Stadtarchiv Lemgo
06 Gemeinden - heutige Ortsteile
H 4 - Hörstmar
H 04 - Ortsgemeinde Hörstmar
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Signatur : H 04

Name : H 04 - Ortsgemeinde Hörstmar

Beschreibung :

Vorwort :

Chronologie (bis 1970)

Ende 12. Jh.
Erste urkundliche Erwähnung von sieben Höfen in Hurstmere als Besitz der Abtei Herford

Ende 13. Jhd.
Die familie de Wend ist im Besitz aller Hörstmarschen Höfe und des Zehnten

Ende 14. Jhd.
Die de Wend verlieren den größten Teil ihres Hörstmarschen Besitzes an Aftervasallen: Erp, Quaditz, Flörcke, u. a. Lemgoer Bürger

1532
Der Lemgoer Bürgermeister Cord Flörke erhält vom Landesherrn die Erlaubnis auf einer seiner Hofstätten ein freies befestigtes Haus zu errichten (bestand bis zum Anfang des 19. Jhds.)

1587/88
Graf Simon VI. erwirbt den Hörstmarschen Zehnt und einzelne Besitzrechte

1728
Errichtung der Schule in Hörstmar

1771
Einführung von Hausnummern

1824 - 1833
Teilung der Gemeinheit

1835
Schulneubau im Garten der alten Schule

1839
Neubau der Chaussee (heute B 66) und Einrichtung einer Chausseegeldhebestelle im Krug

1856
Hörstmar erhält eine "Feuersprütze" und ein Spritzenhaus

1884
Gründung Kriegerverein Hörstmar

1888/89
Schulneubau neben der alten Schule

1896
Einweihung der Bahnlinie Lage-Lemgo und des Bahnhofs Hörstmar

1903
Bau einer Wasserleitung und Einweihung des Friedhofes auf dem Laakkamp

1911
Errichtung eines Lichtleitungsnetzes

1928
Gründung des SV Hörstmar

1929
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

1953-1963
Flurbereinigung

1958
Bau der Kirche auf dem Friedhofe durch die Kirchengemeinde St. Johann, Lemgo

1961 - 1965
Bau der Kanalisation und der Kläranlage im Schlingen

1964
Hörstmar bekommt Gasanschluss

1965
Einweihung der neuen Schule auf der Hofbrede

1970
Eingliederung Hörstmars in die Großgemeinde Lemgo

Verwaltungsgeschichte

Mit der Verordnung über die Aufhebung des Leib- und Gutseigentums vom 27. Dezember 1808 wurde das Ende der Feudalzeit in Lippe eingeleitet. Damit hatte die Landbevölkerung das volle Staatsbürgerrecht er-worben. Vor 1841 gab es auf dem "platten Land" noch keine förmlich organisierten Gemeinden unterhalb der Amtsebene. Es existierten lediglich Vorsteher (meistens zwei), die von der Landbevölkerung gewählt wurden. Der Vorsteher war ein staatliches Organ, das dem Landesherrn verpflichtet war. Ihm oblag u. a. die Ausführung von Aufträgen der Ämter, die Wahrung und Förderung der Rechte der Gemeinheit, die Aufsicht über die angestellten Hirten und Nachtwächter, die Rechnungsführung der Gemeinde, die Beaufsichtigung der Huden und Wege, die Sorge für Ruhe und Ordnung und die Überwachung von Licht und Feuer (vgl. Instruktion vom 6.4.1793 LV 4, S. 79 - 80). Daneben gab es noch dien landesherrlichen Bauerrichter, der Hebungsbeamter und Ortspolizist war. Die eigentliche Verwaltung geschah über die staatlichen Ämter, an deren Spitze die Amtmänner standen. Eine Form der kommunalen Selbstverwaltung existierte noch nicht.

