nachher stark änderte (S. 28). Bei Wirth erschien die nötige Garantie fraglich; Schwierigkeiten machten die Fragen der Wirtschaft, der Doppelmandate und der Frau; Abstimmungen meist geheim. Am 12. 4. sollten die Beratungen <des Parteiausschusses> im Plenarsaal sein, dessen Räumung Marx - unter Mißbilligung - verhinderte; Marx sprach auch über das Rheinland (S. 29); Kaas ausgezeichnetes Referat erhielt großen Beifall; zwischendurch beschwichtigte Marx die Diaspora und die Sachsen wegen ihrer Kandidaten; mit Josef Kurig und Brauns wurde gespeist; Ausführungen von Stegerwald, Wirth und Brauns: Es ist alles recht schön und einmütig verlaufen, die Presse kann nicht viel zum Kritisieren finden. Zum Fraktionsvorstand im LT ging Marx nicht, sondern schrieb Porsch statt dessen einen Brief über die Saar, ebenso Lingens, Tosetti u. a. Im Kuratorium der Reichsbank hielt Schacht einen interessanten Vortrag. Frl. Teusch ging nach ihrem Besuch zum „Rheingold", wo der Frauenbeirat tagte. Am 14.4. teilte Stresemann im Kabinett mit, daß Reuter nach Marseille gehen wollte; Brauns sprach über Ruhr und Rhein (S. 30); v. Keudell wollte den Frontkämpfer-Bund auflösen, wogegen Brauns und Stresemann größte Bedenken äußerten, denen Marx zustimmte. Am 15. 4. begann die Malerin Pachter ein Bild. Keudell blieb bei seinem Entschluß; Marx entgegnete: daß ich seine Gründe nicht billige, aber er habe schließlich die Verantwortung zu tragen. Am 16. 4. Antritt der Reise nach Locarno (S. 31). Am 20. 4. schrieb Marx Pünder seine Ansichten für die Ausschußsitzung der Delegierten: Es ist möglich, daß, wenn der Ausschuß die Anordnung an die Länder aufgibt, dann Neuwahlen stattfinden müssen oder auch die nationalen Minister ihr Amt zur Verfügung stellen. Goldenes Priesterjubiläum von Pfarrer Gruenter (S. 33). Am 23. 4. in Castagnoli ten Hompel getroffen (S. 34). Am 24. 4. kam dieser zu Besuch, Begegnung mit Prof. Marcks (S. 33 a). Ein Schreiben von Keudell faßte Marx als Beschwerde gegen die ‚Germania auf; es wurde bestätigt und Pünder vertraulich weitergeleitet (S. 34 a). Frau v. Carnap wurde die Reichskanzlei für eine Hausfrauentagung abgelehnt mit Rücksicht auf die bisherige Übung (S. 35). Am 2. 5. kamen Hoenscheid, Minister Neuhaus und v. Guérard an (S. 36). Geburtstagsglückwunsch für Stresemann am 8. 5. (S. 38). Am 14. 5. kamen Pünder und Pukaß nach Thun entgegengereist; Gesandter Müller machte Besuch (S. 40). Auf der Rückfahrt am 15. 5. besprach Marx mit Pünder die Angelegenheiten v. Keudell und Musko. Am 16. 5. waren in Berlin Zechlin, Planck, Hagenow und Twardowski am Bahnhof. Der RP hatte keine Fragen, wie Marx schien er mit v. Keudell nicht einverstanden zu sein. Mit Pünder wurde die Feier zur Grundsteinlegung der Reichskanzlei im einzelnen durchgesprochen. Im Kabinett waren Dorpmüller und Siemens wegen der Tariferhöhung anwesend: unerquickliche Debatte. Die Festreden für die Kanzleifeier wurden auf Pünders Rat gekürzt (S. 41). Diese fand im Beisein von RP, RK a. D. Bauer am 18. 5. statt; es sang der Domchor. Dorpmüller sang und erzählte heitere Geschichten, Fessler hatte ungemein schwer geladen (S. 42); später übergab er eine Broschüre. Adenauer zeigte die Geburt eines Mädchens an. Brauns erschien am 20. 5. ganz abgearbeitet. Am 21. 5. in der besuchten Pressekonferenz wurden die Gründe des Verlustes von 5 Mandaten bei den Wahlen des Vortages diskutiert (S. 43); die Rechtskoalition wäre schon gleich im Anfang so heruntergesetzt worden. Mayer brachte Angelegenheiten des besetzten Gebietes vor; die Mainzer Sache löste sich friedlich. Am 22. 5. fuhr Pünder nach Kiel zum Stapellauf des Kreuzers ‚Köln. Marx schrieb an Sinn und Lindgens, ob ersterer nicht zugunsten des durchgefallenen Schetter auf sein Mandat verzichten würde. Frühstück für Richter Derkins mit Parker Gilbert und Botschafter Schurman. Zusammenkunft mit Luther wegen der Bahntarife. In Anwesenheit v. Schuberts Empfang für den Gesandten Benesch. Der bei den Wahlen durchgefallene Schulte war ganz verwirrt; er sei ruiniert, wenn nicht Wunder geschähen; Zweigert bezeichnete die Rücknahme einer Listenverbindung als unzulässig. Es ist schlimm, daß wir so wenig Juristen in der Fraktion haben. Bei dem Frühstück bei v. Schubert entstand langer Streit zwischen Benesch und Curtius wegen verschiedener gesellschaftlicher Fragen (S. 44). Interessante Besichtigung der Zentralstelle für Heimatdienst. Am 27. 5. erzählte Köhler - Stegerwald war dabei - von einer Zusammenkunft mit süddt. Abgeordneten; die Bedingungen für den Beitritt der Bayern zur großen Koalition waren unannehmbar (S. 45). Am 29. 5. hatte Marx die Unterredung mit Stegerwald und Vockel fast vergessen. Am 30. 5. würdige Feier in der ‚Auslese, nachdem der Nuntius zelebriert hatte; die Reden von Zeller, Abt von St. Matthias in Trier, ein sehr kluger und moderner Mann, und Horion waren ausgezeichnet; der Nuntius war wegen der Wahlergebnisse beunruhigt; Zeller meinte, es schade gar nichts, wenn auch die Roten einmal daran kämen. Das Kabinett besprach weiter die Tariferhöhung. Beim Kommers im „Rheingold mit dem Abt, der am 31. 5. den Nuntius und die Dominikaner in Moabit besuchte (S. 46). Im Vorstand wurde mit großer Einmütigkeit über die Kabinettsbildung gesprochen, Kommissare für die Vorbereitung der Beratungen wurden gewählt; Raumer<?> und Dessauer hielten sehr gute Referate. Die SPD wollte den Kanzler stellen; Löbe war beim RP und auch bei Stresemann, der sehr krank war. Am 1. 6. waren im RT mehr Abg. von auswärts erschienen, so Hess und Joos; Marx legte die Gründe über das Nachlassen der Stimmung dar. Marx wurde die Behauptung nachgesagt: Z wäre keine republikan. Partei. Wirth fühlte sich durch Marx' Wendung, daß Stresemann z. Z. ausscheide, beleidigt, sprach aber sonst recht gut. Im ganzen habe ich die Empfindung, daß es gut ist, wenn ich bald scheide. Kaas und Schreiber hatten sich ebenfalls auffallend scharf gegen Stresemann ausgesprochen (S. 47). Er war aber nach Marx' Ansicht noch unentbehrlich. Am 2. 6. Dankschreiben an verschiedene Herren im Wahlkreis und an Pradel 500 M. Am 3. 5. besuchte Frau Marx Frau Erzberger. Am 4. 6. stellten sich die neuen Gesandten von Chile, Guatemala und Rumänien vor. Wirth wurde wegen der Verhdlgn. unruhig, die angeblich von v. Guérard und Esser in Köln geführt worden waren; fernmündlich antwortete v. Guérard, daß Esser alles schon in der Vorstandssitzung berichtet hatte. Am 5. 6. telegraphierte v. Guérard, daß er weder verhandelt hatte noch es zu tun gedächte. Vockel fuhr nach Wien (S. 48). Köhler hatte sich über eine Stunde mit Müller (SPD) auseinandergesetzt; dieser schien die Sache sehr leicht zu nehmen; das Z würde eine ganze Reihe von Forderungen stellen, auch wegen des Schulgesetzes. Das Kabinett lehnte die Tariferhöhung ab. Curtius verneinte gegenüber Marx einen Verzicht der DVP auf die Koalition in Preußen. Am 6. 6. meldete sich v. Pawelsz ab: er ist doch sehr herunter. Die Einladung Mönnigs an den Parteivorstand wurde mit Stegerwald abgelehnt, da am Freitag doch keine abschließenden Verhdlgn. stattfinden werden (S. 49). Pradel wollte Marx nach Heiligenstadt haben. Am 8. 6. merkte sich der RP eine Reihe von Personen für die Ministerien und notierte sich Marx' Beurteilungen, über die Tarife verhandelte v. Siemens, der an Köhler verwiesen wurde. Leicht war ein sehr geistreicher und interessanter Mann, mit dem man gut verhandeln konnte. Am 9. 6. Besuch des siamesischen Gesandten; mit dem abgehenden engl. Botschafter Lindsay besprach Marx interessante Fragen. Im Vorstand kam bei der ganzen Unterhaltung nicht viel heraus; v. Guérard berichtete über seinen Besuch beim RP (S. 50). Am 10. 6. nahmen an der Fronleichnamsprozession neben Marx die Minister Köhler, Schmidt, Schätzel und Hirtsiefer teil. Am 11. 6. wurde die von Koch gewünschte Kabinettssitzung über die Verlegung des Flugplatzes von Berlin nach Stuttgart abgelehnt: Das wäre eine schöne Verantwortung des Ministeriums, wenn wir uns über solche Fragen festlegten! Am 12. 6. meldete Marx seinen Rücktritt beim RP an, der sich das überlegen wollte (S. 51). Im Fraktionsvorstand erklärte Brauns, daß er Arbeitsminister bleiben wollte, wenn es die Fraktion wünschte. Dieser, die 9 neue Leute hatte, wurde das Beschlossene mitgeteilt. Im Vorstand wurden dann die Forderungen an die in Betracht kommenden RK-Kandidaten festgelegt. Die Verhdlgs.-Führer gingen dann zur SPD. Marx besuchte den sehr schwachen Stresemann. Beim Abschiedsabend in der Kanzlei wurde ein Film über die Grundsteinlegung gezeigt; in fideler Stimmung hielten Brauns und v. Keudell witzige Reden. Am 14. 6. im RT unerfreuliche Präsidentenwahl, weil die DNVP gegen Lobe stimmte, statt Graef Esser, dann v. Kardorff und gegen Bäumer Graef gewählt wurden. Am 17. 6. Aussonderung der Akten, die in der Reichskanzlei bleiben sollten. Frl. Teusch erzählte von ihrer Wahl (S. 52). Am 18. 6. soll im RT Müller übel genommen worden sein, daß er nicht schärfer eingriffe. Wallroth meldete sich als Gesandter nach Oslo ab. Im Kabinett weigerte sich das Finanzministerium, 5 Mill. an wettergeschädigte Gebiete auszugeben. Im Vorstand und in der Fraktion wurde nur über Ausschüsse geredet, die Schulfrage war noch nicht geklärt. Am 19. 6. Auszug aus der Reichskanzlei. Die Fraktion verhandelte weiter über die Ausschüsse und ihre Entschließungen. Müller wollte nun ein Programm aufstellen. In Preußen klagte man über die DVP (S. 53). Am 20. 6. wurden in der Kanzlei die Flieger, namentlich Kohl geehrt. Am 24. 6. war Frl. Teusch zu Besuch. Am 25. 6. änderten sich im RT dauernd die Situationen; gesprochen wurde auch über das Ernährungsministerium. Die Mitglieder des Parteivorstandes wurden als Person, nicht als Vorstand geladen! Nach eingehender Aussprache mit Mönnig und Hamacher zum Mittagessen (S. 54). Marx wollte nicht die Fraktion allein verhandeln lassen, bis feststand, daß ein Personalkabinett gebildet werden sollte. Am 26. 6. warnte Marx den Vorstand, Minister zu benennen; man bestand darauf und holte sich eine Absage. Dietrich (DDP) aber nahm Wahl und Ernährungsministerium an. Im Vorstand sprach Marx sich entschieden gegen Übernahme der Vizekanzlerschaft durch das Z aus: Die Hauptsache ist, daß Joos gesagt hat, man solle gegen Stresemann einen Aufpasser einsetzen! Trotzdem wird für Wirth darum gekämpft, und man verlangt, daß Wirth Vizepräsident werden soll! Am 28. 6. waren im Vorstand - auch Wirth dabei - alle sehr deprimiere; da alles Irrtum sein sollte, schlug Esser Beschränkung auf ein Ministerium vor; Marx aber wollte 3 Minister verlangt wissen; da alle anderen sich dagegen erklärten, war also Brauns einfach fallen gelassen! Stegerwald und Esser gingen zu Muller: So wird es nun gemacht. Die Fraktion besuchte Marx gar nicht mehr. In der Abschiedssitzung des Kabinetts hielt er eine kurze Ansprache, auf die Hergt erwiderte; Brauns war stark gerührt (S. 55). Auf der Fahrt nach Heiligenstadt führte Dietrich durch Halle a. d. S. In Heiligenstadt stieg Marx bei Propst Poppe ab. Am 29. 6. Besprechung im Gesellenhaus. Dann große Vertrauensmänner-Verslg. mit 300 Leuten. Am 1. 7. Einweihung des Gesellenhauses (S. 56). Am 3. 7. in Berlin in der Fraktion nur formale Beschlüsse über die Ergebnisse der Ausschußsitzungen. Müllers Reg.-Erklärung ist so gefaßt, daß auch ich sie hätte abgeben können. In der Fraktion wurde zur Formulierung der beschlossenen Erklärung eine Kommission eingesetzt. Am 4. 7. erregte die Erklärung des Z wegen einiger Spitzen den Unwillen der SPD. Diese wollte sie nur zur Kenntnis nehmen. Dennoch beschloß die Fraktion - mit Stimme von Marx - Unterschrift unter die Billigungserklärung, obwohl sich Ulitzka dagegen wandte. Vockel hatte seinen Urlaub am 6. 6. unterbrochen, weil er über die Pläne des Vv und der Parteisekretäre unruhig geworden war (S. 57); aus den Vorträgen von Brauns und Stegerwald ergab sich deren Aufgabe; sie wollten den Vv zu seinen ursprünglichen Plänen zurückführen; Vockel war auch mit der Gleichheit der Mitgliedsbeiträge einverstanden. Am 11. 7. wollte der vom Botschafter empfohlene Amerikaner Garit Marx' Meinung über die Friedensbedingungen hören. Im RT wurde mit Gronerath die Lage des Vv in der Diaspora besprochen (S. 58). Brauns berichtete, daß Kard. Schulte mit den Vorschlägen über die Umbildung des Vv einverstanden war. Lammers teilte Stegerwald und Marx die Leistungen der Großindustrie für die Parteifinanzen mit. Am 12. 7. stand im RT fest, daß über die Nationalfeiertage nicht mehr entschieden wurde. Über das Streikrecht sollte eine Kommission beraten. Die Vorstandssitzung, für die Bell Marx' Vertretung überlegte, mußte wegen namentlicher Abstimmungen besonders wegen der Lohnsteuersenkung oft unterbrochen werden. Angriffe der Minister gegen die SPD. Auch Klöckner zog sich für das Abendessen beim Nuntius im RT um: Er hat einen Orden angelegt, der aber zu dem Stern nicht paßt, den er auch trägt. Man sieht, daß jemand ein tüchtiger Fabrikherr sein kann, ohne etwas von der Bedeutung eines Ordens zu wissen! Es waren Gesandte, aber auch Schmidt, Weismann und Klee anwesend (S. 59). Am 13. 7. gab es im Vorstand scharfe Debatten, derentwegen Stegerwald plötzlich das Zimmer verließ und in der Hohn sich aufregte. Die Finanzlage <des Vv?> war ungemein gefährlich, weil bis Okt. beinahe 1 Mill. Wechsel zu decken waren. Besprechung mit Klöckner und Lammers. Für Rieder wurde an Steiger und Dietrich geschrieben. Am 14. 7. traf Marx im Zuge nach Köln Justizminister Schmidt und den Abg. Becker. Pieper brachte schlimme Sachen aus dem Vv vor. In Köln war riesiger Verkehr (S. 60). In Bonn Stiftungsfest der ‚Arminia mit Hochamt im Münster von Prälat Straeter, ausgezeichneter Festrede von Schrömbgens und Stadtrundfahrt mit Henry und Ritzenfeld. Unterhaltung mit Brauns über den Vv. Leicht wurde mit Eilboten nach Frankfurt gebeten. Am 16. 5. Schiffsreise nach Königswinter (S. 61). In Euskirchen wurde der besuchte Esser nicht angetroffen, weil in M.-Gladbach kath. Organisationen tagten. Besuch bei Verwandten in Flamersheim. Stotzheim war berühmt durch die wallonischen Hausierer und Topkünstler. Am 18. 7. wurde im Bonner Münster unter starker Anteilnahme das Totenamt für Hoffmann gefeiert. In Kessenich sprachen in einer Parteiverslg. Lauscher und Marx. Rückfahrt mit Reg.-Präs. Elfgen (S. 62). Im Kölner Bahnhof traf Marx Raffauf. In Münster holte ihn Terrahe an der Bahn ab; nach Tisch große Gesellschaft mit Bischof, Donders und Surmann. Am 19. 7. waren zur Herold-Feier auch v. Guérard und Stegerwald da. Beim Festessen saß Marx zwischen Herold und Mausbach, der recht aufgeräumt war; im Schulgesetz wollte er die Simultanschule mehr in den Vordergrund geschoben haben. Cremer fuhr Marx zum Bahnhof. Am 20. 7. Schiffsfahrt von Beuel nach Andernach (S. 63). Dort wurden Freusbergs begrüßt. Zum Mittagessen erschien Geigenhädig-R. Klauck. Am 21. 7. mit Frau Hoenscheid Besuch der ‚Pressa in Köln, wo Dr. Rüssel führte und Marschall begrüßte; ferner Besuch des Vergnügungsparkes und der Reichsbank (S. 64). Am 25. 7. Besuch des Hauptmanns v. Scharp. Mit Klieber und Schneider von der ‚Caritas wurde über die am 15. 6. und 15. 7. mit je 10 000 RM fälligen Schulden des Vv verhandelt. Brief an Stegerwald wegen Josef Kurig und an das Min. f. d. besetzten Gebiete wegen Frl. Teusch. Am 28. 7. Fahrt mit Stegerwald nach Frankfurt (S. 65). Am 29. 7. trug in Anwesenheit von Pieper und Hohn Dessauer seine Pläne vor; auch der Abend wurde zusammen mit Stegerwald und Brauns verbracht; der Vertragsabschluß mit ‚Deutsch-Leben wurde genehmigt. Am 30. 7. wünschte Heinrich Schriftleiter zu sein zusammen mit Hohn, der Marx die Angelegenheit aber etwas anders dargestellt hatte; später hielten Becker, Nell-Breuning und Dessauer noch Vorträge. Am 31. 7. wollte Lammers die Gesellschaft mit Vockel und Stegerwald gründen; dieser hatte 50 000 RM schon eingezahlt, 20 000 RM waren an die M.-Gladbacher Gesellschaft überwiesen worden. Am 1. 8. äußerte sich Vockel zufrieden über das Geschehene und wollte die Gesellschaft mitmachen (S. 66). Am 3. 8. schickte Marx Lammers 955 RM; Becker und Nell-Breuning legten den Vertrag vor, wozu Marx bescheinigte, daß der Vorstand ihn zur Unterschrift berechtigt hat. Am 4. 8. Fahrt nach München, wo Marx am 5. 8. von P. Steingaß erkannt wurde (S. 67). Kard. Faulhaber war dankbar für die genauen Mitteilungen über den Vv: er habe den besten Willen, alles zu ordnen; hatte aber Zweifel. Am 7. 8. wurden in Gastein Giesberts und Stegerwald getroffen (S. 68), der über seine Vereinbarungen mit ‚Phoenix erzählte. Es scheint doch mehr für den Vv herauszukommen. Für diesen ließ Marx am 8. 8. eine Urkunde beglaubigen. Übrigens durfte Hohn nicht mehr allein verbindliche Unterschriften abgeben (S. 69). Am 11. 8. wurde der Verslg. der kath. Jugend im Berliner Gesellenhaus telegrafiert, an Zenker wegen eines jungen Mannes aus dem Eichsfeld und an Wasserbäck geschrieben sowie ein Aufsatz für das RT-Blatt an die Zentrale f. Heimatdienst abgeschickt (S. 70). Am 12. 8. wieder Stegerwald getroffen (S. 71). Am 16. 8. kamen Sänger aus Windeck (S. 72). Skizze von einem Prof. Ferraris (S. 73). In Gutenbrunn Besuch des Weihbischofs Fried, ein 84 Jahre alter interessanter Herr. Am 20. 8. Besuch durch den Weihbischof von Prag. Am 21. 8. Unterredung mit Stegerwald über die Förderung der Organisation (S. 74). Am 25. 8. hörte Marx mit dem Fürstbischof v. Salzburg im Kursaal zwei Vorträge. Abends Ankunft des Bundespräs. (S. 76). Bei der großen Festfeier am 26. 8. verschwieg Marx seine Meinung über den Anschluß Österreichs nicht, obwohl ich sonst immer gesagt habe, man solle nicht so viel über den Anschluß reden. Unterhaltung mit dem Landeshauptmann über allg. polit. Fragen. Am 28. 8. sammelte ein Herr aus Wien für die Reichsdt. (S. 77). Am 29. 8. Abschiedsbesuche beim Erzbischof, Pfarrer und OB (S. 78). Ab 30. 8. in München (S. 79); Brem war am 1. 9. nicht anzutreffen. Wegen der Versicherung hatte Böhler einen ängstlichen Brief geschrieben und Kard. Bertram telegrafiert; ihm wurde mitgeteilt, daß die Sache so nicht liege, wie er befürchtete. Am 2. 9. von München abgereist. Am 3. 9. wurde Carl Bachems Buch in der Reichskanzlei abgeliefert (S. 80). Am 4. 9. wurde Lammers über alles Vorgefallene unterrichtet. Ein von der Presse empfohlener Amerikaner fragte über Räumung und Reparation; er wollte eine Schrift über das Rheinland haben. Wegen der Slg. erhielt Porsch einen Brief. Am 5. 9. Reise nach Magdeburg, wo mit Fürst Löwenstein, Hohn und Herold gespeist wurde. Referat über die Akten von Mexiko. Vorstandssitzung des Vv; über die Stellungnahme der Bischöfe gegen die Slg. wurde geklagt: Die Stellung von Köln ist nicht ganz klar. In der glänzenden Verslg. hielten Nuntius und Bischöfe sehr schöne Reden (S. 81). Am 6. 9. wieder Vorstandssitzung; die von Joos geleiteten Besprechungen verliefen außerordentlich befriedigend. Sogar die Adligen seien mit Wirth einverstanden. Eine Besprechung von Versicherungstechnikern leitete v. Nell-Breuning. Abends ging Marx zu Herren des Vv. Leicht mußte über die verschiedenen Fragen unterrichtet werden. In einer Besprechung der anwesenden Fraktionsmitglieder traten Marx für, Wirth gegen einen Parteitag ein. In einem Gespräch mit Hohn, Leicht und Schäfer dachte man den Teilhabern der Gesellschaft, besonders Gilles, Gerig und Kohlen Generalvollmacht zu erteilen. In einer Unterredung mit Köhler und Klieber traten große Irrtümer zutage. In der Fraktionssitzung wurde über den Kreuzer diskutiert, im Zentralkomitee die Berichte und Entschließungen beraten. Abends mit Böhler und Woche zusammen. Am 8. 9. besprach sich Marx mit Leicht und Hohn. Das Entlassungsgesuch hatte Heinrich zurückgenommen (S. 82). In der Schlußsitzung des Vertretertages sprachen Sonnenschein und Donders. Beim Essen des Propstes saß Marx zwischen Fürst Löwenstein und Graf Mallinckrodt. Der Bischof war einverstanden, daß im Zentralkomitee Vorschläge für eine Werbung zu Veranstaltungen über Einführung in Familienfragen besprochen würden. Im Vorstand des Vv wurde über die eventuelle Umstellung beraten. Am 14. 9. - wieder in Berlin - kamen Briefe von Möller, so daß Marx dem RK sowie Severing und Hilferding schreiben konnte (S. 83). Am 15. 9. berichtete v. Guérard aus dem Kabinett über die Genfer Verhdlgn.; er habe darauf gedrungen, daß nicht über die Frist von 1925 hinausgegangen werden dürfe; von Bissing wußte man nicht, wie er gestimmt haben würde, über die Besetzung des Referats J konnte v. Guérard der Meinung des Vorstandes nicht entsprechen. Am 16. 9. wurde in einer Berliner Verslg. stärkere Betonung der kath. Weltanschauung gefordert. Goerdes klagte am 20. 9., daß man, indem man nach dem Referat J strebe, ihn übergehe. Im RT waren Porsch und Hess (S. 84); die im LT wollten nichts zur Bildung einer Koalition tun; schließlich war man einig, daß z. Z. nichts geschehen soll. Marx mochte aber die Entscheidung nicht zu lange hinausgeschoben haben; nach Zusammentritt des LT würde die DVP die Sache aufgreifen müssen; die Feststellungen Stegerwaids in Herford wären freilich abzuwarten. An v. Guérard, der Umbildung des Kabinetts wünschte, entgegnete Marx, daß er früher dagegen gewesen wäre, jetzt aber wäre die Verantwortung an die SPD übertragen worden. Am 21. 9. traf Marx im Zuge Hillebrand (SPD) mit polit. Redakteuren im Abteil; abends begegneten Stegerwald und Giesberts sowie Assesor Adenauer, ein Sohn des Justizrats A., des Bruders des OB. Am 22. 9. sprach Vockel im Kölner Rathaus über die Kath. Aktion. Brauns warnte dagegen vor den Gefahren des Integralismus. In der Bürgergesellschaft erfuhr Ruffini eine große Gratulation; Frau Bachem-Sieger hielt eine sehr gedankenreiche Rede (S. 85). Abends bei Mönnig und dann von Deutz aus Bewunderung der Beleuchtung. Am 23. 9. Besuch von Pastor Breuer. Am 24. 9. Fahrt mit Mönnig nach Altenberg, er erzählte allerlei über v. Guérard. In Königswinter sprach auf dem Parteitag Brauns länger über die polit. Lage. Am 25. 9. kam Lammers an. Nach Ausführungen von Brauns redeten Dovifat und Dessauer über Presse und Wirtschaft (S. 86). Am 1. 10. legte Marx dem jungen Meyer von Honnef, der von dem kranken Köhler kam, die Lage des Vv dar und bat ihn um Abwarten. Am 2. 10. stimmte er mit Pieper überein, daß es mit dem Vv so nicht weitergehe; Besserung aber ließe sich nicht leicht schaffen, weil Hohn sich der Ordnung nicht fügen wollte und keine Übersicht über die Lage der Dinge hätte (S. 87). Im RT war am 6. 10. der Vorstand im großen und ganzen einig über die Reg.-Bildung in Preußen; vor dem abzuwartenden Ergebnis bei Braun sollte keine Agitation entfaltet werden; der schwierige Wirth brachte neuere Vorkommnisse mit dem ,Stahlhelm' vor, wogegen Marx auf Erledigung der Tagesordnung pochte. Am 7. Okt. wurde der Parteitag auf den 8.-9. Dez. anberaumt; mittags zusammen mit Leicht und Lindemeyer; die Schlußrede der Tagung hielten Herren des Eichsfeldes: Ich habe auch die Gelegenheit benutzt und meine Absicht geäußert, den Vorsitz in der Partei niederzulegen; ich würde ihn aber bis zum Parteitage beibehalten und die Geschäfte bis dahin führen. Am 8. 10. wurde Brauns' Meinung gebilligt. Im engeren Vorstand sagte Marx offen, daß niemand mehr mit Hohn verhandeln wolle, wie Geigenhädig-R. Bürgers ausdrücklich sagte; er müsse gezwungen werden, sein Amt niederzulegen. Zur Zusammenkunft der Organisationen war auch die ,Caritas' eingeladen (S. 88); mit Müller gelang eine Einigung. Am 9. 10. entließ die Gesellschaft m.b.H. Hohn als Geschäftsführer. Den Strafrechtsausschuß verließ Marx, um mit den tagenden Vertretern der Banken - Auf deren Verhalten kommt alles an! - zu verhandeln; trotz der trostlosen Lage wollten sie Geduld haben; Brauns wurde zu Verhdlgn. mit den maßgebenden Direktoren in M.-Gladbach bewogen; in einem Protokoll wurde Hohns Entlassung und die Abtretung seines Vermögensanteils an Marx festgehalten: Alles atmet erleichtert auf! Am 10. 10. im Strafrechtsausschuß die rechte Haarspalterei. Unterredung mit Böhler (S. 89). Am 1. 12. hatte Marx im Auftrage der Fraktion zur Vorstandssitzung auch die Vorsitzenden der Organisationen eingeladen. Diese waren aufgeregt und hielten Zettelwahl für gar nicht so schlimm. Dem widerstritt Marx. Er mußte verschiedentlich eingreifen, wenn ich auch im allg. niemanden verhindere, das Wort zu nehmen; es wird doch alles übelgenommen und verdreht. In gesonderter Besprechung sprachen sich die Vorsitzenden der Organisationen für Trennung der Ämter aus und zeigten - in Anwesenheit von Wirth und Mönnig - Neigung für Joos. Diese Unterredung aber brachte kein aufklärendes Ergebnis. Am 4. Dez. kam im Ausschuß nur Landsberg in feiner Weise auf die Pressefrage zu sprechen, alsdann kamen die Bestimmungen über Hochbauten an die Reihe (S. 90). Ein Pastor Lewy wollte die Zustimmung zur Bildung eines Kuratoriums für ein Institut für Soziologie; Schreiber war dagegen. Das Ergebnis vom 1. 12. hatte Stegerwald schon von Wirth gehört, der daraufhin verschwand. Am 5. 12. kam von Stresemann ein Brief wegen Moeller, ihn sollten Planck oder Pünder sprechen. Mit Groß Fahrt nach Köln zum Parteitag. Am 6. 12. mit Schmidt und Herold gefrühstückt. Bei den Windthorstbunden ließen sich Wirth und Nik. Ehlen über Wehrfragen aus. Mittagessen mit Vockel und Ballestrem. Im Vorstand war die Vorsitzendenwahl hinausgeschoben worden; gegen seinen ursprünglichen Vorsatz ergriff Marx doch das Wort gegen unrichtige Behauptungen; er widersetzte sich scharf dem Vorschlag von Heß, einstimmig zu wählen (S. 91). Bei der schriftl. Abstimmung standen 15 gegen 13 Stimmen <für Stegerwald>: Alles geht geschlagen nach Hause! Unterhaltung mit Porsch. Weiterarbeit am Aufsatz für ,United Press'. In der Verslg. hatten die Arbeiter Opposition angekündigt; wildes Durcheinander. Wirth schlug vor, über Trennung oder Neubildung abzustimmen: 160 gegen 120 Stimmen für Trennung Da sagte Stegerwald ab. Mittagessen mit Steiger und etwa 15 Herren der Regierung bei Elfgen. Es folgte der Beschluß, Joos zu wählen; die Gewerkschaften verhielten sich dazu passiv. Einem Drei-Männer-Vorschlag redete auch Marx zu, weil das die einzige Möglichkeit noch ist, einen Bruch zu vermeiden. Um 22.30 Uhr ging Marx noch zu Bachem, Brauns und Lammers. Am 8. 12. wurde nach Stegerwalds Referat der Gegenantrag auf Wahl eines Vorsitzenden gestellt. In der erregten Vorstandssitzung trat Marx für geheime Wahl möglichst ohne Diskussion ein. Dennoch wurde während des Referats von Räderscheidt unentwegt geredet (S. 92). Marx sprach mit Pfafferott, Rieth und Böhler. Zuletzt wurde Kaas im 1. Wahlgang mit 184 Stimmen gewählt. Im Gesellenhaus, wo auch Kaas, Esser und Krone waren, herrschte ausgezeichnete Stimmung. Am 9. 12. arbeitete Marx an der Rede für den folgenden Tag, in der er die Sage von [seinen] Ausführungen in Erfurt aus der Welt schaffen wollte. Absendung des Aufsatzes an Bing. Mittagessen mit Isele im ,Treppchen'. Aus der Verslg. war Wirth leichtsinnig weggeblieben. Dort war große Begeisterung; Marx führte Kaas ein; dann sprach Frl. Weber. Mit Böhler Autofahrt nach Duisburg. Dort war in der Verslg. auch Spahn jr. Marx' Rede war zu lang. Drei zum Vorstand vorgeschlagene Nationale wurden in der Abstimmung wieder ausgeschlossen. Marx wurde schließlich Vorsitzender. Als er auf einen Ausspruch von Giesen zurückgekommen war, entspann sich eine Aussprache über die SchO. Abends waren Guthmann, Liertz und Kaufhold in der Oper (S. 93). Am 11. 12. lange Aussprache in der Zentrale, so daß der Besuch bei Bergmann entfallen mußte. Rückfahrt nach Berlin, wo abends beim Postminister Schätzel der Geburtstag von Leicht vorzeitig gefeiert wurde. Der RT-Sitzung mit der Etatberatung blieb Marx am 15. 12. fern. Am 19. 12. Mißstimmung über ,United Press'. Lensing wurde für Dortmund zugesagt (S. 94). Im Zuge fuhren Frl. Stoffels, Wessel und Bachem mit. In Düsseldorf holte Böhler Marx ab. Am 20. 12. schlug Marx der Gesellschaft vor, Fragen zur Gestaltung der Lage namentlich Klagen vorzubringen. Böhler wollte dagegen einen Vortrag über die Bedeutung der Organisation, Brauns war ebenfalls für Übersicht über Einrichtung und Tätigkeit der Organisation. Auch in der auf Marx' Rede folgenden Debatte drehte sich alles um ihre Geschichte. Paschen - als Privatmann - und Surmann fanden sich ein. Räderscheid kritisierte auffallend besonders die Lesebücherkontrolle; ihm antwortete gehörig Schroeteler, der wegen Absage des Jesuitengenerals bleiben konnte. Eine Entschließung wurde formuliert (S. 95). Am 22. 12. langes Telefonat mit Bell über die Friedensresolution von 1917, womit er sich stark beschäftigt hatte (S. 96). Rieder berichtete am 26. 12., von Prof. Löhr zur Annahme einer Professur in Tübingen aufgefordert worden zu sein, worauf ihn auch Prof. Ebers aufmerksam gemacht hatte (S. 97). Spelz führte eine Schallplatte mit Marx' Rede über die ,Kath. Aktion' vor, ebenso eine mit Chorgesang von Laacher Patres. 98 S., zusätzlich S. 33a u. 34a, S. 6 doppelt vorhanden. Erstsdirift von Maschinenschreiben (S. 74, 97 sind Durchschriften) mit eigenhädig Verbesserungen. Bemerkungen über Ausfälle in den zugrunde liegenden Notizen S. 13, 15, 17 f., 22, 24 f., 27 f., 45, 52, 54-58, 64 f., 67, 83 f., 87, 90, 94, 96.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 74
Altsignatur : 74



Die Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 und die Anfänge des Kabinetts Hermann Müller


