Kreisarchiv Düren
Archivgut eigener Herkunft, im eigenen Archiv
Kreis Düren zwischen 1815 und 1945 (Landratsamt)
LA Düren
Landratsamt (L)


Signatur : L

Name : Landratsamt

Beschreibung :

Vorwort

Der Landkreis Düren entstand durch Verordnung vom 24. April 1816 durch die Zusammenfassung der Kantone Düren und Froitzheim mit einem großen Teil des Kantons Eschweiler und kleinen Teilen der Kantone Kerpen, Linnich und Monschau. Die so geschaffene neue Einheit wurde auf der Basis der in der französischen Zeit getroffenen Einteilung in Mairiebezirke nun in 27 Bürgermeistereien eingeteilt. Es waren dies: Arnoldsweiler, Bergstein, Binsfeld, Birgel, Birkesdorf, Bürvenich, Drove, Düren, Echtz, Froitzheim, Füssenich, Kelz, Lamersdorf, Langerwehe, Merken, Merzenich, Nideggen, Niederzier, Nörvenich, Nothberg, Ollesheim, Pier, Sievernich, Stockheim, Straß, Weisweiler und Wollersheim.

Die Bürgermeistereien umfassten 88 Gemeinden. Die Grenzen der Bürgermeistereien und späteren Ämter sind im Kreis Düren mehrfach geändert worden. Dabei wurde durch Zusammenschluss kleiner, oft bereits in Personalunion mitverwalteter Bezirke, ihre Zahl verringert. Von den ursprünglich 27 waren 1913 noch 25 vorhanden. Die lückenhafte Aktenüberlieferung erlaubt teilweise nur vage Angaben darüber, welche Bürgermeistereien wann zusammengelegt bzw. in Personalunion verwaltet wurden.

Seit spätestens 1856 sind Straß und Bergstein zu einer Bürgermeisterei Straß-Bergstein vereinigt, ebenso Nörvenich und Ollesheim zu einer Bürgermeisterei Nörvenich-Ollesheim bzw. Nörvenich (die Änderung des Namens von Nörvenich-Ollesheim zu Nörvenich erfolgte zwischen 1876 und 1886). In Personalunion verwaltet wurden um 1870 bis 1932 Binsfeld und Nörvenich, Bürvenich und Wollersheim, Kelz und Sievernich, Lamersdorf und Pier sowie Langerwehe und Weisweiler.

Vorübergehend in Personalunion verwaltet wurden um 1820 Froitzheim, Kelz und Füssenich sowie Merzenich und Arnoldsweiler, von spätestens 1886 bis 1894 Arnoldsweiler und Niederzier, von spätestens 1886 bis 1900 Stockheim und Straß-Bergstein, ab 1903 Froitzheim und Füssenich, von 1879 bis 1921 Birkesdorf und Merken (vgl. hierzu L 146, L 166, L 278, L 298, L 299, L 348).

Änderungen im Westteil des Kreises ergaben sich durch die Auflösung des Amtes (ab 1927 heißen die rheinischen Landbürgermeistereien Ämter) Nothberg 1932. Nothberg und Hastenrath wurden in den Landkreis Aachen, die Gemeinde Wenau in das Amt Langerwehe eingegliedert. Am 15. September 1932 erging ein Erlass des preußischen Ministers des Inneren über die kommunale Neugliederung im Südwesten des Kreises. Die Ämter Drove, Froitzheim, Füssenich, Kelz, Sievernich, Wollersheim und Bürvenich wurden aufgelöst. Die Gemeinden Drove, Üdingen, Boich-Leversbach und Thum des aufgelösten Amtes Drove wurden in das Amt Stockheim eingegliedert, das am 20. September 1932 den Namen Amt Kreuzau erhielt. Die Gemeinden der aufgelösten Ämter Froitzheim, Füssenich (außer der Gemeinde Juntersdorf), Kelz und Sievernich sowie die Gemeinden Soller und Jakobwüllesheim des aufgelösten Amtes Drove wurden zu einem neuen Amt Vettweiß vereinigt. Die Gemeinden der aufgelösten Ämter Wollersheim und Bürvenich sowie die Gemeinde Juntersdorf des aufgelösten Amts Füssenich wurden zu einem neuen Amt Wollersheim vereinigt, das 1937 mit dem Amt Nideggen zusammengeschlossen wurde und seither den Namen Amt Nideggen trug. Durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Aachen vom 12. April 1935 wurden folgende Neugliederungen angeordnet: Die Ämter Langerwehe, Pier, Lamersdorf, Nörvenich und Binsfeld wurden aufgelöst. Die Gemeinden Langerwehe Weisweiler, Wenau und Jüngersdorf wurden zu einem neuen Amt Langerwehe zusammengeschlossen. Die Gemeinden der aufgelösten Ämter Pier (außer der Gemeinde Jüngersdorf) und Lamersdorf wurden zu einem neuen Amt Lucherberg zusammengeschlossen, die Gemeinden der aufgelösten Ämter Nörvenich und Binsfeld zu einem neuen Amt Nörvenich.

