Stadtarchiv Lemgo
8.3 Nachlässe (Vereine, Verbände, Parteien)
V 48 - SPD - Stadtverband und Fraktionsbüro Lemgo; Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF)
V 48 - SPD - Stadtverband und Fraktionsbüro Lemgo; Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF)
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Signatur : V 48

Name : V 48 - SPD - Stadtverband und Fraktionsbüro Lemgo; Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF)

Beschreibung :

Vorwort :

Geschichte und Überlieferung

Nachdem 1890 die Bismarckschen Sozialistengesetze wieder aufgehoben wurden, kam es in ganz Deutschland zur Bildung von sozialdemokratischen Ortsvereinen. In Lemgo kamen einige aus Hamburg ausgewiesene Sozialisten unter. Unter ihrer Mithilfe entstand mit Lemgoer Handwerkern und Zigarrenarbeitern ein "Sozialdemokratischer Wahlverein". Am 31.08.1897 wurde schließlich im Gasthaus Volland an der Breiten Straße der Lemgoer SPD-Ortsverein gegründet, als erster seiner Art in Lippe. Gründungsmitglieder waren die Lemgoer Clemens Becker (als Vorsitzender), Johann Auderer, Heinrich Bobenhausen, August Schmuck, Wilhelm Strate und Heinrich Sasse. Bei ihrer ersten Wahl zur Stadtverordnetenversammlung im Jahre 1898 errangen sie aus dem Stand vier von sechs möglichen Sitzen in der dritten Klasse (nach dem geltenden Drei-Klassen-Wahlrecht). Die beiden anderen Sitze fielen schließlich auch der SPD zu, da die bürgerlichen Abgeordneten nicht mit ihnen an einem Tische sitzen wollten. Clemens Becker, August Schmuck und Johann Auderer waren später zeitweilig auch Abgeordnete im Lippischen Landtag.

Wie in ganz Deutschland üblich, gründete der SPD-Ortsverein auch in Lemgo einen Konsumverein. Die erste Verkaufsstelle wurde 1901 in der Schuhstraße durch Clemens Becker eröffnet. Kurz danach zählte der Lemgoer Konsumverein 186 Mitglieder.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der folgenden Abdankung des lippischen Fürsten gehörten drei Lemgoer SPD-Mitglieder dem "Lippischen Volks- und Soldatenrat" an: Clemens Becker als erster Vorsitzender, August Schmuck und August Flohr sen. Von 1921 bis 1933 war Clemens Becker als Landrat in Brake tätig, während Heinrich Drake Landespräsident in Detmold und damit der führende lippische Politiker war.

Im Zuge des "Dritten Reiches" mussten die sozialdemokratischen Stadtverordneten ihre Sitze aufgeben und waren Repressalien wie Verhaftungen und Hausdurchsuchungen ausgesetzt. Bei den Hausdurchsuchungen wurden auch sämtliche Parteiunterlagen des Lemgoer Ortsvereins beschlagnahmt und sind seitdem verschollen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Heinrich Drake an seine Position als Landespräsident zurück, während Clemens Becker von den Alliierten als vorläufiger Bürgermeister von Lemgo eingesetzt wurde. Anfang 1946 wurde der SPD-Ortsverein offiziell neu gegründet und erster Vorsitzender wurde August Flohr jun. Bei der ersten Ratswahl 1946 errang der SPD-Ortsverein lediglich neun von 24 Sitzen, im Lemgoer Kreistag allerdings die absolute Mehrheit und stellte 27 von 45 Abgeordneten. Von 1952 bis 1969 bekleidete August Flohr im Wechsel mit Wilhelm Wippermann (FDP) das Bürgermeister- bzw. stellvertretende Bürgermeisteramt. Von 1971 bis 1999 stellte die SPD mit Reinhard Wilmbusse durchgehend den Bürgermeister, bis ihn Reiner Austermann (CDU) beerbte.

Der SPD-Ortsverein Lieme wurde um 1945/46 gegründet, wobei keine Protokolle über die Gründungsversammlung überliefert sind (vgl. V48/28). Das älteste Protokoll einer Generalversammlung datiert auf den 15.03.1947 (vgl. V48/27).

Der SPD-Ortsverein Lüerdissen-Luherheide gründete sich am 27.09.1972 (vgl. V48/32). Bei der Gründungsversammlung waren 7 Genossen aus den beiden Lemgoer Ortsteilen sowie 9 Gäste aus Nachbarortsvereinen anwesend, darunter auch Bürgermeister Reinhard Wilmbusse.

V 48 wurde aus einzelnen Teilen als Mischbestand neu gebildet. Die Verzeichnungseinheiten V48/1 bis V48/19 stammen aus einer Abgabe des Fraktionsbüros der SPD, Provenienz: Rudolf Brinkmann (Zugangsnr.: 2010/004). Die Nummern V48/20 bis V48/26 wurden von Petra Schröder-Heidrich vom Stadtverband der SPD abgegeben (Zugangsnr.: 2008/039). V 48/27 bis V 48/28 stammen aus einer Abgabe durch Hermann Hentschel und Udo Golabeck aus dem Nachlass Fritz Starke aus Lieme (Zugang 2009/068). Die Verzeichnungseinheiten V48/29 und V48/30 wurden von Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn abgegeben (Zugangsnr.: 2007/007). V 48/31 stammt ebenfalls von Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn (Zugangsnr.: 2010/033). V48/42 stammt aus einer Abgabe von Udo Golabeck. Bei den Nummern V48/32 bis V48/39 sind die Provenienzen leider unklar. Wie diese Teile ins Stadtarchiv gelangt sind, kann leider nicht mehr nachvollzogen werden.

Inhalt

Der Bestand gliedert sich in vier Einheiten: Stadtverband, Fraktionsbüro, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und Ortsvereine. Die Akten des Stadtverbandes enthalten vor allem Fotos und Wahlkampfbroschüren, aber auch Unterlagen zur Arbeit des SPD-Stadtverbandes. Unter dem Gliederungspunkt Fraktionsbüro sind Unterlagen zu den einzelnen Wahlen in Lemgo zusammengefasst. Die Akten über die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) enthält verschiedenste Unterlagen, v.a. mit dem Fokus auf die Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft. Unter dem Gliederungspunkt Ortsvereine finden sich u.a. die Mitgliederliste des Ortsvereins Matorf-Kirchheide (1959) oder die Chronik des SPD-Ortsvereins Lüerdissen-Luherheide für die Jahre 1972 bis 1976.

Die Laufzeit des Bestandes umfasst die Jahre 1947 bis 2014.

Verweise

Zu weiteren Informationen siehe auch den Nachlass von Clemens Becker (NL 62) und den Bestand zum Arbeitskreis Maria Rampendahl (V 28).

Im Plakatbestand befinden sich Plakate des SPD-Ortsvereins Lemgo.

Literatur

Stadtverband und SPD-Ratsfraktion: Lemgo intern. Informationen des Stadtverbandes und der Ratsfraktion Lemgo der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Bib.sig.: 9170).

SPD-Ortsverein Lemgo: 1897-1972. 75 Jahre SPD-Ortsverein Lemgo, Lemgo 1972 (bib.sig.: 2089).


Hartl, Mai 2014.



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