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1934/35): Die Schuld an der RT-Auflösung von 1928 März 31 trägt hauptsächlich die DVP, die unter Bruch der Koalitionsvereinbarungen auf ihrem verfassungswidrigen Antrag auf Beibehaltung der Simultanschule in den Simultanschulländern beharrte: Die liberalen alten Ideen hatten den Sieg über die polit. Notwendigkeiten davongetragen. Hindenburg verhinderte Marx' sofortige Demission mit Schreiben von 1928 Febr. 11; der RP wollte erst Fertigstellung des Etats. Die Z-Fraktion des RT aber hat die DVP mit ihrer Entschließung von 1928 Febr. 16 gewarnt (S. 1). Die RT-Wahlen vom 20. 5. 28 entsprachen für das Z den vielfach schon vorher geäußerten Bedenken wegen der Meinungsverschiedenheiten um Wirth, zwischen Marx und Stegerwald und Imbusch, sowie nicht zum geringen Teil auch [wegen der] Mißstimmung, die die Bildung der Koalition mit der DNVP in vielen Z-Kreisen hervorgerufen hatte. Mit seltener Einmütigkeit sprach die Presse davon, daß nunmehr die Große Koalition unter einem SPD-Kanzler zustandekommen müsse. Aber zunächst gab es eine überaus lange Kabinettskrise (S. 2). Zunächst sei mir aber noch eine Bemerkung über die Gründe gestattet, die einen immerhin fühlbaren Rückgang der Z-Stimmen herbeiführten. Es sind zweifellos viel Beamte dem Z infolge der brutalen Agitation der Imbusch u. a. untreu geworden. Es mögen auch viele Arbeiter sozialdemokratisch gewählt haben, einmal weil sie die Beamtengesetzgebung und die Rechtskoalition nicht verstanden, dann aber auch weil sie auf die übertriebene Agitation der SPD hereinfielen. Die Sozialdemokraten hatten allzuviel Rücksicht auf die Kommunisten genommen. Sie waren in der letzten Zeit nicht mehr so frisch gemutet, wie es früher der Fall war. Sie waren nicht mehr so gewillt, die Verantwortung auch für unangenehme Dinge auf sich zu nehmen einer höheren Idee wie der Erhaltung der Republik zuliebe. Sie erlitten jetzt ein Schicksal wie die Dt.-Nationalen; jetzt konnten sie nicht daran vorbeikommen, die Verantwortung zu übernehmen, jetzt mußten sie vielem ihre Zustimmung aus Gründen der Staatsnotwendigkeit geben, das sie früher aus Agitationsgründen abgelehnt hatten. So rächt sich alle Grundsatzlosigkeit im polit. Leben. Leider hat das dt. Volk trotzdem nicht gelernt, ernste und schwere Lasten auf sich zu nehmen, um Großes für das allg. Wohl zu erreichen! Am 1. 6. besprach der Reichsparteivorstand mit den Vorständen von RT- und LT-Fraktionen das Wahlergebnis. Marx konnte die Treue der bewährten Parteifreunde des Eichsfeldes aus Halle, Erfurt und Magdeburg loben (S. 3). Interessant war der Vorschlag in linksdemokrat. Ztgn., daß das Z wieder den RK stellen sollte. Doch ließ der Reichsparteivorstand sich darauf nicht ein. Der Forderung nach Rüdetritt der RR nach der Wahl entsprach man nicht; erst kurz vor Zusammentreten des neuen RT demissionierte Marx (S. 4). Die DVP forderte eine Große Koalition auch für Preußen, bewilligte jedoch den Mehrheitsparteien nicht die verlangten Sicherheiten. Braun hat offenbar der Übernahme der Reichskanzlerschaft sich widersetzt: Für Braun ist nun einmal Preußen die Stelle, an der er sich am liebsten bewegt und betätigt. Am 12. 6. erklärte Marx dem RP den am Tage vorher festgelegten Kabinettsrücktritt: Der RP schien recht bewegt zu sein, als er mir seinen Dank für die geleistete Arbeit aussprach. Bei der Wahl des RT-Präs. machte die DNVP gegen Löbe Schwierigkeiten; als Rache kam dafür Esser (Z) als 1. Vizepräs. durch; Graef (DNVP) wurde nur 3. Vizepräs. Gegenüber Müller schlug die DVP - getreu ihrer ganzen Vergangenheit - vor, das Reichskabinett nur zugleich mit dem Preußenkabinett und in gleicher Weise zu bilden (S. 5). Da Z und SPD auf ihre LT-Fraktionen nicht entsprechend einwirken wollten, war eine Große Koalition wieder unmöglich geworden. Braun hielt zur Eröffnung des LT eine Rede, die kurz und klar und so klug war, daß wirklich nicht viel dagegen eingewendet werden konnte. Eine Weimarer Koalition fand wenig Anklang, auch nicht beim RP. Dann tauchten abenteuerliche Pläne über eine Liberale Vereinigung wieder auf, um als Phantom zu verschwinden. Hermann Müllers Weg der Reg.-Bildung mußte zu Schwierigkeiten führen; statt selbst ein ganz allg. gehaltenes Programm vorzuschlagen und sich von den Parteien bestätigen zu lassen, verhandelte er mit einem großen Parteiausschuß und wollte mit diesem und von diesem sein Programm gebildet haben. Danach verlangte man wieder nach dem berühmten Kabinett der Persönlichkeiten (S. 6). Dabei entstanden Schwierigkeiten mit dem Z: Wer konnte da anders als Herr Dr. Wirth in Betracht kommen! Da hatte man ja die Persönlichkeit, wie man sie nicht besser wünschen konnte! Aber wenn es dabei geblieben wäre! Herr Dr. Wirth wollte aber mehr als einfaches Kabinettsmitglied sein! Nun verlangte man den Vizekanzler für ihn! Was da alles mitgespielt hat, ich weiß es nicht mehr! Ich glaube, eine ganze Anzahl von Fraktionsmitgliedern stimmten seiner Auswahl und seinen Wünschen zu, um ihn einmal wieder in eine Tätigkeit hineinzubringen! Da war er weniger gefährlich! Gewiß hatte Dr. Wirth viele Vorzüge. Er war klug, hatte große Verdienste um das Reich, vor allem aber war er aktiv, tatkräftig über alle Maßen! Solche Leute konnte man gebrauchen! Also die Fraktion beschloß demgemäß. Aber, nun kam die große Enttäuschung! Der Plan fand eigentlich bei keinem sonst rechten Anklang. Dr. Wirth war doch zu wenig beliebt. Er war eher gefürchtet als das! Dazu kam ein feiner Streich des geschickten Taktikers Dr. Stresemann: von Bühlerhöhe aus telephonierte er - angeblich - ins Präsidialamt, daß er keinen Ministerposten in einem Kabinett mit Wirth als Vizekanzler annehme. Hindenburg, der einen sehr natürlichen Haß gegen alle Außenseiter und Marx früher Vorwürfe wegen Wirths günstigem Platz auf der Reichsliste gemacht hatte, teilte alsdann Müller mit, daß er einen Vizekanzler nicht für notwendig halte. Stresemann hat übrigens später ein solches Telephonat bestritten (S. 7). Diese Lage war für das Z unangenehm; es hatte 3 Minister zugebilligt bekommen: v. Guérard als Verkehrsminister, Wirth für die besetzten Gebiete (der sich damit aber nicht begnügen wollte), Dr. Brauns wurde wegen seiner Erfahrung und Tüchtigkeit von Müller selbst lebhaft gewünscht (Die böse Welt behauptete allerdings, daß man ihm das Arbeitsministerium gerne überließ, weil man seitens der SPD doch nicht alles erfüllen konnte, was man im Wahlkampfe den Wählern als dringend nötig vorgetragen hatte). Da entschloß sich das Z am 28. 6. unerwartet, den schon seit 8 Jahren im Dienst höchst bewährten Dr. Brauns fallen zu lassen, ins Kabinett trat allein v. Guérard ein ohne fraktionelle Bindung. Ein „provisorisches" Kabinett ohne Bindung der Fraktion war die Frucht der mühevollen und entsagungsreichen Verhdlgn. von Hermann Müller (S. 8). Der Gedanke des Ministeriums der Persönlichkeiten ohne Bindung an die Fraktionen stammte wohl von Stresemann. Daß das Z den Vizekanzler so stark forderte, geht wohl auf Müller selbst zurück; dieser wollte nur Brauns, was vom Z als schwere Belastung empfunden wurde, und v. Guérard im Kabinett haben und zum Ausgleich für diese geringe Beteiligung letzterem seine Stellvertretung geben. Marx erinnert noch an einen Vorfall bei der Aufstellung des Spitzenkandidaten für Berlin bei der RT-Wahl. Obwohl Wirth sicher auf der Reichsliste plaziert war, wollte man ihn zusätzlich als Direktkandidaten. In einer Vertrauensmännerverslg. erklärte Pfarrer Grabe, daß die kath. Geistlichkeit Berlins Wirths Aufstellung nicht gern sähe (S. 9). Es blieb daher beim bisherigen Kaufmann Schönborn, ein nicht sehr großer Geist. Die große liberale Vereinigung, zu der insbesondere DVP und DDP gehören sollten, kam nicht zustande, obwohl beide Parteien durch die Wahl geschwächt waren und eine Einigung wünschenswert erschien. Stresemann, der eigentliche Urheber des Kabinetts der Persönlichkeiten, erhielt - tragisch - durch die eigene Partei einen Mahnruf, indem er daran erinnert wurde, daß er als Parteivors. nicht das Recht hat, seine Fraktion unter Scholz vor vollendete Tatsachen zu stellen. Dem Schreiben des RP über die fehlende Notwendigkeit zu einem Vizekanzler widersprach das Z besonders wegen des Zusatzes, daß „er sich von einer Fraktion für die Zusammensetzung des Reichskabinetts nicht bindende Vorschriften machen lasse" (S. 10); man verdächtigte Müller, den RP falsch unterrichtet zu haben. Bei der Kabinettsvorstellung im RT am 3. 7. 28 erntete sein Programm selbst bei der Rechten in gewissem Sinne Billigung; man fand es weitgehend „bürgerlich". Wirth wurde vom ,Vorwärts' am 29. 6. stark getadelt: Er scheint der SPD also wohl nur dann genehm, wenn er gegen seine eigene Partei losschlägt! Die RR betrachtete man im allg. als vorübergehend. 11 S., Masch.-Erstschrift mit eigenhädig Nachträgen und Verbesserungen. 1928 Mai 9 - Berlin: Pünder berichtet Marx, daß das Reichsfinanzministerium für das Frühstück zu Ehren Perkins eine Einladungsliste einreichen wird; es hat eine Berücksichtigung von Parker Gilbert begrüßt. Die Vorbereitungen für die Grundsteinlegung der Reichskanzlei und für das anschließende Frühstück sind bis ins kleinste getroffen; Dispens vom Abstinenzgebot hat Walter von Dr. Banasch eingeholt. Pünder hat Brauns den Salonwagen der RR für die Fahrt nach Köln zur Eröffnung der Pressa zur Verfügung gestellt; außerdem fahren Stresemann, Zweigert und Zechlin mit. Alsdann wird der Salonwagen Marx aus der Schweiz abholen. Eh. Unterschrift. 2¿ S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der StS in der Reichskanzlei'. o. D.: Notizen von Marx über die Gründe des Stimmenrückgangs am 20. 5. 1928 und über Programm für die Betätigung des Vv. 4 Halbseiten, eigenhädig 1928 Juni: „Das Grundübel. Zur Krisis im Z" <Heilmittel ist reine Katholizität der Partei>. ,Der Fels. Monatsschrift für Gebildete aller Stände', 22. Jg., Heft 9. 1924 Juni 16: „Sozialdemokratie und Staat". Rede von Hermann Müller auf dem Reichsbeamtentag der SPD in Berlin. 10 S. (unvollständig), Druck, mit persönl. Widmung. <1928 April>: Marx' Aufruf zur RT-Wahl im Kreise Magdeburg-Halle/S.-Erfurt: 1 S., eigenhädig Entwurf auf der Rückseite einer masch.-schriftl. Benachrichtigung durch OReg.-R. Walter von einer Mitteilung Vockels über Marx' Kandidatenaufstellung in den 3 sächs. Wahlkreisen vom 26. 4. 28 auf Kopfbogen ,Reichskanzlei' mit Erledigungsvermerk von Marx vom 28. 4. 28. In der Anlage Liste über die Zusammensetzung des Z-Vorstandes für den Wahlkreis Magdeburg-Anhalt und über die Zusammensetzung des Prov.-Ausschusses für die Prov. Sachsen, 2 S., masch.-schriftl. 1928 Juni 14 - Essen: Rud. Houben, Justizobersekretär, empfindet gegenüber Marx den Stimmenrückgang des Z schmerzlich. Die Schuld trägt hauptsächlich die Parteileitung, die Wirth nicht aus der Partei ausgeschlossen hat, die das scharfe Auftreten von Imbusch und Stegerwald gegen die Beamtenbesoldungsvorlage hätte verhindern müssen und die Z-Anhängern die Mitgliedschaft im vorwiegend Sozialdemokrat. Reichsbanner verbieten mußte. Eh. Unterschrift. 1 S., masch.-schriftl. Ausf. auf persönl. Kopfbogen. 1928 Juni 23 - Bad Altheide: Brüning dankt Marx für die Genesungswünsche. Dem Beschluß des Parteivorstandes wegen der Doppelmandate wird er sich beugen. Daß die Saarländ. Z-Partei Artikel versendet, die für Porsch und für ihn kränkend sind, und daß die ,Schles. Volksztg.' daraus Nahrung zieht, kann er nicht gut ertragen. Falls der Parteivorstand die Beibehaltung des Doppelmandates wünscht, soll er es öffentlich erklären: Ich habe mich wirklich nach dieser dornenvollen Aufgabe nicht gedrängt. Für die Reg.-Bildung wünscht er der Fraktion erfolgreiche Fortsetzung ihrer hingebenden Arbeit. Ihn drücken zwei Sorgen. Über das Steuervereinheitlichungsgesetz hat er mit Fonk und im Juli 1927 mit Föhr in Gegenwart von Schofer eingehend gesprochen. An dem erarbeiteten, beide Teile befriedigenden Kompromiß hält er selbst fest, um so mehr müßte es die Fraktion. Der Mittelstand erwartet von diesem Gesetz alles. Kommt es nicht, so müssen wir mit einer weiteren starken Abwanderung rechnen, und die ganze, seit 1925 festgehaltene, zielbewußte Linie unserer Steuerpolitik kommt ins Wanken. Die zweite Sorge ist der Panzerkreuzer. Ich nehme an, daß Sie durch Exz. Groener über die Vorgänge im Reichsrat am Tage des Auseinandergehens des RT orientiert sind. Exz. Groener hat seine Zustimmung gegeben, mit dem Bau des Panzerkreuzers zu warten, nachdem der preuß. Reg.-Vertreter das als den Weg zu einem für Preußen erträglichen Kompromiß bezeichnet hat. Jetzt diese Gutgläubigkeit von Exz. Groener zum Nichtbau des Panzerkreuzers seitens der SPD auszunutzen, ist nicht loyal. Bei der Weimarer Koalition sind wir die Fordernden und nicht mehr die SPD. Ich bin nicht Anhänger der Meinung, daß nun die übrigen Panzerkreuzer ebenfalls in schnellem Tempo gebaut werden müßten. Aber ganz zu verzichten, ist ein unnötiger schwerer Prestigeverlust für die Partei. Eh. Unterschrift. 3 S., eigenhädig Ausf. 1928 Juni 28: Vermerk von <Pünder>: Stresemann bestreitet einen Protest in offizieller Form beim RP gegen eine Vizekanzlerschaft Wirth und bat, den näheren Sachverhalt maßgeblichen Herren des Z zur Kenntnis zu bringen. Stresemann will im Büro des RP wegen des Frühstücks zu Ehren des abgehenden engl. Botschafters Lindsay angerufen haben. Am Schluß des Gesprächs habe er Leg.-R. v. Erdmannsdorff über die polit. Lage gefragt. Dieser habe geantwortet, daß sowohl Müller wie auch der RP gegen den Plan einer Vizekanzlerschaft Wirth seien. Als v. Erdmannsdorff gefragt habe, ob das nicht auch seine Meinung wäre, will Stresemann ziemlich wörtlich erwidert haben: „Bei mir rennen Sie bekanntlich bei einer solchen Frage offene Türen ein. Ich bin der Meinung, daß wir überhaupt keinen Vizekanzler brauchen ...' 1 S. (unvollständig), Durchschrift von Masch.-Schreiben. 1928 Juli 13 und Aug. 2: Interpellationen und Anträge des Z zu verschiedenen Angelegenheiten. RT IV, 1928, Ds 309-316, 326, 328-342, 353 f. 1928 Sept. 12 - Berlin-Wilmersdorf : Mitteilung mit Vermerk „Streng vertraulich" von Stegerwald: Am Montag, 3. 9. 1928, traf ich gelegentlich der Grundsteinlegung des Studien- und Bibliotheksbaues des Dt. Museums in München Herrn Reichsfinanzminister Dr. Hilferding. Bei dieser Gelegenheit bat Herr Dr. Hilferding mich, daß ich ihn, sobald ich wieder in Berlin sei, einmal anrufen möchte, damit wir uns über die gegenwärtige polit. Lage aussprechen könnten. Die von Herrn Dr. Hilferding angeregte Besprechung fand darauf am Montag, dem 10. 9., in Berlin statt. Aus der Besprechung ging erneut hervor, daß die SPD sich in einer sehr schwierigen Lage befindet. Herr Reichsinnenminister Severing hat in Hamburg auf dem Sozialdemokrat. Gewerkschaftskongreß ausgesprochen, daß die SPD in der RR nicht eine kurze Gastrolle geben dürfe, sondern sich auf ein längeres Verbleiben einrichten müsse; sonst seien Erfolge im Sinne der Sozialist. Wähler nicht zu erzielen. Auch Herr Dr. Hilferding war der Meinung, daß die Schwierigkeiten, die sich aus Anlaß der Panzerkreuzer-Frage im SPD-Lager ergeben haben, sich überwinden lassen, daß aber dafür Zeit notwendig sei. Selbst die ,Leipz. Volksztg.' habe ausgesprochen, daß sich die SPD nicht an dem kommunist. Volksbegehren über die Panzerkreuzer- Frage beteiligen dürfe (S. 1). Er glaube sicher, daß die für heute <11. 9.> angesetzte Sitzung des SPD-Parteiausschusses sich im gleichen Sinne entscheiden werde. (Das ist unterdessen geschehen.) Der nächste SPD-Parteitag müsse sich dann grundsätzlich mit der Wehr frage beschäftigen. Nach dem durch das Versailler Diktat Dtschld. aufgenötigten Wehrsystem müsse der Sozialist. Miliz-Wehrgedanke zurücktreten. Die SPD müsse sich nach seiner Ansicht unter solchen veränderten Verhältnissen anstelle des von ihr vertretenen Milizsystems mit dem Berufsheer-System abfinden, das man auch entsprechend bewaffnen müsse. Die SPD könne, wenn einmal in der Bewaffnungsfrage Meinungsverschiedenheiten mit anderen Koalitionsparteien entständen, daraus keine koalitionspolit. Folgerungen ziehen. Die Wehrfrage sei koalitionspolitisch nicht anders zu werten wie andere polit. Fragen. Kein Mensch, der die Demokratie wolle, habe ein Interesse an einer weiteren Radikalisierung der Massen. Die gegenwärtige polit. Situation sei keine bloße sozialdemokrat., sondern eine allg. polit. Angelegenheit. Daher hätten auch andere Parteien ein Interesse daran, daß der SPD, die willens sei, im Staate mitzuarbeiten, der Übergang erleichtert werde. Das könne dadurch geschehen, daß baldigst eine (S. 2) Umbildung in der Reg. erfolge. Dann könne sich die SPD in der Panzerkreuzer- Frage überstimmen lassen. Sie ziehe daraus bestimmt keine Folgerungen und würde dann auf einem SPD-Parteitag, der in einigen Monaten stattfinde, das Wehrproblem grundsätzlich behandeln. Dann ließe sich seiner Meinung nach bestimmt ein Weg finden, der ähnliche Schwierigkeiten für die Zukunft ausschließe. Weiterhin seien für das nächste Etatsjahr mindestens 300 Mill. Mark Steuern mehr notwendig, Über diese Steuererhöhungen müsse baldigst eine Meinungsübereinstimmung unter denjenigen Parteien, die die gegenwärtige Reg. bilden, herbeigeführt werden. Das Kabinett in seiner augenblickl. provisor. Zusammensetzung sei dazu nicht in der Lage. Ich antwortete Herrn Dr. Hilferding, daß es sich m. E. gegenwärtig um 3 Fragen handele: 1. Um die allg.-polit. Situation, 2. um die Frage, wann die gegenwärtige Reg. umzubilden sei, und 3. wie sie umgebildet werden soll. Zu 1: Die allg.-polit. Situation beurteile ich in etwa anders wie Herr Hilferding. Es sei gar nicht ausgeschlossen, daß die DNVP (S. 3) den Panzerkreuzer ablehne mit der Begründung, daß sie sachlich selbstverständlich dafür sei, daß es aber nicht Aufgabe einer Oppositionspartei sein könne, der führenden Koalitionspartei die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Eine führende Reg.-Partei habe im Zeitalter des parlamentar. Reg.-Systems die Aufgabe, auch ihr unbequeme Beschlüsse, die eine andere Koalition gefaßt habe, auszuführen. Herr Dr. Hilferding meinte, daß, wenn die DNVP zu solchen takt. Mitteln greife, für die SPD eine neue Lage geschaffen sei, und sie mit dieser viel leichter fertig würde, als das ohne dieses Zwischenspiel möglich sei. Ich sagte Herrn Hilferding weiter, daß bei der gegenwärtigen Streitfrage die Schlüsselstellung gar nicht beim Z liege. Die Z-Fraktion des RT habe im letzten Frühjahr den Herrn Reichswehrminister zu bestimmen versucht, die Panzerkreuzer-Frage nicht in den Wahlkampf ziehen zu lassen, sie vielmehr bis nach den Wahlen zurückzustellen. Der Herr Reichswehrminister habe dies nicht für möglich gehalten, und nun könne er nicht nach den Wahlen eine entgegengesetzte Stellung einnehmen, ohne die Konsequenzen daraus zu ziehen. Der etwaige Rücktritt des Herrn Reichswehrministers aber schließe mit Rücksicht auf die Haltung des Herrn RP große polit. Gefahren in sich. Weiterhin glaube ich auch nicht, daß sich (S. 4) zwischen SPD und DVP in dieser Frage eine Verständigung erzielen lasse. Bei der gegenwärtigen außenpolit. Lage und mit Rücksicht auf die Vorgänge in Genf könne die DVP es schon im Hinblick auf rechts gar nicht vertragen, in der Panzerkreuzerfrage der SPD entgegenzukommen. Herr Dr. Hilferding gab zu, daß diese Dinge in die polit. Gesamtrechnung eingestellt werden müßten. Zu 2: Im Z-Lager sei weitgehend die Meinung vertreten, daß die Z-Partei sich nach dem, was vorangegangen, überhaupt nicht an der gegenwärtigen Reg. habe beteiligen sollen. Die Z-Partei würde daher in ihren eigenen Kreisen nicht verstanden, wenn sie auf eine baldige Reg.-Erweiterung im Reich sich einlasse. Nach dem, was die Z-Partei seit der Staatsumwälzung geleistet habe, könne man ihr nicht vorhalten, daß sie bei solchem Verhalten pflichtwidrig handele. Herr Hilferding meinte, daß die Reg.-Erweiterung von Preußen her ins Rollen gebracht würde. Am 2. 10. trete der Preuß. LT zusammen. Wenn dann die DVP in die Preußenkoalition aufgenommen würde, könne dieser Anlaß benutzt werden zur Gesamtbereinigung der Koalition (S. 5) in Preußen und im Reich. Dadurch würde dem Z im Reich die Situation erleichtert. Wenn Anfang Okt. die Sache von Preußen her ins Rollen gebracht würde, dann verbleibe auch noch Zeit genug, daß der Reichsrat sich mit dem Reichshaushalt beschäftigen könne. Bis dann der Etat im RT in der 2. Lesung verabschiedet würde (im Febr. oder März 1929), ließe sich für die SPD eine andere polit. Situation schaffen. Zu 3: Ich sagte Herrn Hilferding, das Z könne sich im Herbst nicht mit einem Reg.-Arrangement im Reich abfinden, wie es sich im Verlauf des Sommers herausgestellt habe. Sonst könnten die Z-Angehörigen mit Recht sagen, warum man nicht schon im Sommer das Gleiche getan habe, womit man sich jetzt im Herbst abfinde. Die Frage des „Wie" einer etwaigen Reg.-Umbildung sei daher keine leicht zu nehmende Angelegenheit. Diese Frage konnte nicht vertieft werden, weil selbstverständlich meinerseits Vorschläge nicht zu machen waren und auch Herr Hilferding erklärte, daß er über die Angelegenheit noch nicht mit dem Herrn RK habe sprechen können. Stegerwald bot sich Hilferding für den 20./21. 9. zu einer etwaigen Besprechung an und beruft für den 20. 9. den Fraktionsvorstand ein, wozu einige Herren des Vorstandes der preuß. Z-Fraktion hinzugezogen werden sollen. Gez. Unterschrift. 6¿ S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. [19]28 Sept. 27: Artikel zum 50. Geburtstag von Reichsminister a D H. Köhler. 3 S., Vervielf. 1929 Febr. 4 - Paderborn: Parteisekretär Arntz berichtet dem Vorstand der Z-Partei, daß man über die Kommunalpolitik unter Mitarbeit von 4 Herren der Kommunalpolit. Vereinigung Stimmung zugunsten des Z macht. Die Verslgn. sind zahlreich besucht. Zwar hat der Name Z auf dem Lande noch einen guten Klang, aber die Gebildeten dort mit ihrem großen Einfluß kritisieren die Koalitionspolitik. Langsam, aber sicher verliert das Z auf dem Lande an Boden zugunsten von DNVP, DVP, WV und Christl.-nat. Bauernpartei. In den Verslgn. war oft zu hören, das Z habe seine polit. Durchschlagskraft verloren. Obwohl Wirth es abgelehnt hatte, hat das Z einen unpolit. Minister <v. Guérard> ins Kabinett Müller geschickt. Die neuen Koalitionsverhdlgn. berühren peinlich, nicht weil man dem Z das angestammte Recht abspricht, in der Reg. vertreten zu sein, sondern weil die Bemühungen des Z, in die Reg. hineinzukommen, ausgelegt werden als der letzte Versuch, wieder Einfluß in der RR zu gewinnen. Die liberalen Blätter verhöhnen das Z wegen seiner Sucht nach Ministersesseln. Dagegen bedauern gebildete Kreise, daß das Z seinen Minister nicht aus der RR herauszieht und in die Opposition geht. Darin sieht man auf dem Lande die einzige Möglichkeit, die Stärke des Z wiederzuerlangen. In gesunder Opposition kann genausoviel staatspolit. Arbeit wie in der Reg. geleistet werden. Jede Hdlg. einer RR ohne Z gegen die kath. Bevölkerung bedeutet einen Alarmruf für das Z. Diese Ansichten teilen die Vors. der Kreise Paderborn-Stadt, Paderborn- Land, Büren, Höxter, Lippstadt und Warburg. Gez. Unterschrift. 2 S., Vervielf.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 75
Altsignatur : 75



1929
Das Jahr 1929


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1934; vgl. S. 9 in Verbindung mit Nr. 101): Die USA schien allmählich die Geduld zu verlieren, vor allem wegen der Rückzahlung der der Entente dargeliehenen Gelder. Frkr. hielt indessen mit der Zähigkeit eines Poincaré an allen Forderungen von 1919 fest und sah trotz der Ohnmacht Dtschlds. seine Sicherheit nach wie vor bedroht. Unparteiische hochangesehene Sachverständige hatten mehrfach die Dtschld. aufgebürdeten Lasten als unerschwinglich erklärt (S. 1). Obwohl Dtschld. allen Verpflichtungen bis zum äußersten nachkam, hielt Frkr. an allen Forderungen fest, koppelte die Reparationsfrage mit der der Räumung und forderte immer wieder die Vergleichs- und Feststellungskommission, die in Dtschld. einmütig abgelehnt wurde. Indessen gelang es Poincaré, die frz. Währung zu stabilisieren: Poincaré war und blieb der machtvolle Faktor. Briand konnte seine schönen Worte Dtschld. gegenüber nicht erfüllen. Die von OP Fuchs im März 1929 verfertigte Denkschrift aber weckte schmerzliches Erstaunen über die Lage des besetzten Gebiets (S. 2). Dennoch lief die Zeit für Dtschld. Zum 1. 8. 29 waren von Frkr. 400 Mill. Dollar an die USA fällig, und in England forderte man ständig drängender den Rückzug der Truppen unabhängig von der Entschließung Frkrs. und Belgiens. Die Reparationskommission in Paris hatte die Reparationen Dtschlds. in einem gewissen Verhältnis zu den Schulden namentlich Frkrs. gegenüber den USA festgesetzt, Stresemann wurde nach Paris eingeladen. Finanzminister Hilferding erklärte am 22. 6. im RT den Plan des Sachverständigenausschusses für eine brauchbare Grundlage einer kommenden Reg.-Konferenz. Hofmann-Ludwigshafen und Ulitzka sprachen wirkungsvoll über die Beschwerden des besetzten Gebiets (S. 3). Stresemann ließ keinen Zweifel, daß er den Sachverständigenplan nur billigen wollte, wenn gleichzeitig die Räumung und zwar ohne Kontrolle zugestanden würde. Damit aber war die Koppelung von Reparationen und Räumung von Dtschld. hingenommen. Indessen versuchte Frkr., sein Abkommen mit den USA dahin zu gestalten, daß es nicht mehr zahlte, als es von Dtschld. erhielt; das lehnten die USA ab. Während Briand sich im Juli 29 nicht erklären wollte (S. 4), erleichterte Englands Bestreben, die Besatzung zu beenden, die Stellung Dtschlds. Außenminister Henderson bejahte am 5. 7. das dt. Recht auf Räumung, weil er alle Bedingungen des Versailler Vertrages erfüllt sah. In Frkr. ließen sich daraufhin Stimmen hören, die engl. durch eine frz. Besatzung alsdann zu ersetzen. StS August Müller befaßte sich eingehend mit der Sachlage (S. 5). Marx betont, daß Dtschld. damals noch ganz schwach dastand. Obendrein drohte damals wegen eines Stundungsgesuchs an die USA eine frz. Kabinettskrise; da Amerika es nicht bewilligen wollte, wurden Frkrs. Forderungen an Dtschld. steifer: ein sozialist. Antrag auf Räumung wurde abgelehnt, das Kontrollsystem sollte schärfer als geplant werden. Aber Frkr. sah sich von England verlassen und die Belgier legten auch keinen Wert mehr auf ihre Besatzung. Stresemann und Schacht forderten Erledigung von Reparationen und Räumung schlechthin (S. 6). Poincaré kämpfte um sein Kabinett wegen der Schuldenregelung mit den USA. Wirth und Kaas wechselten Briefe über die Ablehnung einer Räumung über 1935 hinaus, und der Wirtschaftsausschuß der besetzten Gebiete übersandte der dt. Delegation für den Haag eine zusammenfassende Entschließung (S. 7). Die jetzt Versöhnungs- und Feststellungskommission genannte Aufsichtsinstanz wurde von Stresemann und Wirth gleich am 1. Tage der Haager Konferenz abgelehnt. Sie wurde dem Juristenkomitee von Min.-Dir. Gaus, Fromageot und Hurst überwiesen: ganz ausgezeichnete Männer, die außer dem, daß sie hervorragende Juristen und Sachkenner waren, auch den großen Vorteil aufwiesen, daß sie im Laufe der vielen gemeinsam getätigten Beratungen in ein gewisses freundschaftl. Verhältnis gekommen waren. Die Konferenz verlief wechselvoll und krisenfest. Das stürmische Temperament Snowdens brachte sie nahezu zur Katastrophe (S. 8). Grotesk waren mitunter die Ausflüchte Briands wegen der Räumung, die Stresemann schlagfertig parierte; humoristisch war sein Verhalten auf die Benennung eines Rüstungstermins. Verwickelt wurde die Lage, als Dtschld. gegen die Besatzungsmächte sog. Besatzungsschäden geltend machte (S. 9). Die Engländer drängten auf beschleunigte Räumung; Hendersons Vorschlag wegen der Bezahlung der Besatzungsschäden wurde zwar abgelehnt, aber Snowden drohte mit sofortiger und direkter Räumung (S. 10). Briand hatte in bekannter Meisterschaft das Thema der Konferenz aufgelöst und auf die einzelnen Kommissionen verteilt. Auf den Vorstoß Dtschlds. begann die Gesamtberatung wieder am 21. 8. Nach einer Woche war die bekannte Einigung über die Räumung für Nov. 1929 bzw. Juni 1930 - allerdings unter Voraussetzung der Ratifizierung des Young-Planes - da. In der Kontrollfrage fand die Juristenkommission einen guten Ausweg (S. 11). Hugenbergs Agitation für das Volksbegehren - u. a. hielt Oberfinanzrat Bang einen Vortrag - störte den Gang der Haager Verhdlgn. Über die Wiedereinberufung der Konferenz wurde eine Vereinbarung getroffen unter Anerkennung der vorzüglichen Leitung durch den belg. Min.-Präs. Jaspar. Als am 3. Jan. 1930 die 2. Haager Konferenz zusammentrat, war Stresemann gestorben; sein Nachfolger war Curtius, zweifellos ein tüchtiger Jurist, aber bei weitem nicht so beweglich wie Dr. Stresemann, der sich allmählich auch im Ausland ein beträchtliches Ansehen verschafft hatte (S. 12). Stresemann wurde vielfach zu große Nachgiebigkeit vorgeworfen. Curtius war zweifellos eine härtere Natur. Im Haag hatte auch Wirth sehr gut gewirkt und mit seiner alemannischen Natur den Franzosen recht eindringliche Vorhaltungen gemacht. Auf seine Energie ist die Zurückführung der Konferenz als Gesamtbesprechung seit dem 21. 8. in erster Linie zurückzuführen. Das ganz unvernünftige - um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen - Hugenbergsche Volksbegehren hatte allerdings auf die Entente nicht günstig gewirkt (S. 13). Auf der neuen Tagung im Jan. 1930 ließ sich die Räumung günstig an. Wirth und Moldenhauer vereinbarten mit Briand eine bessere Formel für die Räumung. Dafür aber wollte Maginot kein Verständnis haben. Immerhin ordnete die Botschafterkonferenz noch die Zerstörung der 2. Gleise, die Kürzung von Laderampen und die Zumauerung von Tunnels im besetzten Gebiet an. Der neue Min.-Präs. Tardieu stellte zwar dehnbare Grundsätze für die Räumung der 3. Zone auf, aber beruhigend war, daß Briand Außenminister blieb (S. 14). Dieser zerstreute in einem Gespräch mit v. Hoesch die in Dtschld. wegen der Räumung aufgekommenen Befürchtungen und gab auch im Dez. 1929 in der Kammer eindeutige Erklärungen ab. Dagegen enthielt eine Senatsrede Tardieus am 5. 4. 30 wieder unerfreuliche Stellen. Doch schließlich wurde zum 1. 6. 1930 ganz geräumt (S. 15). Die erste Festverslg. veranstaltete am 15. 9. 1929 das Z in Koblenz. Nach der Räumung der 3. Zone besuchte der RP am 21. 7. 30 Koblenz. Dorthin war auch Marx, der ich ja den Anfang der Räumung bewirkt und erlebt hatte, eingeladen worden. Bei der Feier saß er neben Luther, beim Essen neben Hirtsiefer und Schmid (S. 16). Am 2. 7. hatte in der Handelskammer Köln Geigenhädig-R. Hagen einen Überblick über die Wirtschaftslage gegeben und über den Einfluß der Räumung auf die Konjunktur gesprochen. Im RT fand am 10. 8. eine Verslg. des Westausschusses statt, in der Präs. Kaufmann, Vors. des Reichsverbandes der Rheinländer, und Prof. Küntzel, Univ.-Rektor von Frankfurt/M., sprachen. Die Stadt Koblenz hatte ihre Befreiungsfeier am 30. 11. 29 nachmittags mit einer Rede von OB Russell begangen; noch vormittags hatte Tirard Langwerth v. Simmern erklärt, daß die 2. Zone noch nicht rechtlich und politisch frei wäre (S. 17). Marx verweist noch auf die Mitteilung in dem Buch von Prof. Grimm „Frkr. am Rhein" über eine Erklärung Poincarés vom Juni 1922, wonach das linke Rheinufer für immer okkupiert werden sollte. Grimm hatte darauf einen Briefwechsel mit Poincaré (S. 18). Marx erinnert noch an das Buch von G. E. R. Gedye „Die Revolver-Republik"; dieser engl. Offizier war zuerst im Stabe von Oberst Ryan in Köln und später Berichterstatter der ,Times'. Bei dem Mord an Orbis war er zugegen und hatte auch sonst gute Quellen über das Verhalten der Franzosen zu den Separatisten. 19 S., Masch.-Erstschrift. Das Jahr 1929 Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1942 oder ein Jahr später Der Erinnerungsbericht enthält keine Datumsangaben oder Anspielungen auf mit der Niederschrift gleichzeitige Ereignisse. In Anlage, Einrichtung und Formulierung macht er den Eindruck, unmittelbar im Anschluß an die Berichte über die Jahre 1927 und 1928 abgefaßt worden zu sein.): Am 2. 1. einen Aufsatz für amerikan. Ztgn. abgeschickt und an Landeshauptmann Caspari geschrieben (S. 1). Fahrt mit Porsch, Herold und Winkler am 3. 1. nach Köln zur Sitzung des Zentralkomitees über die ,Kath. Aktion'. Am 4. 1. wurde das Programm von Freiburg beraten (S. 2). Gespräch mit Stadtpfarrer Kerl über den Vv. Unterhaltungen mit Porsch, Golling, Donders, Terrahe. Am 5. 1. Urlaub nach Königstein (S. 3). Der telegrafierende Floßdorf sollte sich an eine der vielen in Köln für Arme sorgenden Stellen wenden. Am 9. 1. Besprechung mit Bruel über die Besatzung (S. 5). Aufsatz über das Hausiergewerbe (S. 7). Am 15. 1. in Frankfurt/M. Pastor Jäger von Montabaur getroffen. Am 17. 1. an Schofer geschrieben sowie Stegerwald und Kaas wegen der Vorstandssitzung abgesagt. Verhdlg. mit ,United Press' (S. 8). Am 17. 1. holte Marx im RT verschiedene für Heiligenstadt nötige Drucksachen. Frl. Teusch war über verschiedene Vorgänge unglücklich; für die Kleinrentner hatte Esser namens des Z einen Rechtsanspruch anerkannt, den die RR ablehnte. Weihbischof Deitmer starb: Das ist ein schwerer Verlust. Am 18. 1. Brief an Bischof Klein. In einer Unterhaltung mit v. Wegerer wurde eine Besprechung zur Bekämpfung der Schuldlüge der ehem. Kriegsgegner verabredet. Am 19. 1. kurze Begegnung mit Dietrich auf der Fahrt nach Heiligenstadt. Pradel fuhr zu Propst Poppe; Schuldirektor Strecker erzählte von Mexiko (S. 9). In Dingelstädt großes Mittagessen beim BM, wo auch die schriftl. Anträge überreicht wurden, in denen trotz Marx' Rede 30 Mill. gefordert wurden. Am 20. 1. braditen in Heiligenstadt Döring und Weinrich ihre Klagen vor. In der Vertrauensmännerverslg. in Leinefelde sprach Marx nur kurz, Dietrich länger über LT-Sachen. Mit Landrat Papst Weiterfahrt nach Mühlhausen. Noch eine öffentl. Verslg. in Worbis und eine weitere der National-Katholiken. Der Präs. des Finanzamtes Nacke ist der einzige Z-Mann. Auf der Rückfahrt nach Berlin am 21. 1. war Duisberg im Zuge (S. 10). Am 1.2. in M.-Gladbach bisweilen sehr scharfe Auseinandersetzungen im Vv. Kribben redete immer dazwischen: als Dechant kann er sich das herausnehmen. Marx sah materiell gerichtete Beschlüsse als schädlich an; offenbar ebenso Brauns. Marx' Antrag, die Verhdlgn. von Lammers abzuwarten, wurde angenommen. Mittagessen mit Kohlen und Brandts im ,Dt. Kaiser'. Danach Verhdlgn. mit Dambach, Pieper und Gronerath, Besuch bei van den Boom. Übernachtung in Duisburg, am 2. 2. über Elberfeld nach Altona, wo die Lage nicht sehr erfreulich war (S. 11). Am 3. 2. mittags bei Pfarrer Hartong. Danach Besprechung mit den Vorständen Joseph Berll und Häfner mit Bericht über die ,Kath. Aktion'. Zu der Abendverslg. erschienen 3 Arbeitersekretäre, ein Magistratsvertreter und der Vors. der DDP Löwenthal; in der gemütl. Nachsitzung verlangte man Erzählungen aus dem parlamentar. Leben und über Hindenburg. Am 4. 2. mittags bei Pfarrer Gerdemann und 2 Verslgn. (S. 12); anschließend im ,Reichskeller' Auseinandersetzung mit Herren aus der ,Baltia'; ein Mitgehen wies Marx ab, weil das doch eine Trennung bedeuten würde, er aber von der Gesamtheit der Vereine eingeladen war. Am 5. 2. Rückfahrt nach Berlin, wo er im RT noch an einer namentl. Abstimmung teilnehmen kann. Nach Verhdlgn. zwischen RK Müller und DVP war die Verantwortung auf diese geschoben. Am 6. 2. ging im RT die Zeit mit einer Geschäftsordnungsdebatte hin, Kahl konnte gerade noch seine Referat-Rede anbringen. In der wichtigen Fraktionssitzung bat Marx um Aufschub seines Gegenreferats auf den anderen Tag. Längeres Gespräch mit Heß und Hirtsiefer (S. 13); Preußen sollte nachgeben und der DVP 2 Minister zugestehen; Heß hatte einen Weinanfall und stimmte zu; die DVP lehnte aber alles ab; v. Guérard nahm deswegen seine Entlassung. Marx fuhr nach Hause, weil ich keine Lust habe, alle die Unwahrheiten der SPD zu ertragen (S. 14). Auf der Fahrt nach Köln am 14. 2. traf Marx Giesberts und Köhler, mit dem er Dinge des Vv besprach. Marx' Sohn unterhandelte mit Karl M. Hettlage, dem Assistenten von Prof. Ebers. Mittagessen mit Lammers und Dessauer, die mit den Wienern anscheinend mit gutem Erfolg verhandelt hatten. In der Sitzung im Bürgerverein wollte Brauns zuletzt noch Zinsfreiheit für Rückstände, worüber Esser unwillig wurde. Abends aßen in der ,Ewigen Lampe' Brauns, Kohlen, Brandts und Lammers. Am 16. 2. Fahrt nach Hamburg (S. 15), wo Alte Wischer mit zum Hotel ging. Herren des KV machten Besuche, darunter ein Sohn von Emminger. Vorsitzender war Frhr. v. Glaubitz, der ganz rechts stand. Im Ratskeller erzählte Marx von Trimborn und Hindenburg. Besichtigung des Marienkrankenhauses mit dem Oberarzt. In Legeteil große Verslg. in der den alten Leuten die Ausführungen über die Aufwertung mißfielen. Beim Prälaten Dinkgräfe Bericht über Vereine und ,Kath. Aktion': Es wird die Rechtseinstellung von mir angegriffen (S. 16). Am 16. 3. traf Marx im Zuge Bredt und Dietrich. In Heiligenstadt Kaffee bei Pradel. Bei der Besprechung im Gesellenhaus wollte man ein wirtschaftliches Programm aufstellen; Marx hielt eine Zusammenstellung der Wünsche der verschiedenen Stände des Eichsfeldes für einfacher. In Breitenworbis leitete Amtsvorsteher Wandt die Verslg., in der Marx wohl etwas zu hoch für die Leute sprach. In Heiligenstadt bei Propst Poppe. Am 23. 3. wünschte Bing einen Aufsatz über Trotzki. Im Zuge nach Köln eine Reihe von Oberbürgermeistern - u. a. Gielen und Jarres -, die wegen der Eingemeindungen in Berlin waren; es fuhr auch Bachem mit (S. 17). Am 24. 3. schickte Marx die Schreiben der Bonner an Brauns und Dessauer. Bei Dichgans in Elberfeld traf er Küpper, Dechant Brandt, Dr. Grabus und Fries. Abends hielt Brandt den Nachruf auf Sonnenschein. 31. 3.-2. 4. an den Akten geordnet. 4. 4. mit Kohlen wegen Vv telephoniert. Brauns überließ Marx die Terminfestlegung für Vorstandssitzung des Vv. Eine Verhinderung Dr. Müllers wurde von Kraneburg mitgeteilt. 7. 4. stellte Marx Kard. Bertram im St. Hedwigskrankenhaus - Berlin die schlimme Lage des Vv vor; Abg. Faßbender war auch dort. Auch Bertram war vom Bischof v. Regensburg wegen des RKA angeschrieben worden. 8. 4. sagte er dem Staatslexikon einen Art. über religiöse Kindererziehung zu. Besuch von Frl. v. Hertling (S. 20f.). 9. 4. im RT Vorstand der Fraktion; die SPD griff wieder die Panzerkreuzer-Frage auf. Kaas schrieb i. A. des Vorstandes an RK Müller einen gutgemeinten Brief, der aber aufreizend wirkte. Beratung des Strafgesetzbuches im Ausschuß. Nach der Fraktionssitzung gingen Stegerwald und Kaas zum RK; die Fraktion wartete auf sie bis 21 Uhr. Es soll morgen das Kabinett zusammenkommen. Wahrscheinlich wird man so weiter wursteln! Der Gedanke, daß das Kabinett zusammentreten sollte, ist aber fallengelassen worden mit Rücksicht auf das Ausland. 10. 4. im RT Ausschuß für das Strafgesetzbuch: Landesverrat und gemeingefährl. Verbrechen. Im Fraktionsvorstand wurde die Erklärung der Reg. als ausreichend angesehen, um in die Reg. einzutreten. Ich kann doch auf eine ausdrückl. Anfrage von Kaas sagen, daß ich es für ein Unglück ansehen würde, wenn v. Guérard Justizminister werden sollte. Gerade nach Koch würde das außerordentlich auffallen (S. 22). 11. 4. in Köln Vorstandssitzung des Vv mit Brauns, Müller und Dessauer, der vortrug. Die von den Banken gewünschte Erklärung wurde genehmigt; Föhr fragte viel; der neue Gen.-Dir. klagte, daß vieles, wenn nicht alles ihm doch sehr neu sei. Hürth beteiligte sich nur kurz. Kohlen war abends eingeladen. 14. 4. Besuch bei Bell in Berlin-Lankwitz, wo Schätzel, Köhler, v. Hertling und Honold waren. 15. 4. schrieb Lensing noch einmal wegen des Dortmunder General-Anzeigers: Es ist ein unangenehme Sache. Böhler berichtete vieles. Es werden von den Versicherungsvereinen Vorschläge gemacht, ob sie die 500 M für den Vv schaffen können, um die Summe abzulösen; mit Lenné als Vertreter der Caritas sollte verhandelt werden (S. 23). 21. 4. kam Fonk. 22. 4. im Fraktionsvorstand über Ehescheidung: Es sollen Schritte getan werden, um das weitere Beraten des Vorschlags von Koch zu verhindern oder wenigstens herauszuschieben. 26. 4. über die Todesstrafe; Marum: die Meinung stehe fest, lange Reden könnten nichts mehr nützen; deshalb redet er doch ¿ Stunde lang! Nur die anderen sollen schweigen! Köhler wollte für Todesstrafe sein, wenn sein geänderter Antrag nicht angenommen würde. Schetter sollte auf Marx' Wunsch in den Ausschuß eintreten. Im Vorstand gerieten die Badener bei Besprechung über das Monopol ganz außer sich und drohten, eine bad. Volkspartei zu gründen. Marx meldete sich zum Ausw. Ausschuß und wurde auch gewählt. 27. 4. kam von Köln eine Einladung zur Vorstandssitzung des Vv für 2. 5.; die Verhdlgn. über einen Vertrag waren weitergegangen; bei Marx waren nur 20 Unterschriften eingelaufen. Im Vorstand der Fraktion wurde man über das Monopol nicht schlüssig. Brüning war zeitweilig aus dem Ausschuß wegen zu großer Gegensätze mit Föhr ausgetreten (S. 24). 6. 5. Antritt der Fahrt nach Rom. 7. 5. dort Verbindung mit Meyer, Kreutzwald und Steinmann aufgenommen (S. 25). 8. 5. in der Oper herrliche Aufführung von Traviata. 9. 5. Essen bei Steinmann, Ausflug mit Kreutzwald. 11. 5. Vatikan-Bibliothek (S. 26), Besuch von Freusberg. 12. 5. Kaffee bei Botschafter v. Bergen mit Ehrle, Frühwirth, Faulhaber und Gasparri. 13. 5. Besichtigung des Forums unter Anleitung des Instituts- Assistenten Bühringer; dann Besuch des Lateran (S. 27). 14. 5. Audienz von 20 Minuten bei Pius XI.; beim Weggehen sagte der Papst: „Ein Adieu ohne Abschied!" Anschließend Besuch bei Gasparri. Danach Essen bei v. Neurath; abends bei v. Bergen, dort auch Gesandter Pauli. 15. 5. Ausflug mit Kreutzwald. 16. 5. Besuche bei Rektor Hudal und Kaplan Schummer. ,United Press' wünschte einen Aufsatz über Mussolini (S. 28). 17. 5. Ausflug mit Meyer und Steinmann. 18. 5. Mittagessen bei Kreutzwald, vom Vatikan kam eine Einladung zu einer Seligsprechung armenischer Märtyrer. 19. 5. David riet zu einem Besuch bei Pizzardo; bei Steinmann war Exz. Igels (S. 29). 20. 5. Seligsprechungsfeier in St. Peter. Im Germanicum sprach Marx über die kirchl. Zustände in den einzelnen Ländern, auch über den Kulturkampf. Besuch in den Katakomben; abends Krings und Meyer. 21. 5. Neapel. 22. 5. Pompeji und Sorrent (S. 30). 23. 5. Steinmann verpaßt. 24. 5. in Rom von Kreutzwald erwartet (S. 31). 25. 5. Fahrt nach Rapallo. 26. 5. Fahrt über Bern und Brunnen nach Treib, wo Arnstadt empfing (S. 32). 27. 5.-3.6. in Treib. 1. 6. an Schofer, van der Velden und Gerig geschrieben; der Slg. für den Vv will sich jemand ausschließlich widmen (S. 33 f.). 4. 6. in Freiburg bei Schofer: schnelle Verhdlgn., feines Essen, vorzüglicher Wein und interessante Unterhaltung. 5. 6. in Berlin. 6. 6. im RT über Etat des Innern (S. 35): Es wird geredet und geredet. Bell beklagte sich, daß die Presse die Verhdlgn. des Rechtsausschusses ignorierte. 7. 6. im RT weiter viele Reden, Vv-Sachen durchgearbeitet. 8. 6. auf der Fahrt nach Erfurt Dietrich getroffen; am Bahnhof waren Landrat Papst und P. Weigel. Marx' Sohn hat hinreichend Kritik geübt, weil es ein kleiner Männer-Verein sei, und es nicht der Mühe wert sei, für einen solchen eine solche Reise zu unternehmen. Ich bin ganz anderer Meinung und glaube, der kath. Sache in Mühlhausen einen großen Dienst erwiesen zu haben. 9. 6. kam zur Festpredigt eigens Propst Poppe; Pradel war auch da. Marx saß beim Festzug im Auto neben Präs. Laufer (S. 36). 11. 6. in Berlin bei Lammers mit van der Velden und Dessauer. Im RT berichtete Brüning über die Besprechungen in Karlsruhe: Es scheint, als wenn die Politik Schofers von vielen in Baden nicht für richtig gehalten wird. Es ist große Begeisterung auch noch für Dr. Wirth vorhanden. 12. 6. kam ein aufgeregter Brief von Kribben. Im RT Besprechung mit Dessauer; Köhler sollte über Filser Aufschluß geben; an Dörner wollte Marx selbst schreiben. 15. 6. auf der Reise nach Köln Unterhaltung mit Frl. Teusch. 16. 6. erst Schwering, dann Hammels getroffen (S. 37). Gemütliches Mittagessen mit Adenauer im Rathaus: Es werden recht neuartige Reden gehalten. Abends in der Bürgergesellschaft Rede über Hindenburg. 18. 6. in Berlin keine Abstimmungen im RT. 21. 6. Aufsätze für Kard. Schulte und über die religiöse Kindererziehung angefangen. Im Fraktionsvorstand trug Wirth die Kabinettsbeschlüsse vor und die Stellung zum Pensionsbeschluß; das Sachverständigengutachten sollte als Verhdlgs.-Grundlage anerkannt werden. Marx wandte sich gegen das von v. Guérard geforderte Vertrauensvotum: das würde so aussehen, als stimmten wir dem Gutachten zu; beschlossen wurde Billigung; die anderen Parteien zeigten nur Kenntnisnahme an. In der Fraktion Aussprache über die Landwirtschaft; aus den Beratungen des eigens eingesetzten Ausschusses kam nichts heraus (S. 38). 22. 6. Stresemann war am Vortage bei der interfraktionellen Besprechung, wurde dann sofort krank. Fahrt nach Schneidemühl zusammen mit Prälat Kaller und Westphal. 23. 6. Besuch bei Ganse. Ausflug nach Domlaw und Gut Bärenvolk, das dem Sohn von Koch gehörte. 24. 6. hörte im RT Marx noch Breitscheid und Ulitzka; Stresemann soll gut gesprochen haben. Im ,Montag' stand ein scheußlicher Art. über die Beratungen in Weimar und mit scharfen Verleumdungen gegen Fehrenbach. 25. 6. Tee beim RP; er kommt mir etwas schwach vor; ich meine, er spricht sehr leise, sonst ist er doch recht munter gewesen (S. 39); Plätze neben Schätzel und Kahl; Unterhaltung mit Joël. 26. 6. Einleitung für das Buch von Schulte geschrieben; im RT gab die SPD eine Reihe von Zöllen zu; fortwährend Abstimmungen. Im LT hatte ein Blitz den Präs.-Stuhl beschädigt. Beim großen Bierabend von Frau v. Oheimb Unterhaltungen mit v. Keudell und Bell. 27. 6. fiel im RT bei namentl. Abstimmung durch das „Nein" der WV das Republik-Gesetz; Lärm und Rede Severings; besprochen wurde auch die lex Brüning. 28. 6. Aufsatz für die engl. Presse fertiggestellt (S. 40). 29. 6. Reise nach Neuß; im Zuge Heilmann getroffen. Am Bahnhof waren Stadtverordneter Meyer, Werhahn und ein Bankbeamter Beran. 12. 7. Briefwechsel zwischen Kaas und Wirth über die Kommissionen des Rheinlandes. Böhler erzählte aus dem Kultusministerium, daß die SPD nicht mehr die weltl. Schule, sondern die Simultan-Schule in den Vordergrund schöbe. Rede von Brüggemann - Essen auf Wunsch an Pfeiffer geschickt: Was das soll, weiß ich nicht (S. 41). 17.7. längere Verhdlgn. mit ,United Press'. Regner erzählte über seine fünfjährige Gefangenschaft in England. 21. 7. Besuch bei Rieder. 27. 7. Reise nach Essen zur KV-Verslg., wo Dr. Meurer begrüßte: Aufsehen gibt es, als später der Saal verdunkelt wird, und die Kellner auf Tabletts Bergmannslicht und „Schnaps" brachten (S. 42). 28. 7. Hochamt von Bischof Hammels in der Münsterkirche; in der Festsitzung im Saalbau sprachen OB Bracht, Hammels, Marx und Kothe. 29. 7. Besuch des Folkwang-Museums. 2. 8. Rede für Neuß fertiggestellt (S. 43). 4. 8. Fonk getroffen. Kurigs haben in Nürnberg wegen Zusammenkunft der NSDAP keine Unterkunft gefunden. 60-Jahrfeier des Klosters Moabit in Anwesenheit des Nuntius; auch Nuß dort getroffen. 6. 8. für Krauss über „Akademiker und Verfassung" geschrieben (S. 44). 8. 8. Reden für den Vv-Freiburg und den Marktplatz in Neuß fertiggestellt. Von Brand erfuhr er, daß für Geilenkirchen schon im Mai alles abgelehnt worden ist. 9. 8. sah im Haag die Sache immer noch nicht schön aus ... Snowden ist der wilde Mann, der gleich den nötigen Krach gemacht hat. 10. 8. in Düsseldorf auf der SchO P. Schroeteler besucht; in Neuß wurde er von Kallen empfangen. 11. 8. Messe im herrl. Dom. Es ist doch immer noch das alte Neuß. Im Gesellenhaus große Verslg. mit viel zu viel auf dem Programm (S. 45). In der Bürgergesellschaft begrüßte Beigeordneter Thielmann (SPD); er soll aber sehr tüchtig sein; anwesend war auch Landrat v. Chamier. Nachmittags mit Kallen zum Windthorstbund nach Uedesheim. Abends in Neuß Rede auf dem Marktplatz. 13. 8. in Gladbach über die Finanzlage des Vv gesprochen; zuletzt wieder Auseinandersetzung wegen der SchO: Es wird etwas ungemütlich, weil ich angenommen habe, es sei alles in Ordnung. Mit Müller und Leicht nach Köln gefahren. Von Brauns und van der Velden wurden Marx Wrede und Karst vorgestellt, die die Slgn. besorgen sollten. Mit Brauns zurück nach Berlin. 15. 8. ging Brauns zum Arbeitsministerium; Marx schrieb Aufsatz für ,United Press'. Im RT trug Frl. Teusch sehr schön im Fraktionsvorstand über stattgehabte Verhdlgn. vor (S. 46). Die von ihr und Riesner beantragten Stellen wurden alle bewilligt. Brüning berichtete über die auswärtige Lage. Wir verfassen ein Schreiben an Dr. Wirth, der als unruhiger Mensch einer besonderen Ermahnung bedarf. 16. 8. Rede für Dresden diktiert. An Finanzminister - wohl aussichtslos - für Steuererlaß einer Ztg. geschrieben. 17. 8. Vorbereitung der Rede für Freiburg. Plan der Rhein. Landwirtschaftskammer für eine Milchorganisation. 18. 8. in Potsdam Teilnahme an einem Festzug mit Bracht, Schellberg, Oberst Lingens; der Nuntius stand auf dem Balkon des Hauses des Generals Rintelen; Frl. Weber redete (S. 47). 1. 9. Teilnahme am Katholikentag in Freiburg; mit Donders legte Marx die wichtigsten Stellen seiner Rede fest. 11. 9. Aufenthalt im Schwarzwald (S. 48). 12. 9. Ausflug nach Badenweiler, Schönau, Todtmoos, Krankenhaus auf dem Feldberg, Schluchsee-Werk, Titisee, St. Blasien. 13. 9. kam Rösch zu Schofer; Besichtigung des Caritas-Hauses; Spazierfahrt mit Prälat Kreutz. 14. 9. Briefe in Sachen des Vv und einen an v. Lüninck geschrieben; Brief Kohlens an Horion weitergeleitet. Geigenhädig-R. Schwörer, ein sehr interessanter Herr (S. 49). Ferienaufenthalt (S. 50 f.). 26. 9. mit Kohlen wegen des Vv telephoniert. Der unglückliche Lemmen wollte dafür 5000 M vorlegen; Marx widersprach (S. 51); an Doerner, Brauns und Dessauer geschrieben wegen Vv-Vorstandssitzung: Es ist aber jetzt meine Geduld zu Ende! 28. 9. nach Erfurt; im Zuge Ulitzka getroffen, der nach Mainz zum Parteitag fuhr. Mit Schomberg und Parteisekretär Rademacher über Gotha und Eisenach zuerst zu starken Verslgn. nach Geisa und dann nach Dermbach (S. 52). 20. 10. in Köln pessimistische Vorstandssitzung des Vv: Man meint, es könnte alles nichts helfen. Es käme trotzdem zum Chaos! Der Verlag hätte kaum Druckaufträge bekommen; Heinrich habe nichts getan oder erreicht. Die neue Bilanz konnte nicht genehmigt werden; erst sollten Kribben und der neue Geschäftsführer gehört werden. Kohlen traf Doerner, der aus der Bank ausgeschieden war und schon deswegen großen Krach macht und sehr unwillig ist. 22. 10. Habbigs besucht. 23. 10. nach Beuel zu Hoenscheidts (S. 53), wohin auch Moslers kamen. 9. 11. einen Aufsatz über Homosexualität an Ohrmann geschickt; dann nach Weimar gefahren. 10. 11. Dechant Breitung predigen gehört, dann Lins besucht (S. 54). Ranft hielt schönen Vortrag im Stadthaus; im großen Saal redeten auch 2 Nat.-Sozialisten unter großem Lärm, davon einer starken Unsinn. 11. 11. in Jena gut besuchte Verslg.; danach bei der ,Rudelsburgia'. 16. 11. in Berlin von Buhla und Bell zu einer Erwiderung gegen Art. des ,Vorwärts' aufgefordert. Die Aufzüge nahmen ständig zu. 17. 11. kam Fonk (S. 55). 20. 11. hielt im Sportpalast der Bischof seine erste Rede von größerer Bedeutung vor etwa 12 000 Leuten. 10. 12. mit Schulfragen befaßt, die Abschiedsreden von Pacelli und Sproll gehört. Zu Marx' Vortrag in der ,Dt. Gesellschaft' kamen Schiffer, v. Reibnitz, Becker und Landé. Danach konnte er von der Kroll-Oper Pacelli heim begleiten: er ist ganz ergriffen! 11. 12. von de Haas zu einem Frühstück eingeladen, das von Prof. Bittner-Wien ausging, der über die österr. Veröffentlichungen sprach (S. 56). Abends erschien zum Bruckner-Konzert Bischof Schreiber. 20. 12. dt.-frz. Treffen in der ,Dt. Gesellschaft', wo die Patres Laroche und Lafontaine sprachen, danach Graf d'Ormesson; Budding hatte ein Referat über den Korridor ausgearbeitet; Tischreden hielten Prof. Brune und Min.-Präs. a. D. Marsal. Im RT war es um den Gerstenzoll kritisch geworden. Für das dt.-frz. Treffen hatte Hermes im letzten Augenblick abtelegraphiert; Bischof Schreiber war auch gekommen. 21. 12. hielt Brauns Marx von einer Rede zurück vor den Franzosen. Beim Botschafter de Margerie Frühstück, wo Marx neben den Professoren Picot und Brune saß. In den RT kam Ulitzka für die namentl. Abstimmungen zu spät (S. 57). Vor Notar Funk gab Marx Erklärungen wegen des Vv ab. Abends großer Empfang bei v. Guérard. 22. 12. in der Fraktion große Geburtstagsfeier von Esser. 23. 12. wollte .United Press' den Vertrag verlängern; Marx verlangte, daß der ,Dortmunder General-Anzeiger' mit den Artikeln nicht beginnen durfte. 26. 12. kam abends Wirmer (S. 58). 28. 12. kamen vom Ausw. Amt 8 Bände österr. Aktenpublikationen. Itschert setzte sich für LG-Dir. Bockenheimer ein. 59¿ S., die S. 17 und 18 mit leicht abweichendem Text doppelt, bis S. 18 Erst- und Durchschriften von Masch.-Schreiben, ab S. 20 eigenhädig von Marx.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 76
Altsignatur : 76



