Stadtarchiv Lünen
Haus Schwansbell (1343-1921 - Umfang 190 Urkunden, 859 Akten, 2 Karten)

1446
Johannes, Rektor [der St. Marien-Kirche] zu Alt-Lünen, überträgt auf Präsentation des Heinrich von Schwansbell dem Johann Westerfelde die Vikarie der Gottesmutter Maria, des Apostels St. Johannes des Täufers und des heiligen Apostels St. Johannes Evangeliste [der St. Marien-Kirche] in Alt-Lünen.


Enthält : (Regest: Repertorium, S. 174; alte Sign. R 15)




1463 August 22
Bernhard von Meschede, Domkanoniker zu Münster, Archidiakon in Alt-Lünen, bestätigt, dass Elisabeth Horstmers, Witwe des Johann Horstmers, und ihre Tochter Elisabeth Buckenberg, Witwe des Lambert Buckenberg, im Erzbistum Köln den Altar zu Ehren der Seligen Jungfrau Maria und der Jungfrau Catharina in der Kirche der Seligen Jungfrau Maria zu Altlünen in der Diözese Münster fundiert haben. Zu diesem Zweck gibt Elisabeth Horstmers aus Wichmanns Hof im Kirchspiel Brechten, Diözese Köln, jährlich 12 Malter Getreide, halb Roggen und halb Gerste Lüner Maßes, aus dem Gut Broerinck in der Bauerschaft Beckinghausen, Kirchspiel Derne, Diözese Köln, 12 Malter Getreide, halb Roggen und halb Gerste Lüner Maßes, sowie zwei Briefe über 220 Rheinische Goldgulden, deren Zinsen dem Patron des Altares und dem Priester zu Alt-Lünen, nicht aber den Provisoren, zugute kommen sollen. Elisabeth Buckenberg stattet den Altar mit dem Haus nebst allem, was dazu gehört, genannt Buckenbergs Hof, gelegen im Kirchspiel Alt-Lünen, aus. Die Stifterinnen beanspruchen für sich und ihre Nachfolger das Kollationsrecht. Die Inhaber der Vikarie, zur Zeit Herr Hermann von Derne, sind verpflichtet, wöchentlich drei Messen zum Gedächtnis der Stifterinnen zu lesen. Anwesend sind der Archidiakon Bernhard von Meschede, die beiden Bürgermeister zu Lünen, Elisabeth Horstmers, Elisabeth Buckenberg und Johann Kremer, Pastor zu Alt-Lünen. Der Archidiakon und die Bürgermeister siegeln. Zeugen sind Dietrich Grüter, Vikar zu Neu-Lünen, Johann von Derne, Vikar [der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste] zu Alt-Lünen, Evert Kremer, Richter zu Lünen, und Engelbert Steneken, Bürger zu Lünen.


Enthält : (Ausf. - Perg.; 30 x 39 cm; 3 anh. Siegel: 1 u. 2 ab, 3 fehlt. - RV)