Die Landkreise sind von der preußischen Verwaltung 1816 als staatliche Verwaltungsbezirke eingerichtet worden. Der Landrat war ausschließlich Organ der Regierung. Zu seinen Aufgaben gehörten - laut königlicher Instruktion von 1816 - die allgemeine Verwaltung, Landespolizei- und Militärsachen, die Kommunalaufsicht, Gewerbe- und Armenangelegenheiten, die Aufsicht über das Staatseigentum, das Abgabewesen sowie über die Kreiskasse. Im einzelnen bestimmte die Instruktion die Obliegenheiten der Landräte in Sachen der Sicherheits-, Feuer und Baupolizei, des Gesundheitswesens, der Militärangelegenheiten, des Kommunal-, Armen-, Gewerbe- und Ackerbauwesens, der Forst- und Jagdpolizei, der Getreidepreise, der Aufsicht über Maß und Gewicht, des Landstraßenwesens und der Aufsicht über das Staatseigentum, der Regalien und des Steuerwesens.

Die Bildung von Kreisständen und die Einrichtung eines Kreistags wurde erst möglich durch die Kreisordnung für die Rheinprovinz und Westfalen vom 13. Juli 1827. Diese räumte der Kreisversammlung allerdings nur geringe Befugnisse ein. Sie hatte eine beratende Funktion bei der Umlage der vom Kreis zu erbringenden staatlichen Abgaben und durfte die Abgaben für Kreisbedürfnisse begutachten, nicht jedoch die Erhebung besonderer Kreisabgaben beschließen. Ferner prüfte sie die jährlichen Rechnungen und wählte die Beamten für die ständische Verwaltung von Kreiskommunalangelegenheiten. Sie hatte den Zweck, die Kreisverwaltung des Landrats in Kommunalangelegenheiten zu begleiten und zu unterstützen und die Kreiskörperschaft zu vertreten. Der Kreis war also fortan nicht nur staatlicher Verwaltungsbezirk. Die Kreisordnung von 1827 hielt sich 60 Jahre. Die von der Revolution 1848 beeinflusste Kreisordnung vom 11.3.1950, die bereits einen Kreisausschuss vorsah, wurde 1853 wieder aufgehoben. Durch die Kreisordnung vom 30.5.1887 wurde als drittes Organ neben dem Landrat und dem Kreistag der Kreisausschuss geschaffen. Auf dem Gebiet der Kommunalverwaltung des Kreises war der Kreistag das beschließende, der Kreisausschuss das ausführende Organ. Für die allgemeine Landesverwaltung des Kreises zog der Staat den Landrat und den Kreisausschuss unmittelbar heran, ersteren als das allgemein zuständige Organ für die innere Verwaltung des Kreises und als Aufsichtsbehörde, den Kreisausschuss als Verwaltungsausschussbehörde und als Verwaltungsgericht. Die Kreisordnung für die Rheinprovinz von 1887 blieb formal bis 1945 in Kraft. Allerdings wurden 1933 die Vertretungskörperschaften außer Tätigkeit gesetzt und 1939 die Zuständigkeit der Beschlusskollegien beseitigt.

