Stadtarchiv Lemgo
07 Schulen
T 17 - Schulgemeinde Leese (Volksschule)
T 17 - Schulgemeinde Leese (Volksschule)
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Signatur : T 17

Name : T 17 - Schulgemeinde Leese (Volksschule)

Beschreibung :

Vorwort :

Geschichte

Allgemein

Volksschulen ("teutsche Schulen" im Gegensatz zu den Lateinschulen), die der Bildung des einfachen Volkes dienen sollten, sind ein Ergebnis der Reformation. Katechismus, Kirchengesang und Gebete sollten in diesen Schulen vermittelt werden. Diese Vermittlungsaufgabe oblag nicht nur dem örtlichen Pfarrer, sondern auch dem zuständigen Küster oder Kantor der Kirchengemeinde (deshalb auch Küster- oder Kantorschule). Anfangs erfolgte der Unterricht nur am Sonntag (deshalb auch Sonntagsschule). Rechtliche Regelungen dieser frühen Form des Volksschulwesens waren in den Lippischen Kirchenordnungen von 1538 und 1571 enthalten.

Mit der lippischen Kirchenordnung von 1684 wurde der Schwerpunkt von der kirchlichen Unterweisung hin zum allgemeinen Volksbildungsziel verschoben. In allen Kirchspielen (Pfarreien) sollten nun deutsche Schulen auf den Küstereien eingerichtet werden. Die Lehrer, als gräfliche Beamte, unterstanden der Oberaufsicht von Konsistorium (Kirchen- und Schulbehörde) und Superintendentur. Erst 1914 (Beschluss dazu bereits 1849 gefasst) wurde eine eigene "Oberschulbehörde" geschaffen und das Konsistorium alleine auf kirchliche Angelegenheiten beschränkt.

Ursprünglich waren die Kirchengemeinden Schulträger und die Pastoren als Ortschulinspektoren Vorgesetzte der Lehrer. Diese wiederrum waren fast immer als Küster und Kantoren Bedienstete der Kirchengemeinden, zumal das Lehrergehalt nicht gerade üppig bemessen war. Schulgebäude, Lehrerwohnung und das Grundstück waren häufig im Eigentum der jeweiligen Kirchengemeinde.

Mit Erlass des Gesetzes für die lippischen Volksschulen vom 11. Dezember 1849 wurden die Volksschulen der staatlichen Oberaufsicht unterstellt und die Lehrer den übrigen Staatsdienern gleichgestellt. Die Volksschulen in den jeweiligen Schulgemeinden waren nun verpflichtende Regelschulen für alle schulpflichtigen Kinder innerhalb des Schulbezirkes.

Von 1849 (Trennung zwischen Kirchen- und Schulgemeinden) bis 1937 (Kommunalisierung) bestanden in Lippe selbstständige Schulgemeinden, die von den politischen Gemeinden unabhängig und mit eigenem Schulsteuer-Heberecht ausgestattet waren. Sie wurden von einem Schulvorstand und einem Schulgemeindeausschuß geleitet. Während der Schulgemeindeausschuß (1895) als parlamentarisches Gremium der Schulgemeinde vor allem für Haushaltsfragen zuständig war, verwaltete der Schulvorstand die örtliche Schule. Er leitete den gesamten äußeren Schulbetrieb und führte die Aufsicht über die Lehrpersonen, Schüler, Schulräume, Lehr- und Lernmittel, Schulveranstaltungen und die Verwendung der Haushaltsmittel. Als ständige Vertreter gehörten dem Schulvorstand der zuständige Amtmann, der Ortspfarrer und der Schulleiter an. Dazu kamen als nichtständige Mitglieder Vertreter der Lehrer und der Elternschaft.

Mit dem Volksschulgesetz von 1914 wurde endgültige die geistige Ortsschulaufsicht beseitigt. Oberschulbehörde wurde die Fürstliche Regierung, Abteilung für Schulwesen. 1919/20 wurden die Vorschulen an den höheren Lehranstalten aufgehoben und den Volksschulen zugeordnet. Ein Übergang an eine höhere Lehranstalt war erst nach frühestens vier Jahren möglich (Grundschule).

1937 erfolgte die Auflösung der selbständigen Schulgemeinden. Schulträger wurden nun die politischen Gemeinden.