1518 Aug. 14
Heinrich von Plettenberg, Domherr der Kirche zu Münster, Archidiakon Unserer Lieben Frauen Kirche [St. Marien-Kirche] zu Alt-Lünen, beurkundet, dass Heinrich von Schwansbell im Stift Köln und seine Frau Ida [von Beesten zu Sythen] zu ihrem Seelenheil den Altar, der zum Lobe Gottes, Maria, St. Johannes dem Täufer, dem Vorläufer des Herrn, und des heiligen Apostels St. Johannes Evangelist in der [St. Marien-] Kirche geweiht ist, [neu fundieren und] mit mehreren jährlichen Renten zugunsten des Priesters des Altars ausstatten: Sie geben die Broddekenshove, gelegen im Kirchspiel Brechten in der Bauerschaft Gahmen; ein Haus mit Hof in der Stadt Lünen, gelegen hinter und zwischen den Häusern des Heiligen-Geist [-Hospitals] und Anna Schomanns [Haus]; 4 Malter Korn, halb Roggen und halb Gerste Lüner Maßes, jährlicher Rente aus den Gütern des Hermann de Wendt, gelegen im Kirchspiel Derne, die gemäß einem besiegelten Brief mit 40 rheinischen Goldgulden ausgelöst werden können. Der Herr Jürgen Tappe, Priester und Vikar des Altars, schenkt 10 Malter Korn, halb Roggen und halb Gerste Lüner Maßes, jährlicher Rente aus Hermann de Wendts Gütern, die gemäß einem besiegelten Brief mit 100 rheinischen Goldgulden ausgelöst werden können. Bei Auslösung der Rente sollen die 140 rheinischen Goldgulden mit Zustimmung des Herrn Gerhard von Plettenberg, Domherr zu Münster und Pastor der Kirche zu Alt-Lünen von dem Priester des Altars, Herrn Jürgen Tappe, zugunsten des Altars verwendet werden. Nach dem Tode des Priesters Jürgen Tappe soll das Präsentationsrecht Heinrich von Schwansbell, seinen Erben und Besitzern des Hauses Schwansbell zustehen. Der Vikar des Altars soll vier Messen lesen: die erste Montag vor Allerseelentag, die andere Dienstag vor der Heiligen Dreifaltigkeit, die dritte am Freitag vor dem Heiligen Kreuztag am Altar, und die vierte am Samstag vor Unserer Lieben Frauen Bilde am Hochaltar. Auch soll er wöchentlich eine Messe auf dem Haus Schwansbell lesen. In den Messen und sonstigen Gebeten soll er für die Seelen der Altarstifter beten. Der Vikar erhält jährlich 2 Malter Korn, halb Roggen und halb Gerste Lüner Maßes, aus den Renten. Der Fundationsbrief und die Rentbriefe sollen in einem Schrein eingeschlossen werden. Ein Schlüssel hierfür soll der Vikar haben, den anderen Schlüssel soll der Kirchenrat erhalten. Es siegeln Heinrich von Plettenberg mit dem Archidiakonatssiegel, der Pastor Gerhard von Plettenberg und Heinrich von Schwansbell. Zeugen sind Herr Lambert Becker, Vizekurat zu Alt-Lünen, Herr Jürgen Vollenspit, Vikar der Stadt Lünen, Rotger Witte, Bürgermeister, Christofer Schulte, Einwohner der Stadt Lünen im Stift Köln. Jürgen [/Georg] Vollenspit gen. Bartschers, Priester zu Lünen im Stift Köln und Notar, fertigt eine deutsche Übersetzung der lateinischen Urkunde an.


Enthält : (Ausf. - Perg.; 41,5x51 cm; Beschädigungen durch Mäusefraß; ohne Siegelspuren; Notariatssignet des Notars Jürgen Vollenspit gen. Bartscher; dabei: lat. Abschr. und dt. Übersetzung, Papier, 4 Siegel: Notar, Archidiakon, Pastor, Herr von Schwansbell; s. zur Neufundation W. Heß, St. Marien, Bd. 1, Lünen 1993, S. 171 ff)




1550
Caspar von Schwansbell [d. Ä.] präsentiert den Peter Molitor als Patron des von seinem Vater Heinrich von Schwansbell gestifteten [ d. h. neu fundierten] Altar St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der Kirche zu Alt-Lünen.


Enthält : (Regest: Repertorium, S. 70, 188; alte Sign. IE4e, R 116)




1573 Dez. 13, Lünen
Vor Wessel Kremer, Notar und Schreiber in Lünen, verzichtet Heinrich Wenner, Priester und Inhaber des Altars St. Johannes Baptistae [in der St. Marien-Kirche] in Alt-Lünen, freiwillig auf den Altar zugunsten des Knappen Caspar [von] Schwansbell [d. J.], Inhaber der Burg Schwansbell und als solcher Patron des genannten Altars. Zeugen sind Johannes Klinckhamer und Wessel Tilmann.


Enthält : (Ausf. - Perg.; 23x16,5 cm; Unterschrift und Notariatssignet des Notars Wessel Kremer, Schreiber in Lünen)




1586 Okt. 11, Schwansbell
Vor Theodor Gottfried Werl, Vikar zu Lünen und Notar, erschien Wessel Serries, Vikar des Altars St. Johannes Baptiste [et Evangeliste] in der Pfarrkirche [St. Marien] zu Alt-Lünen, Sohn des Dietrich Serries, Bürgermeister zu Lünen. Er bekannte, dass er von dem verstorbenen Caspar von Schwansbell d. Ä. und dessen ältesten Sohn Caspar von Schwansbell [d. J.] als Inhaber des Hauses Schwansbell und Kollator des Altars nach dem Verzicht des Heinrich Wenner als letztem Inhaber des Altars, auch nach Ableben des letzten Vikars mit der Verwaltung und dem Zubehör des Altars ausgestattet wurde. Da er nun in den Stand der Ehe einzutreten beabsichtigt, verzichtet er freiwillig auf alle Rechte und Besitzungen an dem Altar zugunsten des Caspar von Schwansbell als Kollator und Patron [des Altars]. Zeugen sind Bernhard Koepen und Albert Krummen, Bürger zu Lünen. Geschehen auf dem Haus Schwansbell, in der großen Stube.