Landräte in der Zeit von 1816 bis 1944 waren:

1816 - 1824 Gerhard Freiherr von Lommessem

1825 - 1837 August Freiherr von Ripperda

1837 - 1841 Christoph Moritz von Egidy

1841 - 1887 Geh . Regierungsrat Emmerich Stürtz

1887 - 1909 Kgl. Kammerherr Maximilian von Breuning

1909 - 1920 Geh. Regierungsrat Otto Kesselkaul

1920 - 1920 Dr. Wilhelm Rombach

1922 - 1924 Kommissarische Verwaltung durch den Kreisdeputierten Freiherr von Bourscheidt aus Haus Rath bei Arnoldsweiler

1924 - 1933 Paul Schaaf

1933 - 1944 Theodor Beaucamp


Die vorliegende Aktenüberlieferung bestand vor der Archivierung aus zwei Teilen. Ein Teil war im Stadtarchiv Düren im Rathaus gelagert und ist dort schon einmal grob verzeichnet worden, d. h. dass die Aktentitel in eine Liste aufgenommen waren (daher die teilweise auf den Akten vorhandenen weißen Aufklebezettel). Der andere, weitaus größere Teil, lag ungeordnet im Aktenmagazin der Kreisverwaltung. Die Aktenbildung war erfolgt mittels preußischer Aktenheftung, teils mit Faden, teils mit Büroklammern. Die mit Büroklammern gehefteten Akten wurden bei der Verzeichnung in Archivmappen umgeheftet. Ein Teil des Bestandes war lose und wurde nach vorhandenen Aktenzeichen geordnet.

Der Bestand wurde vor der Verzeichnung grob vorsortiert, teilweise ebenfalls nach vorhandenen Aktenzeichen, teilweise nach sachlichen Gesichtspunkten. Die Verzeichnung und die endgültige Signierung erfolgte nach "numerus currens". Der Bestand (441 Archiveinheiten) umfasst die Zeit von 1820 bis 1943, wobei das Hauptgewicht auf die Zeit von 1880 bis 1930 fällt. Kassationen wurden nicht vorgenommen. Die Nummer der Verzeichnungseinheit befindet sich am linken Rand der Findbuchseite mit dem Kürzel L. Diese Nummer sollte bei der Bestellung der Akte angegeben werden. Die im Index angegebenen Nummern orientieren sich an den fortlaufenden Nummern, die mittig über den Aktentiteln vermerkt sind.In dieses Findbuch nicht aufgenommen wurden die Verwaltungsberichte und Haushaltspläne des Kreises Düren. Es sind als Serien vorhanden bzw. Kreisausschussprotokollen angehängt:

- Verwaltungsberichte für die Jahre 1900, 1913, 1923 - 1932;- Haushaltspläne für die Jahre 1900 - 1911, 1924, 1929 - 1932, 1934, 1936.

Zu vermerken wäre noch, dass im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf eine Parallelüberlieferung des Landratsamtes Düren aus der Zeit von 1817 bis 1935 archiviert ist. Außerdem ist davon auszugehen, dass die Gesamtregistratur durch Kriegseinwirkungen Verluste erlitten hat.

Literatur

Max Bär, Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815, Bonn 1919 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Bd. XXXV)

Karl Künster u.a. , Der Landkreis Düren, Bonn 1967 (Die deutschen Landkreise, Reihe A, Bd. 7)

150 Jahre Kreis Düren, Festvortrag anlässlich der Feier des 150 jährigen Bestehens des Kreises Düren am 30. September 1966, herausgegeben vom Landkreis Düren, Düren 1966.

150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Festschrift, herausgegeben vom Regierungspräsidenten in Aachen, Aachen 1967

Düren, im Februar 1984

Adelheid Ludden

Nach 1984 tauchten immer wieder noch zu dem Bestand gehörige Akteneinheiten auf, teilweise auch einzelne Blätter. Sie wurden von Andreas Wilden und Berit Arentz dem Bestand hinzugefügt, verzeichnet und im Findbuch handschriftlich aufgenommen. Ebenso wurde das Register erweitert. Durch die vielen Ergänzungen wurde das ursprüngliche Findbuch zunehmend unübersichtlich und so folgte eine Neuerstellung im März und April 2011.

Düren, im Juni 2011 Adelheid Schebesta



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