1968 wurde in Nordrhein-Westfalen eine Schulreform umgesetzt, die eine Trennung der Volksschule in Grund- und Hauptschulen vorsah. Somit markiert das Jahr 1968 das Ende der Volksschule.

Schulgemeinde Leese

Die Lemgoer Außenbürger und die Landbewohner aus Leese und Entrup besuchten die Küsterschule der reformierten Gemeinde St. Johann. 1878 stellte der Vorsteher Kuhlmann aus Leese den Antrag auf die Errichtung einer eigenen Schule im Ort. Am 23.6.1879 genehmigte das Fürstlich-Lippische Kabinettsministerium die Errichtung des Schulbezirkes Leese. Zu dem neuen Bezirk gehörten neben Leese auch Tippe, Stühe, Langenheide, Bienberg und Bredaer Bruch. Im Herbst 1879 wurde ein Schulvorstand gewählt, der aus dem Vorsitzenden Kuhlmann, Meier-Jobst, Wittighäger, Hofemann, Schäfer und Grabbe bestand.

Trotz mannigfaltiger Hilfe der Bevölkerung und der Muttergemeinde St. Johann musste der Schulvorstand für den Schulneubau ein Darlehen von 7000 Mark aufnehmen (Rückzahlung 1898 abgeschlossen). Das neue Schulhaus (Wittighöfer Straße 3) wurde im Oktober 1880 fertiggestellt, sodass der vom Konsistorium ernannte Hauptlehrer Räker seine Stelle antreten konnte. Die Schule umfasste im Anfnagsjahr 80 Schüler der Klassen 1 bis 8. Nach einem Anstieg der Schülerzahlen auf 120 im Jahre 1886 wurde eine Nebenlehrerstelle beantragt, die 1889 mit Friedrich Drawe besetzt werden konnte. Schwierig blieb die Raumsituation, da nur ein Klassenzimmer zur Verfügung stand. Durch rückläufige Schülerzahlen (86 im Jahr 1897) fiel allerdings die Nebenlehrerstelle wieder weg.

1899 wurde Räker wegen eines Augenleidens pensioniert. Sein Nachfolger wurde Cruel aus Elbrinxen, der Räker schon seit 1894 als Nebenlehrer unterstützt hatte. Dieser erhängte sich allerdings bereits zwei Jahre später. Sein Nachfolger wurde Hermann Geller aus Lage. In der Folge stiegen die Schülerzahlen wieder leicht an, sodass 1906 in der Volksschule 124 Schüler unterrichtet wurden. Die Oberschulbehörde in Detmold verlangte aufgrund dieser Schülerzahlen die Einrichtung eines weiteren Klassenraums. Der Schulvorstand konnte dies aber immer wieder verhindern, u.a. mit Verweis auf stark schwankende Schülerzahlen (1907: 120, 1908: 107, 1909: 120). 1907 ließ sich Lehrer Geller nach Hardissen versetzen.
Ihm folgte G. Stapperfenne aus Lemgo. 1910 konnte Pastor Theopold den Schulvorstand schließlich von der Notwendigkeit eines zweiten Klassenraumes überzeugen. Nach gescheiterten Verkaufs- und Neubauplänen wurde ein Anbau geplant, der ein Klassenzimmer, eine Wohnung für den neuen Lehrer, Toiletten und Stall umfasste und im Herbst 1911 fertiggestellt wurde.

Im Jahr 1912 trat der neue Nebenlehrer Wilhelm Koch aus Lemgo seinen Dienst an. Die offenbaren Mängel an dem Anbau (Feuchtigkeit in den Wänden, Wasser im Klassenraum, verschmutztes Trinkwasser) führten zum Streit zwischen dem Schulvorstand und Lehrer Stapperfenne, sodass dieser sich Ende 1913 nach Schötmar versetzen ließ. Nebenlehrer Koch rückte zum Hauptlehrer auf und neuer Nebenlehrer wurde Hermann Lambracht aus Leopoldshöhe. Wilhelm Koch wurde 1927 nach Bad Salzuflen versetzt. Sein Nachfolger wurde Emil Brandt aus Stemmen, der bis zu seiner Pensionierung 1954 in Leese blieb. Zum 1.4.1937 wurde die politische Gemeinde Leese neuer Schulträger.

