Stadtarchiv Lemgo
8.1 Nachlässe (Personen)
NL 12 - Nachlass MarienKantorei Lemgo / Kantor Walther Schmidt
NL 12 - Nachlass Marienkantorei Lemgo / Kantor Walther Schmidt
Permalink des Findbuchs


Signatur : NL 12

Name : NL 12 - Nachlass MarienKantorei Lemgo / Kantor Walther Schmidt

Beschreibung :

Vorwort :

Biographie

Walther Schmidt wurde am 17. Januar 1913 als Sohn von Willy Schmidt, Angestellter bei der Hamburg-Amerika-Linie, und Wilhelmine, geb. Steinhäuser, in Hamburg geboren. Sein Vater fiel 1914 im Ersten Weltkrieg. Seine Mutter zog später nach Erfurt in Thüringen und heiratete erneut. Dort wurden sein Bruder Hellmut und seine Schwester Erika geboren. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1925 lebte Walther Schmidt weiterhin bei seinem Stiefvater in Erfurt.

Walther Schmidt engagierte sich in der christlichen Jugendbewegung und leitete Singkreise sowie Instrumentalgruppen. Dann nahm er Orgelunterricht. Schließlich brach er seine in Döbeln begonnene kaufmännische Lehre ab, um sich ganz der Musik zu widmen. 1934 - im Alter von 21 Jahren - begann Walther Schmidt an der Evangelischen Kirchenmusikschule Berlin-Spandau zu studieren. Nachdem er 1938 das Abschlussexamen an der Kirchenmusikschule absolviert und die staatliche Prüfung zum Organisten und Chorleiter an der Hochschule für Musik in Berlin abgelegt hatte, wirkte er in diesen Funktionen an einer Innenstadtkirche in Berlin-Teltow. Diese Tätigkeiten musste er beenden, als er 1939 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Während des Krieges, im Jahr 1942, heiratete er Martha Westerhaus. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Als er 1945 aus viermonatiger Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, erhielt er eine Anstellung als Organist in der Kirche St. Marien in Lemgo. Die Marienkantorei gründete er 1945 aus einem bestehenden Musik-Jugendkreis und dem Kirchenchor. Zum 1. März 1948 wurde er Musiklehrer am Marianne-Weber-Gymnasium. Um als beamteter Lehrer arbeiten zu können, studierte er 1953 zwei Semester an der Hochschule für Musik in Köln und legte die Schulmusikerprüfung ab. Seit 1950 organisierte Walther Schmidt die "Lemgoer Orgeltage", zu denen Musiker aus vielen Ländern nach Lemgo kamen. Gleichfalls initiierte er 1964 die Gründung der Jugendmusikschule in Lemgo, deren Leitung er übernahm.
Schon im Jahr 1945 veranstaltete Walter Schmidt Konzerte in den umliegenden Dörfern, seit 1950 gab er Konzerte in der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Bald erfolgte die erste Einladung ins Ausland. Die erste Reise führte 1953 nach Utrecht in den Niederlanden. In den nächsten Jahren wurden weitere Konzerte im Ausland gegeben, so zum Beispiel in England, Frankreich, Italien, Belgien und in den USA. Daneben fanden weiterhin zahlreiche Konzerte in Deutschland statt. Konzerte wurden auf Langspielplatten aufgenommen und im Rundfunk übertragen. Walther Schmidt knüpfte die notwendigen Kontakte, organisierte die Reisen und stellte die Programme auf.
Im Jahre 1978 wurde er als Studiendirektor am Marianne-Weber-Gymnasium pensioniert. Für sein bedeutendes Engagement erhielt Walther Schmidt 1980 den Kulturpreis des Landesverbandes Lippe. 1985 verlieh ihm die Stadt Lemgo die Ehrenbürgerwürde. Schließlich erhielt er 1988 das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

Walther Schmidt starb am 9. Oktober 1991 in Lemgo.