Enthält : (Ausf. - Papier; Notariatssignet des Notars und Vikars Theodor Gottfried Werl)




1586 Nov. 14
Caspar von Schwansbell [d. J.], Besitzer der Burg Schwansbell, präsentiert dem Friedrich von Graes, Kanoniker zu Cappenberg und Pastor der Pfarrkirche St. Marien in Alt-Lünen, den Caspar Serries, Kleriker der Diözese Köln, als Patron des Altars St. Johannes des Täufers in der Kirche zu Alt-Lünen. Er bittet den Pastor um Einsetzung des Klerikers in die Vikarie des Altars. Schwansbell siegelt.


Enthält : (Ausf. - Perg.; 23,5x11,5 cm; anh. Siegel, beschädigt)




1602 Jan. 24
Caspar von Schwansbell [d. J.] und Heinrich von Schwansbell zu Schwansbell, Vater und Sohn, präsentieren dem Friedrich von Graes, Kanoniker zu Cappenberg und Pastor der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen nach Ableben des Caspar Serries, Vikar des Altars St. Johannes des Täufer, den Johannes Serries, Sohn des Dietrich Serries, Bürgermeister zu Lünen, und der Anna Micklenbrocks, als neuen Vikar des Altars. Beide unterschreiben, Caspar von Schwansbell siegelt.





1632 Juni 3
Nachdem der [1628 präsentierte] Besitzer der Vikarie St. Johannes Baptiste [et Evangeliste in der St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen, Herr Wessel zum Walde, verstorben ist, präsentiert Heinrich von Schwansbell, als Besitzer des Hauses Schwansbell Patron der Vikarie, dem Pastor der St. Marien-Kirche in Alt-Lünen in der Diözese Münster, Herrn Johann Hostedde, den Herrn Christophorus a Loen [als neuen Vikar]. Schwansbell siegelt.


Enthält : (Ausf. - Papier; 20x26 cm; anh. Siegel, besch. - RV)




1632 Juli 12
Nach dem Ableben des Vikars Herr Wessel zum Walde wurde Christophorus a Loen von Heinrich von Schwansbell zu Schwansbell, dem das Patronatsrecht über die Vikarie St. Johannes Baptiste [et Evangeliste in der St. Marien-Kirche ] zu Alt-Lünen zusteht, zum Vikar investiert. Zum Dank verspricht er dem Sohn, Heidenreich von Schwansbell, eine neue Scherpe im Wert von 30 Reichstalern innerhalb eines Jahres zu schenken.





1637, 1661
Präsentation der Vikare der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen, Johann Hostedde und Johann Althof


Enthält :
1. Heinrich von Schwansbell, Besitzer des Hauses Schwansbell, in der Region Mark gelegen, präsentiert, als Besitzer des Hauses Schwansbell Patron der Vikarie, dem Herrn Adolph Heinrich Droste von Vischering, Archidiakon in Alt-Lünen, nach der Resignation des Herrn Christophorus Loen den neuen Vikar Johann Hostedde, Pastor der Kirche zu Alt-Lünen. Heinrich von Schwansbell siegelt. (1637 Oktober 10; Textentwurf ?);
2. Heidenreich von Schwansbell, Besitzer des Hauses Schwansbell, in der Region Mark gelegen, präsentiert, als Besitzer des Hauses Schwansbell Patron der Vikarie, dem Herrn Otto Heinrich Korff gen. Smising, Archidiakon in Alt-Lünen, den neuen Vikar Johann Althof aus dem Kirchspiel Bork. (1661 Januar 16)




1637 Okt. 16
Adolph Heinrich Droste von Vischering, Archidiakon in Alt-Lünen, setzt nach der Resignation des Christophorus Loen den Johann Hostedde, Pastor in Alt-Lünen, als neuen Vikar der Vikarie St. Johannes Baptiste [et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen] ein. Der Archidiakon siegelt.


Enthält : (Ausf. - Perg.; 30x12 cm; anh. Siegel. - RV)




1666, 1670
[Heinrich Adolf] von Schwansbell entläßt den Vikar des Altars St. Johannes [Baptiste et Evangeliste] in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen, Johann Althof, und beruft Dietrich Wilhelm Kramer zum neuen Vikar.


