Stadtarchiv Lemgo
8.3 Nachlässe (Vereine, Verbände, Parteien)
V 38 - Männergesangverein Lemgo von 1872 e. V.
V 38 - Männergesangverein Lemgo 1872 e. V.
Permalink des Findbuchs


Signatur : V 38

Name : V 38 - Männergesangverein Lemgo 1872 e. V.

Beschreibung :

Vorwort :

Geschichte und Überlieferung

Der Männergesangverein trat 1872 erstmalig als Gesangsgruppe des Lemgoer Kriegervereins in Erscheinung. Die Gruppe besaß 15 Mitglieder. Im Jahre 1884 kam es allerdings zu Differenzen mit dem Kriegerverein, der der Sängergruppe die Mittel kürzen wollte, sodass sich die Gruppe abspaltete und fortan unter dem Namen Männergesangsverein Lemgo firmierte. Der erste Vorsitzende wurde der Sängerbruder Ellerbrock, Chorleiter Küster Kuhlemann. Die wöchentlichen Singtreffen wurden in dieser Zeit in der Gastwirtschaft Georg Harke am Markplatz abgehalten. Bereits im Juni 1885 wurde der Männergesangsverein in den Lippischen Sängerbund aufgenommen. Im Frühjahr 1886 wurde ein Vereinsbanner angeschafft, das nach einiger Handarbeit einzelner Mitglieder im November 1886 geweiht werden konnte. Ab 1890 übernahm Sängerbruder Schneeberg den Vorsitz des Vereins. 1893 wird das Vereinslokal gewechselt, neue Lokalität wurde der Gasthof "Zur Krone" von Wilhelm Röding in der Leopoldstraße. Nach dem Tode Schneebergs 1907 und einer kurzen Amtszeit von Christian Helms wurde August Stapperfenne erster Vorsitzender des Vereins. Ab 1913 war Lehrer Wilhelm Grabbe Chorleiter. Im ersten Weltkrieg gab es nahezu keinerlei Vereinsaktivitäten.

1926 wurde anlässlich eines Stiftungsfestes die neue Fahne des Männergesangsvereins geweiht. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte die Gleichschaltung für die Vereine mit sich. Nach dem Tod Wilhelm Grabbes im Jahre 1935 übernahm der Berufschorleiter Fritz Thoke (s.a. V 6 - Städtischer Musikverein Lemgo e. V.) die Chorleitung des Vereins. Im Zweiten Weltkrieg konnten die Aktivitäten nur mit dem Gesangsverein "Teutonia" zusammen aufrecht erhalten werden, sodass diese Vereine als "vereinigte Männergesangsvereine Lemgos" auftraten.

Bereits im September 1945 durfte der Männergesangverein seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Im selben Jahr trat Wilhelm Thermann von seinem Posten als erster Vorsitzender zurück, den er elf Jahr lang ausgefüllt hatte. Sein Nachfolger wurde das langjährige Vereinsmitglied Hans Bobenhausen.1947 trat auch Chorleiter Fritz Thoke zurück und wurde von Lehrer Alexander Heimbecher und später von Musiklehrer Helmut Korte ersetzt. 1947 wurde der Männergesangverein kooperatives Ehrenmitglied im Mülheimer Männergesangverein "Frohsinn". Die beiden Vereine verband eine lange Freundschaft mit wechselseitigen Besuchen. Im Jahre 1947 besaß der Verein 70 aktive und 30 passive Mitglieder. Von 1948 bis zu seinem Tod 1967 amtierte wiederum Wilhelm Thermann als erster Vorsitzender. 1950 widmeten der Detmolder Komponist August Weweler seine Komposition "Nachtgesang" (V38/58) und der Komponist Georg Böttcher seine Komposition "Alte Stadt (Lemgo)" (V38/11) dem Männergesangverein. Im Rahmen eines Gesangswettstreites mit dem Gesangverein "Teutonia" wurde 1952 eine neue Fahne eingeweiht. 1954 wurde Gustav A. Ravenschlag künstlerischer Leiter des Männergesangsvereins.

Im Jubiläumsjahr 1972 wurde eine große Liederfeier in der Aula der Marianne-Weber-Schule abgehalten, für das die Kammersängerin Ingeborg Hallstein aus München und am Flügel Professor Dr. Werba aus Wien gewonnen werden konnten. Nebenbei gab es im Jubiläumsjahr ein großes Tanzfest mit dem Orchester Fredy Brock. Zählte der Verein im Jahr 1974 noch 164 Mitglieder, sanken die Mitgliederzahlen ab Ende der 1980er Jahre immer stärker, sodass anlässlich des 125-jährigen Jubiläums 1997 (noch 17 aktive Sänger) pessimistische Töne zur Zukunft des Gesangvereins angeschlagen wurden. Diese waren durchaus berechtigt, denn im Jahre 2009 beschlossen die sieben letzten verbliebenen Mitglieder die Auflösung des Männergesangsvereins. Dieser hörte nach 137 Jahren des Bestehens auf zu existieren.

Der Bestand ist durch die Übernahme des Archivs des aufgelösten Männergesangsvereins von Lemgo 1872 e.V. ins Stadtarchiv gekommen (Zugangsnr.: 2012/037 und 2015/007, siehe 47.14.01). Lediglich die Komposition "Alte Stadt (Lemgo)" von Georg Böttcher (V38/11) ist dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt vom Männergesangsverein bereits früher geschenkt worden.

Im Museum Hexenbürgermeisterhaus befinden sich noch die Fahnen des Vereins.


Inhalt

Der Bestand enthält die Korrespondenz des Vereins von 1922 bis 1988 (mit Ausnahme der 1960er Jahre), Gruppenfotos der Mitglieder aus verschiedenen Epochen, Protokolle und Niederschriften des Vorstandes bzw. der Mitgliederversammlungen (1884-1907 und 1968-1990), Mitgliederlisten (ab 1884, mit Lücken), Unterlagen zum 100-jährigen Jubiläum 1972, Rechnungen und Rechnungsbelege, Flugblätter und Zeitungsausschnitte (wenig) und Partituren (teilweise noch aus der Zeit des Kriegervereins).


Literatur

Festschrift: 100 Jahre (1872-1972) Männergesangverein Lemgo 1872 e.V., Lemgo 1972 (Bibliothekssignatur 2858).

Karl-Heinz Richter: Zur Erinnerung an den Männergesangverein Lemgo 1872 e.V., in: Rund um die Wälle (2013), S. 6.

Männergesangverein Lemgo 1872 e.V.: Chornachrichten.


Hartl, Mai 2014.



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