Stadtarchiv Lemgo
01.03 Gerichtsakten anderer Instanzen
Bestand 01.03.02 A - Gogericht St. Johann
01.03.02 A - Gogericht St. Johann
Permalink des Findbuchs


Signatur : 01.03.02 A

Name : 01.03.02 A - Gogericht St. Johann

Beschreibung :

Vorwort :

Im Mittelalter existierten nach Otto Gaul mindestens 16 Gogerichte auf dem Territorium der Grafschaft Lippe. Die Gogerichte gehörten zu den alten Rechtssprechungsorganen in Lippe, die sich bis auf die sächsischen Gerichte gleichen namens zurückführen lassen. Nach dem 30jährigen Krieg waren die Gogerichte nur noch eine landesherrliche Instanz der niederen Strafgerichtsbarkei außerhalb der Städte.
Ausgenommen von dieser Jurisdiktion waren nur die freien Höfe und die Rittergüter. Die Zuständigkeit für die städtische Feldmark war umstritten. Den Vorsitz führte jeweils immer ein Gograf, der vom lippischen Landesherrn ernannt wurde. Das Lemgoer Gogericht lag vor der Stadt bei St. Johann. Der Gograf residierte in der Stadt. Seine Wahl fand unter Mitwirkung des Rates statt, was auch im Röhrentruper Rezess von 1617 bestätigt wurde. Nach einem juristischen Gutachten der Universität Marburg von 1617 ( A 3754) waren der Gograf und der Lemgoer Stadtrichter von alterher in Personalunion verbunden. Der Gerichtsbezirk des Gogerichtes erstreckte sich über die städtische Feldmark hinaus und griff auch in die Gebiete des Braker Amtes ein (vgl. auch A 1196 Heberegister des Gogerichtes St. Johann mit den abgabepflichtigen Orten).

Im 14. Jahrhundert befand sich das Lemgoer Gogericht im Besitz der Ritterfamilie de Wend, wurde jedoch im Jahre 1397 von den Brüdern Lutbert, Friedrich, Werner, Heinrich und Hermann, den Söhnen des Ritters Herman de Wend, an die Stadt Lemgo verpfändet (vgl. LR Nr. 1449). 1531 überließen Reinke, Franz, Johann, Lutbert und Lutbert, des verstorbenen Josts Sohn, Gevetter und Brüder das Gogericht St. Johann Graf Simon zur Lippe (vgl. LR Nr. 3195).

Nach dem Vergleich von 1794 zwischen Stadt und Landesherr wurden die Befugnisse des Gogerichtes auf das städtische Magistratsgericht übertragen.

Der Bestand umfasst gebundene Gogerichtsprotokolle von 1612 bis 1781 sowie Einzelfallakten von etwa 1600 bis 1794.

Neben dem Gogericht existierte auch das sog. Seddelgericht (siehe dort).



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