Stadtarchiv Lemgo
8.2 Nachlässe (Firmen, Unternehmen)
NL 25 - Firma Karl Stapperfenne (Tischlerei)
NL 25 - Firma Karl Stapperfenne (Tischlerei)
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Name : NL 25 - Firma Karl Stapperfenne (Tischlerei)

Beschreibung :

Firmengeschichte und Überlieferung

Der Stamm der Familie Stapperfenne stammt aus dem Münsterland. Der "Stammvater" der lippischen Familie Stapperfenne ist Heinrich Stapperfenne (+1596), der gebürtig aus Ahlen stammte. Er wuchs bei einem Verwandten auf, da er wohl früh seine Eltern verloren hatte. Vermutlich hat er in Wittenberg Theologie studiert. Auf jeden Fall wurde Heinrich Stapperfenne am 24. August 1556 zum Dienst eines evangelischen Pfarrers ordiniert. Ungefähr um diese Zeit muss Stapperfenne nach Bega gekommen sein, da er noch im selben Jahr die Magd des Begaer Krügers Kulraven heiratete und 1557 Pfarrer von Bega wurde. Das Ehepaar hatte zwei Söhne und eine Tochter. Der erstgeborene Sohn Johannes (+1617) wurde der Nachfolger des Vaters im Begaer Pfarramt. Sein Bruder Christoffer (+vor 1638) heiratete um 1599 die Hoferbin Anneken (geborene Vogt). Der Hof Vogt/Stapperfenne (Bega Nr. 28) wurde schließlich von Generation zu Generation an den erstgeborenen Sohn weitergegeben, sodass an dieser Stelle einige Vorfahren der Familie stapperfenne übersprungen werden können.

Der Hoferbe Johan Henrich Christoph Stapperfenne (*1733 +1819) hatte mit seiner Frau Catharine Margarethe (geborene Kuhfuss) drei Söhne und vier Töchter. Der jüngste Sohn Johann Jürgen Christoph Stapperfenne (*1770) wurde Tischler und verließ um die Wende zum 19. Jahrhundert Bega und ließ sich in Lemgo nieder. Im "Bürgerbuch Lemgo" ist er unter Nr. 7630 verzeichnet:
"25.Mai 1802 Johann Jürgen Christoph Stapperfenne, des Hufschmieds Johan Henrich S.(Sohn) f. sich u. s. verlobte Braut Louise, Müller Amelungs T. zu Mönchshof, Eink.Recht: 10 Rtl.".
Als Gesellenstück fertigte er (noch in Bega?) eine eichene, zweischläfrige Bettstelle an, die noch 1930 von der Familie in Lemgo genutzt wurde. Seit den 1970er Jahren ist die Bettstelle nicht mehr im Familienbesitz, sie soll jetzt im Bauernhausmuseum in Detmold einen Platz gefunden haben.
Als Meisterstück fertigte er einen Kleiderschrank, zu dem ein Riß am 8.September 1802 der Gilde vorgelegt wurde, "sauber und maßstäblich in Fuß und Zoll ausgeführet..." und mit dem Gildestempel versehen (dieser Schrank existiert nicht mehr). Wenige Wochen später, am 2.10.1802 heiratetete er seine Braut Dorothea Louisa Amelung. Sie zogen in Lemgo zur Mittelstraße 20, wo sie ihre sieben Kinder aufzogen (das Haus steht nicht mehr, an dieser Stelle wurde 1868 das ‚Neue Posthaus' errichtet, das später von der ‚Westfälisch-Lippischen Vereinsbank' übernommen und 1956 von der ‚Volksbank' umgebaut wurde). Bei einer Versteigerung konnte Johann Jürgen Christoph am Pöstenweg 1818 einen Garten erwerben (die Urkunde darüber ist noch im Familienbesitz).