Enthält :
1. [Heinrich Adolf von Schwansbell] bittet den Landesherrn um Bestätigung des neuen Vikars des Altars St. Johannes in der Kirche zu Alt-Lünen, Dietrich Wilhelm Kramer, den er anstelle des Johann Althof kollationiert hat. Althof habe seine Pflichten als Vikar vernachlässigt, die Kirche seit einem halben Jahr nicht mehr betreten, bezahle die geistliche Schatzung nicht von den Einkünften, habe das Haus für den Vikar in der Stadt Lünen an einen Bürger verkauft, auf Vikarienländereien Geld aufgenommen, während seines [von Schwansbells] Aufenthalt in anderen Ländern Holz geschlagen und veräußert u. a. mehr. (o. D.);
2. [Heinrich Adolf] von Schwansbell berichtet dem Landesherrn, dass er Johannes Althof, Vikar in der alten Stadt Lünen, angestellt hat, für die Zeit seines Aufenthaltes in der Fremde das Haus und die Güter zu Schwansbell zu verwalten. Bei seiner Rückkehr habe er dessen Mißwirtschaft feststellen müssen. Althof habe einen Teil der Briefschaften an sich genommen, auch sei er nie zu Hause anzutreffen. Der Herr von Schwansbell bittet den Landesherrn, den Amtmann zu Lünen, den Herrn von Sybergh, die Verhaftung des Althof zu befehlen, damit dieser gerichtlich belangt werden kann. (o. D.);
3. Streitsache [Heinrich Adolf] von Schwansbell c/a Vikar Johann Althof zu Alt-Lünen;
4. Verteidigungsschrift des Johann Althof (dabei: Auszug aus der Neufundationsurkunde des Altars St. Johannes Baptiste et Evangeliste vom 14.08.1518; vor 1666 Juni 19);
5. Der Gerichtsschreiber Caspar von Gahmen erteilt dem Gerichtsdiener Johann von Derne den Auftrag, dem Herrn von Schwansbell eine Salvationsschrift zu übergeben. (1666 Juli 3);
6. Befragung im Rechtsstreit Johann Althof, Vikar zu Alt-Lünen, c/a Johann Striek, Küster zu Alt-Lünen, (erwähnt werden Gottfried Unstede, Bürger und Ratsherr, und Bürgermeister Hüsing; o. D.);
7. Vor dem Notar Dietrich Gerlich erschien Caspar Adolph zum Bulte und übergab ein Protestschreiben, damit dasselbe dem Johann Ketteringh übergeben und dieser vernommen wird. Der Inhalt lautet: Caspar Adolph zum Bulte teilt mit, dass seinem Herrn, dem Herrn Heinrich Adolf von Schwansbell zu Schwansbell, Kollator der Vikarie St. Johannes [Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche] zu Alt-Lünen, berichtet wurde, dass Johann Ketteringh einen zur Vikarie gehörenden freien Platz in Lünen am Geistgadem von dem Vikar Johann Althof erhalten hat. Ketteringh habe den Platz mit Erde auffüllen und gleichmachen wollen, um ihn danach zu bebauen. Da der Platz zu den Gütern der Vikarie und daher dem Kollator [von Schwansbell] gehört und der Vikar denselben nicht verkaufen durfte, hat er dem Verkauf widersprochen. Der Notar hat daraufhin das Schreiben dem Ketteringh übergeben. Dieser behauptete, der Herr von Schwansbell habe dem Kauf zugestimmt, er sei aber bereit, gegen Rückzahlung der Kaufsumme den Platz wieder abzugeben. Zeugen sind Giesbert Baecks und Heinrich Nierhoff, beide Bürger zu Lünen. Der Notar unterschreibt. Geschehen in Ketteringhs Haus, in der Küche. (1670 Juli 10)




1682
Präsentation des Georg Bröckeling aus Warendorf zum Vikar der Vikarie St. Johannes [Baptiste et Evangeliste in] der [St. Marien-] Kirche in Alt-Lünen


