Stadtarchiv Lünen
Stadtarchiv
Permalink des Findbuchs


Signatur : 01.09.

Name : Stadtarchiv

Beschreibung :

Vorwort :

Stadtarchiv Lünen
(523 Akten; 1820-2012)

Nachrichten über das Lüner Archiv finden sich schon im 15. Jahrhundert: 1458 befanden sich die Urkunden der Stadt in der sogenannten Stadt- oder Ratskiste, die in der Sakristei der St. Georgskirche untergebracht war. 1710 wurde eine neue, mit zwei Schlössern versehene Kiste angefertigt. Die Aufsicht über die Archivalien oblag dem bei der Stadt auf Lebenszeit angestellten Stadtschreiber.

Die Einsichtnahme in Urkunden und Schriften scheint lange Zeit nicht möglich gewesen zu sein. Die beiden Lüner Chronisten Georg Spormecker (um 1480/90-1562) und Georg Gerlich (1606-1664) zogen für ihre im 16. bzw. im 17. Jahrhundert gefertigten Chroniken nicht das städtische Archiv heran, sondern griffen auf bereits vorhandene auswärtige Chroniken, mündliche Quellen und eigene Erlebnisse zurück. Der erste "Archivbenutzer" war Johann Dietrich von Steinen (1685-1759), Verfasser der "Westphälischen Geschichte". Im XXIV. Stück berichtet er, dass der Bürgermeister Johann Happel ihm Einsichtnahme in "archivliche Urkunden" gewährt habe. Von den Urkunden der Stadt Lünen ließ von Steinen die Stadtrechtsverleihung von 1341 abdrucken.

1794 war das Archiv im ehemaligen Rathaus am Alten Markt untergebracht. 1796 erteilte die Kriegs- und Domänenkammer den Auftrag, die Magistratsregistratur zu ordnen. Der Regierungs-Registraturassistent Flume verzeichnete die Akten nach Kapseln und Nummern.

Nach der Neuordnung der preußischen Provinz Westfalen 1815 setzte ein vermehrtes Interesse an den Archiven ein. 1820 forderte die Regierung in Arnsberg die Gemeinden auf, Übersichten über den Zustand der Archive einzusenden. Der damalige Bürgermeister Schultz (1772-1850) berichtete, dass das Archiv auf dem Rathaus in der Registratur untergebracht sei. Der Prediger der Stadtkirche St. Georg, Dietrich Hermann Bremer (1775-1859), und der Lüner Rentmeister Ludwig Holländer, "der in der Lesung alter Schriften vorzüglich bewandert ist", machten sich 1821 daran, das Archiv zu sichten und zu ordnen. Rund zwei Drittel des Archivbestandes (35 Zentner !) wurden als "wirklich des Aufbewahrens nicht werth" eingestuft, darunter Accisesachen, Angelegenheiten des städtischen Gerichts und Militärsachen. Einige wenige Schriftstücke sind erhalten geblieben, da sie als Konzeptpapier benutzt wurden. 1823 war die Neuordnung des Archivs abgeschlossen. Die Archivalien wurden wieder in einer Truhe untergebracht, noch 1922 fertigte man eine neue Archivtruhe aus Eichenholz mit Eisenbeschlag und zwei Sicherheitsschlössern an. Bremer erhielt auch den Auftrag, eine Stadtchronik zu schreiben, die 1842 als Buch erschien.

1928 erhielt Dr. Josef Lappe (1879-1944) gegen ein Stundenhonorar von zwei Reichsmark den Auftrag, das Archiv zu ordnen und zu betreuen. Er wertete viele Quellen aus und publizierte seine Forschungsergebnisse in zahlreichen Veröffentlichungen.

Die Archivalien wurden 1943 wegen der zunehmenden Bombenangriffe in den Schacht IV der Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer und in das Haus Wenne im Sauerland ausgelagert. Erstere kehrten unbeschadet zurück, letztere erlitten durch Kriegseinwirkungen Schäden und Verluste; auch die Findbücher gingen verloren.

Für das Stadtarchiv war es nach dem Zweiten Weltkrieg ein glücklicher Zustand, dass von 1946 an für sechs Jahre die ausgebombte Pädagogische Akademie zu Dortmund neue Räume in Lünen fand. Professor Alfons Perlick (1895-1978), Dozent der Hochschule, ist es zu verdanken, dass das Archiv aufgebaut und geordnet wurde. Darüber hinaus verfassten seine Studenten zahlreiche Publikationen zur Lüner Heimatgeschichte im Rahmen ihrer Staatsexamen.

1951 übernahm Dr. Gerhard Stephan, Studienrat am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und ehemaliger Stadtarchivar in Kamenz (Sachsen), die ehrenamtliche Leitung des Archivs. Seit 1955 ist das Stadtarchiv hauptamtlich besetzt. Unter Hermann Wember wurde es in das 1960 übergebene neue Rathaus überführt. Nach dem Tode Wembers 1970 übernahm Adolf Reiß das Archiv, der wie seine Vorgänger von dem Leiter der städtischen Registratur, Stadtoberinspektor Heinrich Tappe, unterstützt wurde. 1986 trat Adolf Reiß in den Ruhestand. Er wurde durch den jetzigen Stadtarchivar, Fredy Niklowitz, abgelöst.

Lünen, im August 2012
Fredy Niklowitz



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