Seine Söhne Friedrich Wilhelm (*4.2.1813 +10.5.1884), Friedrich (*7.10.1810 +nach 1860) und Hermann Stapperfenne (*21.3.1817 +unbekannt) erlernten alle das Tischlerhandwerk, vermutlich in der Werkstatt bei ihrem Vater. Nach seiner Lehrzeit begab sich Friedrich Wilhelm nach Handwerksbrauch auf die ‚Walze' und gelangte über Süddeutschland und Österreich bis nach Wien. Zurück in Lemgo ließ er sich in der Echternstraße 70 (später Frenkel) nieder und machte sich selbständig. Im "Bürgerbuch Lemgo" ist er 1845 unter Nr. 8960 aufgeführt: "28.Okt.: Friedrich Wilh.Stapperfenne, des Bg.(Bürger) Christ. St. (Bürgereid) 3 Rtl 24 Gr".
Am 24.4.1846 heiratete erin Lemgo Marie Dorothee Schnitger (* 4.5.1818 +21.4.1883). Die Eheleute hatten sieben Kinder, sechs Söhne und eine Tochter. Der Lemgoer Künstler Karl Junker ging von 1865/1866 bis 1868/1869 bei Friedrich Wilhelm Stapperfenne in die Tischlerlehre.

Friedrich Wilhelms Sohn Heinrich Karl Stapperfenne (*6.6.1853 +3.2.1939) erlernte wie sein Vater und seine Onkel das Tischlerhandwerk. Am Rampendahl hatte er seine Tischlerei, daneben betrieb er noch eine Mühle und eine Sägemühle an dem Flüßchen Bega (gegründet 1892), das er mit einem Stauwehr für Turbinen- und Mühlenbetrieb 1886/1887 begradigt hatte. Die Grundstücke an der Lageschen Straße hatte er von der Witwe Nagel in Hiddesen erworben. Im "Bürgerbuch Lemgo" steht: "Nr 9996 1879 29.April: Kupferschmied August Ferke, Tischler Heinrich Noah, Tischler Karl Stapperfenne, jeder 11 M. (Mark)."
Am 11. Mai 1883 hatte Heinrich Karl Friederike Juliane Obermeier (* 27.9.1857, Tochter des Hofbesitzers Obermeier) geheiratet, die aber schon am 18.1.1884 in Lemgo an Lungenentzündung verstarb. In zweiter Ehe heiratete er am 16.4.1885 in Lemgo die Schwester seiner ersten Frau: Wilhelmine Auguste Obermeier (* 10.11.1858 †29.1.1935 Lemgo) und hatte mit ihr sechs Kinder, vier Söhne und zwei Töchter. Dem Mühlenbetrieb konnte 1904 eine Mahl- und Schrotmühle angegliedert werden. Der Betrieb wurde bis 1926 von Karl Stapperfenne geführt und dann dem Müllermeister Wilhelm Rolfsmeier übergeben. Als langjähriger Ratsherr hatte Karl Stapperfenne sich ebenfalls sehr um die Stadt Lemgo verdient gemacht.

Karls Bruder Wilhelm (*1849 +1922) war ebenfalls Tischlermeister und Ratsherr. In Lemgo an der Ecke Rampendahl - Breite Straße richtete er seine Werkstatt ein.

Der erstgeborene Sohn Heinrich Karls, Carl Friedrich Wilhelm Gustav Stapperfenne (*16.2.1886 +12.12.1967) lernte ebenfalls das Tischlerhandwerk. Seine Lehrzeit bis zur Gesellenprüfung verbrachte er wie sein jüngerer Bruder Rudolf (24.12.1887 +17.5.1915 gefallen) bei Tischlermeister Wehrmann in Wieborn bei Barntrup. Als Geselle arbeitete Carl in Detmold und später bei seinem Onkel Wilhelm im Rampendahl in Lemgo. Zusammen mit Bruder Rudolf ging er, entsprechend dem Handwerksbrauch, auf "Wanderschaft". Sie nahmen bis 1907 in Hannover Arbeit auf und besuchten daran anschließend die Tischlerfachschule in Detmold. Rudolf wurde Innenarchitekt, Carl ging nach abgelegter Meisterprüfung wieder zurück nach Lemgo in die Werkstatt seines Onkels Wilhelm im Rampendahl. Von ihm übernahm er 1912 das Eckgrundstück Rampendahl-Breitestraße und gründete dort die Möbelfabrik Carl & Rudolf Stapperfenne. Rudolf meldete sich als Kriegsfreiwilliger und fiel am 17.5.915 bei La Bassée in Frankreich.

