Stadtarchiv Geseke
Archivgut eigener Herkunft, im eigenen Archiv
Bestand B
Ges Aktenabteilung B
Permalink des Findbuchs


Signatur :

Name : Ges Aktenabteilung B

Beschreibung : Zur Geschichte des Bestandes Aktenabteilung B, Auszug aus dem Findbuch-Vorwort der Erstverzeichnung des Geseker Archivbestandes aus den Jahren 1954/55 von Landesarchivrat Dr. Wolfgang Leesch:
"[…] Als 1810 die Magistratsverfassung aufgehoben wurde und Gerichtsbarkeit und Polizeiverwaltung an das Justizamt zu Geseke übergingen, mußte die Stadt die laufenden Justizakten (Spezialakten) an das Justizamt abliefern. In dem 1811 angefertigten Verzeichnis der abgelieferten Akten führt der damalige Bürgermeister Siebeneicher bewegte Klage über die Aufhebung des alten Magistrates (A XXXVI, 4 [alte Archiv-Sign.]). Nach Einrichtung des Landratsamtes in Lippstadt (1816) wurde das Justizamt 1817 auf rein gerichtliche Befugnisse beschränkt und hatte seine Verwaltungsakten mit einem Verzeichnis (A XXXVI, 5 [alte Archiv-Sign.]) an das Landratsamt abzuliefern. 1819 wurde dann als Zwischenstufe zwischen dem Ortsschultheißen und dem Landrat das Amt des Distrikts-Schultheißen als Aufsichtsbehörde für die Ortsschultheißen im Bezirk des Justizamtes geschaffen und mit diesem der Ortsschultheiß zu Geseke betraut. Die Registratur des Schultheißen-Distrikts, der 1824 die Bezeichnung Bürgermeisterei erhielt, und 1841 in das Amt Störmede umgewandelt wurde, enthielt nunmehr die Akten über die Verwaltung der Gemeinde Geseke und der übrigen Gemeinden des Distrikts. Als 1837 Geseke nach Annahme der revidierten Städteordnung von 1831 aus dem Verbande der Bürgermeisterei ausschied, wurden an diese nur die wenigen für den laufenden Geschäftsverkehr benötigten Akten, die sich auf die Gemeinden der Bürgermeisterei bezogen, abgeliefert, so daß sich noch heute die Mehrzahl der Akten über die Verwaltung der Gemeinden des heutigen Amtes Störmede aus der Zeit zwischen 1817 und 1837 im Stadtarchiv zu Geseke befinden.
Wie die anderen preußischen Regierungen drang auch die Regierung in Arnsberg in den [18]30er Jahren energisch auf die Verzeichnung der Stadtarchive (Rundverfügung vom 20.5.1833), wobei außer den ‚Urkunden, Akten, Literalien und Rechnungen' aus der Zeit der vorigen Magistrate auch die Bestände seit 1810 in chronologischer Reihenfolge verzeichnet werden sollten (Ausführungsverfügung vom 2.12.1833). Aber Bürgermeister Schroeder beschränkte sich auf die Verzeichnung der in seiner Wohnung befindlichen laufenden Registratur und sah sich außerstande, die ‚alten durcheinander auf dem Rathause liegenden Papiere', die sich in mehreren seit vielen Jahren nicht mehr geöffneten Kästen befanden, zu ordnen; er bat um die Erlaubnis, jemand auf Kosten der Stadt damit zu beauftragen, wie dies 1823 in Lippstadt geschehen sei. Auf erneutes Drängen der Regierung befaßte sich Schroeder 1835 doch mit den ‚alten Skripturen', glaubte aber feststellen zu müssen, daß außer mehreren Rechnungen keine Papiere von Wert erhalten geblieben seien. Nachdem aber die Regierung weiterhin auf Einreichung von Verzeichnissen bestand (Verfügung vom 22.9.1835), gelang es Schroeder schließlich, den Geseker Vikar und späteren Pfarrer von Störmede Löhers, der eben ein Repertorium der Papiere des Stiftsarchivs angefertigt hatte, zur Übernahme der Ordnungsarbeiten zu bewegen, womit sich die Regierung einverstanden erklärte. Löhers ordnete zunächst die Rechnungsregister und suchte dann die ihm wertvoll erscheinenden Papiere aus, die er in seine Wohnung zur Ordnung mitnahm. 