Enthält :
1. J[ohann] H[eidenreich] v[on] Schwansbell schreibt an seinen Bruder [Heinrich Adolf von Schwansbell] auf die Frage, ob er einen Geistlichen kenne, der die Kinder auf dem Haus Schwansbell in der Religion, im Schreiben und Lesen unterrichten könne. Er schlägt Georg Bröckeling aus Warendorf für die vakante Vikarie [in Alt-Lünen] vor. Dieser hat das Theologiestudium absolviert und bereits 1 Jahr lang praktiziert. (Warendorf, 1682 Januar 9; Lacksiegel);
2. Georg Bröckeling von Warendorf bekennt, dass auf seine Bitte hin der Herr Heinrich Adolf von Schwansbell ihm die Vikarie St. Johannes Baptiste [et Evangeliste] in Alt-Lünen übergeben hat, nachdem der Archidiakon diesselbe als vakant deklariert hatte. Er unterschreibt. (1682 Mai 12);
3. H[einrich] A[dolf] v[on] Schwansbell, Besitzer des Hauses Schwansbell in der Grafschaft Mark und Kollator des Altars St. Johannes Baptiste [et Evangeliste] in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen präsentiert dem Herrn Wilhelm von Fürstenberg, Archidiakon in Alt-Lünen, den Vikar. (Textentwurf, ohne Nennung des Vikars; o. D.)




1686, 1738 - 1739, 1886
Verpflichtung des Vikars der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen zur Lesung von Messen auf dem Haus Schwansbell


Enthält :
1. Dekret des Richters zu Lünen, Wilhelm Wever, dass der katholische Priester zu Schwansbell keinen Dienst tun soll: Der Herr von Schwansbell hat unter dem Verstoß gegen den Westfälischen Frieden sowie gegen die mit dem Pfalzgrafen von Neuburg geschlossenen Religionsrezesse und Reversalien auf dem Haus Schwansbell durch einen römisch-katholischen Priester Messen lesen lassen [s. hierzu Urk. 39, Neufundation von 1518 August 14]. Auf dem Haus Schwansbell wohnt der katholische Vikar [Georg] Bröckeling. Dem Herrn von Schwansbell wird unter Strafandrohung befohlen, auf dem Haus Schwansbell keine katholischen Religionsausübungen (exercitii religionis) mehr vornehmen zu lassen. [Der Amtmann] G[eorg] R[einhard] von Syberg und der Richter Wilhelm Wever unterschreiben. (Lünen, 1686 Febr. 23);
2. Textvorschlag für den Antrag [des Freiherrn Heinrich Wennemar von Merode] auf Erteilung der Investitur (Einsetzung in das Amt) oder Kollation (Ernennung des Amtsinhabers) für einen neuen Inhaber des Benefiziums [Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste] des Hauses Schwansbell in [der St. Marien-Kirche zu] Alt-Lünen an die Regierung zu Kleve. (Anfang 18. Jh.; dabei: Vermerk in französisch);
3. Der Richter der Stadt und des Amtes Lünen, Jobst Dietrich Christian Basse, berichtet der Regierung zu Kleve auf Grund eines Befehls vom 16.09.1738, ob auf dem Haus Schwansbell römisch-katholische Gottesdienste öffentlich gehalten werden und ob sich die umliegenden Eingesessenen hierzu einfinden: Der Richter hat die Führer und Vorsteher des Amtes [Lünen], die nächsten Nachbarn des Hauses Schwansbell und Personen, die hiervon Wissen haben könnten, befragt. Während der Schließung der katholischen Kirche zu Alt-Lünen [1729-1735] hätten die Eingesessenen sich oftmals an das Haus Schwansbell gewandt und an den Gottesdiensten und Kulthandlungen (sacra) teilgenommen. Nach der Kirchenöffnung sei anstelle eines Predigers lediglich ein Vikar auf dem Haus Schwansbell tätig. Der Vikar erhält die Einkünfte aus einer Vikarie [St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen] und hat auch in der Kirche zu Alt-Lünen die Messe zu lesen. Auf dem Haus Schwansbell liest er die Messe für die verwitwete Freifrau von Merode, die Bediensteten und das Gesinde. Darüber hinaus verrichtet er die Litaneien und Betstunden. Die privaten Andachten erfolgen nur in einem Zimmer des Hauses. Andere Kulthandlungen (sacra) erfolgen nicht. (Lünen, 1738 Oktober 17);
4. Zirkular wegen der Kollationspatente der römisch-katholischen Pastöre: Im Herzogtum Kleve und in der Grafschaft Mark haben einige römisch-katholische Pastöre ihr Kollationspatent von Privatpersonen erhalten und sind in ihr Amt eingesetzt worden, ohne vorher die landesherrliche Genehmigung der klevischen Regierung einzuholen. Allen klevisch-märkischen Richtern, Schultheißen und Gografen wird befohlen, von den römisch-katholischen Pastören entweder das landesherrliche Kollationspatent nachzuweisen oder aber die landesherrliche Zustimmung zur Privatkollation in Kopie an die Regierung in Kleve einzureichen. (Kleve, 1739 März 2);
5. [Der Richter zu Lünen, Jobst Dietrich Christian] Basse, fordert den römisch-katholischen Prediger zu Schwansbell auf, einen Bericht zu fertigen und der Verfügung der klevischen Regierung Folge zu leisten, [d. h. die landesherrliche Zustimmung zur Privatkollation nachzuweisen]. (Lünen, 1739 Mai 30);
6. Das bischöfliche Generalvikariat zu Münster teilt dem Grafen Carl von Westerholt-Gysenberg zu Schloss Arenfels bei Hönningen/Rheinland mit, dass die auf dem Südufer der Lippe gelegene Pfarre, darunter Kirchderne, kurkölnisch waren und nicht zur Diözese Münster gehört hat. Auch wenn die katholischen Bewohner des Hauses Schwansbell sich nach dem Übertritt der Pfarrei Kirchderne zum Protestantismus sich der Pfarrei zu Alt-Lünen anschlossen, können daraus keine Pfarrechte und Rechtsansprüche an dem kirchlichen Vermögen dieser Pfarrei hergeleitet werden. Daran ändert auch nichts der Besitz von Kirchenbänken oder die Stiftung der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste. Eine Übertragung dieser Vikarie an die künftige Pfarrkirche in Lünen [Herz-Jesu] ist nicht möglich. (Münster, 1886 September 30)