1930
Das Jahr 1930


Enthält : Erinnerungsbericht (o. D.; nach 1943): 1. 1. Besuch von Schwister, der anschließend zu dem Pfarrer in ihrem Hause ging, der sehr rechts stand und auch dem Volksbegehren zustimmte. Marx' Tochter ging zu Fonk. 3. 1. nach Frankfurt, wo Joos und Dryander über die Aufgaben der neuen Verslg. sprachen; Joos hätte lieber das Thema Christentum und Sozialismus gehabt und weniger Pädagogik; Buhla und ,8-Uhr-Abendblatt' riefen wegen einer Meldung des ,12-Uhr- Blattes' über den Verlust von ¿ Milliarde <!> beim Vv an. In der Vv-Verslg. erschien auch Hohn. Der Bischof von Speyer lud zum 12. 7. zur 900-Jahrfeier des Domes ein. 4. 1. van der Velden und Forsch getroffen. 6. 1. Krone sah in Fulda die wirtschaftl. Lage schwarz und meinte, in 4-5 Jahren stünde Dtschld. am Ende seiner Leistungen. 8. 1. auf den groben Brief der Papier-Handels-Gesellschaft, an der Imbusch beteiligt sein soll, unter Verwendung eines Entwurfs von Kohlen scharf und kurz geschrieben; Briefe an Hürth, Wolker und Knümann mit dem Wunsch Essers abgefertigt; ein Bericht an die Gewerbebank wäre gefährlich (S. 1 f.). 15. 1. Frühstück bei Klee mit Bischof Schreiber, Brüning, Mayer und v. Bülow; der Bischof sprach hauptsächlich über die wendische und poln. Frage. Es hatte eine Zusammenkunft zwischen Deutschen und Franzosen mehr wissenschaftl. Art stattgefunden. Abends auf einer Einladung Adenauers, wo Caspari, Steiger, Bartels und Frank waren. 24. 1. erschienen bei Kohlen auch RA Mülhen und Dr. Herold, der glaubte, daß die Gläubiger des Vv sicher auf 40% bestünden; seinen Vorschlag wegen Übernahme der Druckereien durch einen Verband, hielt Marx für ganz unmöglich. 1. 2. Kuratorium der Hochschule für Politik, wo es anscheinend finanzielle Schwierigkeiten gab und wo man - besonders Schmitz - über das Verhältnis zu Spahns ,Polit. Kolleg' klagte; beim Frühstück von der Carnegie-Stiftung saß Marx neben v. Rheinbaben, Dir. Cremer und Guthmann (S. 3). 2. 2. waren im Dt. Theater bei Shaws ,Kaiser von Amerika' Bell, Braun und Müller. Große Gesellschaft beim Gesandten Frank, wo Frau Allek spielte. 9. 2. nach Stettin, dort bei Prälat Steinmann größere Gesellschaft. 16. 2. Besuch von René - Trier. Anruf von Brauns, Eilbrief an van der Velden (S. 4). 17. 2. im RT, wo die Kommission ohne Ergebnis über die Ausführbarkeit eines Vertrages debattierte. Bei der Sitzung des SSS viele Leute: eine Dachgesellschaft wurde abgelehnt, die gesammelten 20 000 M sollten an die Verbände gehen. 18. 2. im Ausschuß weiter über die Banken und das Gesetz verhandelt hauptsächlich von Dernburg, Dauch und Schlack; Schacht redete natürlich sehr viel; Angriffe der KPD gegen die SPD. Briefe an Gördes wegen der Schule in Heerlen, an Kard. Schulte sowie an Wirmer wegen des Umzuges. Telephonat mit Bauermann. 19. 2. im RT Verhdlgn. über Reichsbank, dann über das Reichseisenbahngesetz. Auf der parlamentar. Zusammenkunft bei der ,Askania' sprach Otte. 20. 2. großes Requiem <u. a. für Sonnenschein> in St. Hedwig, mit Klausener und Schuhmann zum Friedhof, wo P. Hoffmann das Grab segnete (S. 5). Im RT ruhige Debatte über die Sanktionen, obwohl tags zuvor Wirth und Freytagh deswegen zusammengestoßen waren. 12. 3. rief P. Gehrmann an, weil Nuntiaturrat Centoz alle Minister besucht hätte, um ihnen die amtl. Papiere zu zeigen; mittags kam er feierlich zu Marx zur Ordensverleihung. Die 3 preuß. Minister nahmen ihre päpstl. Orden bei Hirtsiefer in Empfang. 13. 3. Überreichung der Festschrift an Meissner, zu der auch Luther beigesteuert hatte. Im RT Verhdlgn. über Steuerfragen. Abends im Dominikaner-Kloster. 14. 3. Vorbereitung auf Reden. Abends große Verslg. der Gesellschaft zur Erforschung der Kriegsursachen mit Prof. Fay (S. 6). 15. 3. nach Kassel zunächst mit Joos und Fahrenbracht. 16. 3. dort Vertrauensmännerverslg. im Gesellenhaus mit 100 Leuten. Abends zu einer Verslg. von 800-900 Personen von Dr. Steigleder abgeholt; Dr. Theissen, früheren Militärarzt in Metz, kennengelernt. 17. 3. auf der Fahrt nach Berlin Dr. Drees getroffen. 19. 3. Klöckner klagte über die vielen Feierschichten an der Ruhr. Abends Konzert unter Poldi Miltner. Es kam auf die Parteitagsbeschlüsse der DVP an, ob die Reg. bleiben konnte oder nicht (S. 7). 20. 3. trafen sich im RT Brauns, Mülhen, Beck, Dr. Herold und Kessels wegen Vv. 21. 3. Vortrag von Simons ausgelassen. 22. 3. berichtete Bruder Placidus <Heußlein> über seine Amerika-Reise. Für einen Vortrag ließ sich v. Schoenebeck gewinnen. 23. 3. in Köln Vortrag „Der Schicksalsweg des dt. Volkes" beim Kath. Kaufmann. Verein, wo Menzer präsidierte und die Deutschmeister-Kapelle spielte (S. 8). 24. 3. auf dem Parteitag in Köln hatte Brüning sehr gut geredet. Im RT Abstimmungen über Zoll- und Steuerfragen. 25. 3. Art. für ,United Press' über „Young-Plan und Völkerfrieden". Im RT wurden die Zollgesetze angenommen. In der Fraktion Besprechungen bis in die Nacht ohne Einigung. 26. 3. Brief an v. Bergen und Pieper. Im RT viel Gerede über Etat. Die Parteiführer berieten über Steuerpläne. Mit Gatz verhandelt. Eckardt - Hamburg sprach mit Heukamp über das Eichsfeld. 30. 3. Wrede hatte für seine Erfindung 29 000 M erhalten. 31. 3. war alles unsicher, ob Brüning sein Kabinett zusammenbekam, weil die Dt.-Nationalen nicht mittun wollten; Schiele trat aus der Fraktion aus und brachte niemand mit (S. 9). Am Morgen war die Stimmung umgeschlagen; Brüning sprach ganz kurz; Hugenberg spielte eine klägliche Rolle. Im Fraktionsvorstand über Steuern und Landwirtschaft. Ebenso am 1. 4. Am 5. 4. die Leitung der 1. Gruppe des Vertretertages an Legge übertragen und dann im Zuge nach Holzminden Eckardt getroffen. Mit Stegerwald wegen des Gefrierfleisches verhandelt. 6. 4. kam auch Heinen nach Holzminden, wo übervolle Verslg. war (S. 10). 10. 4. auf der Fahrt nach M.-Gladbach Treviranus und Thywissen getroffen. In der Zentralstelle waren Prälat Limberg, Pastor Derichsweiler, Lenné, Müller, Liertz, Böhler, Mülhen. 11. 4. eine Besprechung mit Heinemann - Neuß zerfiel; Rückfahrt nach Berlin. 12. 4. im RT hielt Schlack zur Umsatzsteuer eine verbitternde Rede; er nannte die RR die reaktionärste seit 1919 (S. 11). Im Vorstand tadelte ihn Frl. Weber scharf; Marx ließ es mit Mißbilligung genug sein: Man könne Schlack nicht anders behandeln als auch Wirth, der wahrscheinlich noch mehr getan hätte. 13. 4. Besuch von Musikdir. Dammer-Bremen. 14. 4. schwierige Abstimmungen im RT. Schlack hatte dem Fraktionsvorstand sein Verhalten erklärt: Er soll ganz zusammengebrochen sein. Die Fraktion dankte Brüning. 15. 4. Art. über die Lösung der Krisis und Londoner Konferenz. 16. 4. nach Innsbruck gefahren und im Zuge v. Raumer und später Bolz getroffen (S. 12). 18. 4. in Bozen und Abtei Gries. 19. 4. in Bozen van Calker getroffen. 20. 4. weitergereist nach Meran, wo auch Brüninghaus hinkam (S. 13 f.). 23. 4. an Otte geschrieben, am 25. 4. Schätzel. 27. 4. Momme Nissens Langbehn-Buch gekauft. 1. 5. bei den Kindern einer Gräfin Bassewitz ist die Tochter von Frau v. Schubert. 2. 5. Böhler schrieb wegen der Bonner Zentrale. 3. 5. Exz. Pohl und Bidorf kamen an. Anruf von Pfarrer Faßbender - Godesberg (S. 15-18). 10. 5. in Berlin, dann Fahrt nach Heiligenstadt, wo Marx von Justizrat Blumberg und Pradel erwartet wurde. 11. 5. Verslgn. in Leinefelde und Bleyerode, wo der Gewerkschaftssekretär Hornung leitete. 17. 5. abermals nach Heiligenstadt zu Propst Poppe und Pradel. 18. 5. Verslg. in Ershausen, wo auch ein SPD-Abg. Meister des Prov.-LT war und meist über Gehaltsfragen gesprochen wurde (S. 19). Abends in Heiligenstadt gehörige Debatte u. a. über die großen Gehälter. 19. 5. im RT Etatsberatungen. Für den Vv hatte man bei Böhler an der von Kohlen versprochenen Haftung über 150 000 M Anstoß genommen; nach Rücksprache mit Kohlen und Brauns versuchte Marx zu beruhigen. 23. 5. im RT Besprechungen über Versetzungen; Pünder sollte ins Reichsinnenministerium: Das würde ich für sehr verkehrt halten. 24. 5. in Wien, wo Hollnsteiner, Dr. Steimer von der Gesandtschaft und Prälat Huber vom Volksbund empfingen. Besuche bei Seipel, Hainisch und Miklas. Abends Akademiker-Verslg. im Gewerbehaus (S. 20), wohin auch Schober kam; Münch und Adler waren auch dort. 25. 5. Frühstück beim Gesandten Graf Lerchenfeld. 14. 6. an Prälat Steinmann - Rom geschrieben, dann nach Dortmund zu Lensing gefahren. 15. 6. nachmittags große Verslg.; abends mit Dechant Röhling, Koch und Kaiser, den die Kommunallasten schmerzten; Trimborn-Geschichten erzählt (S. 21). 16. 6. im Zuge nach Berlin waren Wachhorst de Wente und Blum. Im RT redeten Wirth über Schulgesetz und Thüringen, auch Schreiber. 17. 6. schien die Stellung Moldenhauers unhaltbar, weil eigentlich alle gegen das Notopfer waren, Es fällt mir ein, daß jemand einmal gesagt hat: Brüning müsse sich in acht nehmen! Er lege sich allzu viele Fehler mit seinem Alleinsein zu; er sei zu verschlossen und spreche über seine Absichten zunächst mit anderen. Er habe jetzt eigentlich alles gegen sich! Nur die Furcht stehe hinter ihm! 18. 6. Kiep und Graf Montgelas getroffen. 22. 6. Fronleichnamsprozession, auch Brugger dabei. 23. 6. Sache Widera. Luftschiff nach Hamburg (S. 22). Im RT mit Geigenhädig-R. Herder über die neue Lexikon-Auflage gesprochen. 24. 6. im RT waren alle im Z für Ermächtigung für Brüning, weil sonst nichts mehr übrig bleibt. Zu Hause waren Schwister und Rieder. 25. 6. Art. über Befreiung für Ztg. in Neuß und ,Germania'. Brüning war gegen das vom Vorstand empfohlene Ermächtigungsgesetz und wollte anderntags nach Neuwerk zum RP. Er will jetzt die Sache in den Reichsrat bringen, oder es soll ein Initiativgesetz vom Z eingebracht werden; Marx hielt das nicht für richtig, weil alle Beamtenorganisationen sich dafür ausgesprochen hatten; nur Gerhardt war anderer Meinung. Im Fraktionszimmer sprachen vor den Präsides der Jünglingskongregationen Wirth, Joos, Leicht, Wolker und Marx. Daheim fand dieser Ferd. Classen vor, der am Theater Aussichten haben wollte. 26. 6. im RT Unterhaltung zwischen Kaas und v. Guérard. Im Fraktionsvorstand Reden bei der alten Lustigkeit. 29. 6. in Berlin Katholikentag (S. 23). 30. 6. Bericht über die Schulfrage entworfen und nach Düsseldorf geschickt. 1. 7. im Kuratorium der Hochschule für Politik soll großer Krach mit Quaatz wegen des Ausscheidens von Spahn gewesen sein über dessen ,Polit. Kolleg'. 3. 7. beim Notar wurde Remmer zum Geschäftsführer des Vv neben Reichel bestellt; abends Vortrag bei ,Semnonia'. 5. 7. nach Detmold (S. 24), wo er beim Kolpings-Verein sprach und beim Pfarrer, ein recht moderner Herr mit Möbeln aus Gelsenkirchen, wohnte. 13. 7. war Brauns lange da. Dr. Becker war wieder in Köln: Es ist jedenfalls gut, daß er aus dem Hause <des Vv> ist. 14. 7. Aufsatz über Pan- Europa abgegeben. Im RT ging es über Osthilfe, in der Fraktion über Krankenversicherung. Prof. Gatz hatte verschiedenes zu unterschreiben. 15. 7. sah man ein, daß der Antrag nicht ging. Imbusch wurde nicht einmal grob, als Marx gegen den von ihm begünstigten Antrag Bedenken erhob. 18. 7. prophezeite Marx bei Goldmann Annahme des Osthilfe-Antrages auch durch die DNVP (S. 25). Im Fraktionsvorstand wurde aggressive Führung des Wahlkampfes bejaht. Bierabend bei Wirth. 19. 7. nach Köln mit Herold und Blum. Bei Pradel Zweifel erhoben, ob Marx überhaupt noch kandidieren sollte. 20. 7. in Köln Einweihung des Gesellenhauses durch Kard. Schulte. Mit Adenauer zum Gürzenich; anschließend schöne Schiffsfahrt auf dem Rhein. 21. 7. beim Akademiker-Verband zu Landmesser. Dann nach Koblenz zur Befreiungsfeier (S. 26). 22. 7. in der Stadthalle neben Luther, mit diesem zu Fuchs; Hindenburg konnte allein gesprochen werden. Im Görreshaus Besprechung über Parteifragen u.a. mit Müller und Mönnig. Abends in der Halle neben Hirtsiefer und Schmidt. 23. 7. nach Baden-Baden (S. 27). An Geistlichen waren da Pastor Floß aus Köln-Raderthal, Dr. König und P. Timpe. An Dambach geschrieben, ebenso an Vockel, daß er bei der Vorstandssitzung fehle und Verslgn. nur im Wahlkreis halte. 27. 7. Besuch von Herder. 28. 7. an Böhler wegen Münster geschrieben 29. 7. die neue ,Staatspartei' ist für Herrn Scholz nicht sehr angenehm (S. 28). 2. 8. dem in Badenweiler angekommenen Nuntius wegen Werner Hertling geschrieben. Ketteler wurde in den KV aufgenommen (S. 29). 3. 8. zum Berliner Stenographentag telegraphiert. 5. 8. in Berlin. 6. 8. im RT mit Vockel gesprochen, der als Vertreter der Diaspora auf die Reichsliste wollte. Im Ausschuß wurde endlich ein Antrag Bells auf Unzuständigkeit angenommen (S. 30). 9. 8. mit Curtius, der nach Karlsruhe reiste, die Lage der Beamten des aufgelösten Rheinministeriums besprochen; dann nach Heiligenstadt gereist (S. 31). 10. 8. mit Hartung nach Leinefelde, dann nach Nieder-Orschel. 12. 8. wieder nach Baden-Baden (S. 32 f.). 15. 8. an Kard. Bertram und den Bischof von Paderborn wegen Steinstraß geschrieben. 17. 8. zwei Verslgn., davon eine in Heiligenstadt. 18. 8. nach Berlin, wo im geschäftsführenden Ausschuß über einen kleinen Block diskutiert wurde; Kaas beteiligte sich (S. 34). 19. 8. große Volksverslg. in Eisleben mit Lehrer Mülhaus. 20. 8. Luthers Geburts- und Sterbehaus besucht, dann Verslg. in Helbra mit Dechant Vogt. 21. 8. Verslg. in Heyrode: Pfarrer Helbig, Rektor Hunstock sind ausgezeichnete Männer (S. 35). 22. 8. abermals Verslg. und Unterkommen bei Prälat May. 23. 8. Beratungen mit Pradel, Wirmer, Schmelzer. Abends Verslg. in Uder, wo Döring in die Diskussion eingriff. 24. 8. Verslgn. in Weissenburg, wo Ziegler eingriff, und dann Mühlhausen. 25. 8. in Gotha, wo Stud.-R. Dr. Fischer führte und Schäfer auch in der Verslg. redete; darin beteiligten sich KPD und ein LT-Abg. der NSDAP, der schauerliches Zeug redete (S. 36). 26. 8. redeten Nickel und Schulte über Verschwendung, Steuer und dergl. sogar im Sinne der WV: Es ist nicht sehr angenehm, was die Gegner sagen. Sie erklären aber, daß sie durchaus treu zum Z ständen. Abends in Eisenach lange Verslg. 27. 8. wurde Marx in Geisa von Apotheker Padberg abgeholt; große Verslg. 28. 8. überredete Rektor Splett - Halle Marx zu einer Verslg. in Bitterfeld. 6. 9. in Münster auf dem Schlußtag der Katholikenverslg. In der Verslg. des Vv sprachen Wegmann, Frl. Weber, van der Velden und Lesemeister (S. 37). Nachmittags ging Marx zur 2. Halle, wo Kardinal Schulte und der Nuntius waren, der - nach P. Gehrmann - hauptsächlich wegen Marx' Rede gekommen sein soll; diese war aber zu Ende, ehe Brüning da war. Brauns wurde mit großer Freude begrüßt; v. Guérard wollte sich anscheinend mit ihm anfreunden. Pünder war da. 19. 9. in Simmern langer Besuch von Landrat Josten. Dann über Bingerbrück nach Baden-Baden. 20. 9. für Kassel Festreden in Marienschule abgesagt (S. 38). 22. 9. Beileid für Amtsgerichtsrat Belzer MdR, ein tüchtiger Jurist. Besuch von Respondek, der mit Brünings Politik anscheinend nicht ganz zufrieden war: Er scheint mir mehr für die Diktatur zu sein. Die Auflösung hätte vermieden werden sollen. 23. 9. Briefe wegen Kaufhold (S. 39). 28. 9. Brief an Schofer. 29. 9. Reise nach Simmern zunächst mit Wittemann. 2. 10. Abstieg in Köln (S. 40) und dann Reise nach Berlin. 3. 10. viele Telephonate. 6. 10. über die Politik des Reiches geschrieben: keine Gefahr im Innern wegen Bestands der Republik noch nach außen für andere Länder. Die SPD hat einen vernünftigen Beschluß über ihre Haltung gefaßt (S. 41). 13. 10. war Brüning im Fraktionsvorstand sehr prophetisch. Schwierigkeiten bei der Wahl des RT-Präs.: die Rechte war auf einmal für Scholz, das Z für Löbe, aber die BVP wollte ihn wegen einer bösen Rede im Lustgarten nicht wählen. Geigenhädig-R. Bürgers gesprochen. Im RT erschienen die Nazis in aller Form! Es ist doch traurig, daß die Volksvertretung so anders gestaltet wird. Herold wollte - gegen das Zureden von Frl. Weber - Alterspräs, sein; Kahl aber lehnte ab. 14. 10. billigte die Fraktion den Vorschlag des Vorstandes wegen Wahl des RT-Präs.; Föhr beklagte sich über mangelnde Anhörung der Fraktion. 15. 10. Wahl von Löbe. Abgehetzt erschien der gerufene Brüning aus der Kabinettssitzung in der Fraktion; Föhr wollte Einzelheiten wissen; der RK antwortete, daß rasch gehandelt werden müsse, sonst könnte der Kredit nicht gegeben werden (S. 42). 16. 10. Reg.-Erklärung, die sehr gut ausfällt. In der Fraktion über Amnestie und Schadensersatz. Böhler und Kohlen kamen wegen Geschäftsordnung des Vv. 17. 10. bereitete Joos die Erwiderung auf die Reg.-Erklärung vor. Bei Tisch mit Scheidemann und Hillenbrand, nach Tisch mit Classen und Hartung - Heiligenstadt zusammengesessen. Später Graf Schoenburg. Bell erzählte über seine Funde über Windthorst. 18. 10. Glückwunschbrief an Frl. Windthorst. Brauns gegen Graf Reventlow wegen des Bischofs von Mainz; aus den Schätzungsfragen sollte keine polit. Sache gemacht werden. Dessauer sprach vor der Fraktion über die wirtschaftl. Lage (S. 44). 10. 11. Besuch beim Armeebischof, der stark überlaufen ist. 11. 11. weigerte sich der RK, über alles der Fraktion Kenntnis zu geben - im Hinblick auf Föhr. Marx riet: er sage weiter nichts, als was er verantworten könnte. Man müsse nun einmal Vertrauen zur Reg. haben. Das Schulgesetz sollte im Parteivorstand besprochen werden. Was Kaas wollte, wußte niemand: Es ist doch sonderbar, daß er sich gar nicht sehen läßt. 14. 11. an den Holländer Hanrath geschrieben, der eine Schrift über die Kriegsschuld zugeschickt hatte. 15. 11. auf der Reise nach Stuttgart Bell getroffen (S. 45). Von Getzeny und van der Velden empfangen. 16. 11. in Weingarten, wo am Grabe Gröbers Marx sprach und van der Velden betete. In Ravensburg große Verslg. 17. 11. in Ulm und Schwäbisch-Gmünd. 18. 11. in Rottweil; eine Verslg. der NSDAP war natürlich besetzter (S. 46). 19. 11. Konzert von Gatz und Besuch von Bischof Sproll, ein besonders liebenswürdiger Herr. 20. 11. in Augsburg, Besuch beim Bischof, Abendessen bei Sedlmayr, große Verslg. 21. 8. wurde Marx von Lindemann und van der Velden verabschiedet (S. 47). 28. 11. nach Düsseldorf mit Frl. Stoffels. 29. 11. sprach Marx in der SchO über „Sollen wir ein Schulgesetz beantragen?" Auch Bischof Berning war mit Abwarten einverstanden, ebenso Schreiber: Man sieht, er beharrt nicht eigensinnig auf seiner Meinung, wenn er einmal die Gründe gehört hat. 30. 11. Berning hielt die Messe für Rheinländer. Dann nach Köln zum Gürzenich, wo Mönnig, Bachem und Pütz-Wrede waren. 18. 12. war Curtius im RT. Die NSDAP sprach der SPD Nationalgefühl ab und warf ihr vor, während des Krieges das Vaterland verraten zu haben. Frick trat auf (S. 48). In der Geschäftsordnungsdebatte wies man darauf hin, daß anscheinend das Z mit systemat. Eifer vorginge, da es auch im Rechtsausschuß den Anstoß gegen die NSDAP gegeben hätte. Gerig veranlaßte den Vors., beide Teile zur Ordnung zu rufen. Nachmittags wurde alles abgelehnt; Curtius mußte leer nach Genf. 22. 12. bei Curtius neben Frau v. Carnap und Frau Carp gesessen. 23. 12. an van der Velden geschrieben. Von Esser wegen der Gewerbebank nichts gehört. Kohlen war optimistisch (S. 49). 25. 12. erhielt Marx von Münch die Messen gelesen. 26. 12. bei Rieder. 30. 12 ein neuer Art. für ,United Press'. 50¿ S., bei der Zählung ist S. 43 überschlagen worden. Eh.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 77
Altsignatur : 77



1931
Das Jahr 1931 (nur bis Juni 23)


Enthält : Bleibt auf Wunsch der Familie unbenutzbar.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 78
Altsignatur : 78



1919 - 1926
Besetzte Gebiete


Enthält : 1919 Sept. 2 - Neuß: Die Handelskammer legt dem RT dar, daß in den Monaten Nov. und Dez. 1918 auf dem Güterbahnhof in Neuß etwa 4 Wochen lang fast dauernd Plünderungen größten Umfangs stattgefunden haben. Dadurch sind besonders schwer Neußer Kaufleute geschädigt worden. Die Eisenbahnverwaltung Köln hat damals weder polizeil. noch militär. Hilfe angefordert; sie hat sogar, wie der Reg.-Präs. in Düsseldorf festgestellt hat, die von der Stadt Neuß aus eigener Initiative angebotene Polizeiunterstützung abgelehnt. Dadurch ergab sich für die Plünderer ständig neuer Anreiz. Trotz allem steht die Kölner Eisenbahnverwaltung auf dem Standpunkt, daß sie für die damals entstandenen Schäden nicht zu haften brauche, da höhere Gewalt vorgelegen habe. Dem Drängen der Geschädigten nach Schadloshaltung begegnete sie immer mit dem tröstenden Hinweis, daß die Nat.-Verslg. Entschädigung in einem Gesetz über die inneren Unruhen vorsehen wird. Dieses ist nun im Entw. vorgelegt worden. Der § 2 gibt jedoch Ersatzansprüche nur dem, dessen wirtschaftl. Existenz gefährdet ist. Somitwerden die Neußer Gewerbetreibenden für ihre Verluste keinerlei Entschädigungen erhalten. Da außerdem das Gesetz einen der wichtigsten Grundsätze der RV, nämlich den der Gewährleistung des Eigentums (Art. 153) empfindlich beeinträchtigt, wird um Abänderung des Gesetzentwurfs gebeten. Es handelt sich nach unserm Dafürhalten hier um evidenteste Fälle dafür, daß die Allgemeinheit eintreten muß für Schäden, die Einzelnen durch Verhältnisse zugefügt worden sind, für welche die Allgemeinheit Verantwortung und Haftung in Ansehung der Zeitverhältnisse zu über nehmen hätte.3 S., masch.-schriftl. Abschrüt, Kopfbogen, ohne Beglaubigung.o. D. (wohl 1920): Aufzeichnungen von Marx über Verhältnisse im Koblenzer Gebiet.2 Halbseiten, eigenhädig1920 Nov. 6: Interpellationen wegen der Souveränität über die Kreise Eupen und Malmedy und wegen der besetzten Gebiete des Rheinlandes.Stenograph. Bericht über die 28. Sitzung des RT, S. 1019--1061.1921 März 5: Der Reichsaußenminister legt dem RT den Entw. eines Gesetzes betr. das Abkommen zwischen dem DR und den alliierten Haupt- mächten über die Festsetzung einiger Abschnitte der Grenzen des Saargebiets vor.RT I, 1920---21, Ds 1613.1921 April 28 - Aug. 20: Anfragen von Abgn. und Antworten der RR wegen des besetzten Gebiets.RT I, 1920---21, Ds 1925, 1934, 1937, 1949, 1972, 2159, 2162, 2453 f., 2497 f.,2559, 2593, 2602, 2609, 2612, 2614.o. D. (wohl 1923): Aufzeichnungen von Marx über die Besetzung der Ruhr.2 S., eigenhädigo. D. (wohl 1923): Aufzeichnungen von Marx über wirtschaft!., verwaltungstechn. und propagandist. (besonders mangelhaft in Trier; die kath. Propaganda unter Weihbischof Stoffels) Aufgaben im besetzten Gebiet.1 S., eigenhädig auf Zuschrift des LT-Abg. Christian Blank wegen Vorbereitung des 70. Geburtstages von Porsch am 30. 4. 1923.1923 Mai 12 - Berlin: Der StS für die besetzten rhein. Gebiete Brugger unterrichtet Marx, daß er den Schadensantrag von Heinrich Löbbert aus Essen durch das hessische Innenministerium an die Feststellungsbehörde bei der Provinzialdirektion Mainz weitergeleitet hat. Dort soll auch ein Antrag wegen der Überführungs- und Beerdigungskosten gestellt werden. Eh. Unterschrift.1/2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.o. D. (wohl 1923, Ende): Merkzettel von Marx über erledigte und offene Aufgaben des besetzten Gebietes.1 Halbseite, eigenhädig1923 Okt. 6 - Duisburg: Entschließung von maßgebenden Vertretern von Stadtverwaltung, Handelskammer, Gewerbeaufsicht, Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Industrie, Schiffahrt, Handel, Handwerk und Gewerbe, vom paritätischen Ausschuß zur Durchführung der Lohnsicherung sowie vom Verwaltungsausschußdes Arbeitsamtes an die Z-Fraktion: 1) Die von der Reg. erlassenen Richtlinien zur Durchführung des Abbaus der Lohnsicherung und der Erwerbslosenfürsorge sind undurchführbar, weil nicht das geringste Anzeichen von Wiederbelebung des Verkehrs vorliegt. 2) An einen Abbau der in Gang befindlichen Notstandsarbeiten ist nicht zu denken, weil dadurch eine Erwerbslosenziffer geschaffen würde, über die sidl kein Mensdl eine Vorstellung machen kann.3) Dringend sind Kredite zu erträglichen Bedingungen zu eröffnen, damit notwendige Rohstoffe zur Ingangsetzung der Wirtschaft beschafftwerden können. 4) Die Versammelten bitten die RR, von sich aus alles zu tun und in Verhdlgn. einzutreten, daß das Verkehrsleben cendlich wieder in Gang kommt. Werden diese Bedingungen erfüllt, dann glauben die Versammelten, damit ohne größere Störungen, Tumulte und Plünderungen das völlig brach liegende Wirtschaftsleben wieder in Ordnung bringen zu können. Unleserliche Unterschrift.2'/2 S., Ausf. als Durchsduift von Masch.-Schreiben, Anschrift in Masch.Erstschrift,Kopfbogen ,Der OB', hs. Vermerk: .f(ür) Becker - Amsberg".1924 Mai 1 - Berlin: Der Reichsminister für Wiederaufbau schreibt Marx, daß er von seiner Stellungnahme gegenüber dem LT-Abg. Schüling wegen der Maschinenfabrik Felix Tonnas in Dülken nicht abzugehen vermag. Eh. Unterschrift i. V.: Dr. Müller.1'/4 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1925 Febr. 20 - Berlin: StS v. Schubert übermittelt Marx auf seine Eingabe vom 10.1. 1925 wegen des Überfalls von farbigen Marokkanernauf die Schwester des Pfarrers Müller in Cuchenheim bei Euskirchen ein Schreiben des Botchlafters v. Hoesch an Min.-Präs. Herriot vom 26.1. und dessen Antwort vom 5.2.1925. Eh. Unterschrift.1'/4 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Ausw. Amt'. In der Anlage diegenannten Schreiben in dt. und frz., je 2 und 1'/2 S., masch.-schriftl. Abschriften.o. D. (1925, nadl Juni 16): Räumungsfristen der auf Grund des Vertrags von Versailles besetzten Länder und Landesteile mit Angabe von Fläche und Bevölkerungszahl.2 S., Vervielf.o. D.: Die Schulnot im besetzten Gebiet.2'/2 S., Vervielf.o. D. (wohl 1925, Ende): Aufzeichnungen von Marx über eine Besprechung mit Esser, Kirschmann, Dr. Bayersdörfer, Raschig und Kaas über Fragen des besetzten Gebiets.4 mit 5) - 8) bezeichnete Halbseiten, eigenhädig1926 Nov. 15 - Berlin: Dr. Mehrmann, Geschäftsführer von ,Dt. Rhein', bespricht das Buch von General Mordacq ,,5 Jahre Kommando am Rhein" und weist auf den Zusammenhang der frz. Fremdenlegion mit der Herrschaft am Rhein hin. Gez. Unterschrift.2'/4 S., Vervielf. In der Anlage: "Dantes Hölle, ein Kinderspiel dagegen ...";6'/2 S., Vervielf.1926 Dez. 8 - Berlin: Min.-Dir. Dr. v. Brandt an Marx über die von der Fa. Tenhaeff wegen Besatzungsschäden an Holzbeständen geltendgemachten Ansprüche und die durch Auszahlung der Entschädigung in Papiermark entstandenen Kursverluste. Eh. Unterschrift.21/. S., masch.-schriftl. Ausf.(1929): Drei Aufsätze von Marx: .Die Rheinlande sind frei", .Frei ist der Rhein" und .Endlich Freiheit des gesamten besetzten Gebietes",letzteren für die ,Pfälz. Landesztg.'3, 3 und 4 S., masch.-schriftl.1919 Juni 20, 1921 Mai 1 - Juli 24: 5 Ztgs.-Ausschnitte.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 79



