Stadtarchiv Lemgo
06 Gemeinden - heutige Ortsteile
H 1 - Brake
H 01 - Brake
Permalink des Findbuchs


Signatur : H 01

Name : H 01 - Ortsgemeinde Brake

Beschreibung :

Vorwort :

Chronologie (bis 1969)

Ende 12.Jh.
Burg Brake bereits vorhanden, nachgewiesen durch Ausgrabungen von Dr. Friedrich Hohenschwert

Ende 12.Jh.
Eine Hufe zu Scoderingthorp (Schöllentrup) gehört zum Amt Übbentrup der Herforder Abtei

1306
Burg und Dorf Brake erstmalig urkundlich genannt

1328
Kirche Brake erstmalig erwähnt

1341
Knappe Herman von Ickenhusen ist Lehnsherr eines Hofes zu Maßbruch (tom Asbroke)

1498
Johan Torn erhält u.a. einen Haupthof in Masbroke von der Abtei Herford zu Lehn

1811
Gründung der Landesirrenanstalt Lindenhaus

1825
Gründung der Fürstlichen Schloßbrauerei Brake

1830-1850
Colbrunnsche Weberei in Brake - Versuch, die Leineweberei zu industrialisieren

1833
Gründung der "Freiwilligen Arbeitsanstalt in Brake" (Stiftung Amtmann Schlütter)

um 1850
Vereinigung der seit dem frühen 19. Jhd. existierenden Spinnschule in Brake mit der Freiwilligen Arbeitsanstalt

1853
Gründung des Braker Kindergartens (später Teil der "Schlütterschen Stiftungen", seit 1923 städtisch)

1912
Vereinigung der im 19. Jhd. in Brake gegründeten Stiftungen zur "Schlütterschen Stiftung" (ab 1923 Übergang der Stiftung in Besitz der Gemeinde Brake)

1920
Eingliederung des Domanialbezirks und der Meierei Brake

1932
Schloß Brake wird Sitz der Kreisverwaltung für den Landkreis Lemgo

1942 - 1948
Brake nimmt Evakuierte und Vertriebene auf

1952
Auflösung der Anstalt Lindenhaus

1954
Aufteilung der Domäne Brake. Bildung von Pachthöfen

1959
Grundsteinlegung einer neuen Volksschule der Gemeinde Brake

1969
Einweihung der Friedhofskapelle

1969
Eingliederung in die Großgemeinde Lemgo

Verwaltungsgeschichte

Mit der Verordnung über die Aufhebung des Leib- und Gutseigentums vom 27. Dezember 1808 wurde das Ende der Feudalzeit in Lippe eingeleitet. Damit hatte die Landbevölkerung das volle Staatsbürgerrecht er-worben. Vor 1841 gab es auf dem "platten Land" noch keine förmlich organisierten Gemeinden unterhalb der Amtsebene. Es existierten lediglich Vorsteher (meistens zwei), die von der Landbevölkerung gewählt wurden. Der Vorsteher war ein staatliches Organ, das dem Landesherrn verpflichtet war. Ihm oblag u. a. die Ausführung von Aufträgen der Ämter, die Wahrung und Förderung der Rechte der Gemeinheit, die Aufsicht über die angestellten Hirten und Nachtwächter, die Rechnungsführung der Gemeinde, die Beaufsichtigung der Huden und Wege, die Sorge für Ruhe und Ordnung und die Überwachung von Licht und Feuer (vgl. Instruktion vom 6.4.1793 LV 4, S. 79 - 80). Daneben gab es noch dien landesherrlichen Bauerrichter, der Hebungsbeamter und Ortspolizist war. Die eigentliche Verwaltung geschah über die staatlichen Ämter, an deren Spitze die Amtmänner standen. Eine Form der kommunalen Selbstverwaltung existierte noch nicht.

Informationen über die Geschichte Brakes findet man deswegen auch in der Ämterüberlieferung des Landesarchivs NRW in Detmold (Bestände L 27 Amt Brake, L 108 Brake und Nachfolgebestände L 109 Brake sowie L D 105 Brake).

Mit Erlass der lippischen Gemeindeordnung von 1841 (LV 8, S. 541 - 562) erhielten die Dorfgemeinden (Bauerschaften) erstmals eine Verfassung, die sie zur Aufstellung von Ortssatzungen berechtigte. Sie konnten - im begrenzten Umfange - eigene Angelegenheiten auch selbst verwalten. Stimmberechtigt in den Dorfgemeinden waren aber nur die Grundbesitzer, die die Dorfsversammlung bildeten und einen oder mehrere Vorsteher wählten. Die Vorsteher führten die Beschlüsse der Dorfsversammlung aus. Sie waren nun nicht mehr nur Ausführer landesherrlicher Anweisungen. Der Vorsteher war in Selbstverwaltungsangelegenheiten der Dorfversammlung, in Auftragsangelegenheiten dem Amt verantwortlich.