Im Jahre 1913 heiratete Carl in Lemgo Marie Borchard (*19.5.1884 +31.10.1974). In der Ehe wurden drei Kinder geboren: Karl (* 9.12.1914 +Juni 1944 gefallen), Käthe (*14.9.1920) und Rudolf (*10.8.1922 +Juni 1944 gefallen). Die Tischlerinnung wählte Carl zum Obermeister. Dieses Amt bekleidete er mehr als zehn Jahre lang. Bei der Handwerkskammer Detmold war er ebensolang vereidigter Sachverständiger und zwölf Jahre Mitglied im Meisterprüfungsausschuss. Als Beisitzer gehörte er dem Arbeitsgericht an und war längere Zeit im Aufsichtsrat der Lippischen Holzeinkaufs-Genossenschaft. Die Möbelfabrik wurde nach dem Kriegstod seines Bruders Rudolf von Carl weitergeführt und um einen Klavierbau erweitert. Der Export ging zeitweilig sogar nach Ägypten. Kurz vor Vollendung des 81. Lebensjahres verstarb Carl am 12.12.1967 in Lemgo.

Sen Sohn Karl Stapperfenne wurde der Tradition gemäß Tischler und arbeitete in der Werkstatt Rampendahl. Sein Bruder Rudolf wurde Innenarchitekt. Bei Kriegsausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden beide Brüder 1939 eingezogen und fielen in Rußland im Juni 1944. Käthe Stapperfenne wurde Sekretärin am Gesundheitsamt Detmold und übernahm das elterliche Haus in der Hölandstraße in Lemgo.

Der Nachlass ist über Wilhelm Stapperfenne (Büschingstraße 15, Stadthagen) im Jahre 1982 ins Stadtarchiv gelangt (Zugangsnr.: 45/1982).


Inhalt

Der Nachlass umfasst ein Anschreibebuch, ein Rechnungsbuch, Geschäftsbücher (in Kopie) und Aufzeichnungen zur Familiengeschichte, angefertigt von Karl Stapperfenne (*1853 +1939).

Der Zeitraum der Unterlagen umfasst die Jahre 1866 bis 1892. Insegamt handelt es sich um 6 Verzeichnungseinheiten.

Fotos zur Familie Stapperfenne finden sich in den Beständen N1 und N2.
Außerdem sind im Stadtarchiv noch zwei Gerichtsakten mit Beteiligung eines Tischlermeisters Stapperfenne vorhanden (A 8742 und A 8749) sowie Einträge in der Hausakte A 3487 über Johann Jürgen Christoph Stapperfenne.
Weiterhin gibt es im Ehrenbuch für die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs (B 5573, Blatt 155) Einträge über die Brüder Karl und Rudolf Stapperfenne (jeweils gefallen 1944).
Zur Familiengeschichte Stapperfenne befindet sich im Stadtarchiv eine CD-Rom (O 3/10), bearbeitet von Ernst Stapperfenne (Universitätsstraße 58, Witten).


Literatur

Friedrich Wiehmann: Das Kirchspiel Bega, Lemgo 1961, S. 74-78.

Günter Rhiemeier: Zwischen Bega und Biesterberg. Vom Urdorf Biest zur Lemgoer Südstadt, 1999, S. 131 f.


Fabian Hartl, April 2014.


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