1687 - 1890
Kirchensitze und Begräbnisplätze des Hauses Schwansbell in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen


Enthält :
1. Der Herr [Heinrich Adolf] von Schwansbell zu Schwansbell hat sich beklagt, dass der Pastor der alten Stadt Lünen, Herr Wilhelm Wissing, seine über 40 Jahre auf dem Chor der [St. Marien-] Kirche stehenden Bänke entfernt hat. Ihm wird die Wiederaufstellung befohlen. D. Toll unterschreibt. (Rodenberg, 1687 August 18); - dabei: Vermerk des Gerichtsdieners zu Lünen, Heinrich Trimbusch, über die Überreichung des Schreibens an den Pastor in der Altstadt (1687 August 19);
2. Beschluß der Synode zu Alt-Lünen: Es war ein Streit über die auf dem Chor der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen stehenden, dem Haus Schwansbell gehörenden Frauenbank entstanden, die entfernt und am Fuße des Chores nahe dem mittleren Altar aufgestellt wurde. Die Frauenbank soll hier stehen bleiben. Sofern neue Bänke aufgestellt werden, soll der Herr von Schwansbell seine Frauenbank zur Hälfte sowie eine durchgehende Bank für die Kammerdiener und Mägde aufstellen können. Der Archidiakon genehmigt die Männerbank unter dem Lettner im Chor. Wegen der Begräbnisstätten wurde beschlossen, dass der Herr von Schwansbell neben den 8 großen Leichensteinen und dem 1 kleinen im mittleren Gang und nahe dem Gang zum Altar St. Johannes Baptiste et Evangeliste bis zur ersten großen Kirchentür nutzen darf. Die Begräbnisplätze auf dem Kirchhof bleiben dem Haus Schwansbell vorbehalten. Dietrich Laurenz Detten unterschreibt. (in der Synode zu Alt-Lünen, 1688 Juni 1);
3. Verzeichnis der Einnahmen für die Verpachtung der Kirchensitze und Vergabe der Begräbnisplätze (1791-1808);
4. Auflistung der Kirchensitze in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen: [Das Haus Schwansbell] besitzt eine Chorbank mit 2 Sitzen und neben der ersten Bank für die Herrschaft 3 Bänke mit je 5 Sitzen für die Dienerschaft im Kirchenschiff. Es werden die Besitzer von 17 Kirchensitzen erwähnt. (1858 September 21 / Oktober 1);
5. Übernahme des Schlüssels für die erste [Schwansbeller] Kirchenbank [in der St. Marien-Kirche] nach dem Tod des Grafen [Wilhelm Achilles von Westerholt-Gysenberg 1854] durch den Dr. und Chirurg H. Henseler. (Lünen, 1859 Februar 1; Verwendung eines mit dem Namen der Firma Wehrenbold & Co. / Eisenhütte Westphalia gestanzten Blattes);
6. Kündigung der Schwansbeller Bank gegenüber Wilhelm Weischenberg in Beckinghausen durch [den Verwalter des Hauses Schwansbell,] Greve (Lünen, 1885 Januar 6);
7. Der neue kommissarische Amtmann Graf von Looz-Corzwaren, Rittmeister a. D., seit dem 01.01.1890 mit seiner Familie in Lünen wohnend, bittet den Grafen [Carl von Westerholt-Gysenberg] um Nutzung der Kirchensitze in der stets gefüllten katholischen [St. Marien-] Kirche. (Lünen, 1890 Februar 1); - dabei: Genehmigung und Übergabe der Schlüssel (1890 Februar 28)




