Stadtarchiv Lemgo
06 Gemeinden - heutige Ortsteile
H 6 - Lieme
H 06 - Lieme
Permalink des Findbuchs


Signatur : H 06

Name : H 06 - Ortsgemeinde Lieme

Beschreibung :

Vorwort :

Chronologie (bis 1969)

800-1200
Gründung der Siedlungen zu Großen-Lieme, zu Büllinghausen und am Westerfeld

1149
Bischof Bernhard von Paderborn stattet das Nonnenkloster zu Willebadessen mit Gütern aus, u. a. mit dem zehnten aus zwei Häusern im Limgau

um 1180
Erste Erwähnung eines Hofes zu Lieme in einem Heberegister der Fürstabtei Herford

13. Jhd.
Gründung der Hagensiedlung zu Papenhausen und des Hofes im Rhiene

um 1350
Hermann von Iggenhausen erwirbt Meierhof und Mühle zu Büllinghausen als Lehen von der Abtei Herford

1399
Heinrich von Quaditz erwirbt die Mühle zu Büllinghausen als Lehen von der Abtei Herford

15. Jhd.
Bau der Kapelle zu Großen-Lieme

1587
Graf Simon VI. zur Lippe erwirbt die Höfe Steinmeyer (Steinhof) und Sostmann-Branding zu Großen-Lieme sowie das adlige Gut zu Büllinghausen mit Herrenhaus und Mühle und vereinigt diese Güter zur Meierei Büllinghausen

1588
Graf Simon VI. erwirbt den Meierhof zu Papenhausen und tauscht ihn gegen den Sültehof zu Heiden ein.

1604 - 1608
Graf Simon VI. erwirbt das Gut, den Zehnten und den Hagen zu Papenhausen

1627
Lieme weitgehend zerstört

ab 1640
Wiederaufbau der zerstörten Höfe

1709
Verlegung der Kirchspielschule des Kirchspiels St. Johann von Lieme nach Lemgo

1726
Gründung der Kirchengemeinde Lieme, Erweiterung der Kapelle zur Kirche

1824 - 1831
Teilung der Gemeinheiten auf der Liemer Heide, der Wittighöfer Heide, der Liemer Wisch, der Büllinghauser Heide und im Rhiene

ab 1830
Entstehung der Streusiedlung im Strang, an der Herforder Straße, im Hangstein, im Liemergrund und auf der Liemer Heide

1873
Gründung des Schützenkomitees Lieme

1874
Gründung Kriegerverein Lieme (um 1970 aufgelöst)

vor 1895
Gründung Posaunenchor Lieme

1890
Gründung einer Ziegler-Unterstützungskasse Lieme

1894
Gründung des Zieglervereins Lieme

1904
Gründung Radsportverein "Tempo" Lieme

1908
Gründung Männergesangverein "Harmonie" Lieme

1908
Gründung Biochemischer Verein Lieme

1923 - 1925
Neubau der Kirche

1925
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Lieme (anstatt der Pflichtfeuerwehr)