Um 1950 wurde endgültig offenbar, dass das alte Schulgebäude zu klein und stark sanierungsbedürftig war. Nach längeren Verhandlungen wurde 1953 im Gemeinderat Leese einstimmig ein Neubau der Schule beschlossen. Die neue Schule (Stüher Straße 3) konnte am 10.9.1955 in Anwesenheit von Bürgermeister August Göhner und Schulrat Plaß eröffnet werden. Das Gebäude umfasste zwei Klassenräume, einen Mehrzweckraum,einen Büchereiraum, einen Gymnastikraum und sanitäre Anlagen mit Bade- und Durscheinrichtungen.

Auf den langjährigen Hauptlehrer Emil Brandt folgte von 1954 bis 1959 Friedrich Kruse, von 1959 bis 1967 Heinrich Kaspersmeier aus Unterwüsten und von 1967 bis 1969 Brigitte Klein. Mit ihr endete die Zeit der Volksschule Leese. Am 1.8.1968 wurden in ganz Nordrhein-Westfalen die Volksschulen in Grund- und Hauptschulen umgewandelt. Aufgrund der niedrigen Schülerzahlen konnte in Leese keine Hauptschule errichtet werden, sodass die Klassen 5-8 an die Lemgoer Wallschule (siehe Bestand T2) abgegeben werden mussten. In Leese verblieben die Klassen 1-4 (42 Schüler) als Grundschule. Das neue Schulgesetz sah jahrgangsgetrennten Unterricht vor, was in Leese aufgrund der geringen Schülerzahl nicht infrage kam. So wurde die Schule in Leese nach einem Beschluss des Rates der Großgemeinde Lemgo zum 31.7.1969 geschlossen. Die Grundschüler besuchten in der Folge die Grundschule Lieme und die Haupschüler wurden in Lemgo unterrichtet.

Das Schulhaus an der Stüher Straße war seit der Schulschließung unbenutzt und wurde im Jahr 1972 von der Stadt an den Kreis Lippe verkauft. Das Gebäude wurde abgerissen und an gleicher Stelle die Astrid-Lindgren-Schule für geistig behinderte Kinder und der Kindergarten Villa Kunterbunt, ebenfalls für Geistigbehinderte, errichtet. Beide Einrichtungen befinden sich in der Trägerschaft des Kreises Lippe. Materialien zu beiden Einrichtungen befinden sich im Nachlass von August Göhner (NL 66).


Inhalt

Der Bestand umfasst ein Protokollbuch der Schulgemeinde Leese (1895-1936), Zeitungsartikel zur Volksschule Leese, Fotos zum Schulneubau (1953-1954), zwei gerahmte Fotos des alten (Wittighöfer straße 3/5) und des neuen Schulgebäudes (Stüher Straße 3) und einen Abriss über die Geschichte der Schulgemeinde Leese von 1880 bis 1969.

Das Schriftgut der Gemeindeverwaltung Leese, was sich mit der Volksschule in Leese befasst, befindet sich im Bestand H 5. Im Nachlass von August Göhner (NL 66) befinden sich ebenfalls noch Materialien zur Volksschule Leese.

Teile des Bestandes unterliegen noch den archivgesetzlichen Sperrfristen, auch wenn diese nicht bei jeder Verzeichnungseinheit mitangegeben sind. Nähere Angaben sind über das Archivpersonal möglich.

Literatur

Friedrich Sauerländer, Geschichtliches über die Lemgoer Schulen, in: Lippische Schulzeitung, Okt. 1930 - Juli 1932 [Fortsetzungen].

Ernst Kuhlmann: Möglichkeiten der Schulzentralisation und Großgemeindenbildung im Ilsetal, Hörstmar 1967 (Bib.Sign. 7518).

Friedel Starke: "Jugend zum Holzstehlen gebrauchet...". Die Geschichte der Volksschule Leese bei Lemgo von 1880 bis 1969, In: Lippische Blätter für Heimatkunde, Nr. 1/1974, Nr. 2/1974, Nr. 1/1977.

Günther Rhiemeier: Die Errichtung der Leeser Schule, in: Lemgoer Hefte 26/1984, S. 14 f.

Günter Rhiemeier: Leese, Lemgo 2002 (Bib.Sign. 4519)



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