1919-1928
Besetzte Gebiete


Enthält : 1919 Mai 15 - Bonn: Der OB an Marx wegen Berechnung der Fahrleistungen der Kleinbahnen und Privateisenbahnen für die Besatzungstruppen.Eh. Unterschrift i. V.21/. S., Druck.1921 Mai 24: Anfrage der SPD wegen einer Informationsreise von Reichsernährungsminister Hermes in das besetzte Gebiet u. a. nachKöln.RT I, 1920-21, Ds 2051.1922 März 15 - Berlin: Paraphierung eines Abkommens zwischen Dtschld. und Frkr. wegen der Ausfuhr von Sachlieferungen. Unterschriften:Dr. Ruppel, Gillet, Contröleur de l'Armee.21/. S., Vervielf.1923 März 9 - Bielefeld: Breddemann berichtet Marx, daß er sich hat bereit finden lassen, als Vertrauensmann der christI. Angestelltenbewegung bei der ,Pressestelle Ruhr-Rhein' in Bielefeld tätig zu sein. Für die sozialdemokrat. Bewegung ist Woldt eingetreten. Nachdem Stresemann und Minister Bölitz bereits Besuche gemacht haben, wäre eine Besichtigung durch Marx ebenfalls zu empfehlen.Eh. Unterschrift.1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen der Pressestelle[19]23 März 20: Aufzeichnung von Marx über ein Gespräch mit Erkelenz, Moldenhauer, Müller, Zapf, v. Guerard, Hergt, Hofmann Ludwigshafen, Cuno, Dr. Becker und Brauns über Angelegenheiten der besetzten Gebiete.11/. Halbseiten, eigenhädig1923 März 26 - Essen: Breddemann teilt Marx mit, daß die Bielefelder Pressestelle zwar von privatwirtschaftl. Seite finanziert wird, aber mit den Regierungsstellen und anderen Organisationen aller Richtungen zusammenarbeitet. Aus kleinlicher Eifersucht wird ihreArbeit jedoch herabgesetzt. Von Schöny, der im Ruhrgebiet für den ,Heimatdienst' tätig ist, hörte er, daß Spahn und Schreiber die Bielefelder Stelle scharf ablehnten. Daß auch Marx diese Meinung teilte, hielt Imbusch für unglaubwürdig. Breddemann möchte mit Marx sprechen. Eh. Unterschrift.1 5., masch.-schrifU. Ausf.1923 März 27: Aufzeichnung von Marx über ein Gespräch mit Rosenberg, Müller, Spahn, Helfferich, Stresemann und Breitscheid über Ange- legenheiten der besetzten Gebiete.21/. Halbseiten, in Kurzschrift, eigenhädig1923 Mai 26 - Berlin: StS v. Maltzan übermittelt Marx das Weißbuch ,Slg. eidlicher Aussagen über Gewaltakte der frz.-belg. Truppen im Ruhrgebiet. Erste Folge'. Eh. Unterschrift.1/. 5., Vervielf., Ausf., Kopfbogen ,Ausw. Amt'.1923 Aug. 23 - Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Fuchs teilt Marx mit, daß auf den bei der Rheinkonferenz des Rhein. Z in Heidel- berg am 31. 7. und 1. 8. geäußerten Wunsch nach ausführlicherer Berichterstattung auch über die seelischen Leiden der Bewohner des unbesetzten Gebietes durch die Presse des unbesetzten Gebietes die Presseabt. der RR verstärkte Bemühungen zugesagt hat. Eh. Unterschrift.1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1923 Sept. 4 - Berlin: Oberreg.-R. Christian Blank übermittelt Brauns, Fuchs, Höfle und Marx ein an ihn gerichtetes Schreiben von Dr. Nikolaus Peters - Berlin. Eh. Unterschrift.1 5., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Mitgl. d. Preuß. LT'.In der Anlage:1923 Sept. 4 - Berlin: Peters schreibt Blank, daß Slg. und Sichtung des Materials für das Gutachten, das Prof. Ebers für Msgr. Testa erstatten soll, beendet sind und er selbst aus Holland zurückgekehrt ist. Die führenden Männer der kath. Partei, Dr. Jan van Best und Reintjes van Veerssen, sagten, daß das holländ. Volk langsam aber sicher unter den ungeheuren Anstrengungen der Havas-Propaganda nervös zu werden beginnt und den frz. Berichten zu glauben anfängt. Die dt. Propaganda ist nicht intensiv genug und nicht hinreichend auf die Psyche der Holländer eingestellt. Beide haben um präzise Art. für den ,Maasboode' und für die ,Tyd' gebeten. Unter den holländ. Politikern und Juristen ist allg. bekannt, daß Baldwin aufgrund der Unterhaus-Interpellation wegen Englands Haltung zum Ruhrkonflikt auf Zusammenrut eines internat. Schiedsgerichts mit holländ., nordischen und Vatikan-Juristen bestehen wird. Man meint, daß der Schiedsspruch Dtschld. grundsätzlich recht geben, ihm tatsächlich aber Lasten auferlegen wird; er würde im Ausland als Urteil zugunsten eines wehrlosen Volkes gegenüber einem waffenstarrenden Sieger gewertet. Denn man ist im neutralen Auslande, zumal in Holland nicht davon überzeugt, daß Dtschld.einen ehrlichen Erfüllungswillen hat. Hier will Dr. van Best besonders einsetzen und seine Beziehungen zu Dr. Söderblom ins Spiel bringen; denn wie Holland haben auch die nord. Länder ein Interesse an Dtschlds. Gesundung. Die Reparationslast könne weder vom Volk noch von der Industrie allein getragen werden. Doch wissen die Holländer, daß dt. Industrielle ihre Devisen in den Niederlanden angelegt haben. Von dem Erfüllungswillen der dt. Arbeiter, des Mittelstandes und der Intellektuellen wie auch den entsprechenden Etatanstrengungen der RR sind die Holländer eher überzeugt. Dr. van Best wünschte, daß man einer Kommission der Kath. Sozialen Aktion Einblick in den Staatshaushalt gewährt, um einen holländ. Generalangriff gegen Havas vorzubereiten. Dieser Kommission sollte auch Einblick in den Existenzkampf der breiten dt. Volksschichten gestaltet werden. Der Kurfürstendamm als angebliches Symbol dt. Genußsucht soll ebenfalls untersucht werden.Alle hinter ihnen stehenden Organisationen, Vereine und Aktionen, die Presse und die öfientl. Meinung werden von den Männern van Best und van Veerssen in den Dienst der dt. Sache gestellt werden; denn beide haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie Dtschld. in jeder nur erdenklichen Weise mit allen ihren großen Machtmitteln helfen wollen, wenn es diese Hilfe verdient. Gez. Unterschrift.51/4 S., Vervielf.1923 Sept. 5 - Euskirchen: Thomas Esser teilt Marx mit, daß er zur Fraktionssitzung und zur Besprechung der Abgn. des besetzten Gebietes mit Minister Fuchs nicht erscheinen kann, da ihm als Beigeordneten die Franzosen die Ausreise nicht gestattet haben. In eine Vorstandssitzung der Kölner Handwerkskammer wird der amtl. Dollarkurs an der Kölner Börse mit 26 gemeldet. Wenn das nicht den Zusammenbruch des Ruhrkampfes bedeutet, dann weiß ich nicht, was noch kommen soll. Die Lage im frz. besetzten Gebiet ist verzweifelt. Meine engere Heimat ist zum Uberfluß z. Z. auch noch der Schauplatz engl. Manöver, die mitten zwischen der frz. Besatzung rücksichtslos unsere Fluren verwüsten. Was zur wirtschaftl. Lage zu sagen ist, finden Sie in dem Beschluß des Vorstandes der Handwerkskammer niedergelegt. Einen Darlehensantrag der Stadt Euskirchen hat Esser am 2.7. im Innenministerium selbst vertreten: bis heute ist noch kein Pfennig Geld auf diesen Antrag gekommen. Esser nennt zur Schilderung der trostlosen Ernährungslage die Preise für Kartoffeln, Butter und Briketts. Die Vermittlung der Lohnsicherungen an die feiernden Arbeiter wird täglich schwieriger, da die Franzosen, unterstützt durch dt. Spitzel, rücksichtslos gegen jeden vorgehen, der sich irgendwie mit diesen Dingen befaßt. Ich halte den Zeitpunkt für gekommen, daß ein Einlenken bezüglich des passiven Widerstandes unbedingt erforderlich ist. Eh.Unterschrift.2 S., masch.-smriftl. Ausf., Kopfbogen ,RT'.1923 Sept. 25: Niederschrift von Marx über eine Besprechung: STRESEMANN: Mit Ausnahme v(on) v(an) d(em) Kerkhoff waren alle für Aufgabe des pass(iven) Widerst(andes). K(erkhoff) wollte das Rheinland "versackenM lassen. G e gen die Aufgabe des W(iderstandes) hat sich niemand erklärt; auch nicht in der großen Verslg.; auch nicht die Minister-Präs(identen). Uber die Folgen der Aufg(abe) k(ann) man sich wohl noch kein Bild machen. Es liegenErkl(ärun)gen der frz. Reg. vor, die aber von uns nicht gebilligt w(erden) k(önnen); (im Gelbbuch enthalten). Auch in der Frage der Gef(angenen) u(nd) entl(assenen) Beamten stehen (sich)a) die Ansichten Frkrs. und Dtschlds. so gegenüber, daß keine Einigung möglich wäre. Belgien u(nd) England haben abweichende Meinungen von Frkr. Von England k ein er 1e i Unterstützung gefunden. Die Einstellung v(an) d(em) K(erkhoiis) entspricht n ich t der Sachlage. Die Demobilmachung(en) großen Stils schließen Maßnahmen in sich, die über die polit. Pläne der Mächte Klarheit geben werden. Die Verord(nun)gen müssen aufgegeben w(erden), die Finanzierung muß beendet werden. Eindruck auf d(ie) Welt wäre größer gewesen wenn er früher beendet worden wäre; wie er auch von ideellen Gesichtspunkten getragen wurde.HERGT: Die Frage des pass. W(iderstandes) wird von uns gar nicht er örtert! Es muß etwas Stärkeres an seine Stelle treten.Ein willenloses Dtschld. wird nie Unterstütz(ung) bei fremden St(aaten) finden. Es muß zum Bruch kommen. - Wirkungsvoll auch f(ür) d(as) besetzte Gebiet.MULLER: Die Frage hat nichts mit "Ehre· zu tun. Gesamtheit der Lage ist von Dr. Str(esemann) richtig geschildert. Möglichst bald klare Verhältnisse. Keinerlei llusionen über die kommenden Verhdlgn. Die engl. Reg. hat selbst zur Aufgabe des W(iderstandes) aufgefordert. Offene Erkl(ärun)g u(nd) dann abwarten, welche Verhdlgn. kommen. Rheinland darf (sich) nicht verlassen fühlen. Verhdlgs.-Leiter muß in Paris sein. Klarheit muß geschaffen w(erden)über d(ie) Absichten Frkrs. bez(üglich) der Vertriebenen, auch der Eisenbahnen.Dr. STRESE(MA)NN: Wir beabsichtigen, e(inen) Aufruf zu erlassen. V(eror)d(nun)gen w(erden) aufgehoben - dann soll abgewartet w(erden), ob Verhdlgn. kommen. Verhdlgs.-Leiter haben wir ins Auge gefaßt. Wir k(önnen) leider nicht befehlen, als Botschafter nach Paris zu gehen.Dr. SCHOLZ: Auch Dr. Hergt hat zugegeben, daß der Zustand durch e(inen) anderen ersetzt werden soll: also auch er will ihn aufgeben!Kapitulation k(ann) u(nd) soll nicht stattfinden. Die Aufg(abe) des pass. W(iderstandes) ist nicht gleichbedeutend damit, jedenfalls keine Zust(immun)g der Beding(un)gen des frz. Gelbbuches. Die allg. Volksüberzeug(un)g geht dahin, daß der pass. W(iderstand) in der bisherigen Form nicht fortgesetzt w(erden) k(ann), daß aber auch keine Kapitul(ation) stattfindet. Un(m)öglich ist aber die völlige Aufgabe des W(iderstandes). E(r)4) k(ann) auch ge gen den Willen der Reg. fortgesetzt werden. Die Bevölke(run)g hat e(inen) Anspruch darauf zu wissen, was sie tun solll Es müssen Direktiven gegeben werden. Dr. SCHOLZ: Was die Folgen anlangt, so muß man unterscheiden zw(ischen) dem tatsächI. Zust(and) u(nd) den außenpolit. Folgen. Die Presse muß untersch(eiden) zw(ischen) Aufgabe u(nd) Kapitulation. Man k(önn)te erwägen, ob man die Beamten der Reg. - polit. B(eamte) - nicht zurückziehen sollte, ob man nur die wirtschaftl. B(eamten) dort lassen sollte (Eisenbahn, Post). Gegen die Send(un)ge(ines) Botschafters habe ich Bedenken. Zu Verhdlgn. mit Frkr. würden wir nicht zu haben sein.Dr. STRESEMANN: Wir haben keine Veranlassung, sofort e(inen) Botschafter zu senden. Die Folgen der Aufg(abe) sind auch nicht sehr rosig. Die Lage k(ann) noch schwerer f(ür) d(ie) Bevölkerung werden.KOCH: Der pass. W(iderstand) ist keine brauchbare Waffe mehr. Beding(un)gen k(önnen) nicht mehr gestellt werden. Die frz. Behördewird selbst leiden unter der Aufgabe. Verhdlgn. w(erden) kommen müssen. Wir brauchen sie nicht einzuleiten. Dr. BREITSCHEID: In die amtl. Kundgeb(un)g darf nichts herein von Betrachtungen über Kapitulation. In d(er) Erkl(ärun)g sollte nichts von der Widerrechtlichkeit stehen. P(oincare) k(önn)te dann gerade e(ine) Erkl(ärun)g von uns dann erst recht verlangen! Es ist nicht notwendig, jetzt sofort e(inen) Botschafter zu senden. Die Detailverhdlgn. müssen von bes(onderen) Sachverst(ändigen) geführt w(erden).Dr. STRESEMANN: P(oincare) ist e(in) ausgezeichneter Kenner der Rep(arations)fr(a)ge. Der Botschafter muß jedenfalls die allg. Prinzip(ien) kennen u(nd) die Gesamtlage der Rep(arations)fr(a)ge. Einzelheiten braucht er nicht zu wissen.v. GUERARD: Der Einbruch in die Rheingegend ist widerrechtlich gewesen. Die anderen Vertragsmächte haben ihn (Versailler Vertrag)verletzt, weil sie die Verletz(un)g nicht gerügt haben.LEICHT: Der pass. W(iderstand) muß aufgegeben w(erden). Ich bin mit den Maßnahmen einverst(anden). Der Botschafter muß eine Mindestprogramm mitnehmen. Auch formell muß der Eindruck e(iner) Kapitul(ation) vermieden werden.Dr. STRESEMANN: Die Ministerpräs. waren einig darin, daß der Einbruch widerrechtl(ich) gewesen ist. Es sollte das stark betont w(erden). Ich halte die Ansicht von Breitsch(eid) nicht für richtig, daß P(oincare) uns e(ine) Erkl(ärun)g über die Rechtm(ä)ß(i}gk(eit} abverl(an)gen kann. Wichtig ist d(ie) Frage, ob e(ine) Kapitul(ation) vorliegt - sogar wie Hergt sagt, die gegen die Ehre geht. Es k(önn)ten durch die Bemühungen, das rhein. Volk selbst zu e(iner) Willenserkl(ärun)g veranlassen (zu) wollen, starke Hülfe(n) geschehen. Die Aufgabe des pass. W(iderstandes) ist P(oincare) sehr unangenehm! Er k(ann) jetzt keine Verhdlgn. mehr ablehnen. Wir müssen abwarten, was in Kürze geschieht, ob Dinge uns zugemutet w(erden), die wir nicht zugeben k(önnen). KEMPKES: Es muß in die Erkl(ärun)g auch die Feststellung aufgenommen w(erden), daß keine Kapitulation vorliegt.31/2 Halbseiten, eigenhädig von Man:.a) In der Vorlage: nicht.[19]23 Sept. 26: Aufzeichnung von Marx über eine Besprechung:Dr. STRESEMANN: Was lag vor? Mem(orandum) v(om) 7.6. Nicht beantwortet von den Mächten. Einigk(ei)t über die Beantwort(un)g bestand nicht. Widerstand war aufgebaut auf ideellen Erwägungen. Er ist hervorgeg(angen) aus Entschlüssen der Bevölkerung, gestützt auf Zustim(mun)g u(nd) Hilfe der Reg. Solche Zustände lassen sich nicht lange aufrecht erhalten. Man verlangte mehr: Demonstrationen, mehr elastische Gestalt(un)g. Der Mittelst(and) hielt schließl(ich) nicht mehr aus. Der W(iderstand) drohte in sich zus(ammen)zubrechen. Als die letzten Steuern bewilligt wurden, glaubte manden Bedarf auf längere Zeit gedeckt. Das ist anders gek(ommen). Man tadelte, daß nicht noch stärkere Steuern eingebracht worden seien. Das durfte man nur, wenn man des Sieges gewiß war. Ein Sieg hätte sich ergeben k(önnen), wenn e(ine) Isolierung Frkrs. zu erhoffen gewesen wäre. Man konnte nicht die Arb(eits)losen-U(nterstützung) einschränken. Benutz(un)g der Regiebahnen hätte gestattet w(erden) müssen. Frage, ob man die Unterst(ützung) hätte kürzen k(önnen). Ein Abbau der Löhne brachte die Gefahr des Zus(ammen)bruchs des pass. W(iderstands) mit sich. Währungsverh(dlgn.) kamen zu allem hinzu. Technische Maßnahmen haben wir angewandt. Wir haben wie Cuno Gold angewendet, um den Dollar zu stürzen. Einführ(un)g e(iner) Währ(un)g kann die Inilation hemmen, k(önn)te aber die Finanz(ierung) des pass. W(iderstandes) nicht bewirken. Versuche, für die Gef(angenen), für die Ausgewiesenen etwas zu gewinnen, sind fehlgeschlagen. P(oincare) hatte sich festgelegt. Die privaten Unterh(a)lt(un)gen wurden alssolche über das Detail bezeichnet. Durch e(ine) dritte alliierte Macht haben wir unsere Wünsche zur Kenntnis der Alliierten gebracht. Alles vergebens. Unsere wirtschaftl. Not war so groß und in Paris so bekannt, daß klar war für P(oincare), er brauche nur zu warten Es schien mir richtig zu sein, mit jeder Art von Illusionen bei der Bevölker(un)g aufzuräumen. Fortführ(un)g des Kampfes hätte z(um) Zus(ammen)bruch geführt. Was bedeutete die Aufg(abe) des pass. W(iderstandes)? Aufgabe der Hoffnung, den Feind aus dem Ruhrgebiet zu werfen. Der Ruhrkampf ist nicht zu Ende. Ich habe schon im März gesagt, daß der pass. W(iderstand) nur Zweck habe, zu Verhdlgn. zu kommen. Man hat hier bestritten, daß gesagt wurde,Cuno verhandelte nicht eher, bis die Ruhr geräumt sei. Ich warne deshalb auch zu meinen, jetzt kämen die guten Zeiten. Die Reg. k(ann) nur e v e nt u e 11 e Vorschläge machen, wie die Einzelh(ei)ten zu regeln seien. Wir sind nicht all ein, die zu bestimmen haben. Es wird sich zeigen, ob Belgien bereit ist, etwas zu tun, ob England oder Italien etwas tun wollen. Ehe das (nicht) feststeht, ist es unmöglich (zu wissen), ob man zu e(inem) Zus(ammen)gehen kommt oder zum Bruch. Die Parteien sind fast einmütig hinter uns getreten. Die Dt.-Nationalen haben andere Meinung. Frkr. wird die Dinge dilatorisch behandeln oder e(ine) neue Schädig(un)g von uns versuchen. Man k(ann) nicht die Leute, die monatelang sich gewehrt haben, auf sich selbst hinweisen. Es ist schwerer, was den Leuten zugemutet wird, jetzt wieder unter frz. und belg. Bajonetten zu arbeiten. KOENEN: Die Reg. gibt nicht an, wie sie für die Arbeiter, die für sie gekämpft haben, sorgen will. Die Belast(un)g von 20% ist nur ganz primitiv. Jetzt wird man viel mehr unter dem Drucke der Bajonette bewilligen müssen. Die Reg. hat die Arb(ei)ter an der Ruhr verlassen dadurch, daß die Steuern nicht ausreichend erhöht worden sind. Jetzt müßte die Reg. e(inen) besonderen Plan f(ür) d(ie) Stütz(un)g des Mittelst(andes) etc. vorlegen. Es liegt kein Plan vor. Die Industrie soll wieder aufgebaut werden! Wie steht es mit der Rückkehr des Kohlensyndikates nach der Ruhr? GRAF BERNSTORFF wünscht möglichste Internationalisierung der Fr(a)ge. Man müsse nicht mit Frkr. verhandeln, sondern versuchen, alle anderen Mächte hereinzuziehen u(nd) gemeinsam die Fr(a)gen zu regeln.BREITSCHEID: Heute braucht nicht a I I e s erledigt zu werden, wie Koenen meint. Es braucht nur der Grundsatz anerkannt zu werden. Der Standpunkt der Reg. war schwer. Man hatte zu viel vom pass. W(iderstand) erwartet. Demoralisation der Ruhrhilfe.Dr. HELFFERICH erörtert zunächst die eigl. Note vom 11.8., vor allem dem Anruf des Schiedsgerichts im Haag und den Wink mit der Völkerbunbsakte. Das letzte Wort der Note ist sicher nicht ohne Absicht an diese Stelle gekommen! Hier wird zum ersten Male auch eine Sonderaktion in Aussicht gestellt! Sabotage! - im Ausland sagt man: Ihr habt für die frz. Soldaten u(nd) Offiziere e(ine) reine Lebensversicherung aufgestellt! Der Vorfall bei Krupp, wo der Offizier auf die Arbeiter feuern ließ, aber selbst keinen Widerstand fand, ist im Ausland besonders beachtet worden!Dr. STRESEMANN: Die Note ist erschienen nach e(iner) Rede Curzons, die angesichts des Widerstandes der Delharts gerade entgegengesetzt war dem, was er zu reden vorhatte. Man hat Dtschld. doch stets gewarnt, e(in) engI. Separatvorgehen zu betonen. Es besteht e(ine) hysterische Furcht in England vor e(inem) Kriege mit Frkr.Dr. SPAHN: Zwischen Curzon u(nd) Baldwin bestehen große Meinungsverschiedenheiten. Die Note hat in England große Unzufriedenheit erregt wegen ihrer Schärfe. Der W(iderstand) war unter der Voraussetz(un)g eingeleitet, daß die frz. Truppen bald aus der Ruhrgegend zurückgezogen würden. Das ist nicht eingetreten. Es ist falsch, daß der Vertrag von Versailles zerstört ist; er ist verletzt, aber nicht aufgehoben. Die Verhdlgn. müssen in steter Verbind(un)g mit dem Parlament geführt werden. Dr. SCHOLZ: Die Aera Stresemann bedeutet keinen Gegensatz zur Aera Cuno im Verhältnis zu Frkr. Wir haben nie einen Erfolg der Erkl(ärun)gen Englands gesehen.31/, Halbseiten, eigenhädig[19]23 akt. 2: Aufzeichnungen von Marx über ein Gespräch:STRESEMANN berichtet, daß Frkr. Verhdlgn. mit der RR ablehnt und nur mit örtlichen Organen zu tun haben will. Den Beamten ist die geforderte Eidesleistung von der RR verboten worden. Das Versprechen des frz. Botschafters über die Einleitung von Verhdlgn. hat sich nicht erfüllt. Der Reichsrat hat das Währungsgesetz verabschiedet; die Erneuerung der Währung kann nur durch gleichzeitigen Aufbau der Wirtschaft bewirkt werden: Letzten Kräfte müssen aufgewendet werden. Dazu ist Erhöhung der Arbeitsleistung vor allem durch Verlängerung der Arbeitszeit im Bergbau und in den Reichsbetrieben notwendig. Die Preispolitik und die Überwachung der Monopole muß geändert, die Steuerpolitik in scharfer Weise fortgeführt werden. Preußen verlangt 1500, die Eisenbahn 1300 Billionen am Tag. Der Putsch in Küstrin ist zurückgeworfen, die Reichswehr z. T. wieder zurückgezogen. Die RR wäre rechtlich befugt, die Aufhebung der bayer. Verordnung zu verlangen; der ,Völk. Beobachter' ist verboten.MÜLLER glaubt, daß die Haltung der RR wegen der Eidesfrage gebilligt wird. 1. Die Frage Bayern macht Schwierigkeiten. Es ist keine der Voraussetzungen erfüllt. Bedenken wegen Erm(ächtigungs-)Ges(etz). Aufhebung der Ausf(ührungs)v(eror)d(nun)gen des Schutzgesetzes. Reichsbeamte dürfen nicht nach Bayern kommen. 2. Gründe f(ür) das Erm(ächtigungs-)ges(etz) liegen vor (Währungsfrage). Bedenken wegen Ausdehnung auf soziales Gebiet (Arbeitszeit, Arbeitslosenversicherung). Auch im Braunkohler(evier) wird schon mit Kurzarbeit gearbeitet. ...SCHOLZ: Die Politik der Reg. führt zum Bruch mit Frkr. Rechtm(ä)ß(i)g war die V(eror)d(nun)g v(on) Bayern: Ruhe u(nd) Ord(nun)g ist das Ziel. WirtschaitI. Lage ist unhaltbar. Alle Produkte kosten 11/2 mal so viel als im Ausland,namentI(ich) Kohlenpreise. Wir w(erden) verlangen, daß die Arb(ei)tsz(ei)t in der Richtung des Verlangens des R(eichs)arbeitsministers verlängert wird. Kohlen müssen verbilligt werden. Kohlenst(euer) muß ermäßigt oder aufgehoben werden. Erweit(erun)g der großen Koalition/ Ausdehnung auf die Dt.-Nationalen. Auch schon aus dem Gesichtspunkte der Ernährungder Großstädte/ Die Ermächtig(un)g wird dem Kab(inett) in dieser Zus(ammen)setz(un)g nicht erteilt werden!PETERSEN: Ermächtig(un)gsges(etz) entlastet die Parteien. Besitz muß große Lasten übernehmen; aber auch Arbeiter müssen Opfer bringen!STRESEMANN der Maximalarbeitszeit meint, es wäre nicht nötig die Frage der Maximalarbeitszeit in die Debatte zu werfen. Die Reg. wird alles tun, was nötig ist! Das sollte genügen! Sonst kommen wir zu e(iner) Debatte u(nd) gefährden das Ganze.LEICHT: Solange keine Konflikte entstehen, k(önnen) beide V(eror) d(nun)gen nebeneinander bestehen. Möglichst weitgehende Einigung der Parteien ist wünschenswert. Daher der Gedanke von Dr. Scholz an sich richtig. Wir müßten zus(ammen)stehen, weil das Vaterland es nötig hat.HILFERDING berichtet über das Defizit des Reiches und den Stand der wachsenden Ausgaben.MULLER: Bayer. V(eror)d(nun)g geht über d(ie) Grenzen der Verf(assung) hinaus: Verfügung über Reichsbeamte. Erweite(run)g der Koalition macht meine Partei nicht mit. Bei der Lös(un)g der Reparation würden die Dt.-Nationalen eine schwere Belastung darstellen. Ich würde bedauern, wenn der Streitpunkt in die Massen hineingeworfen würde. Praktisch wäre die Sache ohne Bedeut(un)g. Die Möglichkeit, über 8 St(unden) hinauszugehen, ist vielfach nicht gegeben. Wird darüber im Plenum gespr(ochen), so w (er den) wir nicht dem Erm(ächtigungs)ges(etz) zustimmen.v. Guerard, v. Raumer, Scholz, Breitscheid und Stresemann sprechen noch über die Gründe für die Kurzarbeit im Braunkohlegebiet,die Verlängerung der Arbeitszeit und die außenpolit. Bedeutung einer Produktionssteigerung.MULLER: Kein Anlaß zur Krisis, ebenso nicht Anderung der Personalien. Aufhebung der bayer. V(eror)d(nun)g zustimmend. Formulier(un)g wie im Nov. 1922. Die Fraktion bedauert, daß die Debatte auf die Frage der Arb(ei)tsz(ei)t gelenkt worden ist. Bedenken gegen Ermächtig(un)gsges(etz): Es ist nicht der gegenwärtigen Reg. allein gegeben; bei e(iner) rechtsgerichteten Reg. hätten wir die Vollmacht geg(eben). Auf wirtschaftl. u(nd) sozialem Gebiet k(ann) d(ie) Zusti(mmun)g zum Erm(ächtigungs)ges(etz) nicht gegeben werden, nur auf finanziellem u(nd) Währungsgebiete.STRESEMANN: Ich habe angen(ommen), daß die SPD dem kommunist. Antrag nicht zustimmen würde.MULLER: Das Verbot des ,Völk. Beobachters'. Wegbringen des Goldes der Reichsbank.Dr. SCHOLZ: Uber die Form ließe sich reden. Wir wollen keine Verschärf(un)g.PETERSEN: Die Lage mit Bayern wird nicht durch die Annahme des kommunist. Antrags geklärt.41/2 Halbseiten, eigenhädig[19]23 Okt. 5: Aufzeidlnung von Marx über ein Gesprädl über Verlängerung der Arbeitszeit, Beamtenabbau, Abbau der Mieten,Kunstdünger unter Beteiligung von Stresemann, Brauns, Müller, Scholz, Petersen, Schmidt-Conz, Krone-Münzebrodc3 Halbseiten, eigenhädig[19]23 Nov. 16: Aufzeichnung von Marx über ein Gespräch über die Besatzungskosten, die Geldlieferungen ins besetzte Gebiet, besondersnach Köln, sowie über die Haushalts- und Finanzlage des Reiches unter Beteiligung von Luther, Schmid, Schacht, Jarres, Brauns.21/. S., eigenhädig1923 Dez. 4: Aufzeichnung von Marx über eine Sitzung der RR mit der preuß. Reg. über Währungs-, Finanz- und Ernährungsfragen sowie über die Erwerbslosenfürsorge.1 S., eigenhädig1923 Dez. 24 - London: Sthamer telegraphiert, daß, wenn der Bericht des ,Observer' über die dt. Steuerverhältnisse stimmt, in wohlgesinntenKreisen der Liberalen und der Arbeiterpartei mit einer Entfremdung zu rechnen ist. Gerade die angebliche steuerl. Entlastung der sog. starken Schultern zu Ungunsten der übrigen verarmten Bevölkerung Dtschlds. wird agitatorisch lebhaft gegen uns ausgenutzt.1/2 S., Telegramm-Formblatt.1923 Dez. 25 - London: Sthamer telegraphiert das Programm der zu erwartenden Labour-Regierung.2 S., Telegramm-Formblatt.o. D. (1924?): Manuskript einer Rede - kaum von Marx - über die Politik von Frkr. und Belgien gegenüber dem besetzten Gebiet.111/2 S., Vervielf.1924 Okt. 25 - Berlin: Marx freut sich gegenüber der Z-Fraktion in Vohwinkel über die Befreiung. Es ist mir eine Genugtuung ausihrem gestrigen Gedenken zu ersehen, daß man dort meine und der RR schwere Arbeit (in London) richtig zu würdigen weiß. Gez.Unterschrift.1/2 S., Druckschrift von Masch.-Smreiben.1924 Dez. 23 - Düsseldorf: Schwinges legt Marx die Behdlg. seiner Besatzungssdladenangelegenheit durch den Reg.-Präs. in Aadlendar und bittet um Unterstützung. Eh. Unterschrift.11/2 S., masch.-schriftl. Ausf.1926 Jan. 26 - Oldenburg: Innenminister Dr. Driever kann der Bitte der beiden Stadtbürgermeister von Oberstein und Idar nichtentsprechen, mit diesen bei Marx zur Rücksprache zu erscheinen. Er legt die Besatzungsangelegenheiten dieser Städte dar. Eh. Unterschrift.31/2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1926 Jan. 28, Febr. 3: "Marx als Minister für die besetzten Gebiete".Ausschnitte aus ,Neue preuß. (Kreuz-) Ztg:1926 Jan. 31 - Bonn: Die Z-Partei Bonn-Stadt und Bonn-Land telegraphieren Marx anläßlich der Räumung. Unterschriften: RA Henry; Verleger Hensen. Postausfertigung.1926 Febr. 1 - Koblenz: OP Fuchs dankt Marx für die Glückwünsche zur Räumung der Kölner Zone. Möge der Tag nicht fern sein, an dem weitere Gebiete am Rhein das schöne Gefühl der Befreiung genießen können. Wir wissen, daß RR alles tut, um uns zu diesemZiele zu verhelfen.Postausfertigung.1926 Febr. 1 - Duisburg-Meiderich: Z, Vv und Windthorstbund telegraphieren Marx zu dem durchschlagenden Erfolg seiner Politikund wünschen denselben Erfolg auch im Kampf um die christI. Schule. Unterschrift: Jungebloed.Postausfertigung.1926 März 18: Beratung des Haushalts des Ministeriums für die besetztenGebiete.Stenograph. Bericht über die 142. Sitzung des RT-Ausschusses für denReichshaushalt.1926 März 26: Änderungsantrag von Z, DVP, DDP und BVP, StS Schmid zum Reichskommissar für die besetzten Gebiete zu ernennen.RT III, 1924-26, Ds 2180.1926 Mai 19 - Weilerhof, Post Wolfskehlen bei Darmstadt: LT-Abg. Dr. Dehlinger an den Reichskommissar für die besetzten Gebiete wegen der Existenzschwierigkeiten des Astheim-Erfelder-Entwässerungsverbandes.Gez. Unterschrift.21/2 S., masch.-schriftl. Abschrift.1921 Febr. 20: Zweites dt. Memorandum zur Frage der Feststellung der Anrechnungsbeträge für die Leistungen im Ruhrgebiet für die belg. Besatzung.23 S., Vervielf.[19]21 April 30 - Rolandseck.: Postmeister Fritz Didier übermittelt Marx ein Lied ,Mein Rolandseck'. Eh. Unterschrift.1 S., eigenhädig Ausf.1928 Jan. 2 - Berlin: StS Schmid berichtet Marx, daß der Bitte von Hartmann (MdR) nicht entsprochen werden kann, Dr. Bohne im Ministerium für die besetzten Gebiete weiter zu beschäftigen. Wegen dessen zufriedenstelIender Leistungen hat er sich an das Reichsarbeitsministerium um Berücksichtigung bei der Besetzung der Arbeitsämter gewandt. Eh. Unterschrift.PI, S., masch.-schriftl.
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1923-1924
Besetzte Gebiete


Enthält : 1923 Aug. 15: Protokoll über eine Besprechung der Z-Abg. des alt und neubesetzten Gebiets mit dem neu ernannten Minister für die besetzten Gebiete Fuchs im Zimmer der Z-Fraktion des RT. Besprochen wurde die Unterstützung der Arbeit der Notgemeinschaft der dt. Wissenschaft, veränderte Einstellung der Reichsvermögensverwaltung bei der Bewertung der Ersatzleistungen an Besatzungsgeschädigte, Bevorschussung und angemessene Abschlagszahlungen an Unternehmer mit öffentlichen Aufträgen, Entschädigungen für die durch die Verkehrsstillegung erforderlichen Transportmehrkosten, zuvorkommende statt verschleppende Regelung der Entschädigung, Bevorzugung des besetzten Gebietes besonders des Einbruchsgebietes bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, Steigerung der Lebensmittelzufuhr, Drosselung der Preissteigerungen, Vorbereitung der Hausbrandbeschaffung, Erhaltung des gefährdeten Deutschtums durch Unterstützung der Jugend (Berater: Prälat Mosterts-Düsseldorf) und der Volksbildungsbewegung, Befriedigung des Kunstbedürfnisses, Abstellung der Zeitungsnot, Unterstützung der karitativen Anstalten, Unterstützung der notleidenden Winzer, Zentralisierung der behördlichen Aktionen, Ausschaltung sinnloser Ressortstreitigkeiten, Entwicklung einer Auslandspropaganda für die Notlage im besetzten Gebiet, Besserung der Verkehrs- möglichkeiten bei Eisenbahn und Post, Bekämpfung der rechtsund linksradikalen Geheimorganisationen und des vielfach in Akademiker- kreisen herrschenden nationalen Uberschwangs, Warnung vor Anfertigung von Protokollen und Anwesenheitslisten, die von frz. Spitzeln gern aufgetrieben werden. Zur Sprache kamen Verhältnisse in Euskirchen, Essen, Bonn, Aachen, Wattenscheid. Das Wort nahmen v. Guerard, Esser, Hofmann-Ludwigshafen, Prälat Schreiber, Rheinländer, Dransfeld, Bell, Imbusch, Schulz-Gahmen, Sinn.61/, S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben.1923 Nov. 24 - Berlin: Reichsfinanzminister Luther übersendet StS der Reichskanzlei eine Vorlage wegen Ermächtigung des Präs. des Landes-finanzamtes Köln betr. Durchführung der Steuergesetze in den besetzten und Einbruchsgebieten. Unterschrift.4 S., Vervielf.1923 Dez. 15 - Paris: v. Hoesch telegraphiert über eine Unterredung mit Poincare. Dieser anerkannte, daß der passive Widerstand im wesen-tlichen aufgegeben wäre. Doch könne er zwischender frz. und RR keine normalen Beziehungen wiederherstellen, bevor diese nicht ihren Wi-derstand gegen die militär. Kontrolleaufgäbe. Erwarte die RR eine "radikale Neuregelung" der Reparationen, so mache er alle Vorbehalte; Frkr. halte sich strikt an den Vertrag. In dem dt. Wunsch nach Beginn von Verhdlgn. zwischen den beiden Regierungen auf Wiedereinrichtung einer dt. Verwaltung und Regelung des Wirtschaftsverkehrs zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet wollte Poincare den Versuch erkennen,den Besatzungsbehörden die Vorzugsstellung zu nehmen: Herr Stresemann sei außerordentlich geschickt, aber er sei zu geschickt und werde sich auf diese Weise noch manche Enttäuschungen holen. Mit v. Hoesch wolle Poincare sich jederzeit unterhalten. Das Mißtrauen wurde Poincare als ungerechtfertigt vorgehalten; er riskiere nichts, wenn er mit RR verhandle. Daraufhin wurde er zugänglicher und erklärte sich bereit, durch v. Hoesch Wünsche über das besetzte Gebiet entgegenzunehmen; entscheiden werde er aber erst nach Anhören der Besatzungsbehörden. Als v. Hoesch direkte Verhdlgn. als Wunsch der RR vorbrachte, sagte Poincare: frz. Verhdlgs.-Kommission sei er und die dt. Kommission sei ich (v.Hoesch), und auf diese Weise sei jede gewünschte Aussprache möglich. Auf v. Hoeschs Versuch, eine klar formulierte Antwort aus den Äu-ßerungen zusammenzustellen, erklärte Poincare, er würde schriftl. Formulierung vorziehen. Hoesch fand gegenüber der trüheren Steifheit Poincares die entgegenkommende Form bemerkenswert. Er wollte nicht erneut Dtschld. zurückstoßen und die Welt erbittern. Andererseits stellte v. Hoesch einen Abgrund des Mißtrauens und eine sich in offenkundiger Unsicherheit äußernde Furcht, in eine Falle zu geraten, fest. Poincare wollte Arnold Rechberg empfangen, gegen frz. Beteiligung an dt. Industrie hätte er nichts. Er erwähnte schwebende Verhdlgn. zwischen frz. und dt. Wirtschaftlern. Hoesch warnt vor schroffen Konsequenzen aus der Ablehnung des dt. Verhdlgs.-Vorschlages und weist auf die Wichtigkeit der Wiederaufnahme der Militärkontrolle für Poincare hin.S S., Telegramm-Formblatt.1923 Dez. 16 - Paris: Poincare antwortet v. Hoesch, daß er in der Reparationsfrage keine Beeinträchtigung der Vorrechte der Reparations-kommission, keine mittel- oder unmittelbare Revision des Friedensvertrages in den Fragen des Rheinlandes und der Ruhr, keine Minderung der Befugnisse der Rheinlandkommission und der frz.-belg. Behörden an der Ruhr zugunsten einer dt. Verwaltung hinnehmen wird. Er ist bereit, Vorschläge der RR anzuhören und mit seinem Gutachten an die Besatzungsbehörden weiterzuleiten. Er ist auch zu jeder Unterhaltung wegen Verlängerung der Abkommen mit den Industriellen und zur Wiederherstellung des Wirtschaftslebens willens. Ausgewiesene Personen können nur nach Prüfung des einzelnen Falles wieder zugelassen werden. Solange die Interalliierten Militär-Kontrollkommissionen noch nicht wieder tätig sein können, kann er nicht anerkennen, daß Dtschld. den Vertrag von Versailles loyal ausführt. Gez. Unterschrift.2 S., Ubersetzung, Durchschrift v. Masch.-Schreiben.1923 Dez. 21 - Berlin: Stresemann telegraphiert Dt. Botschaft in Paris Instruktionen für nächste Unterhaltung mit Poincare. Gez. Unterschrift.7 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.[1923 Dez. 21]: Dasselbe als Aide-Memoire in frz. Sprache.81/2 S., masch.-schriftl.1923 Dez. 21 - Berlin: Stresemann telegraphiert Dt. Botschaft in Paris Fortsetzung des obigen Telegramms mit "Sprachregelung" . Die dt. Zu-lassung einer Rhein.-Westf. Notenbank ist u. a. als großes Entgegenkommen herauszustellen. Biner glatten Ablehnung der dt. Wünsche durch Poincare darf v. Hoesch sich nicht aussetzen, da deren Bekanntwerden die einstweilen zurückgedrängten Wünscherhein. Bevölkerung nach lokalen Verhdlgn., die bereits zu politisch sehr bedenklichen Erörterungen geführt haben, wiederaufleben lassen würde. Gez. Unterschrift.3 S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben.1923 Dez. 25 - Paris: v. Hoesch telegraphiert Bericht über seine letzte Unterredung mit Poincare. Dieser beschwerte sich zuerst über die Wolff-Verlautbarung der RR, die den frz. Ruhrsieg angezweifelt und somit trennende Momente hervorhebt; bei Fortsetzung dieser Methode wird er den Meinungsaustausch abbrechen. Bei Erwähnung der Rhein.-Westf. Notenbank erklärte er die RR für die Gewährung des Notenprivilegs unzuständig. Er bemerkte, es handle sich hier um eine freie Aktion der Rheinländer, und er sei entschlossen, keinesfalls dabei mitzuhelfen, daß RR Rheinlandbewegung, der er neutral gegenüberstehe, ersticke. Als ich Wort "Separatist" fallen ließ, erklärte er lebhaft, von Separatisten spreche er nicht, vielmehr von wirklich autorisierten Vertretern öffentl. Meinung Rheinlands. Er ließ dabei Separatisten in auffallend despektierlicher Weise fallen und hinnahm ruhig, daß ich sie als (eine) Bande von Gaunern bezeichnete. Es entspann sich nun eine Kontroverse über Kheinlandbewegung. Er erklärte, Rheinländer wünschten, wie er von zahlreichen Rheinlandvertretern gehört habe, von Preußen loszukommen, indem sie sich ihrer früheren Unab-hängigkeit erinnerten. Ich entgegnete, mich auf eigene Kenntnis Rheinlands berufend, wenn derartige Tendenzen erkennbar würden, so sei das nur Folge ungeheuren Drucks und Sehnens der Bewohner nach besseren Lebensbedingungen, die der eine oder der andere vielleicht von einer Konzession an frz. Wünsche erhoffe, abern nicht Folge einer polit. Uberzeugung. Poincare meinte, selbst wenn es so sei, so bedeute es immerhin einen Vorteil, wenn Rheinländer in dieser Form zur Stabilisierung europäischen Friedens beitrügen.Eisenbahnbeschwerden hatte Poincare prüfen lassen. Die Währungsänderung würde erfolgen, sobald rhein. Geld geschaffen sei. Meinen Hinweis, daß dt. Goldrechnung einzige Möglichkeit als Basis darstelle, hinnahm er ohne Widerspruch. Er äußerte, pfälz. Separatisten dürften nicht mit übrigen Separatistenbanden auf gleiche Linie gestellt werden. Er habe von zuverlässigen Kontrollpersonen, die nahe Verbindung in Pfalz hätten, gehört, daß sehr zahlreiche pfälz. Gemeinden insbesondere die an lothring. Grenze gelegenen durchaus ehrlich separatistisch gesinnt seien. Ich entgegenhielt Poincare einige aus unserem Material stammende Schilderungen über Terror in Pfalz, worauf er entgegnete, er würde etwaige Beschwerdefälle prüfen lassen. Meinen Hinweis auf Verhalten Generals de Metz und seiner Untergebenen, der ihm sichtlich unangenehm war, ließ er unbeantwortet. Rest der dt. Vorschläge blieb unerörtert. Lange unterhielten sie sich über die Weiterleitung dt. Wünsche an Besatzungsbehörden. Hoesch schlug Seydoux vor zur Weiterberatung technischer Fragen. Poincare betonte Rechte der Rheinlandkommission. Er wünschte auch Beschränkung der Publizität der Verhdlgn. Auf die drohende Mögl-ichkeit der Einstellung der Zahlung der Besatzungskosten antwortete Poincare mit Befürchtung wegen Weiterführung des Gedankenaus-tausches; Dtschld. werde, wenn es seine Finanzen geordnet habe, sich schneller als Osterreich erholen. Hieraus entwickelte sich kurze Diskussi-on über gesamtes Problem. Ich bemerkte, Dtschld. brauche zwecksZahlung einerseits Hoffnung auf Befreiung, andererseits Möglichkeit der Zahlung. Befreiung bedeute in erster Linie Befreiung von Okkupation. Nachdem Poincare zuerst bemerkte, Okkupation werde sich immer leichter gestalten, und er plane erhebliche Reduktionen/erklärte er schließlich auf mein weiteres Drängen, er bleibe bei seinen häufig verkündeten Richtlinien, daß das Ruhrgebietn geräumt werden würde, wenn Zahlung erfolgt sei. Bezüglich Rheinlandes käme Räumung zunächst solange nicht in Frage, als Räumungsf-risten nicht beendet seien. Darüber hinaus aber könne Frkr. Rheinland nicht eher aufgeben, als nicht Sicherheit gewährleistet sei. Er glaube aber, daß Okkupation entstehende erfreuliche Beziehungen zwischen Dtschld. und Frkr. nicht stören müsse. Neben Rechberg vorsprachen hier dauernd dt. Industrielle, die Verständigung mit frz. Industrie suchten, und, wenn er nicht frz. Industrielle vorläufig gebremst hätte, beständen wahrscheinlich schoneine ganze Reihe von Industrieabkommen. Er bremse deshalb, weil er ein Gesamtarrangement wünsche, das sicher nach Verlauf einiger Wochen zustandekommen würde. Die Gesamtatmosphäre des Gesprächs war nach stürmischem Anfang gut, doch wird man zu umfassenden Verhdlgn. kaum gelangen; es wird nur gewisses Entgegenkommengezeigt. Furcht vor kommender engl. Arbeiter-Reg. und Schreck über Francs-Fall und drohende Erschöpfung frz. Staatskassen lassen Wunsch, mit Dtschld. zu irgendetwas zu kommen, begreiflich erscheinen.61/2 S., Durchschrift auf Telegramm-Formblatt.1923 Dez. 30 - Berlin: General Nollet kündigt einem namentlich nicht genannten Direktor Besuche der Interalliierten Militärkommissionzwischen dem 10. und 12. 1. 1924 in Rostock, Berlin, Dresden, Stuttgart, München, Paderborn, Breslau und Frankfurt/M. an. Gez. Unterschrift.1 S., masch.-schriftl. Absdlrift, frz.1924 Jan. 11 - Paris: Frz. Antwort auf die dt. Note vom 24. 12.23.12 S., Vervielf.o. D.: Belg. Antwort auf die dt. Note vom 24. 12.23.14 S., Vervielf.o. D. (1924 Jan.): Ungenannt gibt dem RK zur Eröffnung an den frz. Botschafter anheim: Dtschld. hat durch seine letzten Schritte in Paris und Brüssel aufrichtig seinen Willen zur Verständigung bekundet. Die ersten Reaktionen in Paris waren ermutigend. Inzwischen aber irritieren einige Tatsachen. Obwohl der frz. Reg. das Bevorstehen der dt. Verständigungsnote vom 15.12.1923 bekannt war, hat sie die dt. Beschwerde-note wegen Unterstützung des Separatismus in den Rheinlanden am 12.12.1923 in unangemessener Form beantwortet. Wegen der im Gang befindlichen Verständigungsdemarche hatte Dtschld. indessen geschwiegen. Nun jedoch sei das unerhörte Düsseldorfer Urteil ergangen. Ferner begnadigte Frkr. keine verurteilten Deutschen, sondern rüste zu weiteren Deportationen nach St. Maltin de Rhe. Der RK soll dem frz. Botschafter dieses Verhalten Flkrs. als unerfindlich erklären; er wolle einstweilen nicht an Absicht zum Abbruch der eingeleiteten Verhdlgn.glauben; doch könne angesichts dergleichen Provokationen die RR mit Frkr. unmöglich im Tone des Verständigungswillens sprechen. Poin-cares Beschwerde bei Hoesch, daß Dtschld. seine doch wirklich unbegreiflichen Äußerungen in der Kammer über die Notwendigkeit des Schutzes der Rheinbevölkerung vor Berliner Einfluß einfach hätte unerwidert lassen sollen, sei im Hinblick auf die neuesten Zumutungen ernst zu nehmen. Daß das dt. Memorandum trotz der zwischen v. Hoesch und Poincare verabredeten Geheimhaltungn in die Offentlichkeit gelangte, könnte bedeuten, daß die frz. Reg. sich auf die dt. Anregungen nicht weiter einlassen wolle. Alles in allem müsse aber die RR Klarheit haben, ob es Poincare mit der wenn auch unter Vorbehalten bekundeten Bereitschaft zu Verhdlgn. wirklich ernst sei. Ist dies der Fall, dürften keine provokator. Maßnahmen die RR in Verlegenheit setzen. Andernfalls ist auch die Ernennung eines dt. Botschafters in Paris unmöglich.21/2 S., masch.-schriftl.o. D.: Notizzettel von Marx über Schulrat Dr. Richartz.1 Halbseite.
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1921-1923
Reparationen und Entwaffnung 1921-1923