1699 - 1703
Quittungen des Georg Bröckeling, Vikar zu Alt-Lünen, über die Zahlung rückständiger und laufender Zinsen aus 2 Kapitalien durch den Freiherrn von Merode, Herr zu Merfeld und Schwansbell: Zinsen seit 1682 aus einem Kapital in Höhe von 40 rheinischen Goldgulden laut einer Obligation vom 11. August 1528 sowie seit 1693 aus einem Kapital in Höhe von 100 Reichstalern laut einer Obligation vom 30. August 1687, beide zugunsten der Vikarie St. Johannis baptiste [in der St. Marien-Kirche] zu Alt-Lünen.





1703 April 5, Schwansbell
Freiherr Heinrich Wennemar von Merode, Besitzer des Hauses Schwansbell in der Grafschaft Mark und Patron der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen, präsentiert nach der Resignation des zur Kirche in Wadersloh wechselnden Herrn Georg Bröckeling den Herrn Bernhard Grelle als neuen Vikar. Er unterschreibt und siegelt.


Enthält : (Lacksiegel; dabei: Abschrift)




1704, 1715, 1741/42
Verzeichnis der Zubehörungen und der Einkünfte der Vikarie [St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen]


Enthält : Erwähnung von Flurnamen, Hausbesitzern in Lünen, Bürgermeister Wiemann (1704), Lüner Ziegelofen (1715), Bürgermeister Pirmann (1715), Hagelstraße (1715)




1709 - 1710
Präsentation und Revers des Johann Vincenz Ross gen. Cramer als Vikar der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen


Enthält : Freiherr Heinrich Wennemar von Merode, Besitzer des Hauses Schwansbell in der Grafschaft Mark und Patron der Vikarie, präsentiert dem Pastor zu Alt-Lünen den neuen Vikar. Er unterschreibt und siegelt. (Schwansbell, 1709 September 11; Lacksiegel); Revers des Vikars Johann Vincenz Ross gen. Cramer (Köln, 1709 September 29)




(1575, 1648), 1709 - 1715
Streitigkeiten zwischen dem Bischof von Münster und dem König in Preußen, vertreten durch den Richter zu Lünen, Johann Gerhard Wever: Auf Grund eines gegen Bernhard Grelle in Lünen geführten fiskalischen Prozesses wurde dieser seines Amtes als Vikar [des Altars St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen] enthoben. Der Bischof fordert die Wiedereinsetzung des resignierten Vikars und die Zahlung der Einkünfte aus der Vikarie. Es werden die im Bistum gelegenen Besitzungen des Kollators und Patrons des Altars, des Freiherrn von Merode zu Schwansbell, gepfändet. Der Richter unterstützt den Nachfolger, Vikar [Johann Vincenz] Ross [gen. Cramer], im Prozeß gegen Grelle. Aus dem Anspruch der märkischen Zuständigkeit über das Benefizium ergibt sich der Befehl des Richters an den Pastor zu Alt-Lünen auf Untersagung der Verwaltung des Benefiziums durch den resignierten Vikar Grelle.


Enthält : Auszüge aus dem Grenzvertrag zwischen dem Herzog zu Kleve und dem Stift Münster zur Grenze bei Alt-Lünen vom 02.05.1575 sowie aus dem Westfälischen Friedensvertrag zu Osnabrück von 1648; Unterschriften des Bischofs Franz Arnold zu Münster und Paderborn (23.02./20.10./18.12.1714; 14.05./03.10.1715) sowie Lacksiegel (18.12.1714; Febr. 1715)




1713 - 1714
Resignation des Johannes Vincentz Ross gen. Cramer zu Waltrop als Vikar [der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen]


Enthält : Lacksiegel (05.08.1713, 31.12.1714)