1929 - 1939
Errichtung der Siedlung zwischen Lemgoer Straße und Drosselweg

1934
Zwangsvereinigung des RSV Lieme (1928 gegründet) und des TV Jahn Lieme (1921 gegründet) zum VfL Lieme

1947
Gründung des Frauenchores der "Harmonie" Lieme

ab 1950
Errichtung der Siedlung am Lehbrinksweg und in der Hollenbrede

1953 - 1965
Flurbereinigung in der Gemarkung Lieme

1954
Einweihung der neuen Volksschule an der Schulstraße

1954
Frauen- und Männerchor zum Gemischten Chor "Harmonie" Lieme vereinigt

1956
Bau des Freibades in der Liemer Wisch

1960
Errichtung der Turnhalle für die Volksschule

1963 - 1968
Kanalisierung des Dorfes Lieme und Bau einer zentralen Kläranlage

ab 1967
Errichtung der Siedlung auf dem Lehbrinksstück und dem Ferkenfeld

1969
Eingliederung Liemes in die Großgemeinde Lemgo

Verwaltungsgeschichte

Mit der Verordnung über die Aufhebung des Leib- und Gutseigentums vom 27. Dezember 1808 wurde das Ende der Feudalzeit in Lippe eingeleitet. Damit hatte die Landbevölkerung das volle Staatsbürgerrecht er-worben. Vor 1841 gab es auf dem "platten Land" noch keine förmlich organisierten Gemeinden unterhalb der Amtsebene. Es existierten lediglich Vorsteher (meistens zwei), die von der Landbevölkerung gewählt wurden. Der Vorsteher war ein staatliches Organ, das dem Landesherrn verpflichtet war. Ihm oblag u. a. die Ausführung von Aufträgen der Ämter, die Wahrung und Förderung der Rechte der Gemeinheit, die Aufsicht über die angestellten Hirten und Nachtwächter, die Rechnungsführung der Gemeinde, die Beaufsichtigung der Huden und Wege, die Sorge für Ruhe und Ordnung und die Überwachung von Licht und Feuer (vgl. Instruktion vom 6.4.1793 LV 4, S. 79 - 80). Daneben gab es noch dien landesherrlichen Bauerrichter, der Hebungsbeamter und Ortspolizist war. Die eigentliche Verwaltung geschah über die staatlichen Ämter, an deren Spitze die Amtmänner standen. Eine Form der kommunalen Selbstverwaltung existierte noch nicht.

Informationen über die Geschichte Liemes findet man deswegen auch in der Ämterüberlieferung des Landesarchivs NRW in Detmold (Bestände L 27 Amt Brake, L 108 Brake und Nachfolgebestände L 109 Brake sowie L D 105 Brake).

Mit Erlass der lippischen Gemeindeordnung von 1841 (LV 8, S. 541 - 562) erhielten die Dorfgemeinden (Bauerschaften) erstmals eine Verfassung, die sie zur Aufstellung von Ortssatzungen berechtigte. Sie konnten - im begrenzten Umfange - eigene Angelegenheiten auch selbst verwalten. Stimmberechtigt in den Dorfgemeinden waren aber nur die Grundbesitzer, die die Dorfsversammlung bildeten und einen oder mehrere Vorsteher wählten. Die Vorsteher führten die Beschlüsse der Dorfsversammlung aus. Sie waren nun nicht mehr nur Ausführer landesherrlicher Anweisungen. Der Vorsteher war in Selbstverwaltungsangelegenheiten der Dorfversammlung, in Auftragsangelegenheiten dem Amt verantwortlich.

Mit dem Änderungsgesetz zur Gemeindeordnung vom 18. April 1893 (LV 21, S. 215 - 245) war das Wahl-recht in den Bauerschaften nicht mehr an Grundbesitz gebunden, sondern an einen zweijährigen Aufenthalt in der Gemeinde und die Zahlung von Steuern. Für die Wahlen galt das Dreiklassenwahlrecht. Die Dorfsversammlung erhielt die Bezeichnung Gemeindeausschuss, der Vorsteher wurde zum Vorstand, bestehend aus Gemeindevorsteher und einem oder mehreren Beigeordneten.

Für größere und übergreifende Aufgaben wurden 1841 die Amtsgemeinden eingerichtet. Alle Bewohner ei-nes Amtes bildeten unter Einbeziehung der Domänen und Rittergüter eine kommunale Amtsgemeinde. Sie war zuständig für die Aufnahme neuer Gemeindeglieder, wirkte bei der Polizeiverwaltung mit, unterhielt die Feuerwehren und war zusammen mit der Kirche an Kirchen-, Schul- und Armensachen beteiligt.
Organe der Amtsgemeinde waren der Gemeinderat und der Gemeindevorstand. Dem Amtsgemeinderat ge-hörten die Vorsteher sämtlicher Bauerschaften, die Besitzer der landtagsfähigen Rittergüter und die Pächter der landesherrlichen Meiereien an. Vorstand der Amtsgemeinde war der staatliche Amtmann. Er lud zu den Sitzungen ein, führte die Geschäfte und vollzog die Beschlüsse. Die Amtsgemeinde hatte keine eigene Rechtspersönlichkeit im Gegensatz zum staatlichen Amt.

Ab dem 1.10.1879 (Gesetz vom 23.7.1879 LV Bd. 17, S. 217) wurden Verwaltung und Justiz in Lippe ge-trennt. Die Ämter waren nun reine Verwaltungseinheiten, der Bereich Justiz wurde von den neu gebildeten 9 Amtsgerichten übernommen. Die bisherigen zwölf Ämter fasste man zu fünf Verwaltungsämtern zusammen (1928 bestanden nur noch vier Verwaltungsämter), die jeweils von einem höheren Verwaltungsbeamten ("Landrat") geleitet wurden. Die Amtsgemeinden blieben mit ihren Institutionen unverändert bestehen.