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl um 1936): Die Reparationen, dieses ungeheure Unrecht des Vertrags von Versailles, das seine Sühne in dem Wirtschaftsverfall fast aller Kulturstaaten fand, prägten auch dem Jahre 1921 einen schweren Schicksalsweg auf. Mit Note vom 31. 1. 21 teilte Briand die Beschlüsse der Pariser Alliiertenkonferenz mit: 226 Milliarden Goldmark, 12% der dt. Ausfuhr, Verminderung der Reichswehr, Zerstörung von Kriegsmaterial, Entwaffnung; gleichzeitig wurden für März dt. Delegierte nach London berufen. Simons führte dagegen im RT aus, daß die geforderte Summe mehr als das gesamte dt. Volksvermögen ausmache (S. 1). Seine Ablehnung fand lauten Beifall im Lande. Der Politiker aber muß sich fragen, ob das Nein nicht noch größeres Unheil mit sich bringt als ein der schweren Notlage Rechnung tragendes Verhalten. RK Fehrenbach und sein Außenminister, ein hervorragender Jurist, hatten mehrfach zuerst entschieden abgelehnt und mußten kurze Zeit darnach mit Zähneknirschen nachgeben. Zu den ungeheuerlichen Vorgängen hat d'Abernon interessante Aufzeichnungen gemacht. Auf der Londoner Konferenz 1921 wurden die dt. Gegenvorschläge abgelehnt, namentlich weil Dtschld. Oberschlesien ganz beanspruchte (S.2). England trat diesem Verlangen bei, während Frkr. und Wilson die Provinz ohne weiteres an Polen vergeben wollten. Man einigte sich schließlich auf die berüchtigte Volksabstimmung, die unter ungeheurem Druck und starken Fälschungen vor sich ging. Als Lloyd Georges Ultimatum vom 3.3. am 7.3. von Simons nicht angenommen wurde, wurden Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort am 8. 3. als Sanktionen besetzt. Vermittlungsbitten an den Völkerbund und an Amerika blieben erfolglos. Fehrenbachs Reg. war aufs schwerste gefährdet. Am 17.4. setzte die Reparationskommission die Reparationen auf 132 Milliarden fest (S. 3). Am 5. 5. ging ein Ultimatum ein, daß bei Verweigerung der Annahme Besetzung des Ruhrgebiets androhte. Fehrenbach nahm darauf seine Entlassung. Einen Tag vor Ablauf der gestellten Frist war die neue Reg. Wirth gebildet; ihr hatte der RT die Zahlungen gebilligt mit auffallend vielen Ja-Stimmen: Die Abstimmung wurde aber von der Bevölkerung gebilligt, weil man eben das Unver-meidliche einsah. Die Reg. Fehrenbach hätte dasselbe tun können, aber sie hat leider die Anerkennung für die Ablehnung in Anspruch genommen. Diese Vorkommnisse habe ich häufig zum Gegenstand meiner Reden gemacht. Im übrigen waren die 132 Milliarden auch nicht aufzubringen. Ein völliger Zusammenbruch Dtschlds. war nach d'Abernon von den frz. Machthabern mit in den Kreis der Absichten einbezogen (S.4). Marxschildert die begeisterten Empfänge von Fehrenbach und Simons nach der Konferenz von Spaa in Köln und Düsseldorf und betont, daß es in dem furchtbaren Augenblick nach ihrem Rücktritt das Z war, das die Verantwortung übernahm. D'Abernon zog Wirth als RK jedem anderen vor außer Stresemann. Wirth setzte seinen Plan, die Entente möglidlst zu befriedigen, durch. Er sprach allerdings zu viel von "Erfüllungspolitik" (S.5). Wegen der Redltsagitation wurde später "Befriedungspolitik" oder "Befreiungspolitik" gesagt. Wirth zog mit Rathenau einen hervor-ragenden Mann mit großem internationalen Rufe ins Kabinett. Zwisdlen diesem und d'Abernon schien reger mündlicher Verkehr geherrsdltzu haben woW wegen der entgegenkommenderen Einstellung Englands, das Frkr. das linke Rheinufer nidlt auf die Dauer überlassen wollte. Außenminister Rosen gebot den dt. Auslandsvertretern, englandfeind!.Agenten/zu meiden (S.6). Später wurde demEinfluß Englands die lange Freihaltung der Ruhr von einer Besatzung zugesdlrieben. Im Aug. 1921 vermerkte der eng!. Botschafter Bemühungen Dtsdllds. um Bezie-hungen zu Rußland. In der Frage Obersdllesien aber, in der England und Frkr. sidl nidlt einigen konnten, sdlrieb man in Dtsdlld.die Ubertragung der Entsdleidung auf den Völkerbundsrat am 13.8.1921 eng!. Nadlgeben zu (S.7). Am 25.8. 1921 wurde der Friedensvertragmit Amerika gesdllossen. Wegen der anstehenden ungeheuren Zahlungen kam am 10. 11. 1921 die Reparationskommission nach Berlin. Der Belgier Delacroixsdlien die Sachlage in Dtschld. am besten zu übersehen und konnte schließlich auch den Franzosen Dubois in etwa zur Vernunft bringen (S.8). Schließlich sah man vor allem in England ein, daß man Dtsdlld. überfordert und die Politik des Ultimatums zu keinem Ergebnis geführt hatte. Der Lordkanzler schlug eine neue Konferenz mit Dtsdlld. und Rußland vor. Doch war Englands Verständnis aus Handelserwägungen nicht ganz selbstlos. Erst März 1922 erschien die Note der Reparationskommission mit der Gewährung von Zahlungs- erleidlterungen. Im Dez. 1921 wurde der Notenumlauf um 4 Milliarden erhöht; Sadlkenner behaupteten, daß er sich auf 50 Milliarden einschlränken ließe. Doch die Inflation nahm ganz andere Wege (S.9).Die E nt w a f f nun gun d ihr e K 0 n t roll e waren nach der Note vom 31. 1. 1921 so gründlich im Laufe von 1921 durchgeführt worden, daß es ausgeschlossen war, daß Dtschld. überhaupt einen Feldzug führen konnte. D'Abernon erklärte für Sept. 1921 die Gefährdung des Weltfriedens durch Dtschld. für ein reines Märchen. Dennoch hielt er eine Beaufsidltigung Dtsdllds. für notwendig, wenn auch in anderer Form als durch die Kontrollkommission (S. 10). Das ist die Vorliebe Englands für Mehrung der Zuständigkeit des Völkerbundes und für kollektive Sicherungs-verträge. Der April 1922 aufgekommene Gedanke eines militär. Garantiekomitees wurde bald wieder fallengelassen. Marx bespricht die Versailler und die Beschränkungen der Kontrollkommission im einzelnen und den Notenaustausch über die Verminderung der Reichswehr und die Ver-mehrung der Polizeikräfte vom 20.4. und 22.6. 1920 sowie die Briefe und das Gesetz über die Ein- und Ausfuhr wie die Anfertigung vonKriegsgerät vom 13. und 18.8. 1920 und 26.6. 1921 (S. 11 f.). Die Entwaffnung wurde 1922 und 1923 mit gleidler Energie beaufsichtigt. Auf das Eigentum an den Rohstoffen und dem Schrott in den dt. Werken wollten die Alliierten nur unter ausdrücklichen Vorbehalten verzichten. Dann wurde die Ordnungspolizei der Länder geprüft (S. 13). Auf eine scharfe Kollektivnote der Alliierten vom 29.9. 1922 antwortete die RR nur kurz am 27. 10. 1922. Poincare erteilte darauf eine äußerst verstimmte Antwort am 27. 11. 1922 und forderte ultimativ einen dt. Bericht ein. Die dt. Antwort vom 10. 12. 1922 hatte Botschafter Mayer, ein früherer Z-Abg., unterzeichnet (S. 14 f.). Der wenig entgegenkommende Bescheid Poincares erging erst am 18.4. 1923. In diesem Jahr ergingen eine Reihe weiterer Noten (S. 16 f.). Die Ansichten des engl. Botschafters d' Aber-non zur Entwaffnungsfrage referiert Marx ausführlich (S. 18 ff.).201/2 S., Masch.-Erstschrift, mit eigenhädig Hinweisen und Verbesserungen.1920 April 26: Rede von Reichsfinanzminister Wirth in der Nat.Verslg. über die finanzielle Lage Dtschlds. Mit 3 Anlagen.39 S., Druck.1921 [Febr.]: Dtschld. und die Pariser Forderungen.39 S., Druck.1921 Jan. 31 und Febr. 1: Erklärungen von Außenminister Simons zu den Beschlüssen der Pariser Konferenz.Stenograph. Berichte über 62. und 63. Sitzung des RT, S. 2297-2307.1922 Aug. 2: Aufzeichnung von Marx über eine Besprechung allerParteien beim RK:1) Amerikan. Abkommen: Amerika lehnt jegliche Ratifikation durch den RT ab sowohl des Abkommens im allg. als auch der Feststellungen der einzelnen Forderungen, die vom Schiedsgericht anerkannt werden. Dr. Wirth teilt uns das nur zur Kenntnisnahme mit. Eine Zustimmung verlange die Reg. nicht. Selbst Dr. Helfferich erklärt sich zufriedengestellt, da in den Noten ausdrücklich fest· gestellt sei, daß bei Feststellung der Forderungen nur solche im Rahmen des Friedensvertrags mit Amerika in Betracht kämen, nicht also solche der späteren Zeit. 2) Es sind Erkundigungen darüber angestellt worden, ob die engl. oder amerikan. Politik im Rheinland eine Schwenkung oder Änderung erfahren habe. Allseitig lauten die auch bei der amerikan. und engl. Behörde eingeholten Auskünfte beruhigend: eine Änderung sei gar nicht eingetreten oder beabsichtigt. 3) Auf Anfrage: Was Poincare unter den angedrohten retorsions verstehe, wisse man nicht. Man habe schon berichtet, es sollten Dt. aus dem Elsaß ausgewiesen und ihr Vermögen beschlagnahmt werden; es sollten die Guthaben Deutscher in Frkr. beschlagnahmt werden und dgl. Auch die Besetzung von Zollämtern halte man für ausgeschlossen. Die Hauptsache sei, jetzt Ruhe zu bewahren. Poincare würde sich vielleicht durch unsinnige Maßnahmen festlaufen. Der Dollar notiert 780/1 Halbseite, eigenhädig1923 März 7: Rede von RK Cuno im RT "Die Bilanz des Ruhreinbruchs· .24 S., Druck1923 Mai 13 - London: Note des brit. Außenministers Curzon of Kedleston an v. Rosenberg über die dt. Vorschläge zur Regelung der Re- parationen vom 2. 5. 1923. Gez. Unterschrift.3 S., Vervielf., dt. Übersetzung.1923 Mai 13 - Rom: Italien. Antwort auf die dt. Note vom 2. 5. 1923. 31/t S., Vervielf., dt. Übersetzung, dabei Berichtigung einer Textstelle,l/t S., Vervielf.o. D.: Entw. einer dt. Antwort auf die brit. Note vom 13.5. 1923.4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1923 Aug. 11: Note der brit. Reg. an die frz. und belg. Reg. in engl. Sprache und dt. Übersetzung.31 S., Druck.
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ca. 1922-1926
Besetztes Gebiet und Ruhreinmarsm; die Ruhrentsmädigung


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1935; vgl. Anspielung S. 17): Nachdem Marx RK geworden war, nahm er sich des besetztenGebietes an nicht allein pflichtgemäß, sondern, da es sich um die Heimat handelte, mit dem Herzen. Es bestanden verschiedene Kommissionen:die Rhein-Ruhr-Kommission mit etwa 15 und ein großer Ausschuß mit 70 Mitgliedern. Die Interessen der verschiedenen Gegenden und Wirt- schaftskreise wichen stark voneinander ab. Zwangsläufig mußte mit England und Frkr. von hervorragenden Bewohnern des besetzten Gebietes verhandelt werden. Diese berichteten zwar der RR, aber sie handelten doch nur privat und nicht offiziell. Es war auch hier nicht immer leicht, die richtige Mitte zu halten, nirgendwo anzustoßen, auch (S. 1) kein Mißtrauen zwischen den einzelnen Landesteilen und Interessenten, namen- tlich aber auch nicht beim Ausland hervorzurufen. Mein Grundsatz war stets: die Hauptsache ist Vertrauen! Damit hoffte Marx bei der Bevölkerung den Separatismus und bei der Entente die Gewaltpolitik zu überwinden. Es war einer der wenigen frohen Augenblicke meiner Kanzlerschaft, als - wohl um die Mitte 1924 - nach einer Sitzung des großen Rates . .. OB Adenauer sagte: MIch glaube annehmen zu dürfen, daß wir jetzt nicht so baldwieder hierhin zu kommen brauchen! Wir haben jetzt eine Reg., zu der wir das Vertrauen haben, daß sie alles tun wird, um die Lage des besetzten Gebietes zu bessern!" Ich konnte natürlich diesen fest]. Augenblick nicht vorübergehen lassen, ohne über die Freundlichkeit mit einem kräftigen "Gott sei Dank" zu quittieren. Adenauer selbst schien etwas aus der Fassung gebracht, stimmte aber dann auch in die allg. Heiterkeit mit ein (So 2). Mit Hochachtung gedenkt Marx der rhein. Bevölkerung, die mit Treue die oft harten Anordnungen der dt. Stellen befolgte. Namentlich in öst]. Gegenden (habe ich oft) das Lob der rhein. Vaterlandsliebe gesungen. Um so mehr packte mich deshalb auch die Wut, wenn ich sah und erfuhr, wie wenig Verständnis man in anderen Gegenden den Opfern des rhein. Volkes entgegenbrachte.Marx erinnert an die Aufregung in Bayern über seine Außerung im Düsseldorfer Apollotheater von April 1924 und belegt es mit dem Brief-wechsel mit Min.-Präs. v. Knilling und mit Hüttemann-Attendorn (S.3). Für die Schikanen, denen sich Reisende ausgesetzt sahen, bringt Marx eigene Erlebnisse über Grenzkontrollen bei Benrath (S.4). Ferner erinnert Marx an die unnötigen Kosten durch Vereinbarungen mit der Bot-schafterkonferenz von Juli/Aug. 1929 über die Zerstörung von Eisenbahnanlagen in der demilitarisierten Zone; diese Verhdlgn. hatten übrigens 1922 begonnen (S. 5). Bedeutendere Ausgaben noch sind dem Reich aus den sog. Micum-Verträgen entstanden. Stresemann sah sich als RK zu dem Versprechen an die Ruhrindustriellen genötigt, sie schadlos zu halten, wenn sie die unrentablen Betriebe weiterführten. Die Großindustriellen selbst sind den Ententevertretern oft mutig entgegengetreten. Jedenfalls entstand, als die Entschädigung vorgenommen werden sollte, Unruhe in der Ruhrarbeiterschaft. In einer Z-Verslg. in Essen machte man Marx Vorwürfe, daß er in Abwesenheit des Finanzministers Luther einen hohen Betrag hatte auszahlen lassen (S.6).Wegen der Ruh ren t s c h ä d i gun g wurde 1925 im RT auf Antrag von KPD und SPD ein Untersuchungsausschuß eingesetzt. Auf Antrag von Z und Rechtsparteien war ihm zu prüfen aufgegeben, ob von der RR an die Industriellen "gesetzlos" Beträge ausgezahlt worden waren (S. 7). In den aggressiven Antragsdebatten sprach zunächst Hertz (SPD) sehr ruhig, aber um so leidenschaftlicher dem Inhalt nach. RK Luther stellte fest, daß es sich bei den 700 Mill. um den Gesamtbetrag handelte und daß die Zahlungen zeitmäßig ohne Gefahr für das Reich erfolgt sind. Als am 20. 10. 23 Stresemann den Industriellen namens der RR das verpflichtende Protokoll gab, war auch Min.-Präs. Braun zugegen. Die Verhdlgn. des RT verliefen wenig sachlich; die SPD wollte lediglich ihr Prestige heben ohne Rücksicht auf die gespannte Lage mit dem Ausland (S. 8). Bei den Zeugenvernehmungen des Ausschusses gab der SPD-Abg. Eising zu, daß die Gewerkschaften Ende 1923 allg. überzeugt waren, daß die Industrie von sich aus die Betriebe nicht mehr in Gang bringen könne. Luther und Stresemann betonten, daß es sich um eine zivilrechtl. Bindung bei der Verpflichtung handelte, die gerichtlich einklagbar war, mit der die Industriellen vor allem aber Anleihen im Ausland erzielen wollten (S.9). Feder warf 1925 dem Justitiar des Reichsfinanzministeriums vor, er hätte zwei gegensätzliche Gutachten abgegeben; das lagdaran, daß durch den Briefwechsel Stresemann - Stinnes, der erst später bekannt wurde, ein neues Argument gegeben war. Auch dieseKritik wertet Marx als einen Beweis für die geringe Empfindung auch gerade bei demokrat. Leuten für die Pflichten, die die Staatsnotwendigkeitenbesonders bei einer demokrat. Republik den einzelnen Staatsbürgern auferlegen (S. 10).Den Ruh r ein m ars c h versteht Marx als Ausfluß der seit Ludwig XIV. von Frkr. mit unerschütterlicher Festigkeit und Hartnäckigkeit verfoch-tenen Rheinlandpolitik. Im frz.-russ. Geheimvertrag vom 14.2.1917 wurde die Schaffung eines selbständigen Staates postuliert; ihn verfochten Maurice Barres, Foch, Clemenceau, aber auch Briand. A. Köhler, .Dt. Z - Dt. Rhein", und Prof. Grimm, Vom Ruhrkrieg zur Rheinlandräumung", haben die histor. Bezüge zu den ungeheuerlichen Bestimmungen des Versailler Friedens über Umfang und Dauer der Besetzung aufgewiesen. Damit aber war der unersättliche Hunger Frkrs.... nicht gestillt (S. 11). Schon 1919 verlangten Loucheur die Besetzung des Ruhrgebiets, Clemen-ceau die von Essen. Am 8.3.21 wurden Duisburg und Düsseldorf als Sanktionsstädte besetzt. Die Annahme des Londoner Ultimatums am 10.5.21 verhinderte den vorbereiteten Ruhreinmarsch. Poincare brachte den Gedanken der 'Pfandergreifung" auf. Auf dieser Grundlage besetzte er am 10. 1. 23 die Ruhr: Dtschld. war auf dem tiefsten Stand seiner Schwäche angekommen. Ganz offen ging Frkr. zum Rechtsbruch über. Aus dem Ruhrvolk heraus - ohne Anordnung der Behörden - ergab sich der passive Widerstand; Grimm stellt ihn mit vollem Recht der Volks-erhebung von 1914 an die Seite (S. 12). Die Grubenindustriellen, die den Franzosen Kohlenlieferungen verweigerten, waren die erstenVer- hafteten mit; Prof. Grimm verteidigte sie vor dem Kriegsgericht in Mainz; dessen Vors. bat ihn, die Zuhörer durch eine Ansprache bei der Urteilsverkündung um Ruhe zu bitten (S. 13); dennoch sangen Tausende auf der Straße die Wacht am Rhein", und die Heimkehr der Be-straften nach Essen glich einem ungeheuren Triumphzug: großartiger Beweis der vollen Einmütigkeit von Arbeitern und Unternehmern! Waren das Zeiten der Unehre und der Schmach, wie man später vielfach gesagt hat? Das waren Tage der nationalen Erhebung und der Einmütigkeit, wie sie stets erwünscht wären, aber leider oft nicht erlebt werden! Der rohen Gewalt der Franzosen war der passive Widerstand auf die Dauer nicht gewa-chsen; aber ein bewaffneter Aufstand - leicht niederzuschlagen -, hätte Frkr. einen Schein des Rechtes gegeben, das linke Rheinufer und das Ruhrgebiet für immer in Anspruch zu nehmen. Nachdem die RR im Sept. die Rücknahme der ergangenen Kampfanordnungen angezeigt hatte, hörte die Unterdrückung nicht auf (S. 14). Mit der Änderung der Einstellung zum Ruhrkampf ging zeitlich die Änderung der RR einher. Die SPD hatte ihre Minister aus dem Kabinett Stresemann wegen angeblich ungleicher Behdlg. der verfassungswidrigen Bewegungen in Sachsen undBayern zurückgezogen. Im Z neigten einige dazu, der DNVP die Regierung zu übertragen, damit sie endlich den Beweis ihres besseren Rezepts zur Uberwindung der Schwierigkeiten erbringen konnte, andere wollten ein Minderheitskabinett evtl. unter Stresemann. Das dt. Volk befand sich tatsächlich in einer Schicksalskrisis ärgster Art. Wir waren dem Auseinanderfallen bedenklich nahe. Die Unruhen in Bayern und Sachsen durften nicht als unbedenklich erachtet werden. Dazu kam das wahnsinnige Fallen der Mark, das den Staatsbankrott in höchste Nähe brachte. Endlich drohte der Verlust des linken Rheinufers, wo unter dem Beifall und der Unterstützung der Franzosen derwirklich vaterlands-verräterische Separatismus gefährliche Verbreitung fand. Wenn jemals, dann war damals Frkr. nahe daran, seine seit Louis XIV. konsequent festgehaltene Politik endlich zum Siege zu führen (S. 15). Beim Friedensschluß war Frkr. darin an den USA und England gescheitert; Clemenceau glaubte, das Ziel durch Festsetzung der Reparationen in phantastischer Höhe erreichen zu können; Poincare gebrauchte brutale Gewalt. Doch das frz. Volk wurde unruhig gegen ihn. Die rhein. Bevölkerung erhob sich gegen die Separatisten in der Schlacht bei Aegidienberg und den Bauernmarschauf Wittlich. In dieser schlimmsten Zeit für Dtschlds. Fortbestehen wurde Marx RK (S. 16). Für die Berufung mit ausschlaggebend war wohl auch meine rhein. Abkunft. Marx legt dar, warum er der Außenpolitik den Vorrang geben mußte und wie er nur mit eiserner Härte eine feste Währung wieder schaffen konnte. Mit Gottes Hilfe ist das Werk gelungen! Marx nahm das von Wirth "ErfüllungspolitikM genannte Bestreben einer Versöhnung mit der Entente wieder auf; Stresemann unterstützte ihn darin nachdrück.lichst; Poincare aber nahm dies nicht entgegen- kommend auf. Die furchtbare finanzielle Lage beleuchtet die Tatsache, daß die Oberfinanzkasse Köln für den halben Nov. ·1923 132 Mil!. Goldmark an Besatzungskosten zahlen mußte (S. 11). Hoesch mußte aus seinen Besprechungen mit Poincare immer wieder von dem großen Mißtrauen berichten, das auch die Presse spiegelte. In Denkschriften wurden für die RR die Fragen einer Rhein. Notenbank, der Wiederher- stellung der dt. Verwaltung im besetzten Gebiet, der Ordnung des Eisenbahnwesens und der Verweigerung der Besatzungskosten behandelt. Letzterem widersprach der Londoner Botschafter Sthamer (S. 18).Erfrischend wirkte die Rede von General Smuts am 23.10.1923, der einEm Zustand in Europa forderte, wie er dem gesunden Verlangen der Kulturmenschheit entspricht; ähnliche inhaItlich bedeutungsvolle und hochstehende Reden sicherten ihm ein wohlverdientes hohes Ansehen. Im Kabinett wurde ein besonderer Ausschuß für Rhein und Ruhr gebildet; die Vertreter des besetzten Gebietes trafen sich am ,. 12. 1923 erstmalig mit dem Kabinett Marx. Am 16. 12. 1923 verstand sich Poincare wieder zu Verhdlgn. mit der RR (S. 19).Das Jahr 1924, das Jahr des Wiederaufstiegs: Marx war bestrebt, die Richtlinien seiner Politik offen und unverholen zu bekennen. Die frz. Ant-wort auf Stresemanns Note vom 21. 12. 1923 machte in fast allen Punkten Schwierigkeiten, nur nicht wegen der Rhein. Goldbank: offenkundig wegen des separatist. Elementes. Trotzdem habe ich alles getan, was ich tun konnte, um ihre Bildung zu vermeiden. Auch Belgien ließ Wohl-wollen für die geplante Notenbank erkennen (S.20). Durch eine Vereinbarung des Braunkohlensyndikats mit Micum kam die Kohlenlieferung an das unbesetzte Gebiet wieder in Gang. In der frz. Kammer aber mißbilligte erstmalig eine größere Zahl Abgeordneter - u. a. Herriot - dieAußenpolitik Poincares. Die bedrohlichen Kursschwankungen des Franc trugen auch zum Sturz Poincares bei (S. 21). Schon am 1,. 2. 24 hatte Stresemann in Elberfeld eine nahe Verständigung vorausgesagt; im Mai war Herriot Min.-Präs. In Paris nahm im Febr. die internationaleKom- mission die Klärung der Reparationsfrage auf; in der Entwaffnungsangelegenheit wurde allerdings im März 24 dem dt. Botschafter eine un-erfreuliche Note der Botschafterkonferenz übergeben. Zur Hebung der Stimmung im Rheinland trug die Eröffnung der Kölner Messe am 11. 5. 24 durch Ebert bei; Marx teilte dort mit, daß die RR vorläufig das Sachverständigengutachten als Grundlage der Reparationsregelung ange-nommen hatte (S.22). In Köln war die Begeisterung für Ebert, diesem wahrhaft hervorragenden Manne, ... hinreißend. Zur Londoner Konferenz sagt Marx: Es ist schon etwas geleistet worden, das kann kein Unparteiischer leugnen! (S. 23). Die Bedeutung der Londoner Abmachungen war von kundiger Wirtschaftsseite früh erkannt worden. Man brachte sie mit Stresemanns "Silberstreifen am Horizont" vom 17.2.24 in Elberfeld zusammen; dort hatte er erkennen lassen, daß er ganz mit der von Dr. Wirth eingeleiteten Verständigungspolitik des Z einverstanden war. Bekam Marx für seine Außenpolitik vom RT am 6. 6. 24 nur eine kleine Mehrheit, so war Herriots Lage auch nicht rosig; im Senat machte ihm Poincaregroße Schwierigkeiten. In Elberfeld traf Stresemann vor dem Eisenund Stahlwaren-Industriebund am 11. 7. 24 richtige Grenzfestsetzungenfür das kommende Ubereinkommen (S.24). Bei der Londoner Konferenz aber war die dt. Delegation gleichberechtigte Partnerin; die Verhdlgn. wurden wärmer und intimer, je mehr die Zeit voranschritt. Gleich nach London am 3.9.24 wurde der von der frz. Verwaltung herausgegebene ,Nachrichtendienst. Berichtigungs- und Informationsblatt für das besetzte Ruhrgebiet' eingestellt. Immerhin wurden 1924 noch Mannheim und Karlsruhe, auch Königswinter geräumt; freilich verdüsterten sich die Aussichten für die Kölner Zone. Auch kamen am 10.12.24 von der Rhein- landkommission einschränkende neue Verordnungen heraus. Die Stellung Herriots war damals nicht sicher, man befürchtete das Kommen Mill- erands (S.25). Sthamer beschwerte sich, daß in Paris Räumungsbeschlüsse ohne Dtschld. gefaßt worden waren. Ob wegen der Entwaffnung die militär. Kontrolle oder die des Völkerbundes günstiger wäre, darüber konnte sehr gestritten werden; Marx gab am 30.12.24 eine Übersicht über die bis zum äußersten durchgeführte Entwaffnung. Nach ,Chikago Tribune' sollte die verzögerte Räumung Kölns auf Berichte des eng!. Botschafters Lord d'Abernon zurückzuführen sein (S.26). Moldenhauer wies dagegen auf, daß, wenn Köln im Jan. geräumt wurde, die frz. Truppen, die im Sommer die Ruhr verließen, durch dt. Land ziehen mußten. In der Tat hatten sich Herriot und MacDonald deswegen abge- sprochen. Lord d'Abernon hat sich immer einer durchaus loyalen und objektiven Haltung Dtschlds. gegenüber befleißigt. Marx' "Versöhnung-spolitik" aber wurde in der ,Dt. Tagesztg.' vom 30.12.24 verhöhnt (S.27). Marx erörtert in Auseinandersetzung mit Rechtsztgn. das frz. Ver- langen nach Sicherheit. Er hebt hervor, daß Köln wegen der eng!. Besatzung beneidet und deswegen allg.Insel der Seligen"genannt wurde. In der Tat hielt Oberst Piggot mit Entschiedenheit auf anständige Behdlg. der Bewohner (S. 28). Als Marx als RK einmal Köln besuchte, bat ihn Reg.-Präs. Graf Adelmann zu einem Besuch bei dem Oberst.29 S., Masch.-Erstsdlrift mit vielen eigenhädig Verbesserungen und Verweisen.1925 März 12 - Berlin: StS Kempner benachrichtigt Marx, daß er aus den Akten der Reichskanzlei feststellen konnte, daß in seinem Beisein StS Fischer am 11.12. (1924) Marx über die Entschädigung der Ruhrindustrie vorgetragen hat. Danach wäre der Reichsfinanzminister befugt ge-wesen, die Entschädigung selbständig zu regeln. Damals sollte aus den verfügbaren Reichsmitteln der Ruhrindustrie zunächst ein größerer Betrag als vorläufige Abfindung überwiesen werden. Bis zur endgültigen Regelung zöge sich die Angelegenheit über mehrere Jahre hin; diese Beträge sollten durch den Reichshaushalt laufen. Mit der chemischen Industrie und anderen Industriezweigen sollte gesondert verhandelt werden. Im Zusammenhang mit der Ruhrentschädigung sollte auch für die Auslands- und Kolonialdeutschen wieder etwas getan werden. Nach dem Vortrag, der keine Einzelheiten, vor allem keine Zahlen brachte, hat Marx Fischer um Referat im Kabinett gebeten. Der zuständige Reichskanzleireferent O.-Reg.-R. Dr. Grävell hat auf Anweisung Kempners alsdann sofort im Reichsfinanz- und Reichswirtschaftsministeriumdie Rechtsgrundlagen für die fragliche Regelung ermittelt. Nach mehrfachem Drängen teilte das Reichsfinanzministerium am 12. 1. 1925 der Reichskanzlei die erfolgte Regelung und den Inhalt des mit der Ruhrkohle-AG am 30. 12. 1924 getroffenen Abkommens mit. Von dem Gesamtbetrag der dem Reich obliegenden Entschädigung, der später auf 706,4 Millionen Mark errechnet wurde, waren der Ruhrkohle-AG 556 Mill. Mark zugestanden worden. Von diesen 556 Mill. Mark waren vor Ihrer Unterhaltung mit Herrn StS Fischer 318 Mill. Mark in den Monaten Juni bis Dez. 1924 teils bar, teils in E-Schatzanweisungen als VorschuBleistungen gezahlt; der Rest sollte in der Weise beglichen werden, daB 52 Mill. auf gestun-dete Steuern angerechnet, 110 Mill. zur Abdeckung einer Schuld der Ruhrkohle-AG bei der Reichsbank benutzt und 76 Mill. bar ausgezahlt würden. Die Anweisungen des Reichsfinanzministeriums zur Auszahlung und Verrechnung dieser restl. 110 und 76 = 186 Millionen Mark tragen die Daten vom 12., 20. und 26. Jan. 1925. Eh.Unterschrift.4 S., masch.-schriftl
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Die offiziellen Reisen ins Rheinland, besonders nach Köln,Düsseldorf und Bonn


Enthält : [1924] Mai 9 - 12: Programm für den Besuch von Ebert und Marx in Köln anläßlich Eröffnung der Messe.P/2 S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage: Liste der Ehrentafel und Speisefolge des Festmahls im Gürzenidl anläßlidl der ersten Kölner Messe.1924 Mai 14 - Wetzlar: OP Fuchs dankt Marx für das Gedenken anläßlich der Einweihung des Kölner Messe. Eh. Unterchlrift.1/2 S., masch.-schriftl. Ausf.1924 Juni 25 - Berlin: Gedicht auf Marx .Dem beste kölschle Jung'"3 So, hso, in Kölner Mundart.1924 Okto 16 - Köln: OB Adenauer bittet Frau Teusch, seine Bemühungenum Beihilfen für die Ausstellung aus Anlaß der Tausendjahrfeierder Zugehörigkeit der Rheinlande zum DR zu unterstützen.Eh. Unterschrift.1 So, Vervielf., Kopfbogen.1924 akt. 28 - Aadlen: OB Farwick lädt Marx zu einem Besuch ein.Eh. Untschrift.1/2 So, mascho-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1925 Febr.: "Tausendjahrfeier am Rhein".,Der Heimatdienst', 50 Jgo Nr. 2.1925 Juni 10 - Düsseldorf: Landeshauptmann Horion an Marx wegen bisher ausgebliebener Zusage zur Teilnahme an der Jahrtausendfeier.Eh. Unterschlrift.1/2 S., mascho-schriftlo Ausf., persönl. Kopfbogen.1925 Juni 12, 16, 18 - Berlin: Programm der Nachmittags-Vorstellung zu Ehren der Rhein. Jahrtausendfeier in der Staatsoper am Königsplatz,veranstaltet von den Berliner Frauenverbänden.4 S., Druck.1926 Febr. 10 - Berlin: Der Konservator der Kunstdenkmäler Hiecke übermittelt Fehrenbadl mit Bezug auf seine und Min.-R. Dr. SchnitzlersUnterredung mit Justizminister Am Zehnhoff eine Niederschriftüber die finanzielle Sicherung der Arbeiten am Kölner Dom. Eh.Unterschriftt.1/2 S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage die Niederschrift, 31/4 S.(1926 Febr. 20): Manuskript von Marx' Rede auf dem Festkommers der Studentenschaft der Universität Köln anläßlich der RäumungKölns.31/2 So, masch.-schriftl. In der Anlage das Programm des Kommerses.1926 März 20 - 23: Programm für die Reise des RP in die KölnerZone mit Liste der Berliner Teilnehmer.7 So, Durchschrift von Masch.-Schreiben.1926 März 21 - Köln: Einladung und Programm zur Befreiungsfeierder Stadt Köln.5 Drucksachen.1926 März 21 - Köln: Frühstück zu Ehren des RP, gegeben vom OP der Rheinprovinz.Drucksache.1926 März 21: Marx' Ansprache anläßlich des Besuches von Hindenburg in Köln.31/4 S., masch.-schfiftl., eigenhädig Verbesserungen.1926 März 21: Gruß der ,Kölner Universitäts-Ztg.' anläßlich des Hindenburgbesuches,1926 März 22 - Bonn, Krefeld: Speisefolge der Festessen zu Ehre des RP.3 Drucksachen.1926 April 3 -Wiesbaden: Der OB übermittelt Marx Ehrenkarten zum Besuch des Kurhauses und des Kochbrunnens. Eh. Unterschrift.1/2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1926 Juli 10 - 15: Reiseplan und Programm für Marx' Reise nach Köln, Düsseldorf, den Niederrhein und in die befreiten Teile des rechtsrhein. Brückenkopfes Köln.1, 2 und 4 S.(1926 Juli 11): Manuskript von Marx' Ansprache am Schlußtage der 11. Dt. Kampfspiele in Köln.P/2 S., masch.-schriftl. Dabei 6 Drucksachen.(1926 Juli 12): Manuskript von Marx' Ansprache anläßlich der Eröffnung der GESOLEI in Düsseldorf.3 S., masch.-schriftl.(1926 Juli 12 - 13): Speisefolge der Festessen zu Ehren von Marx in Neuß, Moers und Kleve.3 Drucksachen.1926 Juli 12 - 16: 24 Ztgs.-Ausschnitte über Marx' Rheinreise.o. D. (1926 Juli 15): Rednerliste für Marx' Besuch in Opladen: Landrat Lucas, Kaufmann Weltersbach (DVP) - Opladen, Stadtfürsorger Frein (SPD) - Leverkusen, BM Claes (Z) - Leverkusen, BM Wolters - Opladen, Fabrikant Lauterjung (DVP) - Radevormwald, Okonomierat Hummels-heim (DNVP) - Schlebusch, Pfarrer mQuadflieg - Opladen.1 S., masch.-schriftl., viele eigenhädig Notizen.o. D. (1926 Juli 15): Rednerliste für Marx' Besuch in Siegburg: BM Becker - Siegburg, BM v. Claer - Siegburg, Gen.-Dir. Dr. Müller, Dir. Hegels, Landwirt Schultes, die Gewerkschaftssekretäre Henseler und Klein, Kaufmann Olbertz und Dekorateur Wiesner. 1/2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1927 Mai 21 - 23: Vorbemerkung und Programm für die Reise nach Bonn zum Beethovenfest. 4 und 2 S., Durchschriften von Masch.-Schreiben. In der Anlage: Manuskripte für 3 Reden von Marx auf Beethoven, 2, 5 und 6 S., masch.-schriftl., z. T. mit eigenhädig Verbesserungen. Ferner: Prospekt über Bonn, Bitte um Eintrag ins Goldene Buch von Bonn, Programm und Speisekarte, sowie Ztgs.-Ausschnittüber den Besuch beim Bürgerverein.1927 Mai 24: Programm für den Besuch in Köln anläßlich der Automobilausstellung.1 5., Durchsduift von Masch.-Schreiben.1927 akt. 10: Speisefolge für das Frühstück im Reichskommissariatfür die besetzten Gebiete.Drucke.1927 Dez. - Bonn: Der Vorstand des Bonner Bürgervereins übermittelt Marx zur Erinnerung an den Besuch 2 Lichtbilder und einenEhrenpokal. 11 eigenhädig Unterschriften.1 5., hs. Ausf.1930 Juni 26 - Berlin: RK Dr. Brüning an Marx: Nach der Räumung der Rheinlande von fremden Truppen wird der Herr RP eine Reisein die befreiten Gebiete unternehmen. Aus diesem Anlaß veranstalten die Regn. der an der Besetzung beteiligt gewesenen Länder unter Beteiligung der RR größere Feierlichkeiten. Von dem Wunsche beseelt, daß auch Sie, der Sie während Ihrer Amtszeit in so außerordent-lichem Maße zu der Verwirklichung des jetzt erreichten großen Zieles beigetragen haben, bei einer dieser Feiern an hervorragender Stelle zugegen sein möchten, habe ich namens der RR den Herrn Preuß. Min.-Präs. gebeten, Sie zu den in Koblenz am 22.7. stattfindenden Veranstaltungen einzuladen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie es ermöglichen könnten, dieser Einladung, die Ihnen in den nächsten Tagen zugleich mit dem Programm zugehen wird, Folge zu leisten. Eh. Unterschrift.1 5., masch.-schrifU. Ausf., Kopfbogen.[193]0 Juli 9: Marx bedauert gegenüber Stadtsyndikus Dr. Schwahn, daß er an den Befreiungsfeiern von Mainz nicht teilnehmen kann. Gerade Mainz hatte schwer unter der Belastung starker Besatzungstruppen zu leiden, vielleicht am schwersten von allen Städten des ganzen besetzten Gebietes.P/c 5., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. In der AnlageEinladung und Programm, 3 S., Drucke.1930 Juli 9: Marx sagt OB Dr. Russell- Koblenz seine Teilnahme an den Befreiungsfeiern am 22.7. zu.1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung. Dabei 10Druckesachen.
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1925-1928
Die Räumungsfrage 1925-1928