1741, 1744
Angelegenheiten des Ferdinand Benedikt Roskardt, Vikar des Altars St. Johannes Baptiste et Evangeliste [in der St. Marien-Kirche] zu Alt-Lünen


Enthält : Freiherr Heinrich Werner Johann Anton von Merode zu Merfeld und Schwansbell ernennt den Vikar zu St. Martini in Münster zu seinem Verwalter in Münster (Münster, 1741 April 14); derselbe präsentiert ihn als Vikar zu Alt-Lünen (Münster, 1744 April 22); Aufstellung der Kosten für die Reparatur und Neuausstattung eines Reisewagens (1741); Quittungen des Vikars über Zahlungen durch den Freiherrn von Merode (1744)




1742 Sept. 12, Schwansbell
Nachdem der Besitzer der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen, Herr [J.] Müller, resigniert hat, präsentiert der Freiherr Heinrich Werner Johannes Antonius von Merode zu Merfeld und Schwansbell, als Besitzer des Hauses Schwansbell Patron der Vikarie, dem Herrn Jodocus Heinrich Wiedemann, Pastor zu Alt-Lünen, den Herrn Adolph Heinrich Schütte, Geistlicher aus Laer, als neuen Vikar. Er unterschreibt und siegelt.


Enthält : (Abschrift)




1747
Bewerbung des Bernhard Hermann Gahmen um die vakante Stelle als Vikar der Vikarie St. Johannes Baptiste et Evangeliste [in der St. Marien-Kirche] zu Alt-Lünen


Enthält :
1. Alexander Johann Schultze zu Gahmen verspricht, dass er im Falle der Einsetzung seines schreibunkundigen Sohnes Bernhard Hermann als Vikar zum Dank 50 Reichstaler geben wird. Er unterschreibt und siegelt. (1747 Juni 23);
2. Bernhard Hermann Gahmen bewirbt sich aufgrund einer Mitteilung seiner Schwester, der Frau Würmstall zu Hörde, um die Stelle als Vikar (o. D.);
3. Textentwürfe zur Präsentation des Bernhard Hermann Gahmen als Vikar anstelle des resignierten Vikars [J.] Müller (o. D.; 1747)




1747 Febr. 2
Schreiben des J. Müller zu Telgte, [resignierter Vikar des Altars St. Johannes Baptiste et Evangeliste in der St. Marien-Kirche zu Alt-Lünen] an den Freiherrn [Heinrich Werner Anton Joseph] von Merode zu Schwansbell und zu Merfeld wegen der Vikarie





(1771 ?)
Schreiben des NN an den [Pfarrer zu Alt-Lünen ?]: Nachdem der Vikar des NN, Kannebrock, gestorben ist, soll der Sohn des Flaesheimschen Sekretärs Funke, [Peter Anton Funcke,] die Vikarie erhalten. Da dieser jedoch im Besitz der Vikarie zu Alt-Lünen ist, soll der Herr von Varst als Herr zu Schwansbell und Patron der Vikarie um die Zustimmung zu der erforderlichen Resignation gebeten werden. Stattdessen soll der Kaplan zu Olfen, Edelbrock, das Benefizium erhalten. Dafür wird dem Herrn von Schwansbell die Begleichung von Schulden des Benefiziums und des Hauses Schwansbell in Aussicht gestellt.





1786, 1788, 1806
Kollations- und Patronatsrecht der Freifrau von Diepenbroick zu Schwansbell über die Vikarie [St. Johannes Baptiste et Evangeliste] in der [St. Marien-] Kirche zu Alt-Lünen


Enthält :
1. Freifrau von Diepenbroick zu Schwansbell c/a Freiherr von Merode zu Merfeld: Der Freifrau von Diepenbroick wird das Kollationsrecht an der Vikarie zugestanden und die von dem Freiherrn von Merode ausgeübte Kollation des Vikars Brockhausen aberkannt. Gemäß der Stiftungsurkunde von 1518 [s. Urk. 39] steht nur dem Besitzer des Hauses Schwansbell das Patronatsrecht zu. Dieses geht von der Familie von Merode auf die Freifrau von Diepenbroick als Käuferin des Hauses Schwansbell über, auch wenn dies bei der im Jahre 1776 erfolgten Subhastation nicht ausdrücklich erwähnt worden ist (1788);
2. Vikar Fuisting [zu Alt-Lünen] c/a Hollermann in Lünen wegen der Abtretung von zur Vikarie gehörendem Holzgewächs am Buchenberg bei Lünen (1806)



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