Stadtarchiv Lemgo
8.1 Nachlässe (Personen)
NL 8 - Nachlass Familie Klinzing (Familienarchiv)
NL 08 - Nachlass Familie Klinzing
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Signatur :

Name : NL 8 - Nachlass Familie Klinzing

Beschreibung :

Kurzer Abriss zur Familiengeschichte Klinzing

Die Familie Klinzing stammt ursprünglich aus Barchfeld/Werra in Hessen. 1772 wanderte der 16jährige Valentin Glinzing (geb. 1756) nach Lemgo aus. Dort erlernte er das Schuhmacherhandwerk, erwarb den Meistertitel und heiratete 1784 die Lemgoer Bürgerstochter Anna Maria Borchard. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor (2 Söhne starben im Kindesalter, ein Sohn starb auf dem Rußlandfeldzug, die Tochter heiratete 1817 den Zeugmeister Heinrich August Borchardt). Nach dem Tod seiner ersten Frau 1796 erwarb Valentin das Haus Breite Straße 54. Im gleichen Jahr heiratete er die 17jährige Margarete Catharine Bödeker. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen zwei Söhne und eine Tochter schon im Kindes- und Jugendalter starben. Eine Tochter heiratete den Lohgerber Adolf Borchardt, der über seinen Vater in den Besitz des Hauses Breite Straße 11 (MB 20, das spätere Geschäft der Familie Klinzing) gelangt war. Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Der älteste Sohn Johann Konrad (1812-1893) blieb Junggeselle, war Schuhmachermeister, Stadtverordneter der Demokratischen Fortschrittspartei und erbte das Elternhaus Elternhaus Breite Straße 54, das er aber einem seiner Gesellen verkaufte. Er zog dann zu seiner verwitweten Schwester Wilhelmine Henriette Klinzing (1820 - 1903). Wilhelmine hatte den Nachrichter Wilhelm Ernst Clausen geheiratet (siehe dazu auch Vorwort NL 19). Der Sohn Christian August Klinzing (1815 - 1899) setzte die männliche Linie fort, erlernte das Blaufärbereihandwerk und den Blaudruck. 1835-1839 war er auf Wanderschaft (siehe Gesellenbrief und Wanderbuch im Nachlass). Nach dem Tod Valentin Klinzings 1840 erwarb Christian 1841 das Haus Mittelstraße 41. 1846 heiratete er (nach dem Tod seiner kinderlos gebliebenen ersten Ehefrau) Auguste Friederike Eberhardi (1810 - 1880), Tochter des Buchbinders Friedrich August Eberhardi aus Detmold. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor: August (1848 - 1884), Friedrich Adolf Wilhelm (1851 - 1927) und Karl Hermann (1856 - 1942). August kaufte 1875 das Haus Breite Straße 11 von seinem Onkel Adolf Borchard und dessen Ehefrau Anna Dorothea, geb. Klinzing. 1877 eröffnete er dort ein Kolonial- und Materialwarengeschäft.
Friedrich Wilhelm Adolf - kurz Fritz - erlernte ebenfalls das Färberhandwerk, heiratete nach dem Tod der Mutter eine Bauerntochter aus Leese und blieb im elterlichen Haus in der Mittelstraße. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, die teilweise im Leinen- und Manufakturwarengeschäft und auch im Kolonialwarenhandel tätig waren.
Der jüngste Sohn Karl Hermann begann als Volontär im Leinengeschäft Bertelsmann Co in Bielefeld, wo er aber 1877 aufhören musste, um den bereits kranken Burder August im Kolonialwarengeschäft zu unterstützen. Nach dessen Tod 1884 übernahm er das Geschäft. 1900 heiratete er Johanne Luise Rackelmann (1875 - 1958), die Tochter seines Freundes Georg Rackelmann (1835 - 1919). Neun Kinder gingen aus der Ehe hervor. Der Sohn Hans (1914 - ) übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg das Geschäft von seiner Mutter. 1985/86 löste er das Geschäft in der Breite Straße 11 auf, da kein Nachfolger vorhanden und die Geschäftsaussichten sich verschlechtert hatten. Anschließend zog die Bausparkasse Wüstenrot in Teile des Hauses ein.

Inhalt des Nachlasses

Der Bestand umfasst vor allem Originale und Kopien zur Familiengeschichte der Klinzings, Rackelmann und Eberhardi, insbesondere Personenstandsdokumente und Kaufurkunden sowie Verträge. Enthalten sind auch private Korrespondenzen, teilweise mit geschäftlichem Inhalt, sowie Schulzeugnisse und Schulhefte. Enthalten ist auch ein älteres, handschriftlich geführtes Kochbuch (18. Jhd.), Unterlagen zum Deutschen Frauenring und Material zur Lemgoer Schafhude im 19. Jhd. und zum Eisenbahnbau. Die Fotos im Nachlass sind entnommen und der Fotosammlung zugefügt worden. Fotoalben sind im Nachlass verblieben. Eine maschinenschritliche Abhandlung zur Familiengeschichte mit Fotos der Familienmitglieder und des Hauses Breite Str. 11 ist im Nachlass enthalten.

Oeben, Lemgo 2012

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