Informationen über die Geschichte Hörstmars findet man deswegen auch in der Ämterüberlieferung des Landesarchivs NRW in Detmold (Bestand L 21 Flecken und Vogtei Lage, Bestand L 108 Lage und Bestand L 109 Detmold und D 105 Brake).

Mit Erlass der lippischen Gemeindeordnung von 1841 (LV 8, S. 541 - 562) erhielten die Dorfgemeinden (Bauerschaften) erstmals eine Verfassung, die sie zur Aufstellung von Ortssatzungen berechtigte. Sie konnten - im begrenzten Umfange - eigene Angelegenheiten auch selbst verwalten. Stimmberechtigt in den Dorfgemeinden waren aber nur die Grundbesitzer, die die Dorfsversammlung bildeten und einen oder mehrere Vorsteher wählten. Die Vorsteher führten die Beschlüsse der Dorfsversammlung aus. Sie waren nun nicht mehr nur Ausführer landesherrlicher Anweisungen. Der Vorsteher war in Selbstverwaltungsangelegenheiten der Dorfversammlung, in Auftragsangelegenheiten dem Amt verantwortlich.

Mit dem Änderungsgesetz zur Gemeindeordnung vom 18. April 1893 (LV 21, S. 215 - 245) war das Wahl-recht in den Bauerschaften nicht mehr an Grundbesitz gebunden, sondern an einen zweijährigen Aufenthalt in der Gemeinde und die Zahlung von Steuern. Für die Wahlen galt das Dreiklassenwahlrecht. Die Dorfsversammlung erhielt die Bezeichnung Gemeindeausschuss, der Vorsteher wurde zum Vorstand, bestehend aus Gemeindevorsteher und einem oder mehreren Beigeordneten.

Für größere und übergreifende Aufgaben wurden 1841 die Amtsgemeinden eingerichtet. Alle Bewohner ei-nes Amtes bildeten unter Einbeziehung der Domänen und Rittergüter eine kommunale Amtsgemeinde. Sie war zuständig für die Aufnahme neuer Gemeindeglieder, wirkte bei der Polizeiverwaltung mit, unterhielt die Feuerwehren und war zusammen mit der Kirche an Kirchen-, Schul- und Armensachen beteiligt.
Organe der Amtsgemeinde waren der Gemeinderat und der Gemeindevorstand. Dem Amtsgemeinderat ge-hörten die Vorsteher sämtlicher Bauerschaften, die Besitzer der landtagsfähigen Rittergüter und die Pächter der landesherrlichen Meiereien an. Vorstand der Amtsgemeinde war der staatliche Amtmann. Er lud zu den Sitzungen ein, führte die Geschäfte und vollzog die Beschlüsse. Die Amtsgemeinde hatte keine eigene Rechtspersönlichkeit im Gegensatz zum staatlichen Amt.

Ab dem 1.10.1879 (Gesetz vom 23.7.1879 LV Bd. 17, S. 217) wurden Verwaltung und Justiz in Lippe ge-trennt. Die Ämter waren nun reine Verwaltungseinheiten, der Bereich Justiz wurde von den neu gebildeten 9 Amtsgerichten übernommen. Die bisherigen zwölf Ämter fasste man zu fünf Verwaltungsämtern zusammen (1928 bestanden nur noch vier Verwaltungsämter), die jeweils von einem höheren Verwaltungsbeamten ("Landrat") geleitet wurden. Die Amtsgemeinden blieben mit ihren Institutionen unverändert bestehen.

Die rechtliche Trennung zwischen Land- und Stadtgemeinden wurden erst durch die vorläufige Gemeindeverfassung vom 28.3.1919 (LV 26, S. 929 - 933) und mit dem Gemeindeverfassungsgesetz vom 1.12.1927, seit dem 1.4.1928 in Kraft (LV 30, S. 301 - 345) aufgehoben. Gleichzeitig galt damit in Lippe das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen auf allen staatlichen Ebenen. Seit 1928 bildeten die Bauerschaften gleichberechtigte Selbstverwaltungskörperschaften wie die Städte. In den Gemeinden unter 1000 Einwohnern war der Gemeindevorsteher gleichzeitig Vorsitzender der Gemeindevertretung und des Gemeindeausschusses.