Enthält : Erinnerungsbericht o. D. (geschrieben wohl 1936 *): Ende 1924 verschlimmerten sich die Aussichten für die in London bedingt zugesagte Räumung der Kölner Zone zum 10.1.1925. Herriot hatte zwar mitder Räumung von Dortmund-Hörde sowie Offenburg und Appenweier die .Geste" getan. Doch die weiteren Maßnahmen sollten davon abhängen, ob Dtschld. seine Verpflichtungen erfüllte. MacDonald erklärte die der Reparationen durch die Annahme des Londoner Vertrages als erfüllt; die wegen der Abrüstung hatte die von der Botschafterkonferenzeingesetzte Kontrollkommission zu beurteilen; nicht unbegründet war der Verdacht, daß die frz. Mitglieder in chikanöser Weise den Kommis-sionsbericht unbefriedigend gestalten wollten. Damit wollten sie auch Dtschlds. Beitritt zum Völkerbund hintertreiben; Marx erinnert an die darüber mit Lord Parmoor entstandene Unstimmigkeit (S. 1). In der Sicherheitsfrage nahm das Kabinett Luther mit den DNVP-Ministern eine Stellung ein, die unter den Kabinetten Wirth oder Marx zu den größten Anfeindungen geführt haben würde. Painleve, der Nachfolger Herriots, zeigte sich in seiner Antrittsrede vom 21. 4. 1925 entschieden friedfertig eingestellt (S.2). Tags zuvor hatte Marx in Koblenz auf seiner Kandidatenreise die Forderungen des besetzten Gebietes vorgetragen. Vorher hatte Luther am 19. 1. 1925 bei der Vorstellung seines Kabinetts die baldige Räumung der nördl. Rheinzone als wichtigstes Ziel bezeichnet. Fehrenbach verlas dazu eine Z-Erklärung, die von einer besonders zusammen-gesetzten Verslg., die der Gesamtorganisation der Partei in vollem Maße Rechnung trug, ausdrücklich gebilligt wurde. Über die Note der Entente vom 4.6.1925 mit den Feststellungen der Maßnahmen, die die Erfüllung der militär. Bestimmungen des Versailler Vertrages bedeuten würden, kam eine große Erregung auf (S.3).Im übrigen wurde im Ausland der Sturz des Kabinetts Marx Dez. 1924 als Ablehnung des Dawes-Planes durch das dt. Volk angesehen. Zudem gingen die Verhdlgn. über einen Handelsvertrag mit Frkr. nicht voran. Schüddng wollte wegen der Räumung das Haager Weltgericht anrufen. Die Jahrtausendfeier der Rheinlande 1925 stand ganz unter den polit. Schwierigkeiten. Immerhin wurden am 25. und 26.8.1925 die Sanktionsstädte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort geräumt (S.4). Hindenburg war im Sept. mit Luther in Essen und Düsseldorf. Am 16. 11. 1925 beschloß die Botschafterkonferenz, die Räumung der Kölner Zone am 1. 12. beginnen zu lassen: doch alles handgreifliche Beweise für die Richtigkeit der von der Reg. Luther festgehaltenen Außenpolitik, die im Vertrag von Locarno einen vorläufigen Abschlußfand. Dessen .Rückwirkungen~ bedeuteten - nach Priv.-Doz. Heyland - im allg. einen Rückschritt zu der vertragsmäßigen Lage von 1919. Aber Stresemann durfte über die hocherfreulichen Folgen befriedigt sein. Das Beamtenpersonal der Interalliierten Hohen Kommission wurde von 1300 auf 10 ermäßigt, von 300 Ordonnanzen sollten nur noch 30 gelten (S.5). Port kann 1926 von einer Verabredung zwischen Wilson, Clemenceau und Lloyd George vom 16.6.1919 berichten, wonach bei befriedigenden Garantien die Entente die Besatzung vorzeitig beenden konnte (S. 5a). Die Stärke der Besatzungstruppen - bisher in das Belieben der Mächte gestellt - wurde 1925 auch geregelt. Nichtsdestoweniger haben insbesondere die Dt.-Nationalen es unausgesetzt bei jeder passenden und nicht passenden Gelegenheit nicht unterlassen, über die ungeheure Schwäche der Regn. und aller derjenigen zu klagen, die mit dem Erreichten zufrieden zu sein behaupteten. ... Wenn in der Folgezeit die erwarteten besseren Ergebnisse der seit Wirth immer festgehaltenen Politik öfters ausblieben oder wenigstens nicht in dem erwarteten Maße eintraten, so ist das unbestreitbar vielfach auf die unvernünftige und geradezu unnationale Opposition der (DNVP) und ihrer Anhänger zurückzuführen. . . . Wie schmählich ist Dr. Stresemann wegen seiner Schritte in Locarno und Thoiry verhöhnt und angegriffen worden! (S.6). Zu Beginn von 1926 wurde zwar die Kölner Zone geräumt, aber die berüchtigte Entwaffnungskommission machte immer wieder Schwierigkeiten. Der sehr bewährte Wirtschaftsausschuß trat im FebL 1926 in Köln zusammen, wo OP Fuchs ergreifend die Sorgen des besetzten Gebietes seit 1923 schilderte und Langwerth von Simmern als neuer Rheinlandkommissar vorgestellt wurde. In einem frz. Blatt wurde 1926 vom Abg. Uhry auch einmal das Verhalten der Be-satzung getadelt (S. 7) und der Rücktritt Tirards begrüßt. Im März begleitete Marx den RP nach Köln und hörte von Adenauer Dank für seineSorge für die besetzten Gebiete Daß Briand 1926 Min.-Präs. wurde, bedeutete eine Erleichterung. In Frkr. war durch die dt. Zahlungendie Währung gestürzt, was Marx 1924 schon Dawes prophezeit hatte (S.8). Marx war seit Jan. 1926 Justizminister und Minister für die besetzten Gebiete; er erwähnt die Besatzungsstärke und die Berichte des Reichskommissars und des Ministeriums für das erste Vierteljahr 1926 (S.8a). Nach Herriots Sturz Juli 1926 - anschaulich von Hoesch geschildert - blieb dieser erfreulicherweise unter Poincare Unterrichtsminister, und Briand übernahm das Außenministerium. Doch waren noch genug starke Gegner Dtschlds. in der Reg. vertreten,insbesondere Marin und Tardieu, der böse Geist des VersaiIIer Friedensvertrags. In Frkr. folgte aus der Kabinettsveränderung Versteifung der Räumungsverhdlgn. In England bestritt Chamberlain vor dem Unterhaus eine Zusage, die Besatzung auf die Stärke der dt. Garnisonen vor dem Kriege herabzusetzen. Deswegen von der DNVP wegen seiner "Leichtgläubigkeit" in Locarno angegriffen, ließ Stresemann den gesamten Sachverhalt Ende Juli ausführlich dar-stellen (S.8b). Die Stimmung in Frkr. blieb wegen der Räumung nach wie vor ablehnend; die Minister hatten - auf Berichte der wohl stark nervösen Generäle hin - lebhafte Unterhaltungen mit Botschafter v. Hoesch. Unter diesen Umständen war die Aufnahme Dtschlds. in den Völker-bund geradezu als eine Erlösung zu betrachten (S. 8c). Die Finanzlage Frkrs., wo man Hilfe sucht, wo sie nur denkbar ist, brachteJuli!Aug. reiche Phantasien: Hiernach sollen Finanzverhdlgn. mit Belgien, Polen, Frkr. eingeleitet sein, alle mit dem Ziele, neues Land für Dtschld. zu ge-winnen. Dr. Schacht spielt eine Rolle, aber auch die Magnaten der Ruhr und die Leiter des Comite des Forges. Immerhin enthielten diese Phantasien Elemente des Young-Planes von 1929. Am 5.8.1926 wurde ein vorläufiger Handelsvertrag mit Frkr. abgeschlossen, dessen Verlängerungen stets schwierig waren (S.8d). Die Finanzlage Frkrs. - u. a. auch von Caillaux geschildert - legte unternehmenden Köpfen nahe, in ihre Bereinigung die Räumungsfrage einzubeziehen (S.8e). In dieser Lage tauchte ausgerechnet in Paris die Sage von einer dt. Anleihe gegen Rückgabe Eupens und Malmedys sowie Freigabe der 2. und 3. Zone auf; am 5.8.1926 wurde das in Dtschld. dementiert. Die Verhdlgn. über den Völkerbundbeitritt waren nicht gerade erbaulich, und die über die ganz selbstverständl. Voraussetzung des ständigen Ratssitzes wurden ein Schachergeschäft (S.8). Die frz. Einwände gegen eine endgültige Räumung ergaben sich in erschreckender Weise aus einem Memorandum von General Foch vom Okt. 1926. Der Amerikaner Pierrepont Noyes, früheres Mitglied der Rheinlandkommission, bezeichnete die Besatzung als sinnlos, und der frz. Historiker Bainville sagte: "Frkr. weiß selbst nicht, was es will". Doch Dtschld. konnte nicht mit Gewalt vorgehen, weil es sie nicht besaß (S.9). Die Abrüstungsverhdlgn. des Völkerbundes verliefen langsam, und die Kontrollfrage spielte stets noch eine unheimliche Rolle (S. 10). Der RR kann man ihr damaliges Verhalten nicht als Nachgiebigkeit oder Schwäche auslegen: Wie willkommen wäre den Gegnern von damals irgendein hartnäckiger Widerstand oder sogar ein gewaltsames Auftreten gewesen! Dergleichen hätte den dauernden Verlust des Rheinlandes und der Pfalz bedeutet. Maßgebende Personen, auch Briand, haben gesagt, daß man die Bestimmungen des Versailler Vertrages über die Räumung als willkommenen Vorwand anwenden könne und wolle, die Rheinlande überhaupt nicht mehr zu verlassen! Charakteristisch waren die wiederholten"Zwischenfälle", die sich gerade 1926 häuften (S. 11).Daß Anfang 1927 sich die Stimmung in Frkr. zum Räumungsproblem verschlechterte, mag u. a. auch durch den Eintritt der DNVP in die RR be-gründet gewesen sein. Die Räumungsverhdlgn. wurden fortgesetzt mit der Entwaffnung gekoppelt und durch die frz. Beschwerden über die Ausgestaltung einiger Ostfestungen belastet. Die Verhdlgn. darüber führte in vorzüglicher Art General v. Pawelsz. Die Bedeutung der Zu-sammensetzung der RR, zwar häufig zum Vorwand tür allerlei Querzüge mißbraucht, darf nicht übertrieben werden (S. 12). Die Räumung geriet wegen der mangelnden Sicherheit Frkrs. ins Stocken; zudem wurde die frz. Heeresreform hauptsächlich im besetzten Gebiet durch-geführt. Für die Genfer Verhdlgn. im Febr. 1927 gab Marx Stresemann einen Bericht über die traurige Lage des besetzten Gebietes mit. StS Weismann berichtete über eine Unterhaltung vom 9. 3. mit Briand und Boncour von entschieden dt.-freundlicher Gesinnung, doch sind Weismanns Meinungen mit Vorsicht auf-zunehmen (S. 13). Mit der Dauer der Besatzung wurde die Nervositätauf beiden Seiten größer. Recht hatte ,Le Soir' damit, daß, solange die Besatzung dauere, eine dt.-frz. Annäherung ausgeschlossen sei. Marx mußte als Minister für die besetzten Gebiete am 26. 3. im RT eingehend berichten (S. 14). Briand hatte sich schon Jan. 1921 nur vorsichtig zur Räumung ausgelassen; in Thoiry wollte er Stresemann den Versailler Vertrag mit den günstigen Klauseln als Mittel der dt.frz. Annäherung empfohlen haben. Poincare blieb vollkommen starrköpfig. Es zeugte von Mut und von großem Vertrauen auf die gute Sache, wenn die dt. Botschaft in Paris durch Botschaftsrat Dr. Rieth anfangs Mai Verhdlgn. mit Briand eröllnete, allerdings formell wegen Verminderung der Besatzungstruppen (S. 15). Sah die frz. Presse darin die Einleitung von Räumungsverhdlgn., so war der Rechten das wieder nicht genug: Man hat kein Verständnis für die Selbstverständlichkeit, mit der sich gewisse Forderungen ergeben, ohne daß man vorher sie mit großem Getöse ankündigt! Hergt hielt seine Rede in Beuthen, und der ,Stahlhelm' veranstaltete eine große Zusammenkunft in Berlin. Die vernünftigen Darlegungen von Kaas am 9. 5. auf dem Kölner Z-Parteitag fanden sogar den Beifall der ,Köln. Ztg.' und von Hussong; Marx bestreitet aber Kaas, daß man die Räumung zur Bedingung des Beitritts zum Völkerbund hätte machen können (S. 16). Es kam vielmehr darauf an, eine Plattform zu vertraulichen Aussprachen zu bekommen: Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß Dr. Stresemann viellach etwas' weitgehend vertrauensvoll sich gezeigt hat, wo der verschlagene Briand doch nur einige wohlwollende Worte gebraucht zu haben erklären konnte. Nach Berichten Stresemanns von Juni 1921 konnte gehofft werden, daß England den dt. Standpunkt in der Räumungsfrage als berechtigt anerkannte. Auch erhielt Stresemann den Friedensnobelpreis mit dem eng!. und frz. Außenminister. Die großen Meinungsver-schiedenheiten wurden im Sept. 1921 durch die Außenminister der Locarno-Mächte bereinigt. StS Pünder stellte jedenfalls Ubereinstimmung zwischen Dtschld., England und Frkr. fest. Auch Briand anerkannte das Recht Dtschlds. auf vorzeitige Räumung, bat aber vor den frz. Wahlen von Forderungen auf Truppenverringerung abzusehen. Poincare sei auch innerlich umgestellt. Ein schweres Hindernis sei aber die Haltung vonMarin (S. 11) Chamberlain warnte vor jurist. Auslegung von Art. 431. Auch Botschafter v. Hoesch unterstützte Briands Argument der Wahlen von Mai 1928. Stresemann entschied dementsprechend; er verhehlt sich allerdings auch nicht, daß es schwer sein wird, die öllentl.Meinung in Dtschld. so lange zu beruhigen und hinzuhalten (S.18). Von dem Vorgehen des RP in Tannenberg hat Marx vorher nichts gewußt, übernahm aber wegen seiner Anwesenheit nach außen die polit. Verantwortung. Der Friedensgedanke wuchs aber auch in Frkr., wie Reden von Herriot, Painleve und sogar Poincare erwiesen. Zu Optimismus gaben auch der dt.-frz. Handelsvertrag und das Glückwunschschreibendes Diplomat. Corps an den RP zum Geburtstag Anlaß. Auch die Truppen wurden merklich reduziert. Allerdings gerieten bei der Inter-parlamentar. Union Aug. 1921 Löbe und Senator de Jouvenelle aneinander (S. 19). Die dt.-nat. Verbände des besetzten Gebietes äußerten laut Unzufriedenheit. Friedfertiger gab sich zur Räumungsentwicklung Graf Westarp auf dem Königsberger DNVP-Parteitag am 21. 9.1921. Dagegen vertrat 'Wladimir d'Ormesson, der im allg. als ruhig urteilender Mann galt, einen schärferen Standpunkt fast als Poincare (S. 20). Jacques Seydoux wollte auch trotz guten Willens sonst - das "Zeitlupentempo der Räumung" (Kaas) nicht beschleunigt wissen. Zur Beruhigung der Bevöl-kerung unternahm Marx im akt. 1921 eine Reise ins besetzte Gebiet. Am 10. 10. empfingen ihn in Koblenz Reichskommissar Langwerth v. Simmern, OP Fuchs, OB RusselI. Marx betont, wie loyal die Rheinlande ihre berechtigten Wünsche vortrugen (S.21). Fuchs sagte, daß die Rheinl-änder ihre Freiheit nicht durch außenpolit. Zugeständnisse erkauft haben wollten. Auf der Weiterfahrt Besuch des Gutes von Langwert in Eltville. In Mainz gab es am 11. 10. einen großartigen Empfang durch die Bevölkerung. Im kurfürstl. Schloß war eine große Aussprache, die Staats-präsident Ulrich eröffnete. Ulrich war ausgesprochener Sozialdemokrat, aber ein sehr beliebter und vernünftiger Mann, angesehen auch bei anderen Parteien wegen seiner stets loyalen und nationalen Haltung (S.22). In Speyer erwarteten Marx Min.-Präs. Held und Minister Schmelzle; die veraltete Rheinbrücke wurde besichtigt, anschließend Dom und Kaisergräber. Das Frühstück gab Reg.-Präs. Matheus; er hat sich mit aller Energie der Interessen der Bevölkerung gegenüber der fremden Besatzung angenommen, so daß er vollen Lobes durchaus würdig ist. Sein Schicksal war natürlichauch später die Landesverweisung. Nach der Museumsbesichtigung folgte die Aussprache: Da wir in der Pfalz sind, werden die Reden teilweise auch mit dem nötigen Sarkasmus und guten Witzen durchsetzt. Marx erhält ein ausdrückliches Lob, weil er keine Versprechen abgegeben hatte, sondern nur zusagte zu helfen, wo er kann (S.23). Auf der Reise begleitete ihn der ganz ausgezeichnete Min.-R. Mayer, der unter dem Pseu-donym "Diplomaticus Rhenanus· auch schrieb. Erst im Dez. konnte Marx über die Reise im zuständigen RT-Ausschuß berichten (S.24). In-zwischen war in der Rechtspresse eine scharfe Äußerung von ihm über das Ausbleiben von Verbesserungen in Besatzung und Verwaltung des besetzten Gebietes vermißt worden. Wie wenig dergleichen damals nutzte, wie viel mehr sich durch vorsichtige Zurückhaltung erreichen ließ, erwies Briands Ansicht, daß der Locarnovertrag in den Rahmen des Versailler Friedensvertrages eingefügt ist und diesen nicht beein-trächtigt (S. 25). 1928 brachte eine Versteifung. Die Unbeständigkeit eines sonst so bemerkenswerten Mannes wie Briand trat hervor. Locarno und Thoiry erschienen wie ausgelöscht. Er gab vor, immer wie Poincare gefordert zu haben, daß die Räumung mit anderen Sicherheitsmaßnahmen, auch finanziellen abgegolten werden müßte (So 26). Der RP sagte dagegen auf Marx' Neujahrsrede: Fremde Militärgewalt und Besatzung sindunvereinbar mit einer endgültigen Befriedung. Briand und Painlevemachten sich auch fernerhin die Thesen Poincares zu eigen. Ersterer betonte am 2.2. 1928 im Senat die Wirkung des Versailler Vertrages über 1935 hinaus und schob Stresemann die Schuld über die Nichtausführung von Thoiry zu, weil angeblich keine Reparationsvorschläge eingereicht worden seien. Dagegen antwortete Stresemann am 29. 3., daß die beding-ungslose Räumung schon längst hätte erfolgen müssen im Interesse des Friedens und der Verständigung(S. 27). Dtschld. wollte den Frieden durch Beseitigung aller territorialen und polit. Konfliktstoffe, Frkr. wollte den Frieden auf der Grundlageder Existenzbehinderungen Mittel-europas durch die Pariser Vorortverträge, England wollte auch den europ. Frieden, aber keine neuen Bindungen über Genf und Locarno hinaus. Ende Mai verlangte auf einmal auch der poln. Außenminister Sicherheit und Pfänder und deswegen Beibehaltung der Rheinland-besetzung (S. 28). Auffällig waren die frz. Spionage und Beaufsichtigungen im besetzten Gebiet. Als die USA und Frkr. den Kellogg-Pakt abgeschlossen hatten, unterzeichnete ihn auch Stresemann. Lloyd George empfahl dringend Räumung, Poincare aber wollte daraus ein "Ge-schäft" machen in Zusammenhang mit den alliierten Schuldenproblemen und der endgültigen Festsetzung der dt. Schadensersatzverpflich-tungen. Der Reparationsagent Parker Gilbert aber verwirrte die Lage, indem er eine Revision des Dawes-Vertrages vorlegte, die in Paris angenommen, in London indessen abgelehnt wurde (S.29). RK Müller versuchte in Genf bei Briand die Räumung in Fluß zu bringen, erkannte die Verschleppungstaktik und verhandelte alsdann darüber mit den übrigen Versailles- Mächten. Das Erstaunen in Paris war groß. Auf Müllers Vorgehen wollte Briand die Militär-Kontroll-Kommission in eine Feststellungs-und Vergleichskommission umwandeln, allerdings mit Zuständigkeit über 1935 hinaus. Müller wies dies ab und verlangte überdies Gesamträumung, da die für 1930 bevorstehende Räumung der2. Zone keine polit. Auseinandersetzung lohnte (S.30). Im übrigen warf man Briand vor, er hätte mit Müller die Räumung nicht in Verbindungmit den Reparationen behandelt. Doch widersprachen diesem auch die USA. In der Unterhaltung mit Lord Cushendun scheint Müller zu-gestimmt zu haben, die Räumungsfrage gemeinsam mit allen Besatzungsmächten zu verhandeln. Da aber diese ihre Forderungennan Dtschld. zunächst festlegen sollten, blieb Verwirrung nicht aus (S. 31). Jedenfalls war die Erwiderungsrede Briands auf die Müllers wieder einmal eine Unbegreiflichkeit dieses sonderbaren Mannes. Hinterher soll Briand bestürzt gewesen sein über die Wirkung und seinen Rücktritt in Aussicht gestellt haben, wenn die Verhdlgn. mit der RR in Genf gefährdet sein sollten. Geärgert hatten ihn offenbar Müllers Schlußworte von dem doppelten Gesicht der internationalen Politik: der einfache Mann höre schöne Worte und sehe eine ganz andere Praxis: Bedenklich war, daß nun auch England die Räumung und die Reparationenerledigung zusammen gelöst haben wollte (S.32). Jedenfalls konnte man der dt. Delegation nicht vorwerfen, daß sie nicht entschieden genug vorgegangen sei. Die von Briandvorgeschlagenen Kommissionen aber wurden als .freundliche Maskerade" empfunden, obwohl sie auch in Frkr. Kontrollen hätten veranstalten dürfen (S.33). Nach einer engl. Meldung hätte Müller am 13.9. Briand ein bis dahin unbekanntes Dokument vom 19.6.1919 vorgewiesen, in dem Wilson, Clemenceau und Lloyd George Dtschld. bei Beweis guten Willens und bei Garantien für die Erfüllung der Verpflichtungen früher räumen wollten. Briand soll es als FetzenPapier bezeidmet haben, da Amerika den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet hätte. Aus Washington wurde die Existenz eines solchenPapiers bestätigt. Die USA wollten Dtschlds. Gesamtschulden bald festgestellt sehen, und Senator Capper sagte, daß die USA nichtschließlich Dtschld. gegenüber als einziger Gläubiger dastehen wollten, man lege Wert auf ein friedliches und gutes Verhältnis. DieGesamtbesprechung der Versailler Vertragsrnächte kam schließlich zustande (S. 34). Kaas hat das Einigungsergebnis über 3 Punkte ausgezeichnet gedeutet. Der Redakteur Georg Bernhard von der ,Vossischen Ztg,' hat darauf am 17.9. verletzende Verdächtigungen geäußert(S.35). Briands Optimismus auf rasche Regelung der Reparationen, spitzte sich bald auf die Forderung nach Revision des DawesPlaneszu. Als Lord Cushendun eng!. Ermäßigungen in Aussicht gestellt- hatte, beharrte das Schatzamt auf der Balfourschen Regel, daß nämlich die festländ. Einnahmen nicht niedriger sein durften als die Zahlungen Englands an die USA. Damit waren Räumung und Reparationen in praxi verkoppelt. In Genf aber verdichtete sich die Stimmung zu einem baldigen zweiten Locarno (S. 36) i man ahnte also schon die Haager Konferenz. Dem RK wird meist Lob gespendet, daß er für den erkrankten Stresemann nach Genf gegangen ist; man hebt auch den kleinen Fortschritt in der Räumungsangelegenheit hervor, die Briand zu behandeln vor der Konferenz glatt abgeschlagen hatte (S.37). Die auffallende Unterstützung Frkrs. durch England wurde verständlich, als durch eine Indiskretion ein Flottenabkommen zwischen den beiden Staaten bekannt wurde. Die USA betrachteten es als gegen sich gerichtet (S.38).Es ist durchaus richtig, daß vielfach etwas zu viel Lob und Anerkennung den Beschlüssen von Locarno namentlich seitens der DVP gezollt worden ist. Wirth sprach mit vollem Recht von Illusionspolitik". Tatsache ist sicher, daß von den maßgebenden Staatsmännern Englands wie Frkrs. dem dt. Außenminister Versprechungen gegeben worden sind, die als in privatenUnterredungen geschehen (Thoiry) später nicht anerkannt wurden, als sich Schwierigkeiten bei den eigenen Volksgenossen geltend machten. Um so mehr trat die Pflicht Dtschlds. zutage, nun mit aller Entschiedenheit auf Klarheit über die' gesamte Lage zu dringen. Marx betont den Wert persönl. Aussprachen, die ihm auch in London 1924 zustatten kamen. So erstrebte auch Stresemann im Dez. 1928 wieder eine Aussprache mit Briand und Chamberlain, weil sie sich solange nicht gesehen hätten (S.39). Mit Rücksicht auf Stresemanns und Chamberlains Gesundheit fand die Aussprache ab 8.12.1928 in Lugano statt. Jetzt bestritt man sogar ein Räumungsrecht Dtschlds. aufgrund von Art. 431, man wollte es erst für die Zeit vollständiger Erfüllung der Verpflichtungen anerkennen. Lord Parmoor wandte sich dagegen, aber Lordkanzler Hailsham unterstützte die Auslegungen Chamberlains. Die Lage war bedeutend schlechter als in Locarno; erst sollten die Reparationen gezahlt, dann die Räumung erledigt werden (S.40). Die frz. Besatzung verhielt sich im besetzten Gebiet wie in einem feindl. Land. Der Stadtverwaltung Ludwigshafen untersagte die Rheinlandkommission eine Kundgebung zum 10. Jahrestage der Besetzung. Marx hörte vom Bürgermeister von Königstein (Taunus) viele Klagen. Charakteristisch waren die frz. Manöver von Sept. 1928 in der Eifel, an der sich auch eng!. Regimenter beteiligten.Stresemann brachte dies in Lugano Chamberlain vor (S. 41), der alles abschwächte. Marx schrieb über alles Jan. 1929 einen Art. in ,ForeignAffairs'.42 S., dazu die S. 5 a und 8 a-e, Masch.-Erstsduift mit vielen eigenhädig Verweisenund Verbesserungen.* Auf S. 3 sagt Marx, daß er diese Erinnerungen später als die über LocamoThoiry geschrieben hat. Diesen Bericht - Nr. 115 - hat er mit Jan. 1935 datiert. Auf S. 1 sagt Marx, daß er über die Londoner Konferenz 1924 noch schreiben wolle; das hatte er zwar 1929 - vgl. Nr. 103 - schon getan, doch hat er wohl 1936 noch Zusätze gegeben. Im vorliegenden Bericht spricht er (S.9) davon, daß Ereignisse von 1926 zehn Jahre zurücklägen.Somit bietet sich 1936 als Abfassungszeit am ehesten an.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 85



Die Besetzung und Räumung der Pfalz,der "Fall" Hofmann-Ludwigshafen


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1936; vgl. Anm. zu Nr. 85): Die Pfalz hat in früherer Zeit mehrfach Frkrs. Eroberungsgelüste gereizt.Nach dem Weltkrieg hatten Engländer und Amerikaner eine Annexion verhindert. Eine lange Besetzung aber setzte Frkr. durch. Von der Ruhr abgesehen, hat die Pfalz wohl am härtesten unter der Besatzung zu leiden gehabt. Diese versuchte es zunächst mit vorgetäuschter Milde; als die Pfälzer am Vaterland treu festhielten, mit brutaler Gewalt. Auf Betreiben des ungemein verdienten Abg. Hofmann brachten Z, DVP, DNVP und DDP eine Interpellation wegen der Separatisten ein, die Hofmann und KoreIl am 20. 2. 1924 begründeten (S. 1). Ersterer beeindruckte durch Verlesen eines Dankbriefes von Marschall MacMahon an General v. Manteuffel, der 1871 dt. Besatzungstruppen in Frkr. kommandierte. Leider hatte sich auch der SPD-Abg. Hofmann-Kaiserslautern zu Verhdlgn. mit General de Metz hinreißen lassen, die schließlich doch auf die Trennung vom Reich hinausliefen; Geck-Mannheim versuchte am 21. 4. 1924, den Parteikollegen zu rechtfertigen (S.2). Die Erregung stieg derart, daß eszuletzt zu den Katastrophen von Pirmasens kam und zu der Ermordung von Heinz-Orbis; dabei war der Times-Korrespondent O. E. R. Gedye, der Verfasser von "Revolverrepublik" , selbst zugegen. Höfle und Stresemann legten dem RT die einschlägigen Maßnahmen der RR dar; die frz. Reg. hatte in einer Note vom 2. 2. 1924 alles als innerdt. Vorgänge bezeichnet, die sie nichts angingen; einer dt. Antwort vom 4. 2. 1924 verweigerte sie die Annahme. Als die SPD unter Hofmann-Kaiserslautern sich zurückgezogen hatte, hatte das die Folge, daß de Metz nunmehr seine Hilfe bei den Separatisten suchte und die Pfalz als autonomen Staat ausrief. Er ging deswegen auch denKreistag der Pfalz an (S. 3); dieser aber erklärte sich unter seinem Vors. Bayersdörfer für unzuständig. Der hochverdiente Reg.-Präs. Matheus war schon während des Ruhr-kampfes ausgewiesen worden. Aufsehen erregten die Mordtaten des Unterleutnants Rouzier am 26./27.9. 1926 in Germersheim; skandalöser aber waren sein Freispruch durch das Kriegsgericht in Landau und die Verurteilung des von ihm ohne Veranlassung angeschossenen Deutschen Mathes (S.4). Obwohl Rouzier die eigene und die durch ihn der frz. Armee zugefügte Schande bedauerte, beglückwünschten ihn die Richter ostentativ. Langwerth v. Simmern übermittelte Tirard energische Erklärungen. Der Gerichtsverhdlg. hatte Gedye beigewohnt. Die Rechtspresse forderte aber Dez. 1926 Abbruch aller Verhdlgn. über Entwaffnung, Zurückziehung der Besatzung, Uberprüfung von Versaillesund Aufhebung der Kriegsschuldlüge (S. 5) i wo die Machtmittel zur Durchsetzung dieser Forderungen waren, wußte sie allerdings nicht.Leute der Rechten würden auf die Frage nach ihrer Außenpolitik nur verlegenes Lächeln und faule Ausreden gehabt haben; auch sie hättenschließlich wie die angeblich Schwachen und Törichten nur die Not der Zeit auf sich nehmen können. So wurde auch Langwerth v. Simmern gleich nach seiner Ernennung zum Reichskommissar wegen seines Schweigens und seiner Zurückhaltung angegriffen (S. 6), während Bell nach Reden in Speyer und Mainz im akt. 1926 geradezu verhöhnt wurde: Eine einhellige und einmütige Haltung der Parteien aller Richtungen würde eine wahrhaft nationale Tat gewesen sein! ... Man muß den Schilderungen (von Dr. Matheus) folgen von den schlauen, hinterlistigen Bemühungen des Generals Gerard an über die diplomat. Künste eines Tirard bis zu den Roheiten und Gewalttätigkeiten eines Generals de Metz!Hofmann-Ludwigshafen und Pfarrer Fink betonten 1930 die Vaterlandsliebe der Pfälzer, Graf Amberg schilderte die Separatisten (S.7). Dem engl. Gen.-Konsul Clive, dem die Franzosen zunächst Schwierigkeiten machten, war wohl hauptsächlich die Abberufung von de Metz zu verdanken. Der "Fall" Hofmann-Ludwigshafen wurde 1926 gegen den sonst hochverdienten und geschätzten Abg. hochgespielt (S. 8). Bei einer Verslg. in Landau im FebL 1919 soll er die Verteilung einer franzosenfreundlichen Resolution unterbunden und in einer Rede, die ohne sein Wissen mitstenographiert worden ist, eine autonome Republik Pfalz empfohlen haben. Marx erinnert an ähnliche Vorgänge in Köln am 6. 12. 1918 und die Unterscheidung des Limbourg-Gerichtes zwischen den Bewegungen 1919 und 1923/24.91/2 S., Masch.-Erstsmrift.1926 Juli 18 - Ludwigshafen: Stadtdekan M. Walzer teilt Marx aus Recht und Gerechtigkeit mit: So wie Hofmann damals - 1919 sich äußerte, hat unter dem Zwang der damaligen Verhältnisse nahezu die ganze Pfalz gedacht ... Die, die ihn heute pharisäerhaft anklagen, haben zum größten Teil gerade so geredet und gehandelt. 2) In den Kreisen der BVP, die zu meinem größten Bedauern die Aktion der Nat.-Sozialisten gegen H. mitmachen, istzum guten Teil persönl. Abneigung gegen H. bewußt und unbewußt maßgebend. Ich schreibe dies aus der genauesten Kenntnis der Verhältnisse heraus. Hofmanns nationale Gesinnung anzuzweifeln und ihm die - dazu unrichtig wiedergegebene - Äußerung anzulasten, ist große Ungerechtigkeit. Ich glaube, dieses Zeugnis Herrn Hofmann gerade als sein polit. Gegner schuldig zu sein, und weiß hiebei mich einig mit der großen Mehrzahl der kath. Geistlichen der Pfalz. Eh. Unterschrift.3 S., eigenhädig Ausf.1926 Aug. 25 - Badenweiler: Hermann Hofmann würde Marx dankbar sein für ein Eintreten der Reichsparteileitung gegen den ,Eisenhammer' der NSDAP und das ,Pfälzer Tageblatt' der BVP. Reg.-Präs. Matheus hat ihm von einem Disziplinarverfahren gegen sich selbst oder von gericht!. Austrag der Angelegenheit abgeraten und rein polit. Kampf empfohlen. Der enge und weitere Vorstand des pfälz. Z hat bereits zweimal die Angriffe zurückgewiesen, in Verslgn. erhielt er Vertrauenskundgebungen. Als Vertrauensleute benennt er Bürgermeister Dr. Siben-Deidesheim, Rechtsanwalt Schreiner-FrankenthaI, Landessekretär d. christI. Gewerkschaften Jakob Gable-Neustadt a. H. und Chefredakteur Dr. Fink-Ludwigshafen. Er schildert seinen Kampf gegen die Separatisten und besonders den Demonstrationszug der 40000 am 17.12.1923 in Ludwigshafen. Da kommt nun ein Hitler-Jünger von München in die Pfalz und verdächtigt mich als Landesveuäter. Die BVP griff ein: Sozialde-mokraten erklärten mir gegenüber, daß der Bruderkampf in ihrem Lager seinerzeit doch in nobelerer Weise geführt wurde. Von den gesundheit!. Folgen ist er soweit gekräftigt, daß er mit der Dt. Jugendkraft eine Romfahrt zu der internationalen kath. Olympiade unternehmen kann, Eh. Unterschrift. 3 5., eigenhädig Ausf. auf Kopfbogen ,RT, Abgeordneter'. (1928, nach Febr. 2): Dokumentation zum .Fall" Hofmann mit Wiedergabe von Briefen der Reg.-Präs. v. Winterstein und v. Clingenspergh.6 S., Vervielf.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 86



1923-1926
Die interalliierte Militärkontrolle


Enthält : Erinnerungsbericht (geschrieben April 1936): Auf der Londoner Konferenz 1924 wurde die Räumung der 1. Zone für Jan. 1925 vorgesehen unter der Bedingung, daß eine Revision der Interalliierten Militärkommission keine Verfehlungen erbrachte. Schon 1924 ging das Gerücht von festgestellten Verfehlungen (S. 1). Als RK hatte Marx die Freuden der Entwaffnungs/rage voll und ganz zu kosten. Es waren keine besonders rosigen Stunden, wenn sich die Vertreter der Alliierten bei mir anmelden ließen und dann Lord d'Abernon an ihrer Spitze mir eine neue Note der vereinigten Regn. zur Kenntnis brachte, in der immer wieder Klagen über widerrechtlich angebrachte Befestigungen oder Ansammlung von militär. Kräften vorgebracht wurden. Marx schildert den Notenwechsel der ersten Jahreshälfte 1924 (S.2) und wertet die Note von MacDonald und Herriot aus Chequers als sehr viel milder:... Man spürt eben schon die Luft von London und die gerechtere Beurteilung der Lage Dtschlds. Die RR willigte am 30. 6. 24 in eineGeneralinspektion ein, weil damit die Dauerkontrolle beendet war. Das machte in Paris einen günstigen Eindruck. Alsdann begann die Lon-doner Konferenz, der dank des wirklich vernünftigen und gerechten Sinns MacDonaIds der von Frkr. gewünschte ultimative Charakter genommen war.3 S. (unvollständig), Masch.-Erstsduift, eigenhädig Verbesserungen und Nachträge.1923 April 17: Beratung des Haushalts des Ausw. Amtes verbunden mit der Interpellation der DNVP betr. Außenkontrolle durch die Inter-alliierte Militärkontrollkommission.Stenograph. Bericht über die 335. Sitzung des RT, S. 10565-10594.1923 Nov. 28 - Berlin: Das Ausw. Amt weist den StS in der Reichskanzlei auf eine eng!. Pressemeldung hin im Zusammenhang mit der aus polit. Gründen geborenen Notwendigkeit, die dt. Zahlungen für die interalliierten militär. Kontrollkommissionen nicht auszusetzen. Jeder Zwischenfall und jede Obstruktion arbeitet den Franzosen nur in die Hände. Unterschrift: Ritter.P/2 S., Vervielf.1923 Dez. 13: "Entwaffnung und Entwaffnungskontrolle (Rückblick und Ausblick)", Denkschrift von v. Pawelsz (?).101/2 S., masch.-schriftl.. Sichtvermerk von Stresemann.1924 Juni 4 - Paris: v. Hoesch telegraphiert nach Gespräch mit Major Neywood, daß er mit Keßler überzeugt ist, daß eine Generalinspektionmit Tendenz baldiger Kontrollbeendigung kommt. Engländer und Italiener haben betont, daß auch die Franzosen die Zwecklosigkeit des bisherigen Kontrollsystems eingesehen haben. Unzweifelhaft wird die jetzige frz. Reg. eine Neuregelung anstreben. Dennoch wird die Generalinspektion keine Scheinhdlg. werden. Die Engländer betrachten sie zwar als ein Element des Vertrauens, als Vorbedingung zu späterer Befassung des Völkerbunds und zu allg. Abrüstung, aber zweifellos ist mit einer ernst zu nehmenden Kontrolle zu rechnen. Ein Treffen von Clive, der zeitweise in Köln stationiert war, und Neywood mit Seeckt hat nur Sinn, wenn Lenzer auf die geschilderten Gedankengänge der Engländer eingeht, die bei den Franzosen kein Mißtrauen erregen wollen. Nach Auffassung v. Hoeschs muß die Militärkontrolle nach derUmwälzung in Frkr. anders bearbeitet werden. Es paßt nicht mehr, daß man sich wie gegen das Poincaresche System der Erniedrigung Dtschlds. auflehnt. Frkr. besitzt für 4 Jahre ein Parlament, dessen Zusammensetzung die Führung einer imperialist. Politik sehr erschwert. .. Wir werden die Früchte aus der Umwälzung um so leichter ernten, je mehr wir die bisher notwendigen Methoden der Abwehr und des Mißtrauens durch solche des Vertrauens und der Zusammenarbeit ersetzen. Die Generalinspektion sollte also zugegelassen werden. RR und Seeckt sollten sie mit der Abkehr Frkrs. von der Gewaltpolitik begründen.2 5., Telegrammformblatt.1924 Juni 4 - London: Sthamer beurteilt die Haltung der engl. Reg. zur Kontrollfrage. Weil man befürdltet, daß illegale Organisationen in der kontrollosen Zeit sich vermehrt haben, hat die Reg. erklärt, daß sie wegen der dt. Abrüstung nicht beruhigt ist. Bei einer Generalinspektion wird nicht formal, sondern wirklich und eingehend untersucht werden. Die Kontrolle vertragswidriger Zustände wird bis zur Beseitigung aufrechterhalten. Groß ist allerdings der Wunsch, nichts Vertragswidriges zu finden, damit die Kontrolle abgeschafft werden kann. Sthamer besitzt freilich keinen Anhalt zu beurteilen, wieweit in dem Wunsch, unter die dt. Abrüstung einen Schlußstrich zu setzen, Ubereinstimmung zwischen den Alliierten besteht.1 5., Telegrammformblatt.1924 Juni 24 - Berlin: Der preuß. Innenminister übermittelt Marx im Hinblick auf die alliierte Militärkontrolle einen Auszug aus Ausführungen,die er am 18. 12. 1923 den preuß. Staatsministern hat zugehen lassen. Eh. Unterschrift: Severing.I/Z 5., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. In der Anlage der angegebeneAuszug:[1923 Dez. 18]: Mit der sog. Sicherungstrage hängt es zusammen, wenn der Franzose tortdauernd gegen den staatl. Charakter der Polizei als einer angebl. Militärtruppe ankämpft. Daß die preuß. Polizei, insbesondere die des besetzten und Einbruchsgebiets, nicht zu straff zusammengetaß/, sondern in ihrer Organisation durch die bestehenden Verhältnisse bedingt ist, beweist wohl am deutlichsten die "Dienstnote" des Hauptquartiers Düsseldort vom 3. 12.23, unterzeichnet "Degoutte", derzufolge in den größten Städten des Ruhrgebiets eine "Ergänzungspolizeitruppe" unter dem Namen "Polizei-hundertschaft" zu bilden [ist]. Eine volle Sicherung der alliierten Mächte ist durch die Art. 42 ff. des Versailler Vertrages gegeben. Immerhin könnte, um den immer wieder hervortretenden Bestrebungen der Franzosen und Belgier entgegenzukommen, zugestanden werden, daß in den Orten mit staatl. Polizeiverwaltung den OBn. persönlich der Auftrag zur Leitung übertragen wird. Auf Poincares Mitteilung an den dt. Gesmäftsträger, daß wegen Behinderung der Tätigkeit der Interalliierten Militärkontrollkommission von einer loyalen dt. Ausführung des Versailler Vertrages nimtgesprochen werden kann, glaubt Severing, es sei bis zu den frz. Behauptungen nimt weit, daß durch die Verhinderung der Kontrolltätigkeitder passive Widerstand fortgesetzt oder durch heiml. Kriegsrüstungen die Sicherheit der Alliierten gefährdet werde. Daher sind auch Konzessionen an die Interalliierte Militärkontrollkommission ins Auge zu fassen. Wenn dabei auf die Stimmung in der dt. Bevölkerung Rücksicht genommen werden muß, so würde im Ausland dies als Beweis nicht nur entgegenkommenden Verhaltens und friedfertiger Gesinnung, sondern auch des guten Gewissens wegen der Abrüstung aufgenommen. Ein Entgegenkommen Dtschlds. empfiehlt sich um so mehr, als sonst auf starken Druck Frkrs. hin die anderen alliierten Mächte dessen Forderungen beitreten und die dt. Reg. binnen kürzester Frist notgedrungen, besonders um die Lage der besetzten Gebiete zu erleichtern, nachgeben würde. Ein sofortiges dt. Zugeständnis aber berechtigt, von Frkr. Entgegenkommen fordern zu können. Rein praktisch bin ich der festen Uberzeugung, daß durch eine erneute Tätigkeit der InteralliiertenMilitärkontrollkommission die wirkI. Sachlage gar nicht verändert wird, da '" die Franzosen durch Spione und Zuträger doch alles für sie Wichtige erfahren; die Nichtwiederaufnahme der Kontrolltätigkeit würde also praktisch nichts nützen, im Gegenteil nur schaden und während der Dauer dieses Zustandes die Interalliierte Militärkontrollkommission sich mit einem Schein des Rechts auf die zweifellos große Anzahl der ihr zugehenden Geheimberichte mit Anschuldigungen gegen die dt. Reg. berufen können, während sie bei freier Wirksamkeit der InteralI. Militärkontrollkommissionfür deren Erfolg selbst verantwortlich 'ist (/).Was die Polizei betrifft, so bedarf es der Hervorhebung, daß Preußen hinsichtlich Organisationund Bewaffnung seiner Polizei tatsächlich nichts zu verbergen hat. Ich habe stets dafür gesorgt, daß die Polizei einwandfrei gestaltet, gehandhabt und ausgerüstet ist; dabei habe ich jede Geheimniskrämerei vermieden. In diesen Fragen haben wir nichts zu verheimlichen und können der Wieder-aufnahme der Kontrolltätigkeit in völliger Ruhe entgegensehen.2 S., masch.-schriftl. Abschrift.1924 Aug. 23 - Paris: Stocklossa telegraphiert über einen Leitart. des ,Temps' über den frz. Plan der militär. Kontrolle Dtschlds. durch den Völkerbund.1 S., Telegrammformblatt.1925 Juni 8: Der Reichsaußenminister übermittelt dem RT die am 4. 6. übermittelte Note der Alliierten in der Entwaffnungs- und Räumungs-frage.RT III, 1924-25, Ds 971.1925: Materialien zur Entwaffnungsnote, hg. vom Ausw. Amt.159 und 21 S.
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1923-1925
Entwaffnung und Räumung 1923-1925


