Stadtarchiv Münster
E. STADTGESCHICHTLICHE DOKUMENTATION
ZEITUNGSARTIKEL "AUF ROTER ERDE" ZUR STADTGESCHICHTE
Zeitungsartikel 'Auf roter Erde'

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Damals geriet die ganze Welt aus den Fugen

v.num : 5

Enthält : 1534/35 Herrschaft der Täufer in Münster

Europäische Rahmengeschichte:
- Zeit des Umbruchs
- im Zentrum des Weltgeschehens stehen das Heilige Römische Reich und die christlichen Staaten Europas
- das christliche Europa wird bedroht durch die Türekn:
1453 Eroberung Konstantinopels
1491 Beschluss des Nürnberger Reichstages zum Kampf gegen die Türken (damit wurde das Ende des sechsten Zeitalters der Weltchronik und somit der Beginnn des siebten und letzten Zeitalters eingeleitet)
- insgesamt erscheint die christliche Welt jedoch bis zum Erscheinen Luthers als eine in sich geschlossene, ruhende und geordnete Welt

Literatur und Philosophie:
1494 Die Satire "Narrenschiff" von Sebastian Brant erscheint. Hier wird die Geselschaft eine Welt voller Narren beschrieben, denen der Narrenspiegel vorgehalten wird. Brant warnt vor der Bedrohung des Reiches durch die Türken und befasst sich sogar in einem Kapitel ausschließlich mit dem "Antichrist", dessen Niederwerfung Ziel des siebten und letzten Zeitalters ist.
1498 Das niederdeutsche Versepos "Reynke de voss", eine satirische Fabel, die antifeudale Züge trägt, wird gedruckt. Die Fabel enthält zwar kein sozialrevolutionäres Programm, dennoch wird eine Umwertung der überkommenen sozialen Werte deutlich sichtbar, die in den Folgejahren eine starke Wirkung mit sich zog.
1509 Die Schrift des Erasmus von Rotterdam "Lob der Torheit", die den Schein und dei Scheinheiligkeit in Kirche und Gesellschaft aufdeckt, erscheint. Die gebildeten Humanisten Europas waren von dieser Schrift begeistert und feierten erasmus als den "Fürsten der Humanisten"
1515/16 Thomas Morus hält sich als Gesandter des englischen Königs Henry VIII. mehrere Monate in Flandern auf, um einen Handelsvertrag auszuhandeln. Dort entsteht die Idee zu seiner "Utopia", einer Welt, in der privates Eigentum abgelehnt wird.
1531 Sebastian Francks "Chronica. Zeitbuch und Geschichtsbibel" erscheint erstamls. Diese Chronik unterscheidet sich grundlegend von allen früheren Chroniken. Er schrieb Geschichte gegen den Strich und konfrontierte die Historie der Kaiser, Päpste und Konzilien mit der Geschichte der Ketzer.

Mentalitäten in der Zeit der Täufer:
- Deutschland war in Konfessionen gespalten.
- Bewusstsein für Geschichtlichkeit von Kirche und Welt ist geschärft
-

Darin : Die Zeit der Täufer in Münster




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Geschichte der Machtergreifung 1532

v.num : 129

Enthält : Zwei Seiten - bitte blättern!!
23. Februar 1532: Bernhard Rottmann dringt in die Lambertikirche ein. Seit dem Tag war er Pfarrer dieser angesehensten Kirche Münsters.
Die Gegenseite blieb diesem Gewaltakt gegenüber nicht untätig: Der Bischof Herzog Erich von Braunschweig-Grubenhagen, forderte den Magistrat auf, Rottmann zu entlassen und drohte ansonsten Strafen an.
Der Rat wagte es aber nicht Rottmann zu entlassen.
Das Domkapitel bat den Papst, Rottmann militärisch zum Schweigen zu bringen.
Mai 1532: Der Rat setzte die Stadt in Verteidigungsbereitschaft.
14. Mai 1532: Völlig unvorbereitet starb aber der Bischof. Dieser Tod rettete Rottmann vor der Absetzung.
1. Juni 1532: Der Mindener Bischof Graf Franz von Waldeck wurde zum geistlichen Landesherrn von Münster postuliert.
Juli 1532: Die Gilden bewirkten beim Rat, dass in der Stadt nur noch eine Religion gelehrt werden sollte, die auch militärisch verteidigt werden musste.
12. Juli: Kaiser Karl V forderte den Bischof auf, gegen die Stadt militärisch vorzugehen.
10. August: Münster wird evangelisch
14. Februar 1533: Der Fürstbischof gewährt der Stadt Religionsfreiheit unter massivem Druck des Landgrafen von Hessen.
25. juni 1535: Bei der Eroberung Münsters konnte Rottmann entkommen.

Darin : Wiedertäufer Bernhard Rothmann, Prediger und Pfarrer an St. Lamberti




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Der "Kanzler" entkam nach Ostfriesland

v.num : 310

Enthält : Drei Seiten - bitte blättern!