Mit dem Änderungsgesetz zur Gemeindeordnung vom 18. April 1893 (LV 21, S. 215 - 245) war das Wahl-recht in den Bauerschaften nicht mehr an Grundbesitz gebunden, sondern an einen zweijährigen Aufenthalt in der Gemeinde und die Zahlung von Steuern. Für die Wahlen galt das Dreiklassenwahlrecht. Die Dorfsversammlung erhielt die Bezeichnung Gemeindeausschuss, der Vorsteher wurde zum Vorstand, bestehend aus Gemeindevorsteher und einem oder mehreren Beigeordneten.

Für größere und übergreifende Aufgaben wurden 1841 die Amtsgemeinden eingerichtet. Alle Bewohner ei-nes Amtes bildeten unter Einbeziehung der Domänen und Rittergüter eine kommunale Amtsgemeinde. Sie war zuständig für die Aufnahme neuer Gemeindeglieder, wirkte bei der Polizeiverwaltung mit, unterhielt die Feuerwehren und war zusammen mit der Kirche an Kirchen-, Schul- und Armensachen beteiligt.
Organe der Amtsgemeinde waren der Gemeinderat und der Gemeindevorstand. Dem Amtsgemeinderat ge-hörten die Vorsteher sämtlicher Bauerschaften, die Besitzer der landtagsfähigen Rittergüter und die Pächter der landesherrlichen Meiereien an. Vorstand der Amtsgemeinde war der staatliche Amtmann. Er lud zu den Sitzungen ein, führte die Geschäfte und vollzog die Beschlüsse. Die Amtsgemeinde hatte keine eigene Rechtspersönlichkeit im Gegensatz zum staatlichen Amt.

Ab dem 1.10.1879 (Gesetz vom 23.7.1879 LV Bd. 17, S. 217) wurden Verwaltung und Justiz in Lippe ge-trennt. Die Ämter waren nun reine Verwaltungseinheiten, der Bereich Justiz wurde von den neu gebildeten 9 Amtsgerichten übernommen. Die bisherigen zwölf Ämter fasste man zu fünf Verwaltungsämtern zusammen (1928 bestanden nur noch vier Verwaltungsämter), die jeweils von einem höheren Verwaltungsbeamten ("Landrat") geleitet wurden. Die Amtsgemeinden blieben mit ihren Institutionen unverändert bestehen.

Die rechtliche Trennung zwischen Land- und Stadtgemeinden wurden erst durch die vorläufige Gemeindeverfassung vom 28.3.1919 (LV 26, S. 929 - 933) und mit dem Gemeindeverfassungsgesetz vom 1.12.1927, seit dem 1.4.1928 in Kraft (LV 30, S. 301 - 345) aufgehoben. Gleichzeitig galt damit in Lippe das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen auf allen staatlichen Ebenen. Seit 1928 bildeten die Bauerschaften gleichberechtigte Selbstverwaltungskörperschaften wie die Städte. In den Gemeinden unter 1000 Einwohnern war der Gemeindevorsteher gleichzeitig Vorsitzender der Gemeindevertretung und des Gemeindeausschusses.

1932 legte man die vier Verwaltungsämter zu den beiden Kreisen Lemgo und Detmold zusammen ohne die amtsfreien Städte Detmold, Lemgo und Salzuflen, die erst 1934 in den jeweiligen Kreis eingegliedert wurden. Parallel dazu wurden Amtmänner als Organe der Kreise anstelle der bisherigen vier Landratsämter bestellt. Sie nahmen Aufgaben der Ortspolizei und der Fürsorge bis zu ihrer Auflösung 1969 wahr.

Mit der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde der Gemeindevorsteher zum Bürgermeister, der Gemeindeausschuss zum Gemeinderat. Es galt das Universalitäts-Prinzip, d. h. innerhalb des Gemeindegebietes sollten alle Aufgaben der Gemeinde zufallen. Dies bedeutete einen erheblichen Zuwachs an Aufgaben für die Gemeinden.

Ortschaften der Bauerschaft Brake (1911): Belle-Alliance, Brake, Fahrenbreite, Finkenpforte, Landwehr, Lindenhaus, Ostersiek, Stuken und Wilhelmsburg.