1839 erklärte sich die Regierung mit dem von Löhers eingereichten Repertorium, das für seine nächste Bestimmung ausreichend und zweckmäßig sei, einverstanden und genehmigte eine Vergütung von 20 Reichstalern. Löhers hatte die von ihm als wertvoll ausgewählten Schriftstücke nach alphabetischen Schlagworten gegliedert (Verzeichnis im Stadtarchiv A I, 22 [alte Archiv-Sign.] und im Archiv des Altertumsvereins zu Paderborn Aktenband 169, Seite 466ff), ohne dabei eine einigermaßen befriedigende Systematik zu finden; so bildete er z.B. die Gruppen: A I Anstellungen, A II Akten, A III Armensachen, B I Brot und Branntwein, B II Bausachen, B IV Besitznahme Gesekes durch den hessischen Landgrafen, B V Bürger, G I Gerichtsbarkeit, G V Geseke und die ihm zugestandene Verwaltung, K I Krieg, S IV Soldaten, S V Schützen, V I Verordnungen usw. Die Schriftstücke jeder dieser Gruppen faßte er unter einem Papierumschlag zusammen, auf dem die inliegenden Schriftstücke entsprechend dem Repertorium im einzelnen verzeichnet waren. Trotz dieser erstmaligen Ordnung des Aktenschriftgutes scheint man sich immer noch nicht über den geschichtlichen Wert des Archivs klar geworden zu sein; denn noch 1873 schrieb Bürgermeister Friedrich Frettlöh dem Leiter des Staatsarchivs zu Münster Dr. Wilmanns, der sich zur Besichtigung des Stadtarchivs angemeldet hatte, sein Besuch werde zwecklos sein, weil ‚die städtische Registratur aus früheren Zeiten kein Material enthält, welches in geschichtlicher Hinsicht von einiger Wichtigkeit wäre'. Daß das geschichtliche wertvolle Schrifttum der Stadt in die Hände des inzwischen verstorbenen Geheimrats Seibertz in Arnsberg gelangt sei, war wohl eine irrige Vermutung Frettlöhs.
Nach dem ersten Weltkriege hat sich der im Ruhestande lebende Amtsgerichtsrat Leinemann an der Ordnung des Archivs versucht, ist aber über eine allgemeine Beschreibung des Inhalts und einen ganz untauglichen Gliederungsplan nach systematischen und staatsrechtlichen Gesichtspunkten nicht hinausgelangt. 1954/1955 wurde schließlich das gesamte Archiv einschl. der noch immer in einer eisenbeschlagenen Holzkiste befindlichen Pergamenturkunden in drei Kellerräumen des Rathauses vereinigt und im Auftrage der Archivberatungsstelle Westfalen durch Landesarchivrat Dr. Wolfgang Leesch geordnet und verzeichnet. […]
Nach der Neuordnung von 1954 gliedert sich das Archiv nunmehr in 4 große Abteilungen: […]
2. Aktenabteilung B (von 1815 bis zur Anlegung einer neuen städtischen Registratur 1880):
- Akten der Bürgermeisterei Geseke betr. die Gemeinde Geseke (bis 1837) und seitdem Registratur des Magistrats zu Geseke; die Registratur ist ganz neu geordnet worden.
Angeschlossen sind:
- Die Akten der Bürgermeister Geseke bis 1837 betr. die übrigen Gemeinden, sowie einiger Akten des Amtes Erwitte betr. die Gemeinde Böckenförde, die erst später dem Amte Störmede angeschlossen worden ist. […]"
Das seitdem nur ungedruckt und in Form von mehreren leicht voneinander abweichenden maschinenschriftlichen Manuskriptexemplaren vorliegende Findbuch des Bestandes der sogenannten Aktenabteilung B des Stadtarchiv Geseke wurde 2013 mittels eines Archiv-Verzeichnungsprogramm per Computer erfasst. Auf eine Neuverzeichnung wurde dabei aus Zeitgründen weitgehend verzichtet, bisweilen jedoch kleinere Bearbeitungen bzw. Ergänzungen einzelner Verzeichnungstitel vorgenommen. Die alten Archivsignaturen sind weiterhin maßgeblich und es sind im Archivmagazin die Archivalien gemäß der alten Archivsignatur gelagert.

Geseke, den 28. Februar 2013

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