Enthält : 1923 Nov. 28 - Berlin: Der Reichsfinanzminister stellt dem RK die Gefährdung der Finanzlage des Reichs durch die Besatzungskosten vor. Allein die Oberfinanzkasse Köln hat täglich 8,8 Mill. Goldmark zu zahlen. Eine Abänderung muß in kürzester Frist herbeigeführt werden. Er beantragt daher, daß das Ausw. Amt mit der frz., engl. und belg. Reg. verhandelt mit dem Ziele, unter Hinweis auf die verzweifelte Finanzlage des Reiches und auf die Unmöglichkeit, die in Angriff genommene Sanierung der Reichsfinanzen bei Fortsetzung der Zahlungen im bisherigen Umfange aufrechtzuerhalten für die Zeit der Sanierungsaktion der Reichsfinanzen eine Einstellung der Leistungen an die Besatzungstruppen zu erreichen unter Anerkennung der Verpflichtungen des Versailler Vertrages unddes Rheinlandabkommens. Faksimilierte Unterschrift: Luther.5 S., Vervielf.1923 Dez. 14 - Washington: Wiedfeldt telegraphiert Zusammenfassung des Interviews von Marx an die ,World', worin dieser über einen Appell an den Völkerbund, die Hoffnung, daß Rhein und Ruhr, wenn nicht preußisch, so doch dt. bleiben und über deo Bankrott des Staates gesprochen hat.1/2 S., Formblatt.1923 Dez. 15-17 - Paris: 6 Telegramme mit Presseübersichten vonWertheimer.2, 6, 31/2, 3, 2, 2 S., Formblätter.1923 Dez. 25 - Paris: Hoesch telegraphiert, daß - von Millerand geschickt - der Journalist Sauerwein vom ,Matin' ihn aufgesucht habe. Dieser wollte nach einem Gespräch mit Poincare über die Dispositionen der RR etwas hören und den ,Matin' für den Verständigungsgedankenzur Verfügung stellen. Durch Sauerwein war Rechberg zu Poincare, Foch, Barthou, Loucheur und Seydoux vermittelt worden. Dessen Idee der industriellen Beteiligung dürfte die RR wohl vorerst ablehnen. Hoesch sagte Sauerwein, daß alle Reparationspläne nur dann für Dtschld. Interesse hätten, wenn sie sich nicht in einer Preisgabe dt. Guts erschöpfen, sondern wenn damit auch der Weg der Befreiung erfolgreich beschritten und durchschritten werden könnte. Rechberg hat Hoesch nach seinem Besuch bei Poincare aufgesucht.1 S., Formblatt.1923 Dez. 28 - Berlin: Der Reichsfinanzminister überreicht dem RK eine Zusammenstellung von Tatsachenmaterial über die Besatzungskosten.66 S., Vervielf.1923 Dez. 31 - London: Sthamer telegraphiert über eine Unterredung mit Crowe wegen Einstellung der Besatzungskosten.11/2 S., Formblätter.1924 Febr. 5 - Berlin: Der StS der Reichskanzlei teilt den Mitgliedern des Rhein-Ruhrausschusses des Kabinetts vertraulich mit, daßnach Bericht von Min.-R. Graf Adelmann, Vertreter des Ministersfür die besetzten Gebiete in Köln, Justizrat Mönnig und OB Adenaueram 1.2. folgende Gegenstände zur Sprache bringen wollen: 1. Aufschluß über die allg. polit. Lage. Den Vertretern der besetzten Gebiete müsse der gesamte Inhalt der frz. und belg. Antworten auf die in Paris und Brüssel überreichten Rhein-Ruhr-Noten der RR und der Stand der gegenwärtigen Verhdlgn. mitgeteilt werden; 2. für die Arbeit des 60er Ausschusses bedürfe es gewisser im Einvernehmen mit der RR aufzustellender Richtlinien schon aus dem Grunde, damit dem Ausschuß nicht von irgendeiner Seite der Vorwurf mangelnder Aktivität gemacht werden könne; 3. die Fortsetzung der Zahlung der Besatzungskosten müsse unbedingt sichergestellt werden, insbesondere müßte den betroffenen Städten auch ein Ausweg eröffnet werden aus den Schwierigkeiten, in die sie durch Ablehnung der Bezahlung von Kasernenbauten seitens der RR (Gesamtbetrag 25 Mill. Goldmark) geraten werden; 4. Erneuerung der Micum-Verträge; 5. die Eröffnung eines Reichskredits an die Kommunen der besetzten Gebiete als Ersatz für die der Rheinlandkommission verweigerte Genehmigung der Herausgabe wertbeständigen Notgeldes durch die Landesbank (Kommunalmark); 6. Aufschluß über den Stand der Verhdlgn. zwischen der Reichsbahn und der Regie; 1. Frage der Behdlg. der Regie-Bahnbeamten.Gez. Unterschrift: Bracht.1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1924 Febr. 5 - Düsseldorf: Der OB berichtet dem RK über die durch Beschlagnahmen von Wohn- und Geschäftshäusern, Lagerräumen und Fabriken heraufbeschworene Wohnungs- und Raumnot. Eine Einzelaufstellung über den Umfang der Anforderungen ist beigefügt. Für die Herstellung von Kasernen soll das Reich die Kosten übernehmen; es sollen die begonnenen 113 Wohnbauten fertiggestellt werden; dann muß der Stadt die Schaffung neuen Wohnraums für die Ausgewiesenen ermöglicht werden. Zur Finanzierung müssen der Stadt ausreichende Geldquellen erschlossen werden; wenn wertbeständiges kommunales Geld geschaffen wird, brauchen die Reichsfinanzen dazu nicht in Anspruch genommen zu werden. Um laufende Einnahmen in größerem Maß zu schaffen, sollte im ganzen Reich 1/4% Umsatzsteuer mehr erhoben und dieses Mehr dem besetzten Gebiet überwiesen werden. Ferner soll das Reich an Düsseldorf erstatten die von der Besatzungsbehörde für den Finanzdienst beschlagnahmten Beträge, die Strafen für Sabotagen und die Zinsen von für das Reich vorgelegten Besatzungskosten. Für Okkupationsleistungen soll das Reich rechtzeitig Vorschüsse leisten:Eh. Unterschrift: i. V. Geusen.31/z S., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen. In der Anlage der Berichtüber die Wohnungs- und Raumverhältnisse in Düsseldorf, 4 S., masch.schriftl. 1924 März 14 - Köln: Der Vors. des Verbandes der Stadt- und Landkreise des besetzten Gebiets berichtet dem RK über die wirtschaftl.Lage des besetzten Gebiets und ihre Einwirkung auf die Gemeindefinanzen.Unterschrift: Dr. Adenauer.17 So, Vervielf., Anschrift und Unterschrift in Mascho-Erstschrift.1924 April 1: 4. Denkschrift des Reichsministers für die besetzten Gebiete über die Besatzungskosten mit einem Anhang über die Ausgaben Dtschlds. für die Interalliierten Kommissionen.52 So, Drudt.1924 Mai 22 - Düsseldorf: OB Dr. Lehr berichtet Marx, daß die frz. Besatzungsbehörde, nachdem der Stadt eine letzte Frist bis zum 11.5. für die Kasernenbauten erfolglos gestellt war, nun die im Kunstpalast noch nicht beschlagnahmten Räume, die Rote KreuzHalle, die Kaserne der früheren Schupo an der Münsterstraße, Werk 5 der Rhein. Metallwarenfabrik, die Konzertsäle des Zoolog. Gartens, den größten Teil des städt. Schlachthofs und die an der Grafenberger Allee gelegenen Werke von Rheinstahl beschlagnahmt hat. Von der Beschlagnahme der Schupokaserne sind 152 Familien betroffen. Für die unverzügliche Inangriffnahme von Wohnbauten sind 1200000 RM erforderlich. Der OB bittet um Hilfe zur Linderung des Wohnungselends. Eh. Unterschrift.4 S., mascho-schriftl. Ausf., Kopfbogen.(1924, nach Mai 28): Bericht von Reg.-Präs. Hänisch über eine Besprechung mit der Besatzungsbehörde über die Wiederherstellung der dt. Verwaltungshoheit: Ende voriger Woche wandte sich die Interalliierte Kommission in Coblenz durch Vermittlung des in Frankfurt sitzenden Verbindungsoffiziers Capitän de Pommerede an mich mit der Bitte um eine Besprechung, die die Wiederherstellung normaler Verhältnisse im besetzten Gebiet zur Folge haben sollte. Nach einigem Hin und Her wurde Wiesbaden als Ort und der 28.5. als Termin der Verhdlgn.vereinbart. Nachdem ich in Berlin persönlich die Zustimmung des Herrn Innenministers eingeholt hatte, begab ich mich um Mittwoch in Begleitung des Herrn de Pommerede und des mir als Vertrauensmann und Dolmetscher dienenden Frankfurter Kaufmannes Ludwig K 0 c h im Kraltwagen der franz. Militärmission in Frankfurt nach Wiesbaden. Ich wurde von dem Oberdelegierten Marquis de Lillers in dem gleic-hen Raum empfangen, in dem ich am 10. 2. v. J. verhaltet worden war. Auf meine, nach der sehr höflichen Begrüßung des Herrn de Lillers, hingeworfene Bemerkung, der Raum sei mir nicht unbekannt, erwiderte der Herr de Lillers mit der Erinnerung, er habe bei jenem Zu-sammentreffen im Winter v. Jahres die bestimmte Hoffnung ausgesprochen, mich in besseren Zeiten wieder bei sich begrüßen zu dürfen. Die s e b e s s e ren Z e i t e n sei e n jet z t g e kom m e n. E s wer d e jet z t ein neues Blatt in der Geschichte der beiden Länderauf g e s chI a gen.Herr de Lillers erklärte, daß er mit mir im ausdrücklichen Auftrage und als Vertreter des Herrn Tirard verhandle, der zu seinem Bedauern am Kommen verhindert worden sei. Die Interalliierte Kommission lege großes Gewicht auf die Wiederherstellung normaler Beziehungen im besetzten Gebiete und wisse sich in diesem Bestreben eins mit der im Werden begriffenen neuen frz. Reg. Allerdings sei das frz. Bestreben, endlich wieder zu normalen Verhältnissen zu gelangen, aufs äußerste erschwert durch den Ausfall der d t. R T - W a h I e n. Komme eine nationalist.-monarchist. Reg. ans Ruder, so glaube er nicht an die Möglichkeit der Wiederherstellung normaler Verhältnisse im Rheinlande. Es würde ihn, de Lillers, leb·haft interessieren, meine Aufiasung über die gegenwärtige polit. Situation kennenzulernen.In diesem Augenblick der Unterhaltung sah ich mich vor die Frage gestellt, ob ich sie weiterführen solle als Nur-Beamter, der ein Amt aber keine Meinung zu vertreten habe, oder ob ich dem frz. Pol i t i k er, der mit mir redete, gleichfalls als Pol i t i k e r antworten solle. Ich entschied mich für das Zweite, weil sonst die Unterhaltung schon an ihrem Beginn vollkommen versackt wäre. Ich erwiderte Herrn de Lillers also, daß auch ich die Stärkung derRechten bei den jüngsten dt. RT-Wahlen lebhaft bedauere, vornehmlich weil sie die auch nach meiner Uberzeugung nicht mehr aufschiebbare end-gültige Verständigung zwischen Dtschld. und Frkr. stark erschwere. Aber ich müsse ihn doch darauf aufmerksam machen, daß der eigentliche Nährvater der nationalist. und reaktionären Bewegung in Dtschld. niemand anders sei als Herr Poincare. Ohne den Ruhrkampf und alles, was ihm gefolgt sei,hätten wir heute nicht 100 Dt.-Nationale im RT. Herr de Lillers gab zu, daß darin manches Wahre läge, aber Poincare sei zu der Politik des vorigen Jahres gezwungen gewesen durch den mangelhaften Erfüllungswillen des dt. Volkes. Das dt. Volk in seiner Masse sähe nun in den Franzosen eben einmal den "Erbfeind". Ich erwiderte, daß auch ich die sogenannte "Erbfeindschaft" zwischen Dtschld. und Frkr. für das europ. Unglück halte; ich könne aber nicht zugeben, daß die Schuld an dieser Erbfeindschaft ausschließlich auf dt. Seite läge. Ich erinnerte Herrn de Lillers an die frz. Politik seitden Tagen Ludwig XIV. Trotzdem hätten alle zugleich w a h rhaf t nato und demokrat. Deutschen alle die Jahrhunderte hindurch eine tiefe Liebe zu der großen frz. Kultur in ihrem Herzen genährt. Ich nannte in diesem Zusammenhang Namen wie Heinrich Heine und Ludwig Börne, worauf Herr de Lillers einwarf, daß alle diese Männer ja zur Strafe dafür auch in ihrem eigenen Volk als eine Art Landesverräter angesehen worden seien und auch heute noch so angesehen würden. Ich: "Geschieht nicht den Franzosen das Gleiche, die in ihrem Land für Dtschld. und Dtschlds. Recht eintreten? Denken Sie an Romain Rolland, an Henry Barbusse und den ganzen Kreis der clartel" Das mußte Herr de Lillers zugeben.Das Gespräch wandte sich nach dieser Einleitung allgemeinen Charakters den besonderen Fragen des besetzten Gebietes zu. Ich vertrat mit Ent-schiedenheit den Standpunkt der dt. und der preuß. Reg., daß Hand in Hand mit der Durchführung des Sachverständigen- Gutachtens gehen müsse die Regelung der sogenannten "Ehrenpunkte" durch Frkr.: Befreiung der Gefangenen, Zurückführung der Ausgewiesenen, Wiederherstellung der Souveränität am Rhein und an der Ruhr. Ich appellierte dabei an das von den Franzosen immer so stark betonte Mo m e n t der R i t te rl ich k e i t. Lillers: "Wenn wir Franzosen ritterlich waren, so ist es uns von den Deutschen stets schlecht belohnt worden". Ich: "Seit 1918 haben die Franzosen Dtschld. gegenüber von ihrer vielgerühmten Ritterlichkeit nichts merken lassen." Herr de Lillers erklärte dann, daß er nicht berechtigt sei, über dieFreilassung der Gefangenen bindende Erklärungen abzugeben. Bei der Rückführung der Ausgewiesenen müßten jedenfalls alle Personenausscheiden, die sich S abo tag e akt e hatten zuschulden kommen lassen. Ich bat, bei der diesmaligen Besprechung die Sonderfrage der Saboteure auszuschalten, vertrat aber mit Entschiedenheit den g run d sät z 1ich e n S t an d p unk t der dt. und der preuß. Reg., all e ausgewiesenen Beamten - um zunächst von die sen zu reden - wieder in ihr Amt einzusetzen. Dieses Recht ergäbe sich aus der im Versailler Vertrage festgelegten dt. Souveränitätin den Rheinlanden. Demgegenüber erklärte Herr de Lillers, von einer gen e r e 11 e n Wiederzulassung aller ausgewiesenen Beamten könne keine Rede sein. Die Interalliierte Commission müsse sich vorbehalten, alle diejenigen Beamten von der Rückkehr auszuschließen, die ausgesprochene Mon-archisten und Nationalisten seien. Ich bat, die Entscheidung darüber, wer von den dt. Beamten künftig wieder im Rheinland tätig sein solle, dendt. Zentralinstanzen selbst zu überlassen, und regte, entsprechend einer mir von dem Herrn Innenminister gegebenen Weisung, an, die Erledigung der Angelegenheit einer demnächst zu veranstaltenden Besprechung vorzubehalten, an der von frz. Seite nach Möglichkeit Herr Tirard selbst teilnehmen möge, während vom preuß. Innenministerium voraussichtlich Herr Min.-R. B r a nd entsandt werden würde. Herr de Lillers sagte mir, nachdem er sich nach der Persönlichkeit des Herrn Min.-R. Brand erkundigt hatte, zu, Herrn Tirard sofort im Sinne meiner Anregung zu berichten. Herr de Lillers kam dann auf die Frage meiner ei gen e n Wiederzulassung zu sprechen. .... . . Nochmals betonte ich, daß eine unterschiedliche Behdlg. der dt. Beamten die Entspannung der Lage außerordentlich erschweren werde und nach meinem Empfinden durchaus nicht im Geiste der mutigen und schönen Worte läge, mit denen sich der kommende frz. Premierminister Herriot besonders in seinem ,Vorwärts'- Interview zu dem Gedanken der dt.-frz. Verständigung bekannt habe.1924 Okt. 28 - Berlin: Aufzeichnung für den RK wegen einer außenpolit. Aktion zur Erwirkung der Räumung der Kölner Zone am 10.1.1925 bei Herriot, MacDonald, Mussolini und Hughes. Eine Nichträumung der Kölner Zone (muß) als gleichbedeutend mit einem Zusammen-bruch der dt. Erfüllungspolitik ... erklärt werden. Die frz. Schikanen bei der Schlußkontrolle der dt. Entwaffnung hängen möglicherweise mit dem dem Völkerbund vorgelegten Boncour-Plan zusammen.4 S., Durdlsdlrift von Masch.-Sdlreiben.1924 Nov. 6 - Paris: v. Hoesch berichtet über die innerpolit. Lage Frkrs. beim Zusammentritt des Parlamentes und die Aussichten für die Reg. Herriot.8 S., Vervielf.1924 Dez. 20 - London: Sthamer telegraphiert über eine P/2stündige Unterredung mit Chamberlain. Dieser gab ungern zu, daß er im Sinne der Ausführungen Curzons mit Herriot und Mussolini gesprochen hatte. Sthamer erklärte Dtschlds. Befremden darüber, daß die Vereinbarungen nicht mitgeteilt worden wären. Chamberlain behauptete daraufhin dt. Obstruktion und bestritt Beweispflicht der Alliierten. Er betonte als wich-tigsten Punkt der Rede Curzons den Wunsch der brit. Reg. nach baldiger Beendigung der Besetzung Kölns, die Dtschld. indessen sicherlich nicht gern mit der Besetzung durch andere Alliierte eintauschen will. Sthamer verwies auf die über den Versailler Vertrag hinaus durch das Londoner Abkommen von Dtschld. übernommenen Verpflichtungen; es müsse nun erleben, daß die Alliierten nicht einmal untergeordnete Punkte in sachI. Behdlg. erledigen wollen, sondern zu Sanktionen griffen. Chamberlain war persönlich bei nur geringen Verfehlungen fürsofortige Räumung. Uber die gefährlichen Rückwirkungen auf die öffentl. Meinung bei deren Verzögerung machte er sich Notizen. Auf Stha-mers Befürchtungen über Verlängerung der Besatzung auf unbestimmte Zeit, Fortsetzung der Unterdrückungspolitik und Weiterverfolgung der frz. Rheinpolitik antwortete Chamberlain, daß auch in Paris der Wunsch nach friedl. Abwicklung der schwebenden Fragen bestehe. Er will die verständnisvolle Zusammenarbeit, die mit London begonnen hat, fortsetzen und betrachtet die Verlängerung der Kölner Besetzung nur als einen vorübergehenden Akt von kurzer Dauer. Uber etwaige Abreden mit Frkr. wegen der Ruhrbesetzung war nichts aus ihm herauszuholen. Die offene und freie Unterhaltung streifte auch die Kriegsursachenfrage.3 S., Formblätter.1925 Jan. 2 - Paris: Presseübersicht von Wertheimer.51/t S., Telegramm-Formblatt.192(5)· Jan. 4 - Paris: Presseübersicht von Wertheimer.4 S., Telegramm-Formblatt.192(5)· Jan. 4 - Paris: v. Hoesch telegraphiert über seinen Gegenbesuch bei Krassin, der über die Schwierigkeiten mit der frz. Reg. infolge der Krankheit Herriots klagte. Nach ihm aus Kreisen um de Monzie zugegangenen Gerüchten könnte Herriot nach dem 13. 1. demissionieren; im neuen Kabinett unter Painleve übernähmen Briand das Äußere, Loucheur die Finanzen, Monzie das Innere. Hoesch aber hatte am Vortage im kleinsten Kreise bei Painleve gegessen. Dieser war von Herriots baldiger Genesung überzeugt. Er kritisierte die von Herriot geplante Aufhe-bung der frz. Vatikan-Botschaft. Diese hätte Painleve als Pressionsmittel gegenüber der Kurie in Sachen des Elsaß-Lothringen-Statuts benutzt.Hinsichtlich Räumung bedauerte Painleve die deswegen zwischen Dtschld. und Frkr. entstandene Spannung. An sich sehe er im übrigen nicht ein, wie eine Verlängerung der Okkupation um 4 oder 5 Monate wesentlichen Einfluß auf die Gewährleistung der Sicherheit Frkrs. ha-ben solle. Doch sorge er sich über die Berichte der Kontrollkommission. In Frkr. hat das dt. Wahlergebnis enttäuscht und die mißglückten Ver-suche einer Reg.-Bildung; man hatte nach der Verständigungspolitik Herriots mit einer RR ohne dt.-nat. Minister gerechnet. Ganzes Problem liege darin, in Frkr. die Uberzeugung von friedlicher Einstellung Dtschlds. zu wecken.4 S., Telegramm-Formblätter.1925 Jan. 16 - Berlin: Reichswehrminister Geßler teilt Marx mit, daß er die Beschwerde von Braun, Düsseldorf, über Nichtgewährung von 3000 RM Belohnung für die Verhaftung eines Spions an die zuständige Stelle geleitet hat. Eh. Unterschrift.1 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.o. D.: Nachweisung der Beamten der Reichsvermögensverwaltung inder 1. Räumungszone (ohne ehem. Postbeamte).3 S., Vervielf.1925 Juli 31 - Essen: Vors. Dr. Söhling telegraphiert Marx: Als Folge Ihrer klaren und zielbewußten Politik ist unserer Vaterstadt Essen soeben die Befreiung zuteil geworden. Dafür danken Ihnen mit treudt. Gruß die 1000 Mitglieder des Kath. Kaufmünn. VereinsAssindia.Postausfertigung.1925 Nov. 20 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete übersendet Ordonnanz 308 der Rheinlandkommission über die Milderung des Besatzungsregimes.18 S., Druck, 2 Exemplare. Offenbar falsch auf 1924 datiert.
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1926
Entwaffnung und Räumung 1926


Enthält : 1926 Jan. 9 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete übersendet dem Ausw. Amt im Hinblick auf die Locarno-Note der frz. Reg. wegen der Belastung der Stadt Trier durch die Besatzung Abschriften von Schreiben des OB von Trier vom 22.12. 1925, des Reichsver-mögensamtes Trier vom 2.1. 1926 und 3 Aufstellungen der in Trier untergebrachten Besatzungsangehörigen(Stand: 20. 12. 1925).2 S., Vervielf. Dabei die bezeidmeten Anlagen.1926 Jan. 12 - Berlin: Reichsminister für die besetzten Gebiete und Reichsinnenminister übersenden dem StS in der Reichskanzlei den Entw. eines Gesetzes (vom OLG-R. Nagel) über Rückgabe der für Besatzungszwecke in Anspruch genommenen Grundstücke. Faksimilierte Unterschriften der mit der Führung der Geschäfte beauftragten Minister Geßler und Brauns.1 S., Vervielf. In der Anlage der Entwurf, 8 S., Vervielf., sowie Nachweisungüber nicht reichsseigene Grundstücke, die für Besatzungszwecke inAnspruch genommen und vom Reiche bebaut worden sind, 40 S., Vervielf.1926 Jan. 13: Ergebnis der Besprechung unter Vorsitz des StS Kempner in Gegenwart von Vertretern des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete, des Reichswehrministeriums und des Ausw.Amts über die Stärke der Besatzungsarmee. Gez. Unterschriften: Oberstleutnant Lieb-mann, Min.-R. Bender, v. Friedberg.2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1926 Jan. 26: Vermerk von A. Miller für den Reichsminister für die besetzten Gebiete, der auf Wunsch von Gördes bei der Reichspressestelledem Vertreter von ,Daily News' eine Unterredung über die Auswirkungen der Umgruppierung der eng!. Truppen geben soll. Die Verhältnisse der 10 neuen Garnisonorte Wiesbaden, Biebrich, Dotzheim, Schierstein, Langenschwalbach, Königstein, Idstein, Erbenheim, Bingen und Bingerbrück werden geschildert.Eh. Unterschrift.51/2 S., Durdlsdlrift von Masch.-Sdlreiben.1926 Jan. 30 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete teilt Vortr. Leg.-R. v. Friedberg die dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete übermittelte Note der Rheinlandkommission vom Vortage über die Räumung der Kölner Zone mit. Gez. Unterschrift: Schmid.3 S., masch.-schriftl. Absdlrift für Marx.192(6) Jan. 31 - Berlin: StS Schmid notiert für Marx, daß OB Adenauer von ihm verständigt worden ist. Die Note der Botschafterkonferenzüber die Räumung der Kölner Zone enthält verschiedene, noch dazu in ziemlich scharfer Form gehaltene Vorbehalte: 1) Das einstweilige Fort-bestehen von Abwicklungsstellen. 2) Außerordentlich - auch nach Auffassung von StS v. Schubert - weite Wünsche der Besatzungsmächte nach Grenzberichtungen, die 18 Ortschaften betreffen, welche nach dem Versailler Vertrag in das Räumungsgebiet fallen, nun aber der 2. Zone zugeschlagen werden müßten. 3) Fortsetzung der Amnestieverhdlgn., welche noch im Kabinett geklärt und dann mit der Rheinlandkommission verhandelt werden müssen. Wahrscheinlich wird die Note im Ausw. Ausschuß zur Sprache kommen. Schmid schlägt Marx Beratung mit Stre-semann und dem RK vor, ob nicht amtl. Veröffentlichung zweckmäßig wäre.Eh. Unterschrift.P/2 5., masch.-schriftl., eigenhädig Verbesserungen. Das Schreiben ist mit 1927datiert, kann indes der Sache nach nur in das vorangehende Jahr gehören.o. D.: Dbersicht über die Hauptunterstützungsempfänger und Zuschlagsempfänger in den einzelnen Städten und Landkreisen der Rhein-provinz nach dem Stande vom 15.1. und 1. 2.1926.3 5., Vervielf.1926 Febr. 4 - Berlin: Aufzeichnung: Die frz. Rheinarmee und der Sachverständigenplan (Besatzungskosten).131/2 5., Vervielf.1926 Febr. 1 - Berlin: Vermerk von A. Miller: Dbertragung der Stelle eines Dir. beim Rechnungshof des DR an den von der Rheinlandkom-mission seines Amtes entsetzten Präs. der Reichsvermögensverwaltung Klamt. Eh. Unterschrift, außerdem Konzipientenparaphe.31/4 5., masch.-schriftl.1926 Febr. 1 - Berlin: Min.-Dir. Fischer, Reichsfinanzministerium, schreibt Marx persönlich, daß dem von diesem befürworteten Kreditantragder Gockel-Werke auf 2,5 Mill. RM aus reparationspolit. Gründen nicht stattgegeben werden konnte. Seit Dawes-Plan und Wallenberg-Reglement tragen die Sachlieferungsverträge kommerziellen Charakter. Eh. Unterschrift.P/2 5., masch.-schriftl. Ausf., Konzipientenparaphe "Bkm".1926 Febr. 4 - Koblenz: Der Präs. der Reichsvermögensverwaltung für die besetzten rhein. Gebiete an den Reichsminister für die besetztenGebiete wegen Wohnungsanforderungen der Besatzungsarmee in Trier. Gez. Unterschrift: i. V. Collatz. 3 5., Durchschrift v. Masch.-Schreiben als Abschrift. In der Anlage dt. Übersetzung eines Schreibens des Oberstkommandierenden der Rheinarmee, General Guillaumat, an den Generaldelegierten der Reichsvermögensverwaltung beim kommandierenden General der Rheinarmee in Mainz vom 27.1. 1926 wegen der Wohnungsbeschlag-nahmungen in Trier,3 5., Vervielf.1926 Febr. 9 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete weist im Hinblick auf die Locarno-Konferenz auf die schwere Belastungdes Wohnungsmarktes in der II. und III. Zone (besonders in Trier) durch die Besatzung hin. Gez. Unterschrift: Schmid. 21/4 5., Durch.schrift von Masch..-Schreiben.1926 Febr. 9 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete gibt eine Ubersicht über die Freigabe und Neubeschlagnahme von Schulen und anderen öffentl. Gebäuden nach dem Stand vom 15.1. 1926. Faksimilierte Unterschrift: Schmid. 1/2 5., Vervielf. In der Anlage die Ubersicht, 3 5., Vervielf.1926 Febr. 12 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete an den Reichskommissar für die besetzten rhein. Gebiete wegen Ver- minderung der Gendarmerie der Besatzung. Faksimilierte Unterschrift: Marx.31/2 5., Vervielf. In der Anlage: Übersicht über frz. und belg.. Gendarmeriestationen,2 5., Vervielf.1926 Febr. 12 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete an den Reichskommissar für die besetzten rhein. Gebiete wegenRevision des Ordonnanzensystems. Faksimilierte Unterschrift: Marx.31/2 5., Vervielf. In der Anlage: Forderungen zur Revision des Ordonnanzensystems,101/2 5., Vervielf.; sowie: Besonders widJ.tige Forderungen zurRevision des Ordonnanzensystems, 2 5., Vervielf.1926 Febr. 12 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete äußert sich über das Verhältnis der Besatzungsbehörden zu dt. Verwalt-ungen im besetzten Gebiet und legt einen Entw. zu einem Abkommen über die Regelung des Verhältnisses zwischen den Besatzungsbehördenund den Eisenbahnen der besetzten Gebiete vor. Faksimilierte Unterschrift: Marx. 3 5., Vervielf. In der Anlage der Entw. zu dem Abkommen, 7 5., Vervielf.1926 Febr. 15 - Köln: Der Vors. des Verbandes der Stadt- und Landkreise des besetzten Gebietes an die RR und die Preuß. Reg. wegen des unbefriedigenden Verlaufs der im Vorjahr vom RT beschlossenen Hilfsaktion für das besetzte Gebiet. Gez. Unterschrift: Adenauer.6 5., masch..-schriftl. Abschrift. 1926 Febr. 17 - Berlin: StS Schmid an Marx persönlich: Die Frageeiner Auflösung des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete.Eh. Unterschrift.41/2 5., masch..-schriftl. Eh. NadJ.träge.1926 Febr. 19 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete an den StS in der Reichskanzlei wegen Auflösung des Reichsministeriumsfür die besetzten Gebiete. Faksimilierte Unterschrift: Marx.51/2 5., Vervielf. Masch.-schriftl. Vermerk: .Zur Ministerbesprechung am24. 2. 1926".1926 Febr. 20: Rede von Marx anläßlich der Auflösung des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiete mit besonderem Dank an Louis Hagen.3 5., masch.-schriftl. Konzipientenparaphe .S(chmid) H vom 17.2. 1926.1926: Bericht über die Tätigkeit des Wirtschaftsausschusses für diebesetzten Gebiete.18 5., Vervielf.1926 Febr. 25 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete an den StS in der Reichskanzlei wegen Unterbringung der bei der Räumung des besetzten Gebietes bei den Dienststellen der Reichsvermögensverwaltung freiwerdenden Beamten. Faksimilierte Unterschrift:Marx.3 5., Vervielf.[1926] März 2: Vermerk: Notwendigkeit der Besetzung der Chefpräs.Stelle bei der Reichsvermögensverwaltung für die besetzten rhein. Gebiete (durch Abt.-Präs. Collatz). 2 5., masch.-schriftl., Konzipientenparaphe.o. D.: Fragen (der Hauptabt. II des Ministeriums für die besetzten Gebiete), deren Erörterung während der Etatbesprechungen zu erwartensind.51/2 5., Durchschrift von Masch.-Sdlreiben.o. D.: Tätigkeitsbericht des Reichskommissariats für die Zeit vom Dez. 1925 bis Anfang März 1926.14 5., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1926 März 1 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete an den Reichsfinanzminister über die freiwillige Bautätigkeit desReichs im Hinblick auf den Haushalt für die Kriegslasten 1926. Gez.Unterschrift: i. A. Miller.81/2 5., Durdlschrift von Masch.-Sdlreiben. In der Anlage: Ubersicht überdie freiwillige Bautätigkeit für 1926, 1 5., Durchsdlrift v. Masch.-Schreiben;Abschrift von Aufstellung des Präs. der Reichsvermögensverwaltung fürdie besetzten rhein. Gebiete vom 14. 1. 1926, 71/2 5., Durdlschrift v. Masch.Sdlreiben;Abschrift von Schreiben der Reichsvermögensverwaltung fürdie besetzten rhein. Gebiete vom 26.2. 1926 über die Durdlsdlnittskostenfür eine Offiziers- und eine Unteroffizierswohnung, 1 5., Durchschrift vonMasch.-Schreiben. 1926 März 5 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete an den Reichsfinanzminister z. H. von Min.-Dir. v. Brandt wegender Haushaltsansätze für die freiwillige Bautätigkeit des Reichs im besetzten Gebiet. Gez. Unterschrift: i. V. Schmid. 4 So, Durchschlrift von Masch.-Schreiben. In der Anlage: masch.-schriftl. Abschrift des Schreibens des Reichsfinanzministers an den Minister fürdie besetzten Gebiete vom 27.20 1926, 3 S.1926 März 9 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete berichtigt Liste über die Freigabe und Neubeschlagnahme vonSchulen und öffentl. Gebäuden. Faksimilierte Unterschrift i. A:A. Miller.1/2 S., Vervielf. In der Anlage die Liste, 3 S., Vervielf.1926 April 1 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete überreicht dem Reichsfinanzminister je einen Vorentwurf für eine Verordnung des RP und für eine Ausführungsvereinbarung der beiden Ministerien über die Ubernahme der Reichsliegenschaftsverwaltung in der geräumten 1. Besatzungszone durch das Reichsfinanzministerium ab 1. 7.1926. Gez. Unterschrift i. V.: Miller.3 S., Druckschrift von Masch.-Schreiben. In der Anlage der Verordnungsentwo,1/2 S., und der Vorentwurf für die Ausführungsvereinbarung, P/2 S.,Durchschriften von Masch.-Schreiben.1926 April 19 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete übermittelt dem Reichsaußenminister eine Liste der Besatzungsstärken und Quartier-lasten nach dem Stande vom 15. 9. 25 und 15. 3. 26 für die II. und III. Zone. Gez. Unterschrift: i. A Miller.P/2 S., Durckschrift v. Masch.-Schreiben. In der Anlage die Liste, 5 S.,Durchschrift von Masch.-Schreiben.1926 Mai 5 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete überreicht dem Vors. des XVI. Ausschusses des RT eine Zusammenstellung über die Besatzungsstärke in den einzelnen Orten der H. und III. Zone nach dem Stande vom 15.9.25 und 15.3.26. Faksimilierte Unterschrift: i. V. Schmid.1/2 S., Vervielf. In der Anlage die Zusammenstellung, 13 So, Vervielf.1926 Juni 4 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete übermittelt dem Ausw. Amt eine Ubersicht über die Zahl und Stärke der frz. und belg. Gendarmerie-Stationen in den einzelnen Orten der II. und III. Zone. Gez. Unterschrift: i. V. Schmid.2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. In der Anlage die Übersicht, 5 So,Durchschrift von Masch.-Schreiben.1926 Juni 12 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete übermittelt dem Ausw. Amt eine Ubersicht über die am 1. 6. 26 imbesetzten Gebiet vorhandenen farbigen frz. Truppen. Gez. Unterschrift:i. V. Schmid.1/4 S., Dmchschrift von Masch.-Schreiben. In der Anlage die Übersicht, 1 S.,Durchschrift v. Machl.-Schreiben.1926 Juli 20 - Paris: Forster und v. Hoesch telegraphieren über eine Unterredung mit Massigli über die Kriegsmaterial-Frage und dieAbschaffung der Generalinspektion über das Reichsheer. Die Unterhaltung begann mit Anspielung auf die Rede von Marx in Kleve, wo er die frz. Generäle für die Zweifel der dt. Bevölkerung an der Völkerversöhnung verantwortlich machte.2 S., Telegramm-Formblätter.1926 Juli 22 - Paris: v. Hoesch telegraphiert über den Sturz Herriots.5 S., Telegramm-Formblätter, Bemerkung von Pünder: .Ein sdlönes Durdleinander'"1926 Juli 23 - Paris: v. Hoesch berichtet über eine Unterredung mitBerthelot über die Vorgänge in Germersheim, worüber die frz. Reg.Dtschld. die gewünschte Genugtuung geben würde.1 S., Telegramm-Formblatt.1926 Juli 23 - Paris: v. Hoesch telegraphiert über die Zusammensetzungdes neuen Kabinetts Poincare unter Charakterisierung dereinzelnen Minister.7 S., Telegramm-Formblätter.1926 Juli 21 - Paris: v. Hoesch übermittelt die von Berthelot unterzeichneteNote Frkrs. zu den Vorgängen in Germersheim.1 S., Telegramm-Formblatt.1926 Juli 28 - Koblenz: Langwerth v. Simmern telegraphiert übereine Unterredung mit Tirard wegen der Vorgänge in Germersheim.Er hat gemeinsame dt.-frz. Untersuchung angeregt.3 S., Telegramm-Formblätter.1926 Juli 29 - London: Sthamer telegraphiert über die Unterredung mit Chamberlain aus Anlaß der Ubergabe der dt. Note wegen Truppen-verminderung im besetzten Gebiet. Chamberlain wünscht dies selbst, fand jedoch Briand in Paris durch andere Angelegenheiten stark in Anspruch genommen. Als Sthamer sagte, daß seit 1 Monaten den Versprechungen keine Tatsachen folgten, klagte Chamberlain, daß jedesmal, wenn Dtschlds. Eintritt in den Völkerbund in Frage käme, sich Schwierigkeiten auftürmten. Sthamer forderte, daß vor dem Eintritt etwas ge-schehe wegen der starken inneren Widerstände in Dtschld. Chamberlain erinnerte an die Schwierigkeiten der Alliierten, die Lampson Sthamer am Vortage dargelegt hatte. Auf die Frage, ob England für die Truppenverminderung etwas unternehmen wolle, antwortete Chamberlain, daß er deswegen mit Briand dauernd Fühlung habe. Auf Sthamers weiteres Drängen äußerte der Außenminister, daß er ganz kürzlich darüberin Paris verhandelt habe und daß er - auch ohne die dt. Note - vorhatte, wegen der Truppenverminderung nach Paris zu schreiben. Diese Erklärung bezweifelte Sthamer nicht, aber sie hat, da sie erst auf sein wiederholtes Drängen gegeben wurde, nur geringen Eindruck auf ihn gemacht. Die Berechtigung des dt. Standpunktes hat Chamberlain indessen nicht abgelehnt.3 S., Formblätter.1926 Juli 29: Ubersicht über Berliner Morgenpresse.1 S., masch.-schriftl.1926 Aug. 3 - Paris: v. Hoesch telegraphiert über eine Unterredung mit Berthelot. Dieser verlas einen an ihn gerichteten Privatbrief des Gen-erals Guillaumat. Danach brüskierte die dt. Bevölkerung die Besatzungstruppen durch Absingen des Dtschld.-Liedes beim Vorbeimarsch frz. Truppen, Feiern dt. Siegestaten von 1870/11, Fahnenumzüge mit dem Lied "Siegreich woll'n wir Frkr. schlagenU, Plan für ein Kriegerdenkmal in Lorch, Uberfälle auf frz. Posten, Einmarsch von Reichswehrtruppen in die demilitarisierte Zone u. a. nach Offenburg, Beförderung von Reichswehrtruppen durch die rechtsrhein. Uferbahn. Die Autorität der Besatzungstruppen werde dadurch untergraben; sie leide unter der schlechten wirtschaftl. Lage. Guillaumat beklagte den Widerstand des Generalstabs gegen die Truppenminderung, die Abwesenheit Tirards und die Inaktivität der Rheinlandkommission. Dann verlas Berthelot einen langen Bericht über Germersheim. Der dt. Vorschlag einer ge-mischten Untersuchungskommission ist Hauptgrund der frz. Verstimmung. Die Rheinlandkommission sei allein zuständig. Die Beschwer-depunkte eines wenig konzilianten Berichts der Berliner Kontrollkommission konnte v. Hoesch leicht wegen Bedeutungslosigkeit zerstreuen. Ein Geheimbericht über dt. Waffentransporte nach Kronstadt zeigte, daß die Franzosen die Gespräche des dt, Gesandten Hauschild mitdem finnischen Außenminister und gewisse Auskünfte des Verbandes dt. Reeder kennen. Danach sprach Berthelot ernst über die Schwie-rigkeiten in den dt.-frz. Beziehungen und bat um Mithilfe bei der Beseitigung der Streitpunkte. Die Mißstimmung führte v. Hoesch auf die versprochene, aber bisher unterbliebene Verminderung der Truppen zurück. Werde sie nicht bald durchgeführt, geraten die RR und besonders Stresemann in eine unmögliche Lage. Berthelot verlas ein Telegramm de Margeries über eine Unterredung mit v. Schubert. Doch v. Hoesch verwies auf die wegen der Truppenverminderung gegebenen Versprechen der Alliierten. Berthelot bat, in der folgenden Unterredung mit Briand, diesen um ein festes Versprechen sofortiger Truppenverminderung zu ersuchen. Briand selbst war vom Beschwerdepaket peinlich berührt. Eine gemischte Germersheimer Kommission lehnte er unwirsch ab, um der Rheinlandkommission nicht ihre Vorrechte zu nehmen. Als v. Hoesch ihm die Bedeutungslosigkeit der Entwaffnungsbeschwerden nachwies und sie als Mittel der Militärs zur Verhinderung der Truppen-reduktion in letzter Stunde charakterisierte, schwand Briands Arger und wertete alle Beschwerden als weiteren Beweis für seine These, daß die Besatzung auf Dauer ein Unding sei und aufhören müsse. Auch bat er, Unstimmigkeiten zu verhinden, um die Verständigung nicht zu stören. Briand will Kriegsminister Painleve aufgefordert haben, Guillaumat die Verminderung der Truppen zu befehlen; das soll geschehen sein. Hoesch fragte, ob es sich um eine fühlbare Verminderung handelte. Nach Hoeschs Eindruck hat sich die Empörung der Militärs über eine gemischte Kommission auf das Außenministerium übertragen. Wohl könnte der Reichskommissar selbst im Verein mit der Rheinlandkom-mission weitere Erhebungen vornehmen.51/1 S., Telegramm-Formblätter.1926 Aug. 3: Ubersicht über die Berliner Morgenpresse.1 S., masch.-schriftl.1926 Aug. 4 - London: Dufour berichtet über ein Gespräch mit Lampson über die Germersheimer Vorkommnisse. Lampson hielt den Gedanken einer dt.-frz. Untersuchungskommission für unglücklich. Bei dessen Aufgabe werde England die von Lord Kilmarnock beantragte Wieder-einführung beseitigter einschränkender Verordnungen verhindern. Auch eine herausfordernde Note der Rheinlandkommission sei durch Personalwechsel abgeschwächt worden.21/1 S., Telegramm-Formblätter.(1926, Ende Aug.) - Breslau: Rede von Marx vor dem Augustinusverein über Locarno, Besatzung und Völkerbund.20 S., masch.-schriftl. Mit vielen Durchstreichungen zwecks Abkürzung türden Druck.1926 Aug. 26: Rede von Stresemann vor dem Außenpolit. Ausschuß des RT über Verhdlgn. über die RÜckgabe von Eupen-Malmedy, Eintritt in den Völkerbund, den Fall Germersheim, die Beleuchtung des Niederwald-Denkmals, die Nichterfüllung der Bestimmung der Botschafternote vom 14. 11. 25 über die Besatzung, die Ernennung eines Generalinspekteurs der Reichswehr sowie Graf Reventlows Angriffe gegen Luther.15 S., Vervielf., 5. von 10 Exemplaren, Vermerke: .Streng vertraulich I Nicht für die Presse·.o. D.: Langwerth berichtet über eine Tee-Unterhaltung beim eng!. Oberkommissar Lord Kilmarnock. Dieser äußerte, daß seit Locarno die Alliierten dauernd die Gebenden seien und Dtschld. immer weiter der Fordernde. Langwerth sprach über die Natur seiner Aufgabe und erinnerte an Briands letzte Rede über den Locarno-Geist. Über die Paßfrage war Kilmarnock erleichtert, beschwerte sich jedochüber die Langsamkeit in der Regelung von Wohnungsfragenund berührte die Amnestiefrage.2 S., masch.-schriftl.1926 Aug. 31 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete fordert bei Reichskanzler und Reichsaußenminister als Rückwirkungen des Locarno-Vertrages anläßlich des Eintritts von Dtschld. in den Völkerbund Herabsetzung der Besatzungsstärke, Beseitigung der Farbigen, mög-lichste Unsichtbarmachung der Besatzung und Milderung des Besatzungssystems. Faksimilierte Unterschrift: Dr.Bell.71/1 S., Vervielf.59
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 89



