Stadtarchiv Lemgo
8.3 Nachlässe (Vereine, Verbände, Parteien)
V 27 - Initiative Lokale Agenda 21 Lemgo
V 27 - Initiative Lokale "agenda 21 Lemgo"
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Signatur : V 27

Name : V 27 - Initiative Lokale "agenda 21 Lemgo"

Beschreibung :

Vorwort :

Geschichte und Überlieferung

Der Ausschuß für Umweltschutz, Bauen und Liegenschaften schlug dem Rat am 23.06.1998 vor, die Verwaltung mit der Einleitung der erforderlichen Maßnahmen für die Erstellung einer "agenda 21 Lemgo" zu beauftragen. Dies bezog sich auf das Handlungsprogramm "Agenda 21" für eine weltweit zukunftsfähige Entwicklung, das auf der "UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Erde" in Rio de Janeiro 1992 verabschiedet wurde und besonders auf einzelne Kommunen abzielte.
Im Juli 1998 gründete sich dann in der Verwaltung ein Initiativkreis zur Vorbereitung des agenda-Prozesses, bestehend aus Susanne Weishaupt (Sozialamt), Reinhold Tölke (Jugendamt), Markus Reck-Kehl (Planungsamt) und Rainer Joswig (Baudezernat).

Um wichtige Hinweise für die "agenda 21 Lemgo" zu erhalten, wurde ein Fragebogen konzipiert. Mit ihm wurde nach möglichen Themen, nach der Bereitschaft zur Mitarbeit, nach den organisatorischen Rahmenbedingungen und nach weiteren für den agenda-Prozeß wichtigen Organisationen bzw. Einzelpersonen gefragt. Es wurden nahezu 100 Einzelthemen genannt und zahlreiche MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung erklärten sich bereit, bei der Erstellung der "agenda 21 Lemgo" mitzuarbeiten. Weiterhin wurde auf zahlreiche Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen hingewiesen, die als wichtig für den agenda-Prozeß anzusehen sind. Sie waren Anlaß für den nächsten Schritt des Initiativkreises. Zur Einbindung breiter Bevölkerungsgruppen in die Vorbereitung der "agenda 21 Lemgo" wurden 3 Expertengespräche durchgeführt mit Vertretern der Wirtschaft, von Umwelt und Kultur und des Sozialbereiches. Ein professionelles Logo wurde erarbeitet, dass eine aus vielen Einzelteilen bestehende Gesamtheit symbolisiert.

Der offizielle Startschuss für die "agenda 21 Lemgo" erfolgte am 24.04.1999 im Engelbert-Kaempfer-Gymnasium. Die Bürgerinnen und Bürger hatten Gelegenheit, sich in einer Zukunftsgalerie über bereits vorhandene, zukunftsfähige Entwicklungen in Lemgo zu informieren. Zahlreiche Vereine, Gruppen, Institutionen und Unternehmen aus Lemgo zeigten hier ihre Maßnahmen und Projekte.
Zur abendlichen Auftaktveranstaltung, die von Michael Thamm vom WDR-Landesstudio Bielefeld moderiert wurde, kamen knapp 300 Bürgerinnen und Bürger. In zahlreichen Interviews mit bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten machte Michael Thamm das breite Themenspektrum der "agenda 21 Lemgo" deutlich. Noch konkreter wurde es anschließend in den drei Arbeitsgruppen "Zusammenleben", "Umwelt" und "Stadtentwicklung", wo man bereits erste Themen und Probleme gemeinsam herausarbeitete.

Der Prozess startete erfolgreich, da alle relevanten Gruppen (Umwelt, Eine-Welt, Landfrauen, Kir-chen, Wirtschaft, Gewerkschaften, auch Schüler und ein paar "normale" Bürger) teilnahmen. Die prozentuale Beteiligung relativ zur Bevölkerung lag weit über dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen. Im Juni 1999 wurde in der Papenstraße 7 das Agenda-Büro eröffnet, in dem sich Interessierte informieren und ihre Mitarbeit anbieten konnten.

Ein halbes Jahr nach Agenda-Beginn wurde kommunal gewählt. Die Mehrheiten wechselten von rot-grün zu schwarz-gelb. Trotz einschneidender Maßnahmen (Beschränkung der Finanzmittel, Nichtverlängerung der Agendabüro-Besetzung) zeichnete sich der Selbstbehauptungswille der agendaaktiven Bürger ab: Es wurden erhebliche Finanzmittel in der Lemgoer Wirtschaft eingeworben. Da die Situation aufgrund des Spannungsverhältnisses Stadtrat - Agenda - Stadtverwaltung allerdings immer schwieriger wurde (der Rat sprach sich gegen eine Weiterführung des Agenda-Büros unter Trägerschaft der Stadt aus), stellten alle Gruppen der "agenda 21 Lemgo" im Mai 2000 ihre weitere Arbeit unter Protest ein.

Der Bestand ist über Herrn Reck-Kehl (damals Planungsamt und Mitinitiator der
"agenda 21 Lemgo") im Jahre 2002 ins Stadtarchiv gelangt (Zugangsnr.: 46/2002). Die Benutzung des Bestandes unterliegt einer allgemeinen Sperrfrist von 30 Jahren bis Ende 2031. Anträge auf Schutzfristverkürzung sind möglich.


Inhalt

Der Bestand enthält vor allem Sitzungsprotokolle, Sitzungseinladungen und Anträge der drei Arbeitsgemeinschaften "Zusammenleben", "Umwelt" und "Stadtentwicklung". Dazu kommen noch eine Zeitungsausschnittsammlung und eine CD-ROM mit allen Informationen zum agenda-Prozess. Siehe auch digitale Unterlagen auf Laufwerk F:\Amt\47\Digitalisate\V - Bestände\V 27.

Die Laufzeit des Bestandes umfasst die Jahre 1998 bis 2001.

Zum Vorgang "agenda 21 Lemgo" ist im C-Bestand des Stadtarchivs eine Verwaltungsakte vorhanden (C 2018).


Literatur

Verein Alt Lemgo: Lokale Agenda 21. Beiträge des Vereins "Alt Lemgo" zu einem kommunalen Leitbild, Gelbe Reihe Nr. 20 (1999).


Hartl, Mai 2014.



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