Der Nachlass

Der vorliegende Nachlass dokumentiert die Tätigkeit des Kantors Walther Schmidt im Rahmen der Marienkantorei. Private Unterlagen Schmidts (Briefe, Dokumente, Fotos...), die über die Arbeit als Kantor von St. Marien hinausgehen, sind nicht enthalten. Naturgemäß überwiegen Presseartikel, Korrespondenz und Programme über die Konzerte, Konzertreisen und die Lemgoer Orgeltage im Nachlass.

Nach Aussage von Frau Abrath, langjährige Sekretärin von Walther Schmidt, war es der Wunsch von Walther Schmidt, der Stadt Lemgo die Dokumentation zur dauernden Aufbewahrung zu übereignen. Bereits 1986 kam eine erste Kontaktaufnahme mit dem damaligen Stadtarchivleiter Stöwer zustande. Mehrere Tonträger mit Choraufnahmen der Marienkantorei unter Walther Schmidt wurden an das Stadtarchiv übergeben (siehe Bestand O 1). Frau Lydia Abrath ordnete das weitere Material und übergab es dem Stadtarchiv der Alten Hansestadt Lemgo in drei Abgaben am 3. Juni 2002, am 24. Mai 2006 und am 13.02.2007. Im August 2013 wurde eine weitere Ablieferung aus dem Besitz von Frau Abrath an das Stadtarchiv abgeliefert (2013/040). Als vorläufig letzter Zugang erfolgte die Übergabe eines digitalen Archivs mit Ton- und Videoaufnahmen von Veranstaltungen, (Chor-)Auftritten und Chorreisen der Marienkantorei (siehe NL 12 Marienkantorei/Audio-Digital).

Im Bestand befinden sich unter dem Klassifikationspunkt 07. Unterlagen über den Landesverband ev. Kirchenchöre in Lippe. Lydia Abrath war zeitweilig für den Landesverband als Rechnungsführerin tätig.

Carola Richter, Christian Pautsch, Sven Krüger und Fabian Hartl verzeichneten den Nachlass.

Benutzung des Bestandes

Der Bestand ist bis auf die Ton- und Film/Videoaufnahmen frei zugänglich. Für die Benutzung der Ton- und Filmaufnahmen ist eine vorherige Genehmigung des Vorstandes der MarienKantorei Lemgo einzuholen.

Verweise

Überlieferung der Stadt zur Marienkantorei bzw. zu Kantor Walther Schmidt:

B 2505 (1952 - 1972), B 2785 (1949 - 1955), B 5205 (1952 - 1972), C 1020 (1985 - 1991)

Überlieferung der Stadt zur Jugendmusikschule:

B 2983 (1954 - 1965), B 5716 (1963 - 1964), C 1327 (1987 - 1989), C 1584 (1985), C 1710 (1986 - 1988), C 1711 (1968 - 1970), C 1712 (1971 - 1973), C 1713 (1968 - 1971), C 2418 (1976 - 1985), C 2419 (1969 - 1984), C 2420 (1979 - 1983)

Zeitungsausschnitte:

Z 8000/53, Z 8000/329, Z 8000/344, Z 8000/345, Z 8000/348

Druckschriften:

Dr 1/24

Nachlässe:

NL 20 Hans Hoppe Nr. 87 (Kirchenmusikgeschichte Lemgo)

Plakate zu Veranstaltungen der Marienkantorei im Bestand P - Plakate.

Weitere Tonaufnahmen der Marienkantorei Lemgo befinden sich im Bestand O 1 - Tonträger.

Digitalisierte Tonaufnahmen der Marienkantorei Lemgo befinden sich im Bestand NL 12 - Nachlass Marienkantorei Lemgo/Audio Digital.

Literatur

Bonney, Marianne: Wie alles sich zum Ganzen webt ¿ . Kantor Walther Schmidt und sein Lebenswerk, Bielefeld 1992 (Forum Lemgo 7).

Schmidt, Walther: Die Idee der Lemgoer Orgeltage, in: Lemgoer Heft 3/1978, S. 28-33.

Das Hier und Heute des Kantors Walther Schmidt, in: Lemgoer Heft 21/1983, S. 1.

Marien-Kantorei Lemgo hatte 40. Geburtstag, in: Lemgoer Hefte 32/1986, S. 2.



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