Entwaffnung und Räumung 1921-1930


Enthält : 1927 Jan. 25: Besatzungsstärken und Quartierlasten nach dem Stande vom 15.9. 1925, sowie 15.60' 15.9. und 15. 12. 1926.3 S., Vervielf.1927 Febr. 28: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete regt bei Stresemann für die bevorstehende Genfer Tagung des Völkerbundsratesdie Berücksichtigung von Rheinlandforderungen über Truppenstärke, Ordonnanzensystem und über die Ausschreitungender Truppen an. Faksimilierte Unterschrift: Dr. Marx.71/t So, Vervielf.1927 März 9 - Genf: StS Weismann berichtet über einen Tee bei der frz. Delegation in Anwesenheit von Briand, Loucheur, Boncour, Marcel Ray, Frl. Boncour, Herr und Frau van Diest. Weismann erwartet bei den kommenden dt. Wahlen einen Gewinn der SPD von 25 Sitzen. Briand rechnet in Frkr. ebenfalls mit einem Linksruck und wünscht Abhaltung der dt. vor den frz. Wahlen. Weismann rechnet Mitte Mai 1928 mit dem Wahltermin, da Jan. 1928 erst das Schulgesetz und dann vor allem der Etat erledigt werden müssen. Briand wollte die Gründe über den voraus-sichtlichen Linksrutsch kennenlernen, sprach kurz über das Schulgesetz und wünschte über den 8-Stunden-Tag etwas zu hören. Nach den Wahlen rechnet Weismann mit einer Reg. der Großen Koalition; ähnlich würde die preuß. Reg. umgebildet werden. Boncour wollte wissen, warum das vor dem Krieg als Hort der Reaktion geltende Preußen plötzlich zum Hort der Republik geworden sei. Weismann verwies auf diebeinahe 8jährige Ministerpräsidentschaft von Braun und auf die sehr frühe Unterstützung der Locarno-Politik Stresemanns durch Preußen. Weißmann hatte den Eindruck, als ob der Tee nur deshalb arrangiert war, um Boncour zu überzeugen. Briand erwähnte, daß der Hochverrat-sprozeß gegen ,Die Menschheit' das augenblicklich ausgezeichnete Verhältnis Frkrs. zu Dtschlds. möglicherweise trüben könnte; er regte an, von dem Verfahren Abstand zu nehmen. Die dt.-freundl. Stimmung in Paris sei besonders stark und mache täglich Fortschritte; Briand verwies auf den enthusiastischen Beifall beim Sieg der dt. Mannschaft in Paris. Weismann wollte frankophile Stimmung in Dtschld. bei vielen herzlichen Empfängen berühmter Franzosen in Berlin erkannt haben; doch ist die Besetzung des Rheinlandes ein starkes Hindernis. Briand fiel ins Wort: Fallen die Wahlen in Dtschld. und Frkr. wirklich so aus, wie wir beide annehmen, und bildet sich in beiden Ländern, vor allem in Dtschld., eine stabile, nach links gerichtete Reg., werden wir sofort das von uns gemeinsam erstrebte Ziel, dem sich, wie ich ihnen ausdrücklich bemerke, auch Poin-care nicht verschließt, schnell erreichen. Ich denke, daß man dann eine große Manifestation auf geistigem Gebiet arrangieren könnte, daß man im Anschluß daran in geheime Verhdlgn. über die Räumung eintreten und mit dem fait accompli der Einigung vor die Völkerbundsverslg. im Herbst treten würde, um dem Völkerbund die Gelegenheit dieses großen Friedensschlusses und Dtschld. die Gelegenheit des Erfolges zugeben. Stresemann verfolge dieses Ziel so aufrichtig wie Briand.41/2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. [19]27 Sept. 10 - Genf: Pünder grüßt Marx von einem Frühstück, das Stresemann aus Anlaß des 1. Jahrestages von Dtschlds. Völkerbundsbeitritt der dt. Delegation gibt. Eh. Unterschriften außerdem von Stresemann in herzlichem Gedenken an gemeinsame Zusammenarbeit, Käte Stresemann, v. Schubert und Renate v. Schubert, Otto und Cornelia Hoetzsch, Weismann, v. Rheinbaben, Kaas, Zechlin, Gaus, Adolf Müller.Postkarte, eigenhädig von pünder.1927 Sept. 15 - Genf: Pünder telegrafiert für v. Hagenow, StS Meißner und Min.-Dir. Köpke: Die Besprechung der Locarnominister ist besonders durch v. Schuberts Bemühungen bei Briand schließlich sogar auf dessen Anregung nach dem Ratsfrühstück unauffällig, aber eingehend zustandegekommen. Stresemann, Briand, Chamberlain und Scialoja nahmen teil. Stresemann begann, daß nach dt. Abrüstung die Frage des Art. 431 gegeben sei; die RR werde nach der Genfer Tagung über die dt. Ansprüche beschließen. Diese lägen auch in der Konsequenz von Locarno. Briand anerkannte das dt. Recht, die vorzeitige Räumung aufgrund von Art. 431 aufzuwerfen. Er habe auch keinen Zweifel, daß die Rheinlandräumung vorzeitig durchgeführt werde. Doch sei der Augen-blick nicht günstig. Die nach starken innerfrz. Kämpfen erreichte Truppenreduktion sei noch nicht durchgeführt. Nach den frz. Wahlen gäbe es wahrscheinlich auch eine andere Situation. Die innere Umstellung Poincares sei sehr weit fortgeschritten. Hemmschuh im Kabinett wäre Marin,ebenso wie Poincare lothringischer Abg. Äußeres Zeichen von Poincares Umstellung wäre sein Glückwunschtelegramm an Briand für die Friedensrede im Völkerbund; selbst wenn es nicht ehrlich gemeint sei, zeige es, daß Poincare der Verständigungsströmung entgegenkommt. Briand hält die Rheinlandbesetzung nicht für ein Moment der Sicherheit Frkrs. Chamberlain warnte vor jurist. Auslegung von Art. 431; denn diese verleite, auf Erfüllung von Verpflichtungen des Versailler Vertrages zu drängen, die Dtschld. billigerweise einfach nicht erfüllen kann. Erst sollten die Locarnominister die Räumungsfrage erledigen, dann erst soll sie in die Offentlichkeit. Möglichst frühe Räumung ist wünsch-enswert; die Fortsetzung der Besetzung hält Chamberlain geradezu für ein Unglück; indessen ist der Augenblick nicht günstig. Scialoja hieltDtschlds. Recht, Räumung zu verlangen, für durchaus gegeben. Die Presse blieb ununterrichtet. Stresemann wurde ermächtigt, RK und RR über die Intentionen der anderen Außenminister zu berichten. Stresemann schloß, daß die RR sich den Zeitpunkt der Geltendmachung ihrer Forderungen vorbehalten werde. Mit dem verhinderten Vandervelde wird Stresemann gesondert sprechen. Die Vollverslg. hat die Wieder-wählbarkeit Belgiens abgelehnt.4 S., Telegramm-Formblatt. Vermerke: .Cito", .Geheim".1927 Sept. 20 - Paris: v. Hoesch telegrafiert an dt. Delegation in Genf den Erhalt vorstehenden Telegramms durch Köpke. Briand hat also ihm schon früher gemachte Erklärungen bestätigt, nämlich 1. daß Dtschld. das unbestreitbare Recht habe, auf Grund von Art. 431 die Forderung nach vorzeitiger Räumung zu erheben und 2. daß die Rheinlandbesetzung keine Garantie für Sicherheit Frkrs. darstelle, sondern lediglich eine Garantie für Vertragserfüllung. Die Rechtslage legt in der Tat die formelle Räumungsforderung nach durchgeführter Entwaffnung nahe, um sich nicht der Gefahr des Vorwurfes auszusetzen, ein dt. Recht nicht rechtzeitig geltend gemacht zu haben. Politisch ist jedoch im Augenblick eine Garan-tierung der Räumungsforderung unzweckmäßig. Das in sich gespaltene frz. Kabinett ist unfähig zur Regelung solch bedeutsamer Fragen. Die frz. öffentl. Meinung ist in ihrem Verständigungswillen nicht fortgeschritten. Durch eine jetzige Ablehnung wären ein neues Kabinett und eine neue Kammer gebunden. Briands Grund, daß die Räumungsforderung nicht vor oder bald nach der inzwischen mühsam durchgesetzten Truppenverminderung erfolgt, hält v. Hoesch für sehr überzeugend; denn andernfalls würde die öffentl. Meinung Frkrs. eine Unersättlichkeit Dtschlds. anprangern. Briand hat auch recht, daß das Aufwerfen der Räumungsfrage im kommenden Wahlkampf den Verständigungspolitikern schaden wird.3 S.1927 Sept. 21 - z. Z. Genf: Stresemann schreibt Marx in einer kleinen Ruhepause über seine Eindrücke von der Völkerbundstagung. Jeder Teilnehmer einschließlich des dt.-nat. Delegationsmitgliedes ist von der Wichtigkeit der Mitgliedschaft Dtschlds. im Völkerbund überzeugt. Der ,Observer' übertreibt, daß Dtschld. die Führung an sich gerissen hätte. Ein Jahr nach dem Eintritt wären solche Bestrebungen auch falsch. Zweifellos aber ist Dtschlds. Stellung stark. Zunächst gab es ein gewisses Mißtrauen wegen der Resolution innerhalb der eifersüchtigen kleineren Staaten; sie waren sofort um Zusammenarbeit mit Briand und Chamberlain bemüht. Das war aber dadurch gegeben, daß wir den poln. Antrag, der auf ein OstLocarno hinauslief, nur mit Hilfe Englands und Frkrs. zurückweisen konnten, während gerade die kleineren Staaten, deren Beschützung uns immer von gewissen Stellen in Dtschld. empfohlen wird, bereit waren, sich ziemlich rückhaltslos auf den Boden des poln. Antragszu stellen, der für sie natürlich eine geringere Bedeutung hatte als für uns. Dabei haben sich die persönl. Beziehungen zu Briand und Chamberlain doch als sehr fest erwiesen. Chamberlain erklärte von vornherein, daß er keinen Antrag zulassen würde, der ihn und mich in verschiedenen Lagern fände, und daß ihm das Zusammenhalten der Locarno-Mächte mehr wert wäre als alle Resolutionen des Völkerbundes. Briand hat sich trotz manchem Wider-stand in der frz. Delegation ebenfalls auf den Standpunkt gestellt, unter keinen Umständen in eine Erweiterung der Locarno-Verträge nach dem Osteneinzuwilligen, nachdem ich ihm erklärt habe, daß sie ja damit die Geschäfte des Herrn de Jouvenel besorgen würde, dessen These es sei, im Osten ein neues Locarno zu schaffen, weil Herr Briand diese Sicherung des Bundesgenossen vergessen habe. Dtschld. darf zufrieden ein. Die Locarno-Mächte haben Polens Vorschlag für ein Ost-Locarno zurückgewiesen. Die allzu geräuschvolle poln. Art hat mit einer Niederlage geendet, die dem Prestige Polens sehr abträglich gewesen ist. Die Kritik der kleinen Nationen gegen das Zusammenwirken der drei großen Locarno-Mächte ist durch die Unterzeichnung der Fakultativ-Klauseln vollkommen zum Schweigen gekommen. Stresemann dankt Marx für seinen Einsatz deswegenbei RP und RR. Für uns bedeutet diese Unterzeichnung keine wesentliche Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit, denn wir haben ja dasselbe in den bisherigen Schiedsverträgen und haben keinem Staat ausgeschlagen, mit ihm einen Schiedsvertrag zu schließen, so daß allmählich der Zustand selbst erreicht würde, den wir jetzt herbeigeführt haben. Gerade weil wir mit Rücksicht auf Polen einen restlosen Schiedsvertrag ablehnen, brauchten wir die Unterzeichnung der Fakultativklausel zu unserer Rückendeckung. Eine Pariser Ztg. hat die dadurch geschaffene taktische Situation des Reiches ge-kennzeichnet, als sie schrieb, England lehnt die Erweiterung der Verpflichtungen des Völkerbundes ab und wird angegriffen; Dtschld. lehnt ebenfalls ab und wird bejubelt, weil es die Fakultativklausel, die seine Situation nicht ändert, unterzeichnet. Dabei komme Frkr. in die Defensive, das die Fakultativ-klausel wohl gezeichnet, aber nicht ratifiziert hat und das durch den Mund Briands noch Dtschld. beglückwünschen mußte zu der Unterzeichnung. Im Völkerbundsrat hat Dtschld. Ungarn vor einer Niederlage bewahrt; daß Stresemann deswegen Chamberlain entgegentrat, hat diesen nicht verstimmt. Dagegen sitzen wir mit den Danziger Fragen ziemlich auf. Der Antrag wegen Verlegung des Munitionslagers nach Gdingen war nachder Geschäftsordnung nicht zulässig; Danzig hätte sich an den dortigen Kommissar wenden müssen. Immerhin hat Dtschld. durchgesetzt,daß frühere Völkerbundsbeschlüsse als revisibel bezeichnet worden sind, sobald erhebliche neue Tatsachen vorliegen. Wegen der Souver-änität Danzigs steht es wieder sehr schlecht, da das Gutachten des Völkerbundes ungünstig war. Das liegt an den Verträgen, die Danzig in seiner Not 1920 abgeschlossen hat. Colban, Vertreter der Minderheiten im Völkerbundssekretariat, sagte Stresemann: Danzig habe moralisch recht, aber vertraglich unrecht. Über dieVerhdlgn. Stresemanns mitBriand undChamberlain dürfte Marx durch Pünder unterrichtet sein. Strese-mann verweist auf v. Hoeschs Beurteilung seiner Aufzeichnung über das Gespräch mit Briand. Er glaubt ebenfalls, daß vor den Wahlen von Frkr. Entscheidendes nicht erreicht werden kann. Sehr schwer wird in der Zwischenzeit die Beruhigung der öffentl. Meinung Dtschlds. sein.Doch schadet jede übertriebene Agitation oder Demonstration; sie muß unterbleiben. Die Rede des RP (in Tannenberg) ist auch in Genf ziemlich diskutiert worden; wenn die dt. Presse sich zurückhält, wird man sich auf die Dauer wohl nicht aufregen. Stresemann bedauert, daß der 1. Satz des Entwurfes der RP-Rede fortgefallen ist. Darin stand, daß der RP, an der Schwelle des Grabes stehend, die Verpflichtung zu jener Erklärung an das dt. Volk in sich fühle. Dies hätte nach persönl. Gedankenausdruck ausgesehen, nun aber macht das Ganze den Eindruck einer Staats-aktion. Uber die Unterschiede zwischen links und rechts bei der Beurteilung einzelner Fragen in der dt. Delegation, wird Stresemann Marx mündlich berichten; die dt. Parteienre'den vom Primat der Außenpolitik ziehen in Wirklichkeit jedoch die innerpolit. Einstellung der außenpolit.Notwendigkeit vor. In Frkr. wie England wird die qualitativ starke dt. Delegation im allg. gelobt. Unter dem Gesichtspunkt von Dtschlds. Willen zu ernsthafter Mitarbeit im Völkerbund wertete man auch die Entsendung von Pünder und Weismann. Das Zusammenarbeiten hat sich im allg. harmonisch entwickelt. Kaas genießt großes Ansehen; seine Rede beim Gottesdienst der kath. Mitglieder des Völkerbundes hinterließ starken Eindruck; das anerkennt selbst der dt.-feindl. Wickham Steed im ,Observer'. Am Dienstag hat Stresemann noch über die Weltwirtschafts-konferenz und über die Abrüstung zu sprechen. Gern hätte er bis dahin auch noch Pünder bei sich, der uns ein sehr guter Mitarbeiter gewesen ist. Stresemann bittet, eine Kabinettssitzung erst 3 Tage nach seiner Ankunft anzusetzen und den Ausw. Ausschuß erst nach Rückkehr aller Mitglieder der Delegation berufen zu lassen. Eh. Unterschrift.8 S., masch.-schriftl. Ausf. auf persönl. Kopfbögen.1927 akt. 20: Besatzungsstärken und Quartierlasten nach dem Stande vom 15. 9. 1925, 15. 6., 15.9. und 15. 12. 1926, 15.3., 15.6. und 15.9. 1927.31/4 S., Vervielf.1927 Nov. 12 - Berlin: Daten zur Besatzungsverminderung. 21/4 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben. Dabei Liste über die Besatzungsstärke in den einzelnen Standorten, 2 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1928 Mai 4: Besatzungsstärken und Quartierlasten nach dem Stande vom 15. 9. 1925, 15.6., 15. 9. und 15. 12. 1926, 15.3., 15. 6., 15.9. und 15. 12. 1927, sowie 15. 3. 1928.5 S., Vervielf.1928 Juni 23 - Speyer: Reg.-Präs. Dr. Matheus dankt Marx anläßlich seines Ausscheidens aus dem Amt besonders in Erinnerung an den Be-such des Vorjahres. Wenn in unserer polit. und wirtschaftl. Lage eine unverkennbare Besserung eingetreten ist, so wissen wir in der Pfalz, daß diese erfreuliche Wendung unmittelbar mit Ihrer Amtsführung als RK und Rheinminister zusammenhängt. Eh. Unterschrift.2 S., eigenhädig Ausf., Kopfbogen.[19J28 Juli 4 - Berlin: Min.-R. Dr. E. Mayer dankt Marx für das gewidmete Bild. Durch das große Werk der Londoner Konferenz vom Aug. 1924 haben Sie dem Rheinland Lebensluft und Lebensfreude wiedergegeben. Gewiß hat Locarno weitere Verbesserungen gebracht. Aber der entscheidende Schritt vorwärts war und bleibt das unter Ihren Auspizien stehende Werk von London. Nun gedieh der bis dahin so unglückliche Pflegling unseres Ressorts, das Rheinland. Es war eine schöne Zeit. Die andere schöne Zeit, an die mich Ihr Bildnis stets erinnern wird, war die Zeit, wo wir Sie an derSpitze unseres Ministeriums sehen durften. Daß dieses Ministerium den Händen eines echten, seine Heimat nie vergessenden Rheinländers anvertraut war, wirkte am Rhein beruhigend und in Berlin klärend. Galt dies schon, als Sie noch Reichsminister der Justiz waren, so noch mehr, als Sie sich ent-schlossen, zu der Bürde des RKAmts unser Ministerium auf sich zu nehmen. Damit brach unsere Glanzzeit an. Ein Abglanz der höchsten Reg.-Behörde des Reichs verklärte auch unser Haus am Leipziger Platz. Vieles wurde erreicht. Des rhein. Volks bemächtigte sich große Zufriedenheit mit diesemZustand. Kraftvoll trat sie zu Tag in den eindrucksvollen Tagen Ihrer Oktoberfahrt 1927 in das besetzte Gebiet. Das war Treue umTreue. Das war die andere schöne Zeit, die Zeit des vollen Vertrauens des Rheinlands zu der Leitung in Berlin. Eh. Unterschrift.4 S., eigenhädig Ausf.1928 Dez. 12 - Berlin: v. Guerard antwortet auf Marx' Eingabe zugunsten des Postmeisters i. R. Römer in Traisa bei Darmstadt wegen Aufwer-tung einer 1922 in Papiermark gezahlten Entschädigung für Benutzung von dessen Haus als Offiziersmesse der Besatzungstruppen. Eh. Un-terschrift.3 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Der Reichsminister für die besetztenGebiete'.[19]29 Jan. 13: Aufzeichnung von Marx in 6 Punkten über die durch die frz. und dann engl. Besatzung in Königstein (Taunus) heraufbe-schworenen Verhältnisse aufgrund eines Berichtes des BM Böhm.1 S., eigenhädig1929 Febr. 13: Marx berichtet Reichskommissar Langwerth von Simmern über die Besatzungsschäden in Königstein (Taunus).3 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1929 Juli - Aug.: Material über die Vereinbarungen mit der Botschafterkonferenz über die rhein. Eisenbahnen. 6, 3, 4, 4, 3, 3, 3 S., Vervielf., Vermerk .Vertraulich". Dabei 2 Karten: A. Forderungen der Botschafterkonferenz, die bei Beginn der Verhdlgn. im Juni 1929 noch offen waren hinsichtlich Zerstörungen von 2. Gleisen, Brückenanschluß- und Verbindungskurven sowie von Rampen und ähnlichen Einrichtungen. B. Zugeständnisse der RR für Abbau von 2. Gleisen, Brückenanschlußkurven und Rampen sowie Hinweise auf besondere Vereinbarungen für die Strecken Düren-Köln, Trier-Koblenz, die VerbindungskurveOdernheim-Staudernheim sowie die Ostertalbahn; ohneMaßstabsangaben.1930 Juli 1 - Mannheim: Prof. Metzger und Dr. Beck telegraphieren Marx namens des Mannheim-Ludwigshafener KV anläßlich der BefreiungDank für die erfolgreiche Arbeit an der Erreichung dieses Zieles.Postausfertigung.1930 Juli 2 - Trier: OB Dr. Weitz schreibt Marx, daß er den Glückwunsch zur Befreiung am Vortage in der außerordentl. Stadtverordnetenverslg.,wo OP Fuchs der Ehrenbürgerbrief überreicht wurde, in Gegenwart des Bischofs verlesen hat. Der außergewöhnliche Beifall, mit dem Ihr Glückwunsch entgegengenommen wurde, bewies, mit welcher Liebe und Verehrung das Rheinland und die Stadt Trier im besonderen an ihrem RK Marx hängt. Eh. Unterschrift.11/2 Halbseiten, masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1930 Juli 4: Marx dankt Prof. Metzger und erinnert an die .Geste" von Herriot nach Abschluß der Londoner Konferenz, womit die Räumung ihren Anfang gemacht hat. Wir wollen uns diesen Erfolg, der von der Weltgeschichte zweifellos als ein Erfolg der zielbewußten Politik katholischer Parteien und kath. Regierungsmänner gewertet werden wird, durch andere nicht verkleinern lassen.1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung.1930 Sept. 26 - Wiesbaden: Der ReiChskommissar für die besetzten rhein. Gebiete Langwerth v. Simmern dankt Marx anläßliCh der Auflösung des Reichskommissariats für viele Förderung und Hilfe. Wir alle hatten ja wohl gehofft, daß nach Abzug der Besatzung aus den Rheinlanden, die ja schließlich doch um fast 5 Jahre früher frei geworden sind, als es in Versailles festgelegt war, ein neuer Auftrieb für die Annäherung zwischen uns und Frkr. eintreten würde. Mancherlei Dinge hemmten dies bekanntlich, nicht in letzter Linie die furchtbare wirtschaft]. Lage in ganz Dtschld. und vor allem am Rhein. Aber ich halte an dem Glauben fest, daß, wenn diese Weltwirtschaftskrise einmal beendet sein wird, wir trotz aller Hindernisse und trotz aller Hemmungen zu Fortschritten in der Annäherung unserer Völker kommen werden. Eh. Unterschrift.11/2 S., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen.1930 Okt. 4 - Berlin: Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Treviranus übermittelt Marx Abschrift eines Handschreibens des RP anläßlich der Auflösung des Ministeriums. Ich entspreche damit einer selbstverständlichen Pflicht, der ich in Erinnerung an die Zeit, in der Sie an der Spitze des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete standen, gern nachkomme. Eh. Unterschrift.1 Halbseite, masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen. In der Anlage Abschrift desSchreibens des RP vom 26.9. 1930, 2 Halbseiten, masch.-schriftl.1930 Okt. 8: Marx dankt Langwerth: Ich habe bereits, als Sie Ihr Amt antraten, Ihren Mut bewundert, eine so schwierige, so verantwortungsreicheund anscheinend so undankbare Aufgabe zu übernehmen Gerade Ihr vorsichtiges, aber durchaus zielbewußtes und da, wo es nötig war, auch energisches Vorgehen hat die Achtung auch der Gegner zu erringen gewußt, so daß zuletzt geradezu ein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und der Ententekommission begründet wurde, das die Verhdlgn. zu segensreichen und erfolgreichen für das gesamte besetzte Gebiet gestaltete. Das dt. Volk, besonders aber die Bevölkerung der besetzten Gebiete, schuldet Ihnen und Ihren Bemühungen den allerwärmsten Dank, der Ihnen, wie ich habe feststellen können, zu meiner großen Genugtuung auch allseitig ausgesprochen worden ist. Ich kann mich dieser allg. Auffassung nur von ganzem Herzen anschließen, weil ich ja in besonderem Maße auch in der Lage war, die Schwierigkeiten Ihrer Stellung zu erkennen, zugleich aber auch die Geschicklichkeit zu würdigen, mit der Sie die Regelung der oft so schwierigen Fragen günstig zu gestalten verstanden haben.11/2 S., Durchschrift v. Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung.
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1935
Die Saarabstimmung vom 13.1.1935, die militärische Besetzung desSaarlandes und der Rückkauf der Saargruben


Enthält : Erinnerungsbericht, o. D. (geschrieben wohl 1935): Das Ergebnis der Saarabstimmung vom 13.1. 1935 wertet Marx als ein für dt. Wesen und dt. Empfinden derart wunderbares und erhebendes, daß dieser Tag wohl zu den ruhmvollsten der dt. Geschichte gehören wird. Die starke, 15jährige, fast ausschließliche Beeinflussung der Volksmeinung durch Frkr. war an der treuen Klugheit des Volkes selbst gescheitert. Die Opfer einzelner Ab-stimmungsberechtigter zur Teilnahme an der Wahl hat Gauleiter Bürckel dargestellt (S. 1). Marx erörtert die status-quo-Frage, gegen die Prof. Grimm-Essen, der schon seit Jahren als bewährter und mutiger Verteidiger von Angeklagten vor den frz. Gerichten des besetzten Gebietes sich ruhm-voll ausgezeichnet hatte, erfolgreich agitierte: Marx glaubt, nicht fehlzugehen, wenn (Grimm) den großartigen Ausgang der Abstimmung mit in erster Linie als sein Verdienst betrachte(t). Die Franzosen hatten ihre Propaganda vor allem auf den status-quo abgestellt, da sie Clemenceaus Ansicht von der angeblich großen Anzahl Franzosen im Saarland aufgegeben hatten (S. 2-4). Sie zwangen die meisten Leute, ihre Kinder in die frz. Domanialschulen zu schicken. Die Reg.-Kommission unter Knox war dt.-feindlich. Das dt. Mitglied Koßmann hat mit vorbildlicher Tapferkeit oftmals beim Völkerbund interveniert. Die dt. Mitglieder des angeblichen Parlaments Levacher, Röchling und Kiefer unterstützten ihn wirksam. Am 1. 3. 1934 lösten sich alle Parteien auch die NSDAP unter Verzicht auf Uniform und Abzeichen - zugunsten der einheitl. ,Dt. Front' unter Landesleiter Pirro auf, der mit größter Aufopferung seiner Gesundheit sich seiner Aufgabe hingab. Viele SPD- und KPD-Emigranten aus Dtschld. traten allerdings für den status-quo ein. In der Schutzpolizei wurde Heimburger ihr Sprecher. Einer sich kath. nennenden Ztg. ,Neue Saarpost' trat Bischof Bornewasser entgegen, ebenso dem Pater Dürr (S. 5). Der Saarpost-Chefredakteur Hoffmann wurde Ende 1934 der Veruntreuung frz. Agitationsgelder beschuldigt. Die status-quo-Propaganda des früheren Bergarbeiterführers Imbusch fand durch die Revolverschüsse seines Chauffeurs in der Verslg. in Bliesweiler ein jähes Ende. Die Bischöfe von Trier und Speyer und schließlich die der Kirchenprovinzen Köln und Paderborn erließen Bekanntmachungen, und der Hl. Stuhl betonte seine Neutralität. Gerade in kath. Bezirken wurden die höchsten Abstimmungszahlen für Dtschld. erzielt. Goebbels mußte die Haltung der Bischöfe und des kath. Volksteils bei Eröffnung der Saar-Ausstell-ung im RT besonders anerkennen (S.6). Der vom Völkerbundsrat eingesetzte Dreierausschuß zur Vorbereitung der Abstimmung unter dem Italiener Aloisi hat unparteiisch gearbeitet. Bischof Hudal sprach auf einer Saar-Festverslg. in Rom in Anwesenheit des dt. Gesandten Die militär. Besetzung des Saarlandes zur Abstimmung hatte sich Barthou als eine frz. gedacht, sein Nachfolger Laval war entgegenkommenderund willigte in neutrale Truppen aus England, Holland, Schweden und Italien ein. In der Tat war eine ruhige und freie Abstimmung durch die mit Emigranten durchsetzte saarländ. Polizei nicht gewährleistet (S.8). Der Rückkauf der Saargruben ist durch die von Aloisi geführte Völker-bundskommission klug gelöst worden; die Verhdlgn. zwischen einem dt. und frz. Reg.-Vertreter führten zu vollkommener Einigung(S. 9 f.).10 S., Masch.-Erstschrift.1922 April 13 - 10 - Heidelberg: Verhdlgn. zwischen der dt. Reg. und der Reg.-Kommission des Saargebiets.92 S., Druck.1925 Mai 26 - Saarlouis: Urteil des 1. Zivilsenates des Obersten Gerichtshofes in Sachen Ld.-Ger.-Dir. Prüfner, Ld.-Ger.-R. Manderscheid,Gewerberat Rieckmann und Stud.-R. Schönaich in Saarbrücken gegen die Reg.-Kommission wegen Beamtenbesoldung im Saarland.61/2 S., masch.-schriftl. Abschrift.1926 Juni 10: Stellungnahme der RR zu den bei der Besprechung mit dem Unterausschuß des 16. Ausschusses des RT aufgeworfenen Fragen über Hilfsmaßnahmen für das Saargrenzgebiet.7 S., Vervielf.o. D. (wohl 1926, nach Juni 13) - Mettnich bei Wadern, Bez. Trier: Pfarrer N. Rupp wendet sich an Marx wegen der fortschreitenden Not der dt. Saargrenzgänger mit Berufung auf einen Vortrag von Syndikus Karius-Hannover, nachdem er vorher bei Minister Brauns und den Abg. Kaas und Tremmel interveniert hat. Eh. Unterschrift und Kirchensiegel von Mettnidl.11/2 S., masch.-schriftl. Ausf. In der Anlage Aufsatz des BriefschreibersnGrenznot - Reichsnot" , 1 S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.o. D. (wohl 1927): Helene v. Vopelius beridltet über ihre Arbeit gegen die Verwelschungsbestrebungen der Franzosen unter Frauen und Mäd-chen im Saargebiet. Eh. Unterschrift.1 S., masch.-schriftl. Ausf.o. D. (wohl 1927): Dr. J. 1. Zell schreibt Marx, daß er nach Beratung mit den Pfarrern Scholten-Hetzerath und Frings-Becond dem Abg. Dr. Eis-mann (MdL) seine Sache übergeben hat. Die bei den Geridlten in Saarbrücken und Saarlouis angewachsenen Akten widersprechen der objektiv festgestellten Wahrheit; die Erklärung liegt in der Feindseligkeit der maßgebenden frz. Persönlidlkeiten. Die Feststellungen seiner Schrift ,Geredltigkeit oder Korruption' hat bisher niemand widerlegt. Auch hat niemand davon Notiz genommen, daß der Hauptschuldige, der Prof. Dr. Fr. W. Foerster, mir jahrelang Geld angeboten hat, wenn ich schweige. Wie Zell an Eismann und Min.-Dir. Dr. Notton - Saarbrü<k.en ausgeführt hat, ist er das Opfer der polit. Massenpsychose und einer nicht objektiven Einstellung des Obersten Gerichtshofes in Saarlouis, dessen Vors. Acker wegen Landesverrats von einem dt. Gerichte zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Eh. Unterschrift.3 5., masch.-schiftl. Ausf.1921 Febr. 18 - Saarbrü<k.en: Bericht der Reg.-Kommission des Saargebiets über die Freiheit der Transporte und des Transits auf den Eisen-bahnen des Saargebiets. Dazu Beschlußentwurf für den Völkerbundsrat.4, 3 und je 1 5., frz. und dt., Vervielf.o. D.: Stichworte von Marx über Forderungen in der Saarfrage.1 Halbseite, eigenhädig1928 März 31 - Berlin: Gaus gutachtet über die Frage, ob ein Einwohner des Saargebiets als Abg. in den RT gewählt werden kann. Der Fall ist nach v. Friedbergs Angabe durch die Wahl von Valentin Schäfer (SPD) in den preuß. LT bereits präjudiziert.11/z 5., masch.-schiftl. Abschrift.1928 Dez. 13: Mündl. Bericht des 19. Ausschusses (Besetzte Gebiete) und des 5. Ausschusses (Reichshaushalt) über Erhöhung der Reichsbeihilfen an Sozialrentner aus dem Saargebiet.RT IV, 1928, Ds. 686.1929 Febr. 25 - Saarbrü<k.en: Pfarrer Bungarten bittet Marx namens des örtlichen Z um eine Rede in einer großen Parteiverslg., besonders um zu hören, was Dtschld. und vor allem das Z für das Saarland getan haben. Eh. Unterschrift.11/z 5., masch.-schriftl. Ausf., Antwortvermerk von Marx vom 28. 2.1929 akt. 1 - Berlin: Die Geschäftsstelle ,Saar-Verein' bittet Marx um Mitunterzeichnung eines Aufrufs für die weitere Finanzierung der Ge-schäftsstelle. Gez. Unterschriften: Bergassessor und Bergwerksdirektor a. D. Dröge, Vors. d. Beratungs und Aufsichts-Ausschussesbund Senatspräs. Otto Andres, Vors. d. Bundes der Saarvereine; eigenhädig Unterschrift: Verwaltungsdir. Dr. Vogel, Geschäftsstellenleiter. 11/2 5., masch.-schriftl. Ausf. auf Kopfbogen, Beantwortungsvermerk von Marx vom 9. 10. In der Anlage: Namentliche Nachweisung der zur Unterzeichnungdes Aufrufs vorgeschlagenen 24 Persönlichkeiten.1929 Nov. 19, 1930 Febr. 11: Interpellationen der Volkskonservativen und der SPD wegen der Saar.RT IV, 1928--30, Ds 1423, 1638.1931 Aug. 31 - Saarlouis: Dechant Msgr. Subtil denkt an die Beziehungen zu Marx aus seiner Tätigkeit als Kreischef des Z und Leiter der SchO an der Saar. Er war bei der Gedenkfeier für Trimborn in Unkel. Eh. Unterschrift.1 5., masch.-schriftl. Ausf.1933 Febr. "Neunkirchen".,Der Heimatdienst', 13. Jg. Nr. 4.1933 Aug. 26 und 27: Einladung zur 13. Tagung des Bundes der Saarvereine in Bingen und Rüdesheim.4 5., Druck, dazu Änderungen der Festfolge.1934 Okt. 5 - Bonn: Marx dankt Grimm für das Buch ,Frkr. an der Saar', bewundert die Verarbeitung eines umfangreichen Schrifttums und anerkennt die patriot. Leistung.11/2 5., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung.1934 Dez. 31 - Bonn: Marx setzt seiner Nichte Maria [Peerenboom] die Nachteile einer Zustimmung zum status quo des Saarlandes mit Be-rufung auf Prof. Grimm-Essen auseinander.2 5., Durchschrift von Masch.-Schreiben, ohne Beglaubigung.o. D. (1935, nach Jan. 15): Spöttische "Todesanzeige" auf den Statusquo.Postkarte.
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Oberschlesien


Enthält : o. D. (nach 1904): Zusammenstellung von Aussprüchen von v. Schorlemer- Alst (1886), Graf Huene (1880) und Prof. Virchow (1886) zurpreuß. Germanisierungs- und Protestantisierungspolitik in den Provinzen Westpreußen und Posen.11/2 5., eigenhädig von Marx.1915 Aug. 18 - Berlin-Charlottenburg: ,Das neue Ostland' von Silvio Broedrich-Kurmahlen, hg. vom Ostlandverlag.31 5., Druck.o. D. (1921): Karte: Das Abstimmungsgebiet Oberschlesien, Grenzlinie des Obersten Rates vom 20. 10. 1921, Maßstab 1 : 250000.1923 April 30 - Berlin: Reichsaußenminister v. Rosenberg teilt Marx mit, daß dt. Reichsangehörige für die Einreise nach Dtschld. weder einer besonderen Erlaubnis der inneren Behörden bedürfen noch eines Sichtvermerks durch die Paßstellen im Ausland. Da Franz Potracki nach Borsigs Angaben nicht für Polen optiert hat, auch einen Paß und Heimatschein besitzen soll, dürften keine Schwierigkeiten für eine Rück.kehr nach Dtschld. bestehen. Eh. Unterschrift.PI, 5., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Ausw. Amt'.1923 Aug. 23 - Berlin: StS v. Maltzan übermittelt Marx einen Ministerialpaß für eine Reise nach Danzig. Eh. Unterschrift.l/r 5., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Ausw. Amt'.1925 Okt. 14 - Neisse: LG-Dir. Tauche übermittelt Marx einen Abdruck. seines Referates über die oberschles. Provinzfrage, das er auf dem Parteitag des oberschles. Z in Oppeln gehalten hat. Ähnliche Probleme, wie sie Marx in Neisse behandelt hat, hatte Tauche vorher vor den oberschles. Windthorstbunden erörtert. Eh. Unterschrift.PI, Halbseiten, eigenhädig Aus!. In der Anlage Ztgs.-Ausschnitt.1926 März 16 - Berlin: Das Ausw. Amt weist Marx, der laut Kabinettsbeschluß die RR bei der Abstimmungsfeier in Oppeln am 28. vertreten soll, darauf hin, daß in den Kreisen des Deutschtums in dem abgetretenen Teil Oberschlesiens die Besorgnis entstanden ist, Polen könnte Wortlaut und Inhalt der bei der Abstimmungsteier gehaltenen Reden zum Anlaß nehmen, die dt. Minderheit in Polnisch-Oberschlesien auts neue zu drangsalieren. Angriffe auf Polen sollten daher tunlichst unterbleiben, auch um der poln. Weltpropaganda keinen Stoff zu liefern. Der Völkerbundsentscheid über die Teilung kann kritisiert werden; diesen hat MacDonald Anfang Sept. 1924 als Irrtum bezeichnet. Eh. Unterschrift: Köpke.PI! 5., masch.-schriftl. Ausf., Kopfbogen ,Auswärtiges Amt'. In der Anlagein masch.-schriftl. Abschriften die beiden folgenden Schreiben:1926 März 5 - Berlin: Das Ausw. Amt teilt dem Preuß. Innenministerium mit, daß der dt. Gen.-Konsul in Kattowitz über Aufrufe der poln. Presse zu Gegendemonstrationen gegen die dt. Abstimmungsfeier am 28. berichtet hat. Polenfeindl. Ausschreitungen aber hat die dt. Minderheit in Polnisch-Oberschlesien auszubaden. Das Programm möge unter diesem Gesichtspunkt vorbereitet werden. Nach Unterrichtung über die ent-sprechenden dt. Vorkehrungen würde das Generalkonsulat in Kattowitz zu Schritten bei der Woiwodschaft gegen poln. Kundgebungen ange-wiesen werden. Der Reichsinnenminister hat Durchschrift des Schreibens erhalten. Gez. Unterschrift:Wallroth.PI, 5., masch.-schriftl. Abschrift.1926 März 8 - Kattowitz: Generalkonsul v. Grünau teilt dem Präs. der Gemischten Kommission Calonder mit, daß er auf dessen in der Staats-vertretersitzung vom 6. ausgesprochenen Wunsch hin, mit dem dt. Mitglied der Gemischten Kommission, Landrat Lukaschek,am 1. beim OP in Oppeln die Auffassung und Anregungen vorgetragen hat. Das Schreiben des poln. Staatsvertreters vom 25. 2. istdahin zu berichtigen, daß die Feier der 5. Wiederkehr des Abstimmungstages allein der Initiative weitester Bevölkerungskreise entsprungen ist und einem spontan empfundenen Bedürfnis der dt.oberschles. Bevölkerung entspricht. Sie leidet weiterhin unter den Auswirkungen der getroffenen Entscheidung. Indessen hat der OP für geordnete und würdige Kundgebungen vorgesorgt. Die Vereine und Verbände sind auf strengste Disziplin bei etwaigen Umzügen verpflichtet worden, in den Ansprachen sollen Völkerbund, Polen und das Vorgehen gegen den Kattowitzer Dt. Volksbund nicht kritisiert werden. Da dt. Staatsbürger poln. Nationalität teilnehmen werden, sind die Kundgebungen nicht gegen die poln. Minderheit gerichtet. Der OP wird in einem Aufruf zur Selbstzucht mahnen und vor Gesetzesüberschreitungen warnen. Umzüge sind nur in größeren Städten erlaubt, wo starke Polizeikräfte vorhanden sind. Auf dem Lande werden nur Gedächtnisansprachen möglichst im Anschluß an den Kirchgang gehalten. Dagegen möge Calonder gegen die ausdrücklich als Gegendemonstration in Vorbereitung befindlichenManifestationen etwas unternehmen, damit auch in Kattowitz die öffentl. Sicherheit nicht gefährdet wird. In Anbetracht der zahlreichen wirk-lichen Terrorfälle ernstester Natur aus der letzten Zeit und der feindl. Stimmung nicht sowohl gegen Dtschld. als vielmehr gerade gegen die boden-ständige dt. Minderheit hier erscheinen die Besorgnisse nicht unbegründet, die seitens der dt. Kreise gehegt werden; es kommt dabei erschwerend in Betracht, daß, wie über die Vorbereitungen bekannt geworden ist, zahlreiche Abordnungen der Aufständischenverbände aus der Provinz hier zusam-mengezogen werden, die dann in vorgerückter Stunde und Stimmung nach ihren Heimatorten zurückkehren werden, wo sie, da in geschlossenen Verbä-nden auftretend, zu einer Gefahr für die öffentl. Ordnung und Sicherheit werden können. Dagegen sind Einschränkungen angezeigt, wie sie der OP entsprechend gegen auswärtige Elemente getroffen hat. Unverständlich ist, daß polnischerseits an der Teilnahme eines Reichsministers oder preuß. Staatsministers Anstoß genommen wird, während unter den im Tone unversöhnlichster Feindseligkeit und zur Bekämpfung alles Deutschenauffordernden Aufrufen des poln. Westmarkenvereins ständig die Namen poln. aktiver Minister und höchster Staatsbeamter - auch des Kattowitzer Appellationsgerichtspräs. - zu finden sind.Gez. Unterschrift.4 S., masch.-schriftl. Abschrift.1926 Aug. 22 - Breslau: Bericht über die Ausführungen von Schulrat a. D. und Senator Szczeponik - Kattowitz, Abg. Prof. Dr. Pant - König-shütte, Chefredakteur des ,Oberschles. Kurier', Rektor a. D. Olbrich - Kattowitz, GS des Verbandes dt. Katholiken in Polen, sowie von Prof. Dr. Sauermann - Myslowitz.18 gezählte und 9 ungezählte S., Durchschrift von Masch.-Schreiben.1927 Juli 2 - Liegnitz: B. Clemenz bittet Marx auf Anregung von Kard. Bertram nach vergeblichen Versuchen bei Geigenhädig-R, Terdenge und Mino-R. Tiedje um Beihilfe für die Zschr. ,Schlesien', die er 1907 begründet hat und seit 1921 neu herausgab. Eh. Unterschrift.3 So, mascho-schriftl. Ausf.[19]29 Jan. 6 - z. Zo Guttentag: Ulitzka übermittelt Marx für dessen Art. in amerikan. Ztgn. Unterlagen. Es sind zuverlässige Aufzeichnungenaus eigenem Erleben. Eine Denkschrift Korfantys zum 5. Jahrestag der Abstimmung hat Ulitzka seinerzeit Stresemann zugehen lassen. Eh. Unterschrift.1 Halbseite, eigenhädig Ausf. In der Anlage: 1. "Mein Urteil über den Dt. Volksbund"von Ulitzka, 11/2 So, masch.-schriftl.; 2. Die Parteinahme Le Rondsfür Polen, 2 So, mascho-schriftl.i 30 "Gesichtspunkte für Artikel über Abstimmungund Grenzziehung" , '1 S., masch.-schriftl.1929 Jan. 10 - Düsseldorf: R.A. Keller übermittelt Marx eine Ubersicht über die Unterlagen, die die SchO über Oberschlesien gesammelt hat, sowie Nachweise und Charakterisierung des Schrifttums zur Minderheitenfrage. Eh. Unterschrift.11/2 So, masch.-schriftl. Ausfo, Kopfbogen ,Katho SchO Dtschlds., Zentralstelle'.In der Anlage: 1. Ubersicht über gesammelte Unterlagen, 1 So;20 Literatur zur Minderheitenfrage, 5 S.
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Minderheitenschutz, besonders in Oberschlesien


Enthält : 1926 April 19 - Berlin: Eingabe des Dt. Friedenskartells an den RT mit Bitte, die Stellung der nationalen Minderheiten in Dtschld. durch Gesetz zu ordnen. Unterschrift: L. Quidde.12 S., Druck.1927 März 11 - Genf: Schutz der Minderheiten, Berufung des ,Dt. Volksbundes' Polnisch-Oberschlesiens an den Völkerbund betr. Zulassung der Kinder zu den dt. Minderheits-Volksschulen der Wojewodschaft Oberschlesien. Berichterstatter: Urrutta - Columbien.Dt. und frz., je 4 S., Vervielfo1927 Sept. 30 - Berlin-Charlottenburg: Entw. zu einem Reichsgesetz betr. das Minderheitenschulwesen in Dtschld. nebst Ausführungsgesetz,überreicht vom Verband der nato Minderheiten in Dtschld.'1 S., Druck.1928 April - Rom: Kirchl. Mitt. der kath. dt. Gemeinde in Rom, hg. von der dt. Nationalkirche der Anima.8 So, Druck.1928 Juni 9 - Genf: v. Schubert telegraphiert dem Ausw. Amt Beschlüsse des Völkerbundsrates über oberschles. Schulangelegenheiten.31/2 und 1 S., dt. und frz., masch.-schriftl. Abschriften.o. D. (1928, nach Juni 6): Bemerkungen der dt. Reg. zur Frage der Garantie des Völkerbundes für die Bestimmungen zum Schutze der Minder-heiten.28 S., Vervielf.1929 Jan. 5: .Schutz den Minderheiten".2 S., Sonderabdruck aus Nr. 1 der Bundesztg. Dt. Rechtsbeistände.1929 Juli: .Minderheitenschutz und Völkerbund".Reichszentrale für Heimatdienst, Richtlinie 182.1929 Okt. 31: Die rechtl. Stellung der dt. Minderheit in Polen nach den dt.-poln. Vereinbarungen.16 S., Druck, Vermerk: Vertraulich".1930 Mai: .Die Minderheitenfrage als europ. Problemu. Reichszentrale für Heimatdienst, Richtlinie 195.1930 Nov. 27 - Berlin: Reichsaußenminister Curtius berichtet Sir James Eric Drummond, GS des Völkerbunds, über die Gewalttaten gegen die dt. Minderheit in Polnisch-Oberschlesien und bittet, die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Völkerbundes zu setzen.18, 6 und 3 S., Vervielf., Vermerk: Vertraulich".1930 Dez. 3: Antrag der Kons. Volkspartei auf Gegenmaßnahmen der RR an der poln. Minderheit in Dtschld. wegen der Gewalttätigkeitengegen die dt. Minderheit in Polen.RT V, 1930, Ds 319.
Bestellsignatur : Best. 1070 (Marx, Wilhelm), A 93


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