Die rechtliche Trennung zwischen Land- und Stadtgemeinden wurden erst durch die vorläufige Gemeindeverfassung vom 28.3.1919 (LV 26, S. 929 - 933) und mit dem Gemeindeverfassungsgesetz vom 1.12.1927, seit dem 1.4.1928 in Kraft (LV 30, S. 301 - 345) aufgehoben. Gleichzeitig galt damit in Lippe das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen auf allen staatlichen Ebenen. Seit 1928 bildeten die Bauerschaften gleichberechtigte Selbstverwaltungskörperschaften wie die Städte. In den Gemeinden unter 1000 Einwohnern war der Gemeindevorsteher gleichzeitig Vorsitzender der Gemeindevertretung und des Gemeindeausschusses.

1932 legte man die vier Verwaltungsämter zu den beiden Kreisen Lemgo und Detmold zusammen ohne die amtsfreien Städte Detmold, Lemgo und Salzuflen, die erst 1934 in den jeweiligen Kreis eingegliedert wurden. Parallel dazu wurden Amtmänner als Organe der Kreise anstelle der bisherigen vier Landratsämter bestellt. Sie nahmen Aufgaben der Ortspolizei und der Fürsorge bis zu ihrer Auflösung 1969 wahr.

Mit der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde der Gemeindevorsteher zum Bürgermeister, der Gemeindeausschuss zum Gemeinderat. Es galt das Universalitäts-Prinzip, d. h. innerhalb des Gemeindegebietes sollten alle Aufgaben der Gemeinde zufallen. Dies bedeutete einen erheblichen Zuwachs an Aufgaben für die Gemeinden.

Ortschaften in der Bauerschaft Lieme (1911): Hengstheide, Lieme, Liemergrund, Im Rhiene, Strang und Wittighöferheide.

Bürgermeister und Gemeindevorsteher (ab 1841)

Führing (1842 - 1844)
Cöhring (1846 - 1849)
Sturhelm (1848 - 1850)
Brand (1854)
Nieweg (1862)
Althof (1870)
Kehde (1878)
Brand (1880-1881)
[erst ab hier vollständig und gesichert]
Ernst Nieweg (1893 - 1911)
Gustav Brand (1911 - 1912)
Fritz Führing (1913 - 1922)
Heinrich Adam (1923 - 1932)
Fritz Deppe (1932 - 1945)
Heinrich Siekmann (1945 - 1968)

Bestandsbeschreibung (Besonderheiten)

Laufzeit: 1821 - 1986, 111 VZE

Protokollbuch für das Schiedsmannbezirk Amt Brake I (Lieme), 1922 - 1945
Pachtangelegenheiten fürstliche Rentkammer mit Herrn Conductor Müller, Meierei Büllinghausen (Kopien, Originale Privat)
Ehrenmalerrichtung (Gefallene I. u. II. Weltkrieg), 1952 - 1954
Sammlung zur Ortsgeschichte, 1954 - 1966

Literatur

Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde. - 55 (1986), S. 239 - 269
Informationen und Meinungen / Evang.-ref. Kirchengemeinde Lieme. - 52 (1980), S. 4-7; 53 (1980), S. 6-8;
Informationen und Meinungen / Evang.-ref. Kirchengemeinde Lieme. - 1985,80, S. 11-14
Fritz Starke, Lieme - eine Dorfgeschichte in Einzeldarstellungen, 1997
Fritz Starke, Lieme - eine ländliche Siedlung in Gegenwart und Vergangenheit, 1972
Lippische Landes-Zeitung. - 191 (1957),121 vom 25.5., S. [3] : Ill.

Verweise (Bestände im Stadtarchiv)

Vereine, siehe V-Bestände und S-Bestand
Schule, siehe T 4 Schulgemeinde Lieme
Fotos, siehe N-Bestände
Karten u. Pläne, siehe Bestand G und Bestand K
Personenstandsunterlagen, siehe F - Bestände = Standesamt Lieme
Zeitungsausschnittsammlungen zur Dorfchronik, siehe auch Ch-Bestand

Sonstige Verweise

Rentkammer Kolonate (LAV NRW Bestand L 92 T 1)
Rentkammer Meiereien (LAV NRW Bestand L 92 B), Regierung Domänenabteilung (LAV NRW Bestand L 80.20)



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