Stadtarchiv Lemgo
8.1 Nachlässe (Personen)
NL 62 - Nachlass Clemens Becker (SPD-Politiker, Landrat, Bürgermeister)
NL 62 - Nachlass Clemens Becker
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Signatur :

Name : NL 62 - Clemens Becker

Beschreibung :

Clemens Becker (1869-1961), SPD-Politiker

Kurzbiographie:
Clemens Becker, geboren am 20.09.1869 als katholischer Bauernsohn im sauerländischen Altenbüren, gestorben am 21.03.1961 in Lemgo, absolvierte nach der Volksschule zunächst eine Lehre als Stellmacher/Wagner, und arbeitete in diesem Beruf bis 1901, zuletzt als Werkführer einer Wagenfabrik. Danach war er bis 1917 angestellter Geschäftsführer des Lippischen Konsumvereins in Lemgo, und 1917-1920 Lagerverwalter der Lippischen Wirtschaftsgemeinschaft.

SPD-Mitglied seit 1890, war Becker 1897 Mitbegründer der Lemgoer SPD (als "Sozialdemokratischer Wahlverein" und erste sozialdemokratische Ortsgruppe in Lippe überhaupt) und bis 1903 auch deren erster Vorsitzender. Seit 1898 war er Stadtverordneter in Lemgo und 1899-1908 auch Mitglied des Lippischen Landtags.

Während der Novemberrevolution fungierte Becker vom November 1918 bis zum Februar 1919 als Vorsitzender des Lippischen Volks- und Soldatenrates, anschließend (Februar 1919 - Dezember 1920) wurde er erneut Mitglied des Lippischen Landtags und sogar Vorsitzender des Lippischen Landespräsidiums (also Ministerpräsident).

Zahlreiche Reichstagskandidaturen zwischen 1903 und 1928 blieben erfolglos.

Von Februar 1921 bis April 1933 war er erster Beamter des Verwaltungsamtes Brake mit dem Titel "Landrat". Im März 1932 wurde er von der Wahrnehmung der Geschäfte befreit, und ab Mai 1932 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wurde Becker 1933 schließlich aus dem Landesdienst entlassen und ihm sämtliche Versorgungsansprüche aberkannt.
Die Rehabilitierung erfolgte1945, und 1945-1946 war er erster Lemgoer Nachkriegs-Bürgermeister.

1946-1947 war Becker Vorsitzender des Lippischen Landes-Entnazifizierungsausschusses.

Der Nachlass:
Der in elf Verzeichungseinheiten gegliederte Nachlass Clemens Beckers gelangte in zwei Teilen in das Stadtarchiv Lemgo (Altsignaturen S 178 (ausschließlich Kopien) und S 219), und besteht inhaltlich zunächst aus zwei großen Teilen. Einerseits Dokumenten, Briefen und Unterlagen aus Beckers politischem, beruflichen und privatem Leben (VE 1-5), andererseits aus umfangreichem Material rund um seine Tätigkeit als Vorsitzender des Entnazifizierungsausschusses (VE 7-11) .
Der Nachlass umfasst nur zu einem relativ geringen Teil persönliche Unterlagen und Korrespondenz Beckers (v.a. VE 1, auch VE 2-5), die - abgesehen von Arbeitszeugnissen aus seiner Zeit als Stellmacher und Dokumenten betreffend seiner Einbürgerung nach Lippe im Jahr 1901 - ganz überwiegend aus dem Zeitraum 1918 bis 1934 und 1945 bis 1947 datieren. Darunter fallen einige an Becker gerichtete Briefe (VE 2), Fälle, in denen sich Becker gegen beleidigende oder verleumderische Angriffe verteidigte (VE 3) und auch Dokumente des Lippischen Volks- und Soldatenrates (VE 4).

Erwähnenswert ist weiterhin eine Sammlung von Zeitungsausschnitten mit Beiträgen zu Clemens Becker und weiteren Artikeln der sozialdemokratischen "Freien Presse" (VE 6).

Der quantitativ bedeutendste Teil entstammt Beckers Tätigkeit als Vorsitzender des Entnazifizierungsausschusses, und umfasst v.a. Protokolle der Ausschusssitzungen (VE 7 und 8), Dokumente zu einigen Einzelfällen (VE 10), gedruckte Materialien der britischen Militärregierung (VE 11) und zahlreiche weitere Unterlagen zur Arbeit der Ausschüsse (VE 9).

Florian Petersen, Lemgo, Dezember 2013.

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