Im Jahre 1949 wurde der Grabstein des 1580 verstorbenen Hinrich Krechtling entdeckt, der Kanzler des Täuferkönigs Jan von Leiden gewesen war. Das Grab befindet sich auf dem Kirchhof zu Dykhausen, nicht weit von Sande gelegen. 1536 wurden Bernhard Krechtling, ein Bruder Hinrichs, gemeinsam mit von Leiden und Knipperdolling auf dem Markt zu Münster mit glühenden Zangen zu Tode gezwickt. Hinrich Krechtling entkam. Es gibt keine genauen Nachrichten darüber, wie er entkommen konnte. Es wird angenommen, dass er bei den Landsknechten war, die bei Niederlegung der Waffen freies Geleit aus der Stadt heraus erhalten hatten. (vgl. Fortsetzung in Nr. 309)

Weitere Artikel zu:
- Kreuztracht in Beckum im 18. Jahrhundert
- Westfälische Kommunalwappen - Kreis Minden II

Darin : Das Ende des Wiedertäuferreichs, dargestellt am Schicksal Heinrich Krechtings




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Zwischen Verachtung und Bewunderung

v.num : 405

Enthält : (Täuferherrschaft in Münster 1534/35)
Bericht von drei Zeitgenossen über die Täufer, ihren Staat, Anführer und ihr Ende:
Sebastian Franck, "linker Flügel" der Reformation, schreibt eher gegen Täufer, da er dem Machtanspruch einer Obrigkeit kritisch Gegenübersteht:
Eine schädliche Sekte, welche sich in Münster vermehrt habe und sich für Israeliten halte. Zu Jan van Leiden, dem "König" der Täufer schreibt er u.a.: Von angenehmer Person, Gestalt und Vernunft. Ein edler und wunderbarer Mann. Er beschreibt den Hof und die Armee des van Leiden ausführlich. Dann geht er auf das Eheverhalten der Täufer und auf die "Fabelwelt" jener ein. Hier nennt er den König einen Betrüger.
Der Jurist Vigilius Zuichemus schreibt an Erasmus von Rotterdam:
Die Täufer seien eine fanatische Sekte. Er schreibt auch, dass jene all jene vertrieben, die sich der Wiedertaufe widersetzten. Über van Leiden schreibt er, dass er es verstünde den Wahn der Bürger zu vergrößern. Er spiele den Bürgern etwas vor und ließe Willkür walten.
Des Weiteren spricht er von Morden an beliebig ausgewählten einzelnen Bürgern. Er lobt allerdings die Tapferkeit und Organisiertheit der täuferischen Kämpfer und stuft den Täuferstaat als große Gefahr ein.
Conrad Heresbach, der im Dienste des Herzogs von Kleve stand, beschrieb Erasmus das Ende der Täufer:
Die Täufergemeinschaft, so schreibt er, habe sich selbst vernichtet, bevor es die Belagerer getan hätten. Dies sei durch die Ungleichverteilung von Nahrungsmitteln und die dadurch entstandene Herrschaftsform geschehen. Hätte eine Gütergemeinschaft am Anfang gestanden, so Heresbach, dann wäre diese im Laufe der Zeit durch Hortung der Lebensmittel zu einer Oligarchie und am Ende gar zu einer Tyrannei geworden.

Der Artikel enthält viele Details über die Ansichten dieser drei Zeitgenossen, was die Täufer betraf.

Darin : Wie Zeitgenossen die Täufer erlebten




ohne Datum
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Als Münster um den Glauben kämpfte

v.num : 487

Enthält : - 1530 Bestärkung der Stadt Münster in ihrem Kampf gegen den Protestantismus durch Karl V.

- 1532 Predigtverbot des Fürstbischofs für den sehr beliebten protestantischen Kaplan Bernhard Rothmann; weiteres Wirken Rothmanns dank der Protektion und Beherbergung durch die Kramergilde

- Rothmann predigte widerrechtlich in St. Lamberti

- Bischof Franz von Waldeck verlangte die Einstellung der lutherischen Predigten; innerstädtische Vereinbarung der Protestanten mit dem Rat über reguläre protestantische Predigten in Münster und Stärkung der Position Rothmanns (ohne Berufung auf die Confessio Augustana)

- 1533 Erster Konflikt zwischen Bischof und Stadt; Bischof lenkt ein

- August: Neuaufnahme der Diskussion um die 1529 verbotene Wiedertaufe; mehrheitlich evangelischer Stadtrat diskutiert mit Rothmann, der nur den Aufschub der Kindertaufe fordert

- September: Kriminalisierung Rothmanns als "Wiedertäufer", Spaltung der Bevölkerung und zeitweiliges Predigtverbot

- November: Pfarrer Fabricius, Abgesandter des Landgrafen von Hessen, erarbeitet neue Kirchenordung, die von Rothmanns Anhängern als dessen Rechtfertigung aufgefasst wird; Ankunft des Mathys und Massenwiedertaufe

- Neue Gemeinde in Münster meidet Kirchen als Versammlungsorte

- Turm von St. Lamberti bleibt bis heute Zeichen der Intoleranz (beider Seiten); Käfige dienen nur noch touristischen Interessen

Darin : Stadt- und Marktkirche St. Lamberti als Schauplatz von Reformation und Täuferbewegung / Käfige sind als Touristen-Attraktion umstritten



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