1932 legte man die vier Verwaltungsämter zu den beiden Kreisen Lemgo und Detmold zusammen ohne die amtsfreien Städte Detmold, Lemgo und Salzuflen, die erst 1934 in den jeweiligen Kreis eingegliedert wurden. Parallel dazu wurden Amtmänner als Organe der Kreise anstelle der bisherigen vier Landratsämter bestellt. Sie nahmen Aufgaben der Ortspolizei und der Fürsorge bis zu ihrer Auflösung 1969 wahr.

Mit der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde der Gemeindevorsteher zum Bürgermeister, der Gemeindeausschuss zum Gemeinderat. Es galt das Universalitäts-Prinzip, d. h. innerhalb des Gemeindegebietes sollten alle Aufgaben der Gemeinde zufallen. Dies bedeutete einen erheblichen Zuwachs an Aufgaben für die Gemeinden.

Ortschaften in der Bauerschaft Hörstmar (1911): Büllinghauserheide, Elend, Grassiek, Hörstmar und Wittenbrede.

Bürgermeister und Gemeindevorsteher (ab 1841)

Philip Riekehof (1841 - 1847)
Friedrich Kater (1843 - 1845)
Herm Jobst Lüttmann (1845 - 1847)
Heinrich Neushell und Herm Jobst Lüttmann (1847 - 1853)
Fritz Sprick und Johann Bernd Schäfermann (1853 - 1861)
Karl Friedrich Adolph Riekehof und Simon Kracht (1861 - 1868)
Karl Friedrich Adolph Riekehof und Conrad Meier (1868 - ?)
Wilhelm Sannemann (1880 - 1883)
Wilhelm Hüsemann (1883 - 1892)
Wilhelm Hüsemann und Friedrich Riekehof (1892 - 1899)
Friedrich Riekehof (1899 - 1905)
Fritz Sprick (1905 - 1919)
August Kuhlmann (1919 - 1921)
Konrad Meier (1921 - 1923)
Heinrich Diekmann sen. (1923 - 1932, 1933 - 1940)
August Koch (1932 - 1933, 1945 - 1946)
Heinrich Diekmann jun. (1940 - 1945)
Heinrich Ristig (1946 - 1948, 1951 - 1952)
Wilhelm Gronemeier (1948 - 1951, 1952 - 1956)
Paul Korbach (1956 - 1969)

Bestandsbeschreibung (Besonderheiten)

Laufzeit: 1822 - 1977, 108 VZE

Gemeindeakten / Gemeindeunterlagen, 1822 - 1899
Dorfrechnungen, 1896 - 1922

Literatur

Lemgoer Hefte. - 8 (1985),29, S. 16 - 24 : Ill., Kt.
Günter Rhiemeier, Hörstmar - vom Urdorf zur ländlichen Wohngemeinde, 1989
Lippische Landes-Zeitung. - 191 (1957),113 vom 18.5., S. [7] : Ill.

Verweise (Bestände im Stadtarchiv)

Vereine, siehe V-Bestände und S-Bestand
Schule, siehe T 10 Schulgemeinde Hörstmar - Trophagen
Fotos, siehe N-Bestände
Karten u. Pläne, siehe Bestand G und Bestand K
Personenstandsunterlagen, siehe F - Bestände = Standesamt Hörstmar
Zeitungsausschnittsammlungen zur Dorfchronik, siehe auch Ch-Bestand

Sonstige Verweise

Rentkammer Kolonate (LAV NRW Bestand L 92 T 1)
Rentkammer Meiereien (LAV NRW Bestand L 92 B), Regierung Domänenabteilung (LAV NRW Bestand L 80.20)



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