Bürgermeister und Gemeindevorsteher (ab 1841)

Wilhelm Rehme (1848 - 1878)
August Wagner (1878 - 1880)
Heinrich Beckmeier (1880 - 1882)
August Arends (1882 - 1891)
August Goedecke (1891 - 1919)
August Nolte (1919 - 1922)
Georg Vogelsmeier (1922 - 1930)
Erich Stock (1930 - 1934)
August Lepper (1934 - 1940)
Heinrich Siekmann (1940 - 1945)
Robert Sackmann (1945)
Fritz Schröder (1945 - 1946)
Friedrich Berlin (1946 - 1969)

Gemeindedirektor

Heinrich Mesch (1946 - 1969)

Bestandsbeschreibung (Besonderheiten)

Laufzeit: 1796 - 1976, 931 VZE

- Rechnung der Freiwilligen Arbeitsanstalt Brake, 1839 - 1967
- Rechnung der Fortbildungsschule, 1907 - 1914
- Bericht über die Spinnschule Brake, 1868 - 1869
- Volkshochschule / Volksbildungswerk Brake, 1951 - 1969
- Kleinkinderschule Brake, v. a. Rechnungen und Beiträge, 1878 - 1893, 1925 - 1934
- Rechnungen und Belege Schulgemeinde Brake, auch aus der Zeit vor 1937
- Tätigkeiten des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Brake, o. D.
- Sammelakten des Standesamtes Brake zu Geburts-, Sterbe- und Heiratsfällen, darin auch die Sterbefälle Lindenhaus, 1877 - 1937

Literatur

Diestelmeier, H.: 100 Jahre Kindergarten in Brake, Lemgo 1953
Wilhelm Süvern: Brake. Geschichte des Schlosses und der Gemeinde Brake in Lippe, Lemgo 1960. - 247 S. : Ill.
Aus der Arbeitswelt unserer Väter. Der alte Bürgermeister erzählt [Friedrich Berlin], in: Kirchengemeinde Brake. Informationen und Meinungen, Hefte 84, 85, 86 und 87 (1983, 1984).[Darstellung zur Nachkriegszeit in Brake]
Günter Döring, Kleine Geschichte der Gemeinde Brake von 1945 - 1968, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake, Hefte 97 bis 101 (1985 - 1986)
Heinrich Diestelmeier, Friedrich Berlin. 1899 - 1985. Brakes letzter Bürgermeister, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake. - 1986,100, S. 22 - 24 : Ill.
Andreas Mikolasek: Als Brake noch ein Bauerndorf war, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake. - 1980,68, S.[17-19];69, S. [18-20] : Ill.; 1981, 70, S. 17 - 19 : Ill. // 71, S. 16 - 18 : Ill. // 72, S. 16 - 18 : Ill. // 73, S. 18 - 20 : Ill. // 74, S. 16 - 18 : Ill. // 75, S. 16 - 18 : Ill.; 1982, 76, S. [16 - 18] : Ill., Kt. // 77, S. [18 - 20] : Ill., Kt.
Andreas Mikolasek: Brake - 800 Jahre plus x?, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake. - 1990,124
Andreas Mikolasek: Brake vor 100 Jahren, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake [1.] // 1984,93, S. 16 - 17. - [2.] // 1985,94, S. 16 - 17. - [3.] // 1985,95, S. 16 - 17. - [4.] // 1985,96, S. 18 - 19
Friedrich Wilhelm Pahmeier: Vietmeiers Ölmühle in Brake, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake. - 1987,106, S. 2-5 : Ill.
Wahlkampf 1932 ff. in Brake, in: Informationen und Meinungen / Kirchengemeinde Brake. - 1992,140, 141, 142

Verweise (Bestände im Stadtarchiv)

Vereine, siehe V-Bestände und S-Bestand
Schule, siehe T 9 Schulgemeinde Brake
Fotos, siehe N-Bestände
Karten u. Pläne, siehe Bestand G und Bestand K
Personenstandsunterlagen, siehe F - Bestände = Standesamt Brake
NL 65 - Nachlass Familie Vietmeier (Mühlen Schloss Brake)
Zeitungsausschnittsammlungen zur Dorfchronik, siehe auch Ch-Bestand

Verweise (Bestände im Landesarchiv)

Heil- und Pflegeanstalt Lindenhaus (LAV NRW Bestand L 107 D)
Rentkammer Kolonate (LAV NRW Bestand L 92 T 1)
Rentkammer Meiereien (LAV NRW Bestand L 92 B), Regierung Domänenabteilung (LAV NRW Bestand L 80.20)



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