Stadtarchiv Lemgo
01.03 Gerichtsakten anderer Instanzen
Bestand 01.03.05 A - Bauermeister
01.03.05 A - Bauermeister
Permalink des Findbuchs


Signatur : 01.03.05 A

Name : 01.03.05 A - Bauermeister

Beschreibung :

Vorwort :

Die Altstadt Lemgo war in sechs Bauerschaften und die Neustadt in zwei Bauerschaften geteilt. Diese Form der Stadtteilbezeichnungen trifft man auch in in anderen westfälischen Städten an, wie Dortmund, Paderborn, Brilon oder Rüthen. Bei den Bauerschaften handelte es sich um Sondergemeinden innerhalb der Stadtgemeinde. Jeder Bauerschaft stand in Lemgo ein Bauermeister (niederdeutsch = burmestere) vor, die bereits in der Bestätigung der Stadtrechte von 1245 genannt sind. Seit dem Ende des 16. Jhds. traten die sechs Bauermeister regelmäßig kollegial zusammen. Davon zeugen die entsprechenden Protokollbücher. Das Gremium der Bauermeister wurde durch den Stadtrat im jährlichen Wechsel ausgetauscht. Die Bauermeister übernahmen dann die Funktion als Redmeister. Danach kehrten die Personen wieder in ihr altes Amt zurück. Der Bauermeister der Nicolai-Bauerschaft führte immer den Vorsitz. Bei ihm befand sich auch die Lade mit dem Protokollbuch, die Kasse und weitere Wertgegenstände. Die Bauermeister schlugen dem Stadtrat zudem die 24 Meinheitsherren vor, also die Repräsentanten der sechs Stadtviertel. Weitere Aufgaben der Bauermeister waren die Hude- und Mastangelegenheiten. Die Einrichtung der Bauermeister in Lemgo bestand bis zur Einführung der lippischen Städteordnung von 1843.

Die Bauermeister waren zuständig für Nachbarschaftskonflikte, insbesondere wenn sich diese aus Baumaßnahmen ergaben. 1330 hatte Simon I. die Verfahrenskompetenz in Baurechtsfragen an den Lemgoer Rat und den Stadtrichter abgegeben, die diese Aufgabe vorinstanzlich anscheinend auf die Bauermeister weiterdeligierten. Die Bauermeister konnten außerdem Streitigkeiten in der Feldmark gütlich beilegen, bevor sie vor dem Seddelgericht oder Gogericht gewrugt wurden, solamge es sich nicht um dingliche Rechte und Servituten handelte (vgl. A 3754, Entwurf eines Schreibens der Stadt Lemgo an die Regierung in Detmold 1776). Sie führten die Aufsicht über die Huden, Hecken, Zäune, Wege, Triften und Stege. Sie kümmerten sich um die Instandhaltung der Befestigungsanlagen. Die Organisation der Schweinemast der Stadtbürger oblag auch den Bauermeistern, die für die Anwerbung des nötigen Hütepersonals das sogenannte Mastgeld von den Bürgern kassierten.

Die vorhandenen 5 Protokollbände (1592 - 1794) führen die Namen der am Streit beteiligten Personen an und geben deren Argumente einschließlich des Verhandlungsverlaufes wieder. Zu Beginn stand meist die Geltendmachung eines Schadens durch den Kläger oder die Verweisung eines Falles vom Stadtrat an die Bauermeister, der dann vom Beklagten zurückgewiesen oder sogar mit einer Gegenklage beantwortet wurde. Die Bauermeister versuchten den Streit stets zu schlichten und gütlich beizulegen. Zur Klärung des Sachverhaltes konnten auch Zeugen gehört und Lokaltermine zur Augenscheinnahme angesetzt werden. Am Ende stand ein Urteilsspruch, der auch Auflagen und Bestimmungen enthalten konnte. Die Urteilsfindung geschah wohl auf Grundlage von Brauch und Gewohnheit, eine rechtliche Kodifikation für die Bauermeister existierte nicht. In Zweifelsfällen wandten sich die Bauermeister an ihre Amstvorgänger, die Redmeister. Gegen die Urteile der Bauermeister konnte bei den Redmeistern und dann in nächster Instanz beim Großen Rat Klage erhoben werden.

Literatur

Thomas Schwark, "Streit und Irrsahlen in Bawsachen...". Quellen zur Bauforschung im frühneuzeitlichen Lemgo, in: Historisches Bauwesen. Material und Technik. Jahrbuch für Hausforschung, Bd. 42 (1994), S. 33 - 46.

Thomas Schwark, "...darmit nachbarliche Eynichkeit mochte erhalten werden." Nachbarschaftskonflikte und gerichtliche Quellen zum Nachbarschaftsrecht der Stadt Lemgo zwischen 1590 und 1620, in: Vorträge zur Justizforschung. Geschichte und Theorie, Bd. 2 (1993), S. 131 - 146.

Fritz Sauerländer, Bauerschaften und Bauerrichter in der Stadt. Kulturbilder aus Alt-Lemgo, in: Lippischer Dorfkalender, 7. Jg. NF (1955), S. 51 - 54.



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